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Popkultur

Schwarze Wucht: Zum 30. Jubiläum des „Black Album“ von Metallica

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Metallica

"Am 12. August 1991 kracht ein schwarzer Monolith auf Erde: Metallica veröffentlichen Metallica. „Die Schwarze“ oder auch The Black Album klingt zugänglicher, konzentrierter, mächtiger – und wird zum erfolgreichsten Metal-Album aller Zeiten. Hier seine Geschichte.

von Christof Leim

Hier könnt ihr Metallica anhören:

Im Sommer 1990 wollen es Metallica wissen: Sie gehören zu den größten Bands im Metal, an der Spitze der Thrash-Welle stehen sie sowieso. Mit dem komplexen Rifffeuerwerk …And Justice For All haben sie 1988 nicht nur die US-Top Ten und das Musikfernsehen geknackt, sondern sich weltweit als Headliner etabliert.

Doch der kompositorische Weg ist ausgereizt: Noch verschachtelter, noch thrashiger als auf Justice geht es nicht, zumindest nicht, wenn das nicht zum Selbstzweck verkommen soll. Das Format langer Metal-Songs mit siebenhundert Riffs und dauerdurchgedrücktem Gaspedal langweilt James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted zusehends. „Auf sicher“ zu spielen und Justice II zu schreiben, ist keine Option. Metallica wollen den Erfolg, sie wollen ihre Musik noch größer, noch besser machen und sie auch besser klingen lassen.


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Neuer Fokus

Dazu brauchen sie einen neuen Ansatz, nicht zuletzt beim Produzenten: Der Kanadier Bob Rock hatte sie mit seiner Arbeit für Sonic Temple von The Cult und insbesondere Dr. Feelgood von Mötley Crüe mit seinem unglaublich wuchtigen Drumsound beeindruckt. Rock wiederum kannte die Thrash-Könige nur am Rande und stand eigentlich im Wort bei seinem Kumpel Richie Sambora von Bon Jovi für dessen erstes Soloalbum. Doch er entscheidet sich für Metallica und will das Album nicht nur wie angedacht abmischen, sondern komplett produzieren. Die Metal-Szene-Polizei heult natürlich sofort rum, aber Hetfield sagt zu Recht: „Klingen Bon Jovi plötzlich wie Metallica, wenn Flemming Rasmussen sie produziert?“

Metallica

Die Entscheidung erweist sich als goldrichtig: Rock bricht liebgewonnene Arbeitsweisen auf und richtet den Blick auf den Kern der Songs, auf den Vibe und auch auf Groove – Parameter, die der perfekten und mit Überschall getackerten Riffwelt bisher keine große Rolle einnahmen. Die Platte soll kein auf ein Raster genageltes Metal-Reißbrett werden, weswegen er die die Jungs die Basic Tracks (vor allem der Drums) auch zusammen einspielen lässt. Rock scheut sich auch nicht, Metallica in ihre Songs reinzureden, was zu ständigen, harten und nervtötenden Diskussionen und so viel Streit führt, dass die Parteien nach der Produktion tatsächlich erstmal eine ganze Weile nicht miteinander reden.

Rocks Ansatz passt zu dem Material, das Lars und James in zwei Monaten im Keller des Drummers zusammengesetzt haben. Die Songs sind langsamer und kürzer als früher, kommen mit wenigen Riffs aus und deshalb besser zum Punkt, doch als simpel und billig entpuppen sie sich bei genauerem Hinsehen nicht. Natürlich entfernen Metallica sich damit von der reinen Thrash-Lehre, doch von kindischen Underground-Werten lassen sich die Musiker seit 1984 nicht beeindrucken, und mit Nische und Untergrund hat es wenig tun, was da gerade entsteht. Die neue Musik klingt größer, zugänglicher und unbeschränkter als früher.

Nachtriffs & Monsterwalzen

Gleich der erste geschriebene Song gibt die Marschrichtung vor: Enter Sandman basiert auf einem Riff von Kirk, dass ihm nachts um zwei und inspiriert von Soundgardens Louder Than Love aus der Gitarre gefallen war. Nach einem kleinen Umbau durch Lars entsteht daraus ein Ohrwurm erster Güte, auf dem das gesamte Stück aufbaut. Enter Sandman erscheint zwei Wochen vor der Platte als erste Single und wird, ganz einfach gesagt, zum Megahit. Mehr Fakten zu der Nummer findet ihr hier.

