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Popkultur

B.B. King – Ein Nachruf auf den King of Blues

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Der Mann, den Millionen von Bluesfans auf der ganzen Welt nur als B.B. kannten, ist im Alter von 89 Jahren verstorben, wie sein Anwalt bekannt gab. In der jüngeren Vergangenheit hörte man immer wieder von Gesundheitsproblemen des Künstlers; u. a. war er wegen einer durch seine Diabetes bedingten Erkrankung in medizinischer Obhut gewesen. Noch bis 2014 hatte er 100 Konzerte pro Jahr absolviert. Er liebte es, mit seiner berühmten Gitarre Lucille aufzutreten und zeigte den Menschen mit seinen Konzerten und seinen Alben, dass der Blues einen nicht nur traurig, sondern auch glücklich machen konnte.

B.B. King wurde 1925 als Riley B. King in Indianola, tief im Herzen des Mississippi-Deltas, geboren. Seine Eltern Alfred und Nora Ella King benannten ihn nach dem Besitzer der Plantage, auf der sie lebten und arbeiteten. „Er war Ire und hieß Jim O’Riley. Mein Dad und Mr. O’Riley waren so dick miteinander befreundet, dass er mich nach ihm benannte. Das O hat er allerdings weggelassen. Irgendwann war ich alt genug, um die Geschichte zu erfahren, und ich fragte meinen Dad: ‘Warum hast Du mich nach Mr. O’Riley benannt? Und warum hast Du das O weggelassen?‘ Er sagte, ich sah nicht irisch genug aus!“

B.B. King erzählte oft, dass wenn man auf einer Plantage geboren wurde, die Plantage immer und unweigerlich an erster Stelle stand. Man hatte einfach keine Wahl. Aber Riley B. King, bzw. The Beale Street Blues Boy, wie er sich nannte, wollte das ändern. 1946 ging der Sohn des Farmpächters nach Memphis, wo er bei seinem Cousin Bukka White unterkam. Allerdings kehrte er schon bald darauf als Traktorfahrer nach Indianola zurück.

„Ich bekam 22,5 Dollar pro Woche. Das war der gängige Lohn für Traktorfahrer und im Vergleich zu anderen Leuten, die dort arbeiteten, eine Menge Geld” – B.B. King

1948 ging der junge Riley zurück nach Memphis. Grund dafür war die Radiosendung von Sonny Boy Williams: „Ich hatte die Möglichkeit dort vorzuspielen. Der Song, den ich spielte, war Blues of Sunrise von Ivory Joe Hunter. Sonny Boy arbeitete in einer kleinen Bar in West Memphis, dem 16th Street Grill. Er sagte zu der Chefin – ihr Name war Miss Annie –, dass er mich an seiner Stelle schicken würde. Der 16th Street Grill hatte hinten eine Art Casino und mein Job war es, für die Leute zu spielen, die nicht in den Casinobereich gingen. Wenn also ein Typ mit seiner Freundin kam und sie damit nichts am Hut hatte, war es meine Aufgabe, Musik zu machen, damit sie tanzen konnte. Den Leuten schien meine Musik zu gefallen und darum sagte Miss Annie, dass wenn ich einen Job beim Radio kriegen könnte, so wie Sonny Boy, sie mich regelmäßig engagieren und 12,5 Dollar pro Abend zahlen würde. Sechs Tage die Woche sollte ich auftreten; dazu noch Unterkunft und Verpflegung. Mann, ich konnte es kaum fassen!“

b-b-king1949

King bekam einen Job beim Radiosender WDIA. „Ich war Discjockey und wurde als ‘Blues Boy, the boy from Beale Street‘ angekündigt. Und wenn ich Post bekam, dann war sie nicht an Blues Boy, sondern einfach abgekürzt B.B. adressiert.“ Dank seiner Popularität in Memphis erhielt er 1949 die Chance für Bullet aufzunehmen. Die ersten paar Scheiben waren nicht sehr erfolgreich, aber dann holte Sam Phillips ihn im September 1950 in sein Recording Services Studio. Die Bihari-Brüder waren auf Talentsuche in Memphis und nahmen B.B. auf ihrem Label RPM unter Vertrag. Sie veröffentlichten die Stücke, die er mit Phillips aufgenommen hatte, aber da der Erfolg ausblieb, reiste der jüngste Bruder, Joe Bihari, nach Memphis und machte am 8. Januar 1951 ein paar Aufnahmen mit B.B. King in einer Jugendherberge. Bei einem späteren Besuch in Memphis nahmen sie eine Version des Lowell Fulson Songs Three o’clock Blues auf. Am 29. Dezember 1951 stieg sie in die Charts ein und hielt sich Anfang 1952 fünf Wochen auf Platz 1. Der Durchbruch kam zwar nicht über Nacht, öffnete aber die Tür für eine der erfolgreichsten und langanhaltendsten Karrieren der heutigen Bluesgeschichte.

