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Popkultur

Seht hier die Kurzdoku: „Hurt – Das Leben des Johnny Cash“

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Johnny Cash
Foto: CBS Photo Archive/Getty Images

Nur wenige Menschen konnten die Musiklandschaft so nachhaltig beeinflussen wie Johnny Cash. Am 26. Februar 1932 geboren, verstarb die Country-Ikone am 12. September 2003 im Alter von 71 Jahren. Wir werfen einen Blick zurück auf sein bewegtes Leben und den späten Erfolg mit den American Recordings.

Hier findet ihr unsere Kurzdoku über Johnny Cash:

(Textversion weiter unten)

Hört hier einige Highlights der American Recordings:

Der Mann in Schwarz und der Pakt mit dem Schmerz

Johnny Cash ist die größte Americana-Ikone des 20. und 21. Jahrhunderts, der König der Countrymusik, des Rock and Roll, Gospel und Blues, der unergründliche Man In Black. „Seine Stimme“, schwärmte Bob Dylan, „schien aus dem Mittelpunkt der Erde zu kommen“. Mit whiskey-gegerbtem Bariton sang er seine tiefschürfenden Songs über Schuld und Sühne und das harte Leben der einfachen Leute.

Weit über 90 Millionen Tonträger hat er verkauft. Jeder kennt I Walk The Line und Ring Of Fire. Cash wurde mit den bedeutendsten Preisen und Ehrungen der Musikindustrie dekoriert und sowohl in die Country Music Hall of Fame als auch in die Rock and Roll sowie die Gospel Music Hall of Fame aufgenommen. Die meisten schaffen es nicht mal in eine.

Es sind vor allem aber seine monumentalen American Recordings, die aus dem Solitär Johnny Cash eine Legende machten. Der unmittelbare Klang dieser Platten und ihre schlichte, unter die Haut gehende Schönheit sind es, die Fans erster Stunde und neue Generationen gleichermaßen in den Bann schlagen. Die American Recordings machen den Songwriter Cash in den letzten Jahren seiner Karriere zum Inbegriff des vom Leben gezeichneten Country-Antihelden. Diese Album-Serie ist seine vertonte Autobiografie. Seine Lebensgeschichte, sein Weltschmerz, aber auch sein erhoffter Weg zur Katharsis.


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1994: American Recordings

Dennoch haben die American Recordings einen schweren Start: Anfang der Neunziger scheint Cash trotz weltweiter Berühmtheit am Ende. Der Musikmarkt jener Zeit hat keine Verwendung mehr für den betagten Country-Star eines früheren Amerikas. Doch er hat immer noch Bewunderer. Einer davon ist Rick Rubin. Der Gründer des legendären Hip Hop-Labels Def Jam und Produzent von Metallica, Beastie Boys oder den Red Hot Chili Peppers bietet Cash zu einem Zeitpunkt einen Plattenvertrag an, zu dem wahrscheinlich niemand anderes dazu bereit gewesen wäre. Gemeinsam experimentieren sie und entschieden sich schlussendlich für Minimalismus pur: für Cash und seine Gitarre.

10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

Was folgt, gleicht dem Phönix aus der Asche: Die epochale Ära der American Recordings beginnt. Der Country-Altmeister interpretiert ausgewählte Songs aller Genres und Künstler neu. Die Themen sind bedrückend, düster, depressiv und voller Weltschmerz. In Bird On A Wire von Leonard Cohen scheint er die Welt wie in einem Abschiedsbrief um Verzeihung zu bitten. Songs wie Drive On und Down There By The Train erzählen von der harten und einfachen Kindheit Cashs.

Geboren im Jahr 1932, verlebt er die Zeit der Großen Depression im Süden der USA, genauer gesagt im gottverlassenen Nest Dyess irgendwo im Osten Arkansas’. Als eines von sieben Kindern einer mittellosen Farmer-Familie ackert der junge Cash bereits mit fünf Jahren auf dem Feld. Mit zehn Jahren bekommt er seine erste Gitarre geschenkt. Tragischerweise verliert er in dieser Zeit auch seinen älteren Bruder Jack bei einem Unfall mit einer Kreissäge. In einem späteren Interview bezeichnet ihn Cash als seinen Helden, sein Vorbild. Es ist ein Verlust, den er nie ganz verwinden wird.

