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Popkultur

Zeitsprung: Am 15.8.1983 wollen AC/DC es härter mit „Flick Of The Switch“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.8.1983."

von Christof Leim

Flick Of The Switch muss in große Fußstapfen treten: 1980 hatten AC/DC mit Back In Black ein makelloses Jahrhundertwerk vorgelegt und ein Jahr später mit dem würdigen Nachfolger For Those About To Rock ihre erste Nummer eins in den USA erreicht. Die Karriere der australischen Boogie-Brigade befindet sich auf einem Höhepunkt, doch als die Band im Dezember 1982 nach fast zwei Jahren ununterbrochenen Tourens wieder zu Hause ankommt, sind die Batterien leer. Das sollte Folgen haben.

Hört hier in Flick Of The Switch rein:

Denn die Maschine steht nicht still: Schon im April 1983 ziehen sich AC/DC in die Compass Point Studios auf den Bahamas zurück, wo sie bereits Back In Black geschaffen hatten. Doch diesmal packen die Brüder Angus und Malcolm Young mit ihrem nicht mehr ganz so neuen Sänger Brian Johnson, Bassist Cliff Williams und Groovemonster Phil Rudd die Sache anders an.

So unverfälscht wie möglich

Zurück zu den Wurzeln soll gehen, erinnert sich Toningenieur Tony Platt im Buch AC/DC: Maximum Rock & Roll. „Es gibt da diesen Song Mannish Boy von Muddy Waters in einer Version von Johnny Winter. Da schreien alle im Hintergrund herum. Malcolm wollte diese Atmosphäre einfangen – als befände man sich in dem Raum, in dem es gerade basiert.“ Angus formuliert den Plan so: „Die Platte sollte so roh wie möglich klingen. Wir wollten einen natürlichen, aber großen Sound für die Gitarren, ohne Hall, Echos und irgendwelche Noise-Unterdrücker.“

Um das zu erreichen, machen AC/DC einen gewagten Schnitt: Sie trennen sich von Hitproduzent und Studioperfektionist Robert John „Mutt“ Lange, mit dem sie neben den beiden Vorgängern auch schon an Highway To Hell (1979) gearbeitet hatten. Stattdessen erledigen sie die Produktion selbst, genauer: die beiden Chefs Malcolm und Angus übernehmen das Ruder. Die Konsequenz: Flick Of The Switch klingt tatsächlich roher, ein gutes Stück trockener und für AC/DC-Verhältnisse ziemlich hart. Der Wumms ist der Gleiche, der Swing jedoch weniger leichtfüßig. In der Kommentarspur der Live At Donington-DVD von 1992 zeigen sich die Bandmitglieder zufrieden mit dem Ergebnis, Toningenieur Tony Platt urteilt anders: „Ich glaube nicht, dass der Ansatz wirklich funktioniert hat.“

Es gibt Streit

Auch sonst laufen die Aufnahmen nicht rund, denn die Nerven liegen blank. Gegenüber Bandbiograf Jesse Fink berichtet Platt, die Musiker seinen „alle ziemlich durch“ gewesen. Das führt schließlich dazu, dass Drummer Phil Rudd vor die Tür gesetzt wird – allerdings nachdem er seine Tracks eingespielt hat. Der Grund dafür liegt nicht nur in seinem zunehmenden Alkohol- und Drogenkonsum, sondern auch in einer handfesten Auseinandersetzung mit Malcolm, dem unangefochtenen Häuptling. In AC/DC: Maximum Rock & Roll steht zu lesen, dass Rudd zwei Stunden zu spät zu einer Show in Long Island erschienen sei und Malcolm ihm deshalb, nun ja, eine reingehauen habe. Doch diese Auseinandersetzung markiert nur den Schlussstrich, die Diskrepanzen und Probleme köcheln laut Tourmanager Ian Jeffrey schon eine ganze Weile unter der Oberfläche. Damit verliert die Band für elf Jahre ihre beste Rhythmusmaschine.

AC/DC mit neuem Drummer Simon Wright (Mitte)

AC/DC heuern zunächst den ehemaligen Procol-Harum-Schlagwerker B.J. Wilson an, um die Aufnahmen wenn nötig zu beenden, doch seine Beiträge finden keine Verwendung. Später hält die Truppe über 700 Auditions in den USA und in Großbritannien ab, um einen festen Nachfolger für Rudd zu finden. Sogar Simon Kirke von Free und Bad Company und Paul Thompson von Roxy Music spielen vor. Die Wahl fällt jedoch auf den nicht mal 20-jährigen Engländer Simon Wright von der Band AIIZ.

Rock’n’Roll-Texte eben

Die Songs des Albums stammen erneut alle von Malcolm und Angus sowie Brian Johnson. Sie drehen sich um Macho-Brustgeklopfe (Badlands, Guns For Hire) und fröhlich-ferkelige Zweideutigkeiten (Rising Power, Deep In The Hole) – also all die tollen Sachen fernab des Feuilleton, aber ganz nah am ursprünglichen Geist des Rock’n’Roll. In Badlands spielt Angus sogar Slide-Gitarre, ein äußerst seltenes Ereignis, das er erst Jahre später auf Stormy May Day von Black Ice (2008) wiederholt. Zu Bedlam In Belgium geistern zwei Interpretationen durch die Welt: Nach einer bezieht sich Brian Johnson auf seine erste Show mit der Band am 29. Juni 1980 im belgischen Namur, bei der die Fans vollkommen durchdrehen; nach der anderen singt er über ein Konzert in Kontich, bei dem die Polizei anrückt, weil AC/DC sich nicht an die vorgeschriebene Schlusszeit halten. Letztere stimmt.

