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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.7.1980 setzen sich AC/DC mit „Back In Black“ ein Denkmal.

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AC/DC "Back In Black" Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.7.1980.

von Christof Leim"

Von der Tragödie zum Triumph: Mit Back In Black setzen sich AC/DC am 25. Juli 1980 ein Denkmal und steigen zur einer der größten Rockbands der Welt auf. Nur wenige Monate zuvor hatten sie ihren Sänger Bon Scott verloren, mit seinem Nachfolger Brian Johnson erschaffen sie das meistverkaufte Hard-Rock-Werk aller Zeiten. Wir finden: Das Album sollten Kinder schon in der Schule hören. Hier gibt es die Geschichten dazu.

Hier gibt es Back In Black in voller Länge. Laut machen.

Der große Sprung steht im Frühjahr 1980 kurz bevor: Mit gnadenlos unablässigem Touren, vollem Fokus auf die reine Rock’n’Roll-Lehre und einem Knaller namens Highway To Hell haben sich AC/DC in Startposition gebracht für den großen Durchbruch. Zum ersten Mal konnten sie den wichtigen US-Markt knacken, Europa hat da schon längst angebissen. Das nächste Album soll es bringen. Doch dann schlägt das Schicksal zu: Sänger Bon Scott, charismatischer Straßenpoet und Blaupause des wilden Frontmanns, stirbt in der Nacht des 19. Februar an seinem ungesunden Lebenswandel. (Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.)

Trauerbewältigung mit Gitarren

Der Rest der Band ist geschockt. Die vier Mittzwanziger denken ans Aufhören, doch sie treffen rasch eine Entscheidung: Es muss weitergehen. Nicht nur hätte ihr verstorbener Mitstreiter das so gewollt, auch Bons Vater gibt bei der Beerdigung Bandchef Malcolm Young seinen Segen. Doch die Trauer sitzt tief. Malcolm und sein Bruder Angus gehen damit um, wie sie es am besten können: Sie schreiben Songs, als Therapie. Schon am 3. März treffen sie sich in einem Proberaum in London, wo die Band damals residiert.

„Der Neue“ gibt Vollgas. Brian Johnson live 1980 – Foto: Fin Costello/Redferns

Schnell widmen sie sich auch der schwierigen Aufgabe, einen neuen Sänger zu finden. Die Wahl fällt auf den 32-jährigen Brian Johnson aus Newcastle. (Seine Geschichte findet ihr hier.) Man kann es schicksalhafte Fügung nennen, einen Glückstreffer vielleicht: denn das passt. Dabei hatte Brian als Ex-Vokalist von Geordie mit seiner Musikkarriere schon abgeschlossen und wollte gar nicht erst zum Vorsingen nach London fahren. Weil ihm aber noch ein lukrativer Werbejingle für einen Staubsauger (!) angeboten wird, macht er sich auf den Weg. Natürlich ist er nervös, Malcolm drückt ihm erstmal ein Bier in die Hand, dann spielen sie Nutbush City Limits von Ike & Tina Turner. Beim folgenden Whole Lotta Rosie ist die Sache dann klar. Brian Johnson wird Anfang April der neue Sänger von AC/DC. Und damit geht ein grandioses Comeback der Rock’n’Roll-Historie los…

Karibik statt England im Regen

AC/DC machen sich umgehend an die Arbeit für die nächste Platte, im vollen Bewusstsein, dass das Ding über ihre Karriere entscheiden wird. „Wir waren alle ein bisschen nervös“, sagt Angus später dem Rolling Stone. Aus den drei Wochen, die in London geprobt werden soll, wird eine, weil das Compass Point Studio auf den Bahamas freie Termine hat. Und so bekommt der eben noch völlig abgebrannte Brian Johnson, der als Automechaniker arbeitet, ein Flugticket in die Karibik überreicht.

