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Popkultur

Lang lebe das Gitarrensolo: Zwanzig grandiose Soli der Rockgeschichte

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Wir feiern das Gitarrensolo! Auch wenn es den Anschein hat, dass der gepflegte Solo-Instrumentalpart in der aktuellen Pop-Musiklandschaft seine glorreichen Zeiten hinter sich hat, erinnern wir uns an zwanzig unglaubliche Soli – von 70s-Ikonen über zu früh verstorbenen Metal-Helden bis hin zu Grenzgängern.

von Markus Brandstetter

Das Gitarrensolo, was für ein Konzept! Entweder verleiht es dem*der Leadgitarrist*in in einem Song, egal ob opulente Ballade oder geradliniger Rocksong, ein paar Take Rampenlicht. Es kann der Höhepunkt des Songs sein, ein wesentliches kompositorisches Element, reine Angeberei oder eine geschmackvolle Umspielung und Umgarnung des Hauptthemas. Oder, es IST überhaupt der Song. Ein Gitarrensolo kann große Kunst sein, Hochleistungssport, vernachlässigbares Gegniedel oder die Grenzen des Instruments ausloten.

Wir erinnern uns an dieser Stelle an zwanzig einzigartige Soli aus der Rock- Geschichte.

1. AC/DC – Back in Black

Eigentlich waren die Gebrüder Young ja immer in gitarristischer Bestform. Back In Black zeigt aber die Stärken der beiden nochmal extra gut auf. Malcolm mit seinem wie immer völlig stoischen, geradlinigen, auf den Punkt gebrachten Riff: E, D, A, minimale Verzierungen, keine Schnörkel. Angus weiß dann circa ab der zweiten Minute ganz genau, was er zu tun hat – und sorgt, gemeinsam mit dem Fundament von Malcolm, mit seinem Solo für einen gitarristischen Glanzmoment. Fazit: Eins für die Lehrbücher!

2. Pink Floyd – Comfortably Numb (Gilmours zweites Solo)

David Gilmour spielt im Pink-Floyd-Epos Comfortably Numb zwei Gitarrensoli. Das erste klingt versöhnlicher und ist schon bemerkenswert – das zweite aber ist Rockgeschichte. Hier verdüstert sich die Stimmung und Gilmour läuft zu Höchstform auf. Sein Ton ist melancholisch, klagend, atmosphärisch, angezerrt, mit Hall und Reverb angereichert. Keine Silbe, kein Bending ist zuviel. Das zweite Solo in Comfortably Numb ist eine mitreißende  Elegie. Kurzum: Es ist unmöglich, einen Artikel über die größten Gitarrensoli aller Zeiten zu schreiben, ohne dieses Meisterstück Gilmours zu nennen.

Das Solo ist auch live eine Wucht, wie etliche Livevideos eindrucksvoll beweisen:

3. Rage Against The Machine – Bulls On Parade

Auch wenn Tom Morello durchaus einen traditionellen Rock-Background hat: Mit Flügen durch Tonleiterland und Fingerakrobatik haben die meisten seiner Soli nichts zu tun. Eines seiner herausragendsten Soli ist jenes des Stücks Bulls On Parade vom Album Evil Empire. Morello setzt bei seinen Soli auf Scratching Rhythmik und Whammy-Effekte. Im Fall von Bulls On Parade muss auch der Pick-up-Schalter daran glauben – denn dieser ist Morellos Hauptwerkzeug bei diesem Solo.

4. Guns N’ Roses – November Rain (alle Slash-Soli)

Am besten genießt man Slashs Gitarrensolo in Kombination mit dem legendären Musikvideo. Die Kurzfassung der Handlung: Axl heiratet, Slash ist Trauzeuge, hat aber vor lauter Les Pauls und Jack Daniels die Ringe vergessen. Sein Freund Duff hilft ihm aus der Klemme und überreicht sie ihm. Daraufhin verlässt Slash (natürlich mit Zigarette im Mund) die Kirche – die von innen riesig aussieht, von außen allerdings winzig. Kaum vor der Türe angekommen, wir befinden uns jetzt in der Wüste, hat Slash gleich eine Les Paul bei der Hand (Kabel oder Amp braucht er in der Wüste nicht) und spielt das logische Solo zu November Rain. Es wird nicht das einzige Gitarrensolo in diesem Lied sein. Das Solo ist, wie immer bei Slash: melodiös, mitsingbar, mit cremig-bluesigem Sound (Marshalls, Les Paul mit maximal einem Cry Baby Wah dazwischen). Dass er gleich während des Stücks mehrmals zum Solo ansetzt, passt hervorragend zum Song – opulent, in Überlänge, ausschweifend, dekadent, großartig!

