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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.3.1954 kommt Nancy Wilson von Heart zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.3.1954.

von Timon Menge und Christof Leim

Zu Beginn ihrer Karriere bedient sie schüchtern die Saiten ihrer viel zu großen Gitarre, mit der Band Heart schreibt sie aber vor allem in den Siebzigern Classic Rock-Geschichte. In den Achtzigern schreitet sie in Musikvideos mit Föhnfrisur durch den Nebel und probiert sich am Leadgesang. Mittlerweile gilt sie als eine wichtige Songwriterin und Instrumentalistin des Genres. Zu ihrem Geburtstag am 16. März  werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Stationen ihres Lebens.

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Hört hier in Little Queen von Heart rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Nancy Wilson zu Beginn ihrer Karriere – Pic: Sidney Júnior/Wiki Commons

Nancy Lamoureaux Wilson kommt am 16. März 1954 in San Francisco als jüngstes von drei Kindern zur Welt. Im Alter von zehn Jahren sieht sie mit ihrer Schwester Ann die Beatles bei ihrem legendären und folgenreichen Auftritt in der Ed Sullivan Show. Nach eigener Aussage schlägt dieses Erlebnis bei den Mädels ein wie der Blitz: Der  Berufswunsch der beiden zeigt danach eindeutig Richtung Rockstar. Die Schwestern gründen mit zwei Freundinnen eine A-Capella-Gruppe und treten bald bei lokalen Konzerten auf. Parallel beginnt Nancy, auf der Gitarre ihrer Schwester zu üben. Bei einer Veranstaltung ihrer Kirche gegen Ende der Sechziger spielen die beiden als Duo, vergrämen mit ihrer kriegskritischen Songauswahl aber die Hälfte des Publikums. Nach einem kurzen Studium in Portland, wo sie sich mit kleineren Akustikshows eine musikalische Identität aufbaut, folgt Wilson dem Ruf ihrer Schwester Ann nach Vancouver: Bei der Gruppe Heart wird eine Gitarristin gesucht.

Bis dato besteht die Band aus Roger Fisher an der Leadgitarre, Steve Fossen am Bass und Sängerin Ann. Die übernimmt gemeinsam mit Nancy den Großteil des Songwritings der Gruppe. Ein Plattenvertrag mit Mushroom Records folgt bald, Produzent Mike Flicker zeigt sich begeistert von Anns Stimme und sieht in Nancy einen Rohdiamanten. Als die ersten Singles How Deep It Goes und Magic Man vom kanadischen Radio gespielt werden, beginnt die Produktion des Debütalbums Dreamboat Annie.



Die Platte erscheint 1975, und dank einer cleveren Marketingkampagne, die die rockenden Wilson-Schwestern in den Mittelpunkt stellt, tourt die Band kurze Zeit später im Vorprogramm von Größen wie Rod Stewart und ZZ Top. Bereits im folgenden Jahr erreicht das Album Platinstatus.



1977 veröffentlichen Heart den Nachfolger Little Queen und ihr größte Single Barracuda, die später Kultstatus erreichen soll. Nach einem Wechsel des Managements und der Plattenfirma publiziert Mushroom Records eine unfertige Version des dritten Albums Magazine. Die Band muss die Platte zurückrufen und wird in einen zweijährigen Rechtsstreit verwickelt. Das tut dem Erfolg der Neuveröffentlichung jedoch keinen Abbruch, erstmals zieren die Schwestern das Titelblatt des Rolling Stone.

Höhepunkt einer jeden Rockerkarriere: das Cover des „Rolling Stone“ – Ann und Nancy Wilson 1977

Nancy Wilson führt währenddessen eine Beziehung mit ihrem Co-Gitarristen Fisher. Als dessen Untreue auffliegt, wird er kurzerhand aus der Band geschmissen. Für Nancy bedeutet das einen Schritt nach vorne, denn sie spielt nun Leadgitarre und kann sich auf Touren mit Lynyrd Skynyrd, den Rolling Stones und Queen beweisen.

In der zweiten Hälfte der Siebziger gelingt Nancy Wilson und Heart der Durchbruch – Pic: Sidney Júnior/Wiki Commons

Ab 1982 nimmt der kommerzielle Erfolg der Gruppe ab, der Drogenkonsum aber zu. Das berichtet zumindest die Gitarristin: „Alles, was wir zu der Zeit anfassten, war mit einer weißen Pulverschicht bedeckt.“ Die Band landet schließlich bei Capitol Records. Das Label greift durch und verpasst der Band eine Neuausrichtung Richtung Glam, was auch dem Jahrzehnte entsprechende Frisuren und Klamotten nach sich zieht. Das Ergebnis: das Album Heart (1985). Im Stück These Dreams übernimmt Nancy dann erstmals den Hauptgesang, und auch privat wendet sich durch die Ehe mit Regisseur Cameron Crowe das Blatt.



