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Popkultur

„Ich möchte die Welt für die Kinder verändern“: Ringo Starr erzählt von seiner neuen EP „Change The World“

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Ringo Starr
Foto: Scott Robert Ritchie

Nach 60 Jahren Karriere setzt sich Ex-Beatle Ringo Starr immer noch für eine bessere Welt ein. Sein neuester Streich: die EP Change The World. In der dazugehörigen Pressekonferenz hat er verraten, wen wir auf der Platte hören können, wieso er immer noch an „Peace And Love“ glaubt und warum er Rock Around The Clock von Bill Haley gecovert hat. Eine Anekdote mit ihm, John Bonham und Charlie Watts gibt’s auch. Außerdem gewährt Starr neue Einblicke in die anstehende Beatles-Doku Get Back von Herr-der-Ringe-Regisseur Peter Jackson.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Change The World von Ringo Starr anhören:

Welche Botschaft möchten Sie Ihren Fans mit Ihrer neuen EP auf den Weg geben?

Ringo Starr: Freude. Und den Ausdruck „Verändere die Welt“. Es darum, dass wir sie für die Kinder verändern. In New York treffen sich gerade all diese Leute [zum New York Climate Action Council – Anm. d. Aut.]. Die eine Hälfte der Welt steht in Flammen, die andere steht unter Wasser und es wird immer noch nicht genug unternommen. Das können wir nicht zulassen. Ich denke, dass wir viel zu tun haben. Ich möchte die Welt für die Kinder verändern. Ich frage mich: Haben unsere Politiker Kinder? Haben ihre Kinder vielleicht auch Kinder? Sollte das nicht Grund genug sein, für frische Luft und genug Wasser zu sorgen? Abgesehen von all dem: Ich habe eine neue CD rausgebracht. (lacht)


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Ringo Starr - Change The World
Ringo Starr
Change The World
10″ EP, CD

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Sie setzen sich seit 50 Jahren für Frieden und Musik ein. Das scheint nicht zu funktionieren. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, das stimmt nicht. Als ich die „Peace And Love“-Bewegung 2008 zu meinem Geburtstag auf den Straßen von New York gestartet habe, sind ungefähr 100 Leute gekommen. Mittlerweile gibt es „Peace And Love“-Veranstaltungen in 28 Ländern auf der ganzen Welt. Es geht also langsam voran, aber stetig. Das ist, als würde man im Ozean paddeln. Es plätschert vor sich hin. Man kann nur das tun, was man tun kann, und das mache ich. Peace And Love!

Sie haben in Ihrer Karriere mit vielen Künstler*innen zusammengearbeitet. Welche Eigenschaften und welchen Input schätzen Sie an Steve Lukather?

Natürlich sein Gitarrenspiel. Außerdem mag ich, wie er bei unseren Sessions weint. (lacht) Das ist sehr schön. Er ist ein guter Freund und wir haben viel Spaß zusammen. Er ist natürlich ein unfassbar talentierter Gitarrist. Deshalb liebe ich es, ihn bei den Sessions dabei zu haben. Ich bin nicht hier, um mich foltern zu lassen. Wir machen einfach weiter. Deshalb mag ich Steve Lukather.

Erzählen Sie uns etwas über Rock Around The Clock. Wie sehr hat sich Rock von den Fünfzigern bis heute verändert? Glauben Sie, dass die Beatles die Rockgeschichte verändert haben?

Ich würde nicht sagen, dass wir die Rockgeschichte verändert haben, sondern die Musikgeschichte. Zu den größten Errungenschaften der Beatles gehört, dass wir eigene Songs geschrieben und aufgenommen haben. Bis dahin gab es immer externe Songschreiber, die Lieder komponiert haben, die die Band dann aufgenommen hat. Wir haben mit George Martin die Erfahrung gemacht, dass er uns tolle Songs gebracht hat, aber wir haben alle gesagt: „Nein, nein. Wir möchten unsere Songs selbst schreiben.“ So ist das abgelaufen. Das finde ich bis heute toll. Es gibt die Beatles immer noch und die Musik ist immer noch aktuell. Wir haben wirklich hart gearbeitet und wir haben einige großartige Songs. Beantwortet das die Frage?

Wir würden gerne mehr über Rock Around The Clock erfahren, weil das so ein besonderer Song ist.

