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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.9.1934 kommt Beatles-Manager Brian Epstein zur Welt.

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Foto: C. Maher/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.9.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gehört zu den berühmtesten Musikmanager*innen aller Zeiten, hat frühzeitig die Beatles entdeckt und ihnen zu einer beispiellosen Karriere verholfen. Vor allem während der „Touring Years“ unterstützt Brian Epstein die vier Liverpooler mit Rat, Tat und Anwesenheit. Am 19. September hätte er seinen Geburtstag gefeiert.

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Hier könnt ihr euch die frühen Hits der Beatles anhören: 

Wann immer eine Band große Erfolge feiert, steckt auch ein fähiges Management dahinter, ob innerhalb oder außerhalb der Gruppe. Zu Beginn ihrer Karriere haben John, Paul, George und Trommler Pete Best noch keine Ahnung vom Geschäft, nehmen aber gerne die Hilfe von Brian Epstein an, den man später als „fünften Beatle“ kennen wird (genau wie Produzent George Martin). Schauen wir uns einmal an, wie der Musikmanager mit dem vielleicht besten Riecher aller Zeiten den „Fab Four“ zu unvergleichlicher Größe verholfen hat — und wie es zu seinem tragischen Tod im Alter von 32 Jahren kam.


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Eigentlich beginnt Brian Samuel Epsteins Leben ganz bodenständig. Am 19. September 1934 wird er in Liverpool in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Während des Zweiten Weltkrieges verlassen die Epsteins Liverpool und ziehen nach Southport, kehren nach Kriegsende aber in ihre alte Heimat zurück. Dort übernimmt Sohnemann Brian schnell die Plattenabteilung des NEMS Music Store, der sich im Familienbesitz befindet. Er lässt keine Möglichkeit aus, Kraft in seinen neuen Job zu investieren, und sorgt dafür, dass das Geschäft zu einem der erfolgreichsten der Sparte in Nordengland wird.

Im Plattenladen geht’s los

Als Plattenladenbesitzer bewegt sich Epstein zwangsläufig in der Liverpooler Musikszene. Während der frühen Sechziger gründet John Lennons ehemaliger Klassenkamerad Bill Harry das Magazin Mersey Beat, ein wichtiges Sprachrohr der lokalen Musikwelt. „Eigentlich war es eher ein Beatles-Magazin“, schmunzelt er später in einem Interview. Harry überredet Epstein, das Heft in seinem Laden auszulegen. Als der durch das Heft über die Beatles stolpert, wird er neugierig.

Zu jener Zeit spielt die Band regelmäßig im Cavern Club, also sucht Epstein den Laden auf. Er lernt seine zukünftigen Schützlinge kennen, ganze drei Wochen lang schaut er sich die Beatles immer wieder und wieder an. Schließlich fasst er einen Entschluss und entscheidet sich dazu, dass er Lennon, McCartney, Harrison und Best unter seine Fittiche nehmen möchte — trotz seiner fehlenden Erfahrung als Musikmanager.

Gut gebadet

Zu einem ersten Treffen kommt es am 3. Dezember 1961. Lennon, Harrison und Best tauchen zu spät auf, weil sie noch ein Bierchen trinken waren. McCartney verspätet sich noch mehr, weil er gerade erst aufgestanden sei und noch ein Bad nehmen müsse, wie Harrison den Bandkollegen entschuldigt. Dafür sei der aber sehr sauber, wenn er dann eintreffe. Epstein ärgert das verständlicherweise, dennoch kommt es am 6. und am 10. Dezember zu weiteren Verabredungen.

