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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.12.1949 wird AC/DC-Bassist Cliff Williams geboren.

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Foto: Bob King/Redferns

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.12.1949.

von Christof Leim

Klare Sache: Auf der AC/DC-Bühne ist Angus die Attraktion und Brian Johnson der Zirkusdirektor. Doch man darf bei dieser Band nie, niemals die Rhythmussektion vernachlässigen: AC/DC grooven so verdammt packend wegen Malcolm Young (RIP) an der Gitarre, Phil Rudd am Schlagzeug – und wegen Cliff Williams, der seit 1977 ein unkaputtbares Bassfundament darunterlegt. Am 14. Dezember feiert er Geburtstag und kann auf ein erfolgreiches Leben mit vielen, vielen Achteln zurückblicken.

Hier könnt ihr Cliff Williams’ Einstand bei AC/DC hören:

Clifford Williams heißt der Junge, der am 14. Dezember 1949 in Romford, Essex außerhalb von London auf die Welt kommt. Er wächst in Liverpool auf, lässt sich dort wie so ziemlich alle seiner Generation von der aufkommenden Beatmusik infizieren und beschließt, Rockmusiker zu werden. Zu seinen Lieblingen gehören Klassiker wie die Stones, The Who, Bo Diddley und die Kinks, mit deren Platten und ein paar Unterrichtsstunden er sich das Bassspielen beibringt. Mit 13 gründet er, wie es sich gehört, seine erste Band, mit 16 verlässt er die Schule, arbeitet tagsüber als Techniker und spielt nachts Musik.

Es fehlt die richtige Band

Das läuft anscheinend ganz gut, denn kurz darauf, im Jahr 1966, zieht er nach London. Zwar muss er hier in Supermärkten und auf Abbruchhalden schuften, kann aber mit diversen Bands an der Rock’n’Roll-Weltherrschaft arbeiten. Eine dieser Bands heißt Sugar, hier spielt Cliff mit dem Gitarristen Laurie Wisefield (der später bei Wishbone Ash und in Live-Entourage von Tina Turner wieder auftaucht). Viel geht erstmal nicht. Also ziehen Williams und Wisefield 1970 weiter zur Kapelle Home, die als Prog Rock beschrieben wird, aber auch tatsächlich nach „English Country“ klingt, wie der Bassist es später beschreibt. Home können einen Vertrag bei einem Majorlabel ergattern, veröffentlichen drei Alben und spielen sogar im Vorprogramm von Led Zeppelin, doch trotz eines (moderaten) Erfolgs in der britischen Hitparade lösen sie sich 1974 wieder auf.

Cliff auf dem Cover der zweiten Platte von Home. Erkannt?

Also muss die nächste Band her, und die heißt Bandit. Hier spielen zukünftige Mitstreiter von Roger Waters und andere gute Leute. Mit Bandit veröffentlicht Cliff 1977 ein Album, außerdem tourt die Truppe als Backing-Band von Alexis Korner, aber auch hier ist bald wieder Schluss. Bis jetzt hat unser Mann konsequent durchgezogen und als Musiker gearbeitet, selbst wenn der große Durchbruch nicht passiert. Noch nicht. Nach dem Ende von Bandit allerdings will er hinschmeißen und sich aus dem „Business“ zurückziehen. Bis ihn ein Kollege überzeugt, bei der einer gewissen australischen Band vorzuspielen…

Dann eben zu den Australiern

AC/DC haben gerade das großartige Album Let There Be Rock (1977) eingehämmert, aber kurz darauf ihren Bassisten Mark Evans vor die Tür gesetzt und aus London, wo die Band damals ihr Hauptquartier unterhält, auf den Heimweg nach „down under“ geschickt.  Cliff spielt bei der der Truppe vor, „nur zum Spaß“, wie er später einräumt. Aber offensichtlich haben alle Beteiligten davon eine Menge, denn am 27. Mai 1977 wird Cliff Williams der neue Bassist von AC/DC. Angeblich passiert das zum Teil auch wegen seines guten Aussehens, soll Angus einmal behauptet haben, damit endlich mal mehr Frauen zu den Shows kommen. Muss man natürlich auch bedenken.