Nun sieht es auf der Insel schon ein wenig anders aus als in England. Das liegt nicht nur an Sonne statt Regen, Pina Colada statt Brown Ale: Die Musiker werden von Tropenstürmen begrüßt, die zudem Probleme mit der Elektrik verursachen, aber immerhin später für eine wichtige Inspiration sorgen. Außerdem hängt das Equipment im Zoll fest. Dass ab und zu mal Krabben über den Studioboden kriechen, fällt da kaum noch ins Gewicht. „Wir wohnten in kleinen Zimmern, durchaus gemütlich, mit einem Bett und einem Stuhl“, erinnert sich Brian später. „Eine alte Dame hat den Laden mit eiserner Hand geführt – und uns eingeschärft, nachts abzuschließen, damit wir nicht ausgeraubt werden. Sie hat uns sogar lange Fischerspeere gegeben, die sollten wir an der Tür bereitstellen. Das war schon was anderes als Newcastle, das kann ich euch sagen…“

Donnernde Inspiration

Sieben Wochen arbeitet das Quintett mit Produzent Robert John „Mutt“ Lange, der bereits auf Highway To Hell das Kunststück fertig gebracht hatte, den AC/DC-Sound aufzuräumen, zu sortieren und noch unwiderstehlicher zu machen, ohne die Durchschlagskraft zu schmälern oder den Charakter der Band zu verändern. Später sollte er das noch äußerst erfolgreich mit unter anderem Foreigner, Def Leppard und Shania Twain schaffen.

Die Lieder entstehen, wie sie bei AC/DC immer entstehen: Malcolm und Angus schmeißen die Riffs zusammen, Cliff Williams und Phil Rudd steuern den Groove bei, danach kommen Melodie und Text. Deshalb fühlt der Neue während der Produktion einen nicht unbeträchtlichem Druck: Er muss die Worte zu den Songs schreiben, oft nur mit einem Titel als Anhaltspunkt. Hier helfen die anfänglichen Wetterbedingungen: Als Brian zu einer Titelidee von Angus namens Hells Bells nach der richtigen Eingebung sucht, donnert es am Himmel, und es schüttet wie aus Eimern. So entsteht die erste Zeile „I’m rolling thunder, pouring rain“, der Rest fließt dann wie von selbst auf das Papier.

Trauern ohne zu trauern

Offiziell enthält Back In Black keine Verse oder Melodien von Bon Scott, denn so weit war das Songwriting zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht. Der Verstorbene hatte lediglich auf zwei Nummern im Proberaum getrommelt. Die Notizbücher, in denen Bon ständig Ideen und kurze lyrische Fragmente festhielt, gingen zurück an seine Familie. Natürlich kursieren Theorien: die Notizen seien verschwunden, heißt es, manche Zeilen habe Bon schon vorher Freunden gezeigt, außerdem sei die Lyrik in ihrer anzüglichen Lausbubenhaftigkeit typisch für Bon Scott und so weiter. Das Geheimnis bleibt.

Von seinen neuen Kollegen erhält Brian den Marschbefehl: Eine gute Rockplatte in Angedenken an Bon soll es werden, aber auf gar keinen Fall mit Drama und Geheule, nicht morbide, sondern eine Feier des Lebens. „Kein Druck also“, lacht Johnson später. Der Produzent nimmt den Neuen hart ran; ständig muss der Sänger seine Takes wiederholen, bis wirklich jedes Detail bis hin zu den Atempausen stimmt. „Manche der Noten zu treffen, war eine echte Herausforderung“, kommentiert Toningenieur Tony Platt in den Folgejahren. „Er und Bon singen sehr unterschiedlich. Bons Stimme war sehr eigen und verschroben, die von Brian pure Kraft.“

Musik für nachts an der Bar

Mutt Lange verpasst der Platte einen natürlichen, runden, warmen und kräftigen Sound, der auch heute noch kein Stück alt, sondern zeitlos-klassisch klingt. Den Mix übernehmen Malcolm, Mutt und Tony in den Electric Lady Studios in New York City. Zehn Stücke finden sich auf Back In Black, mindestens drei zählen zum höchsten Kanon der Monumentalklassiker der Rockgeschichte. Und alle zehn sind sie großartig. Wie sprechgesangte Kid Rock schon, als er noch cool war: „Put AC/DC on, from Hells Bells to the next nine songs“.

So sieht eine AC/DC-Hitsingle in Japan aus.

Inhaltlich hält sich Johnson an die klassische Rock’n’Roll-Schule, liefert also kleine und große Wahrheiten zu Sex, Feierei und Lotterleben, mit glasklaren Doppeldeutigkeiten, aber ohne unnötige Belastung durch intellektuellen Feingeist. Das Billboard-Magazin fasst das hervorragend zusammen: „Die Hälfte der Songtitel auf Back In Black würde großartige Tattoo-Slogans abgeben, die andere Hälfte besteht aus Dingen, die man nachts um zwei irgendwem in einer Bar sagt.“

