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Popkultur

Die musikalische DNA von U2

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Wie viele Bands schaffen es eigentlich, über vierzig Jahre zusammenzuhalten? Also, ohne dass dabei jemand aussteigen oder – schlimmer noch und leider in der Rock-Geschichte doch verbreitet – sterben würde? U2 zumindest ist es gelungen und nicht nur das. Bono, The Edge, Adam Clayton und Larry Mullen Jr. zeigen weiterhin keine Ambitionen, sich irgendwo in der irischen Einöde niederzulassen und sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Mit U2 geht es weiter – In The Name Of Love!


Hört hier in die musikalische DNA von U2 rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Beständigkeit und der unbändige Wille, neue Grenzen erst zu finden und sie dann zu überschreiten, forderte von der Band auch seinen Preis. Auf den anfänglichen Siegeszug der Band folgten Zeiten voller Selbstzweifel, der Konflikte und kommerzieller Misserfolge. U2 jedoch überwanden diese und wurden schon als die neuen The Who oder Led Zeppelin gefeiert. Ein tolles Kompliment? Nicht für U2, die erklärtermaßen immer mehr als nur das „next big thing“ sein wollten, wie Bono sagte. Rückblickend auf eine von U2s erfolgreichsten Schaffensphasen nach der Veröffentlichung von The Joshua Tree angesprochen grummelte Mullen: „Wir waren die Größten, aber nicht die Besten.“

Wie hoch die Anforderungen sind, welche die Band an sich selbst stellt, lässt sich allein an ihren rekordverdächtigen Bühnendesigns oder an ihrem sozialpolitischen Engagement ablesen. Noch mehr indes werden die übermenschlichen Ambitionen der vier Iren deutlich, wenn wir dem Sound lauschen, der tief in ihre musikalische DNA eingeschrieben ist. Die Einflüsse U2s sind so mannigfaltig und weitreichend, dass ihnen wohl keine Liste gerecht würde. Doch zeigt schon die Auswahl von zehn wichtigen Artists und Songs, warum diese Rock-Band keine normale ist. Und warum sie letztlich nicht nur die Größten, sondern auch die Besten sind.


1. The Buzzcocks – Ever Fallen In Love (With Someone You Shouldn’t’ve)

Fangen wir aber mit einer Zeit an, als die Band noch klein war und ihr Fähigkeiten… Naja, bescheiden. Wie so viele andere Teenager ihrer Zeit erlebten die Mitglieder Ende der siebziger Jahre eine wahre Offenbarung, als Punk die Bühne betrat. Der angeblich im Fanzine Sniffin’ Glue veröffentlichte – tatsächlich schrieb dessen Herausgeber Mark Perry diese Worte so niemals auf – Leitsatz lautete: „Here’s one chord, here’s another. Now go and form a band.“ Auch der 14-jährige Larry Mullen Jr. und die sechs Menschen, die auf seinen Aushang in der Mount Temple Comprehensive School geantwortet hatten, wurden von Punk beflügelt. Bands wie The Jam, The Clash, die Buzzcocks und natürlich die Sex Pistols oder auch die Ramones von der anderen Seite des großen Teichs hatten gezeigt, dass es eben nicht viel Können braucht, um Musik zu machen. Sondern vor allem den Mut, den Willen und ein paar gute Ideen. Einige dieser Ideen nahm auch die junge Band mit auf dem Weg, die sich schnell auf die Kerntruppe von vier Personen dezimierte und bald in U2 umtaufte. Insbesondere die Indie-Vorreiter The Buzzcocks wurden für U2 wichtig. „The Buzzocks“, schwärmte Bono in einem Interview. „Die Melodien waren so großartig!“ Die Band gab sogar zu, sich am Anfang ihrer Karriere dreist bei den Drumpassagen der Buzzcocks bedient zu haben. Nicht nur das: The Edge lernte seine spätere Frau auf einem ihrer Konzerte kennen – vielleicht zum Sound von Ever Fallen In Love (With Someone You Shouldn’t’ve)? Das wäre wohl ein schlechtes Omen gewesen.


