------------

Popkultur

„Enter Sandman“: 8 überraschende Fakten zum Metallica-Klassiker

Published on

Foto: Niels van Iperen/Getty Images

„

Den ersten neuen Metallica-Song der Neunziger hören die Fans am 29. Juli 1991: Enter Sandman wird als Single veröffentlicht und setzt die Marschrichtung für das „schwarze Album“ Metallica fest: Mit Macht an die Spitze.

von Christof Leim

Die Nummer nimmt den monolithischen Sound und die punktgenauen Kompositionen der Platte vorweg und erweist sich als größter Song in der Karriere der kalifornischen Metal-Helden. Heute ist das Ding ein unbestreitbarer Klassiker. Wir haben acht grundlegende und überraschende Fakten zu Enter Sandman zusammengetragen.

Hier kannst du dir das Black Album anhören:

1. Das Riff stammt von Kirk, Lars verfeinert es.

Eines Nachts um zwei hört Kirk Hammett Louder Than Love, das zweite Album von Soundgarden, und greift inspiriert zur Gitarre. Heraus kommt – fast – das ikonische Sandman-Riff, das im Originalsong bei 0:55 Min ertönt. Kirk nimmt seinen Einfall auf und packt ihn wie bei Metallica üblich auf ein „Riff Tape“, das er den Hauptsongwritern Lars Ulrich und James Hetfield reinreicht. Lars wird hellhörig, schlägt aber eine Änderung vor: Ursprünglich ertönt der erste Teil der Passage nur einmal, dann kommt schon der Schlusstakt. Der Drummer, der schon immer ein Händchen für gute Arrangements im Kleinen und Großen besaß, lässt diesen ersten Teil dreimal spielen, gefolgt von dem Ende. Das Riff ist also jetzt vierteilig, und zack: Fertig ist ein Ohrwurm erster Güte.

Der klingt kein Stück nach Soundgarden, wie Kirk betont, da lag „nur“ die Inspiration. Allerdings findet die Band Excel, dass die Ähnlichkeiten zu ihrem Stück Tapping Into The Emotional Void von 1989 doch ein bisschen zu auffällig sind. Man hört allerdings nur eine marginale Verbindung, was vor allem an dem guten alten „Teufelsintervall“ Tritonus liegt (siehe Black Sabbath), das hier jeweils zum Einsatz kommt. Und das gibt es im Heavy Metal an jeder Ecke, wie es sich gehört.

2. Der ganze Song basiert auf diesem einen Riff.

Nach den verschachtelten Kompositionen von …And Justice For All (1988) wollten Metallica bewusst mehr zum Punkt kommen. Deshalb entwickeln Lars und James Enter Sandman im Wesentlichen aus diesem einen Riff von Kirk: Das cleane Intro nimmt das Hauptmotiv vorweg, die folgende Steigerung baut es Stück für Stück zum Hauptriff auf, der Pre-Chorus moduliert das Ganze einfach einen Ganzton höher, und im Outro passiert die Steigerung vom Anfang quasi rückwärts. Klingt einfach, ist es aber nicht. Doch es funktioniert hervorragend. Zwei Tage brauchen die beiden Chefs laut Lars für die Nummer. Sandman wird als erster Song der Platte geschrieben und legt so die Marschrichtung fest.

Metallica

Werden mit ‘Enter Sandman’ und dem ‘Black Album’ zu Superstars: Metallica ein Jahr nach Veröffentlichung (Foto: Steve Allen/Getty Images)

3. Enter Sandman sollte zunächst gar nicht die erste Single werden.

Sowohl die Band als auch Produzent Bob Rock hielten Holier Than Thou für das geeignete Stück, die neue Platte zur eröffnen und auch als Single ausgekoppelt zu werden. Das mag damit zusammenhängen, dass Holier im Riffing tatsächlich noch die Thrash-Wurzeln durchscheinen lässt und ein wenig nach den alten Zeiten klingt. Doch Lars Ulrich bewies die richtige Vision und setzte die auch in langen Diskussion durch: Von Anfang an hielt er Enter Sandman für die Nummer, mit der Metallica das neue Jahrzehnt einläuten sollten. Er sollte Recht behalten. Sandman definierte nicht nur den Sound des schwarzen Albums, sondern wurde zu einem veritablen Hit.

