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Popkultur

Eine Welt ohne die Beatles? 10 Dinge, die heute anders wären

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Norman Parkinson Archive/Iconic Images/Getty Images

In ihrem Film Yesterday entwerfen Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Richard Curtis ein Szenario, das für die meisten Musikfans unvorstellbar sein dürfte: Nur ein einziger Mensch erinnert sich daran, dass es die Beatles gegeben hat. Auch wir haben uns gefragt: Wie sähe die Welt ohne den Einfluss von John, Paul, George und Ringo aus?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die größten Hits der Beatles anhören: 

Ob Musik, Film, Mode oder die Gesellschaft im Allgemeinen: Es lässt sich kaum überschätzen, wie sehr die Beatles die Welt in den Sechzigern umgekrempelt haben. Wo immer es damals eine Konvention gibt, weichen die vier Liverpooler davon ab, prägen die Popkultur wie keine andere Gruppe und werden auch fast fünf Jahrzehnte später noch als wichtiger Einfluss zahlreicher Musikgrößen genannt. Schauen wir uns mal an, wo die „Fab Four“ überall ihre Finger im Spiel hatten.

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1. Männer hätten keine langen Haare.

Ob „Mop-Top“ oder „Pilzkopf“: Mit ihrem unkonventionellen Haarschnitt sorgen die Beatles schon zu Beginn ihrer Karriere für Furore. Die Idee dazu stammt von Fotograf Jürgen Vollmer. Paul McCartney erinnert sich im Buch Many Years From Now: „Wir haben einen Typen in Hamburg gesehen, dessen Haar wir mochten. John und ich sind daraufhin per Anhalter nach Paris gefahren und haben ihn gebeten, uns die Haare so zu schneiden, wie er es bei sich getan hatte. Er lebt damals in Paris.“ Zu jener Zeit gehören lange Haare keinesfalls zum Standard der Herrenfrisuren. Die Pioniere werden sogar regelrecht angefeindet. Auch die Beatles müssen sich bei Pressekonferenzen die Frage anhören, ob sie nicht mal zum Friseur gehen möchten. In Ron Howards Dokumentation Eight Days A Week – The Touring Years sieht man, wie George Harrison flapsig antwortet: „Da war ich gestern erst.“

2. Musiker*innen würden in Interviews immer noch glattgebügelte Antworten geben, mit denen sie ihre Schwiegereltern beeindrucken können.

Was die Beatles unter anderem ausgezeichnet hat, war ihr Interviewverhalten. Wo Stars wie Cliff Richard brav die Fragen aller Reporter beantworten, schießen John, Paul, George und Ringo zurück, wenn es ihnen zu doof wird. So wird John Lennon 1963 zum Beispiel von einem Journalisten darauf hingewiesen, dass Amerikaner die Gruppe aufgrund ihrer Haarschnitte für sehr unamerikanisch hielten. Lennon antwortet darauf: „Nun, das haben sie gut beobachtet. Wir sind ja auch keine Amerikaner.“ 

3. Der erste Auftritt der Beatles in der Ed Sullivan Show hätte nie stattgefunden — und keine British Invasion ausgelöst. 

Als die Beatles am 9. Februar 1964 zum ersten Mal in den USA auf Sendung gehen, schalten 73 Millionen Zuschauer ihre Fernsehgeräte ein — knapp 90% der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Dabei handelt es sich nach wie vor um eine der besten Quoten, die in den Staaten je erreicht wurde. Kein Wunder, dass auch zahlreiche Musiker den ersten US-Auftritt der „Fab Four“ mitbekommen und später als wichtigen Einfluss nennen, wie Tom Petty, Gene Simmons von KISS, Joe Perry von Aerosmith, Billy Joel, Nancy Wilson von Heart oder Gary Rossington von Lynyrd Skynyrd. Direkt nachdem die Beatles den Weg geebnet haben, bricht die British Invasion los. Innerhalb kürzester Zeit erobern auch die Rolling Stones, The Who, The Kinks und The Yardbirds das Gebiet hinter dem großen Teich — und geben der Jugend zum ersten Mal eine Stimme, die man nicht überhören kann.

4. Kinofilme mit Musiker*innen wären inhaltsleer und befremdlich. Vielleicht gäbe es auch keine Musikvideos.

Am 6. Juli 1964 veröffentlichen die Beatles ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night. Wurden Musiker bis dato vor allem als Schauspieler besetzt, um mehr Kinotickets zu verkaufen, gehen John, Paul, George und Ringo einen nie da gewesenen Weg — und spielen sich einfach selbst. Der Streifen zeigt die vier Jungs inmitten des Trubels der „Beatlemania“, fängt den typischen Humor der Liverpooler ein und gewährt auch denjenigen Fans einen authentischen Blick auf ihre Lieblinge, die bis dato keine Konzerttickets ergattern konnten. 1965 legen die Briten mit Help! ihren ersten Farbfilm nach, 1967 folgt Magical Mystery Tour. Letzterer besticht zwar weder durch eine herausragende Handlung noch durch einen logischen roten Faden, setzt aber Maßstäbe, was die Entwicklung des Musikvideos betrifft. Ein Jahr später läuft Yellow Submarine an, der zwar grafische Grenzen überschreitet und in jedes gut sortierte Filmregal gehört, von den vier Beatles aber letztlich nur abgenickt wird. 

