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Popkultur

Lang lebe das Gitarrensolo: Zwanzig grandiose Soli der Rockgeschichte

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Wir feiern das Gitarrensolo! Auch wenn es den Anschein hat, dass der gepflegte Solo-Instrumentalpart in der aktuellen Pop-Musiklandschaft seine glorreichen Zeiten hinter sich hat, erinnern wir uns an zwanzig unglaubliche Soli – von 70s-Ikonen über zu früh verstorbenen Metal-Helden bis hin zu Querdenkern und Grenzgängern.

von Markus Brandstetter

Das Gitarrensolo, was für ein Konzept! Entweder verleiht es dem*der Leadgitarrist*in in einem Song, egal ob opulente Ballade oder geradliniger Rocksong, ein paar Take Rampenlicht. Es kann der Höhepunkt des Songs sein, ein wesentliches kompositorisches Element, reine Angeberei oder eine geschmackvolle Umspielung und Umgarnung des Hauptthemas. Oder, es IST überhaupt der Song. Ein Gitarrensolo kann große Kunst sein, Hochleistungssport, vernachlässigbares Gegniedel oder die Grenzen des Instruments ausloten.

Wir erinnern uns an dieser Stelle an zwanzig einzigartige Soli aus der Rock- Geschichte.

AC/DC – Back in Black

Eigentlich waren die Gebrüder Young ja immer in gitarristischer Bestform. Back In Black zeigt aber die Stärken der beiden nochmal extra gut auf. Malcolm mit seinem wie immer völlig stoischen, geradlinigen, auf den Punkt gebrachten Riff: E, D, A, minimale Verzierungen, keine Schnörkel. Angus weiß dann circa ab der zweiten Minute ganz genau, was er zu tun hat – und sorgt, gemeinsam mit dem Fundament von Malcolm, mit seinem Solo für einen gitarristischen Glanzmoment. Fazit: Eins für die Lehrbücher!

Pink Floyd – Comfortably Numb (Gilmours zweites Solo)

David Gilmour spielt im Pink-Floyd-Epos Comfortably Numb zwei Gitarrensoli. Das erste klingt versöhnlicher und ist schon bemerkenswert – das zweite aber ist Rockgeschichte. Hier verdüstert sich die Stimmung und Gilmour läuft zu Höchstform auf. Sein Ton ist melancholisch, klagend, atmosphärisch, angezerrt, mit Hall und Reverb angereichert. Keine Silbe, kein Bending ist zuviel. Das zweite Solo in Comfortably Numb ist eine mitreißende  Elegie. Kurzum: Es ist unmöglich, einen Artikel über die größten Gitarrensoli aller Zeiten zu schreiben, ohne dieses Meisterstück Gilmours zu nennen.

Das Solo ist auch live eine Wucht, wie etliche Livevideos eindrucksvoll beweisen:

Rage Against The Machine – Bulls On Parade

Auch wenn Tom Morello durchaus einen traditionellen Rock-Background hat: Mit Flügen durch Tonleiterland und Fingerakrobatik haben die meisten seiner Soli nichts zu tun. Eines seiner herausragendsten Soli ist jenes des Stücks Bulls On Parade vom Album Evil Empire. Morello setzt bei seinen Soli auf Scratching Rhythmik und Whammy-Effekte. Im Fall von Bulls On Parade muss auch der Pick-up-Schalter daran glauben – denn dieser ist Morellos Hauptwerkzeug bei diesem Solo.

Guns N’ Roses – November Rain (alle Slash-Soli)

Am besten genießt man Slashs Gitarrensolo in Kombination mit dem legendären Musikvideo. Die Kurzfassung der Handlung: Axl heiratet, Slash ist Trauzeuge, hat aber vor lauter Les Pauls und Jack Daniels die Ringe vergessen. Sein Freund Duff hilft ihm aus der Klemme und überreicht sie ihm. Daraufhin verlässt Slash (natürlich mit Zigarette im Mund) die Kirche – die von innen riesig aussieht, von außen allerdings winzig. Kaum vor der Türe angekommen, wir befinden uns jetzt in der Wüste, hat Slash gleich eine Les Paul bei der Hand (Kabel oder Amp braucht er in der Wüste nicht) und spielt das logische Solo zu November Rain. Es wird nicht das einzige Gitarrensolo in diesem Lied sein. Das Solo ist, wie immer bei Slash: melodiös, mitsingbar, mit cremig-bluesigem Sound (Marshalls, Les Paul mit maximal einem Cry Baby Wah dazwischen). Dass er gleich während des Stücks mehrmals zum Solo ansetzt, passt hervorragend zum Song – opulent, in Überlänge, ausschweifend, dekadent, großartig!

