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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.5.1954 wird AC/DC-Groove-Maschine Phil Rudd geboren.

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Phil Rudd

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.5.1954.

von Christof Leim

Ein Beat wie ein Traktor: Dank Phil Rudd drücken und grooven AC/DC mehr als so ziemlich jede andere Rockband dieser Erde. Sein Spiel mag sich einfach anhören, aber das ist es nicht. Der Meister des schnörkellos geballerten Viervierteltakts feiert am 19. Mai Geburtstag. Darauf ein donnerndes Bumm-Tschack!


Hier könnt ihr in alle AC/DC-Songs mit Phil Rudd reinhören:

Klickt auf „Listen“ für die volle Ladung.


Four to the floor. Uff-basch, uff-basch. Zwo-und-vier. Phil Rudd spielt keine Kunststückchen. Der Beat muss schieben, der Beat muss mitreißen, fertig. Schon seit Rock Around The Clock und Chuck Berry. Es fällt nicht schwer, den Rhythmus nachzuvollziehen, den der Australier schon seit den frühen Siebzigern raushaut. Allerdings kann das kaum jemand so gut wie er. Wer jemals versucht hat, AC/DC richtig nachzuspielen, und zwar nicht einfach so, sondern mit diesem Groove und diesem „Punch“, der weiß das.

Phil Rudd besitzt die Gabe, den Beat noch mehr swingen und zupacken zu lassen. Mal spielt er ein bisschen „dahinter“, mal ein bisschen „davor“ – mikroskopische Nuancen, die zuverlässig am Hirn vorbei funktionieren. Das kann man kaum üben oder erlernen, das hat man oder nicht. Zusammen mit einem rhythmischen Monster wie Malcolm Young an der Gitarre ergibt das eine unaufhaltsame Vierviertel-Dampfwalze, die keiner so schnell nachmachen kann. Weswegen AC/DC schon aus Prinzip die beste Rock’n’Roll-Band der Welt sind.

Los geht es am 19. Mai 1954, als Phillip Hugh Norman Witschke Rudzevecuis in Melbourne zur Welt kommt. Seine Eltern sind deutscher und irischer Abstammung, sein Stiefvater kommt aus Litauen, was den Nachnamen des zukünftigen Trommelgotts erklärt (eigentliche Schreibweise: Rudzevičius). Als Teenager entdeckt Phil das Schlagzeug, 1973 schließt er sich der Band Buster Brown an, bei der Rose Tattoo-Giftzwerg Angry Anderson singt. Mit denen trommelt Rudd 1974 das Album Something To Say ein. Kurz spielt er auch bei Coloured Balls, doch das sind alles kleine Fische im Vergleich zu dem, was danach kommt…

Die Rückseite der Buster-Brown-Platte von 1974: Phil Rudd steht vorne, Angry Anderson sitzt auf dem Autodach

In Sydney hatten die beiden Brüder Malcolm und Angus Young eine kleine Bands namens AC/DC gegründet und jede Menge Mitmusiker verschlissen. Als sie 1975 mal wieder einen Drummer suchen, spielt Phil Rudd bei ihnen vor – und wird auf der Stelle angeheuert. Sein effektiver Stil passt bestens zu dem Hochoktan-Boogie der beiden Gitarristen. Im gleichen Jahr erscheint das Debütalbum High Voltage, der Rest ist, ihr ahnt es schon, Geschichte: AC/DC steigen zu einer Rock’n’Roll-Macht sondergleichen auf.



Dahinter steckt ein gnadenloses Pensum an Aufnahmen und Konzerten. Das kostet seinen Preis: Alkohol gehört bei Malcolm und Sänger Bon Scott zum Tagesgeschäft, der Drummer bekommt mentale Probleme. So berichtet Bon während der 1978er-Tour zu Powerage in einem Brief an seine Schwester, dass Phil einen „einen kleinen Nervenzusammenbruch“ erlitten habe und „viel Zeit mit einem Psychiater“ verbringe: „Das war echt schlimm“, schreibt der Sänger, „aber glücklicherweise hat er es schnell genug überwunden, bevor es die Band durcheinander gebracht hat. Wir mussten ihn eine Weile mit Samthandschuhen anpacken, aber jetzt geht es ihm gut.“ Was den Schlagzeuger sonst beschäftigt, erfährt man nicht: AC/DC sind bekannt dafür, kaum etwas aus ihrem Privatleben an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Interviews erledigen die Brüder oder der Frontmann.



