------------

Popkultur

45 Jahre “The Velvet Underground” – Ein Aufbruch

Published on

In vielerlei Hinsicht war die dritte LP der Velvet Undergound ein Aufbruch zu neuen Ufern und eine Abkehr von ihren ersten beiden LPs. Nicht mehr dabei war John Cale, der Mitbegründer der Band. An seine Stelle trat direkt der 21-jährige Doug Yule aus Long Island. Das Album macht einen gewaltigen stilistischen Sprung. “Ich dachte, wir sollten nun die andere Seite von uns zeigen”, beschreibt Lou Reed diesen Prozess in den Linernotes zur Neuausgabe, erstellt vom Rolling Stone-Redakteur David Fricke, der das Album als atemberaubende Richtungsänderung sieht… zehn Stücke mit einer überwiegend warmen, ausdrücklich sympathischen, optimistischen Ausstrahlung, festgehalten mit frappierender melodischer Klarheit, arrangiert im Leuchtfeuer zweier Gitarren und beinahe flüsterndem, balladeskem Gesang. “Wie definierst du eine Gruppe wie diese, die in zwei kurzen Jahren von “Heroin” zu “Jesus” weiterzieht?”, formulierte es der 1982 verstorbene Rockkritiker Lester Bangs.

 

In der Tat, wie kann man ein Album mit solchen Klassikern beschreiben wie “Candy Says”, Reeds Ode an den Warhol-Superstar Candy Darling; den schmerzenden Lovesong “Pale Blue Eyes” mit Leadgesang von Yule, angeblich von einer Geliebten in der Syracuse University inspiriert, die davon kam; oder das bewegende “Beginning to See The Light”; neben der gesprochenen, mit Musique Concrete unterlegten Erzählung “The Murder Mystery” und dem schönen, von Maureen Tucker eingesungenen “After Hours”?

 


Zur Feier dieses dauerhaft bedeutsamen Meilensteins veröffentlicht Polydor/Universal Music Enterprises (UMe) am 21. November die 45th Anniversary Super Deluxe Edition von The Velvet Underground. Das Paket mit sechs CDs und 64 Tracks erscheint als gebundenes Buch. Neben dem Original-Album gibt es die Kult-LP hier in verschiedenen anderen Mixen, darunter der remasterte Stereo-Mix vom MGM-Haustontechniker Luis Pastor “Val” Valentin. Dazu kommt eine Reihe anderer Songs, die The Velvet Underground 1969 im New Yorker Record Plant Studio aufnahmen. Viele der hier vorliegenden Versionen sind unveröffentlicht. Sie waren ursprünglich fürs vierte Album der Band vorgesehen, einige Songs landeten tatsächlich ein Jahr später auf “Loaded” – ihrem vierten Album – und auf den ersten beiden Solo-Veröffentlichungen Reeds. Unveröffentlichte Live-Aufnahmen vom 26. und 27. November 1969 aus dem kalifornischen Matrix-Club runden das Material ab.

 

Parallel erscheint der remasterte Valentin-Stereo-Mix als Einzel-CD, wie auch auf Vinyl. Der Mix ist ebenfalls Teil der aus 2 CDs bestehenden Deluxe Editionvon The Velvet Underground, erweitert mit einem 12 Tracks langen Audio-Bonus mit den Highlights von Live At The Matrix. Digitale Versionen der Einzel-CD und der Super Deluxe Editionerscheinen bei digitalen Partnern, unter anderen in den MFiT- und HD-Audio-Formaten.

Velvet underground_exploded packshot

The Velvet Undergroundwar das erste von der Band selbst produzierte und arrangierte Album. Disc 1 dieser Neuausgabe enthält den Stereo-Mix vom MGM-Haustontechniker Luis Pastor “Val” Valentin, einem Studio-Veteranen von Sessions mit Ella Fitzgerald und Stan Getz. Die Aufnahmen entstanden in den T.T.G. Studios in Hollywood, während die Band im Chateau Marmont-Hotel von L.A. residierte. Die zweite Disc präsentiert, was Sterling Morrison als den “Schrank-Mix” bezeichnete, und Reed als einen Weg beschrieb, “ganz direkt zu jemand vorzudringen, ohne Filter…wenn du die Platte hörst ist es, als säße sie dir direkt gegenüber”. Dies war die Originalversion der Erstpressung, die später durch einen anderen Val Valentin-Stereo-Mix ersetzt wurde. Die dritte Disc enthält den “Promo-Mono-Mix” des Albums, inklusive einer Mono-Version der ersten Single “What Goes On” / “Jesus”.

