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Popkultur

Tom Morellos ARM THE HOMELESS: Vom „beschissensten Modell der Welt“ zur Gitarre von Rage Against The Machine

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Foto: Larry Busacca/Getty Images for NARAS

Wie eine Schrottgitarre zum treuen Gefährten wurde: Tom Morellos „Arm The Homeless“-Gitarre ist eine Geschichte zwischen Frustration, Flexibilität, Kreativität und Rock-Triumph.

 von Markus Brandstetter

Andere hätten diese Gitarre wahrscheinlich wieder verkauft oder im Schrank verstauben lassen – aber Tom Morello machte aus dieser sonderbaren, im Laufe der Zeit zum Frankenstein-Modell gewordenen Gitarre eine der erinnerungswürdigen Instrumente der Rockgeschichte. „Arm The Homeless“ hatte der Gitarrist später, als er mit Rage Against The Machine die Musikwelt ordentlich aufmischte, auf den Korpus geschrieben. Unter diesem Namen (und mit jeder Menge außergewöhnlichen Sounds) wurde die Gitarre — und ihr Spieler — später weltberühmt.

 

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„Das beschissenste Modell der Welt“

Gegenüber „MusicRadar“ erinnerte sich Morello kürzlich an die Ursprünge der Gitarre. Diese gehen zurück ins Jahr 1986: Da ließ sich der Musiker, damals noch alles andere als reich, in einem Geschäft in Hollywood mit seinem mühsam ersparten Geld eine Gitarre fertigen. Man musste in diesem einen Laden einfach ankreuzen, was man haben wollte, so Morello – und die Gitarre wurde zusammengebaut. Liebe auf den ersten Blick war es keine: „Sie haben mir das beschissenste Modell der Welt gebaut, aber daraus ist später Arm The Homeless geworden“, erklärt er.

„Alles daran war schlecht: Es sah schlecht aus, es klang schlecht, es war grotesk überteuert“, so der Gitarrist über sein spezielles Modell. Anstatt zu versuchen, sie wieder loszuwerden, begann er, Änderungen an der Gitarre vorzunehmen. Und zwar eine ganze Menge Änderungen: Bis auf den Korpus wurde alles ausgetauscht– und das zum Teil mehrfach. „Ich wusste nicht, was ich tun sollte – ich hatte mein ganzes Geld ausgegeben”.

Alles ausgetauscht, nie zufrieden

Kein Stein blieb auf dem anderen. Rund ein Dutzend mal ließ Morello laut eigenen Angaben die Tonabnehmer austauschen. Auch das Whammy Bar wurde immer wieder gewechselt, alle Modelle von Floyd Rose und Kahler habe er ausprobiert, erzählt der Gitarrist. Allerdings habe er die Änderungen nicht selbst durchgeführt (er selbst sei kein Bastler), sondern bei jeder neuen Idee ein Geschäft oder einen Profi aufgesucht.

Morello gibt auf – und gewinnt

Irgendwann hatte Morello eine Eingebung: Es wird nicht besser werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gitarre EMG-Tonabnehmer, ein Ibanez-Edge-Tremolo und einen Kramer-Verschnitt als Hals. „An diesem Punkt gab ich auf und sagte, ‚Okay, es wird nie so klingen, wie es in meinem Kopf klingt, also höre ich auf, mich zu sorgen und mich Sachen zu ändern, ich werde einfach Musik spielen’”.

Das bedeutet aber nicht, dass er glücklich gewesen sei, betont er. Dennoch: Morello akzeptierte die Grenzen, die ihm das Instrument auferlegte – und versuchte, etwas aus dem bestehenden Sound zu schaffen. Daraus entstand ein großer Teil des Sounds von Rage Against The Machine. „Dieser Bounce, der bei meinen Riffs bei Rage Against The Machine immer enthalten ist, der hat eine Menge mit dem vorderen Tonabnehmer zu tun. Ich habe diesen Sound nie besonders gemocht, ich war sogar enttäuscht davon, weil es ein Single-Coil-Klang ist. Aber das ist eben genau dieser Sound: Der vordere Tonabnehmer”.

Die extravagante Optik der Gitarre – Aufgemalte Nilpferde und die Aufschrift „Arm The Homeless“ (auf Deutsch: „Bewaffnet die Obdachlosen“) verpasste Morello der Gitarre am Anfang der Karriere seiner Band. Nilpferde seien das einzige was er zeichnen könne, argumentierte er – und kurz vor einem Auftritt im Whiskey-A-Go-Go in Hollywood kam als Kontrast der Slogan dazu. Komplettiert wird die Optik von der Sowjet-Fahne mit Hammer und Sichel unter der Bridge.

Ende gut, alles gut

„Diese Gitarre und ich haben tausende Stunden zusammen verbracht – und ich bin über die Jahre sehr glücklich mit ihr geworden. Für jemanden, der sonst nicht besonders sentimental in Sachen Instrumente und so einem Zeug ist, gebe ich zu, gegenüber dieser Gitarre sehr sentimental geworden zu sein“, so der Musiker.

Dass Tom Morello glücklich mit der Gitarre ist, zeigte sich auch darin, dass er sie bei seinem Gastspiel in Bruce Springsteen E Street Band nutzte – zu sehen unter anderem bei dieser spektakulären Version The Ghost Of Tom Joad:

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