Der große Tag folgt am 24. Januar 1962: Es kommt zur Vertragsunterschrift. Weil McCartney, Harrison und Best noch nicht volljährig sind, müssen sie ihre Eltern um Erlaubnis fragen, Lennon ist älter als der Rest und darf auch so unterschreiben. Von diesem Moment an beginnt eine Erfolgsgeschichte, die es in der Rock- und Popmusik kein zweites Mal gibt. Angefangen damit, dass er die Beatles in maßgeschneiderte Anzüge steckt, verhilft Epstein ihnen zu einem neuen Image und zieht schließlich einen Plattenvertrag für sie an Land, indem er EMI-Produzent George Martin von der Gruppe überzeugt. In den folgenden Jahren handelt Epstein zwar nicht immer den besten Deal aus, weil er sich zu sehr an den bisherigen Gepflogenheiten des Musikgeschäfts orientiert, ohne dabei zu berücksichtigen, dass es ein Phänomen wie die Beatles noch nicht gab. Dennoch verhilft er den vier Liverpoolern innerhalb kürzester Zeit zu ungeahnter Größe.

Personalentscheidungen

Brian Epstein 1965 – Foto: Joop van Bilsen/Anefo/Wiki Commons

Für eine der vielleicht wichtigsten Änderungen in der Geschichte der Beatles sorgt Epstein im Sommer 1962. Er setzt Pete Best vor die Tür und engagiert stattdessen Ringo Starr, der Best vorher schon öfter vertreten hatte. Die „Fab Four“, wie wir sie kennen, sind komplett. Es folgen ein Hit nach dem anderen, der Durchbruch in den USA, Konzerte der Superlative sowie erfolgreiche Kinofilme. Mit dem Erfolg schleichen sich allerdings auch dicke Probleme ein. Epstein entdeckt die Drogen, zunächst Aufputsch-, später auch Beruhigungsmittel. Auch in Casinos hält er sich gerne auf.

Einen besonders herben Rückschlag erleidet er am 29. August 1966: Nach zahlreichen Tourneen und Jahren, die von engen Zeitplänen geprägt sind, haben John, Paul, George und Ringo die Schnauze voll und möchten nicht mehr live spielen. Für Epstein, der zu jener Zeit vor allem die Konzerte der Band bucht und als Tourmanager mitreist, bricht eine Welt zusammen. Er spürt, dass er weniger gebraucht wird, seine Schützlinge nabeln sich von ihm ab. Sowohl sein Drogenkonsum als auch seine Spielsucht nehmen größere Ausmaße an. Während der Aufnahmen zu Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) sucht Epstein eine Entzugsklinik auf, kann seine Sucht aber nicht überwinden. Und genau die wird ihm am 27. August 1967 zum tragischen Verhängnis.

Die 24 Chapel Street in London, wo Epstein wohnte und später starb – Foto: James Boyles/Wiki Commons

Dass Brian Epstein homosexuell ist, erfährt die Öffentlichkeit erst Jahre nach seinem Tod, doch in seinem Freundeskreis und seinem geschäftlichen Umfeld handelt es sich dabei um ein offenes Geheimnis. So spricht er seine möglicherweise letzten Worten auf den Anrufbeantworter seines Musikmanager-Kollegen Simon Napier-Bell, wie der in der Dokumentation It Was Fifty Years Ago Today! The Beatles: Sgt. Pepper And Beyond zu Protokoll gibt. Epstein habe ihn am Wochenendes seines Todes zur Übernachtung in sein Ferienhaus einladen wollen, was Napier-Bell abgelehnt habe, da er nicht interessiert gewesen sei. In der Nacht vom 26. auf den 27. August habe Epstein ihm dann mehrere Nachrichten aufs Band gesprochen, sein Zustand sei dabei hörbar schlechter geworden. Am nächsten Tag wird Epstein tot aufgefunden. Die Ursache: Beruhigungsmittel, gemischt mit Alkohol. Als offizieller Todesgrund wird später „unabsichtliche Überdosis“ festgelegt. Berücksichtigt man, dass sein persönlicher Assistent Peter Brown bereits in den Jahren zuvor einen Abschiedsbrief von Epstein fand, darf diese Unabsichtlichkeit zumindest angezweifelt werden.