Für das folgende Sad But True stimmen Metallica ihre Gitarren tiefer, lassen ihrem inneren Godzilla freien Lauf und konzentrieren sich auf Groove, Wucht und Heaviness. Alleine das Hauptriff ist so heavy, dass sich das Erdgravitationsfeld verbiegt. Ursprünglich spielen Metallica das Ding ein Stück schneller, aber Bob Rock regt an, sich zurückzulehnen. Sad But True genießt lange den Status eines Livestandards und erscheint als fünfte und letzte Single mehr als anderthalb Jahre nach dem Album – was zeigt, wie lange die Platte „heiß“ und die Band auf Tour bleibt. Bob Rock zieht bei diesem Lied sogar Vergleiche mit Kashmir von Led Zeppelin, und das darf er auch.

Der kann ja singen!

Holier Than Thou weist mit zackigem Tempo und gehackten Riffs noch am ehesten Spuren der alten Thrash-Zeiten auf und wird vielleicht deswegen als erste Single gehandelt. Doch Lars besitzt die richtige Vision und setzt die in langen Diskussion durch: Von Anfang an sieht er in Enter Sandman die Nummer, mit der Metallica das neue Jahrzehnt einläuten sollten. Offensichtlich zu Recht. Und tatsächlich verlieren Metallica an Holier irgendwann die Lust: In 30 Jahren spielen sie das Stück weniger als 100 mal live, was man von Enter Sandman nicht behaupten kann (bis zum Jubiläum: 1356 Einsätze).

Eine Tradition ziehen die Kalifornier aber durch: Die Ballade kommt an vierter Stelle. Üblicherweise hören wir dann eine ruhige Strophe und einen lauten Chorus, aber Metallica drehen das für The Unforgiven um. Das Horn zu Beginn soll aus einem Ennio-Morricone-Soundtrack gemopst worden sein, die fingergepickte Konzertgitarre als Intro gibt dem Ganzen einen Westerncharakter. Im Chorus wiederum nimmt die Band die Dynamik zurück und lässt viel Raum für Hetfield, der hier ungewohnt „richtig“ singt. Die melodramatische Stimmung, der düstere Clip und die Massentauglichkeit lassen The Unforgiven zu einem Schlüsselstück werden, das als zweite Single ausgekoppelt wird und in späteren Jahren zwei „Sequels“ bekommt. Vom Video existiert sogar eine zwölfminütige „theatrical version“.

Versteckte Perlen & schwierige Verbindungen

Metallica gelten schon immer als Straßenköter, für das Black Album werden sie sogar an die 300 Shows abreißen. Wherever I May Roam thematisiert dieses Leben und klingt auch so: weit, frei und zielstrebig. Die vierte Single. Don’t Tread On Me gehört zu den „Deep Tracks“ der Platte, dabei steht das Lied gewissermaßen sogar auf dem Albumcover – in Form der Schlange, die wie der Titel von der so genannten Gadsen-Flagge aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg stammt. Im Intro zitieren Metallica sogar Leonard Bernsteins America aus West Side Story.

Historisch stehen Flagge, Schlange und Zeile für Freiheit, Unabhängigkeit und die Unterstützung des Militär. Diese patriotischen Konnotationen kommen nicht überall gut an, zumal die Flagge im neuen Jahrtausend zusehends Verwendung in reaktionären oder gar extremistischen Kreisen findet (etwa bei der Capitol-Erstürmung am 6. Januar 2021), was allerdings nur lose auf ihrer Historie beruht. Stattdessen kann man die Titelzeile vor allem im Wortsinn und auf die Band selbst bezogen verstehen: „Legt euch nicht mit uns an.“ Das wiederum passt bestens zum Anti-Establishment-Charakter vieler Metallica-Songs und darf durchaus auch als Kommentar zu erwartbarem Fan-Geschimpfe über die gemäßigtere Gangart auf dem Black Album gelesen werden darf. Zum Bühneneinsatz kam die Nummer erst ein Dutzend Mal.

