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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.7.1980 setzen sich AC/DC mit „Back In Black“ ein Denkmal.

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AC/DC "Back In Black" Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.7.1980.

von Christof Leim"

Von der Tragödie zum Triumph: Mit Back In Black setzen sich AC/DC am 25. Juli 1980 ein Denkmal und steigen zur einer der größten Rockbands der Welt auf. Nur wenige Monate zuvor hatten sie ihren Sänger Bon Scott verloren, mit seinem Nachfolger Brian Johnson erschaffen sie das meistverkaufte Hard-Rock-Werk aller Zeiten. Wir finden: Das Album sollten Kinder schon in der Schule hören. Hier gibt es die Geschichten dazu.

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Hier gibt es Back In Black in voller Länge. Laut machen.

Der große Sprung steht im Frühjahr 1980 kurz bevor: Mit gnadenlos unablässigem Touren, vollem Fokus auf die reine Rock’n’Roll-Lehre und einem Knaller namens Highway To Hell haben sich AC/DC in Startposition gebracht für den großen Durchbruch. Zum ersten Mal konnten sie den wichtigen US-Markt knacken, Europa hat da schon längst angebissen. Das nächste Album soll es bringen. Doch dann schlägt das Schicksal zu: Sänger Bon Scott, charismatischer Straßenpoet und Blaupause des wilden Frontmanns, stirbt in der Nacht des 19. Februar an seinem ungesunden Lebenswandel. (Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.)

Trauerbewältigung mit Gitarren

Der Rest der Band ist geschockt. Die vier Mittzwanziger denken ans Aufhören, doch sie treffen rasch eine Entscheidung: Es muss weitergehen. Nicht nur hätte ihr verstorbener Mitstreiter das so gewollt, auch Bons Vater gibt bei der Beerdigung Bandchef Malcolm Young seinen Segen. Doch die Trauer sitzt tief. Malcolm und sein Bruder Angus gehen damit um, wie sie es am besten können: Sie schreiben Songs, als Therapie. Schon am 3. März treffen sie sich in einem Proberaum in London, wo die Band damals residiert.

„Der Neue“ gibt Vollgas. Brian Johnson live 1980 – Foto: Fin Costello/Redferns

Schnell widmen sie sich auch der schwierigen Aufgabe, einen neuen Sänger zu finden. Die Wahl fällt auf den 32-jährigen Brian Johnson aus Newcastle. (Seine Geschichte findet ihr hier.) Man kann es schicksalhafte Fügung nennen, einen Glückstreffer vielleicht: denn das passt. Dabei hatte Brian als Ex-Vokalist von Geordie mit seiner Musikkarriere schon abgeschlossen und wollte gar nicht erst zum Vorsingen nach London fahren. Weil ihm aber noch ein lukrativer Werbejingle für einen Staubsauger (!) angeboten wird, macht er sich auf den Weg. Natürlich ist er nervös, Malcolm drückt ihm erstmal ein Bier in die Hand, dann spielen sie Nutbush City Limits von Ike & Tina Turner. Beim folgenden Whole Lotta Rosie ist die Sache dann klar. Brian Johnson wird Anfang April der neue Sänger von AC/DC. Und damit geht ein grandioses Comeback der Rock’n’Roll-Historie los…

Karibik statt England im Regen

AC/DC machen sich umgehend an die Arbeit für die nächste Platte, im vollen Bewusstsein, dass das Ding über ihre Karriere entscheiden wird. „Wir waren alle ein bisschen nervös“, sagt Angus später dem Rolling Stone. Aus den drei Wochen, die in London geprobt werden soll, wird eine, weil das Compass Point Studio auf den Bahamas freie Termine hat. Und so bekommt der eben noch völlig abgebrannte Brian Johnson, der als Automechaniker arbeitet, ein Flugticket in die Karibik überreicht.

Nun sieht es auf der Insel schon ein wenig anders aus als in England. Das liegt nicht nur an Sonne statt Regen, Pina Colada statt Brown Ale: Die Musiker werden von Tropenstürmen begrüßt, die zudem Probleme mit der Elektrik verursachen, aber immerhin später für eine wichtige Inspiration sorgen. Außerdem hängt das Equipment im Zoll fest. Dass ab und zu mal Krabben über den Studioboden kriechen, fällt da kaum noch ins Gewicht. „Wir wohnten in kleinen Zimmern, durchaus gemütlich, mit einem Bett und einem Stuhl“, erinnert sich Brian später. „Eine alte Dame hat den Laden mit eiserner Hand geführt – und uns eingeschärft, nachts abzuschließen, damit wir nicht ausgeraubt werden. Sie hat uns sogar lange Fischerspeere gegeben, die sollten wir an der Tür bereitstellen. Das war schon was anderes als Newcastle, das kann ich euch sagen…“

Donnernde Inspiration

Sieben Wochen arbeitet das Quintett mit Produzent Robert John „Mutt“ Lange, der bereits auf Highway To Hell das Kunststück fertig gebracht hatte, den AC/DC-Sound aufzuräumen, zu sortieren und noch unwiderstehlicher zu machen, ohne die Durchschlagskraft zu schmälern oder den Charakter der Band zu verändern. Später sollte er das noch äußerst erfolgreich mit unter anderem Foreigner, Def Leppard und Shania Twain schaffen.

Die Lieder entstehen, wie sie bei AC/DC immer entstehen: Malcolm und Angus schmeißen die Riffs zusammen, Cliff Williams und Phil Rudd steuern den Groove bei, danach kommen Melodie und Text. Deshalb fühlt der Neue während der Produktion einen nicht unbeträchtlichem Druck: Er muss die Worte zu den Songs schreiben, oft nur mit einem Titel als Anhaltspunkt. Hier helfen die anfänglichen Wetterbedingungen: Als Brian zu einer Titelidee von Angus namens Hells Bells nach der richtigen Eingebung sucht, donnert es am Himmel, und es schüttet wie aus Eimern. So entsteht die erste Zeile „I’m rolling thunder, pouring rain“, der Rest fließt dann wie von selbst auf das Papier.

Trauern ohne zu trauern

Offiziell enthält Back In Black keine Verse oder Melodien von Bon Scott, denn so weit war das Songwriting zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht. Der Verstorbene hatte lediglich auf zwei Nummern im Proberaum getrommelt. Die Notizbücher, in denen Bon ständig Ideen und kurze lyrische Fragmente festhielt, gingen zurück an seine Familie. Natürlich kursieren Theorien: die Notizen seien verschwunden, heißt es, manche Zeilen habe Bon schon vorher Freunden gezeigt, außerdem sei die Lyrik in ihrer anzüglichen Lausbubenhaftigkeit typisch für Bon Scott und so weiter. Das Geheimnis bleibt.

Von seinen neuen Kollegen erhält Brian den Marschbefehl: Eine gute Rockplatte in Angedenken an Bon soll es werden, aber auf gar keinen Fall mit Drama und Geheule, nicht morbide, sondern eine Feier des Lebens. „Kein Druck also“, lacht Johnson später. Der Produzent nimmt den Neuen hart ran; ständig muss der Sänger seine Takes wiederholen, bis wirklich jedes Detail bis hin zu den Atempausen stimmt. „Manche der Noten zu treffen, war eine echte Herausforderung“, kommentiert Toningenieur Tony Platt in den Folgejahren. „Er und Bon singen sehr unterschiedlich. Bons Stimme war sehr eigen und verschroben, die von Brian pure Kraft.“

Musik für nachts an der Bar

Mutt Lange verpasst der Platte einen natürlichen, runden, warmen und kräftigen Sound, der auch heute noch kein Stück alt, sondern zeitlos-klassisch klingt. Den Mix übernehmen Malcolm, Mutt und Tony in den Electric Lady Studios in New York City. Zehn Stücke finden sich auf Back In Black, mindestens drei zählen zum höchsten Kanon der Monumentalklassiker der Rockgeschichte. Und alle zehn sind sie großartig. Wie sprechgesangte Kid Rock schon, als er noch cool war: „Put AC/DC on, from Hells Bells to the next nine songs“.

So sieht eine AC/DC-Hitsingle in Japan aus.

Inhaltlich hält sich Johnson an die klassische Rock’n’Roll-Schule, liefert also kleine und große Wahrheiten zu Sex, Feierei und Lotterleben, mit glasklaren Doppeldeutigkeiten, aber ohne unnötige Belastung durch intellektuellen Feingeist. Das Billboard-Magazin fasst das hervorragend zusammen: „Die Hälfte der Songtitel auf Back In Black würde großartige Tattoo-Slogans abgeben, die andere Hälfte besteht aus Dingen, die man nachts um zwei irgendwem in einer Bar sagt.“

Lausbübischer Schweinkram

In Hells Bells kokettiert Brian nach unheilverkündenden Glockengeläut mit dem Leibhaftigen, hinter Shoot To Thrill steckt angeblich ein Zeitungsbericht über eine Welle des Beruhigungsmittelkonsums unter Hausfrauen in Londoner Vororten, in What Do You Do For Money Honey beschreibt er einen „gold digger“, eine freizügige Dame mit starkem Verdienstwunsch. Bei Given The Dog A Bone geht es ganz sicher nicht um die richtige Pflege und Fütterung vierbeiniger Haustiere; die Zeile „she’s using her head again“ soll hier als Hinweis reichen. Mit Let Me Put My Love Into You schaffen es AC/DC sogar auf die Liste der „schmutzigen Fünfzehn“, also der Songs, die die Vereinigung PMRC Mitte der Achtziger gerne indizieren lassen möchte. Nein, schöngeistig ist hier nichts. Satanseidank.

Die härteste Nuss hat Brian mit dem Titelstück zu knacken: Back In Black gedenkt Bon Scott ohne Trauer und Melancholie, sondern zelebriert dessen wilde Persönlichkeit und das Leben an und für sich. Schade nur, dass Bon seine „nine lives, cat’s eyes“ zu schnell aufgebraucht hat. Mit You Shook Me All Night Long liefern AC/DC einen der größten, besten, tollsten Gute-Laune-Rocksongs aller Zeiten mit einem klassischen Thema: Schweinkram die ganze Nacht. Wer hier nicht grinsen und kopfnicken muss, ist bei dieser Musik falsch. Have A Drink On Me hingegen verwundert, schließlich wurde (mindestens) die Sauferei Bon zum Verhängnis. Doch man sollte das eher so sehen: Auf ihre Art prosten AC/DC dem ehemaligen Fronthelden zu. Der hätte gut den Charakter in Shake A Leg verkörpern können: es gibt Ärger, anpassen ist nicht, und Party will gemacht werden. Die letzte Nummer Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, die Angus und Malcolm der Sage nach in nur einer Viertelstunde zusammentackern, weil noch Material fehlt, fasst das Credo unserer Helden zusammen: „Rock’n’Roll will never die“, heißt es da, die letzte Zeile lautet „Rock’n’Roll… is just Rock’n’Roll“. Irgendwie auch wieder wahr.

Die deutsche Single zu „Rock And Roll Ain’t Noise Pollution“.

Superlative

Mit dem komplett schwarzen Cover, erneut ein indirekter Tribut an Bon, zeigt sich die Plattenfirma so gar nicht einverstanden, aber die Chefs bleiben wie üblich stur und lassen sich nur zu einer dünnen grauen Linie um das Bandlogo überreden. Sechs Videos werden im niederländischen Breda gedreht, aber die meisten erscheinen erst 2005 auf der DVD Family Jewels. Am 25. Juli 1980 erscheint Back In Black schließlich in Nordamerika, Europa folgt am 31. Juli. Nur fünf Monate nach Bon Scotts unglücklichem Ableben sind AC/DC zurück. Back In Black geht sofort weg wie nix Gutes und rauscht ohne Umschweife auf Platz eins der britischen Charts, in Deutschland steht die Platte schließlich auf Rang drei, in den USA auf Nummer vier. Dort bleibt sie über fünf Monate konstant in den Top Ten und verlässt erst nach 131 Wochen die Hitparade. Das veranlasst die US-Plattenfirma absurderweise, das dort bisher unveröffentlichte Dirty Deeds Done Dirt Cheap von 1976 rauszubringen – mit Bon am Gesang.

Back In Black entwickelt sich zu einem unfassbaren Erfolg: In der Liste der meistverkauften Alben aller Zeiten weltweit kommt lediglich (!) Thriller von Michael Jackson davor. In den USA können ansonsten nur noch die Eagles dagegen anstinken. Back In Black steht in mehr Plattensammlungen als Led Zeppelin IV, Dark Side Of The Moon, das White Album, Hysteria, Slippery When Wet, Bat Out Of Hell, Rumours, Hybrid Theory oder die schwarze Metallica. Das Werk ist damit das erfolgreichste Hard-Rock-Album des Planeten mit geschätzten 50 Millionen Einheiten auf dem Zähler. Kurz gesagt: Back In Black ist ein Monster. Aus der Tragödie wird ein gewaltiger Triumph, und AC/DC haben nicht nur ihre Band gerettet und den Durchbruch geschafft – sie sind auf dem Rock-Olymp angekommen.

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Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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