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Popkultur

5 Wahrheiten über Rihanna

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Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und prüfen gängige Klischees und Falschannahmen in der Musikwelt… Einfach weil wir es können bzw. einfach weil es so viel mehr Vorurteile gibt als alle Beatles, Rolling Stones und Queen-Singles zusammenaddiert (lies: sehr viele). Wir nehmen uns also ein Genre oder Künstler und schauen wie stichhaltig die gemeinhin als richtig wahrgenommen Annahmen sind. Zieht eure kugelsicheren Westen an, der Beschuss mit gängigen Klischees erfolgt dieses Mal zum Thema: Rihanna.

 Welchen besseren Anlass könnte es auch geben als die Veröffentlichung ihres neuen Albums ANTI? Fast drei Jahre lang haben Musikjournalisten und Fans nach den kleinesten Hinweisen und Gerüchten gehechelt und auf einmal war es da, wie vom Himmel gefallen (sprich: ohne Vorankündigung über Tidal veröffentlicht). Hat sich das Warten gelohnt? Wie inszeniert sich Rihanna heute? Dazu müsst ihr das Album schon selber hören, denn hier kommen nur ein paar Klischees und Fakten über Bad Gal RiRi – ein paar (Fun) Facts, falls ihr noch nichts über die Sängerin wusstet (was eher unwahrscheinlich ist, wenn ihr keine Eremiten seid, aber man weiß ja nie).

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 1. Rihanna ist ein konstruiertes Pop-Sternchen.

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Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Wobei die Frage nach Konstrukt oder natürlicher Metamorphose vor dem Hintergrund schwierig zu beantworten ist, da sie bereits als Teenager entdeckt wurde und vom beschaulichen Insel Paradies Barbados nach New York zog, um einen Plattendeal mit Jay-Z abzuschließen. Ihr wurde kein unnatürliches oder unpassendes Image aufgezwungen – Jay-Z wollte stets, dass sie so bleibt wie sie ist. Rihanna hat sich aber stets weiterentwickelt – immer in einem Rahmen, der passend bzw. glaubhaft schien.


Die süße Insel-Schönheit vollzog eine Metamorphose hin zum Sex-Symbol/Pop-Ikone. Das schüchterne Mädchen (Rihanna wuchs laut Eigenaussage als Tomboy und ohne Make-Up auf) wurde aus einer Mädchen Band heraus entdeckt, die sie 2003 mit zwei Klassenkameradinnen gegründet hat. Diese wurde dem Produzenten Evan Rogers vorgestellt (zu Entertainment Weekly sagte er: „The minute Rihanna walked into the room, it was like the other two girls didn’t exist“) und mit Hilfe von Carl Sturken entstand schließlich eine Demo-CD aus vier Songs, auf der auch die erste Single Pon de Replay vertreten war. Dann wurde Def Jam auf sie aufmerksam und Rihanna sang dem damaligen CEO Jay-Z vor, der sie sofort unter Vertrag nahm – der  Rest ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Mit 16 zog sie nach New York und begann an ihrer ersten Platte Music of the Sun zu arbeiten. Zuerst noch das unschuldige Mädchen mit den riesigen Augen und der unglaublichen Stimme entwickelte sie sich zum Good Girl Gone Bad, womit sie auch weltweit Erfolge feierte – nicht zuletzt wegen des darauf enthaltenen Ohrwurms Umbrella (der Song fand so viel Anklang, dass Fans sogar Regenschirme mit zu Konzerten nahmen und RiRi dies aus Verletzungsgründen schließlich verbieten musste). Sie wurde erwachsener und das Ergebnis ist eine reifere RiRi auf dem Album Rated R, bei dem sie auch musikalisch mehr Mitsprache Recht einforderte. Auf den nächsten Alben Loud, Talk That Talk und Unapologetic dreht sie nochmal richtig auf und wird kompromisslos sexy… bis es etwa drei Jahre still um sie wird, zumindest musikalisch. Und nun ist sie mit einem Knall zurück, doch dazu später mehr.


  2. Rihanna liebt Socken.

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Eigentlich eine Steilvorlage für flache Witze, aber das lassen wir an dieser Stelle. Offiziell ist zwar kein Sockenfetisch bekannt, doch das unsexy Kleidungsstück scheint es ihr angetan zu haben – wie kann mich sich sonst eine Socken-Kollektion erklären? Außer mit kompletter Dedication zu einem Kleidungsstück, das zwar jeder braucht, aber keiner zu Weihnachten haben will…

Als es musikalisch eher ruhig um sie wurde, war sie in der Modewelt dafür umso präsenter. Bereits Anfang 2013 arbeitete Rihanna an vier Mode-Kollektionen für die britische Marke River Island. Ein Jahr später zierte sie bereits zum dritten Mal die Titelseite der amerikanischen Vogue und erhielt später den offiziellen Preis als Stil-Ikone – mit der Begründung sie sei „die aufregendste Moderepräsentantin unserer Zeit“. RiRi wurde als erstes Dunkelhäutiges Werbegesicht für Dior und Pumas weltweite Botschafterin für Women’s Training sowie dortige Kreativdirektorin. Nach diesen Kollaborationen überraschte die Musikerin eben mit einem Schritt in eine neue modische Richtung: Aus der Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Label Stance Socks entstanden insgesamt 18 bunt und groß gemusterten Strumpf-Designs, die im Rahmen der ‚Punk and Poet‘-Kollaboration unter dem Titel ‚Murder Ri Wrote‘ limitiert auf den Markt kamen.



