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Popkultur

Seht hier die Kurzdoku: „Hurt – Das Leben des Johnny Cash“

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Johnny Cash
Foto: CBS Photo Archive/Getty Images

Nur wenige Menschen konnten die Musiklandschaft so nachhaltig beeinflussen wie Johnny Cash. Am 26. Februar 1932 geboren, verstarb die Country-Ikone am 12. September 2003 im Alter von 71 Jahren. Wir werfen einen Blick zurück auf sein bewegtes Leben und den späten Erfolg mit den American Recordings.

Hier findet ihr unsere Kurzdoku über Johnny Cash:

(Textversion weiter unten)

Hört hier einige Highlights der American Recordings:

Der Mann in Schwarz und der Pakt mit dem Schmerz

Johnny Cash ist die größte Americana-Ikone des 20. und 21. Jahrhunderts, der König der Countrymusik, des Rock and Roll, Gospel und Blues, der unergründliche Man In Black. „Seine Stimme“, schwärmte Bob Dylan, „schien aus dem Mittelpunkt der Erde zu kommen“. Mit whiskey-gegerbtem Bariton sang er seine tiefschürfenden Songs über Schuld und Sühne und das harte Leben der einfachen Leute.

Weit über 90 Millionen Tonträger hat er verkauft. Jeder kennt I Walk The Line und Ring Of Fire. Cash wurde mit den bedeutendsten Preisen und Ehrungen der Musikindustrie dekoriert und sowohl in die Country Music Hall of Fame als auch in die Rock and Roll sowie die Gospel Music Hall of Fame aufgenommen. Die meisten schaffen es nicht mal in eine.

Es sind vor allem aber seine monumentalen American Recordings, die aus dem Solitär Johnny Cash eine Legende machten. Der unmittelbare Klang dieser Platten und ihre schlichte, unter die Haut gehende Schönheit sind es, die Fans erster Stunde und neue Generationen gleichermaßen in den Bann schlagen. Die American Recordings machen den Songwriter Cash in den letzten Jahren seiner Karriere zum Inbegriff des vom Leben gezeichneten Country-Antihelden. Diese Album-Serie ist seine vertonte Autobiografie. Seine Lebensgeschichte, sein Weltschmerz, aber auch sein erhoffter Weg zur Katharsis.


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Johnny Cash
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1994: American Recordings

Dennoch haben die American Recordings einen schweren Start: Anfang der Neunziger scheint Cash trotz weltweiter Berühmtheit am Ende. Der Musikmarkt jener Zeit hat keine Verwendung mehr für den betagten Country-Star eines früheren Amerikas. Doch er hat immer noch Bewunderer. Einer davon ist Rick Rubin. Der Gründer des legendären Hip Hop-Labels Def Jam und Produzent von Metallica, Beastie Boys oder den Red Hot Chili Peppers bietet Cash zu einem Zeitpunkt einen Plattenvertrag an, zu dem wahrscheinlich niemand anderes dazu bereit gewesen wäre. Gemeinsam experimentieren sie und entschieden sich schlussendlich für Minimalismus pur: für Cash und seine Gitarre.

10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

Was folgt, gleicht dem Phönix aus der Asche: Die epochale Ära der American Recordings beginnt. Der Country-Altmeister interpretiert ausgewählte Songs aller Genres und Künstler neu. Die Themen sind bedrückend, düster, depressiv und voller Weltschmerz. In Bird On A Wire von Leonard Cohen scheint er die Welt wie in einem Abschiedsbrief um Verzeihung zu bitten. Songs wie Drive On und Down There By The Train erzählen von der harten und einfachen Kindheit Cashs.

Geboren im Jahr 1932, verlebt er die Zeit der Großen Depression im Süden der USA, genauer gesagt im gottverlassenen Nest Dyess irgendwo im Osten Arkansas’. Als eines von sieben Kindern einer mittellosen Farmer-Familie ackert der junge Cash bereits mit fünf Jahren auf dem Feld. Mit zehn Jahren bekommt er seine erste Gitarre geschenkt. Tragischerweise verliert er in dieser Zeit auch seinen älteren Bruder Jack bei einem Unfall mit einer Kreissäge. In einem späteren Interview bezeichnet ihn Cash als seinen Helden, sein Vorbild. Es ist ein Verlust, den er nie ganz verwinden wird.