Für das Cover greift die Truppe auf eine Zeichnung von Angus zurück, die den simplizistischen Ansatz der Platte auch grafisch umsetzt: Wir sehen den kurzbehosten Rocker mit seiner Gibson SG, wie er einen riesigen Schalter umlegt, alles in schwarz-weißen Bleistiftstrichen gehalten. Die Plattenfirma Atlantic findet das fürchterlich, will aber kein Geld für eine Alternative ausgeben, weil sie ohnehin keine Hits unter den Songs gefunden hat. Angeblich soll die Platte sogar zeitweilig I Like Rock heißen, doch daraus wird glücklicherweise nichts.

In einem Tag muss es fertig sein

Flick Of The Switch erscheint am 15. August 1983, erreicht Platz vier in Großbritannien, Platz sechs in Deutschland und Rang 15 in den USA. Zur Bewerbung filmen AC/DC Videos zu Guns For Hire, Nervous Shakedown und zum Titelstück, die auch in dieser Reihenfolge als Singles ausgekoppelt werden. Für die Filmchen stellen sich die Rocker in einer riesigen Halle in einen Kreis von Roadcases und Verstärker und tun das, was sie nun mal tun: rocken. Auch hier verzichten sie auf jedweden Schnickschnack. Es gibt keine Nebenszenen, keine Handlung, keine Effekte – die komplette Gegenthese zu dem Glitzerstil also, der gerade mit und auf MTV entsteht. Angus hat nicht mal seine Schuluniform an, dreht aber natürlich durch, als wäre bei ihm jeder Schalter umgelegt worden. Malcolm sagt dazu später: „Wir haben der Crew erklärt, dass wir spielen und sie filmen. Fertig. Sie konnten um die Band rumlaufen oder machen, was auch immer ihnen einfiel. Wir wollten nur am gleichen Tag fertig werden.“ Für Nervous Shakedown entsteht später noch ein zweites Video in einer noch natürlicheren Umgebung für AC/DC, nämlich auf einer Bühne in Detroit während einer Produktionsprobe. An den Drums sitzt in allen Clips Simon Wright.

Die drei Singles von „Flick Of The Switch“

Natürlich gehen AC/DC im Anschluss erstmal auf Tour, wie sie es immer machen, und spielen ab Oktober 1983 erstmal zwei Monate in Nordamerika, dabei in New York zum Beispiel im renommierten und ziemlich großen Madison Square Garden. Im Sommer 1984 reisen sie für die Monsters Of Rock-Festivals mit Mötley Crüe, Accept, Gary Moore, Dio, Ozzy Osbourne und Van Halen für ein paar Wochen durch Europa, im Januar 1985 geht’s abschließend zum riesigen Rock In Rio-Open Air in Brasilien (alles dazu hier). Guns For Hire eröffnet regelmäßig die Show, taucht aber auf keiner späteren AC/DC-Tour wieder auf. Meist stehen drei Stücke des aktuellen Albums auf der Setlist, ansonsten werden die Stücke kaum live gespielt: Das Album Flick Of The Switch kommt laut der Statistik auf setlist.fm vom ganzen AC/DC-Katalog am seltensten auf die Bühne, sogar noch weniger als das allgemein ungeliebte Fly On The Wall (1985).

Aufräumen mit harter Hand

Auf der Konzertreise kommt es zu weiteren Zerwürfnissen im inneren Zirkel, zumal durchwachsene Kritiken und sinkende Zuschauerzahlen für Frust sorgen. So feuert Malcolm den langjährigen Tourmanager Ian Jeffrey, und auch sonst räumen die Young-Brüder mit harter Hand auf. Sie setzen etliche wichtigen Figuren vor die Tür, nach Mutt Lange und Phil Rudd noch Manager Peter Mensch und Fotograf Robert Ellis.

Heute gehört Flick Of The Switch zu den AC/DC-Alben der zweiten Reihe. Zwar hat die Scheibe 35 Jahre später einen Platinüberzug erreicht, verkaufte sich aber längst nicht in dem Maße wie die anderen Glanztaten. Die Songs hört man heute nur selten, dabei finden sich hier durchaus einige Schätzchen, die wir alle eben nicht rund- und totgehört haben. Auch in den folgenden Jahren müssen AC/DC mit Fly On The Wall (1985) eine Dürrephase überstehen, können sich aber spätestens mit The Razors Edge (1991) wieder an die Spitze setzen. Malcolm Young höchstselbst urteilt später über Flick Of The Switch: „Wir haben die Scheibe sehr schnell zusammengeschustert. Ein großartiges Album würde ich das nicht nennen…“

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 spielt Malcolm Young sein letztes Konzert mit AC/DC.

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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