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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.7.1980 setzen sich AC/DC mit „Back In Black“ ein Denkmal.

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AC/DC "Back In Black" Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.7.1980.

von Christof Leim"

Von der Tragödie zum Triumph: Mit Back In Black setzen sich AC/DC am 25. Juli 1980 ein Denkmal und steigen zur einer der größten Rockbands der Welt auf. Nur wenige Monate zuvor hatten sie ihren Sänger Bon Scott verloren, mit seinem Nachfolger Brian Johnson erschaffen sie das meistverkaufte Hard-Rock-Werk aller Zeiten. Wir finden: Das Album sollten Kinder schon in der Schule hören. Hier gibt es die Geschichten dazu.

Hier gibt es Back In Black in voller Länge. Laut machen.

Der große Sprung steht im Frühjahr 1980 kurz bevor: Mit gnadenlos unablässigem Touren, vollem Fokus auf die reine Rock’n’Roll-Lehre und einem Knaller namens Highway To Hell haben sich AC/DC in Startposition gebracht für den großen Durchbruch. Zum ersten Mal konnten sie den wichtigen US-Markt knacken, Europa hat da schon längst angebissen. Das nächste Album soll es bringen. Doch dann schlägt das Schicksal zu: Sänger Bon Scott, charismatischer Straßenpoet und Blaupause des wilden Frontmanns, stirbt in der Nacht des 19. Februar an seinem ungesunden Lebenswandel. (Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.)

Trauerbewältigung mit Gitarren

Der Rest der Band ist geschockt. Die vier Mittzwanziger denken ans Aufhören, doch sie treffen rasch eine Entscheidung: Es muss weitergehen. Nicht nur hätte ihr verstorbener Mitstreiter das so gewollt, auch Bons Vater gibt bei der Beerdigung Bandchef Malcolm Young seinen Segen. Doch die Trauer sitzt tief. Malcolm und sein Bruder Angus gehen damit um, wie sie es am besten können: Sie schreiben Songs, als Therapie. Schon am 3. März treffen sie sich in einem Proberaum in London, wo die Band damals residiert.

„Der Neue“ gibt Vollgas. Brian Johnson live 1980 – Foto: Fin Costello/Redferns

Schnell widmen sie sich auch der schwierigen Aufgabe, einen neuen Sänger zu finden. Die Wahl fällt auf den 32-jährigen Brian Johnson aus Newcastle. (Seine Geschichte findet ihr hier.) Man kann es schicksalhafte Fügung nennen, einen Glückstreffer vielleicht: denn das passt. Dabei hatte Brian als Ex-Vokalist von Geordie mit seiner Musikkarriere schon abgeschlossen und wollte gar nicht erst zum Vorsingen nach London fahren. Weil ihm aber noch ein lukrativer Werbejingle für einen Staubsauger (!) angeboten wird, macht er sich auf den Weg. Natürlich ist er nervös, Malcolm drückt ihm erstmal ein Bier in die Hand, dann spielen sie Nutbush City Limits von Ike & Tina Turner. Beim folgenden Whole Lotta Rosie ist die Sache dann klar. Brian Johnson wird Anfang April der neue Sänger von AC/DC. Und damit geht ein grandioses Comeback der Rock’n’Roll-Historie los…

Karibik statt England im Regen

AC/DC machen sich umgehend an die Arbeit für die nächste Platte, im vollen Bewusstsein, dass das Ding über ihre Karriere entscheiden wird. „Wir waren alle ein bisschen nervös“, sagt Angus später dem Rolling Stone. Aus den drei Wochen, die in London geprobt werden soll, wird eine, weil das Compass Point Studio auf den Bahamas freie Termine hat. Und so bekommt der eben noch völlig abgebrannte Brian Johnson, der als Automechaniker arbeitet, ein Flugticket in die Karibik überreicht.