1979 landet das Quartett mit Highway To Hell einen ersten Hit und knackt den US-Markt; Rudd freut sich: „Ich bin losmarschiert und habe mir meinen ersten Ferrari gekauft“. Am 19. Februar 1980 allerdings verstirbt Bon Scott an den Folgen einer durchzechten Nacht, was seinen guten Freund Rudd schwer trifft. Das folgende Back In Black mit neuem Sänger Brian Johnson geht dann 1980 komplett durch die Decke, AC/DC werden zu Superstars.

Zwei Alben später gibt es jedoch Ärger im Paradies: Bei den Aufnahmen zu Flick Of The Switch sind alle Musiker komplett durch. Bei Rudd machen sich zunehmend Alkohol- und Drogenproblem bemerkbar, außerdem kommt es zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit Bandchef Malcolm Young: Angeblich sei Phil zu einer Show in Long Island zwei Stunden zu spät gekommen, heißt es im Buch AC/DC: Maximum Rock & Roll, weswegen Malcolm ihm kurzerhand eine reingehauen habe. Das markiert nur die Spitze des Eisbergs, die allgemeinen Probleme – zwischenmenschlich und jeder mit sich selbst – brodeln schon lange unter der Oberfläche. Die Konsequenz: Phil Rudd wird nach acht Alben rausgeworfen, die Drumtracks für Flick Of The Switch sind da glücklicherweise schon im Kasten. Sein Nachfolger wird der erst 19-jährige Schotte Simon Wright.

Die nächsten Jahre verbringt Rudd in Neuseeland und tut nur Dinge, auf die er Lust hat, nämlich „mit schnellen Autos fahren, im Helikopter fliegen und Landwirtschaft betreiben“. Tatsächlich kauft sich (und betreibt) der Mann eine Firma, die Helikopter anbietet, baut ein Tonstudio auf und sammelt teure Sportwagen. Ansonsten freut er sich über seine Ruhe und heiratet zwischendurch auch mal, mittlerweile ist er Vater von fünf Kindern. Ans Schlagzeug setzt er sich, wenn er will, nicht wenn er muss. Viel mehr erfährt man nicht, und auch AC/DC reden kaum über den Wechsel.

Phil 1995 auf der „Ballbreaker“-Tour – Pic: Ac-dcfreak785/Wiki Commons

Als die Band allerdings 1991 zu The Razors Edge und mit Chris Slade am Schlagzeug durch Neuseeland tourt, laden sie ihren alten Kollegen zu einer Jamsession ein. Erste Bande sind geknüpft, und weil Malcolm trotzdem der Qualitäten von Wright und Slade immer einen bestimmten Groove vermisst hat, kommt, was kommen muss: Ende 1993 steigt Phil Rudd wieder bei AC/DC ein.

Zwischendurch wird unser Mann nochmal wegen Cannabis-Besitzes angeklagt, entgeht aber einer Strafe, auch eröffnet er das Restaurant Phil’s Place im neuseeländischen Tauranga. Am 29. August 2014 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum names Head Job, aufgenommen mit den international nicht bekannten Musikern Allan Badger (Bass/Gesang) und Geoffrey Martin (Gitarre).