Nach seiner Zeit bei der Air Force und seiner Stationierung in Bayern in den Fünfzigern kehrt er nach Tennessee zurück, heiratet das erste Mal und beginnt seine Karriere als Musiker. Es dauerte nicht mehr lang, bis er an der Seite von Elvis Presley oder Jerry Lee Lewis die Popkultur revolutionieren würde.

Zurück im Jahr 1994 wird American Recordings zum unverhofften Erfolg. Das Video zu Delia’s Gone mit Topmodel Kate Moss in der Hauptrolle verschafft dem damals gewaltigen MTV-Publikum praktisch über Nacht Zugang zu einem Crooner, der fast in Vergessenheit geraten war. Cash is back.

1996: American II: Unchained

Darauf lässt sich aufbauen. Für das Album Unchained holt sich Cash Gastmusiker von Bands wie den Red Hot Chili Peppers oder Fleetwood Mac sowie die kompletten Tom Petty and the Heartbreakers ins Studio und erweitert den Klang des Vorgängers um eine erdige, raue Note. Besonders deutlich wird das in seinem SoundgardenCover Rusty Cage und der emotionalen Ballade Spiritual von Josh Haden. Die Rhythmen sind rockig, der Klang ist dicht. Und erinnert damit an Cashs Karriere zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die beginnt 1955 ganz offiziell. Cash veröffentlicht seine erste Single Hey Porter / Cry! Cry! Cry! und spielt im Vorprogramm von Elvis Presley. Kein schlechter Start. Mit I Walk The Line landet er schon im Folgejahr Top-Platzierungen in den Charts. Bei einem Konzert lernt er seine zukünftige Ehefrau June Carter kennen, selbst eine berühmte Country-Musikerin, die mit ihrer Familie durch die Lande tingelt. Cashs Karriere geht steil bergauf. Er verbringt einen Großteil der nächsten Jahre auf Tour. Um dieser Dauerbelastung standzuhalten, flieht Cash erstmals in den Alkohol, greift aber auch zu Amphetaminen und Betäubungsmitteln. I’ve Been Everywhere auf Unchained weiß davon zu berichten.

Die Sechziger hindurch lebt Cash auf der Überholspur. Er wird zum Archetyp des Country Outlaws. 1963 landet er mit Ring Of Fire einen Welthit. Mitgeschrieben von June Carter selbst, thematisiert der Song Cashs anhaltende Sucht und ihre verbotene Liebe zu ihm. Obwohl die beiden jahrelang gemeinsam auf Tournee gehen, bleibt ihre Romanze ein Geheimnis.

1966 scheint Cash ausgebrannt: Gezeichnet vom Drogenkonsum neigt er zu Gewalt, Konzerte werden abgesagt. Schließlich geht seine zerrüttete Ehe in die Brüche. In seiner Verzweiflung zieht sich Cash zurück und denkt sogar über Suizid nach, wie die Nummer Sea Of Heartbreak von Unchained auf bittere Weise verdeutlicht.

Rock hinter schwedischen Gardinen: Diese Musiker haben schon im Knast gespielt!

June Carter ist es, die ihn schließlich aus diesem dunklen Sumpf zieht. Sie begleitet Cash durch den Entzug. Bald steht er wieder auf der Bühne – das erste Mal seit zehn Jahren vollkommen clean. Anfang 1968 spielt er sein legendäres Konzert im kalifornischen Folsom State Prison und zeichnet es auf. Das daraus entstehende Live-Album At Folsom Prison wird zum Referenzwerk, dem in rascher Abfolge weitere Knast-Alben folgen. Wenige Wochen nach seinem Konzert in Folsom heiratet er endlich June Carter.

Zurück im Jahr 1996. Während der Aufnahmen zu Unchained verschlechtert sich Cashs Gesundheit zunehmend. Er kommt dauerhaft nach Hendersonville in Tennessee zurück, wo er seit 1968 lebt, und bezieht sein selbstgebautes Studio, die Cash Cabin. Der Country Boy kehrt heim. Das Album wird fertig. Und ein noch größerer Verkaufsschlager als der Vorgänger.