AC/DC 1979: Unser Mann hält sich meist im Hintergrund…

Die ersten Shows spielt das neue Line-up in Australien bei kleinen Gigs unter falschem Namen, anschließend geht es in die USA auf Tour. Seinen Albumeinstand gibt Cliff 1978 auf Powerage. Fortan tut er, was bei dieser Band getan werden muss, nämlich Achtel pumpen so groß wie Ayers Rock, und immer in diesem magischen Groove, der AC/DC besser macht als die anderen Kinder. Kein Note zu wenig und ganz sicher keine zu viel.

Nur was nötig ist

Der Tieftöner gibt bereitwillig zu, in jedem Stück im Wesentlichen das Gleiche zu spielen, denn „der Song ist wichtiger als der Anteil der einzelnen Musiker“. Und das können wir uns alle mal merken. Recht hat er auch mit der Feststellung, dass „komplexe Basslinien in einer gitarrenorientierten Band wie unserer überhaupt nichts bringen“ und führt aus: „Deshalb schaffe ich die Grundlage, die das antreibt, was die Jungs darüberlegen. Damit habe ich überhaupt kein Problem, ich spiele gerne einfach. Das stört mich nicht, und ich fühle mich auch nicht eingeengt dadurch.“

Und damit es richtig schiebt, schlägt er die meisten Töne nur von oben an (so wie Johnny Ramone grundsätzlich „Downstrokes“ spielte), und er schlägt richtig zu. Oft trägt er deshalb Bandagen an den Fingern und eine Lederstütze am Handgelenk, wie man im legendären Konzertfilm AC/DC: Let There Be Rock sehen kann, den die Combo 1979 in Paris während der Highway-To-Hell-Tour aufzeichnet.

Vierviertel. Reicht, wenn man’s richtig macht.

Hier sagt Williams auch: „Für mich selbst schreibe ich ein bisschen an Liedern herum. Aber man würde mich nicht als guten Songwriter bezeichnen.“ In all seinen Jahren bei AC/DC bekommt er keinen einzigen Songwriting-Credit, die Lieder stammen von Young/Young/Scott oder Young/Young/Johnson, seit The Razors Edge (1990) sogar im Alleingang von den Gitarrenbrüdern.

Das macht aber alles nix, denn Williams erklimmt mit AC/DC die höchsten Höhen des Rock’n’Roll (Back In Black! Highway To Hell!) und geht durch ein paar kleine Täler (angefangen mit Flick Of The Switch). Und immer stellt sich Cliff Williams in den Dienst der Band und dieses unerbittlich großartigen Viervierteltaktes. Live steht er (von uns aus gesehen) rechts neben dem Schlagzeug und marschiert nur für die Backingvocals im Stechschritt parallel zu Malcolm (bzw. seinem Nachfolger Stevie) ans Mikro.

Endlich normale Leute

Privat hört man von dem Musiker wenig, es gibt kaum Medienauftritte und kein Skandale. Wie alle seine AC/DC-Kollegen hält er sich aus vom Blitzlichtpromizirkus fern und bleibt schlicht: normal. 1980 heiratet Cliff seine Georganne, eine Dame aus Colorado, und zieht mit ihr nach Hawaii. Wenn man schon die meiste Zeit unterwegs ist, aber ein paar Taler verdient hat, kann man es sich auch in der Sonne gemütlich machen, oder? (Kirk Hammett von Metallica sieht das zum Beispiel genauso.) 

AC/DC 2014 – Pic: James Minchin/Promo

Zwei Kinder kommen auf die Welt, doch zusehends fühlt sich Familie Williams auf der Insel isoliert. Einmal berichtet der Bassist, dass er für einen eintägigen Videodreh vier Tage reisen muss. Auch doof. Weil die Schulen zudem nicht so recht taugen, aber aus den Kids ja was werden soll, folgen Cliff und Georgeanne einem Vorschlag von AC/DC-Kollege Brian Johnson. Der wohnt nach einem halben Leben im regnerischen England mittlerweile in Florida und findet das ganz hervorragend. Unser Geburtstagsrocker lässt sich fortan in Fort Myers nieder und geht Hobbies wie Angeln, Fliegen und gutem Wein nach. Nebenprojekte oder gar andere Bands gibt es wie bei allen AC/DC-Mitgliedern nicht bis kaum. Die Mafia ist da offener.

Gefrorene Kamele?