 

Disc 4 bringt eine Version des vierten Albums von TVU, das in dieser Form nie erscheinen sollte. Die Aufnahmen stammen aus dem Record Plant-Studio in New York City und sind ebenfalls von 1969. Mit ihnen wollten die Velvets ihren damals mit MGM bestehenden Plattenvertrag erfüllen. Die Sessions schließen zehn bisher ungehörte Mixe ein – vier Vintage-Mixe von 1969 und sechs neue, darunter 2014 angefertigte Mixe von “Lisa Says” und “I Can’t Stand It”. I-Tüpfelchen ist der originale 1969er-Mix von “Ocean”, das schließlich für Lou Reeds 1972 veröffentlichtes, nach ihm benanntes Solodebüt neu aufgenommen wurde. Dazu kommen noch die ursprünglichen 1969er-Mixe von “Andy’s Chest” (das in einer anderen Version auf “Transformer” erschien) und “Rock & Roll” (später für “Loaded” neu aufgenommen).

 

Die letzten beiden Discs bieten Performances aus Konzerten der Velvets am 26. und 27. November 1969 im Matrix-Club von San Francisco, der Marty Ballin von Jefferson Airplane gehörte. Erstmals sind sie hier zusammengestellt worden. Sie wurden neu von den originalen Multi-Track-Aufnahmen des Clubmanagers Peter Abram (die mittlerweile den Velvet Underground gehören) abgemischt. Unter den Tracks befindet sich eine beinahe 37-minütige Version von “Sister Ray” und eine Version von “There She Goes Again”, auf der sie das rhythmische Gitarren-Intro von Marvin Gayes 1962er-Hit “Hitch Hike” einschieben.

 

Der damalige Neuzugang Doug Yule beschreibt in David Frickes Linernotes das Prachtjahr 1969 am besten, indem er den Zusammenhalt, die Kreativität und die einfach großartige Musik der Velvets betont: “Wir fühlten uns gut. Wir mussten einfach nur losspielen. Man konnte es spüren. Das bringt eine Band in dir hervor, du wirst tight, du wirst kreativ.”

 

Die 45th Super Deluxe Edition von The Velvet Underground ist der Beweis.

Popkultur

40 Jahre „Nebraska“: Als Bruce Springsteen durch Zufall zum einsamen Cowboy wurde

Published on

Bruce Springsteen
Foto: Bill Marino/Getty Images

Vor 40 Jahren nimmt Bruce Springsteen Demos auf, die er eigentlich mit seiner E Street Band einspielen will. Er entscheidet sich dagegen – und veröffentlicht mit Nebraska sein vielleicht bestes Album.

von Björn Springorum

 

Hier könnt ihr euch Nebraska von Bruce Springsteen anhören:

Die Fabeln der Arbeiterklasse und der Mythos Amerikas sind Tropen, ohne die Bruce Springsteens Kanon auseinanderfallen würde. Immer schon haben ihn die Geschichten der vermeintlich einfachen Leute mehr interessiert als alles andere. Die Folklore der Menschen, die die Vereinigten Staaten von der Ostküste westwärts erschlossen und aufgebaut haben, die Arbeiter an den Docks, den Schienen, in den Minen.

Im Oktober 1980 veröffentlicht der Boss mit The River ein vielbeachtetes Doppelalbum voller jener Themen. Ein ganzes Jahr ist er damit auf Tour, vor allem in den USA, taucht auf den langen Fahrten über die Highways erneut tief ein in den Mythos des Wilden Westens. Die Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen inspirieren ihn in seinem Zuhause in New Jersey zu neuer Musik. Er verwendet vor allem die akustische Gitarre, eine Mundharmonika oder ein Tambourin für die Demo-Aufnahmen, die er als Grundlage für die eigentliche Studioarbeit mit seiner E Street Band nutzen will.