„Wir spielen nicht für Weiße. Ich sage nicht, dass wir nie für Weiße spielen werden. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Schallplatten sind schon komisch: Man macht sie für den farbigen Markt und plötzlich fahren die Weißen drauf ab und ehe Du weißt, wie Dir geschieht, tanzen Weiße auf Deinen Veranstaltungen” – B.B. King in den 1950ern

Am Anfang seines Erfolgs lebte B.B. King noch in Memphis, wo er ein großer Star war. Allerdings nicht so groß, wie er dachte: „Wir waren im Auditorium in Memphis. Elvis war im Publikum und es spielten Bobby Bland, Little Milton, Little Junior Parker, Howlin’ Wolf und meine Wenigkeit. Jeder war schon auf der Bühne gewesen. Bobby Bland – eine echte Rampensau, der konnte die Leute mitreißen; Little Milton und ich – wir machten unser Ding, aber wir konnten die Leute nicht so schnell packen wie Bobby Bland. Wir waren alle durch und jetzt war Howlin’ Wolf dran und die Leute drehten durch. Milton sagte, ‘da draußen passiert irgendwas‘. Und Junior Parker, ‘los, wir gehen mal nachsehen‘. Als Wolf gerade Spoonful spielte, gingen wir raus und er krabbelte auf allen Vieren auf dem Fußboden herum. Die Leute flippten völlig aus und dann sahen wir warum: Seine Hose war gerissen! Und alles hing raus!”

Eines Abends, während eine Auftritts in einem Club in Twist, Arkansas, wurde während einer Auseinandersetzung ein Ofen umgeworfen und das hauptsächlich aus Holz bestehende Gebäude geriet in Brand. Band und Publikum hatten sich bereits ins Freie gerettet, als King merkte, dass er seine geliebte 30 Dollar-Gitarre zurückgelassen hatte. Er rannte zurück in das brennende Gebäude und rettete sie unter Einsatz seines Lebens. Später stellte sich heraus, dass es bei dem Streit um eine Frau namens Lucille ging. So kam B.B. Kings Gitarre zu ihrem Namen, den seitdem alle seiner circa 20 maßangefertigten Gibson-Gitarren trugen.

Während seiner Zeit bei dem Label RPM veröffentlichte King einen Hit nach dem anderen und schaffte es drei weitere Male an die Spitze der R&B-Charts. Ende 1958 trennte er sich von RPM und ging zu Kent. Diese Partnerschaft dauerte bis Ende der 60er Jahre. Er hatte zwar keine weitere No. 1 in den R&B-Charts, veröffentlichte aber weiterhin zahlreiche Hits. Seine markante, Gospel-angehauchte Stimme und sein großartiges Staccato-Picking begeisterten das Publikum immer wieder. So wurde King einer der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten in den R&B-Charts.

„Ich versuche, den Leuten zu zeigen, dass wir alle Brüder sind; rot, weiß, schwarz, braun oder gelb, arm oder reich – wir haben all den Blues” – B.B. Kingbbking

Ende der 1960er wurde B.B. genau wie viele andere Bluesgitarristen von einen weißen Rockpublikum entdeckt, was seiner Karriere noch einmal enormen Auftrieb gab. 1970 erreichte er mit The Thrill is Gone Platz 3 der R&B-Charts und schaffte es auch in die Hot 100. Als der Song auf Platz 15 stand, war es definitiv sein bis dahin größter Hit. 1969 reiste B.B. nach Europa. Es war der erste von vielen Besuchen und das Publikum empfing ihn mit offenen Armen, da sie sich sehr bewusst waren, dass er Künstler wie Eric Clapton und Peter Greene maßgeblich beeinflusst hatte. Sein Album Live At The Regal (1964) wurde nicht nur von diesen beiden Musikern, sondern auch von Fans auf beiden Seiten des Atlantiks sehr geschätzt.

