------------

Popkultur

Aus dem Underground in den Mainstream und zurück – Was wurde aus dem Indie-Rock anno 2005?

Published on

The Libertines im Jahr 2015 – mehr Falten, weniger Drogen

Zwängt euch in die skinniest Jeans, werft ein blau-weiß-gestreiftes Streifenshirt (bestenfalls mit tiefem V-Ausschnitt) über und setzt eine (fake) Hornbrille auf, um diesen Artikel besser lesen zu können: Wir werfen einen Blick auf den 2005 so populären Indie-Rock und investigieren, ob sich diese Musikrichtung in einem unbekannten Nimbus verflüchtigte, in dem scheinbar auch alle Bubble Tea Läden und Sonnenbankstudios der letzten Dekade verschwunden sind – oder ob es ihn noch gibt, den tanzbaren Indie á la Franz Ferdinand und Co.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

2005 – DAS Jahr des “Glamorous Indie Rock & Roll”

10 Jahre ist es nunmehr also her, dass Bands wie The Kills, Kaiser Chiefs, Bloc Party, Nada Surf, The Rakes, Art Brut oder Clap Your Hands Say Yeah Alben veröffentlichten, die den Begriff Independent Musik (Indie) inflationär werden ließen. Zur kurzen Orientierung: 2005 war das Jahr, in dem Gonzo-Journalist Hunter S. Thompson starb und in dem am 7. Juli die Terroranschläge in der Londoner U-Bahn stattfaden. Es war auch das Jahr, in dem Angela Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin gewählt wurde – erstaunlich lange her also.

Doch zurück zum „Glamorous Indie Rock & Roll“ (wie ihn The Killers in gleichnamiger Synthie-Hymne bezeichneten): Wirft man einen Blick auf die 2005 Indie Rock Bestenliste des NME (DIE Bibel für jeden Skinny Indie Bloke bzw. jede Indiecindy jener Zeit), tut sich die Tragweite des Indie-Musikjahres auf. Diverse Debüt- und Durchbruchalben, die auch heute noch Meilensteine des Genres sind, wurden anno 2005 veröffentlicht. Es war das Jahr, in dem Franz Ferdinand mit You Could Have It So Much Better Amerika eroberten, Kings Of Leon Aha Shake Heartbreak und Death Cab For Cutie ihr fünftes Album Plans veröffentlichten. In diesem Jahr kamen außerdem die Debütalben der Kaiser Chiefs, Editors, Art Brut, Bloc Party, CYHSY oder Maximo Park heraus und liefen schlichtweg überall auf heavy rotation. Die Arctic Monkeys wurden als erste Myspace-Band weltweit gefeiert und nahmen ihr Debüt Whatever People Say I Am, That’s What I Am Not auf – der Erfolg der Band steht auch zugleich für eine neue Richtung in der Musiklandschaft: Das Internet wurde immer relevanter und eine positive Review auf Pitchfork.com damit fast wichtiger als eine im Rolling Stone und anderen Printmedien. Zudem schossen Indie-Partys wie Pilze aus dem Boden, große Retailer spezialisierten sich auf Skinny-Jeans, Lederjacken und Fake-Hornbrillen zu Dumpingpreisen. Glitzerstaub und Haarbänder wurden nicht nur auf Festivals, sondern auch Donnerstag bis Samstag im Indie-Club des Vertrauens (u.a. Magnet in Berlin, Amp in Münster, Atomic Cafe in München, Molotov in Hamburg, Pretty Vacant in Düsseldorf, Rose Club in Köln) stolz zur Schau getragen.

Und genau dort liegt die Antwort auf die Frage warum uns 2005 als Peaktime des Indie Rocks in Erinnerung geblieben ist: Ab diesem markanten Veröffentlichungsjahr wurde die Nischen-Musikrichtung zum Mainstream erhoben und in dessen Kanälen auch bestens vermarktet. Vorboten wie The Strokes (Is This It, 2001 / Room on Fire, 2003) oder Yeah Yeah Yeahs (Fever to Tell, 2003) in New York oder The Libertines (Up the Bracket, 2002 / The Libertines, 2004) in London ebneten auf ästhetische wie musikalische Weise den Weg und kurzer Zeit danach entlud sich eine der größten Wellen einer Spielart des Garage Rock seit der Punk Bewegung in den 70er Jahren. Die Bands um ihre extrovertierten Frontmänner und -frauen griffen nicht nur auf alte Muster zurück (Post-Punk, Garage, New Wave), sie boten auch ein neues Identifikationspotential. Weniger melancholisch und wütend als der in den 90ern so populäre Grunge, nicht so oberflächlich daher plätschernd wie der Pop Anfang des Millenniums und weniger stumpf als der Techno, der tagelange Raves untermalen wollte. Julian Casablancas oder Pete Doherty umgab eine abgebrühte und coole Aura: genau so wollte man selbst sein. Es brodelte heftig im New Yorker und Londoner Untergrund, bevor diese Bands sich anschickten, die Welt zu erobern und etliche andere Bands nachzogen. Viele unter ihnen waren nicht sonderlich bemerkenswert und schwammen nur kurz auf der Erfolgswelle der vielen The-Bands mir (The Bravery, The Dandy Warhols, The Blood Arm).