5. Jimi Hendrix – All Along The Watchtower

Es ist schwer, ein einziges Gitarrensolo von einem jener Gitarristen herauszuheben, die in ihrem kurzen Leben die Gitarre für immer und nachhaltig prägten. Als sich Hendrix auf seinem 1968 erschienen Longplayer Electric Ladyland dem Bob-Dylan-Stück All Along The Watchtower annahm, machte sich das Stück völlig zu eigen. Jeder Gitarrenlauf ist legendär: das erste Solo ab Sekunde fünfzig, die Slides ab der zweiten Minute, die sich aufbäumende Wah-Orgie ab 2:17 bis zum Klimax, zu dem sich das Stück am Ende aufbäumt.

6. Pantera – Cemetery Gates

Staubtrocken, knochenhart: Pantera waren wie AC/DC auf Steroiden – und Dimebag Darrell einer der bemerkenswerten Gitarristen der Rockgeschichte. Das zeigt sich nicht nur bei seinen markanten, tonnenschweren Riffs – sondern auch bei seinen Soli. Unvergessen beispielsweise sein Soli in Cemetery Gates von ihrem Longplayer Cowboys From Hell.

7. Dire Straits – Sultans Of Swing

Man könnte an dieser Stelle auch viele andere Soli von Mark Knopfler, einem Schwergewicht der elektrischen Gitarre, nennen. Das epische, ausufernde Solo von Telegraph Road zum Beispiel, oder sein Spiel bei Brothers In Arms. Knopflers ikonischtes Solo (eigentlich im Plural, denn in Sultans Of Swing setzt er ja mehrfach an) bleibt aber Sultans Of Swing, das als Definition von Knopflers Spiel dienen könnte: höchst dynamisch (dafür sorgt das Fingerpicking), von Betonungen, Pausen, Synkopen und rhythmischen Finessen geprägt.

8. Steve Vai – Tender Surrender

Steve Vai kann’s auch smooth  – das bewies er unter anderem auf seiner EP Alien Love Secrets. Bei Tender Surrender ist der Einfluss von Hendrix durchwegs hörbar – nicht nur spielerisch, sondern auch kompositorisch. So weist Tender Surrender etliche Parallelen zum Hendrix-Stück Villanova Junction Blues auf.

9. Red Hot Chili Peppers – Scar Tissue

1999 feierte John Frusciante seine erste Rückkehr zu den Red Hot Chili Peppers, nachdem er die Band kurz nach Sex Sugar Blood Magik verlassen hatte. Und was für eine triumphale Rückkehr es war: Frusciante verhalf den Kaliforniern zu einem neuen Höhenflug, melodischer denn je. An den Alben der Band kann man beobachten, auf was Frusciante gerade Lust hatte: Auf Stadium Arcadium war er mehr in Solo-Laune, auf Californication hingegen hielt er sich deutlich mehr zurück. Sein Spiel war schon allein deshalb immer songdienlich, weil er die Songs zu gewichtigen Teilen mitschrieb und sein Gitarrenspiel ja integraler Bestandteil war. Eines der herausragenden Soli des eben zum zweiten Mal zur Band zurückgekehrten Gitarristen ist jenes in Scar Tissue, ein reduziertes, nahezu minimalistisches Slide-Solo, bei dem Frusciante einmal mehr den Wahrheitsgehalt des alte Klischees „weniger ist mehr“ (Yngwie Malmsteen würde dies verneinen!) beweist.