Ganz kann Williams die Bassfinger aber nicht stillhalten, wenn die AC/DC-Maschine mal Pause macht: 1984 beteiligt er sich am Song I Want My Heavy Metal von Adam Bomb, während der Zweitausender tut er sich mit dem bosnischen Musiker Emir Bukovica und seiner Band Emir & Frozen Camels zusammen. 2002 kommt das Album San heraus, eine kleine Clubtour in Europa folgt. Mit seinem Kumpel Brian spielt Cliff dann ab 2005 noch in diversen Wohltätigkeitsprojekten, auch damit er fit und im Groove bleibt, denn die Auszeiten der Hauptkapelle werden länger.

Fast vierzig Jahre zockt Cliff Williams bei AC/DC, bis er am 7. Juli 2016 bekannt gibt, sich nach der Tour zu Rock Or Bust zur Ruhe setzen zu wollen. Mittlerweile hat sich einiges bei der australischen Boogie-Brigade geändert: Malcolm kann wegen seiner Demenzerkrankung nicht mehr mitspielen, Brian Johnson muss wegen massiver Hörprobleme aufhören, und Phil Rudd steht mit einem Bein im Knast. Für Williams ist es an der Zeit, den Rock’n’Roll Train zu verlassen – „to come off the road“, wie er sagt. 

Ruhestand. Echt?

Seine letzte Show mit AC/DC spielt er am 20. September 2016 in Philadelphia, mittlerweile singt aushilfsweise Axl Rose. Nach der letzten Nummer For Those About To Rock zieht Angus Cliff nach vorne für eine kurze Verabschiedung. Kurz winken, ein knappes „Ladies & gentlemen, Mr. Cliff Williams!“, zack, das war’s, zu sehen hier. Viel Theater haben die Jungs noch nie gemacht. Und den Ruhestand, den hat sich Cliff Williams verdient.

Aber war es das wirklich? Anscheinend nicht. Zu Williams’ 70. Geburtstag Ende 2019 verdichten sich schon länger die Hinweise, dass AC/DC ein neues Album aufnehmen – mit Brian, Phil und wohl auch Cliff

Zeitsprung: Am 5.5.1978 veröffentlichen AC/DC „Powerage“.

Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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Popkultur

Ein Schal für Freddie Mercury: Lisa Marie Presley wäre 55 Jahre alt geworden

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Lisa Marie Presley
Foto: Christopher Polk/Getty Images for Wonderwall

Am 1. Februar 2023 hätte Lisa Marie Presley ihren 55. Geburtstag gefeiert. Der Schock, dass sie das niemals tun wird, sitzt immer noch tief: Die Tochter von Elvis und Priscilla Presley starb am 25. Januar 2023 völlig überraschend.

 von Markus Brandstetter

Ein Leben im Scheinwerferlicht, das war für die einzige Tochter des King of Rock’n’Roll vorprogrammiert. Genau neun Monate nach der Hochzeit von Elvis und Priscilla wurde Lisa Marie Presley in Memphis im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee geboren. Sie war sechs Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie zog mit ihrer Mutter nach Los Angeles, besuchte Elvis aber oft in Graceland.

Gute Beziehung zu Elvis

„Er war sehr beschützend, sehr fürsorglich und sehr wachsam. Ich wusste, dass ich geliebt wurde, daran bestand kein Zweifel“, erzählte sie einmal in einem Interview über ihren Vater. Lisa Marie war neun Jahre alt, als ihr Vater starb. Gemeinsam mit ihrer Großmutter Minnie Mae und ihrem Großvater Vernon Presley wurde sie zur Erbin des Elvis-Nachlasses erkoren; als die beiden 1979 und 1980 starben, wurde sie zur Alleinerbin. Als sie 25 Jahre alt war, bekam sie das Elvis Estate, damals 100 Millionen Dollar wert. Gut gewirtschaftet wurde mit dem Geld aber wohl nicht: 2018 erklärte sie vor Gericht, dass sie nur noch 14.000 Dollar habe und dies ihrem ehemaligen Businessmanager Barry Siegel zu verdanken sei.

Lisa Marie Presley zog es selbst zur Musik hin — ihr erstes Konzerterlebnis hatte sie ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters. Da sah sie die britischen Rocklegenden Queen — und schenkte Freddie Mercury nach dem Konzert ein Accessoire ihres Vaters. „Ich erinnere mich, dass ich Freddie Mercury einen Schal meines Vaters mitbrachte und ihn ihm nach der Show schenkte. Ich liebte es. Ich liebte die Theatralik. Ich liebte Freddie. Ich fand Queen großartig“, erzählte sie einmal. Das erste Mal selbst in Erscheinung trat sie erst 1997 — mit einem virtuellen Duett mit ihrem Vater. Elvis hatte vor seinem Tod einige Aufnahmen und Gesangsspuren hinterlassen — aus einem wurde das Duett Don’t Cry Daddy.

