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Popkultur

Schwarze Wucht: Zum 30. Jubiläum des „Black Album“ von Metallica

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Metallica

"Am 12. August 1991 kracht ein schwarzer Monolith auf Erde: Metallica veröffentlichen Metallica. „Die Schwarze“ oder auch The Black Album klingt zugänglicher, konzentrierter, mächtiger – und wird zum erfolgreichsten Metal-Album aller Zeiten. Hier seine Geschichte.

von Christof Leim

Hier könnt ihr Metallica anhören:

Im Sommer 1990 wollen es Metallica wissen: Sie gehören zu den größten Bands im Metal, an der Spitze der Thrash-Welle stehen sie sowieso. Mit dem komplexen Rifffeuerwerk …And Justice For All haben sie 1988 nicht nur die US-Top Ten und das Musikfernsehen geknackt, sondern sich weltweit als Headliner etabliert.

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Doch der kompositorische Weg ist ausgereizt: Noch verschachtelter, noch thrashiger als auf Justice geht es nicht, zumindest nicht, wenn das nicht zum Selbstzweck verkommen soll. Das Format langer Metal-Songs mit siebenhundert Riffs und dauerdurchgedrücktem Gaspedal langweilt James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted zusehends. „Auf sicher“ zu spielen und Justice II zu schreiben, ist keine Option. Metallica wollen den Erfolg, sie wollen ihre Musik noch größer, noch besser machen und sie auch besser klingen lassen.


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Neuer Fokus

Dazu brauchen sie einen neuen Ansatz, nicht zuletzt beim Produzenten: Der Kanadier Bob Rock hatte sie mit seiner Arbeit für Sonic Temple von The Cult und insbesondere Dr. Feelgood von Mötley Crüe mit seinem unglaublich wuchtigen Drumsound beeindruckt. Rock wiederum kannte die Thrash-Könige nur am Rande und stand eigentlich im Wort bei seinem Kumpel Richie Sambora von Bon Jovi für dessen erstes Soloalbum. Doch er entscheidet sich für Metallica und will das Album nicht nur wie angedacht abmischen, sondern komplett produzieren. Die Metal-Szene-Polizei heult natürlich sofort rum, aber Hetfield sagt zu Recht: „Klingen Bon Jovi plötzlich wie Metallica, wenn Flemming Rasmussen sie produziert?“

Metallica

Die Entscheidung erweist sich als goldrichtig: Rock bricht liebgewonnene Arbeitsweisen auf und richtet den Blick auf den Kern der Songs, auf den Vibe und auch auf Groove – Parameter, die der perfekten und mit Überschall getackerten Riffwelt bisher keine große Rolle einnahmen. Die Platte soll kein auf ein Raster genageltes Metal-Reißbrett werden, weswegen er die die Jungs die Basic Tracks (vor allem der Drums) auch zusammen einspielen lässt. Rock scheut sich auch nicht, Metallica in ihre Songs reinzureden, was zu ständigen, harten und nervtötenden Diskussionen und so viel Streit führt, dass die Parteien nach der Produktion tatsächlich erstmal eine ganze Weile nicht miteinander reden.

Rocks Ansatz passt zu dem Material, das Lars und James in zwei Monaten im Keller des Drummers zusammengesetzt haben. Die Songs sind langsamer und kürzer als früher, kommen mit wenigen Riffs aus und deshalb besser zum Punkt, doch als simpel und billig entpuppen sie sich bei genauerem Hinsehen nicht. Natürlich entfernen Metallica sich damit von der reinen Thrash-Lehre, doch von kindischen Underground-Werten lassen sich die Musiker seit 1984 nicht beeindrucken, und mit Nische und Untergrund hat es wenig tun, was da gerade entsteht. Die neue Musik klingt größer, zugänglicher und unbeschränkter als früher.

Nachtriffs & Monsterwalzen

Gleich der erste geschriebene Song gibt die Marschrichtung vor: Enter Sandman basiert auf einem Riff von Kirk, dass ihm nachts um zwei und inspiriert von Soundgardens Louder Than Love aus der Gitarre gefallen war. Nach einem kleinen Umbau durch Lars entsteht daraus ein Ohrwurm erster Güte, auf dem das gesamte Stück aufbaut. Enter Sandman erscheint zwei Wochen vor der Platte als erste Single und wird, ganz einfach gesagt, zum Megahit. Mehr Fakten zu der Nummer findet ihr hier.

