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Popkultur

10 Rocksongs aus den Sechzigern, die man nach den ersten Tönen erkennt

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Foto: Daily Mirror/Mirrorpix/Mirrorpix/Getty Images

Die bekanntesten Blitzohrwürmer aus den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern haben wir euch bereits vorgestellt. In unserem heutigen Artikel reisen wir noch weiter in die Vergangenheit zurück und beschäftigen uns mit dem Jahrzehnt, in dem alles so richtig losging: den Sechzigern.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die 10 Rocksongs der Sechziger anhören, die man nach den ersten Tönen erkennt:

1. The Animals – The House Of The Rising Sun (1964)

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The House Of The Rising Sun ist älter als die Popmusik selbst. Schon 1930 wird das Stück zum ersten Mal erfasst; die Komposition dürfte noch einige Jahrzehnte weiter zurückliegen. Ins kollektive Gedächtnis brennen das Lied allerdings The Animals, indem sie die Nummer im Sommer 1964 als Single veröffentlichen. Auf die Idee dazu kommt Animals-Frontmann Eric Burdon, als die Band mit Chuck Berry durch Großbritannien tourt. Während der Konzertreise besucht Burdon ein Konzert des nordenglischen Sängers Johnny Handle, der den Song auf der Bühne zum Besten gibt. Zu jener Zeit befinden sich die Animals ohnehin auf der Suche nach einem Stück, mit dem sie ihre Gigs beenden können, ohne standardmäßig einen wilden Rocksong zu spielen. Sie nehmen The House Of The Rising Sun in ihr Programm auf und landen damit einen riesigen Erfolg, der nicht nur bis heute nachhallt, sondern auch innerhalb weniger Sekunden zündet.

2. The Kinks – You Really Got Me (1964)

Die Kinks greifen 1964 tief in die Trickkiste des Blues, verpacken das Ganze in ein paar Powerchords und landen mit You Really Got Me einen ihrer größten Hits. Jahrzehntelang geht das Gerücht um, Jimmy Page habe das Solo für die Nummer eingespielt, doch das gilt inzwischen als widerlegt. So erklärt der Led-Zeppelin-Gitarrist 2014 in einem Interview mit SiriusXM (nicht zum ersten Mal): „Ach, Mensch! Für You Really Got Me habe ich nichts aufgenommen, aber für andere Kinks-Platten. Das ist alles, was ich dazu sage. Jedes Mal, wenn ich ein Interview gebe, fragen mich die Leute nach You Really Got Me. Vielleicht kann das bei Wikipedia mal jemand korrigieren, damit ich nicht mehr danach gefragt werde.“ Ob mit oder ohne Jimmy Page: Mit ihrer dritten Single landen die Kinks mehr weniger aus dem Stand auf Platz eins der britischen Charts. Den kalifornischen Hardrockern Van Halen gefällt You Really Got Me so gut, dass sie den Song fast 15 Jahre später auf ihrem Debütalbum covern.

3. The Rolling Stones – (I Cant Get No) Satisfaction (1965)

Mit (I Can’t Get No) Satisfaction landen die Rolling Stones im Jahr 1965 ihren allerersten Nummer-eins-Hit in den USA — und wenn man sich die Hook des Songs anhört, überrascht das kein bisschen. In Großbritannien läuft die Single zunächst nur auf den berühmt berüchtigten Piratensendern, weil die offiziellen Radiostationen Schwierigkeiten mit dem sexuellen Inhalt des Stücks haben. Geschrieben hat Stones-Gitarrist Keith Richards die Nummer buchstäblich im Schlaf: „Ich war in einem Hotel und hatte einen kleinen Kassettenrekorder neben mir stehen“, verrät er in dem Buch Keith Richards: In His Own Words. „Ich habe den Aufnahmeknopf gedrückt, meine Gitarre genommen und bin die Sequenz einmal durchgegangen. Man kann auf der Kassette hören, wie ich das Plektrum fallen lasse. Danach kommt nur noch mein Geschnarche.“ Keith Richards hat also genauso lange gebraucht, um den Song zu schreiben, wie man braucht, um ihn zu erkennen.

4. The Who – My Generation (1965)

Als die britische Jugend Mitte der Sechziger ihren Platz in der Gesellschaft sucht, liefern The Who den passenden Soundtrack dazu. Das äußert sich in My Generation nicht nur in der aggressiven, punkigen Musik, die einem gut dreiminütigen Wutausbruch gleicht, sondern auch im Text. So enthält der Song mit „I hope I die before I get old“ eine besonders legendäre Zeile der Rockgeschichte. Die Inspiration für das Stück liefert niemand Geringeres als Queen Mum, die Songschreiber Pete Townshend dazu zwingt, mit dem Zug zu fahren, wo er die Nummer komponiert. Die britische Adlige fühlt sich bei ihren täglichen Fahrten durch den Londoner Stadtteil Belgravia nämlich vom Anblick von Townshends altem Leichenwagen beleidigt und lässt das Auto abschleppen. Für das legendäre Stottern in My Generation stehen John Lee Hooker und sein Song Stuttering Blues Pate.