Nun sieht es auf der Insel schon ein wenig anders aus als in England. Das liegt nicht nur an Sonne statt Regen, Pina Colada statt Brown Ale: Die Musiker werden von Tropenstürmen begrüßt, die zudem Probleme mit der Elektrik verursachen, aber immerhin später für eine wichtige Inspiration sorgen. Außerdem hängt das Equipment im Zoll fest. Dass ab und zu mal Krabben über den Studioboden kriechen, fällt da kaum noch ins Gewicht. „Wir wohnten in kleinen Zimmern, durchaus gemütlich, mit einem Bett und einem Stuhl“, erinnert sich Brian später. „Eine alte Dame hat den Laden mit eiserner Hand geführt – und uns eingeschärft, nachts abzuschließen, damit wir nicht ausgeraubt werden. Sie hat uns sogar lange Fischerspeere gegeben, die sollten wir an der Tür bereitstellen. Das war schon was anderes als Newcastle, das kann ich euch sagen…“

Donnernde Inspiration

Sieben Wochen arbeitet das Quintett mit Produzent Robert John „Mutt“ Lange, der bereits auf Highway To Hell das Kunststück fertig gebracht hatte, den AC/DC-Sound aufzuräumen, zu sortieren und noch unwiderstehlicher zu machen, ohne die Durchschlagskraft zu schmälern oder den Charakter der Band zu verändern. Später sollte er das noch äußerst erfolgreich mit unter anderem Foreigner, Def Leppard und Shania Twain schaffen.

Die Lieder entstehen, wie sie bei AC/DC immer entstehen: Malcolm und Angus schmeißen die Riffs zusammen, Cliff Williams und Phil Rudd steuern den Groove bei, danach kommen Melodie und Text. Deshalb fühlt der Neue während der Produktion einen nicht unbeträchtlichem Druck: Er muss die Worte zu den Songs schreiben, oft nur mit einem Titel als Anhaltspunkt. Hier helfen die anfänglichen Wetterbedingungen: Als Brian zu einer Titelidee von Angus namens Hells Bells nach der richtigen Eingebung sucht, donnert es am Himmel, und es schüttet wie aus Eimern. So entsteht die erste Zeile „I’m rolling thunder, pouring rain“, der Rest fließt dann wie von selbst auf das Papier.

Trauern ohne zu trauern

Offiziell enthält Back In Black keine Verse oder Melodien von Bon Scott, denn so weit war das Songwriting zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht. Der Verstorbene hatte lediglich auf zwei Nummern im Proberaum getrommelt. Die Notizbücher, in denen Bon ständig Ideen und kurze lyrische Fragmente festhielt, gingen zurück an seine Familie. Natürlich kursieren Theorien: die Notizen seien verschwunden, heißt es, manche Zeilen habe Bon schon vorher Freunden gezeigt, außerdem sei die Lyrik in ihrer anzüglichen Lausbubenhaftigkeit typisch für Bon Scott und so weiter. Das Geheimnis bleibt.

Von seinen neuen Kollegen erhält Brian den Marschbefehl: Eine gute Rockplatte in Angedenken an Bon soll es werden, aber auf gar keinen Fall mit Drama und Geheule, nicht morbide, sondern eine Feier des Lebens. „Kein Druck also“, lacht Johnson später. Der Produzent nimmt den Neuen hart ran; ständig muss der Sänger seine Takes wiederholen, bis wirklich jedes Detail bis hin zu den Atempausen stimmt. „Manche der Noten zu treffen, war eine echte Herausforderung“, kommentiert Toningenieur Tony Platt in den Folgejahren. „Er und Bon singen sehr unterschiedlich. Bons Stimme war sehr eigen und verschroben, die von Brian pure Kraft.“

Musik für nachts an der Bar

Mutt Lange verpasst der Platte einen natürlichen, runden, warmen und kräftigen Sound, der auch heute noch kein Stück alt, sondern zeitlos-klassisch klingt. Den Mix übernehmen Malcolm, Mutt und Tony in den Electric Lady Studios in New York City. Zehn Stücke finden sich auf Back In Black, mindestens drei zählen zum höchsten Kanon der Monumentalklassiker der Rockgeschichte. Und alle zehn sind sie großartig. Wie sprechgesangte Kid Rock schon, als er noch cool war: „Put AC/DC on, from Hells Bells to the next nine songs“.