Nach seiner Zeit bei der Air Force und seiner Stationierung in Bayern in den Fünfzigern kehrt er nach Tennessee zurück, heiratet das erste Mal und beginnt seine Karriere als Musiker. Es dauerte nicht mehr lang, bis er an der Seite von Elvis Presley oder Jerry Lee Lewis die Popkultur revolutionieren würde.

Zurück im Jahr 1994 wird American Recordings zum unverhofften Erfolg. Das Video zu Delia’s Gone mit Topmodel Kate Moss in der Hauptrolle verschafft dem damals gewaltigen MTV-Publikum praktisch über Nacht Zugang zu einem Crooner, der fast in Vergessenheit geraten war. Cash is back.

1996: American II: Unchained

Darauf lässt sich aufbauen. Für das Album Unchained holt sich Cash Gastmusiker von Bands wie den Red Hot Chili Peppers oder Fleetwood Mac sowie die kompletten Tom Petty and the Heartbreakers ins Studio und erweitert den Klang des Vorgängers um eine erdige, raue Note. Besonders deutlich wird das in seinem SoundgardenCover Rusty Cage und der emotionalen Ballade Spiritual von Josh Haden. Die Rhythmen sind rockig, der Klang ist dicht. Und erinnert damit an Cashs Karriere zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die beginnt 1955 ganz offiziell. Cash veröffentlicht seine erste Single Hey Porter / Cry! Cry! Cry! und spielt im Vorprogramm von Elvis Presley. Kein schlechter Start. Mit I Walk The Line landet er schon im Folgejahr Top-Platzierungen in den Charts. Bei einem Konzert lernt er seine zukünftige Ehefrau June Carter kennen, selbst eine berühmte Country-Musikerin, die mit ihrer Familie durch die Lande tingelt. Cashs Karriere geht steil bergauf. Er verbringt einen Großteil der nächsten Jahre auf Tour. Um dieser Dauerbelastung standzuhalten, flieht Cash erstmals in den Alkohol, greift aber auch zu Amphetaminen und Betäubungsmitteln. I’ve Been Everywhere auf Unchained weiß davon zu berichten.

Die Sechziger hindurch lebt Cash auf der Überholspur. Er wird zum Archetyp des Country Outlaws. 1963 landet er mit Ring Of Fire einen Welthit. Mitgeschrieben von June Carter selbst, thematisiert der Song Cashs anhaltende Sucht und ihre verbotene Liebe zu ihm. Obwohl die beiden jahrelang gemeinsam auf Tournee gehen, bleibt ihre Romanze ein Geheimnis.

1966 scheint Cash ausgebrannt: Gezeichnet vom Drogenkonsum neigt er zu Gewalt, Konzerte werden abgesagt. Schließlich geht seine zerrüttete Ehe in die Brüche. In seiner Verzweiflung zieht sich Cash zurück und denkt sogar über Suizid nach, wie die Nummer Sea Of Heartbreak von Unchained auf bittere Weise verdeutlicht.

Rock hinter schwedischen Gardinen: Diese Musiker haben schon im Knast gespielt!

June Carter ist es, die ihn schließlich aus diesem dunklen Sumpf zieht. Sie begleitet Cash durch den Entzug. Bald steht er wieder auf der Bühne – das erste Mal seit zehn Jahren vollkommen clean. Anfang 1968 spielt er sein legendäres Konzert im kalifornischen Folsom State Prison und zeichnet es auf. Das daraus entstehende Live-Album At Folsom Prison wird zum Referenzwerk, dem in rascher Abfolge weitere Knast-Alben folgen. Wenige Wochen nach seinem Konzert in Folsom heiratet er endlich June Carter.

Zurück im Jahr 1996. Während der Aufnahmen zu Unchained verschlechtert sich Cashs Gesundheit zunehmend. Er kommt dauerhaft nach Hendersonville in Tennessee zurück, wo er seit 1968 lebt, und bezieht sein selbstgebautes Studio, die Cash Cabin. Der Country Boy kehrt heim. Das Album wird fertig. Und ein noch größerer Verkaufsschlager als der Vorgänger.