Mit seiner Stammkapelle spielt er vier Alben ein, doch kurz vor Veröffentlichung des äußerst erfolgreichen Rock Or Bust im November 2014 wird Phil Rudd verhaftet: Neben dem erneuten Vorwurf des Drogenbesitzes (diesmal auch Methamphetamine) legt man ihm zur Last, unliebsame ehemalige Geschäftspartner mit dem Tod bedroht, ja sogar einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Anscheinend ist der Drummer völlig aus der Spur geraten; seine Bandkollegen lassen durchblicken, dass er nicht mehr der Phil sei, denn sie von früher kennen. Schon während de Aufnahmen, Fotosessions und Videodrehs habe er sich als unzuverlässig erwiesen. Bei Gerichtsterminen gibt Rudd während dieser Zeit ein desolates Bild ab und wirkt gar nicht gesund, zudem verhält er sich wenig kooperativ. Das führt dazu, dass AC/DC die anstehende Welttour mit Chris Slade hinter dem Kit bestreiten und Rudd zudem zu acht Monaten Hausarrest und Strafzahlungen verurteilt wird.



Doch anscheinend fängt Rudd sich wieder: Nach eigenen Aussagen hat er den „verrückten Scheiß“ aufgegeben – und will seinen alten Job zurück. Im Sommer 2018 tauchen schließlich Bilder auf, die ihn und Brian Johnson auf der Terrasse eines Studios in Vancouver zeigen. Das scheint noch mal gut gegangen zu sein… Wir sagen „Herzlichen Glückwunsch!“ und freuen uns auf noch mehr Vierteltakt!



Titelfoto: Harry (Howard) Potts/Wiki Commons

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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.6.1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt.

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Hat gut lachen: Carly Simon 1971 - Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.6.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 25. Juni 1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt. Die Künstlerin sammelt Männerherzen und Grammys gleichermaßen und legt mit You’re So Vain einen der großen Hits der Siebziger hin. Um die Identität des eitlen Protagonisten im Songtext macht sie lange Zeit ein Geheimnis. Wir blicken zurück auf ein – zumindest teilgelöstes – Popkultur-Rätsel und erweisen Simon zugleich die Geburtstagsehre.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Carly Simon anhören:

Carly Elisabeth Simon wird am 25. Juni 1945 in New York City geboren als Tochter des renommierten Verlagsgründers Richard L. Simon (von Simon & Schuster). Ihre ersten musikalischen Babyschritte unternimmt die Sängerin Mitte der Sechziger in Verbund mit ihrer Schwester Lucy. Doch abgesehen von dem auf einem Kindergedicht basierenden Minihit Winkin’, Blinkin’ And Nod ist es mit der Karriere Simon Sisters nicht weit her. 

Blitzstart

Doch schon im Jahre 1970 stellt die Vertragsunterzeichnung bei The-Doors-Entdecker Jac Holzman und dessen Plattenfirma Elektra die Weichen für eine erfolgreiche Sololaufbahn. Ihr schlicht Carly Simon betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1971 birgt bereits den Hit That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be und bringt Simon sogar schon einen ersten Grammy in der Kategorie „Beste neue Künstlerin“ ein. Kein schlechter Start, sondern der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Nachfolgealbum Anticipation noch im gleich Jahr fortgeschrieben wird. 

Dabei ist es Simons 1972 veröffentlichtes drittes Album, welches ironischerweise No Secrets betitelt ist, das zu ihrem großen internationalen Durchbruch wird. Es enthält mit You’re So Vain ihren künftigen Erkennungssong, der in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins erreicht. Das Lied besticht schon musikalisch durch Prominenz: So stammt das markante Bass-Intro von Beatles-Intimus und Grafiker Klaus Voormann, während niemand Geringeres als Mick Jagger – inkognito – zum Background-Gesang beiträgt. 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Noch delikater und spannender gestaltet sich allerdings die inhaltliche Ebene des Stücks, in dem Simon die Eitelkeiten eines männlichen Liebhabers besingt. Die Spekulationen um dessen wahre Identität schlagen hohe Wellen, die jahrzehntelang nicht abebben wollen und – naheliegend – unter anderem Mick Jagger als den Mann hinter dem unbestimmten „you“ wähnen. Auch durch die Presse geistern die Namen illustrer Kandidaten, etwa David Bowie, David Cassidy oder Cat Stevens, mit dem Simon einst tatsächlich ein Techtelmechtel hatte. Dass ihr aktueller Ehemann zur Entstehungszeit des Stückes, der Singer-Songwriter James Taylor, definitiv nicht der Gegenstand des Textes ist, bleibt der einzige Hinweis, den sich Simon lange Zeit entlocken lässt. 

