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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.6.1950 kommt Klaus Lage zur Welt. Vielleicht macht es sogar „Zoom“.

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Foto: Richard Marszall/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.5.1950.

von Christof Leim

„1000 Mal berührt, 1000 Mal ist nix passiert“: Den Song mit dem „Zoom“ kennen wir wirklich alle. Damit landet Klaus Lage 1984 einen richtig dicken Hit und gehört fortan zum Soundtrack der deutschen Achtziger. Doch der Sänger war schon vorher da und ist es auch noch lange danach. Ein Rückblick zum Geburtstag.

Hier könnt ihr die besten Klaus-Lage-Songs hören:

Natürlich klingen die großen Platten von Klaus Lage voll nach der Dekade, in der sie entstanden sind. „Sign of the times“ würde man im Englischen vielleicht dazu sagen. Zum oberflächenversiegelten Tanz-Wave-Pop des Jahrzehnts passt der gitarrenbasierte Rock mit Liedermacher-Attitüde und sozialem Gewissen allerdings nicht, ganz zu schweigen von den Texten, in denen es immer ordentlich menschelt. Klaus Lage wird persönlich mit und gegenüber den Leuten in seinen Songs, und manchmal ist er das auch selber. Abstrakte Betrachtungen und Fantasiewelten sind seine Sache nicht.

Abschied aus der „Friend zone“

Die Geschichte von 1000 und 1 Nacht (Zoom!) über einen überraschenden, verwirrenden Abschied aus der „Friend zone“ jedenfalls können die meisten von uns nachfühlen, die Aussage von Monopoli muss man selbst ohne viel eigenen sozialkritischen Schwung als zeitlos bezeichnen. Und Wieder zuhaus zeichnet ein plausibles Bild von kleindeutscher Spießigkeit (und bedient gleichzeitig unser aller Nostalgie-Bedürfnis).

Die Klaus Lage Band – Foto: Promo

In den Zeiten seines großen Erfolges befindet sich Klaus Lage in bester Gesellschaft mit Grönemeyer, Westernhagen, Nena, Maffay, Lindenberg und so weiter. Lage schafft es deshalb natürlich auch in den Text von Deutschrockgirl, der Verhohnepiepelung der damaligen Deutschrock-Szene durch die berühmten Deutschrocker Die Ärzte aus Berlin (aus Berlin!). Mit Lennon-Brille, Vollbart, Jeansjacke und angerauter Stimme gilt Klaus Lage als der deutsche Joe Cocker, bei dem es auf die Musik und die Aussage ankommt, nicht auf das Styling. Kein Plastikpop, kein wildes Geballer. „Echt“ möchte man hier als zwar generisches, aber echt passendes Attribut zücken. Und genau damit prägt der Sänger den Sound der Achtziger in Deutschland.

Aus der Heide nach Berlin

Auf die Welt kommt Klaus Lage am 16. Juni 1950 in Soltau, in der Lüneburger Heide also. Seine Schulzeit absolviert er in Düsseldorf, kehrt zurück aufs Land und schickt sich an, Großhandelskaufmann zu werden. Was Ordentliches machen, klar. Doch irgendwie ist das alles zu eng, also geht der Zwanzigjährige wie es sich damals wohl gehört nach Berlin. Die Lehre wird beendet, Lage betätigt sich als Erzieher und Sozialarbeiter, was man seinen Texten später irgendwie auch anhört. Und das ist nicht mal negativ gemeint.

Krachmusik spielt ohnehin die wichtigste Rolle: Während der Siebziger tourt der Sänger mit dem Berliner Rock-Ensemble (BRE) durch Deutschland. Die Resonanzen halten sich in Grenzen, deshalb heißt die erste Single 1978 auch Alle ham’s geschafft außer mir. Zwei Alben kommen: Musikmaschine (1980) und Positiv (1982), das Stück Komm, halt mich fest schlägt ein paar kleine Kräuselwellen. Klaus Lage ist da schon über 30, aber jetzt dauert’s auch nicht mehr lange.

Durchbruch mit Zoom

Denn 1983 erscheint das Album Stadtstreicher: Wolf Maahn hat zum ersten Mal produziert, das Lied Mit meinen Augen wird ein erster Hit. Damit nimmt die Klaus Lage Band aber nur Anlauf, denn 1984 kommt Schweißperlen. Und mit der Platte hat es dann – die Formulierung ist einmal in jedem Text über Klaus Lage verpflichtend – „Zoom gemacht“. 1000 und 1 Nacht (Zoom!) schießt auf Platz fünf der Single-Charts und hält sich dort mehrere Monate, von Juni bis November 1984. 