2000: American III: Solitary Man

Zur Jahrtausendwende setzt Cash seinen introspektiven Seelenstriptease mit American III: Solitary Man fort. Das Album klingt schroffer als die Vorgänger, abgekämpfter und vom Leben gezeichnet. Mit Songs wie I Won’t Back Down von Tom Petty oder dem titelgebenden Solitary Man von Neil Diamond inszeniert sich Cash trotz aller Gebrechen und angekratzter Stimme als ultimativer Antiheld, seinem einsamen Weg bis zuletzt treu ergeben. Unerschütterlich ist seine großartige Interpretation von U2s One. Düster und einsam seine Version The Mercy Seat von Nick Cave. Es sind nur einige der Highlights des dritten Teils der American Recordings.

Sie erinnern nicht zufällig an den frühen Man In Black. Cash beginnt schon in den frühen Sechzigern, stets vollständig in schwarz gekleidet aufzutreten, um sich von den bunten Outfits der Countrymusiker*innen jener Zeit abzusetzen. Das – und seine augenzwinkernde Erklärung, dass schwarze Klamotten auf Tour leichter sauberzuhalten wären – bringt ihm seinen ikonischen Spitznamen ein.

Er passt nicht immer zu diesem Mann, der ein grandioser Entertainer ebenso sein konnte wie ein liebevoller Familienvater. Mit Ehefrau June und seinen Kindern gründet er zum Beispiel das Carter-Cash Tour Ensemble, als Moderator seiner eigenen The Johnny Cash Show im TV empfängt er die bekanntesten Musiker*innen seiner Zeit – unter anderem Bob Dylan, Neil Young und Stevie Wonder.

Doch Cash eckt zunehmend an. Seine konservative Haltung, und insbesondere sein Besuch im Weißen Haus auf der Höhe des Vietnam-Krieges zur Mitte der 1970er, ramponieren seinen Ruf. Auch seine Versuche, ins Filmgeschäft einzusteigen, scheitern grandios. Doch Cash hält es aus. Er hat zu viel erlebt, zu viel mitgemacht und zu viel gekämpft, um sich von so etwas aus der Ruhe bringen zu lassen.

Die besten letzten Platten aller Zeiten

Sein Cover von Will Oldmans I See A Darkness des dritten American-Albums erinnert spät in seinem Leben daran. Auch diese Platte besticht durch unmittelbare, nackte Emotion und einen tiefen Blick in seine zerrüttete Seele. Nur konsequent, dass Solitary Man mit einem Grammy im Bereich Country ausgezeichnet wird.

2002: American IV: The Man Comes Around

Zwei Jahre später – Cash ist mittlerweile 70 Jahre alt – stellt er mit American IV: The Man Comes Around das bisherige Schaffen der American Recordings noch einmal in den Schatten. Flankiert wird die LP von seinen hochkarätigen Country-Versionen der Songs Hurt von Nine Inch Nails und Personal Jesus von Depeche Mode. Beide Bands – zu dieser Zeit längst selbst Weltstars – fühlen sich zutiefst geehrt. Die Tracks werden große Radio-Hits und läuten den sagenhaften Erfolg von The Man Comes Around rund um die Welt ein.

Besessener denn je seziert Cash auf diesem Album die Liebe, den Tod und seinen Glauben. Insbesondere seine Versionen von Bridge Over Troubled Water von Simon & Garfunkel und I Hung My Head von Sting erzählen von der Angst vergangener Zeiten.

Diese dunklen Zeiten waren die vor allem die Achtziger: Cash versinkt erneut im Drogensumpf, schafft jedoch dank seiner Familie den Absprung. Gerade noch so. Er rafft sich auf und gründet die Country-Supergroup The Highwaymen mit Chris Kristofferson, Waylon Jennings und Willie Nelson. Die Veteranen geben sich kämpferisch: Sie sind Teil der traditionsbewussten Outlaw-Bewegung, dem Gegenstück einer neuen Generation Country-Pop-Musiker*innen, die sich dem Mainstream zuwenden.

Doch auch Cashs Supergroup kann die Götterdämmerung der Country-Größen nicht mehr aufhalten: Der Markt wendet sich einer neuen Hörerschaft zu. Cash & Co. sind nicht mehr gefragt, außer Mode. Wegen einer Operation am Herzen zieht er sich Ende des Jahrzehnts aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Veröffentlichungen jener Jahre blieben wenig erfolgreich. Cash scheint Geschichte.