2000: American III: Solitary Man

Zur Jahrtausendwende setzt Cash seinen introspektiven Seelenstriptease mit American III: Solitary Man fort. Das Album klingt schroffer als die Vorgänger, abgekämpfter und vom Leben gezeichnet. Mit Songs wie I Won’t Back Down von Tom Petty oder dem titelgebenden Solitary Man von Neil Diamond inszeniert sich Cash trotz aller Gebrechen und angekratzter Stimme als ultimativer Antiheld, seinem einsamen Weg bis zuletzt treu ergeben. Unerschütterlich ist seine großartige Interpretation von U2s One. Düster und einsam seine Version The Mercy Seat von Nick Cave. Es sind nur einige der Highlights des dritten Teils der American Recordings.

Sie erinnern nicht zufällig an den frühen Man In Black. Cash beginnt schon in den frühen Sechzigern, stets vollständig in schwarz gekleidet aufzutreten, um sich von den bunten Outfits der Countrymusiker*innen jener Zeit abzusetzen. Das – und seine augenzwinkernde Erklärung, dass schwarze Klamotten auf Tour leichter sauberzuhalten wären – bringt ihm seinen ikonischen Spitznamen ein.

Er passt nicht immer zu diesem Mann, der ein grandioser Entertainer ebenso sein konnte wie ein liebevoller Familienvater. Mit Ehefrau June und seinen Kindern gründet er zum Beispiel das Carter-Cash Tour Ensemble, als Moderator seiner eigenen The Johnny Cash Show im TV empfängt er die bekanntesten Musiker*innen seiner Zeit – unter anderem Bob Dylan, Neil Young und Stevie Wonder.

Doch Cash eckt zunehmend an. Seine konservative Haltung, und insbesondere sein Besuch im Weißen Haus auf der Höhe des Vietnam-Krieges zur Mitte der 1970er, ramponieren seinen Ruf. Auch seine Versuche, ins Filmgeschäft einzusteigen, scheitern grandios. Doch Cash hält es aus. Er hat zu viel erlebt, zu viel mitgemacht und zu viel gekämpft, um sich von so etwas aus der Ruhe bringen zu lassen.

Die besten letzten Platten aller Zeiten

Sein Cover von Will Oldmans I See A Darkness des dritten American-Albums erinnert spät in seinem Leben daran. Auch diese Platte besticht durch unmittelbare, nackte Emotion und einen tiefen Blick in seine zerrüttete Seele. Nur konsequent, dass Solitary Man mit einem Grammy im Bereich Country ausgezeichnet wird.

2002: American IV: The Man Comes Around

Zwei Jahre später – Cash ist mittlerweile 70 Jahre alt – stellt er mit American IV: The Man Comes Around das bisherige Schaffen der American Recordings noch einmal in den Schatten. Flankiert wird die LP von seinen hochkarätigen Country-Versionen der Songs Hurt von Nine Inch Nails und Personal Jesus von Depeche Mode. Beide Bands – zu dieser Zeit längst selbst Weltstars – fühlen sich zutiefst geehrt. Die Tracks werden große Radio-Hits und läuten den sagenhaften Erfolg von The Man Comes Around rund um die Welt ein.

Besessener denn je seziert Cash auf diesem Album die Liebe, den Tod und seinen Glauben. Insbesondere seine Versionen von Bridge Over Troubled Water von Simon & Garfunkel und I Hung My Head von Sting erzählen von der Angst vergangener Zeiten.

Diese dunklen Zeiten waren die vor allem die Achtziger: Cash versinkt erneut im Drogensumpf, schafft jedoch dank seiner Familie den Absprung. Gerade noch so. Er rafft sich auf und gründet die Country-Supergroup The Highwaymen mit Chris Kristofferson, Waylon Jennings und Willie Nelson. Die Veteranen geben sich kämpferisch: Sie sind Teil der traditionsbewussten Outlaw-Bewegung, dem Gegenstück einer neuen Generation Country-Pop-Musiker*innen, die sich dem Mainstream zuwenden.

Doch auch Cashs Supergroup kann die Götterdämmerung der Country-Größen nicht mehr aufhalten: Der Markt wendet sich einer neuen Hörerschaft zu. Cash & Co. sind nicht mehr gefragt, außer Mode. Wegen einer Operation am Herzen zieht er sich Ende des Jahrzehnts aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Veröffentlichungen jener Jahre blieben wenig erfolgreich. Cash scheint Geschichte.