5. In den Stadien der USA hätte es die Segregation länger gegeben.

Am 11. September 1964 sollen die Beatles im Gator Bowl in Jacksonville auftreten — vor einem nach „Rassen“ getrennten Publikum. Doch dabei machen die vier Musiker nicht mit, damals eine absolut mutige und bahnbrechende Entscheidung. „Wir spielen niemals vor getrenntem Publikum und werden jetzt nicht damit anfangen“, gibt John Lennon zu Protokoll. Auch Paul McCartney äußert sich: „Menschen nach ihrer Hautfarbe zu trennen, ist dumm. Das machen wir in England auch nicht.“ John, Paul, George und Ringo weigern sich beharrlich, das Konzert zu geben. Schließlich gibt der Veranstalter der Band schriftlich, dass es keine Rassentrennung geben wird, und die Show findet wie geplant statt. Im Anschluss an den Vorfall verabschieden sich auch andere Stadionbetreiber von der Segregation.

6. Musiker*innen würden nicht in Stadien auftreten.

1965 hat die „Beatlemania“ so groteske Züge angenommen, dass Manager Brian Epstein darum gebeten wird, die Beatles nur noch in große Stadien zu buchen statt in kleine Hallen. Das Problem dort: Selbst wenn nur 5.000 Tickets zum Verkauf angeboten werden, fürchten die Verantwortlichen, dass 50.000 weitere Fans beim Veranstaltungsort auftauchen — und randalieren. Also spielen die „Fab Four“ die erste Stadiontour der Geschichte. Den Gipfel bildet die Show im New Yorker Shea Stadium vor mehr als 55.000 Zuschauern. In der Arena gibt es zu jener Zeit noch nicht einmal eine PA-Anlage. Stattdessen spielen John, Paul, George und Ringo über die Stadionlautsprecher, über die üblicherweise durchgesagt wird, welcher Spieler gerade einen Homerun geworfen hat.

7. Alben wären keine eigene Kunstform, sondern Ansammlungen von Songs.

Am 3. Dezember 1965  veröffentlichen die Beatles ihr sechstes Album Rubber Soul. Während der Aufnahmen vom 12. Oktober bis zum 11. November desselben Jahres können die vier Musiker zum ersten Mal in Ruhe eine Platte aufnehmen, ohne dabei von Tourterminen unterbrochen zu werden. Sie experimentieren mit der indischen Sitar, nutzen Bassverzerrer, und auch das Songwriting fällt deutlich progressiver aus als vorher. Zum ersten Mal in der Popmusik versteht eine Band ein Album als Gesamtkunstwerk, nicht als Liedersammlung. Doch der ganz große Wurf soll noch folgen.

Hier könnt ihr Rubber Soul genießen:

8. Das wohl wichtigste Musikalbum aller Zeiten wäre uns vorenthalten geblieben.

Nach Revolver (1966), das unter anderem den bahnbrechenden Song Tomorrow Never Knows enthält, veröffentlichen die Beatles am 26. Mai 1967 das Album, dass die Musikgeschichte für immer verändern soll: Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Vor den Aufnahmen haben John, Paul, George und Ringo gerade erst beschlossen, dass sie nicht mehr auf Tour gehen möchten. Zu anstrengend finden sie die Umstände, zu laut das Gekreische ihrer Fans. Stattdessen verschanzen sich die Musiker im Studio und reden sich ein, sie seien nicht die Beatles, sondern eine völlig andere Band. Auf diesem Nährboden entstehen zum ersten Mal Songs, bei deren Komposition den Briten klar sein kann, dass sie sie niemals live spielen müssen. Tatkräftig beteiligt: Produzent George Martin und Toningenieur Geoff Emerick. Die beiden helfen der Band dabei, das Studio als Instrument zu verstehen und hebeln gemeinsam mit den Musikern alle Regeln der Musikaufnahme aus. 

Musikgeschichte zum Nachhören:

9. Es gäbe keinen Heavy Metal.

Als Paul McCartney im britischen Melody Maker liest, dass The Who behaupten, mit I Can See For Miles den lautesten und härtesten Rocksong aller Zeiten geschrieben zu haben, kann er das natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Er beschließt, dass der lauteste und härteste Song von niemand anderem kommen darf als von den Beatles — und schreibt Helter Skelter. Als The Who den Song gehört haben, dürften sie vor Neid erblasst sein: McCartney schreit sich am Mikro die Seele aus dem Leib, Schlagzeuger Ringo Starr zerlegt nach Herzenslust sein Drumkit, und die Gitarren klingen so verzerrt, dass man nur zu einem Schluss kommen kann: Mit diesem Song haben die Beatles den Weg für Heavy Metal geebnet. 

10. Liverpool wäre nicht das Reiseziel tausender Musikbekloppter.

Bis heute möchten Rockfans weltweit wissen, wie der Nährboden ihrer Lieblingsmusik aussieht. Wo der Suche hinführt, ist klar: Liverpool. Die vom Krieg zerschundene Stadt prägt die Beatles maßgeblich, von 1961 bis 1963 treten die vier Musiker regelmäßig im hiesigen Cavern Club auf. Seit seiner Renovierung zieht der Konzertschuppen jährlich mehrere Zehntausend Besucher an, genau wie das The Beatles Story Museum. Laut einem aktuellen Bericht sorgt die Geschichte der Beatles dafür, dass jährlich 81 Millionen Britische Pfund in die Stadt fließen und sichert mehr als 2.300 Jobs.

Eine der frühesten Spielwiesen der Beatles: der Cavern Club in Liverpool – Pic: spaztacular [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Alles nur Zufall?

Nein. Dem Erfolg der Beatles liegt eine ganz besondere Chemie zugrunde. Was die vier Briten geleistet haben, lässt sich nicht damit erklären, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Klar, hätte es die Beatles nicht gegeben, hätten sicher auch andere Bands zahlreiche Nummer-Eins-Hits landen können. Es brauchte aber die Charaktere John, Paul, George und Ringo, ihre Biografien, ihre unverblümte Art, ihre künstlerische Unersättlichkeit und den daraus resultierenden Sound, um die Welt für immer zu verändern. Schön, dass es die Beatles gegeben hat.

Die „Fab Four“ 1967 – Pic: John Pratt/Keystone/Getty Images

Ist der Beatles-Klassiker „Yesterday“ der beste Song, der je geschrieben wurde?

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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:


Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.



Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”



Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”




Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Poster für das Schulkonzert, ausgestellt im Metalli-Museum während der Europatour 2017 – Pic: Christof Leim

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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Popkultur

Zum Start der Open-Air-Saison: Die 10 ikonischsten Festivalauftritte aller Zeiten

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FREDDIE MERCURY
Titelfoto: Steve Rapport/Getty Images

David Bowie um fünf Uhr morgens, Kurt Cobain im Rollstuhl, Bob Dylan elektrisch: Diese zehn Festivalgigs haben Musikgeschichte geschrieben. Und stimmen ein auf die erste Freiluftsaison seit 2019.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Newport Folk Festival, 1965

„Judas!“ Viel mehr muss man zu Dylans berüchtigtem Auftritt beim Newport Folk Festival 1965 nicht sagen. Er wagt es doch tatsächlich, eine elektrische Gitarre zu spielen. Skandal, Zeter und Mordio! Unnötig zu erwähnen, dass sein Auftritt brillant und seine Attitüde schon damals bewundernswert renitent ist.

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2. Jimi Hendrix – Monterey, 1967

Alles beginnt 1967 in Monterey. Es ist eines der ersten Rock-Festivals überhaupt (schlanke zwei Jahre vor Woodstock), es ist das erste große Konzert der Jimi Hendrix Experience in den USA und es ist das Epizentrum des Summer of Love. Am 18. Juni 1967 will das 24-jährige Wunderkind Hendrix, diese Mischung aus Feuerpriester, Sexgott und Jahrtausendkünstler, beweisen, ws in ihm steckt – und zündet während des Gigs einfach mal seine Gitarre an . Seine Anbetung der Flammen sieht nicht nur verdammt eindrucksvoll aus, sie hat auch einen PR-Zweck: Clever übertrumpft er damit The Who, die anschließend spielen und zum Finale natürlich wieder ihre Gitarre zerdeppern.

3. The Who – Woodstock, 1969

Müßig eigentlich, eine einzelne Performance aus diesem schlammigen, lysergischen, chaotischen Fieberwahn herauszulösen. Weil man aber so gut wie immer Hendrix und seinen verzerrten Abgesang auf die Nationalhymne heranzieht, entscheiden wir uns heute mal für The Who, die am Morgen des 17. August 1969 um halb sechs auf die Bühne gehen. Egal, Zeit und Raum waren da längst abgeschafft. Die wilde, sehr körperliche, laute und aggressive Show von The Who resultiert aus der schlechten Stimmung der Band. Die bekommt Aktivist Abbie Hoffman zu spüren, der sich erst Pete Townshends Mikro schnappt und dann von Townsheds Gitarre von der Bühne geprügelt wird. Randnotiz: Für ein Festival des Friedens gab es für die Nummer unpassend viel Applaus. Als The Who von der Bühne gehen, lassen sie eine zerstörte Gitarre und dröhnendes Bass-Feedback zurück. The Who – immer schon wilder und gefährlicher als alle anderen.