Das popkulturelle Rätselraten erreicht 2003 schließlich seinen Höhepunkt, als Simon sich im Rahmen einer Wohltätigkeits-Auktion bereit erklärt, dem Höchstbietenden den Namen des Besungenen preiszugeben. NBC-Sports-Präsident Dick Ebersol blättert 50.000 Dollar dafür hin und muss versprechen, sein neugewonnenes Wissen nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen. So darf er höchstens den Hinweis geben, dass der Buchstabe „E“ im Namen jenes ominösen Mister X vorkommt. 

Suche nach Mr. X

2007 beansprucht dann Schauspieler Warren Beatty (Bonnie und Clyde, Dick Tracy) in einem Interview die Ehre des Gesuchten für sich. Es soll acht weitere Jahre dauern, bis Carly Simon schließlich im Rahmen des Pressetrommelwirbels für ihre Memoiren bestätigt, dass Warren Beatty tatsächlich in You’re So Vain adressiert werde  – allerdings nur als Protagonist von Strophe zwei. Der Rest des Textes würde sich auf zwei weitere (prominente?) und bis heute namenlose männliche Pfaue beziehen. 

Ist das unter anderem von den verlotterten Sleaze-Rockern Faster Pussycat 1990 gecoverte You’re So Vain als Songmysterium sicherlich Simons größte Errungenschaft für die Pop-Lexika dieser Welt (und zugleich ihr wohl bekanntester Hit), darf man die anderen Verdienste und musikalischen Glanztaten der Singer-Songwriterin jedoch keineswegs unterschlagen. So tritt Simon 1977 als Interpretin von Nobody Does It Better in Erscheinung, dem Song zum James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte. Außerdem  reüssiert sie 1989 mit ihrer Soundtrack-Arbeit zum Film Die Waffen der Frauen. Für das daraus stammende Lied Let The River Run heimst die alte Geheimniskrämerin sogar als erste Solokünstlerin und Songautorin überhaupt einen Oscar, Golden Globe und Grammy zugleich ein. 

Im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht Carly Simon sage und schreibe 24 Studioalben, wird für 14 Grammys nominiert und gewinnt zwei. Das Musikportal Allmusic nennt sie „eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der Siebziger“. Sie schreibt Musik für Filme und TV-Sendungen und spielt auch in einigen mit. Simon war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Sally und Ben, die ebenfalls künstlerisch tätig sind. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

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Popkultur

Ein Schulabbruch, jede Menge Exzesse und 55 Jahre Rockgeschichte: 5 Dinge, die ihr über Mick Fleetwood noch nicht wusstet

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Mick Fleetwood
Foto: Brian Killian/Getty Images

„"Seit nunmehr 55 Jahren steht der Name Fleetwood Mac für eines der wichtigsten Kapitel der Rockgeschichte: den British Blues Boom. Als Gründer, Namensgeber und Schlagzeuger der Band hat Mick Fleetwood einen wichtigen Anteil daran. Diese fünf Dinge über ihn wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Tusk von Fleetwood Mac anhören:

1. Er brach mit der Unterstützung seiner Eltern die Schule ab, um Musiker zu werden.

Wenn der Nachwuchs die Schule abbrechen möchte, um eine Laufbahn als Rockstar einzuschlagen, sorgt das in der Regel für einen mächtig schiefen Haussegen. Nicht so bei den Fleetwoods: Papa John spielt nämlich selbst Schlagzeug und kann den sehnlichsten Wunsch seines Sohnemanns nur allzu gut nachvollziehen. Sein erstes Drumset bekommt der kleine Mick mit 13. Als er im Alter von 15 Jahren den Wunsch äußert, von der Schule abzugehen, um in London als Schlagzeuger durchstarten zu können, lassen seine Eltern ihn ziehen. Tatsächlich findet Fleetwood in der britischen Hauptstadt schnell Anschluss.

