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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.4.1963 erscheint „Ring Of Fire“ von Johnny Cash.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.4.1963.

von Christof Leim

Johnny Cash hat viele berühmte und stilprägende Stücke veröffentlicht, das bekannteste dürfte Ring Of Fire sein. Dabei stammt die Nummer offiziell gar nicht von ihm. Zudem gibt es über ihren Inhalt verschiedene Meinungen: Geht es nun um große Gefühle oder Schweinkram? So oder so: Mit dieser Single schaffte der „Man in Black“ es bis auf Platz eins, die Liste der Coverversionen und Nachahmer ist endlos.



Geschrieben wird Ring Of Fire schon Anfang der Sechziger von der Sängerin June Carter zusammen mit dem Countrymusiker Merle Kilgore. Und ja, bei dieser June Carter handelt es sich um die große Liebe und zukünftige Ehefrau von Johnny Cash. Zunächst aber nimmt 1962 ihre Schwester Anita Carter den Song unter dem Titel (Love’s) Ring Of Fire auf, Mercury veröffentlichen ihn als Single, und das einflussreiche Billboard-Magazin empfiehlt das Ganze als „pick hit“. Doch alles in allem interessiert sich niemand dafür.



Johnny Cash, mit dem die beiden Carter-Mädels regelmäßig Musik machen und auf Tour gehen, hört diese Aufnahme und träumt sogar davon, und zwar in einer Version mit mexikanischen Bläsern. (So läuft es wohl bei den großen Künstlern: Sie schreiben ihre Songs und Arrangements im Schlaf.) Gegenüber Anita Carter erklärt er: „Ich gebe dir fünf oder sechs Monate, und wenn du damit keinen Hit landest, nehme ich das Lied so auf, wie ich es fühle.“

Deshalb spielt Johnny Cash am 25. März seine Variante ein. Dazu steuern die Carter Sisters – June, Anita, Schwester Helen und Mutter Maybelle – einige Harmoniegesänge bei. Ring Of Fire klingt nun weniger balladesk und wird zu dem Country-Rock’n’Roll-Song, den wir kennen. Die schon im Traum gehörten Mariachi-Hörner geben dem Ganzen noch eine besondere Note.

Doch wovon handelt die Nummer nun? Darum, sich mit Haut und Haar zu verlieben, heißt es. So geht es zumindest der späteren June Carter Cash, die zur Entstehungszeit des Stückes zwar noch mit Edwin “Rip” Nix, einem ehemaligen Football-Spieler, Polizeibeamten und Rennfahrer, verheiratet ist, aber zusehends ihr Herz an den feschen Herrn Cash verliert. Das passiert jedoch nicht ohne Leiden, was Verse erklärt wie „I fell into a burning ring of fire, I went down, down, down, and the flames went higher“. Einige Quellen behaupten, June Carter habe in einer Gedichtsammlung ihres Onkels die Zeile „Love is like a burning ring of fire“ unterstrichen. Andere führen aus, sie haben zu ihrer Gefühlslage notiert: „Man kann einfach nicht in dieser Hölle leben, man keine Flamme auslöschen, die brennt, brennt, brennt.“ („There is no way to be in that kind of hell, no way to extinguish a flame that burns, burns, burns.“) Romantisch, nicht wahr? June und Johnny heiraten übrigens am 1. März 1968 und bleiben bis zu ihrem Tod ein Paar.

Johnny Cash mit seiner Frau June, der Autorin von „Ring Of Fire“. Foto Credit: Joel Baldwin

Cash Exfrau Vivian Liberto, die Mutter seiner vier Kinder, allerdings erzählt in ihrer Autobiografie eine andere Geschichte: „Ich bin jedes Mal erstaunt, wenn June im Detail erklärt, wie sie das Stück für Johnny komponiert hat. In Wahrheit hat es Johnny geschrieben, auf Pille und betrunken, und zwar über einen bestimmten Teil des weiblichen Körpers. All die Jahre behauptet sie, es wäre ihr Song, und womöglich weiß sie nicht mal, wovon der wirklich handelt.“ Mehr noch: Angeblich habe Cash June den Songwriter-Status zugestanden, weil sie Geld brauchte.

In einer Geschichte im Rolling Stone heißt es weiter, Johnny Cash habe laut seiner Ex-Frau Ring Of Fire auf einem Angelausflug mit Merle Kilgore verfasst. Das wird sogar später von einem Freund namens Curly Lewis bestätigt, der bei diesem Trip dabei war. Die genaue zeitliche Abfolge ist unklar, womöglich war bei diesem Angelausflug die erste Version von Anita Carter aber bereits veröffentlicht. Die gemeinsame Tochter Rosanne Cash jedenfalls bleibt diplomatisch: „Das Lied handelt von der alles verändernden Kraft der Liebe. Das habe ich immer darin gesehen, und so werden es auch alle Cash-Kinder immer sehen.“

Mancher Scherzkeks (und nein, sowas würden wir beim Zeitsprung nie tun) behauptet sogar, es gehe bei Ring Of Fire um etwas komplett anderes: um Poposchmerzen nach scharfem Essen. In der Tat schlug Merle Kilgore 2004 vor, die Komposition für eine Werbung für Hämorrhoidencreme freizugeben (kein Witz). Wenig überraschend zeigten sich die Erben von June Carter Cash damit ganz und gar nicht einverstanden.

Zurück ins Jahr 1963: Schon kurze Zeit nach den Aufnahmen, am 19. April 1963, erscheint Ring Of Fire als Single mit I’d Still Be There als B-Seite. Die Nummer erreicht im Sommer 1963 Platz eins der Country-Charts und hält sich dort sieben Wochen lang, sogar für Platz 17 in den regulären Pop-Charts reicht es. Am 6. August des gleichen Jahres taucht das Stück noch auf dem Album Ring Of Fire: The Best Of Johnny Cash auf, das die Singles und eine EP aus den Jahren 1959 bis 1963 versammelt. Der Künstler nimmt sogar eine spanische Version auf.

Heute gelten diese 2:36 Minuten an Musik als klassischer Country-Song, der weltweit bekannt ist und regelmäßig in die Bestenlisten des Genres gewählt wird. Deshalb nehmen zahllose Bands ihre eigenen Versionen auf, darunter Eric Burdon & The Animals, Frank Zappa, Ray Charles, die Leningrad Cowboys, Jewel, die H-Blockx, Adam Lambert, Gunter Gabriel und Coldplay ((LINK)). June Carter Cash spielt das Stück 1999 ihrerseits neu ein. Das bekannteste Cover dürfte von Social Distortion stammen, die abgedrehteste Variante von den Power-Metallern Dragonforce (unbedingt reinhören).




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