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Popkultur

Frank Sinatra und die Mafia: Im Herzen ein Gangster

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Was ist dran an Frank Sinatras Verbindungen zum organisierten Verbrechen? Das große Stigma aller Italo-Amerikaner, betrifft es auch einen der größten Sänger aller Zeiten? Wir haben noch einmal die Fakten gecheckt und unsere Phantasie spielen lassen.


Über 2000 Seiten dick war Frank Sinatras FBI-Akte irgendwann. Über viele Jahrzehnte hatten es die Behörden offensichtlich als notwendig erachtet, „Ol’ Blue Eyes“ ganz genau im Auge zu behalten. Zwar wurden ihm nie irgendwelche Verbrechen nachgewiesen, nie wurde er angeklagt oder verurteilt. Wahrscheinlich war er selbst nie wirklich in schwere Verbrechen verstrickt. Aber auf jeden Fall hatte Sinatra die falschen Freunde, schlechten Umgang wie man so schön sagt. Seine ganze Karriere lang wurde ihm vorgeworfen, in bestem freundschaftlichem Kontakt mit der Cosa Nostra, der amerikanisch-italienischen Mafia zu stehen. Und bis zuletzt stritt er diese Verstrickungen vehement ab. „Jeder Bericht, ich hätte mich mit dem Mob eingelassen, ist eine gemeine Lüge“, verkündete er 1947 rasend. Doch man weiß schon mindestens genau so lang, dass das so nicht ganz richtig ist.



Es gibt zahlreiche Legenden und auch gut dokumentierte Zusammenhänge, die Sinatras Kontakte zur Mafia belegen. Sinatra war ihr Held, das Musterbeispiel eines hart arbeitenden Italieners, der den amerikanischen Traum lebt. Das hätte auch jeder Mafiosi von sich behauptet. Diese Kontakte sollen ihm im Laufe seiner Karriere nicht nur einmal genutzt haben, wenn die Dinge nicht so liefen, wie der ambitionierte Frank sich das vorgestellt hat. Aus schlechten Verträgen sollen ihn seine Kumpels rausgeholt haben, und zwar mit handfesten Argumenten. Angebote, „die niemand ablehnen kann“, sollen ihm zu Filmrollen verholfen haben. Was das im Mafia-Jargon bedeutet, kennt man aus „Der Pate“. Und dann Sinatras Persönlichkeit: „Kinnhaken und Nötigungen gehören zum Stil seiner Öffentlichkeitsarbeit“, schrieb der Spiegel 1975 über den alternden Bühnenhelden. Als Jugendlicher ist er ohne Abschluss von der High School geflogen, wegen rowdyhaftem Verhalten. War der große Romantiker mit der goldenen Stimme am Ende ein typischer italienischer Gangster?


Frank Sinatra3


Von Sizilien nach Jersey

Es wird wild spekuliert, ob das alles wirklich so stimmt. Wenn man sich das Umfeld vor Augen führt, aus dem Sinatra stammt, dann scheint die Sache relativ klar: Frank Sinatra wurde als Sohn sizilianischer Einwanderer 1915 in Hoboken, einem Stadtteil von New Jersey geboren. Wer „The Sopranos“ gesehen hat, der weiß – auch wenn da natürlich ordentlich Klischees bedient werden – wie es in den italienischen Einwanderer-Communitys in New Jersey aussah: Alle kennen sich, viele drehen krumme Dinger. Familien halten zusammen. Franks Onkel beispielsweise, Babe Gavarante, 1921 schon wegen Mordes verurteilt, stand in Verbindung mit Willie Moretti, einem hohen Tier des New Yorker Genovese-Clans. Obendrein war Sinatras erste Frau Nancy auch noch verwandt mit einem von Morettis engen Gefolgsleuten. Das sagt natürlich überhaupt nichts über kriminelle Verstrickungen der Sinatras aus – aber sie lagen von Anfang an in der Familie.


Frank Sinatra


Mit einigen weiteren ranghohen Mafiosi soll Sinatra im Verlauf seiner Karriere gute Freundschaften (und Partnerschaften?) gepflegt haben, unter ihnen Lucky Luciano, der oberste Boss der Genovese-Familie und einer der ersten großen Chefs im organisierten Verbrechen. Die sogenannte „Havana Konferenz“ ist dabei die berühmteste Episode: In seinem kubanischen Exil rief Luciano führendes Mafia-Personal zusammen, um Geschäfte zu besprechen. Mit von der Partie war auch Sinatra – sein Konzert in Kuba diente als Vorwand für das Treffen. Dass Sinatra während dieser Zeit aber auch privat mit den zwielichtigen Herrschaften verkehrte, ist erwiesen. Angeblich ist Frankie Boy auch mit zwei Millionen Dollar in einem Aktenkoffer nach Havana gereist, der für Luciano bestimmt war. Ein weiteres brisantes Detail kam erst viel später ans Licht: In der extrem spannenden Dokumentation „Sinatra: Dark Star“ (2005), die sich genau mit diesen Verflechtungen beschäftigt, heißt es, dass Sinatra die Herkunft seiner Eltern leicht verschleiert hatte. Sein Vater stammte nämlich, anders als von Sinatra behauptet, aus dem kleinen sizilianischen Ort Lercara Friddi. Und wer wuchs ebenfalls dort auf? Lucky Luciano.



Freundschaften sind die eine Sache, Business die andere: In den 1960er-Jahren stieg Sinatra neben seinen künstlerischen Tätigkeiten auch ins Glücksspielgeschäft ein, als er Anteile eines Casino-Hotels am Lake Tahoe in Nevada erwarb. Das lief wohl ziemlich prächtig, tagelang spielte er dort auch Shows mit seinem Rat Pack, alle waren gut drauf und feierten. Dass beim Glücksspiel auch immer das organisierte Verbrechen seine Finger im Spiel hatte, muss man fast nicht erwähnen. Auch hier: Sinatra wurde nie wegen eines Vergehens angeklagt. Aber ein ganz unschuldiges Lamm schien er auch nie zu sein.

Sinatra sei kein echter Gangster, aber tief in seinem Herzen schon, sagte man mal über ihn. Er hat es am Ende mit seiner Kunst geschafft, die Welt zu erobern, und war auf die illegalen Wege gar nicht angewiesen. Trotzdem, und Frank würde nach wie vor wild dagegen protestieren: Er war wohl einer von ihnen. Es war auch seine Sache. Cosa Nostra.


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„Strangeways, Here We Come“: Wie The Smiths vor 35 Jahren an sich selbst zerbrachen

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The Smiths
Foto: Pete Still/Getty Images

Sie sind eine der wichtigsten englischen Rock-Bands der Achtziger und haben mit nur vier Platten Musikgeschichte geschrieben: Vor 35 Jahren erscheint ihr letztes Album Strangeways, Here We Come. Die Band gibt es da schon gar nicht mehr…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Strangeways, Here We Come anhören:

Ach, die Achtziger. Autotune war noch nicht erfunden, Kurt Cobain noch am Leben und Morrissey kein verblendeter Rechter. Good times. England findet sich mit dem Wechsel der Jahrzehnte und den heraufziehenden Achtzigern immer fester in der Umarmung des Synth Pop wieder: The Human League, OMD, Ultravox geben den Ton an, bestimmen die Mode und das popkulturelle Tagesgeschehen.

Das passt nicht allen. Im Mai 1982 taucht Johnny Marr einfach vor Steven Morrisseys Wohnung in Stretford bei Manchester auf, um eine Band mit ihm zu gründen. Die beiden verstehen sich sofort prächtig, mögen dieselben Bands und Schriftsteller*innen und legen los. Sie nennen sich The Smiths, um endlich „ganz gewöhnliche Menschen ins Rampenlicht zu stellen“, wie Morrissey mal sagte.

