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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.5.1954 wird AC/DC-Groove-Maschine Phil Rudd geboren.

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Phil Rudd

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.5.1954."

von Christof Leim

Ein Beat wie ein Traktor: Dank Phil Rudd drücken und grooven AC/DC mehr als so ziemlich jede andere Rockband dieser Erde. Sein Spiel mag sich einfach anhören, aber das ist es nicht. Der Meister des schnörkellos geballerten Viervierteltakts feiert am 19. Mai Geburtstag. Darauf ein donnerndes Bumm-Tschack!

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Hier könnt ihr in alle AC/DC-Songs mit Phil Rudd reinhören:

Klickt auf „Listen“ für die volle Ladung.


Four to the floor. Uff-basch, uff-basch. Zwo-und-vier. Phil Rudd spielt keine Kunststückchen. Der Beat muss schieben, der Beat muss mitreißen, fertig. Schon seit Rock Around The Clock und Chuck Berry. Es fällt nicht schwer, den Rhythmus nachzuvollziehen, den der Australier schon seit den frühen Siebzigern raushaut. Allerdings kann das kaum jemand so gut wie er. Wer jemals versucht hat, AC/DC richtig nachzuspielen, und zwar nicht einfach so, sondern mit diesem Groove und diesem „Punch“, der weiß das.

Phil Rudd besitzt die Gabe, den Beat noch mehr swingen und zupacken zu lassen. Mal spielt er ein bisschen „dahinter“, mal ein bisschen „davor“ – mikroskopische Nuancen, die zuverlässig am Hirn vorbei funktionieren. Das kann man kaum üben oder erlernen, das hat man oder nicht. Zusammen mit einem rhythmischen Monster wie Malcolm Young an der Gitarre ergibt das eine unaufhaltsame Vierviertel-Dampfwalze, die keiner so schnell nachmachen kann. Weswegen AC/DC schon aus Prinzip die beste Rock’n’Roll-Band der Welt sind.

Los geht es am 19. Mai 1954, als Phillip Hugh Norman Witschke Rudzevecuis in Melbourne zur Welt kommt. Seine Eltern sind deutscher und irischer Abstammung, sein Stiefvater kommt aus Litauen, was den Nachnamen des zukünftigen Trommelgotts erklärt (eigentliche Schreibweise: Rudzevičius). Als Teenager entdeckt Phil das Schlagzeug, 1973 schließt er sich der Band Buster Brown an, bei der Rose Tattoo-Giftzwerg Angry Anderson singt. Mit denen trommelt Rudd 1974 das Album Something To Say ein. Kurz spielt er auch bei Coloured Balls, doch das sind alles kleine Fische im Vergleich zu dem, was danach kommt…

Die Rückseite der Buster-Brown-Platte von 1974: Phil Rudd steht vorne, Angry Anderson sitzt auf dem Autodach

In Sydney hatten die beiden Brüder Malcolm und Angus Young eine kleine Bands namens AC/DC gegründet und jede Menge Mitmusiker verschlissen. Als sie 1975 mal wieder einen Drummer suchen, spielt Phil Rudd bei ihnen vor – und wird auf der Stelle angeheuert. Sein effektiver Stil passt bestens zu dem Hochoktan-Boogie der beiden Gitarristen. Im gleichen Jahr erscheint das Debütalbum High Voltage, der Rest ist, ihr ahnt es schon, Geschichte: AC/DC steigen zu einer Rock’n’Roll-Macht sondergleichen auf.



Dahinter steckt ein gnadenloses Pensum an Aufnahmen und Konzerten. Das kostet seinen Preis: Alkohol gehört bei Malcolm und Sänger Bon Scott zum Tagesgeschäft, der Drummer bekommt mentale Probleme. So berichtet Bon während der 1978er-Tour zu Powerage in einem Brief an seine Schwester, dass Phil einen „einen kleinen Nervenzusammenbruch“ erlitten habe und „viel Zeit mit einem Psychiater“ verbringe: „Das war echt schlimm“, schreibt der Sänger, „aber glücklicherweise hat er es schnell genug überwunden, bevor es die Band durcheinander gebracht hat. Wir mussten ihn eine Weile mit Samthandschuhen anpacken, aber jetzt geht es ihm gut.“ Was den Schlagzeuger sonst beschäftigt, erfährt man nicht: AC/DC sind bekannt dafür, kaum etwas aus ihrem Privatleben an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Interviews erledigen die Brüder oder der Frontmann.