Ich habe hier gesessen und meine EP produziert. Ich liebe EPs, sie besteht aus vier Songs. Ich produziere sie in diesem Raum, man kann es im Hintergrund sehen. Das Schlagzeug steht im Schlafzimmer. Es ist ein kleines Studio. Ich weiß nicht … Ich habe über die Songs für die EP nachgedacht und habe mich an Dinge erinnert. Meinen siebten Geburtstag habe ich im Krankenhaus verbracht, meinen 14. Geburtstag auch und ich war vor meinem 15. Geburtstag sogar immer noch da. Den wollte ich auf keinen Fall im Krankenhaus verbringen. Meine Mutter hat mit den Ärzten gesprochen. Ich hatte einen Fernseher auf meinem Zimmer und war schon über ein Jahr lang dort. Mir ging es ziemlich gut. Sie haben entschieden, dass ich gehen darf. Danach bin ich mit meiner Mutter und meinem Stiefvater nach London gereist, um seine Familie zu besuchen.

Als wir wieder nach Liverpool zurückkamen, hat mich meine Großmutter mit zur Isle Of Man genommen, einer britischen Insel. Das war unglaublich, denn ich habe dort den Film Rock Around The Clock gesehen. Das Kino war voller verrückter Urlauber. Die hatten Kappen mit der Aufschrift „Kiss me quick“ an und waren etwas neben der Spur. Ich habe dort gesessen und war ja lange im Krankenhaus, hatte also keine Ahnung, was so los war, und die Leute haben das ganze Kino auseinander genommen. Sie haben die Stühle rausgerissen und ich dachte nur: Wow, das ist toll. Dieser Moment hat sich für immer in meine Erinnerung gebrannt. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern erst passiert. So bin ich darauf gekommen, Rock Around The Clock zu covern. Da es meine EP ist, kann ich darauf ja machen, was ich will. Ich finde Rock Around The Clock toll. Erst wollte ich eine Oldschool-Version mit Brushes aufnehmen, aber dann dachte ich: Nee, her mit den Sticks. Dann habe ich gerockt. Dann habe ich Joe Walsh angerufen und er hat mitgerock. Er hat sein eigenes Solo. Wenn man sich andere Coverversionen von Rock Around The Clock anhört, spielt da jeder immer dasselbe Solo. Ich habe einfach hier gesessen und dachte: Ich mache Rock Around The Clock — aus all den genannten Gründen.

Trombone Shorty verändert die Art und Weise, wie junge Menschen Instrumentalmusik wahrnehmen. Warum war es Ihnen wichtig, ihn bei Coming Undone an Bord zu haben?

Ich liebe die Überraschungen, die ich beim Produzieren einer Platte erlebe. Die Leute, die wir fragen … Meine Idee ist, dass die Leute Songs schreiben … Lukather hat Synthesizer, Bass und Gitarre für Change The World komponiert. Ich habe viele Leute getroffen und es war toll für mich, das Schlagzeug zu spielen und den Song zu singen. Coming Undone hat Linda Perry für mich geschrieben. Ich liebe diesen Song. Sie hat alles zusammengebracht. Für die Mitte des Stücks hat sie ein kehlkopflastiges Posaunensolo geschrieben (imitiert Posaune) und ich dachte: Wow, eine Posaune wäre super für den Song. Deshalb haben wir an Trombone Shorty gedacht. Er kann nicht übel sein, denn er hat die Posaune ja schon im Namen. (lacht) Wir haben mit ihm gesprochen und ich habe gesagt: Ich habe einen Song mitgebracht und es wäre mir eine Ehre, wenn du darauf für mich spielen könntest. Wir haben ihn in New Orleans aufgestöbert und es ist toll, dass man heutzutage einfach Dateien verschicken kann. Ich komme auf zehn weiteren Alben vor, weil man mir einfach die Dateien schicken kann. Dann nehme ich das Schlagzeug auf und schicke sie zurück. Ich sage dann immer „Nehmt das so oder schmeißt mich raus“, denn vielleicht ist das, was ich aufgenommen habe, ja nicht das, was sie haben möchten. Nicht viele haben sich dazu entschieden, mich rauszuschmeißen.

Jedenfalls hat er sich dann auch um die gesamte Bläsersektion gekümmert. Nicht nur um die Posaune. Wow. Das ist nur seinetwegen entstanden. Ich wäre nie darauf gekommen zu sagen: Nimm noch eine Trompete auf und noch dieses und jenes. Er hat eine Idee gehabt und sie hat funktioniert. Es hätte ja auch sein können, dass sie uns nicht gefällt und dass wir sie ablehnen. Aber es hat so gut gepasst. Es hat dem Song ein ganz anderes Feeling verpasst. Eigentlich ist der Song nämlich sehr traurig und die Bläser verleihen ihm irgendwie Flügel. Es ist einfach so passiert, weil wir dachten: Hey, Trombone Shorty! Wir haben unsere Dateien nach New Orleans geschickt, er hat sie zurückgeschickt und wir dachten: Wow. Wir lieben es. Deshalb haben wir es so gelassen.

Just That Way klingt sehr Reggae-lastig, genau wie Zoom In. Woher stammen Ihre Reggae-Einflüsse? Ist das ein Genre, in dem Sie gerne mehr ausprobieren würden?