Etwas für’s Herz

Mit Through The Never zeigen die Burschen dann, dass sie es durchaus noch schnell können, doch dann wird es ungewöhnlich melodisch: Nothing Else Matters ist zweifelsfrei einer der wichtigsten Metallica-Songs – und einer der weichesten, weswegen Hetfield ihn ursprünglich gar nicht für die Band verwenden wollte. Auch hier schreitet Lars ein und beweist die richtige Vision. Den Startschuss gibt ein offener E-moll-Akkord, den James während eines Telefonats auf Tour mit der rechten Hand zupfte – die andere Hand braucht man dazu gar nicht. Daraus entstand eine Megaballade, die nur während des Solos mal laut wird. Das spielt ausnahmsweise James, und auch sonst hört man Kirk in der Albumversion nicht. Hetfield zeigt hier erstaunlich viel Gefühl in Gesang und Text, was vor allem Bob Rocks Zuspruch zu verdanken ist. Sogar eine Orchesterbegleitung wird komponiert von Soundtrack-Guru Michael Kamen, doch da treten die vier Headbanger dann doch auf die Bremse. Sie verbannen Celli und Geigen weit in den Hintergrund.

Nothing Else Matters erscheint als dritte Single, wird ein MTV- und Radiostandard und bringt Metallica einem ganz neuen Publikum nahe. Heute lässt sich das Lied aus keiner Setlist mehr wegdenken und ebensowenig bei Lagerfeuersessions, Hochzeitsfeiern, Balladenmixtapes, Heiratsanträgen, Geburten und sonstigen Liebesbezeugungen. Wenn Möbelhauseröffnungen romantischer werden, würde Nothing Else Matters sicher auch da laufen. Heute lässt sich das Lied aus keiner Setlist mehr wegdenken und läuft überall, wo es romantisch wird.

Wenige Motive, geschickt variiert

Für Of Wolf And Man geht es dann raus in die Wildnis: Hetfield singt über seine Jagdleidenschaft und Verbindung zur Natur. Im Text des stampfenden The God That Failed klagt er schließlich den strengen christlichen Glauben seiner Eltern an, der ihnen verbat, medizinische Hilfe anzunehmen – und die an Krebs erkrankte Cynthia Hetfield das Leben kostet, als der spätere Rockstar noch ein Teenager war.

My Friend Of Misery entspringt einer Idee von Jason, der hier seinen zweiten von drei „Writing Credits“ in 14 Jahren Bandzugehörigkeit einfährt. Eigentlich sollte daraus ein Instrumental werden, wie es sie auf den letzten drei Metallica-Platten gegeben hat, doch Hetfield und Ulrich machen aus Jasons Riff einen düsteren, melancholischen Rock-Song. Das schnellste Stück der Platte kommt zum Schluss. The Struggle Within ballert mit 200bpm und viel Start-Stop-Riffing durch die Botanik.

Was ein Sound!

Diesen zwölf Songs verpasst Bob Rock einen Sound, der noch 30 Jahre später als Goldstandard gilt. Metallica klingt nahezu perfekt – groß, schwarz, breit und stark. Die Drums wirken so groß wie Mount Rushmore, Hetfields Gitarrenwand steht unverrückbar, ertönt dabei lebendig und rund. Zum ersten Mal zeigt sogar Newsteds Bass eine Wirkung, weil Bob Rock die Frequenzen sortiert und die vier Saiten von den sechs Saiten klanglich trennt. Die Songs besitzen Vibe und Swing, vor allem aber einen laserscharfen Fokus auf das Wesentliche, und doch sind sie unbestreitbar: Metal. 

Acht Monate verschanzen sich Metallica für die Aufnahmen in einen Studio namens One On One in Los Angeles, in dem schon Justice entstanden war. (Diese Dauerbesetzung des Studio nervt den japanischen Superstar Yoshiki so sehr, dass er es später kurzerhand kauft, damit das nicht nicht nochmal passiert.) Die Produktion von Metallica verschlingt eine Million Dollar und trägt wesentlich zum Ende der Ehen von Jason, Kirk und Lars bei. Am Ende wird selbst diese lange Zeit knapp, parallel zu den letzten Mixen müssen die Musiker schon das Sandman-Video drehen und erste Interviews geben. Premiere feiern die zwölf Songs bei einer öffentlichen Hörprobe im legendären Madison Square Garden in New York am 3. August 1991 für 19.000 Fans.