An Holier Than Thou scheinen Metallica über die Jahre sogar ganz die Lust verloren zu haben: Anfangs steht er noch auf der Setlist der schier endlosen Touren zum schwarzen Album, doch in den folgenden drei Dekaden wird die Nummer nur 87 Mal live gespielt. Das kann man von Enter Sandman nicht behaupten.

4. Der Text klang ursprünglich auch ganz anders.

Für Sandman war die Musik früh fertig, die Titelidee gab es sogar schon seit Jahren, der vollständige Text aber stand bis zum Schluss nicht fest. In seinen ersten Entwürfen sang James Hetfield über die Zerstörung einer perfekten Familie und plötzlichen Kindstod, doch das schien Lars und Bob Rock zu klischeehaft und zu unpassend für die erste Single und die Musik an sich. Einmischung in seine Lyrik hatte der Frontmann bisher verboten, also reagierte er entsprechend gereizt, doch die Kollegen setzten sich durch. Die Zeilen, die wir alle kennen, drehen sich nun viel allgemeiner und „größer“ um Alpträume und die Figur des „Sandmanns“, die Kinder einschlafen lässt. Enter Sandman ist quasi ein Anti-Schlaflied.


Jetzt in unserem Shop erhältlich:

Metallica - Metallica (The Black Album) Remastered
Metallica
Metallica (The Black Album) Remastered
Ltd. Deluxe Box Set, 2LP, 3CD, Kassette

HIER BESTELLEN


5. Was Heart und Ice-T mit einem Outro-Lick zu tun haben.

Am Ende des Liedes, wenn Metallica das Riff quasi wieder „abbauen“ und immer weniger spielen, ertönt kurz vor dem Fade-Out etwa bei 5:04 Min. ein kleines Lick von Kirk. Damit zitiert der Gitarrist eine Passage aus Magic Man von Heart. Doch unser Mann kam darauf nicht etwa durch das Original von 1975, sondern über den Ice-T-Track Personal (1988), auf dem der Rapper das besagte Heart-Lick als Sample einsetzt. Wir sehen: Die Wege der Inspiration sind verschlungen und vielfältig…

6. Enter Sandman ist trotz allem nicht das am häufigsten live gespielte Metallica-Stück:

Der Sandmann ist immer dabei, keine Frage. Auf den Touren zum schwarzen Album, als Metallica gerade mit Macht in den Mainstream durchbrachen, besaßen die Burschen sogar die Frechheit, ihren aktuellen und größten Hit einfach gleich am Anfang des Abends aufzutischen – und Gelegenheitsfans gleich danach mit Creeping Death zu erschrecken. Heutzutage bildet die Nummer meistens den krönenden Abschluss als letzte Zugabe. Dabei wird der Song für Lars Ulrich ”interessanterweise“ nicht langweilig, obwohl ihm viele Nummern sonst immer mal wieder zum Hals raushängen.

Trotzdem rangiert Enter Sandman in der Statistik nur am Ende der Top 5. Laut der Metallica-Homepage wurde das Lied bis zu seinem 30. Veröffentlichungsjubiläum 1.356 Mal live gespielt. One, Seek & Destroy, Creeping Death, sogar For Whom The Bell Tolls und natürlich das allmächtige Master Of Puppets kamen alle schon öfter zum Einsatz. Aber die gibt es auch alle länger…