4. Led Zeppelin – Bath, 1970

Am Sonntag, den 28. Juni 1970, machen Led Zeppelin der Rock’n’Roll-Welt klar, dass es keine Grenzen für sie gibt. In nur zwölf Monaten wurden sie von einer moderat bekannten Rockband zu Göttern. 150.000 Menschen kamen in die englische Küstenstadt, überwiegend wegen Led Zep. Die nutzen ihre Headliner-Position für ein langes Set, mit dem sie ihrer Heimat ihren Superstar-Status mal gehörig unter die Nase reiben wollen. Und das mit Gusto, Bravado und Grandezza tun.

5. David Bowie – Glastonbury, 1971

Manchmal lohnt es sich, sehr lang wach zu bleiben. Oder sehr früh aufzustehen. Bei David Bowies Glastonbury-Stunt 1971 waren das gerade mal 12.000 Menschen. Die aber kommen am 23. Juni 1971 um fünf Uhr morgens in den Genuss eines einzigartigen Akustik-Sets, bei dem Bowie nach dem Erfolg von Space Oddity seine Wandlungsfähigkeit mal so richtig aufblitzen lässt und Songs wie Oh! You Pretty Things in Unplugged-Versionen spielt.

6. Queen – Live Aid, 1985

Man kann darüber streiten, ob U2s improvisierter Auftritt oder Queens straffes, ökonomisches Medley der eigentliche Höhepunkt des megalomanischen Benefiz-Spektakels Live Aid ist. Fakt ist: Queens 20 Minuten haben die größere Signalwirkung. Die Band hat sich wieder zusammengerauft, Mercurys Stimme überstrahlt alles und Bohemian Rhapsody ist einer dieser Musikmomente für die Ewigkeit.

7. Nirvana – Reading, 1992

1992 werden Nirvana von der Wirklichkeit eingeholt. Der Grunge-Traum wird zum Albtraum, eine aus Rebellion und Antithese gestartete Bewegung wird vom Mainstream ausgeschlachtet – Boulevardpresse inklusive, die Kurt Cobain 1992 als abgehalfterten Junkie darstellen. Cobain reagiert mit gewohnt zynischem Gespür für eine Situation und lässt sich in einem Rollstuhl auf die Bühne schieben. Die Show danach geht in die Annalen ein – anarchisch, kraftvoll, versengend.

8. Manic Street Preachers – Reading, 1994

1994 treten die Manic Street Preachers ohne ihren Gitarristen Richey Edwards auf. Der befindet sich nach einem Selbstmordversuch damals im Krankenhaus, die Band zieht eine der größten Shows ihrer Karriere als Trio durch und legt sich mächtig ins Zeug. Es ist nur der Anfang der Tragödie rund um Edwards: Am 1. Februar 1995, einen Tag vor ihrer USA-Tournee, verschwindet er spurlos. Mehrfach wollen ihn Menschen gesehen haben – auf Goa, Fuerteventura. Doch er taucht nie wieder auf und wird 2008 offiziell für tot erklärt. Wenige Monate zuvor stehen die Manic Street Preachers wieder in Reading auf der Bühne – und widmen ihm ihr Set.

9. Oasis – Glastonbury, 1994

Ihr Triumph von 1994 zeigt, wie schön es gewesen wäre, wenn Oasis ihre Egos im Griff gehabt hätten. Ihre bis dato größte Show ist das Ereignis, das sie zu überlebensgroßen Rockstars macht – mit allen Konsequenzen. Es ist aber auch die Show, die zeigt, wie es dazu kommen konnte: Die Band ist nicht gut, sondern genial, alles passt, hier wird spürbar Geschichte geschrieben.

10. Amy Winehouse – Glastonbury, 2004

Im verregneten Sommer 2004 ist Amy Winehouse noch einen Quantensprung von dem zerstörerischen Ruhm entfernt, der sich ab Back To Black aus der Spur bringen und letztendlich vernichten wird Ein halbes Jahr zuvor war ihr Debüt Frank erschienen, ein vielbeachtetes Werk zwischen Soul, Pop und Jazz, das bei ihrem Glastonbury-Debüt 2004 schon viele Freunde hatte. Die standen im Matsch und sahen eine junge, fröhliche, zufriedene Amy Winehouse, die sang als gäbe es nichts natürlicheres auf der Welt. Das tat sie drei Jahre später auch noch. Nur die Fröhlichkeit, die war dann schon verschwunden.

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Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Popkultur

Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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