Epilog

Schnell stellt sich heraus: Metallica haben es geschafft, sie haben den nächsten Schritt getan. Folgerichtig knallt die Platte auf Platz eins der Charts in den USA, ebenso in Deutschland und acht weiteren Ländern. Heute gehört Metallica zu den meistverkauften Alben aller Zeiten; seit 1991 (und Einführung des elektronischen Zählsystems) hat sich keine Platte in den USA häufiger verkauft. Insgesamt verbrachte das Werk bisher über 550 (!) Wochen in den amerikanischen Albumcharts Billboard Top 200. 1992 erhalten die vier Musiker den Grammy für „Best Metal Performance“.

Metallica

Mit der Schwarzen zu Superstars: Jason Newsted, Lars Ulrich, Kirk Hammett, James Hetfield

Der Rest der Metal-Welt horcht auf: Megadeth, Testament und Annihilator beispielsweise drosseln ebenfalls das Tempo, das Gros der Thrash-Blase zieht sich in den Untergrund zurück, zumal die Metal-Welt ohnehin von neuen Sounds aus Seattle durchgeschüttelt wird. Metallica können dem gelassen entgegenblicken. Sie begeben sich erstmal auf eine mehrjährige Tour mit fast 300 Shows, von der sie als platindekorierte und schwerreiche Superstars zurückkehren.

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„Enter Sandman“: 8 überraschende Fakten zum Metallica-Klassiker

Popkultur

25 Jahre „Three Dollar Bill, Y’all“: Limp Bizkit starten ihren Kreuzzug des schlechten Geschmacks

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Limp Bizkit
Foto: Brenda Chase/Getty Images

Nu Metal ist längst auf dem Vormarsch, als Limp Bizkit mit ihrem Debüt Three Dollar Bill, Y’all um die Ecke biegen. Der provokante, für viele abstoßende White-Trash-Appeal von Fred Dursts wilder Bande ist 1997 für viele dann aber doch noch zu viel.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Three Dollar Bill, Y’all anhören:

Limp Bizkit liebt man oder hasst man. Dazwischen, so kann man nach 25 Jahren sicher sagen, gibt es nicht viel Spiel. Genau so wie es sich Fred Durst damals also vorstellte, als er zu Beginn der Neunziger eine Band gründet. Durst steht auf Hip-Hop ebenso wie auf Heavy Metal, skatet, liebt Tattoos, Beatboxen und Breakdancen. Ziemlich viel Cringe-Potential natürlich für einen weißen Dude Anfang 20 in North Carolina. Aber Hobbys sind eben Hobbys.

Nach Stippvisiten bei bedeutungslosen Lokalbands hat er genug und nimmt die Dinge einfach mal selbst in die Hand. Gesegnet mit jeder Menge Selbstbewusstsein, einen gewöhnungsbedürftigen Sinn für Humor und einer Vorliebe für Provokation kann er Bassist Sam Rivers und dessen Cousin, Jazz-Drummer John Otto von seinen Plänen überzeugen. Bald darauf wird das junge Glück ergänzt von Gitarrist Wes Borland. Als Durst einen zweiten Gitarristen an Bord holen will, um den Sound breiter und variabler zu gestalten, funkt Borland dazwischen: Nö, nix da, sagt der, ein Gitarrist reicht völlig. Stattdessen stößt DJ Lethal von House Of Pain zu der jungen Band, völlig begeistert davon, wie er sich hier im Vergleich zu seinen alten Hip-Hop-Buddies ausleben kann: Knallharter Sound, kompromisslose Attitüde, hohes Aggressionspotential und eine durchaus originelle Vermischung von Rap und Metal.

Das Beachtenswerte: Ohne es zu wissen, schart Fred Durst schon in den frühen Tagen ein Line-Up um sich, das bis zum heutigen Tag unverändert bleiben und gemeinsam über 40 Millionen Tonträger verkaufen soll. Nicht schlecht für die selbstgefälligen Visionen eines gelangweilten Twens mit großer Klappe. Aber das ist bei Fred Durst eben immer schon so: Große Klappe, was dahinter.