7. Die Liste der Coverversionen ist endlos.

Keine Überraschung: Sandman gibt es in unzähligen Variationen. Lemmy sang es begleitet von der Band Zebrahead, Volbeat spielten es bei ihrem größten Konzert in Dänemark mit Lars Ulrich als Gast, Apocalyptica sägten es auf ihren Celli, es gibt Neuauflagen als Jazz (Paul Young), Lounge (Pat Boone), Polka (Weird Al Yankovic) und Latin Rock (Juanes). Nightwish nutzen einen Teil in The Greatest Show On Earth, und sowohl Dream Theater als auch Alice In Chains zitieren die Nummer auf offiziellen Livealben. Einmal gibt es aber Ärger: Als die Comedy-Rocker Green Jelly (die mit Three Little Pigs und Danny Carey von Tool an dem Drums) das Sandman-Riff für den Soloteil ihres Electric Harley House (Of Love) einsetzen, bekommen sie offizielle Post. In neuen Auflagen des Liedes gibt es an der Stelle fortan nur noch die Grundakkorde E und F#…

8. Enter Sandman ist das Smoke On The Water der Neunziger.

Das Lied gehört ohne Zweifel zu den ikonischsten Rocksongs des Jahrzehnts (neben dieser tollen kleinen Pop-Punk-Nummer von Nirvana zum Beispiel): Enter Sandman schaffte es auf Platz 16 in den USA und Platz 9 in Deutschland, wurde längst für über eine Million Verkäufe mit Platin ausgezeichnet und eröffnete Metallica den Weg in das Rockradio und den Mainstream an und für sich. Mittlerweile darf man die Nummer als Klassiker bezeichnen, der quasi losgelöst von seiner Dekade existiert (was man von der tollen kleinen Pop-Punk-Nummer von Nirvana nicht behaupten kann).

Enter Sandman steht auf jeder Metallica-Setlist und erklingt in jedem Konzertmitschnitt, kein Lied der Band wurde auf Spotify öfter angehört (um die 700 Millionen Mal). Es läuft in Sportstadien und in Computerspielen, vor allem wird es seit 1991 von Fantastillionen Bands nachgespielt. Jeder Gitarrist, jede Gitarristin hat irgendwann das Enter-Sandman-Riff gezockt, es gehört zum Sechs-Saiten-Allgemeingut. Das hat vorher vor allem Smoke On The Water geschafft.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Metallica: Demo von „Enter Sandman“ nur mit Hetfield und Ulrich aufgetaucht

Popkultur

„Strangeways, Here We Come“: Wie The Smiths vor 35 Jahren an sich selbst zerbrachen

Published on

The Smiths
Foto: Pete Still/Getty Images

Sie sind eine der wichtigsten englischen Rock-Bands der Achtziger und haben mit nur vier Platten Musikgeschichte geschrieben: Vor 35 Jahren erscheint ihr letztes Album Strangeways, Here We Come. Die Band gibt es da schon gar nicht mehr…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Strangeways, Here We Come anhören:

Ach, die Achtziger. Autotune war noch nicht erfunden, Kurt Cobain noch am Leben und Morrissey kein verblendeter Rechter. Good times. England findet sich mit dem Wechsel der Jahrzehnte und den heraufziehenden Achtzigern immer fester in der Umarmung des Synth Pop wieder: The Human League, OMD, Ultravox geben den Ton an, bestimmen die Mode und das popkulturelle Tagesgeschehen.

Das passt nicht allen. Im Mai 1982 taucht Johnny Marr einfach vor Steven Morrisseys Wohnung in Stretford bei Manchester auf, um eine Band mit ihm zu gründen. Die beiden verstehen sich sofort prächtig, mögen dieselben Bands und Schriftsteller*innen und legen los. Sie nennen sich The Smiths, um endlich „ganz gewöhnliche Menschen ins Rampenlicht zu stellen“, wie Morrissey mal sagte.

Ihr Sound ist die Antithese zum wuchernden Synthie-Boom, eine Assemblage aus der harmoniesatten Musik der Sechziger und den desolaten Farben des Post Punk. Sie veröffentlichen drei äußerst erfolgreiche Alben und sind 1986 die wichtigste Rock-Bands Englands. Die erfolgreichste aber eben nicht – sehr zum Verdruss von Morrissey, der sich seinen Frust über die fehlende Mainstream-Anerkennung immer direkter von der Seele schreibt.