1979 landet das Quartett mit Highway To Hell einen ersten Hit und knackt den US-Markt; Rudd freut sich: „Ich bin losmarschiert und habe mir meinen ersten Ferrari gekauft“. Am 19. Februar 1980 allerdings verstirbt Bon Scott an den Folgen einer durchzechten Nacht, was seinen guten Freund Rudd schwer trifft. Das folgende Back In Black mit neuem Sänger Brian Johnson geht dann 1980 komplett durch die Decke, AC/DC werden zu Superstars.

Zwei Alben später gibt es jedoch Ärger im Paradies: Bei den Aufnahmen zu Flick Of The Switch sind alle Musiker komplett durch. Bei Rudd machen sich zunehmend Alkohol- und Drogenproblem bemerkbar, außerdem kommt es zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit Bandchef Malcolm Young: Angeblich sei Phil zu einer Show in Long Island zwei Stunden zu spät gekommen, heißt es im Buch AC/DC: Maximum Rock & Roll, weswegen Malcolm ihm kurzerhand eine reingehauen habe. Das markiert nur die Spitze des Eisbergs, die allgemeinen Probleme – zwischenmenschlich und jeder mit sich selbst – brodeln schon lange unter der Oberfläche. Die Konsequenz: Phil Rudd wird nach acht Alben rausgeworfen, die Drumtracks für Flick Of The Switch sind da glücklicherweise schon im Kasten. Sein Nachfolger wird der erst 19-jährige Schotte Simon Wright.

Die nächsten Jahre verbringt Rudd in Neuseeland und tut nur Dinge, auf die er Lust hat, nämlich „mit schnellen Autos fahren, im Helikopter fliegen und Landwirtschaft betreiben“. Tatsächlich kauft sich (und betreibt) der Mann eine Firma, die Helikopter anbietet, baut ein Tonstudio auf und sammelt teure Sportwagen. Ansonsten freut er sich über seine Ruhe und heiratet zwischendurch auch mal, mittlerweile ist er Vater von fünf Kindern. Ans Schlagzeug setzt er sich, wenn er will, nicht wenn er muss. Viel mehr erfährt man nicht, und auch AC/DC reden kaum über den Wechsel.

Phil 1995 auf der „Ballbreaker“-Tour – Pic: Ac-dcfreak785/Wiki Commons

Als die Band allerdings 1991 zu The Razors Edge und mit Chris Slade am Schlagzeug durch Neuseeland tourt, laden sie ihren alten Kollegen zu einer Jamsession ein. Erste Bande sind geknüpft, und weil Malcolm trotzdem der Qualitäten von Wright und Slade immer einen bestimmten Groove vermisst hat, kommt, was kommen muss: Ende 1993 steigt Phil Rudd wieder bei AC/DC ein.

Zwischendurch wird unser Mann nochmal wegen Cannabis-Besitzes angeklagt, entgeht aber einer Strafe, auch eröffnet er das Restaurant Phil’s Place im neuseeländischen Tauranga. Am 29. August 2014 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum names Head Job, aufgenommen mit den international nicht bekannten Musikern Allan Badger (Bass/Gesang) und Geoffrey Martin (Gitarre).



Mit seiner Stammkapelle spielt er vier Alben ein, doch kurz vor Veröffentlichung des äußerst erfolgreichen Rock Or Bust im November 2014 wird Phil Rudd verhaftet: Neben dem erneuten Vorwurf des Drogenbesitzes (diesmal auch Methamphetamine) legt man ihm zur Last, unliebsame ehemalige Geschäftspartner mit dem Tod bedroht, ja sogar einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Anscheinend ist der Drummer völlig aus der Spur geraten; seine Bandkollegen lassen durchblicken, dass er nicht mehr der Phil sei, denn sie von früher kennen. Schon während de Aufnahmen, Fotosessions und Videodrehs habe er sich als unzuverlässig erwiesen. Bei Gerichtsterminen gibt Rudd während dieser Zeit ein desolates Bild ab und wirkt gar nicht gesund, zudem verhält er sich wenig kooperativ. Das führt dazu, dass AC/DC die anstehende Welttour mit Chris Slade hinter dem Kit bestreiten und Rudd zudem zu acht Monaten Hausarrest und Strafzahlungen verurteilt wird.



Doch anscheinend fängt Rudd sich wieder: Nach eigenen Aussagen hat er den „verrückten Scheiß“ aufgegeben – und will seinen alten Job zurück. Im Sommer 2018 tauchen schließlich Bilder auf, die ihn und Brian Johnson auf der Terrasse eines Studios in Vancouver zeigen. Das scheint noch mal gut gegangen zu sein… Wir sagen „Herzlichen Glückwunsch!“ und freuen uns auf noch mehr Vierteltakt!



Titelfoto: Harry (Howard) Potts/Wiki Commons

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„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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