Drei Akkorde für ein Halleluja

Doch der folkloristische, pure, rohe Charme der oftmals mit drei Akkorden auskommenden Stücke bringt etwas in ihm zum Schwingen. Zwar arbeitet er im April 1982 mit seiner Band an Rock-Versionen dieser Song; das Ergebnis, das sagt ihm jedoch nicht zu. Für ihn fehlt den Songs im Bandkontext der verwunschene Americana-Kontext, die Seele des Landes, aus dem er sie schöpfte. Er und sein Manager Jon Landau entscheiden, diese spärlich instrumentierten Songs vom Rest zu trennen und aus ihnen eine Springsteen-Soloplatte mit Namen Nebraska zu machen. Aus den als Electric Nebraska bekannten Sessions sollen dennoch acht Songs für den Nachfolger Born In The U.S.A. von 1984 hervorgehen. Unproduktiv ist echt anders.

Eine magische Nacht

Im Grunde ist Nebraska somit ein Album, das am 3. Januar 1982 erschaffen wird. In den Abend- und Nachtstunden nimmt Bruce Springsteen wie entfesselt 15 Demos auf. Die meisten davon landen auf Nebraska. „Ich war immer nur so lang im Studio, weil das Komponieren so viel Zeit brauchte“, so sagte Springsteen mal. „Deswegen besorgte ich mir einen kleinen Vierspurrekorder, um schon mal grobe Songs aufzunehmen, die ich dann der Band zeigen würde. Ich hatte also dieses Tape wochenlang mit mir dabei, bis ich merkte: Das ist kein Demo, das ist das Album.“

Bis heute ist Nebraska ein einnehmendes, sehnsüchtiges Fernweh-Folk-Album voller Antihelden, tragischer Geschichten und amerikanischer Weite. Es lebt vom kargen Charme und von einem Schwermut, den man in dieser Intensität noch nicht von Springsteen vernommen hat. Passt zu den Themen: Die Songs drehen sich um einfache Menschen, vom Pech verfolgt oder in die Kriminalität abgerutscht. Im Titelsong geht es um den Mörder Charles Starkweather auf dem Weg zum elektrischen Stuhl, im abschließenden Reason To Believe brechen zumindest vereinzelte Sonnenstrahlen durch die tiefhängenden Wolken über den Great Plains.

Hommage an Atlantic City

Keine Inspiration braucht er natürlich für Atlantic City, Ode und Brandbrief an die einstmalige Casino- und Strandhochburg am Atlantik. Die Stadt ist wie ein pars pro toto für den Mythos der untergegangenen USA, ein einstmals glanzvoller Boardwalk, jetzt weitgehend verlassen, heruntergekommen. Im Song singt Springsteen mit Verzweiflung in der brechenden Stimme von einem Liebespaar, das nach Atlantic City flüchtet, wo er aufgrund seiner Schulden in der organisierten Kriminalität versinkt. Es sind Songs wie dieser, von dem sich die Killers zu ihrem Akustikalbum Pressure Machine inspirieren lassen.

Nebraska ist auch 40 Jahre später ein Monument und Springsteens wahrscheinlich bestes Album. Bis Western Stars (2019) ist es das einzige Album, das nicht auf einer eigenen Tournee vorgestellt wird. Es war ihm wohl immer zu düster.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 4.6.1984 erscheint „Born In The U.S.A.“ von Bruce Springsteen.

Continue Reading

Popkultur

Review: „The End, So Far“ verschafft Slipknot neun neue Leben

Published on

Slipknot
Foto: Venla Shalin/Getty Images

Das verflixte siebte Studioalbum wird bei Slipknot zur Wasserscheide: Nach zuletzt eher homöopathischen Änderungen im brachialen Soundbild stellen Corey Taylor und seine Maskencrew mit The End, So Far die Weichen für die Zukunft. Ihre beste Platte ist es nicht. Aber zweifellos eine beeindruckende.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch The End, So Far anhören:

Das Ende naht. Vielleicht nicht für Slipknot als Band. Aber definitiv für die Strukturen, in denen sich die Seelenstripper aus Iowa bisher bewegten: The End, So Far ist das letzte Album der Band für ihr Label Roadrunner und trägt das Ende der 25-jährigen Partnerschaft bereits im Titel.