So sieht eine AC/DC-Hitsingle in Japan aus.

Inhaltlich hält sich Johnson an die klassische Rock’n’Roll-Schule, liefert also kleine und große Wahrheiten zu Sex, Feierei und Lotterleben, mit glasklaren Doppeldeutigkeiten, aber ohne unnötige Belastung durch intellektuellen Feingeist. Das Billboard-Magazin fasst das hervorragend zusammen: „Die Hälfte der Songtitel auf Back In Black würde großartige Tattoo-Slogans abgeben, die andere Hälfte besteht aus Dingen, die man nachts um zwei irgendwem in einer Bar sagt.“

Lausbübischer Schweinkram

In Hells Bells kokettiert Brian nach unheilverkündenden Glockengeläut mit dem Leibhaftigen, hinter Shoot To Thrill steckt angeblich ein Zeitungsbericht über eine Welle des Beruhigungsmittelkonsums unter Hausfrauen in Londoner Vororten, in What Do You Do For Money Honey beschreibt er einen „gold digger“, eine freizügige Dame mit starkem Verdienstwunsch. Bei Given The Dog A Bone geht es ganz sicher nicht um die richtige Pflege und Fütterung vierbeiniger Haustiere; die Zeile „she’s using her head again“ soll hier als Hinweis reichen. Mit Let Me Put My Love Into You schaffen es AC/DC sogar auf die Liste der „schmutzigen Fünfzehn“, also der Songs, die die Vereinigung PMRC Mitte der Achtziger gerne indizieren lassen möchte. Nein, schöngeistig ist hier nichts. Satanseidank.

Die härteste Nuss hat Brian mit dem Titelstück zu knacken: Back In Black gedenkt Bon Scott ohne Trauer und Melancholie, sondern zelebriert dessen wilde Persönlichkeit und das Leben an und für sich. Schade nur, dass Bon seine „nine lives, cat’s eyes“ zu schnell aufgebraucht hat. Mit You Shook Me All Night Long liefern AC/DC einen der größten, besten, tollsten Gute-Laune-Rocksongs aller Zeiten mit einem klassischen Thema: Schweinkram die ganze Nacht. Wer hier nicht grinsen und kopfnicken muss, ist bei dieser Musik falsch. Have A Drink On Me hingegen verwundert, schließlich wurde (mindestens) die Sauferei Bon zum Verhängnis. Doch man sollte das eher so sehen: Auf ihre Art prosten AC/DC dem ehemaligen Fronthelden zu. Der hätte gut den Charakter in Shake A Leg verkörpern können: es gibt Ärger, anpassen ist nicht, und Party will gemacht werden. Die letzte Nummer Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, die Angus und Malcolm der Sage nach in nur einer Viertelstunde zusammentackern, weil noch Material fehlt, fasst das Credo unserer Helden zusammen: „Rock’n’Roll will never die“, heißt es da, die letzte Zeile lautet „Rock’n’Roll… is just Rock’n’Roll“. Irgendwie auch wieder wahr.

Die deutsche Single zu „Rock And Roll Ain’t Noise Pollution“.

Superlative

Mit dem komplett schwarzen Cover, erneut ein indirekter Tribut an Bon, zeigt sich die Plattenfirma so gar nicht einverstanden, aber die Chefs bleiben wie üblich stur und lassen sich nur zu einer dünnen grauen Linie um das Bandlogo überreden. Sechs Videos werden im niederländischen Breda gedreht, aber die meisten erscheinen erst 2005 auf der DVD Family Jewels. Am 25. Juli 1980 erscheint Back In Black schließlich in Nordamerika, Europa folgt am 31. Juli. Nur fünf Monate nach Bon Scotts unglücklichem Ableben sind AC/DC zurück. Back In Black geht sofort weg wie nix Gutes und rauscht ohne Umschweife auf Platz eins der britischen Charts, in Deutschland steht die Platte schließlich auf Rang drei, in den USA auf Nummer vier. Dort bleibt sie über fünf Monate konstant in den Top Ten und verlässt erst nach 131 Wochen die Hitparade. Das veranlasst die US-Plattenfirma absurderweise, das dort bisher unveröffentlichte Dirty Deeds Done Dirt Cheap von 1976 rauszubringen – mit Bon am Gesang.

