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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.8.1965 treffen die verschüchterten Beatles auf Elvis.

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The Beatles & Elvis
Unbeholfen: Als Elvis und die Beatles im August 1965 aufeinandertreffen, gibt es weniger zu sagen als gedacht. (Foto: Bettman/Metro-Goldwyn-Mayer via Getty Images)

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.8.1965.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Man stelle sich vor, was hätte sein können: Kollaborationen, Fanunruhen oder der musikalische Supergau. Stattdessen fällt ein lang erwartetes Treffen zwischen Elvis Presley und den Beatles am 27. August 1965 etwas nüchterner aus als erwartet. Die Beziehung der beiden Parteien bleibt nach der Zusammenkunft respektvoll – zumindest eine Weile.

Hört euch das Album Help! an, mit dem die Beatles zum Zeitpunkt des Treffens durch die USA touren:

Es läuft im August 1965 so richtig gut für vier gewisse Jungs aus Liverpool. Zum zweiten Mal durchqueren sie die Vereinigten Staaten von Amerika und begeistern Scharen von hyperventilierenden Fans, setzen kurz zuvor noch Touring-Maßstäbe mit ihrem Konzert im New Yorker Shea Stadium. Ruhm und Rubel hinterlassen zwar erste Spuren, doch die verarbeiten die Beatles mit ihrem Album Help!, das selbstverständlich mal wieder alle Erwartungen übertrifft. Diesem Hoch möchte die Truppe mit einer besonderen Verabredung die Sahnehaube aufsetzen: Endlich wollen sie ihr Idol Elvis Presley treffen.

Die „Fab Four“ und der „King“

Zwei Management-Originale organisieren den Termin in Los Angeles: Brian Epstein, der die vier Lausbuben zum Erfolg geführt hatte, und sein amerikanisches Gegenstück Colonel Tom Parker koordinieren im Vorfeld strikte Vorschriften. Immerhin wohnen der Begegnung neben den Musikern und Managern auch Elvis’ spätere Frau Priscilla Beaulieu, einige Freunde des „King“ sowie Beatles-Pressemensch Tony Barrow bei. Fotos und andere Bild- sowie Tonaufnahmen soll es keine geben.

In der Doku Anthology erinnert sich George Harrison wohlwollend an die Ankunft: „Es war einer der Höhepunkte unserer Reise“, lacht er, und man sieht ihm den nervösen Nachwuchsrockstar von damals an. „Wir fielen wie im Beatles-Zeichentrickfilm allesamt hysterisch aus dem Auto und taten so, als wären wir nicht vollkommen albern. Und dann kamen wir in sein Haus, und da saß Elvis und spielte einen Fender-Bass. Da saß Elvis!“ Auch Ringo Starr und Paul McCartney tun es ihm gleich: „Das war Elvis! ‚Mr. Hips’! Wow!“

Treffen in Bel Air

Doch die anfängliche Euphorie lässt sich nicht ganz halten, es gibt kommunikative Startschwierigkeiten. Jerry Schilling, Teil von Elvis’ Memphis Mafia, berichtet später: „Man war zu Beginn ein wenig unbeholfen, und es gab eine ziemliche Pause, nachdem sich alle hingesetzt hatten.“ Die „Fab Four“ geben freimütig zu, dass ihnen vor lauter Verehrung ein wenig die Worte fehlten. Den Eisbrecher liefert „The Pelvis“ selbst: „Also wenn ihr jetzt nur herumsitzt und mich anstarrt, gehe ich ins Bett.“

Ab da läuft der Abend deutlich entspannter, findet auch McCartney: „Es war großartig für mich. Plötzlich war er wie ein Kumpel, und ich konnte mit ihm über den Bass reden. Er war gesprächig und freundlich, vielleicht ein wenig schüchtern.“ John Lennon empfindet diese Schüchternheit beinahe als Enttäuschung: „Ich fragte mich ‚Wo ist Elvis?‘ Das war mehr, als treffe man Engelbert Humperdinck.“

Elvis und die Beatles: holprige Konversation

Immerhin, laut Lennon jammen die fünf Megastars noch eine Weile, heißt es. Die Vorstellung allein dürfte bei den meisten Musikfans für eine Überdosis Dopamin sorgen.  Aber nicht so schnell: „Wir haben nie mit Elvis improvisiert“, stellt Harrison für Anthology im Gespräch mit McCartney und Starr klar. „Ich habe aber Fußball mit ihm gespielt“, meint Starr, sich zu erinnern. Schreiben wir diese Diskrepanzen mal dem Konsum von Psychedelika zu, den die Beatles im selben Jahr für sich entdeckt hatten.

Für Paul bleibt es „eines der großartigsten Treffen“ seines Lebens: „Ich glaube, er mochte uns. Vielleicht fühlte er sich durch unseren Erfolg ein wenig bedroht, aber wir haben eigentlich keine Antipathie gespürt.“ So dürfte es dann doch einigermaßen schwer wiegen, als Elvis die Beatles wenige Jahre später bei US-Präsident Nixon anschwärzt…

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