2. Joy Division – Love Will Tear Us Apart

Punk verglühte so schnell, wie er aufgeflammt war. Bands wie The Clash erweiterten ihren Stil um Reggae, Dub, Disco und Pop, während die Sex Pistols ein eher unrühmliches Ende fanden. Nur zwei Jahre nach dem bedeutenden Jahr 1977 nahm die nachfolgende Generation von Bands das Erbe der destruktiven Punk-Bewegung auf und schuf einen neuen Sound: Post-Punk. Eine der wichtigsten und heute noch bekanntesten Bands waren die aus dem Post-Punk-Epizentrum Manchester stammenden Joy Division, deren Album Unknown Pleasures die Musiklandschaft nachhaltig verändern sollte. Besonders die Produktion der Platte wurde mit ihrer klammen, brutalistischen Ästhetik ikonisch und die Aufnahmesessions dazu legendär. Der Mastermind dahinter hieß Martin Hannett. Hannett war ein aufbrausender Kauz, dessen unkonventionelle Ideen noch jeder Band zum Erfolg verhalfen. Moment, jeder? Nicht einer jungen irischen Band, deren von ihm produzierten Single 11 O’Clock Tick Tock nicht den erwünschten Erfolg einfuhr. Bei den Aufnahmen des Debütalbums eben jener Band setzt sich deshalb ein anderer Produzent hinter die Regler, ein gewisser Steve Lillywhite. Der hatte ähnlich verrückte Ideen, konnte mit der genannten Band jedoch eine langjährige und mehr als erfolgreiche Zusammenarbeit feiern. Die Rede ist natürlich von U2 und ihrem Debütalbum Boy, das stark vom aufkommenden Post-Punk-Sound geprägt war. Joy Division-Songs gehörten sogar hin und wieder zum Bühnenprogramm, den unsterblichen Klassiker Love Will Tear Us Apart etwa hat die Band schon mehrmals live gecovert. Auch in ästhetischer Hinsicht gibt es Überschneidungen: Anton Corbijn, der Haus- und Hoffotograf von U2, porträtierte auch Ian Curtis und seine Band Joy Division sowie später deren Nachfolgeband New Order.


3. Brian Eno – 1/1

Der Beginn von Post-Punk markierte auch eine neue Experimentierfreude in der Rock-Musik, die ebenso an U2 nicht spurlos vorbeiging und sie auf noch abwegigere Pfade schickte. Spätestens mit dem Album The Unforgettable Fire zeigten U2 eine Seite von sich, die vielen Rock-Fans eher komisch vorkam. „Wir versuchten etwas, das ernsthafter und künstlerischer war“, hieß von Bandseite. Wie war es dazu gekommen? Nun, die ansonsten recht laute Rock-Band entdeckte die stille und feinfühlige Musik von Brian Eno für sich. Der hatte 1978 mit dem Album Ambient 1: Music For Airports ein Meisterwerk geschaffen, das einem ganzen Genre seinen Namen geben sollte. Die beruhigenden Klänge wie auch die verschrobenen Klangexperimente Enos weckten das Interesse von U2, die ihn prompt als Produzent einluden – sehr zum Entsetzen ihrer Plattenfirma. U2 aber setzten ihren Willen durch und kollaborierten wieder und wieder mit dem ehemaligen Roxy Music-Mitglied. Kommerzieller Erfolg war dabei immer Nebensache und blieb des Öfteren aus. U2 aber war das egal: Was sie gemeinsam mit Eno erreichen wollten, war nichts weniger, als Musik für die Ewigkeit zu schaffen. Und so wie Ambient 1 zu einem Meilenstein der Musikgeschichte wurde, so hat sich auch das gemeinsam mit Eno produzierte Album Achtung Baby für immer in die Annalen der Rock-Musik eingeschrieben. Und wer den flächigen Sound von The Edges Gitarrenriffs liebt, der muss dafür unter anderem Eno danken.


