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Popkultur

5 Wahrheiten über Joe Strummer

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Joe Strummer

Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und prüfen gängige Klischees und Falschannahmen in der Musikwelt… Einfach, weil wir es können bzw. einfach, weil es so viel mehr Vorurteile gibt als alle Beatles, Rolling Stones und Queen-Singles zusammenaddiert (lies: sehr viele). Wir nehmen uns also ein Genre oder eine*n Künstler*in und schauen, wie stichhaltig die gemeinhin als richtig wahrgenommenen Annahmen sind.

Zieht eure Kugelsicheren Westen an, der Beschuss mit gängigen Klischees erfolgt diesmal zu einem Künstler, der Punkrock vom feinsten zelebriert: Joe Strummer.

Hört hier die größten Hits von The Clash:

1. Gründer, oder wie?

Nein, war er nicht. Der Diplomatensohn, geboren in Ankara, lief in Brixton den eigentlichen The-Clash-Gründern auf der Straße durch Zufall in die Arme. Aber zu den Voraussetzungen: Mitte der 1970er, als The Clash geboren wurde, lag England am Boden. Die De-Industrialisierung nahm ihren Lauf, Städte wie Hull wurden langsam aber sicher zu Geisterstädten und das erste Referendum 1975 unter Harold Wilson, Premierminister und Vorsitzender der Labour-Partei, fand statt. England entschied sich in der ersten landesweiten Volksabstimmung für den Verbleib in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Heute Brexit, aber das ist ein anderes Thema.

Der Londoner Stadtteil Brixton war ebenso wenig attraktiv wie die Hafenstädte. Eher zum Weglaufen, wenn man konnte. Dort hatte Joe Strummer seine Band, die 101’s. Das Internatskind beteuerte bis zu seinem Lebensende: „I shudder to think what would have happened if I hadn’t gone to boarding school.“ Denn dort wurde ihm erst klar, was Musik für ihn bedeutet, darauf (und auf Zufall natürlich) baute alles auf.

Paul Simonon und Mick Jones waren Kunststudenten in London. Mick hatte eine Band und brachte Paul dazu zu singen. War aber nix. „‘You can sing, can’t you?’ And they got me singing. But I couldn’t get into it. They were into the New York Dolls and they all had very long hair, so it only lasted a couple of days.“

Paul wollte nicht singen und hatte in der Zwischenzeit, woher auch immer, einen Bass ergattert. Man probte, oder auch nicht. Nach einem Sex-Pistols-Konzert liefen beide die Golborne Road entlang, direkt in die Arme von Joe Strummer, der in dieser Nacht mit seiner Band, den 101’s, als Support spielte.

Mick meinte zu Joe: „I don’t like your group, but we think you’re great.“ Für Joe war die Sache sofort klar: „I knew that that was what a group, in my eyes, was supposed to look like. So I didn’t really hesitate when they asked me to join.“ Die 101’s  waren bald Geschichte. Das war der Zeitpunkt, an dem The Clash wirklich geboren wurden. Ähnlich wie es begann, ging es auch zu Ende. Aber das zum Schluss…

 2. The Clash – Just Punk?

Nein, auch wenn der Punk zu dieser Zeit aus drei Schrammel-Akkorden bestand, machten sie den schlecht gespielten Rock’n’Roll Englands wieder hörbar. Nicht, dass sie technisch besser waren, nein! Aber sie verzichteten auf das „Einfache“. The Clash explodierten aus ihrem Punk-Korsett in alle Richtungen. „Brand New Cadillac ist eine tadellose Rock’n’Roll-Nummer. Spanish Bombs klingt wie The Cure – nur waren The Clash fünf Jahre früher. The Guns Of Brixton bedient sich im Rocksteady und Revolution Rock klingt immer noch verkiffter als mancher Reggae.“

Mit London Calling traten The Clash eine Welle los wie keine andere Band. Die Wut des Punks, gepaart mit dem Beherrschen der Instrumente. England war durch sie musikalisch voll auf der Höhe und in allen Facetten vertreten, die die englische (Migrations-)Gesellschaft zu bieten hatte. Reggae, Rock, Dub und Acid – alles war da.

