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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.6.1950 kommt Klaus Lage zur Welt. Vielleicht macht es sogar „Zoom“.

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Foto: Richard Marszall/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.5.1950.

von Christof Leim

„1000 Mal berührt, 1000 Mal ist nix passiert“: Den Song mit dem „Zoom“ kennen wir wirklich alle. Damit landet Klaus Lage 1984 einen richtig dicken Hit und gehört fortan zum Soundtrack der deutschen Achtziger. Doch der Sänger war schon vorher da und ist es auch noch lange danach. Ein Rückblick zum Geburtstag.

Hier könnt ihr die besten Klaus-Lage-Songs hören:

Natürlich klingen die großen Platten von Klaus Lage voll nach der Dekade, in der sie entstanden sind. „Sign of the times“ würde man im Englischen vielleicht dazu sagen. Zum oberflächenversiegelten Tanz-Wave-Pop des Jahrzehnts passt der gitarrenbasierte Rock mit Liedermacher-Attitüde und sozialem Gewissen allerdings nicht, ganz zu schweigen von den Texten, in denen es immer ordentlich menschelt. Klaus Lage wird persönlich mit und gegenüber den Leuten in seinen Songs, und manchmal ist er das auch selber. Abstrakte Betrachtungen und Fantasiewelten sind seine Sache nicht.

Abschied aus der „Friend zone“

Die Geschichte von 1000 und 1 Nacht (Zoom!) über einen überraschenden, verwirrenden Abschied aus der „Friend zone“ jedenfalls können die meisten von uns nachfühlen, die Aussage von Monopoli muss man selbst ohne viel eigenen sozialkritischen Schwung als zeitlos bezeichnen. Und Wieder zuhaus zeichnet ein plausibles Bild von kleindeutscher Spießigkeit (und bedient gleichzeitig unser aller Nostalgie-Bedürfnis).

Die Klaus Lage Band – Foto: Promo

In den Zeiten seines großen Erfolges befindet sich Klaus Lage in bester Gesellschaft mit Grönemeyer, Westernhagen, Nena, Maffay, Lindenberg und so weiter. Lage schafft es deshalb natürlich auch in den Text von Deutschrockgirl, der Verhohnepiepelung der damaligen Deutschrock-Szene durch die berühmten Deutschrocker Die Ärzte aus Berlin (aus Berlin!). Mit Lennon-Brille, Vollbart, Jeansjacke und angerauter Stimme gilt Klaus Lage als der deutsche Joe Cocker, bei dem es auf die Musik und die Aussage ankommt, nicht auf das Styling. Kein Plastikpop, kein wildes Geballer. „Echt“ möchte man hier als zwar generisches, aber echt passendes Attribut zücken. Und genau damit prägt der Sänger den Sound der Achtziger in Deutschland.

Aus der Heide nach Berlin

Auf die Welt kommt Klaus Lage am 16. Juni 1950 in Soltau, in der Lüneburger Heide also. Seine Schulzeit absolviert er in Düsseldorf, kehrt zurück aufs Land und schickt sich an, Großhandelskaufmann zu werden. Was Ordentliches machen, klar. Doch irgendwie ist das alles zu eng, also geht der Zwanzigjährige wie es sich damals wohl gehört nach Berlin. Die Lehre wird beendet, Lage betätigt sich als Erzieher und Sozialarbeiter, was man seinen Texten später irgendwie auch anhört. Und das ist nicht mal negativ gemeint.

Krachmusik spielt ohnehin die wichtigste Rolle: Während der Siebziger tourt der Sänger mit dem Berliner Rock-Ensemble (BRE) durch Deutschland. Die Resonanzen halten sich in Grenzen, deshalb heißt die erste Single 1978 auch Alle ham’s geschafft außer mir. Zwei Alben kommen: Musikmaschine (1980) und Positiv (1982), das Stück Komm, halt mich fest schlägt ein paar kleine Kräuselwellen. Klaus Lage ist da schon über 30, aber jetzt dauert’s auch nicht mehr lange.

Durchbruch mit Zoom

Denn 1983 erscheint das Album Stadtstreicher: Wolf Maahn hat zum ersten Mal produziert, das Lied Mit meinen Augen wird ein erster Hit. Damit nimmt die Klaus Lage Band aber nur Anlauf, denn 1984 kommt Schweißperlen. Und mit der Platte hat es dann – die Formulierung ist einmal in jedem Text über Klaus Lage verpflichtend – „Zoom gemacht“. 1000 und 1 Nacht (Zoom!) schießt auf Platz fünf der Single-Charts und hält sich dort mehrere Monate, von Juni bis November 1984. 

Die von Keyboarder Göran Walger komponierte und von Lage sowie dem späteren Politiker Dieter Dehm betextete Nummer wird zum Hit, wie er im Buche steht. Sie gehört auf jede Kompilation, die irgendwas mit Party oder Achtziger oder deutscher Rockmusik zu tun hat, läuft in den (entsprechend retroaffinen) Radiosendern heute noch, lässt sich auf jeder nächtlichen Sause singen und am Lagerfeuer schmettern. Sie erfährt unzählige Neuauflagen durch Könner wie Roger Cicero oder James Last und wird von Apres-Ski-Kirmestechno-Umpf-Umpf-Dumpfbirnen misshandelt. Kurz gesagt: Wenn die drei Songwriter mal einen schlechten Tag haben, dann schauen sie einfach kurz in ihre GEMA-Abrechnung.

Hart wie Schimmi

Die folgenden Singles Wieder zuhause und Monopoli laufen ähnlich gut, das Album klettert auf Platz 3 und bleibt ein Jahr in den Charts, späterer Platinüberzug inklusive. Damit ist Klaus Lage Mitte der Achtziger ein Rockstar und eine feste Größe in der deutschsprachigen Musiklandschaft.

Leder, Jeans und zwei getönte Brillen: Götz George und Klaus Lage 1985

Eine Pause gibt es nicht: 1985 folgt Heiße Spuren mit dem Top-Ten-Erfolg Faust auf Faust, dem Song zum ersten Schimanski-Kinofilm Zahn um Zahn (1985). Hauptdarsteller Götz George soll die Nummer „richtig stark“ gefunden haben, als Klaus Lage sie ihm nach der gemeinsamen Fotosession zum Singlecover am Flughafen nervös über einen Walkman vorspielt. Nervös macht uns vor allem die Kleiderwahl der beiden auf dem Bild. Ah, die Achtziger. Von Faust auf Faust gibt es übrigens sogar eine englischsprachige Variante namens Fists Of Steel. Hätte bei Manowar auch nicht anders geklungen. Und für den zweiten Schimanski-Film Zabou (1987) steuert Lage das Lied Now That You’re Gone bei, das Joe Cocker singt.

Langeweile kommt nicht auf

Amtlich schlägt 1987 mit richtig guten Songs (Du kriegst deins, Nie wieder Kind) in die gleiche Kerbe und lässt den Sänger Stammgast in den Hitparaden bleiben. Der obligatorische Konzertmitschnitt Mit meinen Augen…Lage live kommt 1986, weitere Alben folgen regelmäßig. Der Zeitgeist zieht weiter, aber Klaus Lage geht nirgendwo hin, sondern auf Tour. 1995 gibt er die Hauptrolle in einem Musical namens Stars und singt die deutschen Versionen der Lieder in Toy Story. 

Klaus Lage steht weiter auf der Bühne, auch mal solo – Foto: Wolfgang Hoffmann/Promo

Lage tritt mit seinem Keyboarder Bo Heart als Duo auf, später auch solo nur mit seiner Akustikgitarre. Die Musik wird ruhiger, die Texte bleiben persönlich und aufmerksam. Er beteiligt sich an der Initiative „Deutsches Rockradio“ und unterstützt die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Im neuen Jahrtausend produziert er zudem noch Hörbücher für große Verlage und mit bekannten Stimmen.

Solange die Stimme hält

Über sein Privatleben hingegen gibt der verheiratete Familienvater, der seit 2008 in Bremen lebt, wenig preis. “Ich bin Opa, das ist schön“, sagt er im Stern, der Rest gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Alben erscheinen regelmäßig, Klaus Lage hat immer noch was zu singen und zu sagen. „Am Tag nach meinem Geburtstag gehen wir ins Studio. Und dann nehmen wir eine Swingplatte auf“, erklärt er. Das Wichtigste: „Mit guten Musikern zu spielen. Solange die Stimme noch hält, mache ich das.“ Da kann man zum Geburtstag ruhig mal applaudieren.

Zeitsprung: Am 14.1.1983 erscheint „Nena“ – und die Luftballons fliegen bis nach Amerika.

Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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