4. Kraftwerk – Neonlicht

U2 ging es im Laufe ihrer Karriere immer darum, größer und noch besser zu werden. Die Bühnenshows wurden stetig opulenter, der Sound zunehmend fetter. Typisches Rockstar-Gehabe? Mitnichten. U2 verstehen sich und ihre Musik vielmehr als Gesamtkunstwerk, zu dem aufwändige visuelle Präsentationen ebenso gehören wie politische Ansagen. Wer U2 will, bekommt nicht nur eine Band, sondern das ganze Paket. Auch für diesen Ansatz finden sich in der Pop-Geschichte ausreichend Vorbilder, kaum jemand aber hat diesen (Selbst-)Anspruch dermaßen zur Perfektion getrieben wie Kraftwerk. Die Düsseldorfer Truppe um Ralf Hütter und der mittlerweile ausgestiegene Florian Schneider-Esleben zeigte, dass selbst eine eigenwillige Ästhetik nicht bedeuten musste, auf große Melodien und noch größere Erfolge zu verzichten. U2 nannten das Projekt immer wieder als Vorbild, coverten live einige ihrer Stücke sowie den Song Neonlicht (in der englischen Version als Neon Lights), der auf der B-Seite zu ihrer 2004 erschienenen Single Vertigo veröffentlicht wurde. Als U2 2014 mit Invisible zurückkehrten, nannte Bono gleich zwei Bands als Inspiration: Die Ramones einerseits und Kraftwerk andererseits. Klingt zuerst nach einer absonderlichen Kombination, oder? Tatsächlich aber ist beiden Bands und damit auch U2 etwas gemein: Sie alle wissen um die Kraft des Minimalismus. So überwältigend U2s Songs auch klingen mögen, im Kern ihrer Musik steht immer ein schlichtes und doch mitreißendes Songwriting. Punk mit den Mitteln von Kraftwerk, sozusagen!


5. Einstürzende Neubauten – The Interimlovers

Kraftwerks Einfluss erstreckt sich selbstverständlich nicht allein auf U2. Ihre Songs legten das Fundament der frühen Hip Hop-Kultur, als sich Afrika Bambataa für seinen Überhit Planet Rock bei gleich zwei ihrer Tracks bediente. Auch der während der achtziger Jahre entstandene neue elektronische Musikstil mit dem Namen Techno sei, so sagte einer seiner Pioniere Derrick May, vergleichbar mit dem, was passieren würde wenn Funk-Legende George Clinton mit Kraftwerk in einem Fahrstuhl eingesperrt würde. Bei den Aufnahmen von Achtung Baby im Jahr 1990 war der Techno-Hype in Berlin bereits im vollen Gange und hinterließ einen prägenden Eindruck bei Bono und The Edge, was zu inneren Konflikten in der Band führte. Clayton und Mullen nämlich wollten sich lieber auf ihre Rockwurzeln besinnen. Der Song One von Achtung Baby wurde zur Versöhnungsnummer. Mit Dance Music im Allgemeinen und Industrial-Musik im Speziellen, wie sie in West-Berlin vor dem Mauerfall von den Einstürzenden Neubauten und anderen maßgeblich geprägt wurde, setzte sich die Band trotzdem intensiv auseinander. Auf Pop wurde dieser Einfluss deutlicher denn je. Dass die Band im Video zur Single Discotheque als Village People verkleidet waren, sagt da schon einiges aus! Zum Glück für uns (und sie!) klangen sie aber nicht so. Vielmehr zeigte sich auf Pop der dezente, aber nachhaltige Einfluss der Einstürzenden Neubauten, die 1993 gemeinsam mit den Iren auf Tour gingen. „Wir wollten ein Album machen, das elektronisch klingt und nach den Einstürzenden Neubauten“, bestätigte auch Bono.


6. Danger Doom – Crosshairs

Auch als der große Hype um elektronische Musik gegen Ende der neunziger Jahre merklich abflaute, verließ U2 das Interesse an den alternativen Möglichkeiten der Musikproduktion nicht. Es gehört zu einer Besonderheiten dieser großen und großartigen Rock-Band, stets neue Wege gesucht und betreten zu haben. Die künstlerische Abenteuerlust schlug sich bei ihnen vorrangig in der Auswahl ihrer Produzenten nieder. Nach Lillywhite und Eno war es vor allem einer, der für Aufruhr sorgte: Danger Mouse. Der US-Amerikaner hatte 2004 mit einem ambitionierten Projekt schlagartig Weltruhm erlangt. Sein Grey Album war ein Mash-Up aus dem White Album der Beatles und Jay-Zs Black Album und bedeutete eine musikalische Revolution. Wenig später schon saß er bei den Gorillaz hinter der Konsole und nahm gemeinsam mit dem Rapper MF Doom das stilprägende Album The Mouse &  The Mask unter dem Projekttitel Danger Doom auf. 2010 kam das Gerücht auf, dass U2 gleichzeitig an drei (!) Alben arbeiten würden. Eins sollte dabei von David Guetta und will.i.am produziert werden und sich eher an Dance Music anlehnen, ein anderes die ruhigere Seite von U2 betonen. Das dritte? Eine Kollaboration mit Danger Mouse, die dennoch auf den klassischen U2-Sound abzielte. Ende des Jahres bestätigte Bono die Arbeit mit Danger Mouse und vertröstete die Fanbase noch etwas bis zur Veröffentlichung. Es folgten ein paar verwirrende Jahre, in denen U2 mal begeistert, mal resigniert vom Fortschritt der Aufnahmen berichteten. Als Songs Of Innocence dann 2014 erschien, hatte es zuvor noch ein ganzes Expertenteam von anderen Produzenten durchlaufen. Danger Mouse gab sich geknickt. „Das sind nicht meine Tracks. Das sind die Songs von U2. Ich bin nicht mit einem Stück glücklich, solange sie es nicht sind.“ Vielleicht hätten also sowohl er als auch U2 bei ihren Leisten bleiben sollen. Den Versuch aber war es doch mindestens wert.