2. Blues-Legende John Mayall feuerte Fleetwood wegen seines ausschweifenden Alkoholkonsums.

Nach seinen ersten Jahren in London steigt Fleetwood in eine Band namens The Peter Bs ein, in der auch ein gewisser Peter Green mitspielt. Green verlässt die Gruppe allerdings und steigt stattdessen bei John Mayall’s Bluesbreakers ein. Fleetwood folgt ihm, sodass die Zwei ab April 1967 mit einer der legendärsten Bluesgruppen Londons auftreten. Ebenfalls an Bord: John McVie, der später gemeinsam mit Fleetwood über 50 Jahre Fleetwood-Mac-Geschichte schreiben soll. Leider nehmen Fleetwood und McVie ihr Dasein als Musiker zu jener Zeit noch nicht so ernst wie als ihren Ruf als Trinker. Mehrfach erscheinen die beiden mit ordentlich Promille zu Konzerten der Bluesbreakers, weshalb Bandleader John Mayall die zwei Musiker nach nur wenigen Wochen wieder vor die Tür setzt. Peter Green verlässt Mayalls Truppe anschließend freiwillig und gründet mit Fleetwood schon einmal die Band, die McVie später nicht nur namentlich vervollständigen soll: Fleetwood Mac. Zu Kostverächtern werden die Musiker durch den Rauswurf allerdings nicht. Besonders legendär: die Kokaingeschichten während der Siebziger. „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir gut mit dem Marschpulver ausgerüstet waren“, erzählt Fleetwood in einem Interview mit Classic Rock. „Inzwischen ist das ein abgedroschenes Märchen, das immer weiter und weiter zu einer Kriegsgeschichte vergrößert wird. Ich möchte nicht verharmlosen, dass wir diesen Lebensstil gelebt haben. Aber wir sind nicht über den Boden gekrochen und uns kam auch kein grüner Schaum aus dem Mund. Wir haben gearbeitet.“

3. Im Juni 1970 heiratete er Jenny Boyd — die Schwester von Pattie Boyd, die mit George Harrison und Eric Clapton verheiratet war.

Was die Klatsch- und Tratsch-Seite betrifft, sind Fleetwood Mac nicht nur für ihre internen Liebschaften bekannt, sondern auch dafür dass Mick Fleetwood für einige Jahre mit Jenny Boyd liiert war. Falls euch dieser Nachname bekannt vorkommt, habt ihr völlig recht: Es handelt sich bei Jenny um die Schwester von Pattie Boyd, die zuerst George Harrison und dann Eric Clapton heiratet. Mick und Jenny lernen sich Ende der Sechziger kennen, 1970 geben sie sich ebenfalls das Ja-Wort. Ein paar Jahre später findet Mick heraus, dass Jenny eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Gitarrist Bob Weston hat. Weston muss gehen; Mick und Jenny lassen sich scheiden, finden 1976 allerdings noch einmal zusammen. Das Paar heiratet sogar noch einmal, um ihren gemeinsamen Kindern den Umzug in die USA zu erleichtern. Ab November 1977 lässt sich Mick auf eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks ein, 1978 reichen er und Jenny Boyd zum zweiten Mal die Scheidung ein. Diesmal bleibt es dabei.

4. Sein Lieblingsalbum von Fleetwood Mac ist Tusk (1979).

Nach dem Mega-Erfolg des elften Fleetwood-Mac-Albums Rumours (1977) kann Tusk (1979) in kommerzieller Hinsicht nur verlieren. Trotzdem handelt es sich bei der Platte um Mick Fleetwoods Favoriten aus der Diskografie der Blues-Briten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Musiker während der Produktion der Platte nach Herzenslust austoben können, ohne dass dabei kreative Grenzen im Weg stehen. McVie findet an dieser Freiheit weniger Gefallen, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Band. Doch wie so oft hält Ruhepol Mick Fleetwood seine Schäfchen beisammen und kann die Situation wieder entspannen.