Den Fans dürfte das egal sein. Für Slipknot geht dennoch eine Ära zu Ende. Und anstatt ein halbgares neues Album oder gar eine Best-Of auf den Markt zu werfen, um aus dem Vertrag zu kommen, geht man richtig in die Vollen. The End, So Far ist zwar nicht das brutalste, das heftigste, das härteste Album, das Slipknot jemals gemacht haben; das muss es aber auch gar nicht sein, dafür warne schließlich Iowa und Co. Zuständig.

Synthies, Chöre, klarer Gesang

Die siebte Platte porträtiert eine Band, die älter geworden ist. Und das endlich auch selbst anerkennt. Man umkreist solangsam die 50, da muss man nicht mehr so tun, als sei man 28. Deutlich wird das sofort: Der Opener Adderall ist der vielleicht untypischste Slipknot-Song aller Zeiten: Getrieben von flirrenden Synthies, Chören und durchgehend klarem Gesang, erinnert die Nummer eher an David Bowie oder an Tool.

Slipknot achten sorgfältig und gewissenhaft auf Dynamik, auf Songreihenfolge und Stimmungsbilder. Sie sind eine Albumband, groß geworden in Zeiten, in denen man Platten noch ganz hörte. Dem werden sie auch mit The End, So Far gerecht. Mehr denn je breiten Slipknot ihre irisierenden Flügel aus, decken so viele musikalische Gefilde ab wie nie zuvor. Klar ist die Platte auch brutal, in einem Song wie H377 sogar so durchgehend, kompromisslos und nervenzerfetzend knallhart wie auf ihrem tollwütigen Exorzismus Slipknot. Überwiegend steht jedoch eine Balance zwischen abgründiger Härte und trostspendenden Momenten auf der Agenda.

Grunge-Gefühle

Slipknot wissen längst, wie man Dynamik ausschöpft und präzise einsetzt. Die tosenden, grollenden Abriss-Monumente wirken wenn überhaupt, dann noch heftiger als auf früheren, eher durchgebolzten Werken. Melancholische, schwebende Momente wie die Alternative-Rock-Nummer De Sade zeigen zwischendrin aber eben immer wieder, dass man Dämonen und mentalen Horror auch ohne durchgehendes Metal-Inferno verhandeln kann. Hölle, bei Acidic kommen sogar Grunge-Gefühle auf!

Das Vermächtnis der Toten

Einen mehr als ordentlichen Job macht der neue Percussionist und Drummer Jay Weinberg. Er versucht gar nicht erst, in die XXL-Fußstapfen von Joey Jordison zu trommeln, füllt sein dynamisches, tightes Spiel aber dennoch mit mancher Referenz an den 2021 verstorbenen Drummer – voller Respekt und Demut. Es ist der sensible und richtige Weg, die tragische Geschichte einer Band zu verhandeln und weiterzutragen: Nach Paul Gray ist Joey Jordison schon das zweite Mitglied, das Slipknot zu Grabe tragen mussten.

Das Vermächtnis der Toten lebt auch auf The End, So Far fort. Ein Album voller Schatten, gespenstischer Melodien und gurgelnder Härte. Nicht alle Songs sind Treffer, manche verlieren sich in Post-Rock-Wolkengebilden und unpassenden Ausbrüchen. Unterm Strich bleibt aber eine knappe Stunde eindrucksvolles Flexen von einer Band, die ungebrochen vor Evolution, Kreativität und Aufbruchstimmung steht. Und endgültig keine Lust mehr hat, Konventionen zu pflegen oder Erwartungen zu erfüllen.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Slipknot: Von Masken-Weirdos zu globalen Superstars

Continue Reading

Popkultur

30 Jahre „Küssen verboten“: Als die Prinzen zu Königen wurden

Published on

Die Prinzen
Foto: Hulton Archive/Getty Images

Sie gründen sich noch zu DDR-Zeiten und werden gleich nach der Wende zu gesamtdeutschen Popstars: Vor 30 Jahren verkünden die Prinzen mehrstimmig: Küssen verboten! Ohrwurm in drei, zwei eins…

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch das Küssen verboten anhören:

Alles beginnt im Knabenchor. Mehr oder weniger alle späteren Mitglieder der Prinzen singen sich erst mal in ostdeutschen Chören die Seele aus dem Leib – Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk sowie Henri Schmidt etwa im weltweiten Leipziger Thomanerchor. Was man eben so macht in der DDR. Daraus entsteht eine erste Band mit dem unglücklichen Namen Die Herzbuben. Der Versuch: Mit A-capella-Stücken erfolgreich werden.

Annette Humpe greift ein. Zum Glück

Das klappt zwar ganz gut, aber das große Problem ist: Immer wieder verlieren Die Herzbuben Mitglieder, weil sie sich aus der DDR absetzen. Es dauert also noch bis nach der Wende, bevor die Geschichte endlich Fahrt aufnehmen kann. Zu verdanken ist das übrigens Annette Humpe, die mit Ideal große Erfolge feiern konnte und mit Blaue Augen einen gewaltigen Hit komponiert hatte. Sie wird auf die Band aufmerksam, erkennt das Potential und verfrachtet sie im November 1990 zu Anselm Kluge für erste Aufnahmen in dessen Studio. Ihr ist auch zu verdanken, dass man den Namen Die Herzbuben ablegt und sich auf Die Prinzen einigt. Mit den Wildeckern wollte man dann auch nicht unbedingt verwechselt werden.

Danach geht es schnell: Schon die erste Single Gabi und Klaus wird 1991 zum Erfolg, das Debüt Das Leben ist grausam kann sich mehr als eine Million Mal verkaufen und bringt sie auf Tour mit Udo Lindenberg. Danach soll natürlich schnell ein Nachfolger her. Deutschland ist nach David Hasselhoffs Niedersingen der Mauer wiedervereint und dürstet nach deutschsprachiger Popmusik, die Prinzen sind als ostdeutsche Band in den alten und neuen Bundesländern der absolute Verkaufsschlager.

Auch Olli Dittrich mischt mit

Ihr Rezept – A-capella-Gesang trifft Pop mit teils hintersinnigen, teils albernen Texten – trifft den unbeschwerten Zeitgeist, der nach all dem Drama einfach mal eine gute Zeit haben will. Nur ein Jahr nach dem Erstling sind Die Prinzen mit Küssen verboten zurück. Diesmal produziert Annette Humpe gleich das komplette Album und hilft der Band beim Texten, zusätzliche Unterstützung bei den Lyrics kommt von Comedian Olli Dittrich – so etwa der Text zu Kleines Herz.

Aufgenommen wird im Frühjahr 1992 in den Boogie Park Studios im Hamburg, am 28. September erscheint das zweite Album der Prinzen. Und wird ein ähnlich großer Erfolg: Es verkauft sich über 800.000 Mal, was damals drei Goldene Schallplatten bedeutet. Neben dem großen Erfolg der Single Küssen verboten ist es vor allem der von Sebastian Krumbiegel verfasste Song Bombe, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Anders als die humorigen, leichten Songs der Leipziger postieren sich Die Prinzen mit fast schon punkiger Attitüde klar gegen Rechtsextremismus.

Gegen rechte Gewalt

Gemeinsam mit Annette Humpe spielen sie Bombe live beim „Heute die! Morgen du!“-Festivals gegen rechte Gewalt in Frankfurt vor 150.000 Zuschauern. Als der Song im Februar 1993 als Single erscheint, gehen viele besorgte Eltern auf die Barrikaden. So viel Sex und Kritik ist man von den Prinzen nicht gewohnt. Dem Erfolg schadet es nicht. Im Gegenteil: Die große Tournee zu Küssen verboten wird zum Durchmarsch, zu den fast 60 Konzerten in den größten Hallen des Landes kommen über 200.000 Besucher.

In nur zwei Jahren sind Die Prinzen von einer ostdeutschen A-Capella-Seltsamkeit zu einer der größten Popbands des Landes geworden. Wieder vergeht nur ein Jahr, bis sie diese Erfolgsgeschichte mit Alles nur geklaut fortsetzen werden. Nicht übel für so ein paar Typen aus dem Knabenchor…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 31.10.1965 probt die DDR-Jugend den Beat-Aufstand.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]