Ich mag Reggae. Ich habe Reggae schon immer gemocht, seit er aus Calypso entstanden ist. Früher war das mal Yellow Bird und jetzt ist es so viel mehr. Ich hatte gute Zeiten in Jamaika. Wir setzen uns nicht hin und denken: Wir müssen einen Reggae-Song machen. Das passiert einfach. Mit Tony Chen und Fully Fullwood, der auch mit Bob Marley gespielt hat, bekomme ich die Bass- und Gitarrensounds Jamaikas in die Songs. Das verleiht der Sache viel mehr Kraft. Für mich ist das toll, weil ich auf diese Weise mit diesen Typen spielen kann. Ich mache die EP natürlich für mich, habe aber trotzdem die Gelegenheit, mit all diesen Menschen zu spielen und viel Spaß dabei zu haben. Sie sind vorbeigekommen. Tony ist schon für die letzte CD vorbeigekommen und hat was eingespielt. Er hat Fully mitgebracht, der so eine Art Meister am Reggae-Bass ist. Es war so toll, mit diesen Kerlen zu spielen. Ich bin nicht hier, um mich foltern zu lassen. Ich bin hier, um Spaß zu haben, mit guten Musikern zu spielen und rumzuhängen. Das ist es. Ich mag Reggae. Mein Sohn [Zak Starkey – Anm. d. Aut.] hat gerade ein Album mit Toots [Hibbert, Toots & The Maytals – Anm. d. Aut.] aufgenommen, der leider gestorben ist. Ruhe in Frieden. Dafür haben sie einen Grammy bekommen. Er hat diese Reggae-Platte gemacht, manches davon hier im Studio. Er hat mich gebeten, darauf Tamburin zu spielen. „Wenn du da bist und Zeit hast, spiel!“ So war das.

Deine letzte Tour wollten Sie eigentlich im Casino Rama in Kanada beginnen. Glauben Sie, dass Sie dort noch einmal vorbeikommen? Und wie sehen Ihre aktuellen Tourpläne aus?

Ich liebe das Casino Rama. Ich liebe den großen Wasserfall, den es dort vor dem Fenster gibt. Wir wussten ja nicht, wie es sich entwickeln würde. Im Februar waren alle noch gelassen, im März wurde es schon schwieriger und uns wurde bewusst, dass wir die Tour im Mai und Juni stoppen müssen. In meiner Naivität habe ich im Internet gesagt: Es tut mir Leid, ich weiß, dass ihr euch alle auf mich freut. Macht euch keine Sorgen und behaltet die Tickets. Ich werde genau diese Tour nächstes Jahr nachholen.“ Das haben wir nicht getan. Die September-/Oktober-Tour letztes Jahr? Nichts. Dieses Jahr bin ich auch nicht unterwegs. Aber für das nächste Jahr ist die Tour geplant. Ich habe schon meinen Reiseplan bekommen. Aktuell ist es unmöglich eine Aussage darüber zu treffen, ob die Tour wirklich stattfinden kann. Ich wünsche mir von Herzen, dass es so ist, aber wir müssen abwarten und schauen, wo wir stehen werden.

Es ist nicht einfach, durch die Pandemie zu kommen. Dass ich Musik machen kann, erleichtert es mir. Entweder hier oder ich verschicke Dateien. Oder ich hänge mit anderen Musikern ab, wie letztes Jahr. Da haben wir uns testen lassen, bevor wir uns getroffen haben. Dieses Jahr wurden wir alle geimpft und hängen zusammen rum. So wie Nathan [East, Bassist], er kommt vorbei. Es war ein seltsames Jahr, aber wenn es Tourdaten gibt, dann fühle ich es. Ich denke: „Ich will auf Tour gehen!“, aber es passiert nicht. So ist das eben. Es ist immer noch zwielichtig. Barbara und ich waren gerade in England. Wir haben unsere Kinder und Enkel und alle anderen getroffen. Wir waren für ein paar Wochen dort und es war toll. Aber man hält sich noch zurück. Als wir die King’s Road entlanggelaufen sind, waren wir die einzigen, die Masken getragen haben. So ist das halt. Dieses Jahr habe ich das Gefühl, dass wir dank der Impfungen etwas mehr machen können, als letztes Jahr. Es ist eben eine Pandemie. Es ist ja nicht so, als könnten wir einfach woanders hingehen, um dort zu spielen. Wohin denn? Es ist ja überall. Also bin ich jetzt hier, um mit euch zu sprechen.

Wie wählen Sie die Musiker für Ihre All-Starr Band aus?

