------------

Popkultur

„Jingle Bells“: Die verworrene Geschichte über die Entstehung des Weihnachtsklassikers

Published on

Frank Sinatra

„Niemandem hat Weihnachten so viel bedeutet wie meinem Vater“, hat Nancy Sinatra einst über ihren Vater Frank gesagt – und tatsächlich ist dessen Name untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden.

von Martin Chilton

Einer der allerersten Festtagssongs, den Frank Sinatra aufgenommen hat, war eine Interpretation des viktorianischen Klassikers Jingle Bells: An einem heißen Augusttag des Jahres 1948 sollte Sinatra zum ersten Mal die berühmten Zeilen über jene Schlittenfahrt einsingen – „Jingle bells, jingle bells, jingle all the way/Oh, what fun it is to ride in a one-horse open sleigh“. Für das aufwendige Arrangement dieser frühen Version war der geniale, damals 35-jährige Axel Stordahl verantwortlich.

Die kontrovers diskutierte Vorgeschichte

In jenen Tagen galt Jingle Bells, komponiert von James Lord Pierpont, bereits als Weihnachtssong. Die Entstehungsgeschichte beginnt jedoch ein knappes Jahrhundert davor  mit einem Stück namens One Horse Open Sleigh. Der 1857 komponierte Titel war ein mitunter etwas anzüglicher Song über eine unbeaufsichtigte Schlittenfahrt. Sein heutiger Titel kristallisierte sich erst zwei Jahre später heraus, als Pierpoint die Namensänderung vornahm und seine Komposition als Jingle Bells urheberrechtlich schützen ließ. Hören konnte man sie damals zum Beispiel zum Erntedankfestfest in der Kirche. Die Titelzeile war von den Schlittenglocken inspiriert, die in jenen Tagen am Gurtgeschirr der Pferde befestigt waren, um Zusammenstößen im Schnee vorzubeugen – denn ursprünglich kam in dem Song auch ein Crash vor.

Der Ruf des einstigen Kirchenmusikers Pierpont war damals, gelinde gesagt, katastrophal. Kurz vor der Entstehung des Lieds war er Witwer geworden. Seine beiden Kinder hatte er nach dem Tod seiner Gattin einfach in Boston zurückgelassen, war nach Savannah (in Georgia) gegangen, wo er mit einer zweiten Ehefrau viele weitere Kinder gezeugt hatte. Und im Bürgerkrieg, der kurze Zeit später ausbrach, war er dem ersten Kavallerie-Regiment von Georgia beigetreten und hatte Musik für die Konföderierten Staaten geschrieben – und somit auf der Seite der Sklaverei-Befürworter gestanden.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Frank Sinatra (@sinatra) am

Lieber schnell „zur Sache zu kommen“

Obwohl Jingle Bells später ein Weihnachtslied werden sollte, taucht das Wort „Weihnachten“ in der Originalversion kein einziges Mal auf. Die eine oder andere Textzeile fanden treue Kirchgänger von Anfang an eher problematisch und für die Kirche ungeeignet – jene zum Beispiel, die davon handelte, mit dem schnellen Schlitten Eindruck bei gutaussehenden Mädels zu schinden. Auch Pierponts Worte über eine Miss Fanny Bright und sein Ratschlag, lieber schnell „zur Sache zu kommen“ („Go at it while you’re young/Take the girls tonight“), tauchen in jüngeren Interpretationen des Titels schon längst nicht mehr auf.

Trotz dieser etwas verworrenen Entstehungsgeschichte, sollte der Song schließlich seinen Siegeszug um die ganze Welt antreten. Da es bereits eine Hitversion von Bing Crosby And The Andrew Sisters gab, fasste Sinatra schon in den Vierzigern den Entschluss, eine eigene Version von Jingle Bells einzusingen. Im Jahr 1957, als auch das erste Frank-Sinatra-Weihnachts-Special fürs US-Fernsehen aufgezeichnet wurde, nahm er dann gleich noch eine Interpretation auf: für das Album A Jolly Christmas From Frank Sinatra, das bei Capitol Records erschien. Arrangiert wurde diese zweite Version von Gordon Jenkins, wobei Dirigent Nelson Riddle eine grandiose Performance aus den Orchestermusikern herauskitzelte.