Ihr Sound ist die Antithese zum wuchernden Synthie-Boom, eine Assemblage aus der harmoniesatten Musik der Sechziger und den desolaten Farben des Post Punk. Sie veröffentlichen drei äußerst erfolgreiche Alben und sind 1986 die wichtigste Rock-Bands Englands. Die erfolgreichste aber eben nicht – sehr zum Verdruss von Morrissey, der sich seinen Frust über die fehlende Mainstream-Anerkennung immer direkter von der Seele schreibt.

Ab in den Knast!

Für ihr viertes Album Strangeways, Here We Come, benannt nach einem notorischen Höllenknast aus viktorianischer Zeit, wollen sie was anderes versuchen. Sie hauen kurz noch die provokante, marxistische Non-Album-Single Shoplifters Of The World Unite und verabschieden sich von ihrem Trademark-Sound. Weniger Jingle-Jangle, weniger klassisches Rock’n’Roll-Besteck. Stattdessen kommen Drum-Maschinen zum Einsatz, synthestisiertes Saxofon und jede Menge Keyboard. Der Opener des Albums, das verwunschene, nostalgische A Rush And The Push And The Land Is Ours, kommt sogar ohne Gitarren aus.

Der eine liest, der andere trinkt

Als Vorbilder zitiert Johnny Marr das weiße Album der Beatles und einige Sachen der Walker Brothers. Die Band steht vor einem Wendepunkt, das ist schon bei den Aufnahmen zu Strangeways, Here We Come klar. In den Wool Hall Studios von Tears For Fears im Süden Englands entsteht unwissentlich der Schwanengesang einer Band. Während sich Morrissey abends nach den Aufnahmen mit Lektüre ins Bett zurückzieht trinkt und feiert der Rest der Band und des Teams regelmäßig bis tief in die Nacht. Die Stimmung ist gut, die Partys im Studio sind in der gesamten Umgebung bekannt und legendär.

Im April 1987 ist das Album im Kasten. Und die Band sehr zufrieden: Marr und Morrissey sind überzeugt davon, das mit Abstand beste The-Smiths-Album aufgenommen zu haben. Sie lassen sich von Oscar Wilde und der US-Girl-Group Reparata And The Delrons beeinflussen, von David Bowier und Nina Simone. Erscheinen soll das Album am 28. September 1987 – und für seine besondere Aura überschwänglich gelobt werden. Doch da gibt es die Band schon gar nicht mehr.

Das Fass läuft über

Die Spannungen zwischen Marr und Morrissey werden stärker und stärker. Es geht um Einfluss und Kontrolle, um verschiedene Visionen und künstlerische Egotrips. Im Juni 1987 verkündet Marr, eine Pause von der Band einzulegen, weil er sich vom Rest der Band zunehmend in ein schlechtes Licht gerückt fühlt. Ein Artikel im NME erweist sich im Juli dann als Funke im Pulverfass: Marr zufolge steckte Morrissey dem Magazin, dass sich The Smiths auflösen würden, weil sich Morrissey und Marr irreparabel zerstritten hätten. Stimmt zwar nicht, doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Johnny Marr steigt endgültig aus, noch vor Veröffentlichung des finalen Albums Strangeways, Here We Come ist eine der wichtigsten und einflussreichsten englischen Bands Geschichte. Für immer: Bis heute haben Johnny Marr und Morrissesy jedes Reunion-Angebot abgelehnt.

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35 Jahre „Music For The Masses“: Der Moment, in dem Depeche Mode Weltstars wurden

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Depeche Mode
Titelfoto: Paul Natkin/Getty Images

In Europa sind Depeche Mode 1987 längst Stars. Dann veröffentlichen sie ihr ahnungsvolles, düsteres Epos Music For The Masses. Der Titel mag bewusst ironisch gewählt sein. Doch das Album schießt die Briten endgültig in die Stratosphäre.

von Björn Springorum

Die Schatten werden länger: Mit ihrem fünften Black Celebration wenden sich Depeche Mode 1986 merklich von ihrem sterilen, kühlen Electro Pop ab. Ihr Sound wird düsterer, ahnungsvoller, melancholischer, Martin Gores Texte merklich pessimistischer und zweifelnder. Die neue atmosphärische Qualität spiegelt sich auch in Anton Corbijns Zusammenarbeit mit der Band wider, die ebenfalls 1986 ihren Anfang nimmt.