Ich habe viel gewechselt. Bei der ersten Band hatte ich ja noch keine Erfahrung mit sowas und habe einfach mein Adressbuch geöffnet. 89 … Joe Walsh, der wäre toll. Levon Helm, der wäre toll. Dr. John! Ruf ihn mal an. Ich hatte all diese Telefonnummern in meinem Buch. Für euch jungen Hüpfer: Früher musste man Telefonnummern in einem Buch aufbewahren. Das hat super funktioniert, deshalb wollte ich noch eine Band zusammenstellen. Die Gründe, warum ich diese Musiker ausgewählt habe: Du musst Hits haben. Wenn du in der All-Starr Band sein möchtest, musst du Hits haben. Wir sind eine Hit-Band. Außerdem musst du ein Instrument spielen. Man hört zu und bekommt drei Bassspieler angeboten und denkt: Oh ja, der hat einen tollen Song. Das wäre toll. Genauso ist es mit den Klavierspielern … Wenn man so viele Hits hat. Ich habe normalerweise zwischen 12 und 14 Leuten und das muss ich dann auf acht reduzieren. So machen wir das. Wir fragen die Leute, ob sie in der All-Star Band dabei sin möchten. So geht das seit 30 Jahren. Jetzt fragen die Leute andere Künstler, ob sie dabei sein möchten. Aber ja. Ich muss wissen, dass du spielen kannst. Denn Musiker sind nicht immer gute Spieler. Wenn du also einen guten Song hast und ein guter Spieler bist, stehen die Chancen gut, dass du in die All-Starr Band kommst.

Mich interessieren die neuen Leute, mit denen Sie arbeiten. Wie kam Linda Perry auf die EP. Wie ist Sam Hollander auf Teach Me To Tango und Better Days auf Ihren aktuelleren Veröffentlichungen gelandet?

Wie ich schon gesagt habe, wollte ich das Gewicht gleich verteilen. Sam war schon auf der CD davor dabei und war großartig. Er war isoliert in New York und hat den Track gemacht, während ich das Schlagzeug und den Gesang aufgenommen habe. Er ist wirklich ein netter Kerl und ein toller Songwriter. So sind wir auf ihn gekommen. Wir haben rumgesessen. Davor war Diane Warren dabei. Ich hatte vorher noch nie einen ihrer Songs gemacht. Also haben wir sie angerufen und sie gefragt, ob sie einen Song hat. Sie hat uns drei geschickt und wir haben einen ausgesucht: Here’s To The Nights. Für diese Platte habe ich gedacht, dass wir jemand neues brauchen. In einem Gespräch kamen wir auf Linda Perry. Es ging vor allem um ihre Arbeit mit Pink, aber sie hat natürlich auch mit vielen anderen zusammengearbeitet. Dann haben wir sie angerufen. „Hallo Linda? Hast du einen Song für uns?“ Sie hat gesagt: „Nein.“ Aber – das ist ihre Version der Geschichte – als sie das Studio verlassen hat, ist ihr ein Song eingefallen. Sie spielt Gitarre, Bass, sie spielt den Rhythmus und singt gemeinsam mit mir. Sie ist ein Teil davon. Es ist großartig für mich, auf diese Weise unterstützt zu werden. Ich habe also noch jemanden aus dem Business kennengelernt, der wundervoll ist. Es ist neu für mich, Leute nach einem Song für mich zu fragen, mit denen ich noch nie zusammengearbeitet habe, und den Song dann mit ihnen aufzunehmen. Das ist eine neue Herangehensweise für mich. Bei den Reggae-Songs bin ich immer Co-Autor, so wie auf den letzten EPs. Das ist das, was ich mache. Sam war ein wunderbarer Zufallstreffer und Linda ist auch wundervoll. Ich habe viel Spaß beim Aufnehmen der Songs. Bei einer EP dauert es auch nicht so lange, bis sie fertig sind. Es sind vier Tracks. Wir stellen die Tracks sehr schnell fertig und packen dann alles zusammen. Das ist alles, was ich mache. Ich frage einfach Leute, mit denen ich noch nie zusammengearbeitet habe und auch Leute, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe. Bei Rock Around The Clock spielt Nathan mit seinem Kontrabass. Wir haben versucht, diesen Bill-Haley-Sound hinzubekommen [imitiert Bass] und unser eigenes Ding daraus gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, dass At The Hop [Song von Danny & The Juniors – Anm. d. Aut.] sehr amerikanisch ist. Teenies beim Tanzen. Wir hatten viel Spaß dabei. Das ist eins der wichtigsten Dinge bei der Arbeit: Ich möchte Spaß haben. Wie ich immer sage und das sage ich auch der Band: Wir sollten uns nicht quälen. Lasst uns Spaß haben!

Wie haben Sie das Schlagzeug für die neue EP aufgenommen? Nehmen Sie zuerst die Drum-Tracks auf? Nehmen Sie die mit jemandem zusammen auf? Nutzen Sie Ihre E-Drums, ihr Akustik-Kit oder beides?