In der Geschichte der Beatles gibt es genau zwei Schlüsselpersonen, die alle anderen Beteiligten in den Schatten stellen: Produzent George Martin und Manager Brian Epstein. Mit geschäftlichem Geschick und vor allem Hartnäckigkeit verhilft Epstein seinen Schützlingen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr zur unangefochtenen Spitzenposition in der Geschichte der Rock- und Popmusik und ebnet den Weg für die spätere experimentellere Karriere der Gruppe. In seiner Funktion als Beatles-Macher geht er einerseits auf, andererseits kostet der Job ihn nicht nur viel Kraft, sondern letztendlich auch sein Leben, zumindest anteilig. Zu sehr leidet er unter dem Druck, sowohl in der Öffentlichkeit als auch hinter verschlossenen Türen. Dass er davon regelrecht überfahren wurde, verwundert nicht. Wer rechnet schon damit, dass vier Jungs aus Liverpool zur größten Band aller Zeiten werden? Epstein hat es zumindest frühzeitig geahnt.

Der historische Verriss: „Abbey Road“ von The Beatles

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Popkultur

Zum 79. Geburtstag von Jimi Hendrix: Erneuerer, Mythos, unerreichtes Genie

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Jimi Hendrix
Foto: Svenska Dagbladet/AFP via Getty Images

Er prägte das E-Gitarrenspiel wie wenige andere, revolutionierte in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, die Rockmusik und ist noch immer die Messlatte für alles. Heute wäre James Marshall „Jimi“ Hendrix 79 Jahre alt geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor allgegenwärtig.

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von Markus Brandstetter

Jimi Hendrix schaffte in der Gitarrenwelt das, was nach ihm wohl nur Eddie Van Halen gelang: diesen alles erschütternden Moment, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Bei beiden gibt es hunderte, tausende ähnliche Geschichten prominenter Musiker und Musikerinnen, die von regelrechten Erweckungserlebnissen erzählen. Geschichten von dem Moment, in dem sie Hendrix im Fernsehen gesehen haben, gleichermaßen begeistert und fassungslos darüber, wie er spielte, wie ungewöhnlich, radikal und — je nach Song – auch wunderschön das klang. Es gab vor Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen und es gab nach Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen. Aber es gibt eben auch eine Zeitrechnung: die der Gitarre VOR Hendrix und Gitarre NACH Hendrix. Es ist das, was viele unserer Gitarrenheld*innen auch über den Moment berichten, an dem sie zum ersten Mal Eddie Van Halen gesehen oder gehört haben: Es war danach einfach alles anders und kein Stein blieb auf dem anderen.

Ynwgie Malmsteen über Hendrix: „Er hat alles auf den Kopf gestellt”

Aber was machte diese unglaubliche Anziehungskraft aus? Yngwie Malmsteen erzählte 2019 gegenüber dem deutschen Magazin Gitarre und Bass, es sei zunächst Hendrix’ Image gewesen, das ihn fasziniert habe, mit der Musik habe er sich erst später beschäftigt. „Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt“, erzählte Malmsteen dem Magazin, und fuhr fort: „Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.“

Steve Vai: Hendrix war „elektrischer Zucker“

Eine weitere Gitarrenlegende, die von Hendrix maßgeblich geprägt wurde, ist Steve Vai. Der erklärte 2010 gegenüber Music Radar: „Es war wie elektrischer Zucker, um einen Ausdruck von Tom Waits zu gebrauchen. Ich war etwa 12 Jahre alt und lag mit Kopfhörern da und hörte mir Jimi an, wie er The Star Spangled Banner und Purple Haze spielte, wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht, wie er aussah, ich wusste gar nichts über ihn. Ich wusste nur, was auch immer er tat, wie auch immer er diese Klänge erzeugte, es war unglaublich. Ich war so aufgeregt und dachte: Wann immer dieser Typ in die Stadt kommt, um zu spielen, muss ich ihn sehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er gestorben war.“

„Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute“

Auch für Vai bestand die Magie von Hendrix gleichermaßen in Hendrix’ Musik als auch seiner Person: „Irgendwann bekam ich ein Exemplar von Are You Experienced, und das war eine Offenbarung für mich. Die Songs waren zugänglich, sie waren schön, und Jimi hatte etwas, das extrem cool war. Coolness ist etwas, das aus deinem Inneren kommen muss. Es ist ein Selbstvertrauen, das man hat. Jimi hatte genug Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute.“

Hendrix’ Spiel

Es gibt unzählige Faktoren und Elemente, die Hendrix’ Spiel und Stil so einzigartig machten. Ein Teil der Magie bestand schon allein darin, wie Hendrix seine Gitarre zähmte. Das Set-up: ein Marshall-Stack, jede Menge Verzerrung und Rückkopplung, die alles andere als geräuscharmen Single-Coil-Tonabnehmer seiner Stratocaster — auch körperlich machte Hendrix beim Spielen den Eindruck, als würde er gerade einen wilden Mustang zureiten. Den er aber stets vollständig unter Kontrolle hatte.

Und dann war da Hendrix’ unvergleiche Fähigkeit, Rhythmus und Melodie miteinander verbinden, Akkordfolgen zu zerlegen, kleine Verzierungen und Licks einzubauen, seinen Gesang damit zu akzentuieren. Man hört das bei Stücken wie Little Wing, Bold As Love, Castles Made Of Sand oder The Wind Cries Mary — immer dann, wenn Hendrix runter vom Verzerrer ging. Er verschmolz in seinem Spiel mühelos verschiedene Stile, und ganz wichtig: Er schrieb auch phänomenale Stücke. Alles was er brauchte, war ein Trio und trotzdem klang seine Musik so voll wie ein Orchester.

Hendrix steht auch wie kein anderer für eine historische Phase der Gegenkultur, für den Bruch mit Erwartungen. Er war gleichermaßen Aushängeschild wie auch Erneuerer. Er schuf nicht nur ikonische Sounds, sondern auch ikonische Bilder — Woodstock, brennende Gitarre in Monterey. Hendrix war nicht nur Genie, sondern auch Projektionsfläche und Mythos. Eines steht wohl außer Frage: Ohne ihn wäre die Gitarre nicht da, wo sie heute ist.

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Der Tod des Hippie-Traums: Die letzten Tage von Jimi Hendrix

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Synths, Pathos & SM: „Non-Stop Erotic Cabaret“ von Soft Cell wird 40

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Soft Cell
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Happy Birthday, Non-Stop Erotic Cabaret: Das wegweisende Album des englischen Synth-Pop-Duos Soft Cell wird 40 Jahre alt.

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von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Non-Stop Erotic Cabaret hören:

Manchmal passieren die besten Dinge mit limitierten Mitteln — anders gesagt: Meniger Möglichkeiten fördern in so mancher Situation die Kreativität. Als Soft Cell 1980 ins Studio gingen, hatten sie weder ein Riesenbudget noch die Mittel für eigenes State-of-the-Art-Equipment.

Wobei: Ein Instrument, das Sänger Marc Almond und Instrumentalist Dave Ball nutzten, war durchaus sündteuer: Dabei handelte es sich um ein NED Synclavier, eine Art früher digitaler Synthesizer, der von der New England Digital Corporation of Norwich produziert wurde. Der Synth, der in den 1980er- und 1990er-Jahren auf etlichen Produktionen zu hören war, kostete damals 120.000 Pfund — gehörte allerdings nicht der Band, sondern dem Produzenten Mike Thorne. Ansonsten war das technische Set-up eher überschaubar, als Herzstück fungierte eine ReVox Bandmaschine, dazu nutze die Band einen Drumcomputer von Roland und einen Synth-Bass von Korg. Damit schufen Soft Cell einen wegweisenden Sound.

Was vor Non-Stop Erotic Cabaret passierte

Monate bevor Non-Stop Erotic Cabaret erschien, veröffentlichte die Band ihre erste Single des kommenden Albums – den Song Tainted Love, ein 1965 erschienener, im Original von Gloria Jones gesungen und von Ed Cobb geschriebener und produzierter Song.