„B.B. war ein Held. Und die Band? Hören Sie nur mal, wie sie auf Live At The Regal swingen – wie eine Dampfwalze” – Mick Fleetwood

B.B. Kings Erfolg lässt sich nicht zuletzt durch seine Liveshows erklären. Er hat schon immer härter gearbeitet als die meisten anderen Livemusiker. Er spielte 250-300 Konzerte pro Jahr, auch in mageren Zeiten. Außerdem war er sehr gut darin, seine Bands zusammenzuhalten. Das hatte sicherlich mit seinen Fähigkeiten als Bandleader zu tun, aber auch mit seiner großherzigen Art als Chef.

„Die Jungs sind nicht nur fantastische Musiker. Sie sind mir gegenüber loyal und das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir haben einfach Spaß zusammen. Sie sind alle ziemlich lange bei mir geblieben. Sonny Freeman, mein Drummer, der leider mittlerweile verstorben ist, blieb ungefähr 18 Jahre. Mein Trompeter ist jetzt seit 21 Jahren dabei. Momentan gibt es nur einen einzigen, der weniger als 10 Jahre in der Band ist” – B.B. King, 2000

1969 tourte B.B. mit den Rolling Stones durch Amerika. Für viele war es das erste Mal, dass sie diese großartigen Musiker live und in Farbe erlebten. Bill Wyman erinnert sich: „Wir standen immer an der Seite der Bühne und sahen B.B. zu. Er hatte eine 12-köpfige Band und das waren allesamt Virtuosen. Was mich immer am meisten beeindruckte, war, wie er sich von einem Moment auf den anderen von einem wuchtigen Sound zu einem leisen Raunen dämpfte. Der ganze Raum war still – man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Und dann schraubte er sich wieder ganz nach oben. Das faszinierte mich – die vielen Dimensionen seiner Musik”.

B.B. KingPhoto © Andy Freeberg

Während der 1970er erlebten viele Musiker eine Durststrecke, aber selbst da tauchte King immer irgendwo auf. Sogar im Fernsehen trat er auf und das zu einer Zeit, wo sich alle anderen Blueskünstler nur die Nase an der Scheibe plattdrücken konnten. Bei anderen Gitarristen hatte er den Status eines Stammesältesten des Blues erreicht. Darüber hinaus hörte er nie auf, über die Bedeutung des Blues zu sprechen und so half er, das Feuer am Lodern zu halten, als es fast schon erloschen war. Gelegentlich wird Kings Stil als etwas zu glatt kritisiert, aber das kommt wohl von Leuten, die alles getan hätten, um nur ansatzweise so viel Erfolg zu haben wie er.

1987 wurde King in die Rock and Roll Hall of Fame eingeführt und im Jahr darauf arbeitete er mit U2 an ihrem Album Rattle & Hum. Seine Performance auf When Love Comes to Town ließ keinen Zweifel daran, dass er auch im Alter von 63 Jahren nichts von seiner Kraft eingebüßt hatte. Es war nicht seine erste Kollaboration. Neben der Jazzgruppe The Crusaders in den 1970ern hat King u.a. mit der blinden Sängerin Diane Schuur, Alexis Korner, Stevie Winwood und Bobby Bland gearbeitet. 2001 gewannen er einen Grammy zusammen mit seinem langjährigen Freund Eric Clapton für ihr gemeinsames Album Riding With The King. Auf der Tracklist sind Coverversionen von Worried Life Blues und Key To The Highway, sowie eine neue Version von Three O’Clock Blues.

Wie viele seiner Kollegen steht auch B.B. King in der Schuld von Louis Jordan, durch den er zu der Überzeugung kam, dass schwarze Musiker viel erreichen konnten. Über viele Jahre sprach King davon, ein Album mit Songs dieses legendären Künstlers aufnehmen zu wollen. 1999 wurde dieses Album schließlich Realität. Es ist eine Verneigung vor Louis und feiert gleichzeitig die zahlreichen fantastischen Songs, die der „King of the Jukeboxes” geschaffen hat. Das Album trägt den angemessenen Titel Let the Good Times Roll. Mit diesem Song hat B.B. King jahrzehntelang seine Konzerte eröffnet.

Kings größtes Talent war es, die Stimmungsschwankungen der Musikwelt zu überstehen und immer wieder interessante Alben aufzunehmen. Er holte den Blues aus seiner Nische heraus und verhalf ihm zu einem Platz im amerikanischen Mainstream. Er nahm die Musik, die er als Kind gehört hatte, vermischte sie mit verschiedenen anderen Stilen und spielte sie mit einer Vielzahl anderer Musiker. So holte er den Blues ins digitale Zeitalter.

B. B. King war der unangefochtene King of the Blues, doch nun ist der König von uns gegangen und ob es einen vergleichbaren Künstler geben wird, bleibt abzuwarten. B.B. King eröffnete jede Show mit dem Song Let the Good Times Roll und so wollen wir ihn gerne in Erinnerung behalten.

B.B. King – Sein Lebenswerk in 35 Songs! Jetzt Playlist anhören!

Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1949 kommt Mark Knopfler (Dire Straits) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1949.

von Christof Leim

Songs schreiben kann der Mann. Und ziemlich gut Gitarre spielen. Deshalb erobert Mark Knopfler zuerst als Kopf der Dire Straits die Welt und brilliert danach als Solokünstler. Am 12. August feiert er Geburtstag.

Zur Lektüre gibt’s hier Knopflers Album Down The Road Wherever:

Zunächst will der in Glasgow geborene Mark Knopfler erstmal etwas Vernünftiges machen: Er studiert Journalismus. „Der Plan war, so Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben“, erzählt er 2009 in einem Interview. Er arbeitet sogar in diesem Beruf, macht einen Abschluss in Englisch und geht als Dozent an die Universität. Dabei spielt Knopfler aber immer in Bands, die zum Beispiel Brewers Droop oder Café Racers heißen. Vor allem aber schreibt er von Anfang an Songs und entwickelt einen Stil, der sich von anderen unterscheidet: Er benutzt kein Plektrum, sondern spielt seine Gitarre mit den Fingern, was vor allem im Country verbreitet ist und ihm andere Licks als die der gängigen Rockgitarristen ermöglicht. Seine Einflüsse liegen daneben im Rock und Swing, mit bisschen Blues, wie es sich gehört.

Mark Knopfler 1979 – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

So schlägt sich Mark Knopfler Mitte der Siebziger durch die Pubs von London. Er singt und spielt Gitarre, mit dabei sind sein Bruder David an der zweiten Gitarre sowie Bassist John Illsley. Zusammen gründen sie die Band, mit der Knopfler berühmt werden wird: die Dire Straits. Der ersten Demos entstehen 1977, da ist unser Mann schon Ende 20. Auf den ersten Aufnahmen findet sich bereits ein musikalischen Kleinod namens Sultans Of Swing. Kennt man, muss man kennen.

1978 folgt das erste Album Dire Straits, doch ärgerlicherweise gerät die Musikwelt davon nich in Ekstase. Dann allerdings erscheint Sultans Of Swing als Single. Das wunderbare Lied mit dem Text über eine Feierabendband rollt langsam, aber stetig die Charts auf, zunächst in Europa, dann in Nordamerika. Die Dire Straits sind bereit, und sie starten durch: In rascher Abfolge erscheinen Communiqué (1979), Making Movies (1980) und Love Over Gold (1982) und verkaufen sich gut. 

Die Songs darauf stammen samt und sonders von Mark Knopfler, der gerne kleine Geschichten erzählt und eine höchst geschmackvolle Gitarrenarbeit zelebriert. Zwischendurch schreibt er noch Filmmusik, taucht auf einem Bob-Dylan-Album auf, produziert und schreibt Lieder für andere Leute, unter anderem für Private Dancer, das immens erfolgreiche Comeback von Tina Turner 1984.

Richtig ab geht es dann mit Brothers In Arms 1985, das zum internationalen Megahit wird.  Die Songs darauf kennt wirklich jeder: Money For Nothing, Walk Of Life, So Far Away und natürlich das einfühlsame Titelstück. Dire Straits sind jetzt Superstars, allen voran Mark Knopfler. Die nächsten beiden Jahre verbringt die Truppe auf der Straße und fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. Dem Chef wird das aber alles zu groß und zu viel. Zunächst gibt es eine Pause, 1988 verkündet Knopfler die Auflösung der Dire Straits.  

Musik machen will er weiterhin, aber eben in kleinerem Rahmen ohne die massiven Erwartungen und Verpflichtungen. Seine nächste Band The Notting Hillbillies jedenfalls widmet sich US-amerikanischer Roots-Musik wie Folk, Blues und Country, alles viel unspektakulärer, vermutlich (oder hoffentlich) genauso befriedigend. Ein Album erscheint 1990, es trägt den schönen Titel Missing…Presumed Having a Good Time. Eine kleine Runde dreht unser Mann mit den Dire Straits aber noch: Im September 1991 kommt mit On Every Street doch noch ein Album, doch unweigerlich folgende Mega-Welttour sorgt dann dafür, dass die Band 1995 endgültig aufgelöst wird.