Wir machen das alles in diesem Raum hier. (dreht die Kamera) Das war mal ein Schlafzimmer. Jetzt es es das Schlagzeugzimmer mit zwei Kits, ein reguläres und ein elektronisches. Es ist so seltsam. Ich spiele mit meinen Kits und dann gehe ich zum elektronischen Set von Roland und bin plötzlich ein ganz anderer Kerl. Es ist, als hätte ich durch den elektronischen Aspekt zwei Persönlichkeiten. Ich kann die Becken anschlagen und ein ganzes Orchester ertönt. (imitiert Schlagzeug) Man probiert Dinge aus und hat Spaß damit. Auf dem akustischen Kit bin ich ein Schlagzeuger. Das ist das, was ich im Leben am liebsten mache. Manchmal nehmen wir nur das Schlagzeug auf, manchmal zusammen mit dem Piano, manchmal mit der Gitarre. Ich persönlich höre gerne den Song, zu dem ich spiele, weil ich die Emotion des Songs spüren möchte. Dann spiele ich dazu. Normalerweise haben wir also schon etwas fertig und ich spiele das Schlagzeug dazu. Wenn der Song am Ende steht, singe ich dazu. Es kommt also auf den Track an. Sheila E. hat Come Together gemacht und ich habe gesagt, dass ich nicht dieses (imitiert Schlagzeug) mache. Sie hat geantwortet: Okay, also eher (imitiert Schlagzeug). Sie hat Congas genommen und (imitiert Congas) gespielt. Sie hat etwas ganz Eigenes daraus gemacht und das war sehr cool. Wir lieben Sheila. Ich hänge einfach rum, probiere Dinge aus und habe Spaß. Wir sind echt, wenn wir spielen. Nebenan ist ein Fitnessraum. Ich mache jeden zweiten Tag Sport. Einen Raum weiter male ich. Diesen Stern hier im Hintergrund habe ich gemalt und darauf steht die Platte, die ihr kaufen beziehungsweise promoten werdet. (lacht)

„Let’s Change The World“: Was ist Ihre Vision, um die Welt zu verändern? Was sollen Ihre Fans von der neuen EP mitnehmen?

Ich möchte, dass sie freundlich sind. Rücksichtsvoll, verständnisvoll, liebevoll. Und friedvoll. Das würde ich lieben. Wir leben in Amerika. Die Hälfte der Welt hungert, hat kein Wasser. Jeder weiß, dass ich WaterAid unterstütze, weil ich glaube, dass selbst wenn man gar nichts hat, man zumindest sauberes Trinkwasser haben sollte. Das ist notwendig. Manche Menschen trinken dreckiges, verschmutztes Wasser. In ein paar Jahren wird uns das Atmen wegen der Luftverschmutzung schwerer fallen. Sei einfach nett zu deinem Nachbar*innen, zu deinen Freund*innen, zu der Person nebenan. Versuch zu verstehen, was diese Person durchmacht. Ich bin unpolitisch, aber … all die Haitianer*innen abzuschieben … Was sollen sie denn machen? Sie haben ihre Heimat verlassen, weil es dort kein Essen mehr gibt und auch sonst nichts. Tausende von ihnen sind gestorben. Und dann dieser Sturm. [Starr bezieht sich darauf, dass gerade Tausende Menschen über Mexiko nach Texas drängen, um in den USA Zuflucht zu suchen. US-Präsident Joe Biden möchte die Flüchtlinge abschieben. Mitte August war Haiti von einem Erdbeben erschüttert worden. – Anm. d. Aut.] Ich kann das nicht machen, deshalb muss die Regierung die Verantwortung übernehmen. Nicht nur für ihr eigenes Land, sondern auch für die, die wirklich leiden. Oh, darüber könnte ich mich ewig ärgern. Ich bin schon heiser. (lacht)

Haben Sie bestimmte Erinnerungen an Charlie [Watts, verstorbener Schlagzeuger der Rolling Stones]?