Desperado von der Band Eagles wirkt heute die vertonte Trostlosigkeit jener Jahre. Doch in den Schatten blitzt auch Hoffnung auf: First Time Ever I Saw Your Face erzählt von Cashs Sehnsucht nach Erlösung. Ein Glaube, den er vor allem seiner June zuliebe nie aufgibt. Und hier schließt sich der Kreis: Als die Neunziger anbrechen, tritt Rick Rubin auf den Plan. Sie haben eine Vision – der legendäre Produzent und der alte Outlaw. Es ist der Beginn der American Recordings.

The Man Comes Around ist die letzte Platte, die Cash zu Lebzeiten veröffentlicht. Und das ist hörbar. Geschwächt von einer jahrelangen Nervenkrankheit und stetiger Atemnot, erklingt seine Stimme brüchiger. Sie unterstreicht nur die Grundstimmung des Albums, macht es noch unmittelbarer. Doch er ist nicht allein: Seine Weggefährt*innen der letzten Jahre – seine sogenannte Cash-Gang – unterstützen ihn. Auf dem letzten Track We’ll Meet Again kommen alle Gastmusiker*innen noch einmal zusammen. Es scheint, als mache Cash hier in diesem Song endgültig seinen Frieden mit seinen Dämonen, mit seinen Ängsten, mit der Welt.

Ein musikalisches Mahnmal

Im Mai 2003 verstirbt seine große Liebe June Carter Cash nach 35 Jahren Ehe. Es bricht ihm das Herz. Trotzdem zieht es ihn bald wieder ins Studio. Noch im selben Jahr arbeitet er an Unearthed, seinem nächsten Projekt. Er wird es nicht mehr erleben. Cash stirbt im September. In Hendersonville findet er neben June die letzte Ruhe. Auf einem gemeinsamen Gedenkstein prangen die Songtitel I Walk The Line und Wildwood Flower – zwei der erfolgreichsten Songs von Cash und Carter.

Die weltweite Anteilnahme zum Tode Johnny Cashs am 12. September 2003 kommt einem Staatsbegräbnis gleich. Das Cash-Biopic Walk The Line mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon nominierte man für fünf Oscars. Die mit dem Film erschienene Compilation Ring Of Fire – The Legend Of Johnny Cash verkaufte sich millionenfach.

Das 2007 erschienene Live-Album Great Lost Performance gehört zu den absoluten Schätzen seines Katalogs. Bis 2010 vervollständigten A Hundred Highways und Ain’t No Grave die legendäre American-Serie. Auch das kurz nach seinem Tod erschienene Outtakes-Meisterwerk Unearthed schrieb die posthume Erfolgsgeschichte weiter.

Johnny Cash schrieb Musikgeschichte, weil er die Geschichten der einfachen Leute vertonte. Weil er ihr Leben lebte. Im Licht wie im Schatten. Cash steht für den Aufstieg, den Ruhm und den Fall seiner Zeit. Er teilte seinen Schmerz und seinen Verlust mit der Welt. Bis heute macht ihn das einzigartig. Zu einem Idol. Einem Mahnmal. Und zur schwarzgekleideten Ikone mehrerer Generationen.

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10 Songs, die jeder Johnny-Cash-Fan kennen muss

Popkultur

Vor 65 Jahren: Wie sich John Lennon und Paul McCartney zum ersten Mal trafen

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Paul McCartney & John Lennon
Foto: William Vanderson/Fox Photos/Getty Images

Eins der wichtigsten Aufeinandertreffen der modernen Musikgeschichte fand am 6. Juli 1957 auf einem Dorffest bei Liverpool statt. An jenem Tag liefen sich John Lennon und Paul McCartney zum ersten Mal über den Weg, später erwuchsen daraus die legendären Beatles. Dabei wusste Lennon anfangs noch gar nicht, ob er sich überhaupt mit McCartney zusammentun wollte.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Please Please Me von den Beatles anhören:

Eigentlich ist in Woolton nicht viel los. Doch einmal im Jahr feiern die Bewohner*innen des wohlhabenden Liverpooler Vorortes eine zünftige Gartenparty, krönen ihre „Rosenkönigin“ und freuen sich über ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm inklusive Live-Musik. Am 6. Juli 1957 steht im Rahmen der jährlichen Feierlichkeiten auch eine Gruppe namens The Quarry Men auf dem Plan. Zum festen Line-up der Band zählt zum Beispiel Sänger und Gitarrist John Lennon, der zu jener Zeit erst 16 Jahre alt ist. Waschwannenbassist Ivan Vaughan spielt nur gelegentlich mit den Quarry Men — doch genau er ist es, der am 6. Juli 1957 einen Schulkumpel mit zu dem Dorffest bringt. Dessen Name: Paul McCartney.