Desperado von der Band Eagles wirkt heute die vertonte Trostlosigkeit jener Jahre. Doch in den Schatten blitzt auch Hoffnung auf: First Time Ever I Saw Your Face erzählt von Cashs Sehnsucht nach Erlösung. Ein Glaube, den er vor allem seiner June zuliebe nie aufgibt. Und hier schließt sich der Kreis: Als die Neunziger anbrechen, tritt Rick Rubin auf den Plan. Sie haben eine Vision – der legendäre Produzent und der alte Outlaw. Es ist der Beginn der American Recordings.

The Man Comes Around ist die letzte Platte, die Cash zu Lebzeiten veröffentlicht. Und das ist hörbar. Geschwächt von einer jahrelangen Nervenkrankheit und stetiger Atemnot, erklingt seine Stimme brüchiger. Sie unterstreicht nur die Grundstimmung des Albums, macht es noch unmittelbarer. Doch er ist nicht allein: Seine Weggefährt*innen der letzten Jahre – seine sogenannte Cash-Gang – unterstützen ihn. Auf dem letzten Track We’ll Meet Again kommen alle Gastmusiker*innen noch einmal zusammen. Es scheint, als mache Cash hier in diesem Song endgültig seinen Frieden mit seinen Dämonen, mit seinen Ängsten, mit der Welt.

Ein musikalisches Mahnmal

Im Mai 2003 verstirbt seine große Liebe June Carter Cash nach 35 Jahren Ehe. Es bricht ihm das Herz. Trotzdem zieht es ihn bald wieder ins Studio. Noch im selben Jahr arbeitet er an Unearthed, seinem nächsten Projekt. Er wird es nicht mehr erleben. Cash stirbt im September. In Hendersonville findet er neben June die letzte Ruhe. Auf einem gemeinsamen Gedenkstein prangen die Songtitel I Walk The Line und Wildwood Flower – zwei der erfolgreichsten Songs von Cash und Carter.

Die weltweite Anteilnahme zum Tode Johnny Cashs am 12. September 2003 kommt einem Staatsbegräbnis gleich. Das Cash-Biopic Walk The Line mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon nominierte man für fünf Oscars. Die mit dem Film erschienene Compilation Ring Of Fire – The Legend Of Johnny Cash verkaufte sich millionenfach.

Das 2007 erschienene Live-Album Great Lost Performance gehört zu den absoluten Schätzen seines Katalogs. Bis 2010 vervollständigten A Hundred Highways und Ain’t No Grave die legendäre American-Serie. Auch das kurz nach seinem Tod erschienene Outtakes-Meisterwerk Unearthed schrieb die posthume Erfolgsgeschichte weiter.

Johnny Cash schrieb Musikgeschichte, weil er die Geschichten der einfachen Leute vertonte. Weil er ihr Leben lebte. Im Licht wie im Schatten. Cash steht für den Aufstieg, den Ruhm und den Fall seiner Zeit. Er teilte seinen Schmerz und seinen Verlust mit der Welt. Bis heute macht ihn das einzigartig. Zu einem Idol. Einem Mahnmal. Und zur schwarzgekleideten Ikone mehrerer Generationen.

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10 Songs, die jeder Johnny-Cash-Fan kennen muss

Popkultur

„White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

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Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

Sie dudeln im Radio auf und ab, beschallen Weihnachtsmärkte und Cafés: Hättet ihr diese Dinge über Evergreens wie Last Christmas, All I Want For Christmas Is You oder White Christmas gewusst?

von Björn Springorum

Auf wenige Dinge ist so sehr Verlass wie das pünktliche Aufschlagen von Last Christmas und All I Want For Christmas Is You deutlich vor dem ersten Advent. Weihnachtssongs sind Fluch und Segen zugleich, Boten einer schönen Zeit für die einen und Geißel des schlechten Geschmacks für die anderen – Stichwort #whamageddon. Zu welchem Lager man auch zählt: Vorbei kommt dieser Tage niemand an ihnen. Da lohnt mal ein Blick auf die erstaunlichen Geschichten hinter fünf der erfolgreichsten Weihnachtssongs aller Zeiten.