Zuvor hatte die Band bereits eine EP namens Mutant Moments veröffentlicht, für deren Aufnahme sie sich 2.000 Pfund von Dave Balls Mutter geliehen hatten. Dadurch waren Labels auf die Band aufmerksam geworden — unter anderem Some Bizarre Records, wo das Debütalbum erschien. Soft Cell hatten mit Memorabilia einen kleineren Hit in den Clubs landen können, der Ruhm ließ aber noch auf sich warten. Bis die Coverversion von Tainted Love erschien und zu einem großen Erfolg wurde, mit dem so keiner gerechnet hatte. Die Nummer ging in etlichen Ländern auf Platz eins der Charts, zwei weitere Top-5-Singles folgten mit den Stücken Bedsitter und Say Hello, Wave Goodbye.

Skandal mit SM-Video

Auch wenn Tainted Love vom Popularitätsfaktor musikalisch alles andere in den Schatten stellte — ein weiterer Song sorgte auch für jede Menge Gesprächsstoff: Das Video von Sex Dwarf wurde in Großbritannien aufgrund seiner expliziten SM-Szenen zum regelrechten Skandal. Das Video wurde zurückgezogen, Almond erklärte später sogar, es zu bereuen.

Es waren die Gegensätze zwischen den beiden Bandmitgliedern — Almonds Liebe zu Pathos und Dramatik, die Reibefläche zwischen den beiden Charakteren, die Soft Cell damals so gut funktionieren ließen. Sex, Club, Dekadenz, Rausch: Das waren die Eckpfeiler, die die Band auch wenige Jahre später implodieren ließen (1984 war Schluss — die erste Reunion folgte 2001).

Was Soft Cell heute über Non-Stop Erotic Cabaret sagen

40 Jahre ist Non-Stop Erotic Cabaret also alt — Dave Ball selbst zeigt sich positiv angetan davon, wie gut die Platte gealtert ist. „Was mich überrascht, ist, wie frisch Non-Stop Erotic Cabaret heute noch klingt. Ich nehme an, das liegt daran,dass wir beide 40 Jahre jünger waren, daher klingt Marcs Stimme jugendlicher und nicht so poliert wie heute. Mein Synthesizer-Spiel und meine Arrangements waren einfacher, obwohl ich immer versucht habe, bei meinem minimalistischen Stil zu bleiben“, zitiert ihn das Magazin Northern Life.

Almond ist ganz der Meinung seines Kollegen: „Wenn ich mich zurücklehne und darüber nachdenke, ist es schwer zu glauben, dass eine kleine Sammlung von Songs ein so langes Leben hatte, dass die Leute sie immer noch hören und genießen. Ich bin erstaunt, wie aktuell es immer noch klingt. Und textlich ist es immer noch relevant. Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre es 40 Jahre alt, aber der Gedanke, dass es so ist, macht mir ein bisschen Angst!“

Mit Non-Stop Erotic Cabaret leisteten Soft Cell jedenfalls Pionierarbeit — die sie heute selbst ordentlich feiern: Vor kurzem stand die wieder formierte Band in Glasgow und Manchester auf der Bühne — 2022 soll mit Happiness Not Included ein neues Album erscheinen.

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10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

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Zeitsprung: Am 27.11.1987 erscheint „Live…In The Raw“ von W.A.S.P.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1987.

von Christof Leim

Ja, in den Achtzigern konnte man noch schocken: Damals sind W.A.S.P. die bösen Buben, weil sie „Blut“ aus Schädeln trinken und rohes Fleisch in die Menge werfen. Das ist für junge Metalheads natürlich cool, also verkaufen sich die ersten drei Alben ganz gut. Am 27. November 1987 erscheint das erste Livealbum der Truppe.

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Hört hier in Live…In The Raw rein:


Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.