  3. Rihanna schreibt ihre Songs selbst.

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Rihanna ist die jüngste Solo-Künstlerin, die 13 No. 1 Hits in den Billboard Hot 100 Charts platzieren konnte. Das Billboard Magazin kürte sie bereit 2012 zur Künstlerin des Jahrzehnts und RiRi gehört zweifelsohne zu den erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit. Zu erklären ist das Pop-Phänomen aber nicht nur mit ihrer sympathischen Art, der stetigen Neu-Erfindung oder Ausflüge in andere kreative Gefilde. Rihanna besitzt nicht nur viel Talent, sondern auch viele Songwriter, die ihr einen Ohrwurm nach dem anderen schreiben können, ohne dass sie ihrem musikalischen Stil zuwiderlaufen. Die Songs, die sie so perfekt verkörpert stammen aus fremden Federn. Auf ihrem Debütalbum Music of the Sun treten als Produzenten und Songschreiber unter anderem Evan Rogers, Carl Sturken, Stargate und Poke & Tone in Erscheinung. Für Rated R arbeitete sie u.a. mit Ne-Yo, Justin Timberlake, Brian Kennedy und James Fauntleroy II zusammen und schrieb dort zum ersten Mal selbst an Texten mit – kein Wunder, thematisiert das Album doch ihre turbulente Beziehung zu Chris Brown. Neustes Beispiel einer gelungen Kooperation ist Bitch Better Have My Money mit zugehörigem Kurz-Roadmovie. Der Song wurde von Bibi Bourelly geschrieben, einer Anfang 20-jährigen aufstrebenden Musikerin, die in Berlin aufgewachsen ist und nun ebenfalls ein eigenes Album aufnimmt.


  4. Rihanna ist auf dem Boden geblieben.

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Robyn Rihanna Fenty, so ihr bürgerlicher Name, wuchs  zwar auf der paradiesischen Insel Barbados auf, doch ihre Jugend war weder glamourös noch von Familienidylle geprägt. Vielleicht scheint die Sängerin daher auf dem Boden der Tatsachen verwurzelt. Außerdem kann per se schon niemand unsympathisch sein, der Katy Perry als beste Freundin bezeichnet und sich dazu selbst nicht allzu ernst nimmt und beim Karaoke am liebsten Livin‘ On A Prayer von Bon Jovi singt.



Ihre freizügigen Instagram-Selfies wirken vielleicht etwas zu selbst überzeugt, doch in den meisten Interviews, wie beispielsweise aktuell bei Ellen gibt sich die Sängern nahbarer als viele ihrer Konkurrentinnen.  Für den guten Zweck gibt sie außerdem Konzerte (u.a. für die Opfer des Erdbebens in Haiti) oder unterstützt Charity-Projekte für krebskranke Kinder.


  5. Rihanna ist zurück: Mit ihrem neuen Album: ANTI

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Und wie: Spiegel Online nennt es ein Popmärchen, das Rihanna zur neuen Königin des Pop erhebt. Noisey beschreibt es als „wunderschönes Baby, das in eine zerrüttete Familie hineingeboren wird“. ANTI ist da und ist schon nach dem ersten Hör-Durchlauf ein Album, dass uns noch lange begleiten wird.


Auch wenn das neue Werk ziemlich anders ist, weil es eine andere Rihanna zeigt, als die, die wir bisher kannten, ist es gerade deshalb so gut: Vom Ohrwurm Work zusammen mit Buddy Drake über das trippige Tame Impala Cover Same Ol Mistakes bis hin zu Close To You, indem das ganze Spektrum ihrer Stimme zum Tragen kommt. Über die Spannbreite des Albums treffen urbane Beats auf verhangene Synthies, die Klarheit akustischer Instrumente auf intelligentes Songwriting – und über all dem schwebt Rihannas Stimme, mal lässig-rauchig, mal voluminös mit einer Größe, welche klar macht warum Rihanna eine der größten Sängerinnen unserer Zeit ist. Ihr könnt die Platte überall streamen (siehe oben), es lohnt sich aber auch der Griff zur CD, da die Platte inklusive künstlerischem Artwork und Blindenschrift ein tolles haptisches Produkt ist.


 

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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