Die von Keyboarder Göran Walger komponierte und von Lage sowie dem späteren Politiker Dieter Dehm betextete Nummer wird zum Hit, wie er im Buche steht. Sie gehört auf jede Kompilation, die irgendwas mit Party oder Achtziger oder deutscher Rockmusik zu tun hat, läuft in den (entsprechend retroaffinen) Radiosendern heute noch, lässt sich auf jeder nächtlichen Sause singen und am Lagerfeuer schmettern. Sie erfährt unzählige Neuauflagen durch Könner wie Roger Cicero oder James Last und wird von Apres-Ski-Kirmestechno-Umpf-Umpf-Dumpfbirnen misshandelt. Kurz gesagt: Wenn die drei Songwriter mal einen schlechten Tag haben, dann schauen sie einfach kurz in ihre GEMA-Abrechnung.

Hart wie Schimmi

Die folgenden Singles Wieder zuhause und Monopoli laufen ähnlich gut, das Album klettert auf Platz 3 und bleibt ein Jahr in den Charts, späterer Platinüberzug inklusive. Damit ist Klaus Lage Mitte der Achtziger ein Rockstar und eine feste Größe in der deutschsprachigen Musiklandschaft.

Leder, Jeans und zwei getönte Brillen: Götz George und Klaus Lage 1985

Eine Pause gibt es nicht: 1985 folgt Heiße Spuren mit dem Top-Ten-Erfolg Faust auf Faust, dem Song zum ersten Schimanski-Kinofilm Zahn um Zahn (1985). Hauptdarsteller Götz George soll die Nummer „richtig stark“ gefunden haben, als Klaus Lage sie ihm nach der gemeinsamen Fotosession zum Singlecover am Flughafen nervös über einen Walkman vorspielt. Nervös macht uns vor allem die Kleiderwahl der beiden auf dem Bild. Ah, die Achtziger. Von Faust auf Faust gibt es übrigens sogar eine englischsprachige Variante namens Fists Of Steel. Hätte bei Manowar auch nicht anders geklungen. Und für den zweiten Schimanski-Film Zabou (1987) steuert Lage das Lied Now That You’re Gone bei, das Joe Cocker singt.

Langeweile kommt nicht auf

Amtlich schlägt 1987 mit richtig guten Songs (Du kriegst deins, Nie wieder Kind) in die gleiche Kerbe und lässt den Sänger Stammgast in den Hitparaden bleiben. Der obligatorische Konzertmitschnitt Mit meinen Augen…Lage live kommt 1986, weitere Alben folgen regelmäßig. Der Zeitgeist zieht weiter, aber Klaus Lage geht nirgendwo hin, sondern auf Tour. 1995 gibt er die Hauptrolle in einem Musical namens Stars und singt die deutschen Versionen der Lieder in Toy Story. 

Klaus Lage steht weiter auf der Bühne, auch mal solo – Foto: Wolfgang Hoffmann/Promo

Lage tritt mit seinem Keyboarder Bo Heart als Duo auf, später auch solo nur mit seiner Akustikgitarre. Die Musik wird ruhiger, die Texte bleiben persönlich und aufmerksam. Er beteiligt sich an der Initiative „Deutsches Rockradio“ und unterstützt die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Im neuen Jahrtausend produziert er zudem noch Hörbücher für große Verlage und mit bekannten Stimmen.

Solange die Stimme hält

Über sein Privatleben hingegen gibt der verheiratete Familienvater, der seit 2008 in Bremen lebt, wenig preis. “Ich bin Opa, das ist schön“, sagt er im Stern, der Rest gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Alben erscheinen regelmäßig, Klaus Lage hat immer noch was zu singen und zu sagen. „Am Tag nach meinem Geburtstag gehen wir ins Studio. Und dann nehmen wir eine Swingplatte auf“, erklärt er. Das Wichtigste: „Mit guten Musikern zu spielen. Solange die Stimme noch hält, mache ich das.“ Da kann man zum Geburtstag ruhig mal applaudieren.

Zeitsprung: Am 14.1.1983 erscheint „Nena“ – und die Luftballons fliegen bis nach Amerika.

Popkultur

„Screaming Life“: Als Soundgarden mit ihrer ersten EP den Turbomodus einlegten

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Soundgarden
Foto: Alison S. Braun/CORBIS/Corbis via Getty Images

1987 brodelt der Grunge-Kessel in Seattle bereits gewaltig. Nirvana finden gerade zusammen, genau wie Alice In Chains. Doch eine Gruppe ist ihren Mitstreitern schon einen Schritt voraus. Am 1. Oktober 1987 bringen Soundgarden ihre erste EP Screaming Life raus. Vom Mainstream halten sie sich aber lieber noch ein bisschen fern.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die beiden Soundgarden-EPs Screaming Life und Fopp anhören:

Genau genommen beginnt die Geschichte von Soundgarden bereits 1984. Zu jener Zeit bewegen sich Bassist Hiro Yamamoto und der trommelnde Sänger Chris Cornell unter dem Namen Shemps durch die Musikszene von Seattle. Als Yamamoto aussteigt, kommt Kim Thayil an Bord. Mit ihrem alten Bassisten bleibt die Gruppe trotzdem in Kontakt, was sich später auszahlen soll. Als die Geschichte von Shemps endet, treffen sich Yamamoto und Cornell nämlich wieder zum Jammen. Thayil stößt auch dazu und mit diesem Line-up gründen die drei Musiker eine Band, deren Namen wir alle kennen: Soundgarden.

Die ersten Schritte

Den Bandnamen entleiht das Trio einer Klangskulptur namens A Sound Garden, die auf dem Campus der National Oceanic And Atmospheric Administration in Seattle zu finden ist. Damit sich Cornell voll auf den Gesang konzentrieren kann, holen die Musiker Schlagzeuger Scott Sundquist an Bord. Ab da touren Soundgarden umher und erspielen sich in ihrer Umgebung einen Ruf als hervorragende Live-Band. 1986 nehmen sie für den Sampler Deep Six drei Songs auf: Heretic, Tears To Forget und All Your Lies. Stück Nummer zwei soll für die Gruppe später noch einmal eine Rolle spielen.

Auf der Zusammenstellung befinden sich Soundgarden in bester Gesellschaft. So sind auch Malfunkshun und Melvins auf dem Sampler zu finden. Weil es mit Soundgarden langsam bergauf geht, übernimmt Cornells zukünftige Frau Susan Silver das Management der Gruppe. Sundquist wird der Zeitaufwand zu groß und er möchte wieder mehr bei seiner Familie sein, weshalb er 1986 aussteigt. Auf seinen Hocker setzen Soundgarden den Trommler, der das klassische Line-up der Band vervollständigen soll: Matt Cameron. Wenig später startet die Truppe erst so richtig durch.

Screaming Life: Der Weg zur ersten Soundgarden-EP

Als Soundgarden wieder einmal live spielen, steht auch Radio-DJ Jonathan Poneman im Publikum. Er fasst einen Entschluss: Nicht nur, dass er der Band ihre erste Veröffentlichung sponsern möchte. Nein, er steckt gleich 20.000 US-Dollar in das Label Sub Pop. Betrieben wird die Plattenschmiede von Bruce Pavitt, einem Kumpel von Soundgarden. 1987 erscheint die erste Single Hunted Down; auf der B-Seite gibt es das Stück Nothing To Say zu hören. Außerdem erscheinen beide Nummern auf einer weiteren Compilation.

Der Radiosender KCMU, bei dem Poneman als DJ arbeitet, veröffentlicht zu jener Zeit einen Sampler namens Bands That Will Make Money und verschickt ihn an zahlreiche Plattenfirmen. Die wiederum zeigen brennendes Interesse an Soundgarden. Auf Gegenseitigkeit beruht das nicht: Obwohl die Band jede Menge Angebote bekommt, bleibt sie zunächst ihrem Label Sup Pop treu — und genau dort erscheint am 1. Oktober 1987 Screaming Life, die erste EP der Band. Darauf enthalten: das vorhin bereits erwähnte Stück Tears To Forget, die beiden Songs von der ersten Single sowie drei neue Stücke.

Ein Prediger vom Flohmarkt-Tonband

Eine nette Anekdote verbirgt sich hinter dem letzten Song Hand Of God: Kurz bevor die Aufnahmen für die EP beginnen, findet Produzent Jack Endino auf einem Flohmarkt einige Tonbänder. Darauf zu hören ist ein christlicher Prediger der frühen Fünfziger Jahre. Als Frontmann Chris Cornell das mitbekommt, hat er den Geistesblitz, den Mitschnitt in den Song Hand Of God einzubauen. Wie der Prediger auf der Tonaufnahme heißt, finden Soundgarden und Endino allerdings nicht mehr heraus, weil die Etiketten zu unleserlich sind.