Back In Black entwickelt sich zu einem unfassbaren Erfolg: In der Liste der meistverkauften Alben aller Zeiten weltweit kommt lediglich (!) Thriller von Michael Jackson davor. In den USA können ansonsten nur noch die Eagles dagegen anstinken. Back In Black steht in mehr Plattensammlungen als Led Zeppelin IV, Dark Side Of The Moon, das White Album, Hysteria, Slippery When Wet, Bat Out Of Hell, Rumours, Hybrid Theory oder die schwarze Metallica. Das Werk ist damit das erfolgreichste Hard-Rock-Album des Planeten mit geschätzten 50 Millionen Einheiten auf dem Zähler. Kurz gesagt: Back In Black ist ein Monster. Aus der Tragödie wird ein gewaltiger Triumph, und AC/DC haben nicht nur ihre Band gerettet und den Durchbruch geschafft – sie sind auf dem Rock-Olymp angekommen.

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Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

Popkultur

25 Jahre „Three Dollar Bill, Y’all“: Limp Bizkit starten ihren Kreuzzug des schlechten Geschmacks

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Limp Bizkit
Foto: Brenda Chase/Getty Images

Nu Metal ist längst auf dem Vormarsch, als Limp Bizkit mit ihrem Debüt Three Dollar Bill, Y’all um die Ecke biegen. Der provokante, für viele abstoßende White-Trash-Appeal von Fred Dursts wilder Bande ist 1997 für viele dann aber doch noch zu viel.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Three Dollar Bill, Y’all anhören:

Limp Bizkit liebt man oder hasst man. Dazwischen, so kann man nach 25 Jahren sicher sagen, gibt es nicht viel Spiel. Genau so wie es sich Fred Durst damals also vorstellte, als er zu Beginn der Neunziger eine Band gründet. Durst steht auf Hip-Hop ebenso wie auf Heavy Metal, skatet, liebt Tattoos, Beatboxen und Breakdancen. Ziemlich viel Cringe-Potential natürlich für einen weißen Dude Anfang 20 in North Carolina. Aber Hobbys sind eben Hobbys.

Nach Stippvisiten bei bedeutungslosen Lokalbands hat er genug und nimmt die Dinge einfach mal selbst in die Hand. Gesegnet mit jeder Menge Selbstbewusstsein, einen gewöhnungsbedürftigen Sinn für Humor und einer Vorliebe für Provokation kann er Bassist Sam Rivers und dessen Cousin, Jazz-Drummer John Otto von seinen Plänen überzeugen. Bald darauf wird das junge Glück ergänzt von Gitarrist Wes Borland. Als Durst einen zweiten Gitarristen an Bord holen will, um den Sound breiter und variabler zu gestalten, funkt Borland dazwischen: Nö, nix da, sagt der, ein Gitarrist reicht völlig. Stattdessen stößt DJ Lethal von House Of Pain zu der jungen Band, völlig begeistert davon, wie er sich hier im Vergleich zu seinen alten Hip-Hop-Buddies ausleben kann: Knallharter Sound, kompromisslose Attitüde, hohes Aggressionspotential und eine durchaus originelle Vermischung von Rap und Metal.

Das Beachtenswerte: Ohne es zu wissen, schart Fred Durst schon in den frühen Tagen ein Line-Up um sich, das bis zum heutigen Tag unverändert bleiben und gemeinsam über 40 Millionen Tonträger verkaufen soll. Nicht schlecht für die selbstgefälligen Visionen eines gelangweilten Twens mit großer Klappe. Aber das ist bei Fred Durst eben immer schon so: Große Klappe, was dahinter.

Schocken um jeden Preis

Er ist es auch, der seiner Band den Namen Limp Bizkit gibt. Er will die Menschen bewusst anwidern, will sie abschrecken und schon sehr frün die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich schon von diesem Namen abschrecken lässt, denkt er sich, ist für die Musik eh nicht bereit. Damit soll er Recht behalten: Mit ersten Demo-Songs erregen sie zwar durchaus die Aufmerksamkeit einiger Plattenfirmen, ausnahmslos wird jedoch verlangt, die Band solle ihren Namen ändern. Nicht mit Durst! Der sieht lieber mit Wohlwollen, wie sich seine Band eine Kult-Anhängerschaft erarbeitet. Klar, Korn und die Deftones feiern damals schon große Erfolge; für den expliziten, trashigen, inhaltlich fragwürdigen, überzeichneten bewusst geschmacklosen Nu-Metal-Abriss hat man damals aber einfach noch keine Schublade.

Fred Durst ist überall unterwegs, um für seine Band Werbung zu machen, gibt sich schon auch mal als deren Manager auf, um dick aufzutragen. Wes Borland derweil entwickelt sein Faible für bizarre Kostümierungen, die schon bald einer der Hauptgründe sind, weshalb immer mehr Menschen zu Shows von Limp Bizkit kommen. Irgendwie kann Durst sogar Korn davon überzeugen, seine Band mit auf Tour zu nehmen, obwohl sie damals noch nicht mal einen Plattenvertrag haben.

Geschmacklos und stolz drauf

Den gibt es dann irgendwann doch – und natürlich ohne Namensänderung. Fred Durst kennt die Mechanismen der Industrie zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckend gut. Dass er das Limp-Bizkit-Debüt trotzdem Three Dollar Bill, Y’all nennen muss – Queer as a three dollar bill ist eine homophobe Beleidigung –, ist mehr als nur ein Kopfschütteln wert. Aber da hat er sich eben schon eingeschossen auf seine Antihaltung, auf sein gezieltes Anecken, Anwidern, Anpissen.

Was George Michael wohl davon hielt?

Dafür hätte allein der Sound der Platte gereicht: Was am 1. Juli 1997 erscheint, ist ein verstörend hart produziertes, chaotisches, wütendes Album, das hörbar von Tool oder den Deftones geprägt ist, aber zu gleichen Teilen mit breitbeinigem Rap-Gehabe aufwartet und völlig unsubtil auf die Fresse gibt. Pollution ist ihr erster kleiner Hit, mit Counterfeit machen sie sich schon auf ihrem Debüt über Bands lustig, die sie kopieren. Klar, auch ihr anarchisches, tollwütiges Cover von George Michaels Faith, in Undergroundkreisen damals längst Legende, findet sich auf Three Dollar Bill, Y’all wieder. „Wir wussten, dass wir nur auffallen können, wenn wir die Leute schocken“, so Wes Borland damals. „Das bewegt die Leute.“

Scheint zu klappen: Nach dem Release touren sie im Vorprogramm ihrer Helden von Faith No More (wenn auch vor einem sehr ablehnenden Publikum), werden mehr und mehr von MTV entdeckt. Das Album wird zum Erfolg und zündet eine neue Stufe in Sachen Nu-Metal-Welteroberung. Man muss nicht mögen, wie Fred Durst in seinen Texten mit Frauen umgeht; man muss aber immer im Hinterkopf behalten, worum es ihm seit Tag eins bei dieser Band geht: Darum, dass sich die Menschen angewidert abwenden. Das zumindest ist spätestens 1999 allerdings passé: Der Nachfolger Significant Other verkauft sich gleich mal 16 Millionen Mal. Liebe oder Hass: Respekt vor Fred Dursts genialer Strategie muss man haben. Und die Songs, die knallen auch 25 Jahre später noch.

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10 Songs, die jeder Limp-Bizkit-Fan kennen muss

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Popkultur

Scum: Napalm Death und ihr Split-Album mit sich selbst

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Scum Album Cover

„"40 Songs in 33 Minuten: Zeitverschwendung kann man Napalm Death auf Scum wahrlich nicht vorwerfen. Bei der Produktion der Platte sieht das ein wenig anders aus, denn das Debüt der Briten erscheint in zwei Etappen — und am Ende sind darauf quasi zwei unterschiedliche Bands zu hören.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Scum anhören:

Kaum eine Band hat die Extreme der Krachmusik derart ausgelotet wie Napalm Death aus Birmingham. 1981 gegründet, startet die Gruppe ab 1985 so richtig durch. Napalm Death spielen zu jener Zeit regelmäßig im Birminghamer Club The Mermaid, wo sie nicht nur allein auf der Bühne stehen, sondern auch so ziemlich jede Band von außerhalb supporten. Einige Monate, Besetzungswechsel und Demos später kapern sie ein Studio und nehmen ihr erstes Album Scum auf — oder zumindest einen Teil davon. Die Platte entsteht nämlich in zwei Hälften.

Während ihres ersten Studioaufenthalts entstehen Stücke wie The Kill, Death By Manipulation und You Suffer ein. (Mit You Suffer landen die Briten später im Guinness-Buch der Rekorde, doch dazu gleich mehr.) Zwar hatten die Musiker diese Nummern schonmal für ein Demo aufgenommen, doch für die Albumversion treten sie das Gaspedal noch ein wenig tiefer durch und spielen die Kompositionen um einiges schneller. Die Kosten für das Studio übernimmt Mermaid-Veranstalter Daz Russell. Er bietet der Band außerdem an, die Aufnahmen über sein neues Label zu veröffentlichen, doch Napalm Death behalten die Master-Bänder lieber für sich. Die Begründung: Russell hatte die Musiker nie dafür bezahlt, dass sie im Mermaid aufgetreten waren.

Scum: Ein Album in zwei Anläufen

Nach den Aufnahme-Sessions wird die Luft in der Band dicker. Gleich mehrere Mitglieder fühlen sich berufen das Steuerrad zu übernehmen, es kommt zum Streit. Erneut dreht sich das Besetzungskarussell, einzig Schlagzeuger Mick Harris bleibt Napalm Death erhalten. 1986 kommt die Gruppe mit Digby Pearson in Kontakt, der gerade sein neues Label Earache Records an den Start gebracht hat. Nach nur wenigen Monaten unterschreiben Napalm Death einen Plattenvertrag mit ihm und Pearson kauft das Master-Band, dass die Musiker bisher zurückgehalten hatten. Mit etwa 20 Minuten Spielzeit befindet sich darauf allerdings gerade einmal genug Material für die A-Seite eines Albums. Also schickt er Napalm Death noch einmal ins Studio, obwohl die Band in der neuen Besetzung noch keine drei Stunden zusammen geprobt hat.

Dass auf der A-Seite eine andere Bandbesetzung zu hören ist als auf der B-Seite, gibt es in der Geschichte der Rockmusik nicht so häufig. Nur Schlagzeuger Mick Harris wirkt an beiden Seiten mit. Am Mikro steht nun Lee Dorrian, der später die Doom-Legenden Cathedral gründen wird. Doch trotz der eigenartigen Produktionsumstände wird Earache Records die erste Auflage des Albums innerhalb weniger Wochen aus der Hand gerissen. Zeitgleich spielen Napalm Death ihre erste Tour.

Zum großen Knall kommt es, als der Radio-DJ John Peel die Band in seiner Radiosendung auf BBC 1 Radio spielt und Napalm Death sogar dazu einlädt, eine der legendären Peel Sessions aufzunehmen. Auf einmal kennt die ganze britische Szene die neuen Krachmacher und Earache gibt eine zweite Auflage des Debüts in Auftrag. Ganze 10.000 Exemplare gehen innerhalb kürzester Zeit über die britischen Ladentheken.

You Suffer: Auf den Punk in 1,316 Sekunden

Einen besonderen Stellenwert auf dem Album genießt der Song You Suffer — und zwar nicht wegen seiner üppigen Länge. Gerade einmal 1,316 Sekunden dauert die Nummer und landet somit als kürzester Song aller Zeiten im Guinness-Buch der Rekorde. Außerdem veröffentlichen Napalm Death das Stück zwei Jahre nach Scum als kostenlose Promo-Single. Auf der B-Seite: Mega-Armageddon Death Part 3 von den Electro Hippies aus England. Auch dieses Meisterwerk dauert kaum länger als eine Sekunde, was den beiden Bands einen weiteren Rekord beschert: den der kürzesten Single aller Zeiten.

Heute gehören Napalm Death seit vielen Jahrzehnten zu den festen Institutionen der Krawallmusik. Mit Mick Harris verlässt im Jahr 1991 der letzte Musiker die Band, der auf Scum zu hören ist, inzwischen stehen vor allem Sänger Mark „Barney“ Greenway, Schlagzeuger Shane Embury und Gitarrist Mitch Harris für den Sound der Gruppe. Dennoch bleibt Scum ein wichtiges Standardwerk, das Ende der Achtziger Grenzen aufbricht, den Grindcore mit Karacho in der Musikwelt etabliert und laut Autor Ian Christe den zehnjährigen Wettbewerb um den schnellsten und härtesten Sound beendet. Bei 40 Songs in einer guten halben Stunde ist das absolut kein Wunder.

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Der kürzeste Song, die längste Tour: Diese 7 Bands haben Weltrekorde aufgestellt

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.7.1945 kommt Debbie Harry von Blondie zur Welt.

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Debbie Harry in den Siebzigern. Foto: Anthony Barboza/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.7.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Kaum eine andere Künstlerin hat für den Frontfrauen-Feminismus und die Stärkung des weiblichen Selbstbewusstsein im Rockgeschäft so viel getan wie Blondie-Sängerin und Schauspielerin Debbie Harry, ohne die es die Karrieren von Madonna bis Lady Gaga vielleicht so nicht gegeben hätte. Am 1. Juli feiert die platinblonde Pop-Pionierin Geburtstag.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Blondie anhören:

Als Angela Trimble wird sie in Florida geboren, doch bereits ab dem zarten Alter von drei Monaten wächst das nun in Deborah Ann umbenannte Mädchen bereits bei Adoptiveltern mit den Nachnamen Harry in New Jersey auf. Sie zeigt bereits früh viel Fantasie und ein Faible für Glamour. Sie gibt sich sogar tagträumerisch der Fantasie hin, sie könne wohlmöglich die leibliche Tochter von Marilyn Monroe sein. Entsprechend zieht es die junge Dame nach dem College-Abschluss Ende der Sechziger nach New York, wo sie unter anderem als Sekretärin für die britische Rundfunkanstalt BBC, als Kellnerin, Go-Go-Tänzerin und Bunny-Bedienung im Playboy Club Manhattan arbeitet. 

Platin heißt die Devise

Auch der Musik ist Debbie Harry nicht abgeneigt: So singt sie für die Folk-Truppe The Wind In The Willows Background und unternimmt einen ersten eigenen Gehversuch in der Gruppe The Stilettos. Als schicksalsträchtig erweist sich schließlich die Begegnung mit dem Gitarristen Chris Stein im Jahre 1974, mit dem sie fortan fünfzehn Jahre liiert sein wird und dem sie auch danach künstlerisch und menschlich eng verbunden bleibt. Zusammen rufen die beiden zunächst die Gruppe Angel And The Snake ins Leben, die sie kurz darauf aber in Blondie umtaufen. Das langlebige Gerücht, man habe sich nach Hitlers Schäferhund benannt, ist allerdings Quatsch: Blondie nennen sich Blondie, weil so der Spitzname lautet, den die Männerköpfe verdrehende Harry auf der Straße von Bewunderern zugerufen bekommt, nachdem sich ihren eigentlich natürlich rotblonden Schopf einer Wasserstoff-Blondierung unterzogen hatte. 

Zu Pop für Punk?

Im neuen Hauptquartier der Punk-Bewegung, dem New Yorker Kult-Club CBGB’s, gehören Blondie Mitte der Siebziger zur Stammbesetzung auf der Bühne – obwohl sie musikalisch nie wirklich dorthin passen. Auch erweisen sich ihre Platten Blondie (1976) und Plastic Letters (1977) beim Hipster-Publikum noch nicht als so präsent wie gewünscht, auch wenn Harrys platinblonder Powerfrauen-Look, der zugleich Sex-Appeal wie weibliche Selbstbestimmung suggeriert, damals schon viel Anerkennung findet. Dann gerät das dritte Album Parallel Lines (1978), produziert von Mike Chapman (The Sweet, Suzi Quatro), zum großen internationalen Durchbruch und wirft unter anderem den Welthit Heart Of Glass ab.

Das 1979 eilig nachgeschobene Folgealbum Eat To The Beat hält 1979 das hohe Niveau und lässt Blondie unter Harrys stilistischer Führung weiter zur New-Wave-Vorzeigeband werden. 1980 ist Debbie Harry die Frau der Stunde: Ihr Look besteht aus aus Kostümkollaborationen mit dem Designer Stephen Sprouse sowie wortwörtlichen Straßen- und Kellerfunden, zudem verfügt sie über eine starke Persönlichkeit. Mit beidem wird sie kommenden Künstlerinnen wie Madonna oder Cindy Lauper den Weg ebnen. 

Rap-Pionierin & Filmstar

1980 betreten Neuland: Rapture, der Hitsong des experimentellen fünften Albums Autoamerican geht als erster Nummer-eins-Song mit Rap-Gesang in der Strophe in die Popgeschichte ein. Zudem erweist sich das für den Soundtrack des Richard-Gere-Films American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden) von Harry mit Giorgio Moroder verfasste Call Me erneut ein weltweiter Disco-Tanzflächen-Füller. 

Nachdem Andy Warhol sie in einer Reihe von Fotokunstwerken unsterblich gemacht hat, kurbelt Harry parallel ihre Filmkarriere an. So brilliert sie zunächst im billigen aber charmanten Neo-Noir-Film Union City (1980) und hat einen Auftritt mit Band im Meat-Loaf-Streifen Roadie. 1983 glänzt sie dann in David Cronenbergs Science-Fiction-Klassiker Videodrom. Dummerweise ist es Harrys erstes Soloalbum, KooKoo (1981), welches die Sängerin zwar erfolgreich mit Nile Rodgers (Chic) und Alien-Designer H.R. Giger arbeiten lässt, sie aber auch um einen wichtigen Genre-Filmauftritt beraubt: Nicht auszudenken, in welche Hollywood-Star-Sphären Harry vielleicht noch vorgestoßen wäre, hätte sie Ridley Scotts Angebot annehmen können, in dessen Blade Runner die Rolle des weiblichen Humanoiden Pris zu spielen. Doch diese Offerte fällt leider den Plänen von Harrys Plattenfirma zum Opfer (und wird schließlich von Schauspielerin Daryl Hannah dankend wahrgenommen).

Comeback und Vermächtnis

Nachdem sich Blondie 1982 nach Veröffentlichung des Albums The Hunter vorläufig trennen, verfolgt Harry weiterhin ihre Solokarriere als Sängerin und agiert als Schauspielerin in Filmen wie Hairspray und Copland. 1997 verschlägt es die inzwischen wiedervereinten Blondie zunächst auf Tournee; zwei Jahre später folgt mit No Exit (und dem Hit Maria) auch schon das große musikalische Studio-Comeback. 

Seitdem sind Blondie recht regelmäßig auf der Bühne und mit Plattenveröffentlichungen aktiv; Pollinator, das elfte und jüngste Album der Band, geht auf das Jahr 2017 zurück. Harrys letztes Soloalbum Necessary Evil liegt indes bereits 13 Jahre zurück. Dafür hat sich Frau Harry allerdings auch ihren Memoiren gewidmet. Die Autobiografie Face It erscheint Ende 2019 und zeichnet unter anderem ein lebhaftes Bild der New Yorker Boheme- und Drogenkultur der Siebziger und Achtziger, von der sie und Stein in ihren harten Heroinjahren ein nicht unwichtiger Teil waren. Und wie bei manch anderem männlichen Vertreter der Rockstar-Spezies Schwerenöter, kann man sich auch im Falle Harry nur über das Wunder freuen, dass sie all dies erlebt und überlebt hat und als Grande Dame des Art Punk/New Wave heute noch ihren Geburtstag feiern kann. 

Zeitsprung: Am 3.1.1979 erscheint „Heart Of Glass“ von Blondie.

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