Schocken um jeden Preis

Er ist es auch, der seiner Band den Namen Limp Bizkit gibt. Er will die Menschen bewusst anwidern, will sie abschrecken und schon sehr frün die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich schon von diesem Namen abschrecken lässt, denkt er sich, ist für die Musik eh nicht bereit. Damit soll er Recht behalten: Mit ersten Demo-Songs erregen sie zwar durchaus die Aufmerksamkeit einiger Plattenfirmen, ausnahmslos wird jedoch verlangt, die Band solle ihren Namen ändern. Nicht mit Durst! Der sieht lieber mit Wohlwollen, wie sich seine Band eine Kult-Anhängerschaft erarbeitet. Klar, Korn und die Deftones feiern damals schon große Erfolge; für den expliziten, trashigen, inhaltlich fragwürdigen, überzeichneten bewusst geschmacklosen Nu-Metal-Abriss hat man damals aber einfach noch keine Schublade.

Fred Durst ist überall unterwegs, um für seine Band Werbung zu machen, gibt sich schon auch mal als deren Manager auf, um dick aufzutragen. Wes Borland derweil entwickelt sein Faible für bizarre Kostümierungen, die schon bald einer der Hauptgründe sind, weshalb immer mehr Menschen zu Shows von Limp Bizkit kommen. Irgendwie kann Durst sogar Korn davon überzeugen, seine Band mit auf Tour zu nehmen, obwohl sie damals noch nicht mal einen Plattenvertrag haben.

Geschmacklos und stolz drauf

Den gibt es dann irgendwann doch – und natürlich ohne Namensänderung. Fred Durst kennt die Mechanismen der Industrie zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckend gut. Dass er das Limp-Bizkit-Debüt trotzdem Three Dollar Bill, Y’all nennen muss – Queer as a three dollar bill ist eine homophobe Beleidigung –, ist mehr als nur ein Kopfschütteln wert. Aber da hat er sich eben schon eingeschossen auf seine Antihaltung, auf sein gezieltes Anecken, Anwidern, Anpissen.

Was George Michael wohl davon hielt?

Dafür hätte allein der Sound der Platte gereicht: Was am 1. Juli 1997 erscheint, ist ein verstörend hart produziertes, chaotisches, wütendes Album, das hörbar von Tool oder den Deftones geprägt ist, aber zu gleichen Teilen mit breitbeinigem Rap-Gehabe aufwartet und völlig unsubtil auf die Fresse gibt. Pollution ist ihr erster kleiner Hit, mit Counterfeit machen sie sich schon auf ihrem Debüt über Bands lustig, die sie kopieren. Klar, auch ihr anarchisches, tollwütiges Cover von George Michaels Faith, in Undergroundkreisen damals längst Legende, findet sich auf Three Dollar Bill, Y’all wieder. „Wir wussten, dass wir nur auffallen können, wenn wir die Leute schocken“, so Wes Borland damals. „Das bewegt die Leute.“

Scheint zu klappen: Nach dem Release touren sie im Vorprogramm ihrer Helden von Faith No More (wenn auch vor einem sehr ablehnenden Publikum), werden mehr und mehr von MTV entdeckt. Das Album wird zum Erfolg und zündet eine neue Stufe in Sachen Nu-Metal-Welteroberung. Man muss nicht mögen, wie Fred Durst in seinen Texten mit Frauen umgeht; man muss aber immer im Hinterkopf behalten, worum es ihm seit Tag eins bei dieser Band geht: Darum, dass sich die Menschen angewidert abwenden. Das zumindest ist spätestens 1999 allerdings passé: Der Nachfolger Significant Other verkauft sich gleich mal 16 Millionen Mal. Liebe oder Hass: Respekt vor Fred Dursts genialer Strategie muss man haben. Und die Songs, die knallen auch 25 Jahre später noch.