7. Them – Gloria

Während Songs Of Innocence mit dem Song The Miracle (Of Joey Ramone) dezidiert den Ramones Tribut zollte, so schwebte darüber doch auch der Geist eines anderen Musikers, mit dessen Musik die Bandmitglieder aufwachsen waren. Denn Songs Of Innocence beschäftigte sich inhaltlich mit simpleren Zeiten, als sie U2 während des Mammutprojekts durchlebten. Bono nahm darauf die unbeschwerte Jugend der Bandmitglieder in den Blick. Aber Moment mal – unbeschwert? Wuchsen die vier Musiker nicht in einer Zeit auf, in der politische Konflikte und Gewalt an der Tagesordnung standen? Nicht umsonst widmeten sie einen ihrer frühen Songs dem Sunday Bloody Sunday. In dem politischen Chaos aber gab Musik Halt. Van Morrison wuchs als Nordire in der gleichen Kultur wie U2 auf und lebte doch in einem anderen Land, seine Musik allerdings wurde über alle Grenzen bekannt. 1964 veröffentlichte er mit seiner damaligen Band Them den Song Gloria, damals eigentlich als B-Seite der Single Baby, Please Don’t Go. Wie so oft sollte die Bonus-Nummer den eigentlichen Song übertreffen und viel mehr Wirkung auf die Rock-Welt ausüben. Auch U2 konnten sich dem Sog des rohen Garage Rock-Stücks nicht entziehen und spielen ihn auch heute noch regelmäßig am Ende ihres Songs Exit an. Bei Weitem nicht die einzige Nummer des eigensinnigen Sängers, das die vier Musiker aus dem Nachbarland coverten: Auch Into The Mystic oder In The Garden vom nordirischen Maestro fanden sich zeitweise auf ihren Setlists.


8. The Beatles – In My Life

Von Punk bis Hip Hop – U2 lieben die Extreme, im Grunde aber sind sie doch eine Rock-Band und fanden dort auch ihre größten Idole. Bob Dylan etwa, den Bono den „Picasso der Rock-Musik“ nannte. „Wir alle tragen ihm seine Koffer nach!“ Auf die Frage hin, wer ihn am meisten geprägt hat, weiß der Sänger sofort eine Antwort. „Den bedeutendsten Einfluss übten auf mich die Beatles aus“, erklärte er. „Mit John Lennons Fähigkeit, den Kopf über die Brüstung zu stecken und sich aus seinen Überzeugungen heraus die Sahnetorte vom Fensterbrett zu mopsen.“ Äh, okay. Das heißt nun was? „Ich denke, dass ein Künstler die Art von Person ist, welche sich die Knochen in der Brust bricht, die Rippen aufreißt und ungeschönt und verletzlich ist. Selbst wenn das bedeutet, einen totalen Esel aus sich selbst zu machen.“ Okay, das ist zwar… grafisch… aber verständlich. „Du hast diesen Typus Künstler vielleicht gefunden und bist ihm gefolgt. Diesen Werdegang habe ich als Fan von John Lennon erlebt.“ Jetzt wird so einiges klar! Was Bono an den Beatles schätzt? So ziemlich alles. Vom „metallischen Klagegesang auf Helter Skelter“ über Paul McCartneys Lyrics hin zur „schwindeligen Psychedelik von Across The Universe“. Also das ganze Paket seiner Komplexität wegen, ja? Genau. Aber welcher ist denn nun sein Lieblingssong? „Derselbe, der auch Kurt Cobains Lieblingsstück war, In My Life.“ Na also, hätten wir das geklärt!