Jimi Hendrix – All Along The Watchtower

Es ist schwer, ein einziges Gitarrensolo von einem jener Gitarristen herauszuheben, die in ihrem kurzen Leben die Gitarre für immer und nachhaltig prägten. Als sich Hendrix auf seinem 1968 erschienen Longplayer Electric Ladyland dem Bob-Dylan-Stück All Along The Watchtower annahm, machte sich das Stück völlig zu eigen. Jeder Gitarrenlauf ist legendär: das erste Solo ab Sekunde fünfzig, die Slides ab der zweiten Minute, die sich aufbäumende Wah-Orgie ab 2:17 bis zum Klimax, zu dem sich das Stück am Ende aufbäumt.

Pantera – Cemetery Gates

Staubtrocken, knochenhart: Pantera waren wie AC/DC auf Steroiden – und Dimebag Darrell einer der bemerkenswerten Gitarristen der Rockgeschichte. Das zeigt sich nicht nur bei seinen markanten, tonnenschweren Riffs – sondern auch bei seinen Soli. Unvergessen beispielsweise sein Soli in Cemetery Gates von ihrem Longplayer Cowboys From Hell.

Dire Straits – Sultans Of Swing

Man könnte an dieser Stelle auch viele andere Soli von Mark Knopfler, einem Schwergewicht der elektrischen Gitarre, nennen. Das epische, ausufernde Solo von Telegraph Road zum Beispiel, oder sein Spiel bei Brothers In Arms. Knopflers ikonischtes Solo (eigentlich im Plural, denn in Sultans Of Swing setzt er ja mehrfach an) bleibt aber Sultans Of Swing, das als Definition von Knopflers Spiel dienen könnte: höchst dynamisch (dafür sorgt das Fingerpicking), von Betonungen, Pausen, Synkopen und rhythmischen Finessen geprägt.

Steve Vai – Tender Surrender

Steve Vai kann’s auch smooth  – das bewies er unter anderem auf seiner EP Alien Love Secrets. Bei Tender Surrender ist der Einfluss von Hendrix durchwegs hörbar – nicht nur spielerisch, sondern auch kompositorisch. So weist Tender Surrender etliche Parallelen zum Hendrix-Stück Villanova Junction Blues auf.

Red Hot Chili Peppers – Scar Tissue

1999 feierte John Frusciante seine erste Rückkehr zu den Red Hot Chili Peppers, nachdem er die Band kurz nach Sex Sugar Blood Magik verlassen hatte. Und was für eine triumphale Rückkehr es war: Frusciante verhalf den Kaliforniern zu einem neuen Höhenflug, melodischer denn je. An den Alben der Band kann man beobachten, auf was Frusciante gerade Lust hatte: Auf Stadium Arcadium war er mehr in Solo-Laune, auf Californication hingegen hielt er sich deutlich mehr zurück. Sein Spiel war schon allein deshalb immer songdienlich, weil er die Songs zu gewichtigen Teilen mitschrieb und sein Gitarrenspiel ja integraler Bestandteil war. Eines der herausragenden Soli des eben zum zweiten Mal zur Band zurückgekehrten Gitarristen ist jenes in Scar Tissue, ein reduziertes, nahezu minimalistisches Slide-Solo, bei dem Frusciante einmal mehr den Wahrheitsgehalt des alte Klischees „weniger ist mehr“ (Yngwie Malmsteen würde dies verneinen!) beweist.

Van Halen – Eruption

Die Geschichte lässt sich in Kurzform so zusammenfassen: Eddie Van Halen kam, erschuf Eruption – und nichts war mehr so wie vorher. Was macht der Typ da, dachte sich 1978 so mancher, der Van Halen spielen hörte. Die Antwort war: Tapping, eine Technik, die Van Halen zwar nicht erfand, aber in der Rockwelt etablierte. Nach Eruption wollten ganze Heerscharen von Gitarrist*innen so klingen wie Eddie – und der wurde zu einem der ewigen Gitarrengiganten der Rockgeschichte.

Led Zeppelin – Stairway To Heaven

Auch wenn der Song manchen vielleicht schon aus den Ohren rausstaubt: Stairway To Heaven ist ohne Zweifel eine der größten Balladen der Rockgeschichte. Bei dieser Ballade reißt der sinfonische Himmel auf – und Jimmy Page zeigt, warum er als einer der ewig Größten gilt.

Queen – Bohemian Rhapsody

Wie spielt man in einem Epos ein Gitarrensolo? Man erschafft sich ein Epos im Epos. Das zumindest vollbrachte Queen-Gitarrist Brian May im Stück Bohemian Rhapsody. Gespielt hat das Brian May das Solo natürlich auf seiner von ihm und seinen Vater selbstgebauten Gitarre „Red Special” – und dabei im Solo jede mögliche Kombination der Tonabnehmer in der Gitarre genutzt.