Ein echter Pop-Klassiker

Seither haben auch viele Jazzgrößen den Song in ihr Repertoire aufgenommen; so gibt es unter anderem Aufnahmen von Duke Ellington, Count Basie, Anita O’Day, Gene Krupa, Ella Fitzgerald und Dave Brubeck, die der Komposition jeweils ihre eigene Handschrift aufdrücken sollten. Unglaublich funky klingt die Instrumentalaufnahme von Orgel-Virtuose Jimmy Smith, der Jingle Bells auf seinem Album Christmas ’64 (Verve Records) präsentierte. Und als die Verantwortlichen von Decca Records schließlich Louis Armstrong ins Studio baten, um für ein wenig Weihnachtsstimmung zu sorgen, streute der zu Beginn des Songs Christmas In New Orleans ebenfalls eine kleine Passage aus Jingle Bells ein.

Ein Song – tausendfache Interpretationen

Pierpont, der schon 1849 beim Versuch gescheitert war, es während der Zeit des kalifornischen Goldrauschs zu Wohlstand zu bringen, starb im Jahr 1893: Auch Jingle Bells hatte ihm bis zu seinem Tod keinerlei Reichtum beschert. Stattdessen hatte er bis ans Ende seines Lebens Klavierstunden geben müssen, um über die Runden zu kommen. Heute ist der Song ein astreiner Pop-Klassiker… und er selbst wäre damit locker vielfach goldprämierter Multi-Millionär geworden.

Nicht nur Jazz-Ikonen haben ihre Versionen von Jingle Bells eingespielt: Es ist ein Song, der über die Jahrzehnte tausendfach interpretiert worden ist, auch von Pop- und Soul-Stars wie The Beatles, Smokey Robinson oder Etta James. Genau genommen ist der Titel noch immer so beliebt wie eh und je: Aktuelle Interpretationen aus dem 21. Jahrhundert gibt es unter anderem von Lady Antebellum, James Taylor und Brad Paisley.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

10 wirklich gute Weihnachtssongs, die nicht nerven

Popkultur

Zeitsprung: Am 2.12.1969 nehmen die Rolling Stones drei Klassiker auf.

Published on

Foto: Stroud/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.12.1969.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 02. Dezember 1969 verschlägt es die Rolling Stones auf ihrer US-Tour in die Muscle Shoals Sound Studios nach Alabama. Die drei Songs, die sie dort in nur drei Tagen aufnehmen, fangen nicht nur perfekt den Country-, Blues- und Roots-Vibe des amerikanischen Südens ein, sondern bilden auch den ersten Grundstock an künftigen Klassikern für das im April 1971 veröffentlichte Album Sticky Fingers

Hier könnt ihr euch Sticky Fingers anhören:

Dass die Stones ein ausgemachtes Faible für die musikalische Ursuppe der USA hegen und somit eine große Liebe zu (Rhythm and) Blues, Country und Soul verspüren, hatten sie bereits auf Platten wie Beggars Banquet  (1968) und Let It Bleed (1969) mit ihrer Adaption des Ami-Sounds eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deshalb wäre es unverzeihlich gewesen, ein paar freie Tage während der US-Tour Ende 1969 nicht zu nutzen, um in den heiligen Hallen des Muscle Shoals Sound Studios Station zu machen.