Lausbübischer Schweinkram

In Hells Bells kokettiert Brian nach unheilverkündenden Glockengeläut mit dem Leibhaftigen, hinter Shoot To Thrill steckt angeblich ein Zeitungsbericht über eine Welle des Beruhigungsmittelkonsums unter Hausfrauen in Londoner Vororten, in What Do You Do For Money Honey beschreibt er einen „gold digger“, eine freizügige Dame mit starkem Verdienstwunsch. Bei Given The Dog A Bone geht es ganz sicher nicht um die richtige Pflege und Fütterung vierbeiniger Haustiere; die Zeile „she’s using her head again“ soll hier als Hinweis reichen. Mit Let Me Put My Love Into You schaffen es AC/DC sogar auf die Liste der „schmutzigen Fünfzehn“, also der Songs, die die Vereinigung PMRC Mitte der Achtziger gerne indizieren lassen möchte. Nein, schöngeistig ist hier nichts. Satanseidank.

Die härteste Nuss hat Brian mit dem Titelstück zu knacken: Back In Black gedenkt Bon Scott ohne Trauer und Melancholie, sondern zelebriert dessen wilde Persönlichkeit und das Leben an und für sich. Schade nur, dass Bon seine „nine lives, cat’s eyes“ zu schnell aufgebraucht hat. Mit You Shook Me All Night Long liefern AC/DC einen der größten, besten, tollsten Gute-Laune-Rocksongs aller Zeiten mit einem klassischen Thema: Schweinkram die ganze Nacht. Wer hier nicht grinsen und kopfnicken muss, ist bei dieser Musik falsch. Have A Drink On Me hingegen verwundert, schließlich wurde (mindestens) die Sauferei Bon zum Verhängnis. Doch man sollte das eher so sehen: Auf ihre Art prosten AC/DC dem ehemaligen Fronthelden zu. Der hätte gut den Charakter in Shake A Leg verkörpern können: es gibt Ärger, anpassen ist nicht, und Party will gemacht werden. Die letzte Nummer Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, die Angus und Malcolm der Sage nach in nur einer Viertelstunde zusammentackern, weil noch Material fehlt, fasst das Credo unserer Helden zusammen: „Rock’n’Roll will never die“, heißt es da, die letzte Zeile lautet „Rock’n’Roll… is just Rock’n’Roll“. Irgendwie auch wieder wahr.

Die deutsche Single zu „Rock And Roll Ain’t Noise Pollution“.

Superlative

Mit dem komplett schwarzen Cover, erneut ein indirekter Tribut an Bon, zeigt sich die Plattenfirma so gar nicht einverstanden, aber die Chefs bleiben wie üblich stur und lassen sich nur zu einer dünnen grauen Linie um das Bandlogo überreden. Sechs Videos werden im niederländischen Breda gedreht, aber die meisten erscheinen erst 2005 auf der DVD Family Jewels. Am 25. Juli 1980 erscheint Back In Black schließlich in Nordamerika, Europa folgt am 31. Juli. Nur fünf Monate nach Bon Scotts unglücklichem Ableben sind AC/DC zurück. Back In Black geht sofort weg wie nix Gutes und rauscht ohne Umschweife auf Platz eins der britischen Charts, in Deutschland steht die Platte schließlich auf Rang drei, in den USA auf Nummer vier. Dort bleibt sie über fünf Monate konstant in den Top Ten und verlässt erst nach 131 Wochen die Hitparade. Das veranlasst die US-Plattenfirma absurderweise, das dort bisher unveröffentlichte Dirty Deeds Done Dirt Cheap von 1976 rauszubringen – mit Bon am Gesang.

Back In Black entwickelt sich zu einem unfassbaren Erfolg: In der Liste der meistverkauften Alben aller Zeiten weltweit kommt lediglich (!) Thriller von Michael Jackson davor. In den USA können ansonsten nur noch die Eagles dagegen anstinken. Back In Black steht in mehr Plattensammlungen als Led Zeppelin IV, Dark Side Of The Moon, das White Album, Hysteria, Slippery When Wet, Bat Out Of Hell, Rumours, Hybrid Theory oder die schwarze Metallica. Das Werk ist damit das erfolgreichste Hard-Rock-Album des Planeten mit geschätzten 50 Millionen Einheiten auf dem Zähler. Kurz gesagt: Back In Black ist ein Monster. Aus der Tragödie wird ein gewaltiger Triumph, und AC/DC haben nicht nur ihre Band gerettet und den Durchbruch geschafft – sie sind auf dem Rock-Olymp angekommen.

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Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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