Charlie war ein toller Kerl. Wir hatten viel Spaß. Für ihn war es schwerer, seine Band zusammenzuhalten, als es für mich war, meine Band zusammenzuhalten. (lacht) Wenn ich Charlie getroffen habe, haben wir rumgehangen. Wir haben in London nah beieinander gewohnt und uns manchmal auf der King’s Road getroffen. Oder wir haben uns bei einem Konzert oder zum Abendessen getroffen. In den Siebzigern habe ich mal eine Party gegeben und hatte ein Schlagzeug auf dem Dachboden. Man konnte da oben Filme gucken, Musik machen, was auch immer man da oben machen wollte … Und Charlie kam vorbei, genau wie John Bonham. Wir waren also drei Schlagzeuger, die zusammen rumgehangen haben. Bonham ging zum Schlagzeug. Das war nicht wie auf der Bühne, wo das Schlagzeug fest steht. Es stand einfach nur da. Bonham hat angefangen zu spielen und die Bassdrum ist weggehüpft. Also haben Charlie Watts und Ringo Starr die Bassdrum für ihn festgehalten, während er gespielt hat. Da denkt man: Du meine Güte, das wäre ein wunderbares Video für TikTok oder so gewesen, dass um die Welt gegangen wäre. Aber in den Siebzigern habe ich Partys gegeben, von denen man niemals Fotos finden wird, weil ich das in meinem Haus nicht erlaubt habe. Aber das wäre ein großartiges Foto gewesen. Wir werden Charlie sehr vermissen. Er war ein wunderbarer Mensch.

Die letzte Frage: Haben Sie irgendwelche Kommentare oder gab es Überraschungen bei der Wiederveröffentlichung von Let It Be oder der anstehenden Dokumentation Get Back?

Die Dokumentation ist toll. Sie ist jetzt ein bisschen länger. (lacht) Das liegt daran, dass Apple, also unsere Firma Apple, 56 Stunden ungenutztes Material aus der Dokumentation von Michael Lindsay Hogg gefunden hat. Wir hatten das große Glück, dass sich Peter Jackson des Materials angenommen hat, es zusammensetzte und etwas Neues daraus gemacht hat. Ich habe mich immer über das Original beschwert und gesagt, dass man da keine Freude spürt. Alles hat auf diesem unerfreulichen Ereignis basiert. [Starr bezieht sich darauf, dass in der ursprünglichen Dokumentation vor allem die Streitigkeiten der Beatles beleuchtet werden – Anm. d. Aut.] Peter ist nach L.A. gekommen und hat mir diese Sachen auf seinem iPad gezeigt. Wir haben gelacht und Quatsch gemacht. Einfach zwei Musiker.

Sie müssen bedenken, Get Back vom … 5. Januar oder so bis Ende Januar haben wir innerhalb eines Monats das Album gemacht und sind auf dem Dach aufgetreten. Das war großartig. Wir haben wieder live gespielt. Für mich war das was Großes. „Wer will live spielen?“ und man hört mich im Hintergrund, wie ich sage: „Ich will!“ Das haben wir gemacht. Die Beatles waren immer in der Türkei oder auf dem Mount Everest oder in der Wüste oder auf Hawaii oder auf Vulkanen und so weiter … Lasst uns einfach über die Straße gehen. [Starr spielt unter anderem darauf an, dass die Beatles sich für das Cover des Albums Abbey Road eigentlich auf dem Mount Everest fotografieren lassen wollten, dann aber doch „nur“ über den Zebrastreifen in der gleichnamigen Straße gelaufen sind. Der Arbeitstitel des Albums lautete Everest. – Anm. d. Aut.] Oder in diesem Fall: Lasst uns das einfach auf dem Dach machen. Das haben wir dann gemacht und es war großartig. Die Polizei war auch da. Sie haben zwar nichts gemacht, aber sie haben uns angemotzt. Im Film sieht das echt ulkig aus.

Jedenfalls haben wir all dieses Material gefunden und: Überraschung! Wir haben noch mehr und Peter steckt in Neuseeland fest, weil wir uns in einer Pandemie befinden. Es gibt gute und schlechte Aspekte. Die Dokumentation ist jetzt sechs Stunden lang. In Amerika kommt sie an drei Tagen über Thanksgiving raus. Sie hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Der Anfang ist echt langsam, dann kommen wir rein, dann wir richtig drin und dann sind wir wieder raus. Ich liebe es. Aber ich bin natürlich ein Teil der Dokumentation, also … Klar, da sind sechs Stunden nie genug. (lacht) Ich denke, dass jeder die Dokumentation genießen kann. Diese Band hat wirklich hart gearbeitet, emotionale Hochs und Tiefs erlebt, um dahin zu kommen, wo sie gelandet ist. So war das einfach. Bloß vier Jungs in einem Raum. Da hat man halt ein paar Hochs und Tiefs. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Peter Jackson ist unser Held, er hat einen tollen Job gemacht. Allein die Rooftop-Sache ist zusammengenommen 43 Minuten lang. Das ist echt cool. Vorher waren es achteinhalb Minuten oder so, ich weiß es nicht genau. Ich liebe es. Das ist das Endergebnis. Er arbeitet immer noch Teile um und darauf warte ich jetzt. Finetuning.