Der Sound des Südens

Der Mythos des Örtchens Muscle Shoals geht bereits auf die frühen Sechziger zurück, als in den programmatisch benannten FAME Studios Stars wie Wilson Pickett, Percy Sledge, Etta James oder Aretha Franklin etliche Hits einspielen. Begleitet werden sie bei diesen Sessions von einer höchst patenten Backing-Band, der Muscle Shoals Rhythm Section, bestehend aus Keyboarder Barry Beckett (Keyboards), Schlagzeuger Roger Hawkins, Gitarrist Jimmy Johnson und Bassist David Hood (Vater des Drive-By Truckers-Bandleaders Patterson Hood). Diese Koryphäen sollten später auch als die Swampers bekannt und in Lynyrd Skynyrds Sweet Home Alabama mit den schönen Zeilen „Now Muscle Shoals has got the Swampers/And they’ve been known to pick a song or two“ bewundernd besungen werden. 1969 hatten sie just beschlossen, sich selbstständig zu machen und ihr eigenes Tonstudio zu gründen: die Muscle Shoals Sound Studios

Tradition verpflichtet

Als die Stones dort am 2. Dezember aufschlagen, fehlt von Produzent Jimmy Miller jede Spur, weshalb man kurzerhand Swamper Jimmy Johnson als Tontechniker vor Ort verpflichtet. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, geht es ans Eingemachte: You Gotta Move, das Cover eines alten Spirituals, welches erst 1965 vom Blueser Mississippi Fred McDowell gecovert wurde, ist in dieser Umgebung natürlich Pflicht.

An den zwei darauffolgenden Tagen schließt sich die Kür an, zunächst in Form des kompositorisch hauptsächlich Mick Jagger zuzuschreibenden Brown Sugar, eine verschmitzt verschwitzte, funkige Ode an Heroin und die holde Weiblichkeit gleichermaßen. Für den finalen Abend der Aufnahmen glänzt Keith Richards mit einem weiteren künftigen Klassiker im Stones-Katalog – dem akustischen Wild Horses

Bis heute eine Reise wert

Während Wild Horses von Keith-Kumpel und Country-Rock-Vorreiter Gram Parsons und dessen Band, den Flying Burrito Brothers, bereits auf deren Album Burrito Deluxe (1970) unorthodoxerweise –  als bis dato unveröffentlichter Stones-Song gecovert wird, soll es noch bis zum April 1971 dauern, bis alle drei Stücke der Südstaaten-Session der Stones in voller Muscle-Shoals-Pracht auf dem Album Sticky Fingers erstrahlen. Nach den Stones machen in den Folgejahren unter anderen noch Rod Stewart, Bob Seger, Lynyrd Skynyrd und die Black Keys in den Studios halt. Und auch nach den Restaurationsarbeiten und der Wiedereröffnung 2017 nehmen in der Hausnummer 3614 Jackson Highway, die tagsüber zur Touristenattraktion und nachts abermals zum Tonstudio mutiert, heute wieder junge Rockhoffnungsträger wie jüngst die Rival Sons oder die Allman Betts Band auf.

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

Continue Reading

Popkultur

Komplex, überraschend, mitreißend: „Octopus“ der Prog-Legenden Gentle Giant wird 50!

Published on

Gentle Giant
Foto: Jorgen Angel/Getty Images

Am 1.12.1972 veröffentlichten Gentle Giant ihr Album „Octopus“ — ein grandioses Werk zwischen Komplexität, Überraschung und Eingängigkeit.

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch Octopus anhören:

Es gibt Alben, die schwere Geburten sind. Und es gibt Alben, bei denen von Anfang an alles rundzulaufen scheint — die Ideen, der Vibe, die Stimmung im Studio. Als Gentle Giant am 24. Juli 1972 ins Tonstudio gingen, um ihr viertes Album aufzunehmen, war zweiteres der Fall. „Ich erinnere mich, dass wir uns ziemlich sicher fühlten, als wir dieses Album aufnahmen”, erinnert sich  Gitarrist Gary Green in den Liner Notes der Neuauflage des Albums. „Wir hatten einen guten Haufen Melodien und unsere Studiotechnik (besonders die von Ray) wurde mit jeder Platte besser. Wir experimentierten weiter mit Instrumentenkombinationen, Sounds und Effekten und tauschten unsere Ideen mit dem Tontechniker Martin Rushent aus, der unsere verrückten Ideen voll und ganz unterstützte“.