Daniel Miller nimmt Abstand

Bald vier Monate ist man mit der schwarzen Feier auf Welttournee – ein Kraftakt, der nicht ohne Risse im Bandgefüge bleibt. Schon bei den Aufnahmen zu Black Celebration stört sich Produzent Daniel Miller an den Spannungen innerhalb der Band und entscheidet für sich, den Nachfolger nicht mehr zu betreuen. „Wir hatten keine freien Tage“, erinnerte sich Miller mal. „Vielleicht war das ein Fehler. Jeder wache Moment wurde in dieses Album gesteckt, mehr gab es für uns nicht.“

Verständlich, dass Depeche Mode beim Nachfolger etwas ändern wollen. Inzwischen sehr erfolgreich, gönnen sich Depeche Mode nach Rücksprache mit ihrem Mentor Miller den Produzenten Dave Bascombe und setzen mit ihm nach Paris über, um an neuen Songs zu arbeiten. Es ist Februar 1987, die Sonne scheint über der Seine und alles riecht nach Neuanfang. Die Motivation innerhalb der Band ist so hoch, dass Alan Wilder im Studio nach und nach die Kontrolle übernimmt. Irgendwie logisch: Je mehr Depeche Mode in Richtung Sampling und moderne Synthesizer gehen, desto mehr ist sein technisches Verständnis gefragt.

Der Aufstieg des Alan Wilder

In den nächsten Monaten wird Bascombe, durchaus eine veritable Koryphäe auf seinem Gebiet, fast schon zum Studiotechniker degradiert, während Alan Wilder mehr und mehr die Kontrolle übernimmt. „Music For The Masses ist der Aufstieg von Alan Wilder“, so sagte Daniel Miller mal. Wilder vergräbt sich mehr denn je in der Technik und in den Details, während die anderen schon durch die Straßen von Paris ziehen. Er hinterlässt deutliche Spuren in Songs wie Little 15 mit ihren fast schon sakral anmutenden Synthesizern, neoklassischen Elementen und Flächen.

Music For The Masses ist das erste Album, das Depeche Mode ohne ihren Entdecker Daniel Miller produzieren. Sie entschieden sich bewusst für mehr Progression und Experimente, vergessen aber natürlich die Hits nicht. Bis heute sind das monumentale, lüsterne, dezent homoerotische Never Let Me Down Again, das hämmernde Behind The Wheel oder das melodramatisch wallende Strangelove Ankerpunkte in ihrem Kanon. Der Rest des Albums ist aber eben genau der Gegenteil seines ironischen Titels: Ziemlich, ziemlich unkommerziell, voller obskurer Samples, sexueller Referenzen und dunkler Abgründe. Zum Titel sagte Andrew Fletcher mal: „Jeder riet uns, kommerziellere Musik zu machen, daher der Titel.“ Gore ergänzte das um: „Das Album ist alles außer Musik für die Massen!“

Triumph in Kalifornien

In England sieht man das vor 35 Jahren ganz ähnlich: Die Platte schafft es gerade so auf Platz zehn in die Charts, die erste Single Strangelove gar nur auf Rang 16. In den USA scheint die Ironie des Titels nicht zu ziehen: Music For The Masses macht Depeche Mode auf der anderen Seite des Atlantiks endgültig zu Superstars, dokumentiert mit dem Konzertfilm 101, der den Weg der Band zur letzten Show der Tour im gigantischen Rose Bowl Stadium in Pasadena, Kalifornien nachzeichnet. Es ist der Juni 1988 und die 101. Show der Music For The Masses-Welttour. 60.000 Fans sind dabei, als die Band das Ende eines weiteren Kapitels feiert.

Wenn sie sich im März 1990 mit Violator zurückmelden, werden sie endgültig zur größten Synth-Pop-Band aller Zeiten. Mit allen Exzessen, Abstürzen und Problemen, die dazugehören.

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Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

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