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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.12.1949 wird AC/DC-Bassist Cliff Williams geboren.

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Foto: Bob King/Redferns

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.12.1949."

von Christof Leim

Klare Sache: Auf der AC/DC-Bühne ist Angus die Attraktion und Brian Johnson der Zirkusdirektor. Doch man darf bei dieser Band nie, niemals die Rhythmussektion vernachlässigen: AC/DC grooven so verdammt packend wegen Malcolm Young (RIP) an der Gitarre, Phil Rudd am Schlagzeug – und wegen Cliff Williams, der seit 1977 ein unkaputtbares Bassfundament darunterlegt. Am 14. Dezember feiert er Geburtstag und kann auf ein erfolgreiches Leben mit vielen, vielen Achteln zurückblicken.

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Hier könnt ihr Cliff Williams’ Einstand bei AC/DC hören:

Clifford Williams heißt der Junge, der am 14. Dezember 1949 in Romford, Essex außerhalb von London auf die Welt kommt. Er wächst in Liverpool auf, lässt sich dort wie so ziemlich alle seiner Generation von der aufkommenden Beatmusik infizieren und beschließt, Rockmusiker zu werden. Zu seinen Lieblingen gehören Klassiker wie die Stones, The Who, Bo Diddley und die Kinks, mit deren Platten und ein paar Unterrichtsstunden er sich das Bassspielen beibringt. Mit 13 gründet er, wie es sich gehört, seine erste Band, mit 16 verlässt er die Schule, arbeitet tagsüber als Techniker und spielt nachts Musik.

Es fehlt die richtige Band

Das läuft anscheinend ganz gut, denn kurz darauf, im Jahr 1966, zieht er nach London. Zwar muss er hier in Supermärkten und auf Abbruchhalden schuften, kann aber mit diversen Bands an der Rock’n’Roll-Weltherrschaft arbeiten. Eine dieser Bands heißt Sugar, hier spielt Cliff mit dem Gitarristen Laurie Wisefield (der später bei Wishbone Ash und in Live-Entourage von Tina Turner wieder auftaucht). Viel geht erstmal nicht. Also ziehen Williams und Wisefield 1970 weiter zur Kapelle Home, die als Prog Rock beschrieben wird, aber auch tatsächlich nach „English Country“ klingt, wie der Bassist es später beschreibt. Home können einen Vertrag bei einem Majorlabel ergattern, veröffentlichen drei Alben und spielen sogar im Vorprogramm von Led Zeppelin, doch trotz eines (moderaten) Erfolgs in der britischen Hitparade lösen sie sich 1974 wieder auf.

Cliff auf dem Cover der zweiten Platte von Home. Erkannt?

Also muss die nächste Band her, und die heißt Bandit. Hier spielen zukünftige Mitstreiter von Roger Waters und andere gute Leute. Mit Bandit veröffentlicht Cliff 1977 ein Album, außerdem tourt die Truppe als Backing-Band von Alexis Korner, aber auch hier ist bald wieder Schluss. Bis jetzt hat unser Mann konsequent durchgezogen und als Musiker gearbeitet, selbst wenn der große Durchbruch nicht passiert. Noch nicht. Nach dem Ende von Bandit allerdings will er hinschmeißen und sich aus dem „Business“ zurückziehen. Bis ihn ein Kollege überzeugt, bei der einer gewissen australischen Band vorzuspielen…

Dann eben zu den Australiern

AC/DC haben gerade das großartige Album Let There Be Rock (1977) eingehämmert, aber kurz darauf ihren Bassisten Mark Evans vor die Tür gesetzt und aus London, wo die Band damals ihr Hauptquartier unterhält, auf den Heimweg nach „down under“ geschickt.  Cliff spielt bei der der Truppe vor, „nur zum Spaß“, wie er später einräumt. Aber offensichtlich haben alle Beteiligten davon eine Menge, denn am 27. Mai 1977 wird Cliff Williams der neue Bassist von AC/DC. Angeblich passiert das zum Teil auch wegen seines guten Aussehens, soll Angus einmal behauptet haben, damit endlich mal mehr Frauen zu den Shows kommen. Muss man natürlich auch bedenken.

AC/DC 1979: Unser Mann hält sich meist im Hintergrund…

Die ersten Shows spielt das neue Line-up in Australien bei kleinen Gigs unter falschem Namen, anschließend geht es in die USA auf Tour. Seinen Albumeinstand gibt Cliff 1978 auf Powerage. Fortan tut er, was bei dieser Band getan werden muss, nämlich Achtel pumpen so groß wie Ayers Rock, und immer in diesem magischen Groove, der AC/DC besser macht als die anderen Kinder. Kein Note zu wenig und ganz sicher keine zu viel.

Nur was nötig ist

Der Tieftöner gibt bereitwillig zu, in jedem Stück im Wesentlichen das Gleiche zu spielen, denn „der Song ist wichtiger als der Anteil der einzelnen Musiker“. Und das können wir uns alle mal merken. Recht hat er auch mit der Feststellung, dass „komplexe Basslinien in einer gitarrenorientierten Band wie unserer überhaupt nichts bringen“ und führt aus: „Deshalb schaffe ich die Grundlage, die das antreibt, was die Jungs darüberlegen. Damit habe ich überhaupt kein Problem, ich spiele gerne einfach. Das stört mich nicht, und ich fühle mich auch nicht eingeengt dadurch.“

Und damit es richtig schiebt, schlägt er die meisten Töne nur von oben an (so wie Johnny Ramone grundsätzlich „Downstrokes“ spielte), und er schlägt richtig zu. Oft trägt er deshalb Bandagen an den Fingern und eine Lederstütze am Handgelenk, wie man im legendären Konzertfilm AC/DC: Let There Be Rock sehen kann, den die Combo 1979 in Paris während der Highway-To-Hell-Tour aufzeichnet.

Vierviertel. Reicht, wenn man’s richtig macht.

Hier sagt Williams auch: „Für mich selbst schreibe ich ein bisschen an Liedern herum. Aber man würde mich nicht als guten Songwriter bezeichnen.“ In all seinen Jahren bei AC/DC bekommt er keinen einzigen Songwriting-Credit, die Lieder stammen von Young/Young/Scott oder Young/Young/Johnson, seit The Razors Edge (1990) sogar im Alleingang von den Gitarrenbrüdern.

Das macht aber alles nix, denn Williams erklimmt mit AC/DC die höchsten Höhen des Rock’n’Roll (Back In Black! Highway To Hell!) und geht durch ein paar kleine Täler (angefangen mit Flick Of The Switch). Und immer stellt sich Cliff Williams in den Dienst der Band und dieses unerbittlich großartigen Viervierteltaktes. Live steht er (von uns aus gesehen) rechts neben dem Schlagzeug und marschiert nur für die Backingvocals im Stechschritt parallel zu Malcolm (bzw. seinem Nachfolger Stevie) ans Mikro.

Endlich normale Leute

Privat hört man von dem Musiker wenig, es gibt kaum Medienauftritte und kein Skandale. Wie alle seine AC/DC-Kollegen hält er sich aus vom Blitzlichtpromizirkus fern und bleibt schlicht: normal. 1980 heiratet Cliff seine Georganne, eine Dame aus Colorado, und zieht mit ihr nach Hawaii. Wenn man schon die meiste Zeit unterwegs ist, aber ein paar Taler verdient hat, kann man es sich auch in der Sonne gemütlich machen, oder? (Kirk Hammett von Metallica sieht das zum Beispiel genauso.) 

AC/DC 2014 – Pic: James Minchin/Promo

Zwei Kinder kommen auf die Welt, doch zusehends fühlt sich Familie Williams auf der Insel isoliert. Einmal berichtet der Bassist, dass er für einen eintägigen Videodreh vier Tage reisen muss. Auch doof. Weil die Schulen zudem nicht so recht taugen, aber aus den Kids ja was werden soll, folgen Cliff und Georgeanne einem Vorschlag von AC/DC-Kollege Brian Johnson. Der wohnt nach einem halben Leben im regnerischen England mittlerweile in Florida und findet das ganz hervorragend. Unser Geburtstagsrocker lässt sich fortan in Fort Myers nieder und geht Hobbies wie Angeln, Fliegen und gutem Wein nach. Nebenprojekte oder gar andere Bands gibt es wie bei allen AC/DC-Mitgliedern nicht bis kaum. Die Mafia ist da offener.

Gefrorene Kamele?

Ganz kann Williams die Bassfinger aber nicht stillhalten, wenn die AC/DC-Maschine mal Pause macht: 1984 beteiligt er sich am Song I Want My Heavy Metal von Adam Bomb, während der Zweitausender tut er sich mit dem bosnischen Musiker Emir Bukovica und seiner Band Emir & Frozen Camels zusammen. 2002 kommt das Album San heraus, eine kleine Clubtour in Europa folgt. Mit seinem Kumpel Brian spielt Cliff dann ab 2005 noch in diversen Wohltätigkeitsprojekten, auch damit er fit und im Groove bleibt, denn die Auszeiten der Hauptkapelle werden länger.

Fast vierzig Jahre zockt Cliff Williams bei AC/DC, bis er am 7. Juli 2016 bekannt gibt, sich nach der Tour zu Rock Or Bust zur Ruhe setzen zu wollen. Mittlerweile hat sich einiges bei der australischen Boogie-Brigade geändert: Malcolm kann wegen seiner Demenzerkrankung nicht mehr mitspielen, Brian Johnson muss wegen massiver Hörprobleme aufhören, und Phil Rudd steht mit einem Bein im Knast. Für Williams ist es an der Zeit, den Rock’n’Roll Train zu verlassen – „to come off the road“, wie er sagt. 

Ruhestand. Echt?

Seine letzte Show mit AC/DC spielt er am 20. September 2016 in Philadelphia, mittlerweile singt aushilfsweise Axl Rose. Nach der letzten Nummer For Those About To Rock zieht Angus Cliff nach vorne für eine kurze Verabschiedung. Kurz winken, ein knappes „Ladies & gentlemen, Mr. Cliff Williams!“, zack, das war’s, zu sehen hier. Viel Theater haben die Jungs noch nie gemacht. Und den Ruhestand, den hat sich Cliff Williams verdient.

Aber war es das wirklich? Anscheinend nicht. Zu Williams’ 70. Geburtstag Ende 2019 verdichten sich schon länger die Hinweise, dass AC/DC ein neues Album aufnehmen – mit Brian, Phil und wohl auch Cliff

Zeitsprung: Am 5.5.1978 veröffentlichen AC/DC „Powerage“.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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Wie fast Guns N‘Roses statt Queen in „Wayne‘s World“ gelandet wären

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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