Großes Selbstvertrauen, große Inspiration

Die Inspiration war so groß wie das Selbstvertrauen, die Band brauchte nicht lange, um dorthin zu kommen, wo sie hin wollte: Am 5. August 1972 waren die Aufnahmesessions schon wieder zu Ende. Herausgekommen ist in diesen wenigen, höchst kreativen Tagen dabei eines der komplexesten, vielschichtigsten und bemerkenswertesten Alben der Prog-Geschichte. Wohin die Reise auf Octopus gehen würde, macht bereits der Opener The Advent Of Purge klar. Extrem vielschichtig, vertrackt, überbordend vor Ideen und Richtungen. Octopus geht seinen eigensinnigen Weg zwischen Prog, Jazz und Klassik. Manchmal meint man auch, etwas Folk-Einflüsse durchzusehen. Es setzt auf Gesangsschichtungen, Kontrapunkte und überraschende  Wendungen, auf das Spiel mit Dissonanzen und Brüchen — nur um wenige Sekunden später wieder plötzlich völlig eingängig daherzukommen.

Literarische und philosophische Inspirationen

Natürlich musste das nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch Anspruch und einen roten Faden haben. So ließ man sich von literarischen und philosophischen Werken inspirieren — unter anderem von den französischen Schriftsteller François Rabelais und Albert Camus. Die Band selbst war zufrieden mit dem Ergebnis. „Octopus war wahrscheinlich unser bestes Album, mit Ausnahme von Acquiring the Taste vielleicht“, erklärte Gründungsmitglied und Multiinstrumentalist Ray Shulman einmal.

Zur Genese des Albums erzählt er: „Wir begannen mit der Idee, einen Song über jedes Mitglied der Band zu schreiben. Ein Konzept im Kopf zu haben, war ein guter Ausgangspunkt für das Schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber trotz des Einflusses von The Who’s Tommy und Quadrophenia wurden Konzeptalben fast über Nacht plötzlich als langweilig und prätentiös empfunden.“ Dass die Platte Octopus heißt, soll der Ehefrau von Shulmans Bruder und Bandkollegen Phil Shulman geschuldet sein. Die brachte Octopus als Anspielung auf die Zahl acht (die Anzahl der Tracks) und das Wort Opus ins Spiel.

Ein geniales gut gealtertes Werk

Oft ist es bei Alben, die zu jener Zeit als avantgardistisch gelten ja so, dass man Jahrzehnte später bemerkt, dass sie irgendwie schlechter gealtert sind oder anachronistisch klingen. Bei Octopus ist dies nicht der Fall — das kreative Wagnis von Garry Green, Kerry Minnear, Derek, Ray und Phil Shulman sowie John Weathers klingt heute sogar noch überraschend frisch. Octopus quillt nur so über voller musikalischer Abenteuerlust — und klingt bei aller Raffinesse und allem Intellekt nie verkopft. Im Gegenteil: Manchmal, wie in „Dog’s Life“ geht es textlich geradezu leichtfüßig zur Sache.

2015 hat sich Prog-Superstar Steven Wilson der Platte angenommen und den Mix überarbeitet — so erstrahlte Octopus in Wilsons Remix/Remaster noch besserer Soundqualität. Aber in welcher Version auch immer: Octopus ist ein mitreißendes Abenteuer, das im Plattenregal jedes Prog-Fans stehen sollte. Octopus zeigt auch den besonderen Status, den Gentle Giant in der Proggeschichte haben. Sie wurden keine Superstars wie andere ihrer Kollegen und Kolleginnen — leider! — aber gelten als wichtiger Einfluss für viele Bands, die danach kamen.