5. Er ist das einzige Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und inzwischen seit 55 Jahren dabei.

55 Jahre Rockgeschichte. Das muss man erstmal schaffen und sich vor Augen führen, was mit so einer jahrzehntelangen Karriere einhergeht: 55 Jahre Musikgeschäft. 55 Jahre auf Tour. 55 Jahre voller Streitigkeiten und Versöhnung, denn wer schon einmal selbst in einer Band gespielt hat, weiß: Harmonisch läuft es in einem kreativen Gefüge nur selten ab. Mick Fleetwood kann diesen Widrigkeiten bis heute standhalten und schreibt die Geschichte des Rock weiter. Das gehört einfach honoriert.

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Zehn Blues-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

Ringkämpfe, USA-Reisen und Konflikte mit der Stasi: 5 Dinge, die ihr über Richard Kruspe noch nicht wusstet

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Richard Kruspe
Titelfoto: Universal Music

Er war maßgeblich an der Gründung von Rammstein beteiligt, beschäftigt sich seit 2004 zusätzlich mit seinem Nebenprojekt Emigrate und hat schonmal die Stasi ausgetrickst: Richard Kruspe. Diese fünf Dinge über einen der bekanntesten deutschen Gitarristen wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Zeit von Rammstein anhören:

1. Als Jugendlicher in der DDR war Kruspe ein erfolgreicher Ringer — was seine Karriere als Musiker nicht unbedingt erleichterte.

Seine Kindheit und Jugend verbringt Richard Kruspe in der DDR, wo er am 24. Juni 1967 zur Welt kommt. „Bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf namens Weisen gelebt“, berichtet er im Interview mit dem Magazin Rock Hard. „Das war eine schöne Kindheit mit viel Natur, Hunden und Katzen sowie einer großen Familie mit zwei Geschwistern.“ Doch als Kruspe älter wird, ist Schluss mit der Harmonie. „Durch die Scheidung meiner Eltern kam ein großer Bruch. Mein Vater war von heute auf morgen weg, und wir zogen zu meinem neuen Stiefvater nach Schwerin, mit dem ich überhaupt nicht klarkam.“ Nicht nur einmal läuft Kruspe von zuhause weg und übernachtet auf Parkbänken. Trost sucht er zum einen im Gitarrenspiel. Zum anderen entpuppt er sich in seiner Jugend als begnadeter Ringer und steigt mehrfach für den BSG Lok Wittenberge auf die Matte. Kruspes Karriere als Musiker steht die sportliche Laufbahn allerdings im Weg, wie er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt: „Im Osten zählte eher der Sport, das war der große Exportschlager. Aber wer weiß: Vielleicht wäre ich ein klassischer Musiker geworden, hätte ich Musikunterricht nehmen dürfen.“ Dass sein Leben anschließend ein bisschen anders verläuft, wissen wir heute.

2. Als Kruspe für die Stasi arbeiten sollte, trickste er das Ministerium aus.

Dass Kunst in der DDR nicht den höchsten Stellenwert genießt, erfährt Kruspe auch an anderer Stelle am eigenen Leib. „Ich habe neben meinem Beruf Musik gemacht und Schmuck hergestellt, um mein Leben zu finanzieren“, erinnert er sich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Beides durfte man nicht im Osten. Die haben das über einen Spitzel herausgefunden und mich erpresst, weil ich dafür weder Steuern zahlte noch eine Facharbeiterausbildung hatte. Die Stasi stellte mich vor die Wahl: entweder IM — also inoffizieller Mitarbeiter — werden oder in den Knast gehen. Ich hatte eine Woche Bedenkzeit.“ Doch dann kommt Kruspe eine Idee und er trickst die Stasi aus: „Natürlich sollte ich absolutes Stillschweigen bewahren. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern stattdessen diese Geschichte in meinem ganzen Bekanntenkreis verbreitet. Mit dem Hintergedanken, dass die merken sollten: Der quatscht zu viel und ist unbrauchbar. Nach einer Woche haben die mich tatsächlich in Ruhe gelassen.“

3. Seinen alten Freund Till Lindemann traf er nur deshalb wieder, weil Kruspe nach dem Mauerfall wieder nach Ostdeutschland zog.