Spätestens nach der Veröffentlichung ihrer ersten EP Screaming Life öffnen sich für Soundgarden alle Türen. Die Labels stehen Schlange, die Fans sowieso. „Jeder hat die EP geliebt“, verrät Frontmann Cornell 1989 in einem Interview. Doch obwohl sie alle Möglichkeiten der Welt haben, unterschreiben Soundgarden einen Plattenvertrag mit dem relativ kleinen Label SST Records. Dort veröffentlichen sie am 31. Oktober 1988 ihr erstes Album Ultramega OK. Das verläuft nicht unbedingt reibungslos, doch das ist wie so oft eine andere Geschichte.

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Mitglieder von Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden formen neue Band!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.10.1984 erweisen sich die Ramones als „Too Tough To Die“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.10.1984.


von Peter Hesse und Christof Leim

Nach sieben Alben haben die Ramones sich ein bisschen verirrt, deshalb wollen sie mit Too Tough To Die zurück zum Sound der Anfangstage. Der Titel kommt dabei nicht von ungefähr, denn im Vorjahr wäre Johnny beinahe totgeschlagen worden. Am 1. Oktober 1984 erscheint die Platte.

Hier könnt ihr das Album anhören:

Keine Frage, die ersten Alben der Ramones sind legendär, stilprägend und großartig. Aber mit dem Beginn der Achtziger liegen die Nachfolger wie Blei in den Regalen. End Of The Century (1980) und Pleasant Dreams (1981) können weder künstlerisch noch  kommerziell überzeugen. Dabei hatte die Plattenfirma Sire wegen stagnierender Verkaufszahlen, mangelnder Präsenz im Radio und ausbleibender Chartsnotierungen sogar große Namen als Produzenten engagiert, etwa Motown-Legende Phil Spector. Doch damit schoß sich die Band ins eigene Bein: Die Ramones klangen nicht mehr wie sie klingen sollen. Zu glatt, zu poppig, zu verschnörkelt (zumindest, wenn Ramones-Maßstäbe anlegt). Nach Subterranean Jungle (1983) überwirft sich die Gang noch mit ihrem Drummer Marky, weil dessen Sauferei aus dem Ruder läuft. So kann es nicht weiter gehen. Gabba, Gabba, „Hey, was sollen wir jetzt machen?“

Einfacher ist besser

Mit Too Tough To Die wollen die New Yorker sich wieder stärker an ihren Vorbildern orientieren, also an The Who, den Kinks, den Beach Boys, Stooges, MC5 und dem amerikanischen Rock’n’Roll der Fünfziger. Das heißt: Einfache Harmonien und Strukturen sowie das völlige Fehlen von Soli, Intros oder Übergängen. Außerdem darf es darf ruhig wieder schneller und härter klingt. Zum Glück übernimmt das ausgeschiedene Gründungsmitglied Tommy Ramone erneut die Produktion, die er anpackt wie auf dem Debüt von 1976. Im Songwriting orientieren sich die Musiker ebenfalls an ihren Wurzeln.

 

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Die Aufnahmen für die neue Platte gehen trotzdem nicht leicht von der Hand, weil das Quartett in Wirklichkeit wie eine Freakshow agiert. Joey Ramone ist nach wie vor ein hippiehafter und unpünktlicher Träumer mit Zwangsstörungen. (Wenn er etwa in einem Hotel vor einem Aufzug steht, kann er den Etagenknopf nicht drücken – und wartet so lange, bis jemand kommt und das für ihn übernimmt.) Zwar fungiert Dee Dee in Sachen Songwriting weiter als das Kreativgenie, doch um seine Geister zu wecken, liegen nicht selten eimerweise Drogen auf dem Tisch. Und der neue Drummer Richie Ramone ist zwar am Schlagzeug eine saubere Taktmaschine, wird aber im Bandgefüge nicht gleichwertig behandelt. Stattdessen gibt man ihm stets zu verstehen, nur ein kleiner Angestellter im Ramones-Universum zu sein. Über allem schwebt Gitarrist Johnny Ramone, der mit militärischer Strenge, erzkonservativem Weltbild und vielen Kontrollmechanismen dafür sorgt, dass die Band nicht aus dem Ruder läuft. Einfach passiert bei diesem Quartett gar nichts, und so soll die neue Platte entstehen.

Fast verhängnisvolle Schlägerei

Leider steckt auch hinter dem Albumtitel Too Tough To Die eine wahre, leider unschöne Geschichte: In den frühen Morgenstunden des 15. August 1983, gerät Johnny in eine gewalttätige Auseinandersetzung vor seiner Wohnung im New Yorker East Village mit einem anderen Musiker, der mit Johnnys Freundin unterwegs ist. Anscheinend herrscht Uneinigkeit, wie offen die Beziehung zwischen der Dame und dem Gitarristen sein soll. Nach Zeitungsberichten startet Ramone (der eigentlich John Cummings heißt) deshalb einen Kampf – und erleidet einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Es folgen eine Notoperation und eine mehrmonatige Pause.

Das Album erscheint schließlich am 1. Oktober 1984 mit einem markanten Cover, das die Silhouetten der Musiker in blauem Nebel zeigt. Wie der Fotograf George DuBose später berichtet, war das so gar nicht geplant: Schlussendlich erwies sich eine Fehlfunktion seiner Kamera als Glücksfall.

Ziel nicht erreicht

Zu den bekanntesten Liedern der Scheibe gehören Mama’s Boy, Too Tough To Die und Wart Hog, mit Durango 95 gibt es das einzige Ramones-Instrumental, und bei zwei Nummern singt Dee Dee. Amüsant fällt auch das Intro von Danger Zone aus, denn dabei fragt einer der Rocker: „Welchen Song spielen denn?“ 

Insgesamt klingt die Scheibe wieder roher und ursprünglicher. Doch trotz dieser Bemühungen wird sie nicht der große Wurf. Da helfen die schöne Melodie und der knackige Refrain der von Eurythmics-Kopf Dave Stewart produzierten Singleauskopplung Howling at the Moon (Sha-La-La) auch nicht. (Die Keyboards dazu spielt übrigens Benmont Tench von Tom Petty & The Heartbreakers.) Viele Kritiker und Fans vermissen in den Texten vor allem den typisch augenzwinkernden Ramones-Humor, der auf ihren frühen Alben so wichtig und witzig war. Die politisch und gesellschaftskritisch gefärbten Zeilen wie in Danger Zone oder Planet Earth wirken zu unbeholfen, bemüht und wenig glaubhaft. Es soll noch ein paar Jahre dauern, bis die Perlen dieses Albums, zum Beispiel I’m Not Afraid of Life oder Durango 95, für die Ewigkeitslisten entdeckt werden.

Zeitsprung: Am 6.8.1996 spielen die Ramones ihre letzte Show

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Zeitsprung: Am 30.9.1984 starten Kiss ihre problematische „Animalize“-Tour.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.9.1984."

von Christof Leim

Mit ihrem neuen Album Animalize können Kiss 1984 endlich wieder die Massen begeistern, nachhaltige Ruhe kommt allerdings weiterhin nicht ins Boot. Am 30. September 1984 startet die Welttour, doch der neue Gitarrist Mark St. John hat geschwollene Finger…

Hier könnt ihr Animalize anhören:

Mit Heaven’s On Fire landen Kiss 1984 einen mittelgroßen Hit. Endlich mal wieder. Die Single vom zwölften Kiss-Album Animalize erfreut sich großzügiger Einsätze im Rockradio und verschafft der Band nach vergleichsweise mageren Jahren wieder eine Platinauszeichnung. (Mehr zu dieser Phase der „Kisstory“ könnt ihr hier und hier nachlesen.) Jetzt steht die obligatorische Welttour an.

Auf der Platte hatte Mark St. John gespielt, der zweite neue Leadgitarrist in drei Jahren. Unproblematisch lief das nicht, weil St. John sich eines vor allem auf Geschwindigkeit und Virtuosität basierenden Stils befleißigt, der nicht so ganz zum basischen Hard Rock der Band passt. (Das zumindest erzählt Frontmann Paul Stanley in seiner Autobiografie Face The Music. Man darf aber annehmen, dass Kiss schon wussten, wenn sie da engagieren. In den Achtzigern ging es eben inspiriert von „König Edward“ Van Halen oft um instrumentale Pyrotechnik.) Aber immerhin: Kiss sind offiziell wieder vollzählig, die Platte läuft, und der ohne Zweifel musikalisch kompetente Mark Norton (wie St. John eigentlich heißt) spielt im Videoclip zu Heaven’s On Fire mit. Dann könnte es ja eigentlich ohne Drama und personelle Verwirrung vorwärts gehen, oder? Nicht ganz.

Tragische Probleme mit den Fingern

Als die Tour am 30. September 1984 im britischen Brighton startet, muss St. John/Norton aussetzen, denn er leidet mittlerweile unter reaktiver Arthritis (auch: Reiter-Krankheit), die seine Arme und vor allem Finger anschwellen lässt. Aus der personellen Konstanz wird also nichts. Für ihn übernimmt erstmal der New Yorker Bruce Kulick, der vorher unter anderem mit der Bat Out Of Hell-Tour von Meat Loaf unterwegs gewesen war. Die Kiss-Chefs kennen ihn über seinen Bruder Bob Kulick, der bereits 1973 mal vorgespielt und später heimlich im Studio ausgeholfen hatte. Bruce übernimmt sogar ebenfalls und auch inkognito ein paar Soloparts auf Animalize. Dabei erhält er schon den kryptischen Hinweis, sich erstmal nicht die Haare abzuschneiden…


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Der europäische Teil der Animalize World Tour dauert bis 5. November 1984 und beinhaltet auch sechs Shows in Deutschland (München, Offenbach, Nürnberg, Hannover, Düsseldorf, Ludwigshafen). Weil Kiss in den vergangenen Jahren kleinere Brötchen gebacken hatten und keiner mit dem Erfolg des Albums gerechnet hat, werden für die Termine die Bühnenaufbauten der Unmasked-Tour von 1980 (das war die mit Iron Maiden) einfach umdekoriert: Leopardenflecken und Tigerstreifen auf die Verstärker, fertig ist die visuelle Umsetzung des Animalize-Covers. Als Vorgruppe in Europa rockt übrigens eine Nachwuchsband aus New Jersey namens Bon Jovi mit, die sich nach eigenen Aussagen sehr genau anschaut, was die Veteranen so machen. Bei der ersten Show am 30. September stehen gleich fünf neue Songs auf der Kiss-Setlist, danach werden Burn Bitch Burn und Get All You Can Take nie mehr live gespielt. Ab 15. November geht es weiter für fünfeinhalb Monate quer durch Nordamerika, diesmal mit einem neuen und üppigeren Bühnenset. Als Supports fungieren Queensrÿche, W.A.S.P., Krokus und Dokken. 

Werbeanzeige für die US-Tour 1984: Dass hier noch das Line-up von 1983 abgebildet ist, zeigt die allgemeine Verwirrung zur Mannschaftsaufstellung von Kiss damals.

Kurzes Gastspiel, trauriges Ende

Eigentlich hat Mark St. John mit dem Job als Kiss-Leadgitarrist ja das große Los gezogen. Doch der unglückliche Flitzefinger spielt schlussendlich nur zweieinhalb Konzerte mit: Am 27. November steht er in Baltimore, Maryland für ein paar Songs auf Bühne, an den folgenden beiden Tagen für das ganze Set, danach muss Kulick wieder übernehmen. Weil es St. John gesundheitlich nicht besser geht, wird Bruce Kulick am 8. Dezember 1984 offiziell als neuer Sologitarrist verkündet. Seinem kurzzeitigen Vorgänger ergeht es in den Folgejahren nicht gut: Musikalische Projekte unter anderem mit Ex-Kiss-Trommler Peter Criss zünden nicht, Geschichten über Drogenprobleme machen die Runde, 2006 kommt St. John/Norton sogar zeitweilig ins Gefängnis, wo er in einer gewalttätigen Auseinandersetzung schwer verletzt wird. Wenige Monate später, am 5. April 2007, stirbt er mit 51 Jahren, auch an den Folgen der Attacke. Traurig.

Endlich mal Ruhe im Personalbüro: Ab Ende 1984 gehört Bruce Kulick (2.v.r.) offiziell zu Kiss und bleibt auch für zwölf Jahre.

Für Kiss geht die Show weiter, die Tour erweist sich als die erfolgreichste seit Jahren. Am 8. Dezember schneiden sie das Konzert in Detroit (Rock City) mit und veröffentlichen es als Animalize Live Uncensored. In dem Video regieren die Achtziger mit schreiend bunten Klamotten, anzüglichem Ansagen, Soloeinlagen aller Mitglieder und einem ziemlich flotten, quasi metallischen Tempo bei allen Songs.

Generell geht es jetzt aufwärts: Mit dem Lineup Paul Stanley, Gene Simmons, Eric Carr und Bruce Kulick kommt für ein paar Jahr endlich mal Stabilität ins Bandgefüge, und auch das nächste Album Asylum (1985) bekommt ein schickes Platinmäntelchen. Aber einfach bleiben die Achtziger für unsere Helden nicht. Mehr dazu erzählen wir ein andermal.

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

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