Während Heart zwischendurch eine längere Pause einlegen und nur gelegentlich auf wohltätigen Veranstaltungen spielen, konzentriert sich Nancy Wilson auf die Filmwelt; für Projekte wie Jerry Maguire, Almost Famous oder Vanilla Sky steuert sie Filmmusik und Soundtracks bei. 1999 veröffentlicht sie einen eigenen Konzertmitschnitt: Live At McCabe’s Guitar Shop.



Die Verbindung unter den Schwestern bleibt jahrelang so eng, dass sie die Band 2002 mit neuem Line-Up wieder vereinen und Alben wie Jupiter’s Darling (2004), Fanatic (2012) und Beautiful Broken (2016) veröffentlichen. Als sich allerdings Anns Ehemann 2016 mit Nancys Söhnen anlegt, entscheiden die Wilsons, das Projekt für unbestimmte Zeit auf Eis zu legen.

Heute kann Nancy Wilson auf eine beeindruckende Karriere verweisen, nennt einen Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame ihr Eigen und wurde 2012 mit Heart in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Für den Hersteller Gibson bleibt sie eine der zehn besten Gitarristinnen aller Zeiten.

Genug hat die Dame trotzdem noch nicht: 2016 gründet sie ihr neues Projekt Roadcase Royale. Auch mit Heart geht es im Sommer 2019 weiter: Die Schwestern touren mit weiblichen Stars wie Joan Jett und Sheryl Crow durch die USA. Wir wünschen: Alles Gute zum Geburtstag, Nancy Wilson!


Titelfoto: Angela George/Wiki Commons

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Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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Zeitsprung: Am 24.5.1974 erscheint „Diamond Dogs“ von David Bowie.

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Diamond Dogs

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit seinem achten Studioalbum Diamond Dogs hat David Bowie am 24. Mai 1974 eine seiner wechselhaftesten, aber auch interessantesten Platten veröffentlicht. Als eine der Vorlagen dient der berühmte Roman 1984 von George Orwell. Ein paar Kompromisse musste Bowie allerdings eingehen.

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Hört hier Diamond Dogs:


Als David Bowie Anfang 1974 zu seinem achten Wurf ansetzt, liegt die Beerdigung seiner wohl bekanntesten Kunstfigur Ziggy Stardust gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Für Diamond Dogs kramt der britische Musiker den Charakter schon wieder hervor, wenn auch unter dem Namen Halloween Jack. Zumindest sind optische Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte beginnt allerdings bei einer der berühmtesten Dystopien aller Zeiten.



Heute wissen wir: George Orwells Jahrhundertwerk 1984 wurde von der Realität in vielerlei Hinsicht nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Zu Beginn der Siebziger treibt David Bowie eine Begeisterung für den gesellschaftskritischen Roman um, sogar auf die Bühne möchte er das Buch bringen. Weil er nicht die nötigen Rechte dazu erhält, setzt er auf einen alternativen Plan und will das fremde Material mit seinen eigenen Vorstellungen einer postapokalyptischen Welt verschmelzen. Das Ergebnis: Songtitel wie 1984 oder Big Brother. Später mischt er die Ideen dann doch mit thematisch weiter gefassten Entwürfen, wodurch sich das Album zu einer komplexen und bunt gemischten Sache entwickelt.

Bowie während der Tour zu Diamond Dogs im Juni 1974 – Pic: Promo/MainMan

Auf der Plattenhülle sieht man Bowie als Fantasiewesen, zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Hund. Nach Erscheinen löst diese Zeichnung des belgischen Malers Guy Peellaert eine Kontroverse aus, denn öffnet man das komplette Cover, kommen in der Urfassung die Genitalien des Geschöpfes zum Vorschein. Das geht natürlich nicht, also wird das Album schnell wieder vom Markt genommen und die entsprechende Stelle übermalt. Heute wechseln Originalexemplare für mehrere Tausend Euro den Besitzer.



Musikalisch orientiert sich die Platte teilweise am Glam der vorherigen Kompositionen Bowies. Mit Songs wie Rock ‘n‘ Roll With Me, 1984 oder Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (Reprise) liefert der Ausnahmekünstler allerdings auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre. Für letzteres Lied bedient er sich erstmals der Cut-Up-Technik, die vor allem von Autor Williams S. Burroughs bekannt gemacht wurde. Bei dieser Methode werden Texte in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen — ein Vorgehen, das Bowie weitere 25 Jahre begleiten soll und viele seiner Songs prägt.



Mit Diamond Dogs schafft Bowie gerade rechtzeitig den schrittweisen Absprung vom Glam Rock, der in den Jahren danach zu einer Talfahrt ansetzt, von der er sich nicht mehr erholt. Laut eigener Aussage handelt es sich bei Diamond Dogs um noch deutlich mehr, nämlich ein „sehr politisches Album. Mein Protest. Es entspricht mir mehr als all meine bisherigen.“ In den britischen und in den kanadischen Charts erreicht die Scheibe Platz eins, in den USA Platz fünf — zu jener Zeit Bowies Bestwert.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

Marching Pink Floyd GIF - Find & Share on GIPHY

Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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