1. All I Want For Christmas Is You (1994)

Eine der erfolgreichsten Singles aller Zeiten ist in gerade mal 15 Minuten entstanden. So kurz sollen Mariah Carey und Walter Afanasieff für das Songwriting dieser Nummer gebraucht haben. Bewusst angelehnt an den Ronettes-Sound der Sechziger, braucht All I Want For Christmas Is You kommerziell gesehen deutlich mehr Zeit als für seine Entstehung. Der Grund: Der Song wurde anfangs nicht offiziell als reguläre Single ausgekoppelt und konnte deswegen auch nicht in den Charts notieren. Das ändert sich, als 1998 die Regularien angepasst werden. Damals beginnt die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Songs: Am 21. Dezember 2019 – 25 Jahre nach Veröffentlichung – steht der Song erstmals ganz oben in den US-Charts. 16 Millionen Exemplare sind mittlerweile verkauft, unzählige Streaming-Rekorde gebrochen. Geschätzte 60 Millionen gibt es an Royalties allein für diesen Song, Mariah Carey allein verdient grob geschätzt 2,5 Millionen US-Dollar pro Jahr mit All I Want For Christmas Is You. Nicht übel – dafür, dass sie den Songs anfangs gar nicht aufnehmen wollte.

2. Santa Claus Is Comin’ To Town (1934)

Auch dieser Song gehört zu Weihnachten wie schlechter Glühwein: Erstmals 1934 von einem Banjo-Spieler namens Harry Reser aufgeführt, hat sich Santa Claus Is Comin’ To Town zum weihnachtlichen Pflichtprogramm entwickelt. Liegt natürlich auch an seiner erstaunlichen Haltbarkeit und Attraktivität für andere Künstler: In den letzten knapp 80 Jahren haben sich über 200 Künstler*innen an diesem Klassiker von J. Fred Coots und Haven Gillespie versucht – und nicht unbedingt unbekannte, um es mal so zu sagen: Unter anderem gibt es Versionen von Bing Crosby, Mariah Carey, Neil Diamond, Bruce Springsteen, Frank Sinatra, Bill Evans, Chris Isaak, The Temptations, The Carpenters, Michael Bublé und den Jackson 5. Am ehesten denkt man bei Santa Claus Is Comin’ To Town aber wahrscheinlich an den Boss und seine unvergleichliche Version. Die entstand gemeinsam mit der E Street Band am 12. Dezember 1975, wurde aber erst 1982 auf dem Sesamstraße-Album In Harmony 2 veröffentlicht und steigt seit 2002 regelmäßig hoch in die Charts ein. Springsteen-Konzerte im November und Dezember kommen ebenfalls nie ohne diese Nummer aus.

3. Last Christmas (1984)

Irgendwann im Sommer 1984 wird George Michael plötzlich vom Geist der Weihnacht heimgesucht. Er und sein Wham!-Kollege Ridgeley sind gerade bei Michaels Eltern zu Besuch, als ihn die winterliche Muse küsst: Er rauscht in sein altes Kinderzimmer und schreibt dort mal so eben einen der größten, wenn auch polarisierendsten Weihnachtshits aller Zeiten. Die Nummer wird zum Erfolg und schnell auch zum unverzichtbaren Weihnachtslied. Nur die Nummer Eins in den britischen Charts bleibt Last Christmas vergönnt – bis 2021, mehr als 36 Jahre nach der Veröffentlichung. Den Gesamterlös des Songs spendet Wham! vorbildlich dem Kampf gegen die verheerende Hungerkrise in Äthiopien. Bei über sechs Millionen verkauften Singles kommt da einiges zusammen.

4. Do They Know It’s Christmas (1984)

Das ist die Nummer, die Last Christmas 1984 davon abhält, die Spitze der britischen Charts zu erklimmen: Do They Know It’s Christmas von Bob Geldorf und Midge Ure ist eine der bekanntesten Benefiz-Singles aller Zeiten. Und ein echter Allstar-Coup: Aufgenommen an nur einem einzigen Tag am 24. November 1984 im Londoner Stadtteil Notting Hill, kommt die als Band Aid bezeichnete Supergroup an diesem Tag erstmals hinterm Mikro zusammen: Unter anderem singen Bono, Siobhan Fahey, Phil Collins, Boy George, Paul Weller. Sting und wieder George Michael (der damit auf Platz eins und zwei der britischen Single-Charts thront) gegen den Hunger in Äthiopien. Und sammeln ordentlich Geld ein: Die Single verkauft sich knapp zwölf Millionen Mal. Aus den von Geldorf erhofften 70.000 Pfund werden innerhalb eines Jahres acht Millionen. Kritik gibt es dennoch: Der Text spiele mit westlichen Vorurteilen und Afrikaklischees und würde die Vielfalt Afrikas unter den Teppich kehren.

