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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.7.2005 stehen Pink Floyd nach 24 Jahren wieder zusammen auf der Bühne.

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Pink Floyd
Foto: MJ Kim/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.7.2005.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Als die Nachricht die Runde macht, trauen Pink Floyd-Fans ihren Augen kaum: Nach 24 Jahren ewiger Fehde begraben die zerstrittenen Bandmitglieder Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Rick Wright das Kriegsbeil, um am 2. Juli 2005 im Zuge des Benefizkonzerts „Live 8“ Stimmen für den guten Zweck zu sammeln. Und das, obwohl Roger Waters kurz zuvor nicht einmal mehr die Telefonnummer seines einstigen Kollegen David Gilmour hatte.

Zur Lektüre gibt’s hier die besten Pink-Floyd-Songs:

Wenn es Anfang der Nuller Jahre eine Sache gibt, bei der sich fast alle Pink-Floyd-Fans einig sind, dann die Tatsache, dass ihre Lieblingsband wohl nicht mehr zusammenfinden wird – zumindest nicht in der Konstellation mit Roger Waters: Zu groß ist die Kluft, die insbesondere zwischen ihm und Gilmour seit den Achtzigern besteht. Bereits 1985 verlässt der Bassist die Band; es folgt ein juristischer Streit über die Namensrechte, Waters startet zudem eine Solokarriere. 1994 lehnt er eine Wiedervereinigung der Band ab.

Zusammenraufen für den guten Zweck

Doch dann macht Bob Geldof das Unmögliche möglich: Nachdem er bereits 1985 maßgeblich für das legendäre Benefizkonzert Live Aid verantwortlich war und schon damals Bands wie Led Zeppelin wiedervereinte, setzt er 20 Jahre später noch einen drauf. Angelehnt an den anstehenden G8-Gipfel organisiert er unter dem Namen Live 8 ein fulminantes Rockspektakel, das an zehn Orten der Welt gleichzeitig stattfindet. Namhafte Bands wie Queen, Judas Priest, U2 und The Who sammeln unter dem Motto „Make Poverty History“ Stimmen für eine Petition, die auf die Probleme der afrikanischen Entwicklungsländer unüberhörbar aufmerksam machen soll.

Auch Pink Floyd fragt Geldof für die Veranstaltung an – und bringt die Band so tatsächlich erstmals wieder gemeinsam auf die Bühne. Der ewige Zwist scheint vergessen: „Alle Streitigkeiten, die Roger mit der Band in der Vergangenheit hatte, sind so unbedeutend diesem Zweck gegenüber“, sagt Dave Gilmour im Interview mit dem Daily Mirror. Auch Waters freut sich, auf „Themen wie Verschuldung und Armut in der Dritten Welt“ hinweisen zu können.

Welche Songs? Schwierige Frage.

Zehn Tage vor der Show stecken die einstigen Meister des Psychedelic Rock mitten in den Vorbereitungen und geben sich größte Mühe, den Frieden zu wahren. „Es gab Momente, in denen Roger damit zu kämpfen hatte, nicht rechthaberisch zu werden, und ich hatte damit zu kämpfen, rechthaberisch zu bleiben“, gibt Gilmour später zu. Konkret meint er damit die Diskussion über die Setlist: Die Stücke, die Dave spielen möchte, sagen Roger nicht zu. Doch da ihnen, wie allen anderen an diesem Abend Beteiligten nur ein kurzer Auftritt von 20 Minuten zusteht, einigen sie sich letztlich doch auf vier Titel, die allesamt aus der gemeinsamen Zeit vor Waters Ausstieg stammen. Neben Breathe und Money von The Dark Side Of The Moon (1973) wollen sie auch Wish You Were Here des gleichnamigen Albums von 1975 sowie Comfortably Numb aus The Wall (1979) spielen.

Obwohl die Veranstaltung mit Größen wie Bryan Adams, Bon Jovi und Sting aufwarten kann, gilt die Wiedervereinigung von Pink Floyd als unbestrittener Höhepunkt. Im Londoner Hyde Park betritt die Band vor 200.000 Zuschauern um 23:23 Uhr die Bühne – und treibt den ehrfürchtigen Fans auf der ganzen Welt die Tränen in die Augen. Insbesondere Comfortably Numb greift mit kritischen Worten und Gilmours legendärem Gitarrensolo die klagende Stimmung des Konzerts auf und begeistert die Zuschauer.

Einmalige Aktion

Live 8 wird in jeder Hinsicht ein bombastischer Erfolg: Neben 24 Millionen gesammelten Unterschriften und einer gigantischen Öffentlichkeitswirkung für den wichtigen Zweck liegen die Verkaufszahlen des Best-of-Albums Echoes am Montag danach mehr als 1.000 Prozent über dem Durchschnitt der Vorwoche. David Gilmour fordert seine Kollegen deshalb auf, ihre zusätzlichen Einnahmen an Afrika zu spenden.

Trotz allem bleibt die Reunion eine einmalige Angelegenheit. Im Jahr 2008 stirbt Richard Wright und damit auch die Chance auf eine gemeinsame Tour. Ohnehin scheint das ausgeschlossen: „Der Gedanke an eine Wiedervereinigung sorgt bei mir für Schweißausbrüche“, sagt Gilmour 2014. „Ich bin älter geworden. Ich genieße mein Leben. Ich genieße die Musik, die ich mache, und da ist kein Platz für Pink Floyd.“

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