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Popkultur

Zum 75. von Ritchie Blackmore: Zehn essentielle Guitar-Hero-Momente

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Foto: Frank Hoensch/Redferns/ Getty Images

Happy Birthday, Ritchie Blackmore: Zum 75. Geburtstag des Gitarren-Messias und Solo-Verstehers lassen wir seine stürmische Karriere in zehn seiner besten, wichtigsten oder überraschendsten Songs hochleben.

von Björn Springorum

Viele Titulierungen für den Gitarrengott

Jähzorniger Gitarrengott, begnadeter Komponist, skrupelloser Chef: Man muss schon ganz genau sagen, über welchen Ritchie Blackmore man da jetzt eigentlich sprechen will. Über den vielleicht, der 1968 in der Mark One-Ära zu Deep Purple stieß und den Sound der Band durch seine Liebe zu Led Zeppelin hin zu kernigem Hard Rock lenkte? Oder über den, der nach Ende der Mark Three-Phase 1975 ausstieg, um mit Rainbow seine eigene legendäre Band zu gründen, bei der anfangs auch Ronnie James Dio sang? Oder vielleicht doch über den, der mit seiner Frau Candice Night bei Blackmore‘s Night dem mittelalterlich-folkigen Rock und seiner Liebe zu Mike Oldfield frönt?

Wer es jetzt aber auch ist: Das Gitarrenspiel des 1945 geborenen Briten ist nicht von dieser Welt. Eine innige und kunstfertige Verschmelzung von Rock-Tugenden und klassischer Schule, ein irrwitziges Händchen für Soli und Melodien und diese unverschämte Selbstsicherheit am Riff erfreuen uns jetzt schon rund 55 Jahre. Heute wird der Guitar Hero stolze 75 Jahre jung, was wir mal als Anlass nehmen, ihn anhand einiger seiner besten, schönsten, unvergesslichsten oder vielleicht auch überraschendsten Songs zu feiern.

The Outlaws – The Return Of The Outlaws

Bevor Ritchie Blackmore zum unsterblichen Messias der E-Gitarre und gefürchteten Band-Despoten wurde, verdient er sich erste Sporen bei den englischen Insrumental-Rockern The Outlaws. Die sind in etwa das Western-Gegenstück zu den Shadows und lassen Blackmore seine Gitarre schon 1963, mit gerade mal 18 Jahren, im besten Tex-Mex-Gerangel zupfen. Hey, irgendwo muss man ja mal anfangen.

Deep Purple – Speed King

1970 sieht die Sache schon wieder anders aus. Also, ganz anders. Mit ihrem vierten Album In Rock zeigen sich Deep Purple gehäutet, gewandelt, gehärtet: Verschwunden sind Prog- und Psych-Ansätze, jetzt regiert eine harte Knute, die das Album zu einem der ersten und einflussreichsten Heavy-Metal-Vorreiter macht. Schon mit den dissonanten, lärmenden, kreischenden ersten 50 Sekunden zerlegt Blackmore, zu diesem Zeitpunkt längst der Tonangeber der Band, die gesamten Sechziger, all den Beat und Rock‘n‘Roll, und läutet eine neue, eine laute Ära ein. Das Riff, mit dem Blackmore nach dem Orgel-Intermezzo einsteigt, duftet nach Jimi Hendrix, das Solo-Duell zwischen seiner Stratocaster und Jon Lords Orgel wird zur Blaupause.

Deep Purple – Child In Time

Jedes Wort über diese zehn Minuten und 18 Sekunden ist eines zu viel. Deshalb nur ganz kurz: Statt seiner Fender Stratocaster benutzt Blackmore bei den Aufnahmen die Gibson ES-335. Aber jetzt pssst, der Song läuft schon.

Deep Purple – Highway Star

Noch so ein Opener, der repräsentativ für Blackmores überlebensgroßes Schaffen steht. Prägnantes Riff, hohes Tempo, aufwallender Solo-Grabenkampf zwischen Gitarre und Orgel, hörbar geprägt von wahnwitzigem Tempo und klassischen Motiven, in diesem Fall gar Bachs Akkordfolgen. Das ist eine Naturgewalt, solche Soli spielt damals schlichtweg niemand sonst. Nette Randnotiz: Gerüchten zufolge entsteht der Song 1971, als ein Reporter die Band im Tourbus interviewt und fragt, wie so ein Deep-Purple-Song denn eigentlich entstehen würde. Blackmore schnappt sich die Gitarre und hackt drauflos, Gillan improvisiert was dazu. Kurz darauf ist die Nummer fertig. Höchst ökonomisch: Der Song ist bis heute Grundnahrungsmittel ihrer Live-Konzerte.

Deep Purple – Burn

Als Ian Gillain 1973 frustriert hinschmeißt, fackelt Blackmore nicht lange. Längst ist er ein Alleinherrscher, der kurzerhand das gesamte Konstrukt Deep Purple neu modelliert. Er setzt Roger Glover auf die Straße und holt dafür Glenn Hughes sowie den Sänger David Coverdale. Letzteren kennt damals niemand, aber das soll sich schnell ändern: Burn entsteht in Montreux und präsentiert Deep Purple 1974 bluesiger, souliger. Wieder mal ist es ein Opener, dessen Stärke fast den Verstand raubt: Diese Energie, dieses Tempo und dieser vollkommen unbekannte Wahnsinnssänger, dieses Riff, das sich sofort in die Gehörgänge fräst, stehen symptomatisch für eine Band, die sich neu gefunden hat. Nebenbei bemerkt: Für Eddie Van Halen ist dieses Riff eines der besten aller Zeiten!

Rainbow – Stargazer

Der Schock, den Ritchie Blackmores Ausstieg bei Deep Purple 1975 verursacht, sendet Wellen durch die Musikwelt. Nach Stormbringer hat Blackmore die Schnauze voll von der Shoeshine Music, die seine Band seiner Ansicht nach mittlerweile produziert. Er steigt aus, krallt sich Ronnie James Dio von der Band Elf und gründet Rainbow. Endlich kann er ganz seinen Vorlieben für mittelalterliche Musik und die Werke des Barock frönen und bringt sie mit epischem Hard Rock und der dramatischen, dräuenden Stimme Dios zusammen. Das feinste Beispiel dieser Verschmelzung ist Stargazer vom zweiten Album Rising, ein perfektes, monumentales Beispiel für neoklassischen Heavy Metal mit Fantasy-Texten. Rollenspiel-Rock par excellence!

Rainbow – Difficult To Cure

Dass Blackmore es klassisch mag, ist etabliert. Dass er seine Vorliebe für Klassik in seine Soli einfließen lässt, auch. Auf Difficult To Cure vom gleichnamigen Album treibt er diese Passion auf die Spitze: Im Grunde ist die Nummer eine rockige Fassung von Beethovens Neunter – und wurde live zum elfminütigen Giganten, der selbst eingefleischten Fans einiges abverlangt haben dürfte. Dennoch: Diese Nummer zeigt sein Können ziemlich exemplarisch.

Blackmore‘s Night – Under A Violet Moon

Und dann ist da natürlich noch Blackmore‘s Night, das mittelalterliche Minnesang-Projekt mit seiner Frau Candice Night. Viele mögen die Nase über den Spielmann-Look des Paares rümpfen, aber fest steht: Es ist sowohl beeindruckend als auch konsequent, wie Blackmore seine künstlerischen Visionen lebt. 23 Jahre gibt es dieses Projekt jetzt schon, eine Nummer wie Under A Violet Moon von 1999 überzeugt bis heute mit filigranem Spiel und entrückter Rollenspiel-Stimmung, bei der man am liebsten sogleich die nächste Taverne aufsuchen möchte.

Screaming Lord Sutch – diverses

Deutlich obskurer wird da schon seine Beteiligung an diesem Projekt: Screaming Lord Sutch ist ein englischer Sänger und Politiker, der mit diversen Musikern spielt, die später einmal sehr prominent werden sollten – Jimmy Page, Jeff Beck oder Ritchie Blackmore etwa. Sutch ist dem Horror und dem englischen Humor verfallen, hält auf der Bühne Horrorshows ab, die Alice Cooper maßgeblich beeinflusst haben dürften. Zwischen 1962 und 1967 greift Blackmore immer wieder mal für den Exzentriker in die Saiten. Es heißt, er schaut sich in dieser Zeit einige von seinen Possen für seine spätere Bühnenpräsenz ab.

Adam Faith – I Survived

Wenn man weiß, dass Ritchie Blackmore eine Schwäche für deutschen Schlager hat, erklärt sich auch diese kuriose Zusammenarbeit: 1974 steuert Blackmore ganz selbstlos ein irisierendes Solo im Intro zum 1974-er Spätwerk des englischen Schnulzen-Chansoniers Adam Faith bei. Schönes Beispiel dafür, dass Blackmore immer schon macht, was er für richtig hält.

Zeitsprung: Am 13.11.1974 macht Ritchie Blackmores Doppelgänger Ärger.

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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