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Popkultur

„Strangeways, Here We Come“: Wie The Smiths vor 35 Jahren an sich selbst zerbrachen

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The Smiths
Foto: Pete Still/Getty Images

Sie sind eine der wichtigsten englischen Rock-Bands der Achtziger und haben mit nur vier Platten Musikgeschichte geschrieben: Vor 35 Jahren erscheint ihr letztes Album Strangeways, Here We Come. Die Band gibt es da schon gar nicht mehr…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Strangeways, Here We Come anhören:

Ach, die Achtziger. Autotune war noch nicht erfunden, Kurt Cobain noch am Leben und Morrissey kein verblendeter Rechter. Good times. England findet sich mit dem Wechsel der Jahrzehnte und den heraufziehenden Achtzigern immer fester in der Umarmung des Synth Pop wieder: The Human League, OMD, Ultravox geben den Ton an, bestimmen die Mode und das popkulturelle Tagesgeschehen.

Das passt nicht allen. Im Mai 1982 taucht Johnny Marr einfach vor Steven Morrisseys Wohnung in Stretford bei Manchester auf, um eine Band mit ihm zu gründen. Die beiden verstehen sich sofort prächtig, mögen dieselben Bands und Schriftsteller*innen und legen los. Sie nennen sich The Smiths, um endlich „ganz gewöhnliche Menschen ins Rampenlicht zu stellen“, wie Morrissey mal sagte.

Ihr Sound ist die Antithese zum wuchernden Synthie-Boom, eine Assemblage aus der harmoniesatten Musik der Sechziger und den desolaten Farben des Post Punk. Sie veröffentlichen drei äußerst erfolgreiche Alben und sind 1986 die wichtigste Rock-Bands Englands. Die erfolgreichste aber eben nicht – sehr zum Verdruss von Morrissey, der sich seinen Frust über die fehlende Mainstream-Anerkennung immer direkter von der Seele schreibt.

Ab in den Knast!

Für ihr viertes Album Strangeways, Here We Come, benannt nach einem notorischen Höllenknast aus viktorianischer Zeit, wollen sie was anderes versuchen. Sie hauen kurz noch die provokante, marxistische Non-Album-Single Shoplifters Of The World Unite und verabschieden sich von ihrem Trademark-Sound. Weniger Jingle-Jangle, weniger klassisches Rock’n’Roll-Besteck. Stattdessen kommen Drum-Maschinen zum Einsatz, synthestisiertes Saxofon und jede Menge Keyboard. Der Opener des Albums, das verwunschene, nostalgische A Rush And The Push And The Land Is Ours, kommt sogar ohne Gitarren aus.

Der eine liest, der andere trinkt

Als Vorbilder zitiert Johnny Marr das weiße Album der Beatles und einige Sachen der Walker Brothers. Die Band steht vor einem Wendepunkt, das ist schon bei den Aufnahmen zu Strangeways, Here We Come klar. In den Wool Hall Studios von Tears For Fears im Süden Englands entsteht unwissentlich der Schwanengesang einer Band. Während sich Morrissey abends nach den Aufnahmen mit Lektüre ins Bett zurückzieht trinkt und feiert der Rest der Band und des Teams regelmäßig bis tief in die Nacht. Die Stimmung ist gut, die Partys im Studio sind in der gesamten Umgebung bekannt und legendär.

Im April 1987 ist das Album im Kasten. Und die Band sehr zufrieden: Marr und Morrissey sind überzeugt davon, das mit Abstand beste The-Smiths-Album aufgenommen zu haben. Sie lassen sich von Oscar Wilde und der US-Girl-Group Reparata And The Delrons beeinflussen, von David Bowier und Nina Simone. Erscheinen soll das Album am 28. September 1987 – und für seine besondere Aura überschwänglich gelobt werden. Doch da gibt es die Band schon gar nicht mehr.

Das Fass läuft über

Die Spannungen zwischen Marr und Morrissey werden stärker und stärker. Es geht um Einfluss und Kontrolle, um verschiedene Visionen und künstlerische Egotrips. Im Juni 1987 verkündet Marr, eine Pause von der Band einzulegen, weil er sich vom Rest der Band zunehmend in ein schlechtes Licht gerückt fühlt. Ein Artikel im NME erweist sich im Juli dann als Funke im Pulverfass: Marr zufolge steckte Morrissey dem Magazin, dass sich The Smiths auflösen würden, weil sich Morrissey und Marr irreparabel zerstritten hätten. Stimmt zwar nicht, doch zu diesem Zeitpunkt war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Johnny Marr steigt endgültig aus, noch vor Veröffentlichung des finalen Albums Strangeways, Here We Come ist eine der wichtigsten und einflussreichsten englischen Bands Geschichte. Für immer: Bis heute haben Johnny Marr und Morrissesy jedes Reunion-Angebot abgelehnt.