9. The Skids – The Saints Are Coming

Von Punk über Post-Punk hin zu Ambient, dem Techno-Pop Kraftwerks und dem Industrial der Einstürzenden Neubauten ging es bisher und von einer missglückten Kollaboration mit einem Hip Hop-Produzenten führte uns U2s Weg zurück auf den (Garagen-)Boden der Tatsachen hin zu Bonos absoluter Lieblingsband. Können wir hier etwa schon aufhören? Nein, aber wir müssen auch mal schlussmachen. Sonst würden wir mit U2s Einflüssen noch das gesamte Internet vollschreiben. Schlagen wir also einen Bogen zum Anfang und landen wieder beim Punk. Während U2 für den Ruf ihres Heimatlandes als Geburtsstätte fantastischer Rock-Musik so einiges leisteten, taten vorher The Skids dasselbe für Schottland und Punk. Die kurzlebige Band, deren Mitglieder sich reihenweise austauschten, schenkte dem Punk-Genre einen seiner größten Hits, das hymnische The Saints Are Coming. U2 zollten der legendären Nummer gemeinsam mit einer anderen Band Tribut, die ebenso wie sie im Punk anfingen und sich bald schon mit Größerem beschäftigten: Green Day. 2006 performten beide Bands den Song im Louisiana Superdome, um damit auf… ein Football-Spiel… einzustimmen? Auch das klingt zuerst merkwürdig, doch gab es dafür einen guten, wenngleich tragischen Grund: Es war das erste Spiel der New Orleans Saints (!) im heimischen Stadion nachdem der Hurricane Katrina in der Region verheerende Verwüstungen hinterlassen hatte. Der Song, der auch als Benefiz-Single erschien, schaffte es somit fast vier Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung zurück in die Charts. Punk’s not dead!


10. Jawbreaker – With Or Without U2

Was aber hält eigentlich die Punk-Szene von U2? Klar, in so gut wie allen anderen Genres wird die Band hoch geschätzt, aber Punk ist eben eigensinnig. Wer solche Ambitionen an den Tag legt wie U2 muss sich schnell Vorwürfe anhören. Sagen wir so: Während die meisten Punks bei der Nennung von U2 wohl nur angewidert die Nase rümpfen (und ihre Platten von Boy bis War nur heimlich hören), konnten sich einige doch nicht verkneifen, ihre Bedeutung in der Rock-Welt lautstark anzuerkennen. Jawbreaker hatten schon mit ihrem Song Boxcar – „1, 2, 3, 4, who’s punk, what’s the score?“ – gegen die Verbohrtheit ihrer Szene-Kollegen gewettert und gingen mit einem augenzwinkernd With Or Without U2 betitelten Stück noch einen Schritt weiter. Anders als im Titel suggeriert, zitiert dieses auf musikalischer Ebene zuerst Sunday Bloody Sunday, bevor Sänger Jake Schwarzenbach Passagen aus With Or Without You bellt. Das aber ist noch nicht alles: Weiter geht es im Song mit einer Hommage an die Horror-Punks von den Misfits und eine an die britische New Wave-Band The Vapors. Keine schlechte Gesellschaft eigentlich, oder? Es passt eben auch zu U2, die ihre weitreichenden Einflüsse nie verheimlicht und sich doch stets auf ihre Wurzeln besonnen haben.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.11.1969 wird Myles Kennedy geboren.

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Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1969.

von Thorsten Seiffert und Christof Leim

Irgendwas muss dran sein an dieser Stimme. Myles Kennedy singt bei gleich mehreren großen Rockbands, und sogar die Gruppen, bei denen er fast gelandet wäre, erweisen sich im Nachhinein als äußerst spannend. Am 27. November hat der Mann Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Myles Kennedys Soloalbum Year Of The Tiger anhören:

Geboren wird der Sänger und Gitarrist am 27. November 1969 als Myles Richard Bass in Boston, Massachusetts. Den Nachnamen Kennedy erhält er, als die Mutter nach dem Tod des Vaters erneut heiratet. Schon früh in seiner Kindheit beginnt Myles, die Trompete zu malträtieren, und hat gar eine Luftgitarrenband mit seinen besten Freunden. Als es dann Instrumente aus Holz gibt und er richtig in die Saiten dreschen kann, geht es Schlag auf Schlag: Animiert von einem Jazz-Kurs, den der junge Mann an der Highschool belegt, steigt er 1990 in eine Jazzformation mit dem Namen Cosmic Dust Fusion Band oder kurz Cosmic Dust ein. Sein Talent zeichnet sich schon damals deutlich ab, schnell macht er sich durch die Kombination seines musikalischen Wissens mit einer rockigen Spieltechnik einen Namen in der lokalen Szene. Dass Myles Kennedy auch als Fusion-Jazzer eine mehr als respektable Figur abgibt, beweist das erste Album von Cosmic Dust namens Journey  von 1991. Für den Song Spiritus gewinnt die Band 1993 sogar einem mit 5000 Dollar dotierten Preis

Aus Jazz wird Grooverock

Beim Jazz wird es nicht bleiben, doch der Weg zum Rockstar hält noch einige Abzweigungen bereit. Myles verlässt den kosmischen Staub und wird singender Gitarrist bei Citizen Swing, einer soulig und bluesig klingenden Truppe mit Alternative-Einschlag. Auch hier gibt es Hörbares: 1993 haut die Band das Album Cure Me With The Groove raus. 1995 folgt noch Deep Down, dann zieht die Kombo einen Schlussstrich. Kennedy, der inzwischen als Gitarrenlehrer arbeitet, will härter rocken und gründet mit einigen Kindheitsfreunden und einem Citizen-Swing-Kollegen eine neue Gruppe: The Mayfield Four. 

Ein erstes Demo (Thirty Two Point Five Hours) kommt so gut an, dass Epic Records einen Vertrag rausrücken. So langsam kommt Myles’ Karriere also in Fahrt. Das Debüt Fallout von 1998 wird intensiv live präsentiert, im Rahmen der mehr als ein Jahr dauernden Tour spielen The Mayfield Four mit Bands wie Stabbing Westward, Big Wreck und Creed zusammen. Obwohl die Kritiken gut ausfallen, findet Fallout nicht den Weg in die Charts. 

Hier könnt ihr euch The Mayfield Four anhören:

Jetzt ruft Hollywood

Während sich die Band abstrampelt, den Durchbruch zu schaffen, erhält Myles Kennedy das Angebot, in dem Hollywood-Streifen Rock Star mit Mark Wahlberg und Jennifer Aniston mitzuspielen. Der Film lehnt sich vage an die Story von Tim „Ripper“ Owens Einstieg bei Judas Priest an und erzählt von einer fiktiven Band namens Steel Dragon. Kennedy spielt dabei einen Fan, der zum Ende auf die Bühne gezerrt wird, um das Konzert als Sänger zu beenden, während der Frontmann und Protagonist (Wahlberg) sich absetzt. Kennedy ist der einzige Darsteller in Rock Star, dessen echte Gesangsstimme wir zu hören bekommen. Als Schauspieler will sich Myles nach dieser Erfahrung nicht sehen: „Das war schon witzig, und ich habe nichts nachgestellt. Ich war einfach ein Typ aus der Provinz, der mit den Schwergewichten in Hollywood einen Film dreht“, sagt er später. „Es fiel mir leicht, diesen dämlichen Typen abzugeben, dazu gehörte kein bisschen Schauspielerei.“

Seiner Band The Mayfield Four hilft der Auftritt indes nicht. 2001 wird das zweite Album Second Skin veröffentlicht: wieder mit guten Reaktionen, wieder kein Erfolg. Das nagt an Kennedy, und die Gruppe bricht auseinander. In einem Interview mit Pulse Weekly erklärt er später, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, also 2002, ausgebrannt von der der Musikindustrie fühlte und zudem nach Jahren der hohen Lautstärken einen Tinnitus entwickelt hat. „Ich kann das nicht mehr machen, meine Ohren lassen das nicht zu“, sagt er damals und fällt in eine Depression. Mit Bands beschäftigt sich Kennedy in dieser Phase nicht und gibt stattdessen Gitarrenunterricht.