Und heute?

The Hives, The White Stripes, The Strokes oder die Arctic Monkeys zeigten mit jedem Album neue Facetten und entwickelten sich kontinuierlich weiter. The Libertines erlebten dieses Jahr, nach etlichen Skandalen, eine recht gelungene Reunion mit einem soliden dritten Album Anthems For A Doomed Youth. Die Vorzeige Indie Popper Franz Ferdinand schlugen sogar eine neue Richtung ein und schlossen sich für eine Kollaboration mit den 70er Jahre Art Rock/Synth Pop Ikonen The Sparks zum Projekt FFS (mit gleichnamiger Platte) zusammen. Andere Erfolgsbands dieser Jahre schossen über ihr Ziel hinaus und veröffentlichten Alben, die eher an Stadionbands erinnern wollten als an versiffte Kellerclubs (The Killers, Kings of Leon, Bloc Party). Und dann gibt es da noch die Bands mit den großen Debütalben, die während der letzten Dekade langsam in die Bedeutungslosigkeit versanken wie Art Brut, The Futureheads (mit dem besten Kate Bush Cover von Hounds of Love) oder The Rakes (mit dem besten Songnamen The World Was a Mess But His Hair Was Perfect).

Ist die Quintessenz nun, dass es keinen guten Indie Rock mehr gibt? Mitnichten. Trocknet eure Tränen am Zipfel des zerfetzen Bandmerch-Jutebeutels von damals – es gibt sie noch, die guten Indie-Bands. Doch springen sie einem glücklicherweise nicht mehr so in Gesicht und Gehörgänge wie im Jahre 2005. Man muss wieder ein bisschen suchen (doch dank Streaming und diversen Musik Blogs ist das bekanntlich easy as pie): Endlich ist nicht mehr jede iTunes- oder Telefonanbieter-Werbung mit einem schmissigen Gitarrenrefrain unterlegt.

Aktuell gibt es wunderbare Indie-Bands, die nicht nur in diese Schublade passen, sondern sich noch diverse andere Bezeichnungen aufdrücken lassen: Noise-Pop, Experimental Rock, Post Punk, Indietronic etc. Jetzt dröselt sich Indie-Rock in immer weitere Spielarten und Subgenres auf – auch wenn auf Indie-Partys leider nichts mehr geht. Menschen, die damals zu besagtem Genre gefeiert haben, hören heute vermutlich Hip Hop (Kendrick Lamar, Drake, K.I.Z., Haftbefehl, Romano), sexy deutschsprachiger Pop oder -Rock (Wanda, Bilderbuch, Schnippo Schranke) oder elektronischere Spielereien (Grimes, Jamie xx), das ist aktuell ja besonders hip.

R.I.P. Ballermann-Indie

Böse Zungen gaben dem Indie-Rock jener Zeit auch den Stempel Ballermann-Indie – vielleicht nicht ganz zu Unrecht, konnte man wie bei den Kaiser Chiefs doch jede Hookline mitgrölen und/oder stampfen. Irgendwie ist es auch etwas beruhigend, dass der inflationär gebrauchte Begriff Indie (seiner ursprünglichen Bedeutung wieder näher kommend) KEINEN Mainstream mehr meint. Potentielle Datepartner kann man endlich fragen „Was hörst du so?“, ohne die stets selbe Antwort „Ach, so Indiekram wie Strokes, Arctic Monkeys oder Franz Ferdinand“ zu bekommen. Eine Gegenkultur ist wieder zu einer geworden. Zum Glück.

Mehr zum Thema: 

Think Brit! Britpop und das Ende der Bescheidenheit

The Killers Artist Page

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

Published on

Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

Marching Pink Floyd GIF - Find & Share on GIPHY

Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

Published on

Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

Published on

Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss