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Popkultur

Lang lebe das Gitarrensolo: Zwanzig grandiose Soli der Rockgeschichte

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Wir feiern das Gitarrensolo! Auch wenn es den Anschein hat, dass der gepflegte Solo-Instrumentalpart in der aktuellen Pop-Musiklandschaft seine glorreichen Zeiten hinter sich hat, erinnern wir uns an zwanzig unglaubliche Soli – von 70s-Ikonen über zu früh verstorbenen Metal-Helden bis hin zu Grenzgängern.

von Markus Brandstetter

Das Gitarrensolo, was für ein Konzept! Entweder verleiht es dem*der Leadgitarrist*in in einem Song, egal ob opulente Ballade oder geradliniger Rocksong, ein paar Take Rampenlicht. Es kann der Höhepunkt des Songs sein, ein wesentliches kompositorisches Element, reine Angeberei oder eine geschmackvolle Umspielung und Umgarnung des Hauptthemas. Oder, es IST überhaupt der Song. Ein Gitarrensolo kann große Kunst sein, Hochleistungssport, vernachlässigbares Gegniedel oder die Grenzen des Instruments ausloten.

Wir erinnern uns an dieser Stelle an zwanzig einzigartige Soli aus der Rock- Geschichte.

1. AC/DC – Back in Black

Eigentlich waren die Gebrüder Young ja immer in gitarristischer Bestform. Back In Black zeigt aber die Stärken der beiden nochmal extra gut auf. Malcolm mit seinem wie immer völlig stoischen, geradlinigen, auf den Punkt gebrachten Riff: E, D, A, minimale Verzierungen, keine Schnörkel. Angus weiß dann circa ab der zweiten Minute ganz genau, was er zu tun hat – und sorgt, gemeinsam mit dem Fundament von Malcolm, mit seinem Solo für einen gitarristischen Glanzmoment. Fazit: Eins für die Lehrbücher!

2. Pink Floyd – Comfortably Numb (Gilmours zweites Solo)

David Gilmour spielt im Pink-Floyd-Epos Comfortably Numb zwei Gitarrensoli. Das erste klingt versöhnlicher und ist schon bemerkenswert – das zweite aber ist Rockgeschichte. Hier verdüstert sich die Stimmung und Gilmour läuft zu Höchstform auf. Sein Ton ist melancholisch, klagend, atmosphärisch, angezerrt, mit Hall und Reverb angereichert. Keine Silbe, kein Bending ist zuviel. Das zweite Solo in Comfortably Numb ist eine mitreißende  Elegie. Kurzum: Es ist unmöglich, einen Artikel über die größten Gitarrensoli aller Zeiten zu schreiben, ohne dieses Meisterstück Gilmours zu nennen.

Das Solo ist auch live eine Wucht, wie etliche Livevideos eindrucksvoll beweisen:

3. Rage Against The Machine – Bulls On Parade

Auch wenn Tom Morello durchaus einen traditionellen Rock-Background hat: Mit Flügen durch Tonleiterland und Fingerakrobatik haben die meisten seiner Soli nichts zu tun. Eines seiner herausragendsten Soli ist jenes des Stücks Bulls On Parade vom Album Evil Empire. Morello setzt bei seinen Soli auf Scratching Rhythmik und Whammy-Effekte. Im Fall von Bulls On Parade muss auch der Pick-up-Schalter daran glauben – denn dieser ist Morellos Hauptwerkzeug bei diesem Solo.

4. Guns N’ Roses – November Rain (alle Slash-Soli)

Am besten genießt man Slashs Gitarrensolo in Kombination mit dem legendären Musikvideo. Die Kurzfassung der Handlung: Axl heiratet, Slash ist Trauzeuge, hat aber vor lauter Les Pauls und Jack Daniels die Ringe vergessen. Sein Freund Duff hilft ihm aus der Klemme und überreicht sie ihm. Daraufhin verlässt Slash (natürlich mit Zigarette im Mund) die Kirche – die von innen riesig aussieht, von außen allerdings winzig. Kaum vor der Türe angekommen, wir befinden uns jetzt in der Wüste, hat Slash gleich eine Les Paul bei der Hand (Kabel oder Amp braucht er in der Wüste nicht) und spielt das logische Solo zu November Rain. Es wird nicht das einzige Gitarrensolo in diesem Lied sein. Das Solo ist, wie immer bei Slash: melodiös, mitsingbar, mit cremig-bluesigem Sound (Marshalls, Les Paul mit maximal einem Cry Baby Wah dazwischen). Dass er gleich während des Stücks mehrmals zum Solo ansetzt, passt hervorragend zum Song – opulent, in Überlänge, ausschweifend, dekadent, großartig!

5. Jimi Hendrix – All Along The Watchtower

Es ist schwer, ein einziges Gitarrensolo von einem jener Gitarristen herauszuheben, die in ihrem kurzen Leben die Gitarre für immer und nachhaltig prägten. Als sich Hendrix auf seinem 1968 erschienen Longplayer Electric Ladyland dem Bob-Dylan-Stück All Along The Watchtower annahm, machte sich das Stück völlig zu eigen. Jeder Gitarrenlauf ist legendär: das erste Solo ab Sekunde fünfzig, die Slides ab der zweiten Minute, die sich aufbäumende Wah-Orgie ab 2:17 bis zum Klimax, zu dem sich das Stück am Ende aufbäumt.

6. Pantera – Cemetery Gates

Staubtrocken, knochenhart: Pantera waren wie AC/DC auf Steroiden – und Dimebag Darrell einer der bemerkenswerten Gitarristen der Rockgeschichte. Das zeigt sich nicht nur bei seinen markanten, tonnenschweren Riffs – sondern auch bei seinen Soli. Unvergessen beispielsweise sein Soli in Cemetery Gates von ihrem Longplayer Cowboys From Hell.

7. Dire Straits – Sultans Of Swing

Man könnte an dieser Stelle auch viele andere Soli von Mark Knopfler, einem Schwergewicht der elektrischen Gitarre, nennen. Das epische, ausufernde Solo von Telegraph Road zum Beispiel, oder sein Spiel bei Brothers In Arms. Knopflers ikonischtes Solo (eigentlich im Plural, denn in Sultans Of Swing setzt er ja mehrfach an) bleibt aber Sultans Of Swing, das als Definition von Knopflers Spiel dienen könnte: höchst dynamisch (dafür sorgt das Fingerpicking), von Betonungen, Pausen, Synkopen und rhythmischen Finessen geprägt.

8. Steve Vai – Tender Surrender

Steve Vai kann’s auch smooth  – das bewies er unter anderem auf seiner EP Alien Love Secrets. Bei Tender Surrender ist der Einfluss von Hendrix durchwegs hörbar – nicht nur spielerisch, sondern auch kompositorisch. So weist Tender Surrender etliche Parallelen zum Hendrix-Stück Villanova Junction Blues auf.

9. Red Hot Chili Peppers – Scar Tissue

1999 feierte John Frusciante seine erste Rückkehr zu den Red Hot Chili Peppers, nachdem er die Band kurz nach Sex Sugar Blood Magik verlassen hatte. Und was für eine triumphale Rückkehr es war: Frusciante verhalf den Kaliforniern zu einem neuen Höhenflug, melodischer denn je. An den Alben der Band kann man beobachten, auf was Frusciante gerade Lust hatte: Auf Stadium Arcadium war er mehr in Solo-Laune, auf Californication hingegen hielt er sich deutlich mehr zurück. Sein Spiel war schon allein deshalb immer songdienlich, weil er die Songs zu gewichtigen Teilen mitschrieb und sein Gitarrenspiel ja integraler Bestandteil war. Eines der herausragenden Soli des eben zum zweiten Mal zur Band zurückgekehrten Gitarristen ist jenes in Scar Tissue, ein reduziertes, nahezu minimalistisches Slide-Solo, bei dem Frusciante einmal mehr den Wahrheitsgehalt des alte Klischees „weniger ist mehr“ (Yngwie Malmsteen würde dies verneinen!) beweist.

10. Van Halen – Eruption

Die Geschichte lässt sich in Kurzform so zusammenfassen: Eddie Van Halen kam, erschuf Eruption – und nichts war mehr so wie vorher. Was macht der Typ da, dachte sich 1978 so mancher, der Van Halen spielen hörte. Die Antwort war: Tapping, eine Technik, die Van Halen zwar nicht erfand, aber in der Rockwelt etablierte. Nach Eruption wollten ganze Heerscharen von Gitarrist*innen so klingen wie Eddie – und der wurde zu einem der ewigen Gitarrengiganten der Rockgeschichte.

11. Led Zeppelin – Stairway To Heaven

Auch wenn der Song manchen vielleicht schon aus den Ohren rausstaubt: Stairway To Heaven ist ohne Zweifel eine der größten Balladen der Rockgeschichte. Bei dieser Ballade reißt der sinfonische Himmel auf – und Jimmy Page zeigt, warum er als einer der ewig Größten gilt.

12. Queen – Bohemian Rhapsody

Wie spielt man in einem Epos ein Gitarrensolo? Man erschafft sich ein Epos im Epos. Das zumindest vollbrachte Queen-Gitarrist Brian May im Stück Bohemian Rhapsody. Gespielt hat das Brian May das Solo natürlich auf seiner von ihm und seinen Vater selbstgebauten Gitarre „Red Special” – und dabei im Solo jede mögliche Kombination der Tonabnehmer in der Gitarre genutzt.

13. Ozzy Osbourne – Crazy Train

An Crazy Train ist alles perfekt – jedes einzelne Riff, jedes Fill und natürlich das Solo. Zu verantworten hat das Randy Rhoads, der von 1979 bis zu seinem Unfalltod 1981 in der Band von Ozzy Osbourne spielte – mehr noch: Ozzys größter Partner-in-Crime verhalf dem Prince of Darkness zu neuen Höhenflügen.

14. Metallica – One

Metallica-Gitarrist Kirk Hammett kommt in Gitarristenkreisen nicht überall gut weg. Zu bleiern sei sein Fuß auf dem Wah-Wah-Pedal, zu verhaftet sein Spiel in den ewig gleichen Skalen – das sind einige der Kritikpunkte, denen Hammett gerade in den letzten Jahren immer wieder ausgesetzt war. Dass der Leadgitarrist am letzten Metallica-Album kreativ nahezu unbeteiligt war (angeblich, weil er sein Handy mit hunderten Song- und Soloskizzen verloren hatte), machte die Sache nicht besser. Dabei sorgte Hammett immer wieder für erinnerungswürdige Soli, zum Beispiel im Stück One. Damals sogar ganz ohne Wah, dafür mit Tappings, Shreddings und Bendings – kurz und prägnant, während Hetfield im Hintergrund gnadenlos die Riffs treiben lässt.

15. Eric Johnson – Manhattan

Auch wenn das Wort „Ausnahmegitarrist*in“ ein inflationär gebrauchtes Wort ist: Auf wenige Leute trifft es so zu wie auf Eric Johnson. Egal ob elektrisch oder, wie in den letzten Jahren vermehrt, akustisch: Eric Johnsons Spiel ist melodisch, extrem abwechslungsreich, kommt immer auf den Punkt und glänzt stets durch den perfekten Gitarrensound. Am besten nachzuhören ist das auf Johnsons wohl größtem Hit, dem Instrumentalstück Manhattan.

16. Eagles – Hotel California

„Don Felder und ich waren immer sehr kompetitiv“, erinnerte sich Eagles-Gitarrist Joe Walsh 2016 im Rahmen der NAMM an das Verhältnis zu seinem Kollegen und Co-Gitarristen Don Felder. „Das waren wir wirklich, aber das ist gut. Wir haben einander wirklich respektiert und uns gegenseitig gepusht”. Es war ein Wettbewerb, der sie zu kreativen Höchstleistungen ansporte – am besten nachzuhören in ihrem Klassiker Hotel California. Zunächst teilen sich die beiden das Solo noch auf, ehe sie den Höhepunkt des Solos im Unisono bestreiten. Ein furioses Finale.

17. Rolling Stones – Sway

Mick Taylor hat im Stück Sway (auf Sticky Fingers) zwei Solo-Spots: einmal im ersten Drittel des Songs, wo er ein Slide-Solo spielt. Das zweite, am Ende des Stücks, ist um einiges virtuoser. Erstmals auf Platte an der elektrischen Rhythmusgitarre: Mick Jagger. Keith Richards hingegen trug zu dem Stück nur Backing Vocals bei.

18. Chuck Berry – Johnny B. Goode

Den Einfluss von Chuck Berry auf den Rock’n’Roll im Allgemeinen und die Rock-Gitarre im Speziellen muss man wohl definitiv nicht mehr extra erläutern. Auf Johnny B. Goode zeigt Berry einen Mix aus Double Stops, furiose Slides und ausgiebige Bending, Rock’n’Roll und Boogie – und schon das Gitarrenintro ist eines der berühmtesten der Rockgeschichte.

19. Joe Satriani – Surfing With The Alien

Joe Satriani ist ohne Frage einer der einflussreichsten E-Gitarristen der Gegenwart. Mit dem Album Surfing With The Alien katapultierte er sich 1987 auf die internationale Landkarte und wurde schnell zu einem der gefeierten Gitarristen seiner Generation. Wir sprachen vor kurzem mit Joe. Auf die Frage, wie er den Status Quo des Gitarrensolos beurteile, erklärte er: Ich wünschte, es gäbe mehr Möglichkeiten für die ganzen großartigen Gitarrist*innen draußen, ihr Können zu zeigen. Aber was kann man schon machen? Veränderung ist unumgänglich, in allen Aspekten des Lebens. Ich versuche einfach in allem, was ich tue, besser zu werden und meine Fans weiterhin glücklich zu machen. (Das ganze Interview könnt ihr hier lesen).

20. Eric Clapton – Layla

Zu guter Letzt soll an dieser Stelle auch Eric Clapton zu Ehren kommen. Eines der Meisterstücke des Mannes, den sie Slowhand nannten, ist das siebenminütige Layla – bei dem nicht nur die Gitarrensoli bemerkenswert sind, sondern das auch eines der schönsten Piano-Outros der Rockgeschichte besitzt.

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15 der besten Gitarrenriffs aller Zeiten

Popkultur

Meilenstein im Blitztempo: Wie Big Mama Thornton mit „Hound Dog“ einen Grundstein des Rock’n’Roll legte

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Big Mama Thornton
Foto: Jim Barron/Redferns/Getty Images

Geschrieben in 15 Minuten, aufgenommen am nächsten Tag und für immer ein Teil der Rockgeschichte: Mit Hound Dog landete Big Mama Thornton nicht nur ihren größten Hit, sondern leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Rock’n’Roll. Ein Künstler feierte mit dem Song allerdings noch größere Erfolge.

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Big Mama Thornton anhören:

„You ain’t nothin’ but a hound dog“: Noch heute steht diese Zeile für die energiegeladenen Anfangstage des Rock’n’Roll. Geschrieben wurde die Nummer allerdings nicht für Elvis Presley, der mit dem Song einen der größten Hits seiner erstaunlichen Karriere landete. Nein, eigentlich komponierten die beiden Songschreiber Jerry Leiber und Mike Stoller das Stück für Willie Mae „Big Mama“ Thornton — und zwar in Rekordzeit. „Für Hound Dog haben wir etwa zwölf bis 15 Minuten gebraucht“, berichtet Leiber 1990 in einem Interview mit dem Rolling Stone. „Der Song ist nicht sonderlich kompliziert.“ Doch wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit zwischen Leiber, Stoller und Thornton?

Wir schreiben den 12. August 1952. Bandleader und Musikproduzent Johnny Otis hat die 19-jährigen Songschreiber Leiber und Stoller zu sich nach Hause eingeladen, damit sie Big Mama Thornton kennenlernen können. Das Duo hört der Sängerin bei einer Probe zu und Otis fragt, ob die Zwei einen Song für Thornton schreiben können. Noch am selben Nachmittag entsteht Hound Dog. „Sie war eine wunderbare Blues-Sängerin mit einem großartigen anklagenden Stil“, schwärmt Stoller im Rolling-Stone-Interview von Thornton. „Es war aber nicht nur ihr Stil, sondern auch ihr Aussehen, das Hound Dog beeinflusst hat, und uns auf die Idee gebracht hat, dass sie den Song eher brummen soll.“

„Erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“

Schon am nächsten Tag steht Thornton im Studio und singt das Stück ein. Die Produktion übernehmen Leiber und Stoller zum ersten Mal selbst. „Wir haben uns Sorgen gemacht, weil der vorherige Schlagzeuger nicht das gleiche Gefühl rüberbrachte wie Otis bei den Proben“, erklärt Stoller in der Autobiografie des Komponistenpaares. „Jerry fragte Johnny, ob er nicht das Schlagzeug einspielen kann. ‚Niemand bringt diesen Groove so auf den Punkt wie du‘, sagte er. Johnny fragte: ‚Und wer betreut die Aufnahme-Session?‘ Stille. ‚Ihr Zwei?‘, fragte er. ‚Die Kids betreuen die Aufnahme?’ Ich sagte: ‚Klar. Die Kids haben es geschrieben. Also lass es die Kids tun.’ Johnny grinste und sagte: ‚Warum nicht?‘“

Bei den Proben geraten die Songschreiber und Thornton aneinander. Leiber und Stoller möchten, dass die Sängerin das Stück ein wenig anders umsetzt, nehmen ihren Mut zusammen und weisen sie darauf hin. Mit ihrer Größe von etwa 1,80 Metern, einem Gewicht von 115 Kilo und zahlreichen Narben im Gesicht macht Thornton ihrem Spitznamen „Big Mama“ alle Ehre, schaut die beiden Komponisten kühl an und sagt: „Weißer Junge, erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“ Touché. Trotz der Unstimmigkeiten finden Thornton, Leiber und Stoller einen Kompromiss und erschaffen die Aufnahme, die Generationen an Rock’n’Roll-Musiker*innen beeinflussen wird.

Hound Dog: Ein Rock’n’Roll-Standard für die Geschichtsbücher

Zu diesen Rock’n’Rollern zählt auch ein junger Mann namens Elvis Presley, der zwei Jahre später seinen ersten Hit That’s All Right aufnimmt. Mit seiner Version von Hound Dog landet der „King“ weitere zwei Jahre später einen der größten Erfolge seiner Karriere. Er verändert dazu einiges an dem Stück, ob in musikalischer oder lyrischer Hinsicht. „Alles wirkte unfassbar nervös, zu schnell, zu weiß“, findet Stoller. „Aber wissen Sie, nachdem sich die Single sieben oder acht Millionen Mal verkauft hatte, klang sie besser.“ Die erste Aufnahme des Songs wird immer die von Big Mama Thornton bleiben — und die steht noch heute für die aufregenden Anfangstage des Rock ‘n‘ Roll.

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Die frühen Frauen des Rock’n’Roll: Wichtig, aber übersehen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.8.1999 veröffentlichen Kiss den Film „Detroit Rock City“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.8.1999.

von Christof Leim

Einmal sind Kiss mit einem Filmprojekt schon auf die geschminkten Nasen gefallen: 1978 verfehlten die damaligen Superstars mit Kiss Meets The Phantom Of The Park ihr Ziel der crossmedialen Weltherrschaft ziemlich deutlich (wie man hier im Detail nachlesen kann). Zwei Dekaden später versuchen sie es erneut: Am 13. August 1999 startet Detroit Rock City in den Kinos – und erweist sich als Comedy-Trash mit viel Siebziger-Vibe…

Detroit Rock City (der Film) schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen zwei Hochphasen von Kiss: Er entsteht 1999, als die Band dank der Reunion der Originalbesetzung wieder zu den größten Geldverdienern im internationalen Rock’n’Roll-Zirkus zählt. Die Handlung des Streifens wiederum spielt 1978, als Kiss vor allem in den USA zu einem kulturellen Phänomen geworden sind und auf einer beeindruckenden Welle des Erfolges reiten. Die Burschen veröffentlichen im September 1978 sogar am gleichen Tag vier Soloalben.

Die Handlung ist schnell umrissen: Vier Kumpels namens Hawk, Lex, Trip und Jam lieben Kiss (wie so ziemliche alle US-Teenager der Siebziger) und spielen sogar in ihrer eigenen Coverband, um ihren Helden zu huldigen. Die wiederum sind für ein großes Konzert in Detroit (wo sonst?) angekündigt, Tickets dafür haben die Jungs bereits am Start – bis die ultrareligiöse Mutter von Jam dahinterkommt und die Eintrittskarten kurzerhand verbrennt. Klar, denn Kiss steht ja bekanntermaßen für „Knights In Satanic Service“.

Also suchen sich die Vier anderweitig Zutritt zur Show und eine Möglichkeit, überhaupt nach Detroit zu kommen. Bis sie Kiss mit Feuer und Explosionen live erleben, müssen sie sich mit Discoschnöseln und Pfarrern rumschlagen, werden vermöbelt, bestohlen, übers Ohr gehauen und zerlegen eine Damentoilette (Ladies Room, get it?). Einer tritt zwischendurch in einem Stripclub auf, der nächste knutscht in einem Beichtstuhl (mit einem Mädel namens Beth, klar), ein anderer wird von einer älteren Lady entjungfert, die von Gene Simmons’ Ehefrau Shannon Tweed gespielt wird. Und Jam geigt seiner konservativen Mutter die Meinung. Dass dazwischen einiges an Mobiliar zu Bruch geht, versteht sich von selbst.

Die Regie übernimmt Adam Rifkin, als Produzent fungiert Gene Simmons, und alle vier Kiss-Musiker treten bei der großen Show am Ende auf. Einige der Schauspieler kennt man ebenfalls: Edward Furlong („Hawk“) spielte in Terminator 2, Natasha Lyonne („Christine“) gehört zur Besetzung von Orange Is The New Black. In den weiteren Hauptrollen: Sam Huntington, Giuseppe Andrews und James DeBello.

Neue cineastische Höhen erklimmt Detroit Rock City damit nicht, sondern erweist sich als überdrehter Klamauk in „bester“ Tradition des Ramones-Streifens Rock’n’Roll High School. Allerdings bietet das bei entsprechender Affinität zu Trash, Seventies und Kiss durchaus einen Unterhaltungswert. Das reicht für einen gewissen Kultstatus, doch geschäftlich ist das Projekt ein formidabler Flop: 17 Millionen US-Dollar soll es gekostet haben, knappe sechs spielt es ein. Nach dem Kinostart am 13. August 1999 kommt schon im Dezember des gleichen Jahres die Homevideo-Variante. 

Der Soundtrack indes macht Spaß, vor allem wegen cooler Coverversionen. So spielen Pantera Cat Scratch Fever (was sogar als Single veröffentlicht wird), Everclear covern The Boys Are Back In Town, Drain STH machen 20th Century Boy zur Doom-Nummer, und die Donnas rocken Strutter. Lediglich der Versuch von Marilyn Manson, sich des AC/DC-Manifests Highway To Hell anzunehmen, darf wegen völliger Seelenlosigkeit als erschreckendes, aber glücklicherweise fast vergessenes Verbrechen der Musikgeschichte betrachtet werden. Dazu gibt es Klassiker von Van Halen, Black Sabbath, Cheap Trick, Bowie und The Sweet, noch zwei Kiss-Gassenhauer (Shout It Out Loud, Detroit Rock City) und sogar einen neuen Song unserer liebsten Schminkemonster. Nothing Can Keep Me From You läuft während der Credits und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Geschrieben hat ihn Hitkomponistin Diane Warren, Paul Stanley singt (ziemlich gut), ansonsten spielt keiner der Band mit. (Es soll lediglich Ex-Gitarrist Bruce Kulick den Bass übernommen haben.) Braucht man nicht.

Überhaupt lässt die Stimmung im Line-up damals schon zu wünschen übrig, nicht zuletzt wegen dieses Films, wie Ace Frehley und Peter Criss in ihren Autobiografien berichten. Vor allem Ace kann es Gene nicht verzeihen, dass eine Szene mit seiner Tochter Monique angeblich absichtlich rausgeschnitten wird. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Interview: Kiss zum Abschied: „Es wird schmerzhaft und schön!“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1949 kommt Mark Knopfler (Dire Straits) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1949.

von Christof Leim

Songs schreiben kann der Mann. Und ziemlich gut Gitarre spielen. Deshalb erobert Mark Knopfler zuerst als Kopf der Dire Straits die Welt und brilliert danach als Solokünstler. Am 12. August feiert er Geburtstag.

Zur Lektüre gibt’s hier Knopflers Album Down The Road Wherever:

Zunächst will der in Glasgow geborene Mark Knopfler erstmal etwas Vernünftiges machen: Er studiert Journalismus. „Der Plan war, so Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben“, erzählt er 2009 in einem Interview. Er arbeitet sogar in diesem Beruf, macht einen Abschluss in Englisch und geht als Dozent an die Universität. Dabei spielt Knopfler aber immer in Bands, die zum Beispiel Brewers Droop oder Café Racers heißen. Vor allem aber schreibt er von Anfang an Songs und entwickelt einen Stil, der sich von anderen unterscheidet: Er benutzt kein Plektrum, sondern spielt seine Gitarre mit den Fingern, was vor allem im Country verbreitet ist und ihm andere Licks als die der gängigen Rockgitarristen ermöglicht. Seine Einflüsse liegen daneben im Rock und Swing, mit bisschen Blues, wie es sich gehört.

Mark Knopfler 1979 – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

So schlägt sich Mark Knopfler Mitte der Siebziger durch die Pubs von London. Er singt und spielt Gitarre, mit dabei sind sein Bruder David an der zweiten Gitarre sowie Bassist John Illsley. Zusammen gründen sie die Band, mit der Knopfler berühmt werden wird: die Dire Straits. Der ersten Demos entstehen 1977, da ist unser Mann schon Ende 20. Auf den ersten Aufnahmen findet sich bereits ein musikalischen Kleinod namens Sultans Of Swing. Kennt man, muss man kennen.

1978 folgt das erste Album Dire Straits, doch ärgerlicherweise gerät die Musikwelt davon nich in Ekstase. Dann allerdings erscheint Sultans Of Swing als Single. Das wunderbare Lied mit dem Text über eine Feierabendband rollt langsam, aber stetig die Charts auf, zunächst in Europa, dann in Nordamerika. Die Dire Straits sind bereit, und sie starten durch: In rascher Abfolge erscheinen Communiqué (1979), Making Movies (1980) und Love Over Gold (1982) und verkaufen sich gut. 

Die Songs darauf stammen samt und sonders von Mark Knopfler, der gerne kleine Geschichten erzählt und eine höchst geschmackvolle Gitarrenarbeit zelebriert. Zwischendurch schreibt er noch Filmmusik, taucht auf einem Bob-Dylan-Album auf, produziert und schreibt Lieder für andere Leute, unter anderem für Private Dancer, das immens erfolgreiche Comeback von Tina Turner 1984.

Richtig ab geht es dann mit Brothers In Arms 1985, das zum internationalen Megahit wird.  Die Songs darauf kennt wirklich jeder: Money For Nothing, Walk Of Life, So Far Away und natürlich das einfühlsame Titelstück. Dire Straits sind jetzt Superstars, allen voran Mark Knopfler. Die nächsten beiden Jahre verbringt die Truppe auf der Straße und fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. Dem Chef wird das aber alles zu groß und zu viel. Zunächst gibt es eine Pause, 1988 verkündet Knopfler die Auflösung der Dire Straits.  

Musik machen will er weiterhin, aber eben in kleinerem Rahmen ohne die massiven Erwartungen und Verpflichtungen. Seine nächste Band The Notting Hillbillies jedenfalls widmet sich US-amerikanischer Roots-Musik wie Folk, Blues und Country, alles viel unspektakulärer, vermutlich (oder hoffentlich) genauso befriedigend. Ein Album erscheint 1990, es trägt den schönen Titel Missing…Presumed Having a Good Time. Eine kleine Runde dreht unser Mann mit den Dire Straits aber noch: Im September 1991 kommt mit On Every Street doch noch ein Album, doch unweigerlich folgende Mega-Welttour sorgt dann dafür, dass die Band 1995 endgültig aufgelöst wird.

Mark Knopfler startet darauf eine Solokarriere, seit 1996 erscheinen in lockerer Folge fast ein Dutzend Soloalben: Golden Heart, Sailing To Philadelphia, The Ragpicker’s Dream, Shangri-La, Kill To Get Crimson, Get Lucky, Privateering, Tracker und Down The Road Wherever. Damit feiert er in aller Welt Erfolge, jedoch weit entfernt von der Megalomanie der Achtziger. Zudem kollaboriert er mit unzähligen anderen Künstlern, etwa Emmylou Harris, tourt mit Bob Dylan und beschäftigt sich oft und gerne mit Country. Bei seinen eigenen Konzerten geht es mittlerweile nur um die Musik, große Produktion braucht der Mann nicht mehr. Auf der Bühne trinkt er Tee. Nach einer Dire-Straits-Reunion steht dem musikalischen Kopf der Sinn so gar nicht, nicht mal bei der Einführung der Band in die Rock And Roll Hall Of Fame 2018 taucht er auf.

Songwriter, Meistergitarrist und Geschichtenerzähler: Mark Knopfler 2018 – Pic: Derek Hudson

Sein Privatleben behält Knopfler für sich, Interviews gibt es nicht viele. Er ist zum dritten Mal verheiratet, Vater von vier Kindern, Fan des Newcastle FC und Sammler von Sportwagen. Auf seinen letzten Touren denkt er laut darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen und kündigt explizit sogar seinen Abschied von der Bühne, spielt aber nach eigenen Aussagen zu gerne. Hoffen wir, dass das so bleibt. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Knopfler!

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

 

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