Myles will nicht mit Slash spielen

Doch es geht auch wieder aufwärts: Wie gesagt muss etwas dran sein an dieser Stimme, denn 2002 meldet sich Gitarrengott Slash, der einen Sänger für seine neue Band Velvet Revolver sucht und Kennedys Demo gehört hat. Doch unser Mann entscheidet sich dagegen, ergreift ein Jahr später aber eine andere Chance: Creed-Gitarrist Mark Tremonti möchte, dass Myles einige Songs für ihn einsingt. 

Creed-Gitarrist Mark Tremonti gewinnt Myles Kennedy 2003 für seine Band Alter Bridge – Pic: Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

So entstehen Alter Bridge, die neue Band der Creed-Musiker Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall. Die Chemie stimmt, und nun wendet sich das Blatt: Während das Debüt One Day Remains (2004) gemischte Reaktionen bei den Kritikern hervorruft, stehen die Fans auf den Sound, was letztlich in einer goldenen Schallplatte gipfelt. Mit Alter Bridge geht es hervorragend weiter, und Kennedy wird immer bekannter. Blackbird erscheint 2007, spätestens mit AB III (2010) gehört die Band zu den großen Namen im internationalen Rockzirkus.

Wenn Rockgötter anrufen…

2008 schließlich macht ein gewichtiges Gerücht die Runde: Myles Kennedy soll Robert Plant bei Led Zeppelin ersetzen, als dieser nach der einmaligen Live-Reunion der Band 2007 lieber wieder sein eigenes Süppchen kochen will. Wow! Kennedy schweigt zu alledem, bis er 2009 dann doch ausplaudert, dass er tatsächlich mit Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham geprobt und gejammt habe. Jason, Sohn des legendären Originalschlagzeugers John Bonham, hatte ebenfalls in Rock Star mitgespielt, sich an den begnadeten Sänger erinnert und diesen Jimmy Page vorgeschlagen. Ob es Songs aus dieser kurzen Zusammenkunft gibt, bleibt jedoch bis heute schleierhaft. „Ich fühlte mich einfach unglaublich geschmeichelt, mit diesen Jungs im selben Raum zu stehen“, kommentiert Kennedy 2010 gegenüber Music Radar. „Alles, was ich über Rock gelernt habe, habe ich von Led Zeppelin. Nur in Jimmy Pages Nähe zu sein, war unglaublich.“

Myles Kennedy und Slash live 2015 – Pic: Harmony Gerber/WireImage/Getty/Images

Neuer Versuch mit Slash

Obwohl Myles der Guns N’ Roses-Legende Slash damals abgesagt hat, lässt dieser nicht locker – und „füttert“ den Alter-Bridge-Sänger mit einem einzigen Song langsam an. Auf dem einfach Slash betitelten Solodebüt des passionierten Zylinderträgers soll Myles einen einzigen Track singen, nämlich Starlight. Kurz vor Schluss der Aufnahmen rückt der Gitarrenheld aber mit einem weiteren Lied heraus, und auch auf dem in letzter Minute eingespielten Back From Cali beeindruckt Kennedy am Mikro. Die Zusammenarbeit läuft so gut, dass Slash ihn als Frontmann mit auf Tour nimmt und anschließend auch als Hauptsänger für seine nächsten Alben engagiert. So hören wir Myles auf Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018). Slashs Liveband trägt sogar den Namen Myles Kennedy & The Conspirators.

Gleichzeitig läuft die Karriere von Alter Bridge ganz vorzüglich mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Touren, so dass unser Mann quasi ständig unterwegs ist. Doch das scheint nicht zu reichen, denn 2018 erscheint noch sein erstes Soloalbum Year Of The Tiger, für das er auch Konzerte spielt

Hier hat also jemand all seine Rock’n’Roll-Träume erfüllen können. Wir schicken Myles Kennedy, der mit seiner Frau Selena in Spokane im Bundesstaat Washington lebt, laute Grüße zum Geburtstag!

Zeitsprung: Am 18.4.1974 rockt Mark Tremonti von Alter Bridge und Creed los.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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AC/DC, Tina Turner, Aerosmith: Die erfolgreichsten Comebacks der Musikgeschichte

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Zeitsprung: Am 26.11.2016 droht die kanadische Polizei mit Nickelback.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.11.2016.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 26. November 2016 rät die Polizeiwache im kanadischen Kensington ihrer Facebook-Gefolgschaft von Alkohol am Steuer ab. Lobenswert, immerhin stehen Weihnachtsmärkte und -feiern vor der Tür. Das eher ungewöhnliche Druckmittel Nickelback sorgt dabei allerdings für Lacher und Kritik.

Hört euch hier die besten Nickelback-Songs an: 

„Fröhliche Weihnacht“, denkt sich 2016 das Polizeipräsidium in Kensington auf Prince Edward Island und leistet sich dann einen ziemlichen Klops. Die für ihre Nettigkeit bekannten Kanadier bieten auf Facebook am 26. November einen besonders festlichen Service: In einem Post zeigen sie Möglichkeiten auf, Alkohol am Steuer zu vermeiden. Scheinbar keine einfache Aufgabe, locken doch Glühwein und andere edle Tropfen gerade vor Weihnachten mit ihrer wärmenden Wirkung. Einen kleinen Scherz kann sich der oder die Social-Media-Verantwortliche dabei nicht verkneifen.

Staatsdienst mit Augenzwinkern

Die Erinnerung an die Pflichten im Straßenverkehr beginnt noch harmlos. Mit Empfehlungen, im Vorfeld eine nüchterne Person für die Heimfahrt zu bestimmen oder doch schon vor Beginn der Veranstaltung Taxiunternehmen oder Übernachtungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen, leistet die Polizei ihren Beitrag zur winterlichen Verkehrssicherheit.  

Aber das reicht womöglich nicht. Doch auch die Behörde scheint jedoch vernommen zu haben, dass eine gewisse landeseigene Band nicht überall den besten Ruf genießt. Die Nachricht, die sie als „Christmas Bonus Edition“ betiteln, geht also mit einer Drohung der besonderen Art einher: „Die Polizei von Kensington wird den Rest des Jahres nach denjenigen suchen, die dumm genug sind, zu trinken und danach zu fahren. Und wenn wir euch kriegen – und das werden wir – gibt es zuzüglich zu einem deftigen Bußgeld, einer Strafanzeige und einem einjährigen Führerscheinentzug noch ein zusätzliches Geschenk: Auf dem Weg ins Gefängnis beschallen wir euch mit Nickelback.“

Die meinen das ernst. Oder?

Wer jetzt noch daran zweifelt, ob da wirklich eine gesamte Polizeiwache Nickelback aufs Korn nimmt, sollte unbedingt den Rest des Posts lesen: „Wir finden: Wer töricht genug ist, nach einem Drink noch hinters Steuer zu steigen, für den sind Chad Kroeger und seine Jungs das passende Geschenk.“ Das dazugehörige Bild zeigt eine bisher ungeöffnete 

Ausgabe des Albums Silver Side Up aus dem Jahr 2001, die die Mannschaft großzügig für etwaige „Gäste“ öffnen möchte.

Lang gelöscht: Ein Screenshot des Originaltexts vom 26. November 2016.

Das locker formulierte Posting trifft online einen Nerv und erscheint als Meldung in weltweiten Medienformaten. Die eigentliche Nachricht, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehenzulassen, mutiert dabei in eine Debatte über Nickelback, die man auch in den Kommentaren fortführt. Die 1995 gegründete Band gehört zu denjenigen Gruppen, die die Öffentlichkeit heiß diskutiert, und nicht immer geht es um Musik.

Wasser auf die Internetmühlen

Auch die Kommentare zum polizeilichen Facebook-Post zeigen keine Einigung. „Schimpft doch nicht auf Nickelback! Nehmt lieber jemanden wie Justin Bieber“, schlägt jemand vor. (Bieber ist ebenfalls Kanadier.) Andere wiederum fragen sich, ob eine solche Bestrafung nicht gegen die Genfer Konvention für Menschenrechte verstoße. Die Meldung zieht so kontroverse Kreise, dass die Wache den Post schließlich löscht und eine öffentliche Entschuldigung einstellt.

Nickelback selbst dürfte der Zwischenfall nur am Rande interessieren: „Ich glaube, diese ganzen Meckerer und Kritiker wissen gar nicht, was sie uns für einen Gefallen tun. Ohne sie wären wir nur eine Allerweltsband“, teilt Kroeger schon 2014 lässig der Presse mit. Die Kanadier belegen laut Digital Music News Platz elf der meistverkauften Bands der Geschichte

 

Zeitsprung: Am 21.8.2015 „rickrollen“ die Foo Fighters gegen Homophobie.

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