Ab in den Knast!

Für ihr viertes Album Strangeways, Here We Come, benannt nach einem notorischen Höllenknast aus viktorianischer Zeit, wollen sie was anderes versuchen. Sie hauen kurz noch die provokante, marxistische Non-Album-Single Shoplifters Of The World Unite und verabschieden sich von ihrem Trademark-Sound. Weniger Jingle-Jangle, weniger klassisches Rock’n’Roll-Besteck. Stattdessen kommen Drum-Maschinen zum Einsatz, synthestisiertes Saxofon und jede Menge Keyboard. Der Opener des Albums, das verwunschene, nostalgische A Rush And The Push And The Land Is Ours, kommt sogar ohne Gitarren aus.

Der eine liest, der andere trinkt

Als Vorbilder zitiert Johnny Marr das weiße Album der Beatles und einige Sachen der Walker Brothers. Die Band steht vor einem Wendepunkt, das ist schon bei den Aufnahmen zu Strangeways, Here We Come klar. In den Wool Hall Studios von Tears For Fears im Süden Englands entsteht unwissentlich der Schwanengesang einer Band. Während sich Morrissey abends nach den Aufnahmen mit Lektüre ins Bett zurückzieht trinkt und feiert der Rest der Band und des Teams regelmäßig bis tief in die Nacht. Die Stimmung ist gut, die Partys im Studio sind in der gesamten Umgebung bekannt und legendär.

Im April 1987 ist das Album im Kasten. Und die Band sehr zufrieden: Marr und Morrissey sind überzeugt davon, das mit Abstand beste The-Smiths-Album aufgenommen zu haben. Sie lassen sich von Oscar Wilde und der US-Girl-Group Reparata And The Delrons beeinflussen, von David Bowier und Nina Simone. Erscheinen soll das Album am 28. September 1987 – und für seine besondere Aura überschwänglich gelobt werden. Doch da gibt es die Band schon gar nicht mehr.

Das Fass läuft über

Die Spannungen zwischen Marr und Morrissey werden stärker und stärker. Es geht um Einfluss und Kontrolle, um verschiedene Visionen und künstlerische Egotrips. Im Juni 1987 verkündet Marr, eine Pause von der Band einzulegen, weil er sich vom Rest der Band zunehmend in ein schlechtes Licht gerückt fühlt. Ein Artikel im NME erweist sich im Juli dann als Funke im Pulverfass: Marr zufolge steckte Morrissey dem Magazin, dass sich The Smiths auflösen würden, weil sich Morrissey und Marr irreparabel zerstritten hätten. Stimmt zwar nicht, doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Johnny Marr steigt endgültig aus, noch vor Veröffentlichung des finalen Albums Strangeways, Here We Come ist eine der wichtigsten und einflussreichsten englischen Bands Geschichte. Für immer: Bis heute haben Johnny Marr und Morrissesy jedes Reunion-Angebot abgelehnt.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Die besten letzten Platten aller Zeiten

Continue Reading

Popkultur

35 Jahre „Music For The Masses“: Der Moment, in dem Depeche Mode Weltstars wurden

Published on

Depeche Mode
Titelfoto: Paul Natkin/Getty Images

In Europa sind Depeche Mode 1987 längst Stars. Dann veröffentlichen sie ihr ahnungsvolles, düsteres Epos Music For The Masses. Der Titel mag bewusst ironisch gewählt sein. Doch das Album schießt die Briten endgültig in die Stratosphäre.

von Björn Springorum

Die Schatten werden länger: Mit ihrem fünften Black Celebration wenden sich Depeche Mode 1986 merklich von ihrem sterilen, kühlen Electro Pop ab. Ihr Sound wird düsterer, ahnungsvoller, melancholischer, Martin Gores Texte merklich pessimistischer und zweifelnder. Die neue atmosphärische Qualität spiegelt sich auch in Anton Corbijns Zusammenarbeit mit der Band wider, die ebenfalls 1986 ihren Anfang nimmt.