Ozzy Osbourne – Crazy Train

An Crazy Train ist alles perfekt – jedes einzelne Riff, jedes Fill und natürlich das Solo. Zu verantworten hat das Randy Rhoads, der von 1979 bis zu seinem Unfalltod 1981 in der Band von Ozzy Osbourne spielte – mehr noch: Ozzys größter Partner-in-Crime verhalf dem Prince of Darkness zu neuen Höhenflügen.

Metallica – One

Metallica-Gitarrist Kirk Hammett kommt in Gitarristenkreisen nicht überall gut weg. Zu bleiern sei sein Fuß auf dem Wah-Wah-Pedal, zu verhaftet sein Spiel in den ewig gleichen Skalen – das sind einige der Kritikpunkte, denen Hammett gerade in den letzten Jahren immer wieder ausgesetzt war. Dass der Leadgitarrist am letzten Metallica-Album kreativ nahezu unbeteiligt war (angeblich, weil er sein Handy mit hunderten Song- und Soloskizzen verloren hatte), machte die Sache nicht besser. Dabei sorgte Hammett immer wieder für erinnerungswürdige Soli, zum Beispiel im Stück One. Damals sogar ganz ohne Wah, dafür mit Tappings, Shreddings und Bendings – kurz und prägnant, während Hetfield im Hintergrund gnadenlos die Riffs treiben lässt.

Eric Johnson – Manhattan

Auch wenn das Wort „Ausnahmegitarrist*in“ ein inflationär gebrauchtes Wort ist: Auf wenige Leute trifft es so zu wie auf Eric Johnson. Egal ob elektrisch oder, wie in den letzten Jahren vermehrt, akustisch: Eric Johnsons Spiel ist melodisch, extrem abwechslungsreich, kommt immer auf den Punkt und glänzt stets durch den perfekten Gitarrensound. Am besten nachzuhören ist das auf Johnsons wohl größtem Hit, dem Instrumentalstück Manhattan.

Eagles – Hotel California

„Don Felder und ich waren immer sehr kompetitiv“, erinnerte sich Eagles-Gitarrist Joe Walsh 2016 im Rahmen der NAMM an das Verhältnis zu seinem Kollegen und Co-Gitarristen Don Felder. „Das waren wir wirklich, aber das ist gut. Wir haben einander wirklich respektiert und uns gegenseitig gepusht”. Es war ein Wettbewerb, der sie zu kreativen Höchstleistungen ansporte – am besten nachzuhören in ihrem Klassiker Hotel California. Zunächst teilen sich die beiden das Solo noch auf, ehe sie den Höhepunkt des Solos im Unisono bestreiten. Ein furioses Finale.

Rolling Stones – Sway

Mick Taylor hat im Stück Sway (auf Sticky Fingers) zwei Solo-Spots: einmal im ersten Drittel des Songs, wo er ein Slide-Solo spielt. Das zweite, am Ende des Stücks, ist um einiges virtuoser. Erstmals auf Platte an der elektrischen Rhythmusgitarre: Mick Jagger. Keith Richards hingegen trug zu dem Stück nur Backing Vocals bei.

Chuck Berry – Johnny B. Goode

Den Einfluss von Chuck Berry auf den Rock’n’Roll im Allgemeinen und die Rock-Gitarre im Speziellen muss man wohl definitiv nicht mehr extra erläutern. Auf Johnny B. Goode zeigt Berry einen Mix aus Double Stops, furiose Slides und ausgiebige Bending, Rock’n’Roll und Boogie – und schon das Gitarrenintro ist eines der berühmtesten der Rockgeschichte.

Joe Satriani – Surfing With The Alien

Joe Satriani ist ohne Frage einer der einflussreichsten E-Gitarristen der Gegenwart. Mit dem Album Surfing With The Alien katapultierte er sich 1987 auf die internationale Landkarte und wurde schnell zu einem der gefeierten Gitarristen seiner Generation. Wir sprachen vor kurzem mit Joe. Auf die Frage, wie er den Status Quo des Gitarrensolos beurteile, erklärte er: Ich wünschte, es gäbe mehr Möglichkeiten für die ganzen großartigen Gitarrist*innen draußen, ihr Können zu zeigen. Aber was kann man schon machen? Veränderung ist unumgänglich, in allen Aspekten des Lebens. Ich versuche einfach in allem, was ich tue, besser zu werden und meine Fans weiterhin glücklich zu machen. (Das ganze Interview könnt ihr hier lesen).

Eric Clapton – Layla

Zu guter Letzt soll an dieser Stelle auch Eric Clapton zu Ehren kommen. Eines der Meisterstücke des Mannes, den sie Slowhand nannten, ist das siebenminütige Layla – bei dem nicht nur die Gitarrensoli bemerkenswert sind, sondern das auch eines der schönsten Piano-Outros der Rockgeschichte besitzt.

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