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10 Songs, die jeder Limp-Bizkit-Fan kennen muss

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Popkultur

Scum: Napalm Death und ihr Split-Album mit sich selbst

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Scum Album Cover

„"40 Songs in 33 Minuten: Zeitverschwendung kann man Napalm Death auf Scum wahrlich nicht vorwerfen. Bei der Produktion der Platte sieht das ein wenig anders aus, denn das Debüt der Briten erscheint in zwei Etappen — und am Ende sind darauf quasi zwei unterschiedliche Bands zu hören.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Scum anhören:

Kaum eine Band hat die Extreme der Krachmusik derart ausgelotet wie Napalm Death aus Birmingham. 1981 gegründet, startet die Gruppe ab 1985 so richtig durch. Napalm Death spielen zu jener Zeit regelmäßig im Birminghamer Club The Mermaid, wo sie nicht nur allein auf der Bühne stehen, sondern auch so ziemlich jede Band von außerhalb supporten. Einige Monate, Besetzungswechsel und Demos später kapern sie ein Studio und nehmen ihr erstes Album Scum auf — oder zumindest einen Teil davon. Die Platte entsteht nämlich in zwei Hälften.

Während ihres ersten Studioaufenthalts entstehen Stücke wie The Kill, Death By Manipulation und You Suffer ein. (Mit You Suffer landen die Briten später im Guinness-Buch der Rekorde, doch dazu gleich mehr.) Zwar hatten die Musiker diese Nummern schonmal für ein Demo aufgenommen, doch für die Albumversion treten sie das Gaspedal noch ein wenig tiefer durch und spielen die Kompositionen um einiges schneller. Die Kosten für das Studio übernimmt Mermaid-Veranstalter Daz Russell. Er bietet der Band außerdem an, die Aufnahmen über sein neues Label zu veröffentlichen, doch Napalm Death behalten die Master-Bänder lieber für sich. Die Begründung: Russell hatte die Musiker nie dafür bezahlt, dass sie im Mermaid aufgetreten waren.

Scum: Ein Album in zwei Anläufen

Nach den Aufnahme-Sessions wird die Luft in der Band dicker. Gleich mehrere Mitglieder fühlen sich berufen das Steuerrad zu übernehmen, es kommt zum Streit. Erneut dreht sich das Besetzungskarussell, einzig Schlagzeuger Mick Harris bleibt Napalm Death erhalten. 1986 kommt die Gruppe mit Digby Pearson in Kontakt, der gerade sein neues Label Earache Records an den Start gebracht hat. Nach nur wenigen Monaten unterschreiben Napalm Death einen Plattenvertrag mit ihm und Pearson kauft das Master-Band, dass die Musiker bisher zurückgehalten hatten. Mit etwa 20 Minuten Spielzeit befindet sich darauf allerdings gerade einmal genug Material für die A-Seite eines Albums. Also schickt er Napalm Death noch einmal ins Studio, obwohl die Band in der neuen Besetzung noch keine drei Stunden zusammen geprobt hat.

Dass auf der A-Seite eine andere Bandbesetzung zu hören ist als auf der B-Seite, gibt es in der Geschichte der Rockmusik nicht so häufig. Nur Schlagzeuger Mick Harris wirkt an beiden Seiten mit. Am Mikro steht nun Lee Dorrian, der später die Doom-Legenden Cathedral gründen wird. Doch trotz der eigenartigen Produktionsumstände wird Earache Records die erste Auflage des Albums innerhalb weniger Wochen aus der Hand gerissen. Zeitgleich spielen Napalm Death ihre erste Tour.

Zum großen Knall kommt es, als der Radio-DJ John Peel die Band in seiner Radiosendung auf BBC 1 Radio spielt und Napalm Death sogar dazu einlädt, eine der legendären Peel Sessions aufzunehmen. Auf einmal kennt die ganze britische Szene die neuen Krachmacher und Earache gibt eine zweite Auflage des Debüts in Auftrag. Ganze 10.000 Exemplare gehen innerhalb kürzester Zeit über die britischen Ladentheken.

You Suffer: Auf den Punk in 1,316 Sekunden

Einen besonderen Stellenwert auf dem Album genießt der Song You Suffer — und zwar nicht wegen seiner üppigen Länge. Gerade einmal 1,316 Sekunden dauert die Nummer und landet somit als kürzester Song aller Zeiten im Guinness-Buch der Rekorde. Außerdem veröffentlichen Napalm Death das Stück zwei Jahre nach Scum als kostenlose Promo-Single. Auf der B-Seite: Mega-Armageddon Death Part 3 von den Electro Hippies aus England. Auch dieses Meisterwerk dauert kaum länger als eine Sekunde, was den beiden Bands einen weiteren Rekord beschert: den der kürzesten Single aller Zeiten.