Daniel Miller nimmt Abstand

Bald vier Monate ist man mit der schwarzen Feier auf Welttournee – ein Kraftakt, der nicht ohne Risse im Bandgefüge bleibt. Schon bei den Aufnahmen zu Black Celebration stört sich Produzent Daniel Miller an den Spannungen innerhalb der Band und entscheidet für sich, den Nachfolger nicht mehr zu betreuen. „Wir hatten keine freien Tage“, erinnerte sich Miller mal. „Vielleicht war das ein Fehler. Jeder wache Moment wurde in dieses Album gesteckt, mehr gab es für uns nicht.“

Verständlich, dass Depeche Mode beim Nachfolger etwas ändern wollen. Inzwischen sehr erfolgreich, gönnen sich Depeche Mode nach Rücksprache mit ihrem Mentor Miller den Produzenten Dave Bascombe und setzen mit ihm nach Paris über, um an neuen Songs zu arbeiten. Es ist Februar 1987, die Sonne scheint über der Seine und alles riecht nach Neuanfang. Die Motivation innerhalb der Band ist so hoch, dass Alan Wilder im Studio nach und nach die Kontrolle übernimmt. Irgendwie logisch: Je mehr Depeche Mode in Richtung Sampling und moderne Synthesizer gehen, desto mehr ist sein technisches Verständnis gefragt.

Der Aufstieg des Alan Wilder

In den nächsten Monaten wird Bascombe, durchaus eine veritable Koryphäe auf seinem Gebiet, fast schon zum Studiotechniker degradiert, während Alan Wilder mehr und mehr die Kontrolle übernimmt. „Music For The Masses ist der Aufstieg von Alan Wilder“, so sagte Daniel Miller mal. Wilder vergräbt sich mehr denn je in der Technik und in den Details, während die anderen schon durch die Straßen von Paris ziehen. Er hinterlässt deutliche Spuren in Songs wie Little 15 mit ihren fast schon sakral anmutenden Synthesizern, neoklassischen Elementen und Flächen.

Music For The Masses ist das erste Album, das Depeche Mode ohne ihren Entdecker Daniel Miller produzieren. Sie entschieden sich bewusst für mehr Progression und Experimente, vergessen aber natürlich die Hits nicht. Bis heute sind das monumentale, lüsterne, dezent homoerotische Never Let Me Down Again, das hämmernde Behind The Wheel oder das melodramatisch wallende Strangelove Ankerpunkte in ihrem Kanon. Der Rest des Albums ist aber eben genau der Gegenteil seines ironischen Titels: Ziemlich, ziemlich unkommerziell, voller obskurer Samples, sexueller Referenzen und dunkler Abgründe. Zum Titel sagte Andrew Fletcher mal: „Jeder riet uns, kommerziellere Musik zu machen, daher der Titel.“ Gore ergänzte das um: „Das Album ist alles außer Musik für die Massen!“

Triumph in Kalifornien

In England sieht man das vor 35 Jahren ganz ähnlich: Die Platte schafft es gerade so auf Platz zehn in die Charts, die erste Single Strangelove gar nur auf Rang 16. In den USA scheint die Ironie des Titels nicht zu ziehen: Music For The Masses macht Depeche Mode auf der anderen Seite des Atlantiks endgültig zu Superstars, dokumentiert mit dem Konzertfilm 101, der den Weg der Band zur letzten Show der Tour im gigantischen Rose Bowl Stadium in Pasadena, Kalifornien nachzeichnet. Es ist der Juni 1988 und die 101. Show der Music For The Masses-Welttour. 60.000 Fans sind dabei, als die Band das Ende eines weiteren Kapitels feiert.

Wenn sie sich im März 1990 mit Violator zurückmelden, werden sie endgültig zur größten Synth-Pop-Band aller Zeiten. Mit allen Exzessen, Abstürzen und Problemen, die dazugehören.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

40 Jahre Depeche Mode: Wie aus The-Cure-Fans Weltstars wurden

Continue Reading

Popkultur

Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

Published on

Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]