Eine großartige Platte und eine unbedingte Empfehlung!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Continue Reading

Popkultur

„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

Published on

John Lennon und Yoko Ono

„And so this is Christmas“: Man könnte mit dem Zitieren des Textes hier aufhören und hätte seinem Gegenüber bereits einen Ohrwurm verpasst. Längst ist der Song aus der Feder von John Lennon und Yoko Ono ein Klassiker in Sachen Weihnachts- und Protestsong – normalerweise nicht unbedingt miteinander verwandte Genres.

von Markus Brandstetter

Dabei sah es zumindest bei der Erstveröffentlichung in den USA zunächst nicht danach aus, als hätte man es hier mit einem zukünftigen Klassiker zu tun. Denn als Happy Xmas (War Is Over) am 1. Dezember 1971 in den Vereinigten Staaten erschien, schaffte der Song zunächst nur mäßige Chartplatzierungen. Gut, der Platz drei bei den Billboard Christmas Singles Chart mal ausgenommen. Das hatte einerseits damit zu tun, dass man Weihnachtssongs, zumindest damals, für gewöhnlich mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf veröffentlichen sollte, andererseits schien auch die PR-Abteilung nur wenig motiviert.

Erfolg in Großbritannien

In Lennons Heimat Großbritannien sah das schon besser aus. Allerdings dauerte es bis zum Release dort eine ganze Weile. Aufgrund von einem Streit um Publishing-Rechte mit Northern Songs erschien der Song dort erst am 24. November 1972. Happy Xmas (War Is Over)  schaffte es bis auf Platz vier der Single-Charts, die Platte musste bald nachgepresst werden. Zunächst erschien der Song nur als Single, auf einem Album landete er erst 1975 – auf der Compilation Shaved Fish.

Ewiger Klassiker

Aber was macht Happy Xmas (War Is Over) so bemerkenswert und erinnerungswürdig? Den Slogan ansich hatten Lennon und Ono nicht erfunden, der tauchte bereits in anderen Stücken auf – bei The Doors und John Ochs. Lennon und Ono waren zu dem Zeitpunkt bereits bekannte Aktivist*innen, hatten mit den Bed-Ins, bei denen sie im Bett vor Medienvertreter*innen für den Weltfrieden demonstrierten, bereits für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Lennon und Ono ließen in zwölf großen Städten Plakate mit den Worten „WAR IS OVER! If You Want It – Happy Christmas from John & Yoko“ errichten.

Bei dem Stück trifft eine eingängige, durchaus weihnachtstaugliche Melodie auf Sozialkritik. Diese kommt aber nicht von oben herab, sondern eher mit besorgt-freundlichem, sanft optimistischen Ton. Lennon wollte Kitsch vermeiden, aber die soziale Message in etwas Eingängiges packen. Es war Lennons und Onos Statement gegen den Vietnamkrieg, der noch bis 1975 wütete und viele Opfer fordern sollte. Man könnte sagen, der Song setzte dort an, wo Give Peace A Chance 1969 aufgehört hatte. „And so happy Christmas / For black and for white / For yellow and red ones / Let’s stop all the fights / A very merry Christmas / And a happy New Year / Let’s hope it’s a good one / Without any fears“ heißt es darin. Unterstützt werden Lennon und Ono gesanglich vom Harlem Community Choir, den Lennon für die Aufnahmen leitete.

Eigenleben

Happy Xmas (War Is Over), produziert von Phil Spector, nahm über die Jahre ein Eigenleben an. Es kam immer wieder in die Charts – die höchste Platzierung erfuhr es nach der Ermordung Lennons 1980 mit Platz zwei der britischen Single-Charts (Platz eins ging damals an Imagine). Er wurde tausende Male gecovert – von Celine Dion und Neil Diamond, von Carly Simon und REO Speedwagon, von Laura Pausini und Miley Cyrus, von Jimmy Buffett, John Legend und Jessica Simpson.

Längst gehört Happy Xmas (War Is Over) in den Kanon der Weihnachtsklassiker – und jener der Protestsongs. Man kann den Fokus beim Hören legen wie man möchte. Happy Xmas (War Is Over) funktioniert als nachdenklicher, altruistischer Weihnachtssong, als Statement gegen Krieg – und als ewig gültige und stets nötige Hoffnung, dass sich die Welt vielleicht doch ein Stück bessert.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

„Imagine“: Wie der kontroverse Song von John und Yoko zur Friedenshymne wurde

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss