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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste weibliche Rockband.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.8.1975.

von Timon Menge und Christof Leim

Revierkämpfe, Besetzungswechsel, Missbrauchsvorwürfe: The Runaways haben eine bewegte Geschichte hinter sich – und Geschichte geschrieben als erste weibliche Rockband. Am 5. August 1975 wurde der Grundstein gelegt.


Hört hier in die Musik der Runaways rein:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Großen Anteil an der Bandgründung trägt Produzent Kim Fowley: Er ist es, der Schlagzeugerin Sandy West in den Glam-Clubs von Los Angeles entdeckt und sie mit Gitarristin Joan Jett und Bassistin „Micki“ Steele bekanntmacht. Wenig später steigt Sängerin Cherie Currie ein, ebenso Leadgitarristin Lita Ford. Fowley ist kein unbeschriebenes Blatt und hat bereits mit Modern Lovers, Helen Reddy und den US-amerikanischen Proto-Hard-Rockern Blue Cheer gearbeitet. Außerdem macht er sich in den Siebzigern als Co-Autor für KISS und Alice Cooper verdient.

Natürlich erlebt die Truppe die üblichen Line-up-Kapriolen bei der Selbstfindung, denn Micki Steele bleibt nicht lange in der Band, an ihre Stelle tritt Jackie Fox. (Steele wechselt übrigens 1984 zu den Bangels und veröffentlicht mit ihnen vier Alben. Sie ist es also auch, die den Bass für die Bangles-Superhits Manic Monday und Walk Like An Egyptian einspielt.)

Geführt von Fowley, einem geschickten Mythenmacher und PR-Experten, unterschreiben The Runaways die Band im Jahr 1976 einen Plattenvertrag mit Mercury Records. Im gleichen Jahr erscheint das Debüt The Runaways. An den Sessions dazu nimmt Bassistin Fox nicht teil, an ihrer Stelle wird Ex-Blondie-Musiker Nigel Harrison verpflichtet. Mitte der Siebziger fällt eine Band, die  nur aus jungen Damen besteht, durchaus auf. Heutzutage würde darüber kaum noch jemand reden, damals öffnen die Runaways einige Türen für viele Musikerinnen, die folgen sollten.

Allerdings kippt ein Jahr nach der Veröffentlichung der ersten Platte die Stimmung in der Band. Immer wieder geraten Cherie Currie und Lita Ford aneinander, bis Currie aussteigt, um eine Solokarriere mit ihrer Zwillingsschwester zu starten. Das Mikro übernimmt Joan Jett. Kurze Zeit später wird auch Produzent Fowley gefeuert und durch Toby Mamis ersetzt, der bereits mit Suzi Quattro und Blondie gearbeitet hat.

The Runaways bringen es auf drei weitere Studiowerke, nämlich Queens Of Noise (1977), Waitin’ For The Night (1977) sowie And Now…The Runaways (1978), zwischendurch schieben sie noch den Konzertmitschnitt Live In Japan (1977) ein.

1979 ist die Band dann endgültig am Ende, und jede der Frauen geht ihrer Wege: Joan Jett und Lita Ford legen erfolgreiche Solokarrieren hin, Jackie Fox arbeitet als Anwältin. Die Karriere von Sandy West stagniert, sie hält sich mit Jobs außerhalb des Musikgeschäfts über Wasser, bevor sie im Jahr 2006 an Lungenkrebs stirbt.



1984 schließlich erwirbt Kim Fowley die Namensrechte an The Runaways zurück und gründet erneut eine Band; diesmal um die neuseeländische Sängerin Gayle Welch. Das Projekt bleibt erfolglos.

Im Sommer 2015 bezichtigt Jackie Fox (heute: Jackie Fuchs) Kim Fowley posthum der Vergewaltigung. Fowley war im Januar zuvor an Krebs gestorben. Ihrer Aussage nach sollen die Bandkolleginnen Joan Jett und Cherie Currie dabei gewesen sein und die Tat gesehen haben. Publik werden die Vorwürfe durch einen Artikel in der Huffington Post. Dort steht zu lesen, dass sich die damals 16 Jahre junge Musikerin am Silvesterabend 1975 in einem Motel in Orange County befand, wo sie sich mit Schlafmitteln betäubte, die sie von einem der Roadies erhalten hatte. Als sie wieder zu sich kam, habe Kim Fowley sie gerade vergewaltigt, während einige Menschen dabei zusahen, darunter auch Cherie Currie. Niemand habe die Polizei gerufen, weil Fowley die anderen Musikerinnen eingeschüchtert habe. Sowohl Jett als auch Currie bestreiten die Vorwürfe.

Die Geschichte von The Runaways verlief alles andere als geradlinig; dennoch nimmt sie Einfluss auf Musikerinnen (und Musiker) in aller Welt. Im Jahr 2010 kommt sogar ein 106-minütiges Biopic in die Kinos.



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