10. Van Halen – Eruption

Die Geschichte lässt sich in Kurzform so zusammenfassen: Eddie Van Halen kam, erschuf Eruption – und nichts war mehr so wie vorher. Was macht der Typ da, dachte sich 1978 so mancher, der Van Halen spielen hörte. Die Antwort war: Tapping, eine Technik, die Van Halen zwar nicht erfand, aber in der Rockwelt etablierte. Nach Eruption wollten ganze Heerscharen von Gitarrist*innen so klingen wie Eddie – und der wurde zu einem der ewigen Gitarrengiganten der Rockgeschichte.

11. Led Zeppelin – Stairway To Heaven

Auch wenn der Song manchen vielleicht schon aus den Ohren rausstaubt: Stairway To Heaven ist ohne Zweifel eine der größten Balladen der Rockgeschichte. Bei dieser Ballade reißt der sinfonische Himmel auf – und Jimmy Page zeigt, warum er als einer der ewig Größten gilt.

12. Queen – Bohemian Rhapsody

Wie spielt man in einem Epos ein Gitarrensolo? Man erschafft sich ein Epos im Epos. Das zumindest vollbrachte Queen-Gitarrist Brian May im Stück Bohemian Rhapsody. Gespielt hat das Brian May das Solo natürlich auf seiner von ihm und seinen Vater selbstgebauten Gitarre „Red Special” – und dabei im Solo jede mögliche Kombination der Tonabnehmer in der Gitarre genutzt.

13. Ozzy Osbourne – Crazy Train

An Crazy Train ist alles perfekt – jedes einzelne Riff, jedes Fill und natürlich das Solo. Zu verantworten hat das Randy Rhoads, der von 1979 bis zu seinem Unfalltod 1981 in der Band von Ozzy Osbourne spielte – mehr noch: Ozzys größter Partner-in-Crime verhalf dem Prince of Darkness zu neuen Höhenflügen.

14. Metallica – One

Metallica-Gitarrist Kirk Hammett kommt in Gitarristenkreisen nicht überall gut weg. Zu bleiern sei sein Fuß auf dem Wah-Wah-Pedal, zu verhaftet sein Spiel in den ewig gleichen Skalen – das sind einige der Kritikpunkte, denen Hammett gerade in den letzten Jahren immer wieder ausgesetzt war. Dass der Leadgitarrist am letzten Metallica-Album kreativ nahezu unbeteiligt war (angeblich, weil er sein Handy mit hunderten Song- und Soloskizzen verloren hatte), machte die Sache nicht besser. Dabei sorgte Hammett immer wieder für erinnerungswürdige Soli, zum Beispiel im Stück One. Damals sogar ganz ohne Wah, dafür mit Tappings, Shreddings und Bendings – kurz und prägnant, während Hetfield im Hintergrund gnadenlos die Riffs treiben lässt.

15. Eric Johnson – Manhattan

Auch wenn das Wort „Ausnahmegitarrist*in“ ein inflationär gebrauchtes Wort ist: Auf wenige Leute trifft es so zu wie auf Eric Johnson. Egal ob elektrisch oder, wie in den letzten Jahren vermehrt, akustisch: Eric Johnsons Spiel ist melodisch, extrem abwechslungsreich, kommt immer auf den Punkt und glänzt stets durch den perfekten Gitarrensound. Am besten nachzuhören ist das auf Johnsons wohl größtem Hit, dem Instrumentalstück Manhattan.

16. Eagles – Hotel California

„Don Felder und ich waren immer sehr kompetitiv“, erinnerte sich Eagles-Gitarrist Joe Walsh 2016 im Rahmen der NAMM an das Verhältnis zu seinem Kollegen und Co-Gitarristen Don Felder. „Das waren wir wirklich, aber das ist gut. Wir haben einander wirklich respektiert und uns gegenseitig gepusht”. Es war ein Wettbewerb, der sie zu kreativen Höchstleistungen ansporte – am besten nachzuhören in ihrem Klassiker Hotel California. Zunächst teilen sich die beiden das Solo noch auf, ehe sie den Höhepunkt des Solos im Unisono bestreiten. Ein furioses Finale.