5. The Doors – Light My Fire (1967)

Mit Light My Fire landen die Doors Ende der Sechziger nicht nur einen Ohrwurm-Hit für die Ewigkeit, sondern zündeln kurz nach der Single-Veröffentlichung auch in der Ed Sullivan Show. Weil die Sponsoren der US-Fernsehsendung sich mit der Textzeile „Girl, we couldn’t get much higher“ nicht wohlfühlen, bittet das Produktionsteam die Band, den Text zu ändern. „Girl, we couldn’t get much better“, soll Frontmann Jim Morrison stattdessen singen. Die Doors stimmen zu, betreten die Bühne und alle sind glücklich — bis Morrison die Vereinbarung einfach außen vor lässt und trotzdem den Originaltext singt. Als der Sänger die Bühne verlässt, schüttelt Ed Sullivan ihm nicht die Hand. Autsch. Außerdem darf die Band nie wieder in der Sendung auftreten. Geschadet hat den Doors das nicht.

6. Jimi Hendrix Experience – All Along The Watchtower (1967)

Dieser Song stammt ja eigentlich aus der Feder von Bob Dylan, doch zum Hit wird All Along The Watchtower erst, als die Jimi Hendrix Experience das Stück aufnimmt. Völlig zurecht, denn Dylan liefert mit seinem Lied zwar die wichtige Blaupause für Hendrix — doch das Beste kitzelt nur uns aller liebster Gitarrengott aus dem Song heraus. Das merkt man zum Beispiel daran, dass man die Hendrix-Version nach nur wenigen Sekunden erkennt, während das Stück bei Dylan ein wenig mehr Zeit benötigt, um zu zünden.

7. Cream – Sunshine Of Your Love (1967)

Auch bei dieser Nummer hat Jimi Hendrix seine Finger im Spiel, wenn auch nicht direkt. Auf die Idee zu Sunshine Of Your Love kommt Cream-Bassist Jack Bruce nämlich nach dem Besuch eines Hendrix-Konzerts am 29. Januar 1967 in London. Cream-Gitarrist Eric Clapton erinnert sich in einem Interview mit dem Rolling Stone an den Abend: „Hendrix’ Auftritt war beeindruckend. Ich glaube nicht, dass Jack ihn vorher wirklich auf dem Schirm hatte … als er ihn an diesem Abend sah, ging er anschließend nach Hause und kam auf das Riff. Es war eine Widmung an Jimi. Dann haben wir einen Song darüber geschrieben.“ Und was für einen!

8. Steppenwolf – Born To Be Wild (1968)

Sonnenbrille auf, Motor an, Gaspedal runter: Bis heute denkt man bei den ersten Tönen von Born To Be Wild an Freiheit, Rebellion und einen sonnigen Highway in den USA. Außerdem sagt man dem Stück die Erfindung des Heavy Metal nach. Zwar meint Songschreiber Mars Bonfire mit dem Ausdruck „heavy metal thunder“ keine musikalische Richtung, sondern umschreibt damit ein Motorrad, doch eine der Theorien lautet, dass mit Born To Be Wild ein wichtiger Grundstein für das harte Genre gelegt wurde. So oder so: Diesen Song von Steppenwolf erkennt man nach wenigen Sekunden, ob auf Platte oder in dem legendären Film Easy Rider.

9. Creedence Clearwater Revival – Bad Moon Rising (1969)

Wo die meisten Bands der Sechziger nicht nur für großartige Songs, sondern auch für ihre wilden Exzesse bekannt sind, widmen sich Creedence Clearwater Revival lieber ausschließlich der Musik. Zum Glück, denn wir haben den Kaliforniern große Hits zu verdanken. Dazu gehört auch Bad Moon Rising, ein knapp zweieinhalbminütiger Ohrwurm, der nur wenige Sekunden braucht, um Country-Rock-Fans ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Auf die Idee zu dem Song kommt Creedence-Frontmann John Fogerty als er den Film Der Teufel und Daniel Webster schaut. In dem Streifen kommt eine Szene mit einem Hurrikan vor und Fogerty erzählt später in einem Interview mit dem Rolling Stone, dass es in seinem Lied um „die Apokalypse“ gehe, „die über uns hereinbrechen würde“.

10. The Beatles – Come Together (1969)

Die Beatles haben viele, viele Hits geschrieben, die man nach wenigen Sekunden erkennt, aber ein Beginn sticht ganz besonders hervor: der Bass im Intro von Come Together. Die Grundlage für das Stück liefert der Wahlslogan des US-amerikanischen Psychologen und Politikers Timothy Leary, der im Lauf der Sechziger großen Einfluss auf die Entwicklung der Gegenkultur in den USA nimmt und als Gouverneur von Kalifornien kandidieren möchte. „Come Together – Join the Party!“ lautet sein Wahlspruch. Leary bittet John Lennon 1967 um einen Song zu dem Slogan, doch der Beatle kommt nicht über eine Zeile hinaus. Erst 1969 nimmt Lennon die alte Idee wieder auf und komponiert daraus einen Song für das vorletzte Beatles-Album Abbey Road. Den Feinschliff übernimmt Kollege McCartney, der findet, dass Lennons Idee zu sehr an den Song You Can’t Catch Me von Chuck Berry erinnert. Die Lösung: starke Verlangsamung. Das Ergebnis: ein Song für die Ewigkeit.

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Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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