Heute gehören Napalm Death seit vielen Jahrzehnten zu den festen Institutionen der Krawallmusik. Mit Mick Harris verlässt im Jahr 1991 der letzte Musiker die Band, der auf Scum zu hören ist, inzwischen stehen vor allem Sänger Mark „Barney“ Greenway, Schlagzeuger Shane Embury und Gitarrist Mitch Harris für den Sound der Gruppe. Dennoch bleibt Scum ein wichtiges Standardwerk, das Ende der Achtziger Grenzen aufbricht, den Grindcore mit Karacho in der Musikwelt etabliert und laut Autor Ian Christe den zehnjährigen Wettbewerb um den schnellsten und härtesten Sound beendet. Bei 40 Songs in einer guten halben Stunde ist das absolut kein Wunder.

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Der kürzeste Song, die längste Tour: Diese 7 Bands haben Weltrekorde aufgestellt

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.7.1945 kommt Debbie Harry von Blondie zur Welt.

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Debbie Harry in den Siebzigern. Foto: Anthony Barboza/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.7.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Kaum eine andere Künstlerin hat für den Frontfrauen-Feminismus und die Stärkung des weiblichen Selbstbewusstsein im Rockgeschäft so viel getan wie Blondie-Sängerin und Schauspielerin Debbie Harry, ohne die es die Karrieren von Madonna bis Lady Gaga vielleicht so nicht gegeben hätte. Am 1. Juli feiert die platinblonde Pop-Pionierin Geburtstag.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Blondie anhören:

Als Angela Trimble wird sie in Florida geboren, doch bereits ab dem zarten Alter von drei Monaten wächst das nun in Deborah Ann umbenannte Mädchen bereits bei Adoptiveltern mit den Nachnamen Harry in New Jersey auf. Sie zeigt bereits früh viel Fantasie und ein Faible für Glamour. Sie gibt sich sogar tagträumerisch der Fantasie hin, sie könne wohlmöglich die leibliche Tochter von Marilyn Monroe sein. Entsprechend zieht es die junge Dame nach dem College-Abschluss Ende der Sechziger nach New York, wo sie unter anderem als Sekretärin für die britische Rundfunkanstalt BBC, als Kellnerin, Go-Go-Tänzerin und Bunny-Bedienung im Playboy Club Manhattan arbeitet. 

Platin heißt die Devise

Auch der Musik ist Debbie Harry nicht abgeneigt: So singt sie für die Folk-Truppe The Wind In The Willows Background und unternimmt einen ersten eigenen Gehversuch in der Gruppe The Stilettos. Als schicksalsträchtig erweist sich schließlich die Begegnung mit dem Gitarristen Chris Stein im Jahre 1974, mit dem sie fortan fünfzehn Jahre liiert sein wird und dem sie auch danach künstlerisch und menschlich eng verbunden bleibt. Zusammen rufen die beiden zunächst die Gruppe Angel And The Snake ins Leben, die sie kurz darauf aber in Blondie umtaufen. Das langlebige Gerücht, man habe sich nach Hitlers Schäferhund benannt, ist allerdings Quatsch: Blondie nennen sich Blondie, weil so der Spitzname lautet, den die Männerköpfe verdrehende Harry auf der Straße von Bewunderern zugerufen bekommt, nachdem sich ihren eigentlich natürlich rotblonden Schopf einer Wasserstoff-Blondierung unterzogen hatte. 

Zu Pop für Punk?

Im neuen Hauptquartier der Punk-Bewegung, dem New Yorker Kult-Club CBGB’s, gehören Blondie Mitte der Siebziger zur Stammbesetzung auf der Bühne – obwohl sie musikalisch nie wirklich dorthin passen. Auch erweisen sich ihre Platten Blondie (1976) und Plastic Letters (1977) beim Hipster-Publikum noch nicht als so präsent wie gewünscht, auch wenn Harrys platinblonder Powerfrauen-Look, der zugleich Sex-Appeal wie weibliche Selbstbestimmung suggeriert, damals schon viel Anerkennung findet. Dann gerät das dritte Album Parallel Lines (1978), produziert von Mike Chapman (The Sweet, Suzi Quatro), zum großen internationalen Durchbruch und wirft unter anderem den Welthit Heart Of Glass ab.

