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JJ Cale und das erste posthume Album

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JJ Cales Witwe Christine Lakeland hat mit Stay Around ein Album mit neuen Songs ihres verstorbenen Mannes veröffentlicht. Bei vielen Musikern kann und muss man in einem solchen Fall von Leichenfledderei sprechen. Bei Cale von einem glorreichen Glücksfall.

Was war er nur für ein Kerl, dieser JJ Cale. Statt dem großen Erfolg wollte er lieber seine Ruhe, nahm seine oftmals frivolen Stücke nur in Demo-Versionen auf, um sie dann von anderen Künstlern berühmt machen zu lassen. Durch Eric Clapton, Lynyrd Skynyrd oder Johnny Cash wurden seine Songs wie After Midnight, Cocaine oder Call Me The Breeze so zu Welthits – eine Bürde, die JJ Cale nie auf sich nehmen wollte.


Hört hier in Stay Around rein:


Für das ganze Album klickt auf “Listen”.


Überhaupt war er ein ganz schöner Kauz: Jahrelang lebte er in einem Trailerpark nahe Disneyland in Kalifornien, gab sich lieber als Trucker aus als einer der einflussreichsten Musiker seiner Generation. Er hatte weder Telefon noch Bankkonto, ging ungern bis nie auf Tour und hielt von diesem ganzen Musikzirkus weniger als nichts. Lieber saß er auf seinem kaputten und knarzenden Stuhl in der Küche, klimperte auf seiner Gitarre und nuschelte seinen Gesang dazu – immer an der Seite seiner Ehefrau Christine Lakeland, mit der er 36 Jahre zusammen war.

Genau so kann man ihn jetzt auf Stay Around erleben, einem von seiner Witwe in Zusammenarbeit mit seinem Manager und engen Freund Mike Kappus posthum veröffentlichten Album mit 15 Songs. Nicht jedoch Ausschussware oder blasse Alternativversionen längst bekannter Songs; sondern genuines Cale-Material, so entspannt, lässig und gekonnt wie eh und je, angesiedelt zwischen Folk, Country, Blues und Americana. Ganz neu erschienen ist das Video zur melancholischen Fernweh-Folk-Nummer Go Downtown, ein echtes Exempel des Tulsa-Sounds.



Ob es weiteres neues JJ-Cale-Material geben wird, ist derzeit zwar noch nicht bekannt. Fest steht aber: Es gibt noch so einiges davon. CDs, ganze USB-Sticks voller Material, das The Breeze, wie er wegen seiner nonchalanten Leichtigkeit genannt wurde, aus welchen Gründen auch immer bis zu seinem Tod 2013 nicht veröffentlicht hatte. Silberstreif am Horizont: Cales Witwe wollte erst mal abwarten, wie gut Stay Around ankommt, bevor sie eine Entscheidung bezüglich des Cale-Vermächtnisses treffen wollte. Doch nach dem Top-Ten-Einstieg in Deutschland dürfte wohl klar sein: Es kommt sehr, sehr gut an.


Titelfoto: Louis Ramirez [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)]


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