17. Rolling Stones – Sway

Mick Taylor hat im Stück Sway (auf Sticky Fingers) zwei Solo-Spots: einmal im ersten Drittel des Songs, wo er ein Slide-Solo spielt. Das zweite, am Ende des Stücks, ist um einiges virtuoser. Erstmals auf Platte an der elektrischen Rhythmusgitarre: Mick Jagger. Keith Richards hingegen trug zu dem Stück nur Backing Vocals bei.

18. Chuck Berry – Johnny B. Goode

Den Einfluss von Chuck Berry auf den Rock’n’Roll im Allgemeinen und die Rock-Gitarre im Speziellen muss man wohl definitiv nicht mehr extra erläutern. Auf Johnny B. Goode zeigt Berry einen Mix aus Double Stops, furiose Slides und ausgiebige Bending, Rock’n’Roll und Boogie – und schon das Gitarrenintro ist eines der berühmtesten der Rockgeschichte.

19. Joe Satriani – Surfing With The Alien

Joe Satriani ist ohne Frage einer der einflussreichsten E-Gitarristen der Gegenwart. Mit dem Album Surfing With The Alien katapultierte er sich 1987 auf die internationale Landkarte und wurde schnell zu einem der gefeierten Gitarristen seiner Generation. Wir sprachen vor kurzem mit Joe. Auf die Frage, wie er den Status Quo des Gitarrensolos beurteile, erklärte er: Ich wünschte, es gäbe mehr Möglichkeiten für die ganzen großartigen Gitarrist*innen draußen, ihr Können zu zeigen. Aber was kann man schon machen? Veränderung ist unumgänglich, in allen Aspekten des Lebens. Ich versuche einfach in allem, was ich tue, besser zu werden und meine Fans weiterhin glücklich zu machen. (Das ganze Interview könnt ihr hier lesen).

20. Eric Clapton – Layla

Zu guter Letzt soll an dieser Stelle auch Eric Clapton zu Ehren kommen. Eines der Meisterstücke des Mannes, den sie Slowhand nannten, ist das siebenminütige Layla – bei dem nicht nur die Gitarrensoli bemerkenswert sind, sondern das auch eines der schönsten Piano-Outros der Rockgeschichte besitzt.

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15 der besten Gitarrenriffs aller Zeiten

Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.12.1949 kommt Sänger und Songwriter Tom Waits zur Welt.

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.12.1949.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 7. Dezember 1949 erblickt der Sänger und Songwriter Tom Waits das Licht der Welt. Mit seiner knurrenden Charakterstimme und ebenso knarzigen Songs begeistert der kauzige Kalifornier seit den frühen Siebzigern. Wir gratulieren dem amerikanischen Unikat und Genre-Grenzgänger zum Geburtstag!

Hier könnt ihr euch Tom Waits’ Debütalbum Closing Time (1973) anhören:

1949 in Pomona, Kalifornien als Thomas Alan Waits und Sohn eines Lehrerehepaars geboren, verschlägt es den jungen Mann nach kurzem Liebäugeln mit einem Studio der Fotografie im Alter von zwanzig Jahren nach San Diego. Fasziniert von der dortigen Folk-Szene nimmt er in einem Kaffeehaus-Club namens Heritage einen Aushilfsjob als Türsteher an, beginnt dort aber auch an seinem eigenen Bühnenrepertoire zu feilen, welches anfänglich noch hauptsächlich aus Covermaterial und kruder Comedy besteht. Sein beachtliches Talent als Songschreiber führt ihn in Folge jedoch schnell über die limitierend kleine San-Diego-Szene hinaus und dorthin, wo es alle verlorenen Künstlerseelen hinzieht: nach Los Angeles.