„Ihre eigene Rock-Queen“: Presleys erstes Soloalbum

2003 veröffentlichte Lisa Marie Presley ihr erstes Soloalbum — und alle Augen waren natürlich auf sie gerichtet. Auf To Whom It May Concern arbeitete sie mit bekannten Songwritern und Produzenten (unter anderem Glen Ballard) zusammen. Die Lyrics stammen alle von ihr (mit Ausnahme des Stücks The Road Between, das sie gemeinsam mit Gus Black verfasste), bei der Musik war sie an allen Songs als Co-Autorin beteiligt. „Presleys überraschend kraftvolle Stimme schwingt von einem tiefen Ton bis zu einem bluesgetränkten Heulen und übertrumpft die glänzende Produktion von Eric Rosse und Andrew Slater“, schrieb der US-amerikanische Rolling Stone damals. Die Kritiken waren wohlwollend: „Nichtsdestotrotz zeigt To Whom It May Concern eine Menge Herzenswärme. Wenn sie das hier gezeigte Potenzial ausschöpft, hat die Tochter des King of Rock die Chance, ihre eigene Rock-Queen zu werden.“ Noch überzeugter zeigte sich der Kritiker Robert Hilburn, der die Kompromisslosigkeit des Albums lobte und attestierte: „Presleys mutige, bluesige Stimme hat ein unverwechselbares Flair.“ Das Album schaffte es auf Nummer 5 der US-amerikanischen Billboard Charts und wurde mit Gold ausgezeichnet.

2005 legte Presley mit dem Album Now What nach — mit eher durchwachsenen Kritiken. Wie auch der Vorgänger war die Platte eher im Pop-Rock angesiedelt. Ihr wohl bestes Werk war ihr letztes: Auf Storm & Grace widmete sich Presley Country, Folk und Blues (das alles immer noch mit jeder Menge Pop-Appeal), arbeitete dafür mit dem renommierten Musiker und Produzenten T Bone Burnett zusammen.

Nicht wegen Musik im Scheinwerferlicht

Allerdings war Lisa Marie Presley mehr wegen ihres Privatlebens als ihres musikalischen Schaffens im Rampenlicht. Klar, wenn die Tochter des King of Rock’n’Roll den King of Pop — wir sprechen hier natürlich von Michael Jackson — heiratet, ist das schon spektakulär. Die Ehe — es war nicht ihre erste – hielt zwei Jahre. Insgesamt war Presley viermal verheiratet, mit Danny Keough (sie hatte ihn bei Scientology kennengelernt) hatte sie zwei Kinder. Sechs Jahre nach der Ehe mit Jackson heiratete sie den Hollywood-Schauspieler Nicholas Cage, die Ehe ging nach drei Monaten in die Brüche. Von 2006 bis 2008 war sie mit dem Musiker Michael Lockwood verheiratet, mit dem sie 2021 Zwillingstöchter bekam. Den größten Schicksalsschlag ihres Lebens erlitt Lisa Marie Presley im Juli 2020, als ihr Sohn Benjamin Keough sich das Leben nahm.

Kurz vor ihrem Tod zeigte sich Lisa Marie Presley noch gemeinsam mit Mutter Priscilla auf dem roten Teppich der Premiere des Elvis-Biopics. Kurz danach kam die Meldung, sie habe einen Herzstillstand erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Wenig später kam die traurige Gewissheit, dass Lisa Marie Presley im Alter von nur 54 Jahren verstorben war. Über ihren Gesundheitszustand, ihre letzten Monate und zuletzt auch ihr Testament wird immer noch viel spekuliert und berichtet, dies soll an dieser Stelle ausgespart werden. Über ihre eigenen Kämpfe berichtete sie im Laufe der Jahre selbst immer wieder — erzählte von Süchten, zerbrochenen Ehen und ihrer Einsamkeit als Teenager.

Lisa Marie Presley wurde in Graceland beigesetzt — neben ihrem Vater Elvis und ihrem Sohn Benjamin.

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Axl Rose: „November Rain“-Soloauftritt bei Lisa Marie Presleys Trauerfeier

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