5. White Christmas (1942)

1940 setzt sich Irving Berlin hin und schreibt einen Song über eine nostalgische, romantisierte Vorstellung von Weihnachten. Ja, das hat man auch schon 1942 gemacht. Sie kommt in den Soundtrack zum Film Holiday Inn und bekommt prompt den Oscar für den besten Filmsong. „Es ist nicht nur der beste Song, den ich je geschrieben habe, sondern auch der beste Song, den irgendjemand anders je geschrieben hat“, soll er seiner Sekretärin gesagt haben. Nicht gerade beschieden, aber irgendwie auch nicht ganz falsch. Zumindest hinsichtlich seines Erfolgs: Am 29. Mai 1942 nimmt Bing Crosby den Song in schlanken 18 Minuten auf, hält aber nicht viel davon. 80 Jahre später wissen wir: Er unterschätzt die Nostalgie der Menschen. White Christmas ist die erfolgreichste Single aller Zeiten! Zwar sprechen wir heute meist von der 1947-er Neuaufnahme (das Original wurde zu oft gespielt und beschädigt), aber das ist nebensächlich: Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren steht White Christmas ganz oben an der Spitze. Über 500 verschiedene Versionen in zahlreichen Sprachen sind mittlerweile entstanden. Und weil er damals schon nostalgisch war, wirkt er auch mit seinen 80 Jahren alterslos.

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„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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Popkultur

Die 15 besten Weihnachtsgeschenke für Rockfans

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Weihnachtsgeschenk
Foto: Getty Images

Weihnachten nähert sich in großen Schritten. Du weißt immer noch nicht so recht, was du deinen rock-affinen Liebsten schenken sollst? Kein Problem — wir haben da ein paar Ideen!

1. Bono — Surrender: 40 Songs, One Story

U2-Frontmann Bono veröffentlichte im November 2022 seine Memoiren — und darin erzählt einer der größten Frontmänner der Rockgeschichte, wie Paul aus Dublin zu Rockstar und Weltbürger/Weltretter Bono wurde. Ein spannendes Buch, das nicht nur die Anfänge U2s beleuchtet, sondern Bono auch als selbstironischen, reflektierten Zeitgenossen zeigt.

(Hier für 20,99 Euro)

 2. Guns N’ Roses — Use Your Illusion Super Deluxe 12-LP Box

Use Your Illusion

Was für einen Nachfolger macht man nach einem Mega-Debüt wie Appetite For Destruction? Am bestengleich zwei neue Longplayer! Use Your Illusion I + II, das sind zwei Alben, die nur so überquellen. Opulent, rockig, dreckig, hochglanzproduziert, bluesy, überladen, rotzig — alles zugleich, alles auf Maximum. Im November 2022 öffneten Axl, Slash & Co. das Bandarchiv und veröffentlichten ein Boxset, das Fans der Gunners das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. 97 Tracks auf 12 LPs, davon 63 unveröffentlicht — mit Blu-ray, Buch, Lithografien und jeder Menge Goodies… und das alles natürlich im stylischen Boxset. Das mega ausführliche Boxset gibt es bei uns im uDiscover Store — übrigens auch als günstigere 7-CD-Box.

(Hier für 498,99€)

3. BAP — Bap Vinyl Box Vol. 3 (2001-2011)

Wolfgang Niedecken lud in letzter Zeit vermehrt zur Vinyl-Retrospektive und widmete jedem Jahrzehnt von BAP eine Vinyl-Box. Zuletzt erschien mit Volume 3 eine Rückschau auf die 2000er-Jahre. Fünf Alben auf je zwei 180-Gramm-LPs, dazu schöne Artworks, Prints, Texte und Faksimiles. Für Fans von BAP ein Muss!

(Hier für 173,99 Euro)

4. 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten von Christof Leim

Warum wollte Axl Rose einst David Bowie verhauen? Was verbindet AC/DC mit einem Serienkiller? Und was haben Faith No More mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun? — Diesen (und etlichen weiteren Fragen) geht uDiscover-Autor Christof Leim in seinem Buch 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten nach. Der Musiker und Musikjournalist gräbt tief in der Schatzkiste der Rock’n’Roll-Geschichten — und sorgt für ein kurzweiliges Lesevergnügen. 