Das 1979 eilig nachgeschobene Folgealbum Eat To The Beat hält 1979 das hohe Niveau und lässt Blondie unter Harrys stilistischer Führung weiter zur New-Wave-Vorzeigeband werden. 1980 ist Debbie Harry die Frau der Stunde: Ihr Look besteht aus aus Kostümkollaborationen mit dem Designer Stephen Sprouse sowie wortwörtlichen Straßen- und Kellerfunden, zudem verfügt sie über eine starke Persönlichkeit. Mit beidem wird sie kommenden Künstlerinnen wie Madonna oder Cindy Lauper den Weg ebnen. 

Rap-Pionierin & Filmstar

1980 betreten Neuland: Rapture, der Hitsong des experimentellen fünften Albums Autoamerican geht als erster Nummer-eins-Song mit Rap-Gesang in der Strophe in die Popgeschichte ein. Zudem erweist sich das für den Soundtrack des Richard-Gere-Films American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden) von Harry mit Giorgio Moroder verfasste Call Me erneut ein weltweiter Disco-Tanzflächen-Füller. 

Nachdem Andy Warhol sie in einer Reihe von Fotokunstwerken unsterblich gemacht hat, kurbelt Harry parallel ihre Filmkarriere an. So brilliert sie zunächst im billigen aber charmanten Neo-Noir-Film Union City (1980) und hat einen Auftritt mit Band im Meat-Loaf-Streifen Roadie. 1983 glänzt sie dann in David Cronenbergs Science-Fiction-Klassiker Videodrom. Dummerweise ist es Harrys erstes Soloalbum, KooKoo (1981), welches die Sängerin zwar erfolgreich mit Nile Rodgers (Chic) und Alien-Designer H.R. Giger arbeiten lässt, sie aber auch um einen wichtigen Genre-Filmauftritt beraubt: Nicht auszudenken, in welche Hollywood-Star-Sphären Harry vielleicht noch vorgestoßen wäre, hätte sie Ridley Scotts Angebot annehmen können, in dessen Blade Runner die Rolle des weiblichen Humanoiden Pris zu spielen. Doch diese Offerte fällt leider den Plänen von Harrys Plattenfirma zum Opfer (und wird schließlich von Schauspielerin Daryl Hannah dankend wahrgenommen).

Comeback und Vermächtnis

Nachdem sich Blondie 1982 nach Veröffentlichung des Albums The Hunter vorläufig trennen, verfolgt Harry weiterhin ihre Solokarriere als Sängerin und agiert als Schauspielerin in Filmen wie Hairspray und Copland. 1997 verschlägt es die inzwischen wiedervereinten Blondie zunächst auf Tournee; zwei Jahre später folgt mit No Exit (und dem Hit Maria) auch schon das große musikalische Studio-Comeback. 

Seitdem sind Blondie recht regelmäßig auf der Bühne und mit Plattenveröffentlichungen aktiv; Pollinator, das elfte und jüngste Album der Band, geht auf das Jahr 2017 zurück. Harrys letztes Soloalbum Necessary Evil liegt indes bereits 13 Jahre zurück. Dafür hat sich Frau Harry allerdings auch ihren Memoiren gewidmet. Die Autobiografie Face It erscheint Ende 2019 und zeichnet unter anderem ein lebhaftes Bild der New Yorker Boheme- und Drogenkultur der Siebziger und Achtziger, von der sie und Stein in ihren harten Heroinjahren ein nicht unwichtiger Teil waren. Und wie bei manch anderem männlichen Vertreter der Rockstar-Spezies Schwerenöter, kann man sich auch im Falle Harry nur über das Wunder freuen, dass sie all dies erlebt und überlebt hat und als Grande Dame des Art Punk/New Wave heute noch ihren Geburtstag feiern kann. 

Zeitsprung: Am 3.1.1979 erscheint „Heart Of Glass“ von Blondie.

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