Bukowski am Bar-Piano

Bei einer Open-Stage-Nacht in Doug Westons renommierten Schuppen Troubadour in West Hollywood wird Waits 1972 entdeckt und ergattert zunächst einen Job als Songwriter bei Frank Zappas Plattenfirma Bizarre Records. Nur kurze Zeit später hat er einen eigenen Plattenvertrag bei David Geffens Asylum Records in der Tasche. Waits Debüt Closing Time erregt 1973 jedoch nur wenig Aufsehen in der breiten Öffentlichkeit. Dafür erkennen (nicht nur) die Eagles die Qualität von Komposition wie Ol’ 55. Ihr Cover der Waits-Nummer auf dem Album On The Border ein Jahr darauf sichert dem jungen Künstler zumindest die finanzielle Annehmlichkeit in Form von Tantiemen-Zahlungen. In seiner späteren Karriere werden Waits’ Lieder noch oft von anderen Leuten neu aufgelegt werden; Rod Stewarts Fassung von Downtown Train etwa ist legendär.

Ist Waits‘ Debüt noch von einem Folk-Vibe beseelt, bewegen sich die Folgewerke in den Siebzigern noch stärker zwischen verrauchtem Bar-Jazz, Charles Bukowski und Beat-Poeten wie Jack Kerouac, die Waits schon länger bewundert. Sich selbst mit Schiebermütze oder Trilby, ewigem Glimmstängel und Spitzbärtchen zu einem glamourösen, versoffenem Gossen-Troubadour stilisierend, klingen Waits‘ Alben, als könnten sie die Jukebox in Edward Hoppers berühmten Gemälde Nighthawks bestücken. 

Gekappte Wurzeln

Die künstlerische und private Kehrtwende erfolgt schließlich mit dem Dekadenwechsel: Im August 1980 heiratet der Sänger Kathleen Brennan, die künftig auch in kreativer Hinsicht seine Stütze und Partnerin wird. Das 1983 veröffentliche Album Swordfishtrombones, welches er mit Brennan schreibt und produziert, stößt die Tür zu einer zuweilen herrlich unkonventionellen, so experimentellen wie kaputten Klangwelt auf, die fortan zu Waits‘ musikalischem Markenzeichen werden soll. Mit der Trennung von seinem Management und der alten Plattenfirma stehen alle Zeichen auf Neuerfindung.

Zum erweiterten Repertoire des Sängers und Geschichtenerzählers zählt bald auch die Schauspielerei. So spielt er zu Beginn der Achtziger gleich in drei Filmen von Francis Ford Coppola (Rumble Fish, Die Outsider, Cotton Club) kleine, aber höchst überzeugende (Neben-)Rollen und brilliert in Jim Jarmuschs Down By Law 1986 an der Seite Roberto Benignis. Die Nebentätigkeit als Schauspieler hält er sich bis heute warm. Unlängst war Waits in dem Anthologie-Western der Coen Brüder The Ballad Of Buster Scruggs noch in einer Paraderolle als verschrobener ergrauter Goldgräber zu bewundern. Darüber hinaus wirkt Waits seit Ende der Achtziger auch auf der Theaterbühne: Mit Regisseur Robert Wilson realisiert er Stücke wie The Black Rider oder das auf Alice im Wunderland basierende Alice.

Waits, der Eremit 

Mit Beginn der Neunziger werden die klassischen Albumveröffentlichungen von Waits  sporadischer. Mule Variations (1999), das Doppelwerk Blood Money und Alice (2002) oder Real Gone (2004) lassen jedoch nichts vom musikalischen Pioniergeist vermissen, der Waits zwischen Americana- und Roots-Musik, gehusteter Folklore und Vaudeville sowie avantgardistischer Klangkunst heimisch geworden zeigt. Seine letzte Plattenveröffentlichung (Stand 2019) namens Bad As Me datiert auf das Jahr 2011 zurück. Womit so langsam eigentlich mal wieder Nachschub fällig wäre aus dem Hause Waits/Brennan. Doch das soll von Waits‘ Ehrentag nicht abhalten. Und so darf man heute gern ein bisschen tiefer in die Sakko-Tasche greifen und eine extra große Portion Konfetti herausfischen, während man auf dem rostigen Eisenbahnschienen für Tom Waits ein staubiges „Happy Birthday“ steppt. Herzlichen Glückwunsch.

Zeitsprung: Am 14.7.2015 erlebt Nick Cave eine Tragödie & verarbeitet sie mit Musik.

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Protected: „White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

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Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

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