1987 touren W.A.S.P. zu ihrer dritten Platte Inside The Electric Circus. Zwar haben sie ihre aufsehenerregende Bühnenshow da schon reduziert und machen kurz gesagt nicht mehr so viel Sauerei, aber bei den Konzerten gibt es weiter genug zu gucken. Die Bühne sieht wie ein Zirkuszelt aus, und die Pyrotechnik darf ordentlich rumballern. Frontmann Blackie Lawless trägt sogar eine Funkenkanone im Schritt. Die geht bei einer Show in Dublin auch mal nach hinten los, und zwar im Wortsinn, aber das ist eine andere – und für Blackie sehr schmerzhafte – Geschichte, wie er in diesem amüsanten Interview mit der Washington Post berichtet. Alles in allem bieten W.A.S.P. also herrlichen, nicht immer ganz ernst zu nehmenden Heavy Metal-Spaß, über den sich Eltern aufregen. Bestens.

Die bösen Männer im Metal der Achtziger: Blackie Lawless von W.A.S.P. Credit: Erin Combs/Getty Images

Um das für die Nachwelt festzuhalten, lässt die Band die letzten Konzerte ihrer US-Headliner-Tour aufzeichnen, insbesondere die Show am 10. März 1987 in der Long Beach Arena in Kalifornien. Das Ergebnis heißt Live…In The Raw und erscheint am 27. November 1987. Darauf hauen Blackie Lawless und seine Mannen ihre frühen Hits in ziemlich flotten Versionen raus. Von Wild Child über L.O.V.E. Machine bis zu I Wanna Be Somebody ist hier alles dabei.



Die Aufnahmen klingen etwas künstlich, was die Vermutung nahe legt, dass an diesem Livealbum nicht alles live ist. Insbesondere Passagen, in denen Blackie zu sich selbst Backing-Vocals zu singen scheint, machen doch stutzig. Vielleicht hat aber auch einer der anderen Kollegen eine ähnliche Stimme und trifft jeden Ton, man weiß es nicht. Letztendlich kann das der geneigten Fanschar notfalls auch egal sein, denn das Album macht Spaß.



Außerdem gibt es drei neue Songs, zwei davon in Liveversionen: Einer davon heißt The Manimal (sic!) und thematisiert die philosophischen Implikationen der hormonell bedingten zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Oder kurz: Es geht ums Poppen. Insbesondere im Hard Rock der Achtziger stellt das nun gar keine Besonderheit dar, aber den Titel finden wir doch besonders, nun ja, hübsch.

Damals hat die Band Streit mit einer Organisation namens P.M.R.C., die böse Inhalte in der Musik verbieten will und davon ausgeht, dass der Bandname W.A.S.P. für „We Are Sexual Perverts“ steht. Diesem Verein verdankt die Welt zum Beispiel die berüchtigten „Parental Advisory“-Aufkleber. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier nachlesen.) Für jene Leute hat „Schwarzie Gesetzlos“ extra ein weiteres neues Lied mit dem Titel Harder Faster geschrieben, über das sie sich ordentlich aufregen können. Ganz am Ende der Platte findet sich schließlich noch ein Studiotrack: Scream Until You Like It (noch ein geiler Titel!), der in der Horrorkomödie Ghoulies II Verwendung findet.



Mit Live…In The Raw halten W.A.S.P. den überdrehten, aber nicht allzu ernst zu nehmenden Wahnsinn ihrer Shows stilecht fest und fangen den Geist der Ära auf unterhaltsame Weise ein. Das reicht für Platz 77 in den US-Charts. Nach der Veröffentlichung verabschiedet sich allerdings Drummer Steve Riley in Richtung L.A. Guns.

Im Rückblick stellt die Scheibe eine Zäsur zwischen den alten, krassen W.A.S.P. und den reiferen, ambitionierteren Tönen der nächsten Jahre dar. Dass Blackie mal intelligente sozialkritische Kommentare ablassen und gefeierte Konzeptalben wie The Crimson Idol (1992) veröffentlichen würde, lag 1987 nicht gerade auf der Hand.


Zeitsprung: Ab 13.5.1985 will das PMRC vor schlimmen Songtexten warnen.

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