 3. Ein Heroin-Opfer

Nein, Joe Strummer starb zwar in Alter von 50 Jahren an den Folgen einer nie erkannten Herzerkrankung. Und er war ein Trinker. Aber im Gegensatz zu Kollegen wie Sid Vicious von den Sex Pistols hatte er die Droge Heroin, die zu diesem Zeitpunkt Europa überrannte, niemals angerührt. Auch in der Band gab es Probleme deswegen. Drummer Topper Headon musste die Band aufgrund des Konsums verlassen.

Strummer gab Headon eine letzte Chance, in Amsterdam. Doch während sich die Band im Backstage für den Gig vorbereitete, rannte Headon durch den Raum, riss einen Spiegel an sich und nahm das Kokain, dass er gerade noch hatte. Zurück in London wurde er von Strummer „suspendiert“. Strummer selbst erklärte einem Journalisten vollkommen betrunken, dass Topper ein Junkie sei.

4. Polit-Punk?

„There’s a million reasons why the hippies failed“, ist ein Satz, den Strummer in den frühen Jahren des Punks in England rausgehauen hat. Er war bekannt für Aussagen, die polarisierten. Mal abgesehen davon, dass der Punk nicht aus England, sondern durch MC5, Iggy And The Stooges und etwas später mit New Yorker Bands wie den New York Dolls, Dictators oder den Ramones ins Rollen kam, müssen hier auch noch die unterschiedlichen Bedeutungen angemerkt werden: Ursprünglich bedeutet Punk „scum“, also Abschaum. In Amerika allerdings war ein Punk ein „waster“, ein sogenannter Verschwender.

Strummer war bis zum letzten Atemzug politisch aktiv, aber weder als das eine oder andere. Er wusste um seinen Einfluss und hat es ausnutzen können, als Punk zu gelten. The Clash verstanden sich nie als politische Institution (sagen sie zumindest) sondern, als Band vom linken Flügel, die es geschafft hat (mit Äußerungen und Taten), viele Menschen auf die soziale und menschliche Seite zu ziehen.

5. Das Ende 1983?

Wenn man über die Bandgeschichte von The Clash spricht, endet diese häufig im Jahre 1983, als die Band auf dem US Festival in San Bernadino ihre Auflösung bekannt gab. Aber ist dem auch so?

Zu diesem Zeitpunkt war The Clash im Pop-Olymp angekommen. Mit Combat Rock waren sie der seriösen Konkurrenz weit voraus (schrieb die Kritik) und Rock The Casbah sowie Should I Stay Or Should I Go liefen im Radio und auf MTV hoch und runter. Nach einer halbjährigen Tour machte die Band erstmal eine Pause, bis Steve Wozniak, Apple-Mitbegründer sie zum US Festival einlud und ihnen 500.000 Dollar bot, wenn sie als Headliner des New Wave Days spielen würden. Die interne Zerreißprobe der Band begann.

Zerstritten kamen sie in Kalifornien  an – Managementprobleme – und die innere Lage spitze sich noch weiter zu, als sie hörten, dass die Fans 25 Dollar anstatt wie besprochen 17 Dollar zahlen mussten. The Clash gaben vor dem Konzert eine Pressekonferenz, in der sie verkündeten, dass sie nicht spielen würden, bis Apple 100.000 Dollar spendet, um die Differenz der Preise auszugleichen.

Erst später wurde bekannt, dass der wahre Grund wohl war, dass Van Halen 1 Mio. Dollar bekommen haben soll. Sie spielten den Gig vor einem Banner „The Clash is not for sale“, Strummer beschimpfte die Fans und zettelte nach dem Auftritt eine Schlägerei mit der Security an. Trotzdem nahm die Band das Geld und machte sich aus dem Staub.

Es bröckelte weiter. Nachdem Drummer Topper Headon die Band wegen Drogenmissbrauch schon früher verlassen musste, kündigte Mick Jones vier Monate nach dem Chaosfestival seinen Ausstieg an. Das US Festival war somit der letzte gemeinsame Auftritt. Zwar nahmen Strummer und Simonon noch das Album Cut The Crap auf, tourten damit auch, aber alle sind sich einig: Ohne Mick Jones – der dann Big Audio Dynamite gründete – war The Clash nicht mehr The Clash. Somit ist die Trennung auf 1983 zu datieren.

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10 Songs von The Clash, die man kennen sollte

Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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