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Popkultur

35 Jahre „Music For The Masses“: Der Moment, in dem Depeche Mode Weltstars wurden

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Depeche Mode
Titelfoto: Paul Natkin/Getty Images

In Europa sind Depeche Mode 1987 längst Stars. Dann veröffentlichen sie ihr ahnungsvolles, düsteres Epos Music For The Masses. Der Titel mag bewusst ironisch gewählt sein. Doch das Album schießt die Briten endgültig in die Stratosphäre.

von Björn Springorum

Die Schatten werden länger: Mit ihrem fünften Black Celebration wenden sich Depeche Mode 1986 merklich von ihrem sterilen, kühlen Electro Pop ab. Ihr Sound wird düsterer, ahnungsvoller, melancholischer, Martin Gores Texte merklich pessimistischer und zweifelnder. Die neue atmosphärische Qualität spiegelt sich auch in Anton Corbijns Zusammenarbeit mit der Band wider, die ebenfalls 1986 ihren Anfang nimmt.

Daniel Miller nimmt Abstand

Bald vier Monate ist man mit der schwarzen Feier auf Welttournee – ein Kraftakt, der nicht ohne Risse im Bandgefüge bleibt. Schon bei den Aufnahmen zu Black Celebration stört sich Produzent Daniel Miller an den Spannungen innerhalb der Band und entscheidet für sich, den Nachfolger nicht mehr zu betreuen. „Wir hatten keine freien Tage“, erinnerte sich Miller mal. „Vielleicht war das ein Fehler. Jeder wache Moment wurde in dieses Album gesteckt, mehr gab es für uns nicht.“

Verständlich, dass Depeche Mode beim Nachfolger etwas ändern wollen. Inzwischen sehr erfolgreich, gönnen sich Depeche Mode nach Rücksprache mit ihrem Mentor Miller den Produzenten Dave Bascombe und setzen mit ihm nach Paris über, um an neuen Songs zu arbeiten. Es ist Februar 1987, die Sonne scheint über der Seine und alles riecht nach Neuanfang. Die Motivation innerhalb der Band ist so hoch, dass Alan Wilder im Studio nach und nach die Kontrolle übernimmt. Irgendwie logisch: Je mehr Depeche Mode in Richtung Sampling und moderne Synthesizer gehen, desto mehr ist sein technisches Verständnis gefragt.

Der Aufstieg des Alan Wilder

In den nächsten Monaten wird Bascombe, durchaus eine veritable Koryphäe auf seinem Gebiet, fast schon zum Studiotechniker degradiert, während Alan Wilder mehr und mehr die Kontrolle übernimmt. „Music For The Masses ist der Aufstieg von Alan Wilder“, so sagte Daniel Miller mal. Wilder vergräbt sich mehr denn je in der Technik und in den Details, während die anderen schon durch die Straßen von Paris ziehen. Er hinterlässt deutliche Spuren in Songs wie Little 15 mit ihren fast schon sakral anmutenden Synthesizern, neoklassischen Elementen und Flächen.

Music For The Masses ist das erste Album, das Depeche Mode ohne ihren Entdecker Daniel Miller produzieren. Sie entschieden sich bewusst für mehr Progression und Experimente, vergessen aber natürlich die Hits nicht. Bis heute sind das monumentale, lüsterne, dezent homoerotische Never Let Me Down Again, das hämmernde Behind The Wheel oder das melodramatisch wallende Strangelove Ankerpunkte in ihrem Kanon. Der Rest des Albums ist aber eben genau der Gegenteil seines ironischen Titels: Ziemlich, ziemlich unkommerziell, voller obskurer Samples, sexueller Referenzen und dunkler Abgründe. Zum Titel sagte Andrew Fletcher mal: „Jeder riet uns, kommerziellere Musik zu machen, daher der Titel.“ Gore ergänzte das um: „Das Album ist alles außer Musik für die Massen!“

Triumph in Kalifornien

In England sieht man das vor 35 Jahren ganz ähnlich: Die Platte schafft es gerade so auf Platz zehn in die Charts, die erste Single Strangelove gar nur auf Rang 16. In den USA scheint die Ironie des Titels nicht zu ziehen: Music For The Masses macht Depeche Mode auf der anderen Seite des Atlantiks endgültig zu Superstars, dokumentiert mit dem Konzertfilm 101, der den Weg der Band zur letzten Show der Tour im gigantischen Rose Bowl Stadium in Pasadena, Kalifornien nachzeichnet. Es ist der Juni 1988 und die 101. Show der Music For The Masses-Welttour. 60.000 Fans sind dabei, als die Band das Ende eines weiteren Kapitels feiert.

Wenn sie sich im März 1990 mit Violator zurückmelden, werden sie endgültig zur größten Synth-Pop-Band aller Zeiten. Mit allen Exzessen, Abstürzen und Problemen, die dazugehören.

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Popkultur

Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

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