Für das folgende Sad But True stimmen Metallica ihre Gitarren tiefer, lassen ihrem inneren Godzilla freien Lauf und konzentrieren sich auf Groove, Wucht und Heaviness. Alleine das Hauptriff ist so heavy, dass sich das Erdgravitationsfeld verbiegt. Ursprünglich spielen Metallica das Ding ein Stück schneller, aber Bob Rock regt an, sich zurückzulehnen. Sad But True genießt lange den Status eines Livestandards und erscheint als fünfte und letzte Single mehr als anderthalb Jahre nach dem Album – was zeigt, wie lange die Platte „heiß“ und die Band auf Tour bleibt. Bob Rock zieht bei diesem Lied sogar Vergleiche mit Kashmir von Led Zeppelin, und das darf er auch.

Der kann ja singen!

Holier Than Thou weist mit zackigem Tempo und gehackten Riffs noch am ehesten Spuren der alten Thrash-Zeiten auf und wird vielleicht deswegen als erste Single gehandelt. Doch Lars besitzt die richtige Vision und setzt die in langen Diskussion durch: Von Anfang an sieht er in Enter Sandman die Nummer, mit der Metallica das neue Jahrzehnt einläuten sollten. Offensichtlich zu Recht. Und tatsächlich verlieren Metallica an Holier irgendwann die Lust: In 30 Jahren spielen sie das Stück weniger als 100 mal live, was man von Enter Sandman nicht behaupten kann (bis zum Jubiläum: 1356 Einsätze).

Eine Tradition ziehen die Kalifornier aber durch: Die Ballade kommt an vierter Stelle. Üblicherweise hören wir dann eine ruhige Strophe und einen lauten Chorus, aber Metallica drehen das für The Unforgiven um. Das Horn zu Beginn soll aus einem Ennio-Morricone-Soundtrack gemopst worden sein, die fingergepickte Konzertgitarre als Intro gibt dem Ganzen einen Westerncharakter. Im Chorus wiederum nimmt die Band die Dynamik zurück und lässt viel Raum für Hetfield, der hier ungewohnt „richtig“ singt. Die melodramatische Stimmung, der düstere Clip und die Massentauglichkeit lassen The Unforgiven zu einem Schlüsselstück werden, das als zweite Single ausgekoppelt wird und in späteren Jahren zwei „Sequels“ bekommt. Vom Video existiert sogar eine zwölfminütige „theatrical version“.

Versteckte Perlen & schwierige Verbindungen

Metallica gelten schon immer als Straßenköter, für das Black Album werden sie sogar an die 300 Shows abreißen. Wherever I May Roam thematisiert dieses Leben und klingt auch so: weit, frei und zielstrebig. Die vierte Single. Don’t Tread On Me gehört zu den „Deep Tracks“ der Platte, dabei steht das Lied gewissermaßen sogar auf dem Albumcover – in Form der Schlange, die wie der Titel von der so genannten Gadsen-Flagge aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg stammt. Im Intro zitieren Metallica sogar Leonard Bernsteins America aus West Side Story.

Historisch stehen Flagge, Schlange und Zeile für Freiheit, Unabhängigkeit und die Unterstützung des Militär. Diese patriotischen Konnotationen kommen nicht überall gut an, zumal die Flagge im neuen Jahrtausend zusehends Verwendung in reaktionären oder gar extremistischen Kreisen findet (etwa bei der Capitol-Erstürmung am 6. Januar 2021), was allerdings nur lose auf ihrer Historie beruht. Stattdessen kann man die Titelzeile vor allem im Wortsinn und auf die Band selbst bezogen verstehen: „Legt euch nicht mit uns an.“ Das wiederum passt bestens zum Anti-Establishment-Charakter vieler Metallica-Songs und darf durchaus auch als Kommentar zu erwartbarem Fan-Geschimpfe über die gemäßigtere Gangart auf dem Black Album gelesen werden darf. Zum Bühneneinsatz kam die Nummer erst ein Dutzend Mal.

Etwas für’s Herz

Mit Through The Never zeigen die Burschen dann, dass sie es durchaus noch schnell können, doch dann wird es ungewöhnlich melodisch: Nothing Else Matters ist zweifelsfrei einer der wichtigsten Metallica-Songs – und einer der weichesten, weswegen Hetfield ihn ursprünglich gar nicht für die Band verwenden wollte. Auch hier schreitet Lars ein und beweist die richtige Vision. Den Startschuss gibt ein offener E-moll-Akkord, den James während eines Telefonats auf Tour mit der rechten Hand zupfte – die andere Hand braucht man dazu gar nicht. Daraus entstand eine Megaballade, die nur während des Solos mal laut wird. Das spielt ausnahmsweise James, und auch sonst hört man Kirk in der Albumversion nicht. Hetfield zeigt hier erstaunlich viel Gefühl in Gesang und Text, was vor allem Bob Rocks Zuspruch zu verdanken ist. Sogar eine Orchesterbegleitung wird komponiert von Soundtrack-Guru Michael Kamen, doch da treten die vier Headbanger dann doch auf die Bremse. Sie verbannen Celli und Geigen weit in den Hintergrund.

Nothing Else Matters erscheint als dritte Single, wird ein MTV- und Radiostandard und bringt Metallica einem ganz neuen Publikum nahe. Heute lässt sich das Lied aus keiner Setlist mehr wegdenken und ebensowenig bei Lagerfeuersessions, Hochzeitsfeiern, Balladenmixtapes, Heiratsanträgen, Geburten und sonstigen Liebesbezeugungen. Wenn Möbelhauseröffnungen romantischer werden, würde Nothing Else Matters sicher auch da laufen. Heute lässt sich das Lied aus keiner Setlist mehr wegdenken und läuft überall, wo es romantisch wird.

Wenige Motive, geschickt variiert

Für Of Wolf And Man geht es dann raus in die Wildnis: Hetfield singt über seine Jagdleidenschaft und Verbindung zur Natur. Im Text des stampfenden The God That Failed klagt er schließlich den strengen christlichen Glauben seiner Eltern an, der ihnen verbat, medizinische Hilfe anzunehmen – und die an Krebs erkrankte Cynthia Hetfield das Leben kostet, als der spätere Rockstar noch ein Teenager war.

My Friend Of Misery entspringt einer Idee von Jason, der hier seinen zweiten von drei „Writing Credits“ in 14 Jahren Bandzugehörigkeit einfährt. Eigentlich sollte daraus ein Instrumental werden, wie es sie auf den letzten drei Metallica-Platten gegeben hat, doch Hetfield und Ulrich machen aus Jasons Riff einen düsteren, melancholischen Rock-Song. Das schnellste Stück der Platte kommt zum Schluss. The Struggle Within ballert mit 200bpm und viel Start-Stop-Riffing durch die Botanik.

Was ein Sound!

Diesen zwölf Songs verpasst Bob Rock einen Sound, der noch 30 Jahre später als Goldstandard gilt. Metallica klingt nahezu perfekt – groß, schwarz, breit und stark. Die Drums wirken so groß wie Mount Rushmore, Hetfields Gitarrenwand steht unverrückbar, ertönt dabei lebendig und rund. Zum ersten Mal zeigt sogar Newsteds Bass eine Wirkung, weil Bob Rock die Frequenzen sortiert und die vier Saiten von den sechs Saiten klanglich trennt. Die Songs besitzen Vibe und Swing, vor allem aber einen laserscharfen Fokus auf das Wesentliche, und doch sind sie unbestreitbar: Metal. 

Acht Monate verschanzen sich Metallica für die Aufnahmen in einen Studio namens One On One in Los Angeles, in dem schon Justice entstanden war. (Diese Dauerbesetzung des Studio nervt den japanischen Superstar Yoshiki so sehr, dass er es später kurzerhand kauft, damit das nicht nicht nochmal passiert.) Die Produktion von Metallica verschlingt eine Million Dollar und trägt wesentlich zum Ende der Ehen von Jason, Kirk und Lars bei. Am Ende wird selbst diese lange Zeit knapp, parallel zu den letzten Mixen müssen die Musiker schon das Sandman-Video drehen und erste Interviews geben. Premiere feiern die zwölf Songs bei einer öffentlichen Hörprobe im legendären Madison Square Garden in New York am 3. August 1991 für 19.000 Fans.

Epilog

Schnell stellt sich heraus: Metallica haben es geschafft, sie haben den nächsten Schritt getan. Folgerichtig knallt die Platte auf Platz eins der Charts in den USA, ebenso in Deutschland und acht weiteren Ländern. Heute gehört Metallica zu den meistverkauften Alben aller Zeiten; seit 1991 (und Einführung des elektronischen Zählsystems) hat sich keine Platte in den USA häufiger verkauft. Insgesamt verbrachte das Werk bisher über 550 (!) Wochen in den amerikanischen Albumcharts Billboard Top 200. 1992 erhalten die vier Musiker den Grammy für „Best Metal Performance“.

Metallica

Mit der Schwarzen zu Superstars: Jason Newsted, Lars Ulrich, Kirk Hammett, James Hetfield

Der Rest der Metal-Welt horcht auf: Megadeth, Testament und Annihilator beispielsweise drosseln ebenfalls das Tempo, das Gros der Thrash-Blase zieht sich in den Untergrund zurück, zumal die Metal-Welt ohnehin von neuen Sounds aus Seattle durchgeschüttelt wird. Metallica können dem gelassen entgegenblicken. Sie begeben sich erstmal auf eine mehrjährige Tour mit fast 300 Shows, von der sie als platindekorierte und schwerreiche Superstars zurückkehren.

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„Enter Sandman“: 8 überraschende Fakten zum Metallica-Klassiker

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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Rock Me: 10 Schwarze Künstler*innen, die die Rockmusik für immer verändert haben

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Popkultur

Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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Popkultur

The Ronettes: 6 wegweisende Songs der legendären Girlgroup

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The Ronettes
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 12. Januar 2022 starb Ronnie Spector, die Leadsängerin der geschichtsträchtigen The Ronettes. Die Girlgroup aus New York war in den 1960er-Jahren eine wegweisende Popgruppe, die sich in Sachen Sound und Image deutlich vom Durchschnitt abhob.

von Markus Brandstetter

Ab 1963 arbeitete die Gruppe mit der Produzentenlegende (und dem späteren verurteilten Mörder) Phil Spector zusammen, den die Sängerin auch heiratete. Unseren Nachruf auf Ronnie Spector findet ihr hier. Zu Ehren der Sängerin wollen wir uns heute durch die größten Hits und wichtigsten und wegweisenden Songs von The Ronettes hören und ein wenig ihre Historie und den Hintergrund der Stücke beleuchten.

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1. Good Girls

Good Girls war die letzte Single von The Ronettes, die die Band über ihr altes Label Colpix Records veröffentlichte. Die Single schaffte keinen Platz in den Charts, die Band  war deswegen schwer enttäuscht und trennte sich von ihrem alten Label. Neue Geschäftsmöglichkeiten taten sich auf, die Gruppe unterschrieb bei Phil Spectors Label Philles Records. Der kommerzielle Erfolg konnte damit beginnen. Good Girls, die Single vor dem Erfolg, war vielleicht nicht so wegweisend, wie das, was unter Spectors Produktion folgen sollte — ist aber dennoch ein eingängiger, erinnerungswürdiger  Song.

2. Be My Baby

Be My Baby stammt aus der Feder von Phil Spector, Jeff Barry und Ellie Greenwich und ist der größte Hit der Band. Wobei: Spector hat im Grunde nur deswegen einen Songwriting-Credit, weil seine Produktion eben Kernstück des Songs ist. Be My Baby wurde am 15. August 1963 als Single veröffentlicht und schaffte es auf Platz zwei der US-Popcharts. Darauf zu hören ist die Creme de la Creme der damaligen Studiomusiker*innen-Szene — unter anderem spielt die großartige Carol Kaye (gemeinsam mit Ray Pohlmann) Bass, dazu sind mit Tommy Tedesco, Billy Strange, Barney Kessel und Bill Pitman gleich vier Gitarristen zu hören. Und weil ein Keyboard für eine Wall of Sound nicht reicht, sind auch vier Keyboarder mit dabei.

 3. Baby I Love You

Nachdem Be My Baby ein Erfolg wurde, war in Phil Spector der Ehrgeiz geweckt, nachzulegen. Allerdings gab es da ein Problem: The Ronettes sollten eigentlich touren. Ronnie blieb bei Phil im Studio, Estelle und Nedra gingen auf Tour, mit Verstärkung der Cousine Elaine. Weil man aber weitere Stimmen beim Aufnehmen brauchte, halfen Bekannte aus: So übernahmen Cher, Sonny Bono und Darlene Love die Backing Vocals auf dem Stück. Am Piano: der große Leon Russell.

 4. (The Best Part Of) Breakin’ Up

„Wenn Phil einen Song so sehr liebte wie (The Best Part of) Breakin’ Up, konnte er tagelang daran arbeiten, ohne jemals müde zu werden. Er verbrachte Stunden damit, die Harmonien mit Nedra und Estelle auszuarbeiten, und sprang jedes Mal auf und ab, wenn er etwas hörte, das ihm gefiel“, erinnerte sich Ronnie Spector in ihrer Autobiografie an die Aufnahmen zu  (The Best Part Of) Breakin’ Up.

 5. Do I Love You?

Junge Liebe – davon handelt Do I Love You?, das die Ronettes 1964 mit dem Song Bebe And Susu als B-Seite veröffentlichten. Geschrieben wurde der Song von Phil Spector, Pete Andreoli and Vini Poncia.

6. Walkin’ In The Rain (1964)

Walkin’ In The Rain — geschrieben von Barry Mann, Phil Spector und Cynthia Weil, wurde im Laufe der Jahre oft gecovert — unter anderem von The Walker Brothers und Jay & The Americans. The Ronettes, für die der Song geschrieben wurde, landeten 1964 damit auf Platz 23 der Billboard Top 100 Song, in den Billboard R&B Charts war sogar Platz 8 drin.

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Riot Girls: Die Musikerinnen, die die Welt veränderten

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