Eine Gartenparty mit Folgen

Laut Plan beginnt die Woolton Parish Church Garden Fete erst um 15 Uhr, doch inoffiziell fällt der Startschuss bereits eine Stunde früher, wie John Lennons Halbschwester Julia Baird in ihrer Lennon-Biografie Imagine This schreibt: „Die Veranstaltung fing um 14 Uhr mit der Eröffnungsprozession an, bei der ein oder zwei prächtig geschmückte Lastwagen im Schneckentempo durch das Dorf fuhren, um sich feierlich auf den Platz hinter der Kirche zu begeben. Auf dem ersten Laster saß die Rosenkönigin auf ihrem Thron, umgeben von ihrem Gefolge. Sie waren allesamt in rosa und weißem Satin gekleidet, mit langen Bändern und handgesteckten Rosen im Haar. Die Mädchen wurden von den Sonntagsschulgruppen aufgrund ihres Alters und ihres guten Benehmens ausgewählt.“

Zugegeben, das klingt ein wenig altertümlich. Doch für uns Musik-Fans wird es ohnehin erst jetzt so richtig interessant: „Auf den folgenden Lastwagen befanden sich die Unterhaltungskünstler, darunter auch die Quarry Men“, berichtet Baird weiter. „Die Jungen saßen auf der Ladefläche des fahrenden Wagens, versuchten aufrecht stehen zu bleiben und gleichzeitig ihre Instrumente zu spielen. John gab den Kampf mit dem Gleichgewicht auf, ließ die Beine von der Ladefläche baumeln, spielte Gitarre und sang. Das tat er während der ganzen langsamen Fahrt.“ Als der Tross am Abend an der Kirche weiterfeiert, sollen die Quarry Men dort noch einmal spielen. Doch schon während des Aufbaus kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung.

John Lennons und Paul McCartneys erstes Treffen

Eine schwarze Röhrenhose, eine weiße Jacke mit silbernen Flecken: Mit seinem Outfit dürfte Paul McCartney am 6. Juli 1957 aufgefallen sein, denn auf dem britischen Land kleidet man sich zu jener Zeit wohl noch ein wenig anders. In John Lennons Fall ist die Extravaganz gar nicht nötig, denn McCartney wird ihm von Bandkollege Ivan Vaughan vorgestellt. Die Zwei unterhalten sich ein wenig, McCartney singt ein bisschen mit und zeigt Lennon, wie man eine Gitarre stimmt. 1995 sagt McCartney über seine erste Begegnung mit Lennon: „Ich dachte nur: ‚Nun, er sieht gut aus, er singt gut, und er scheint ein toller Leadsänger zu sein.‘ Er hatte natürlich seine Brille abgenommen, sodass er wirklich elegant aussah. Ich erinnere mich daran, dass das einzige Bandmitglied war, das herausstach.“

Lennon zeigt sich ebenfalls begeistert, denn McCartney kann mühelos singen, was sich die Quarry Men erst mühevoll aneignen müssen. Nach der Show gehen die Musiker mit McCartney in einen Wooltoner Pub, wo die 15- und 16-Jährigen ein falsches Alter angeben müssen, um überhaupt bedient zu werden. In den Wochen danach überlegen die Quarry Men, ob sie McCartney in die Band holen möchten. Vor allem Lennon tut sich schwer mit der Entscheidung, denn schließlich würde „der Neue“ auch eine Konkurrenz darstellen. Dennoch beschließt die Gruppe, McCartney noch einmal anzusprechen. „Macca“ schlägt sofort ein und fortan spielen Lennon und McCartney in ihrer ersten gemeinsamen Band. Es soll nicht ihre letzte bleiben.

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„Mean Mr. Mustard“: Wie ein gemeiner Schotte die Inspiration für den Beatles-Song lieferte

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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