Als Kruspe älter wird, beginnt er zunehmend damit, das Leben in der DDR zu hinterfragen. „Die Sache mit der DDR ist, dass es bis zum zwölften Lebensjahr großartig war, dort aufzuwachsen“, erzählt er in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Es wurde die Illusion aufrecht erhalten, dass man in einer sehr gesunden Wirtschaft lebt, die funktioniert, solange man keine Fragen stellt — und man stellt keine Fragen, bevor man zwölf ist.“ Ende 1989 beschließt Kruspe, dass er die DDR verlassen möchte und flieht über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach Westberlin. Besser fühlt er sich dadurch nicht, wie er 2011 in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet: „In Westberlin war ich einsam und immer unterwegs. Überwiegend auf Konzerten, ich habe Nirvana im Loft gesehen und so. Eines Abends lernte ich auf einer Party, auf die ich gar nicht eingeladen war, eine Frau kennen und durch sie den Ex-Trommler der Fehlfarben. Mit dem habe ich dann endlich wieder ein bisschen Musik gemacht. Auf Dauer war auch die Wohnsituation mit drei Leuten in einem Zimmer sehr belastend, und im Osten gab es billigen Wohnraum ohne Ende. Also bin ich wieder zurück.“ Zum Glück, muss man heute sagen. Denn durch seine Rückkehr kommt Kruspe wieder mit seinem alten Freund Till Lindemann in Kontakt und steigt in dessen Band First Arsch ein.

4. Die Grundidee für Rammstein kam ihm in den USA.

Anfang der Neunziger reist Kruspe mit Lindemann und dem späteren Rammstein-Bassisten Oliver Riedel in den Südwesten der USA. Die Drei tauchen in die dortige Musikszene ein und Kruspe stellt etwas fest: „Mir wurde klar, dass die Musik, die ich bis dahin gemacht habe, nichts mit mir zu tun hatte. So bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, und mir kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, das mit deutscher Musik zu tun hat. Ich wollte versuchen, Maschinen und Gitarren zusammenzubringen, harte Gitarren.“ Am 1. Januar 1994 entsteht aus diesem Wunsch ganz offiziell die Band, die heute zu den erfolgreichsten deutschen Gruppen überhaupt gehört: Rammstein.

5. Das Nebenprojekt Emigrate gründete er als musikalischen Kontrast zu Rammstein.

Über die Errungenschaften von Rammstein müssen wir an dieser Stelle nicht reden. Doch großer Erfolg bringt manchmal auch eine große Last mit sich. „Sechs Leute auf dem Boot und jeder spielt Kapitän“, sagt Kruspe im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über seine Hauptband. „Das ist echt hart.“ Genau deshalb gründet der Gitarrist im Jahr 2004 ein Nebenprojekt. „Emigrate hat mir geholfen, mich bei Rammstein ein wenig zurückzunehmen. Sonst hätte ich weiter versucht, die Band mit meinen Ideen zuzuschütten.“ Im Gespräch mit laut.de verrät er: „Ich wollte nicht mehr nur der Typ sein, der sich allabendlich umgeben von Feuer und Raketen in eine primär visuelle Welt beamt. Ich bin ja in erster Linie Musiker. Also suchte ich nach einem Projekt, in dem es ausschließlich um die Musik geht. Mit Emigrate habe ich genau diesen Gegenpol gefunden.“

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Interview mit Emigrate: „Ich hatte das Gefühl, mit der Musik aufhören zu müssen“

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