(Hier für 14 Euro)

 5. Peter Frampton — Do You Feel Like I Do? A Memoir

Vor wenigen Wochen sagte die US-amerikanische Rock-Ikone Peter Frampton seinen deutschen Fans mit den letzten Deutschlandkonzerten seiner Abschiedstournee Lebewohl. Wie bewegt seine Karriere war, lässt sich in seinen Memoiren nachlesen, die Ende 2021 erschienen sind.

(Hier für 15,59 Euro)

6. Heavy Metal Ukulele

UkuleleHeavy Metal funktioniert auch auf der Ukulele — das beweist dieses Prachtstück in Flying-V-Form. Wieso nicht mal Thunderstruck, Raining Blood und Enter Sandman auf der Uke zum Besten geben — unter dem Weihnachtsbaum, wo sonst?

(Hier für 37,20 €)

7. Slayer-Wein

Slayer-Fan, aber zugleich auch Reben-Feinspitz? Bekennende Weinliebhaber*innen kommen mit dem Slayer Reign In Blood Red auf ihre Kosten. Der Cabernet Sauvignon stammt, wie Araya & Co., aus Kalifornien — und passt hervorragend zum musikalischen Oeuvre der Herren.

(Hier für 9,59 Euro)

8. Rolling-Stones-Baumwollbeutel

Wie soll man eigentlich die ganzen Weihnachtsgeschenke nach Hause tragen? Am besten stilecht im Rolling-Stones-Baumwollbeutel mit dem ikonischen Zungen-Logo. Hier findet von exklusiven CDs und LPs bis zu T-Shirts und anderen Goodies so einiges Platz!

(Hier für 9,99 Euro)

9. Marshall Bluetooth Lautsprecher

Marshall LautsprecherKeine richtige Stereoanlage da? Kein Problem, mit der richtigen Bluetooth-Lautsprecherbox lässt sich auch ganz unkompliziert via Bluetooth gut Musik hören. Wer dabei nicht auf den klassischen Retro-Rocklook verzichten möchte, findet einige tolle Modelle von Marshall, zum Beispiel wie den Acton II. Der überzeugt mit druckvollem Sound und edlem Look!

(Hier für 199,99 Euro)

10. AKG Kopfhörer

Gute Kopfhörer sind für jeden Musikfan ein absolutes Muss — denn so lässt sich auch ohne sündteure Boxen Musik im hochwertigen Klang genießen. Die Auswahl an guten Kopfhörern ist groß, wir entscheiden uns an dieser Stelle für die AKG K-612, einfach weil sie gute Allrounder sind und auch fürs Studio taugen!

(Hier für 144 Euro)

11. Inhaler — It Won’t Always Be Like This (LP)

Im Februar 2022 veröffentlichen Inhaler ihr neues Studioalbum Cuts & Bruises. Die Wartezeit kann man aber auch mit ihrem Debüt It Won’t Always Be Like This überbrücken, das es im uDiscover Store als LP-Version gibt.

(Hier für 24,99 Euro)

12. Schallplatten-Reinigungsset

Natürlich muss die eigene Plattensammlung auch gepflegt werden. Um dem edlen Vinyl die Liebe zukommen zu lassen, die es verdient, empfehlen wir ein Vinyl-Reinigungsset.

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13. Squier Jazzmaster Gitarre

Squier JazzmasterWer gerne E-Gitarre lernen möchte, muss keineswegs gleich zu teuren Marken greifen. Fender etwa hat mit seiner kostengünstigen Tochterfirma Squier einige fabelhafte Modelle im Sortiment, die sich wahrlich nicht vor deutlich teureren Gitarren nicht verstecken müssen. Etwa die 40th Anniversary Jazzmaster, die nicht nur toll aussieht, sondern auch exzellent klingt.

(Hier für 599 Euro)

14. Kreator-T-Shirt

Mal unter dem Weihnachtsbaum mit ein paar Metal-Motiven bei Oma und Opa anecken? Wir hätten da ein paar Ideen — beispielsweise dieses Shirt der deutschen Metallegenden Kreator.

(Hier für 9,99 Euro)

15. Noch mehr Exklusives!

Da geht noch viel mehr! Werft einfach einen Blick in den uDiscover Store — und findet limitierte Editionen, tolle Vinyls, Boxsets und andere Highlights!

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Großer Sale im uDiscover-Store: Die Empfehlungen der Redaktion

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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