Mark Knopfler startet darauf eine Solokarriere, seit 1996 erscheinen in lockerer Folge fast ein Dutzend Soloalben: Golden Heart, Sailing To Philadelphia, The Ragpicker’s Dream, Shangri-La, Kill To Get Crimson, Get Lucky, Privateering, Tracker und Down The Road Wherever. Damit feiert er in aller Welt Erfolge, jedoch weit entfernt von der Megalomanie der Achtziger. Zudem kollaboriert er mit unzähligen anderen Künstlern, etwa Emmylou Harris, tourt mit Bob Dylan und beschäftigt sich oft und gerne mit Country. Bei seinen eigenen Konzerten geht es mittlerweile nur um die Musik, große Produktion braucht der Mann nicht mehr. Auf der Bühne trinkt er Tee. Nach einer Dire-Straits-Reunion steht dem musikalischen Kopf der Sinn so gar nicht, nicht mal bei der Einführung der Band in die Rock And Roll Hall Of Fame 2018 taucht er auf.

Songwriter, Meistergitarrist und Geschichtenerzähler: Mark Knopfler 2018 – Pic: Derek Hudson

Sein Privatleben behält Knopfler für sich, Interviews gibt es nicht viele. Er ist zum dritten Mal verheiratet, Vater von vier Kindern, Fan des Newcastle FC und Sammler von Sportwagen. Auf seinen letzten Touren denkt er laut darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen und kündigt explizit sogar seinen Abschied von der Bühne, spielt aber nach eigenen Aussagen zu gerne. Hoffen wir, dass das so bleibt. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Knopfler!

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

 

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Popkultur

Olivia Newton John: 10 ihrer wichtigsten Stücke

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Oliva Newton John
Foto: Radio Times/Getty Images

Zu Ehren der kürzlich verstorbenen Olivia Newton-John hören wir uns durch zehn ihrer besten Stücke.

 von Markus Brandstetter

Am 8. August 2022 verstarb Olivia Newton John. Die Britin wurde nicht nur mit der Verfilmung des Musicals Grease weltbekannt, sondern hatte auch eine extrem erfolgreiche und langlebige Solokarriere als Musikerin. Vier Grammys, etliche Top-5-Hits und 24 Studioalben — und eine Menge verschiedener Stile von Pop über Folk bis Disco: Wir hören uns an dieser Stelle mal quer durch ihr Schaffen und sprechen über zehn ihrer bemerkenswertesten und/oder bekanntesten Stücke.

1. Long Live Love (1974)

1974 trat Newton-John beim Eurovision Songcontest in London an. Long Live Love ist rückblickend definitiv nicht ihr bestes Stück (sondern eher ein harmloser Schunkelschlager), aber wir wollen es alleine aus historischen Gründen an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt lassen. Für einen Spitzenplatz reichte der Song damals nicht: Newton-John schaffte es immerhin auf Platz 4. Die Konkurrenz war an diesem Abend historisch: Den Sieg mit nach Hause brachten ABBA mit ihrem legendären Stück Waterloo.

2. Xanadu (1980)

Anfang der 1980er-Jahre machte die Künstlerin mit Jeff Lynne und ELO gemeinsame Sache — und veröffentlichte das Stück Xanadu aus dem gleichnamigen Musicalfilm. Der Film entpuppte sich zwar als Flop, den Song ereilte ein besseres Schicksal. Er kletterte in den UK-Charts auf den ersten Platz.

3. Twist Of Fate (1983)

1983 kam es nochmal zur Film-Reunion von Travolta und Newton-John für den Film Two of a Kind. Das sorgte für nostalgische Gefühle, so ganz konnte es aber den globalen Erfolg von Grease nicht mehr anknüpfen. Das Stück Twist of Fate aus dem Film ist aber dennoch erinnerungswürdig.

4. Magic (1989)

Nochmal Xanadu: Aus dem Soundtrack zum Film stammt auch der Disco-Kracher Magic. Das war nicht nur in den Charts extrem beliebt — 1980 bezeichnete John Lennon das Stück als einen jener damals aktuellen Songs, die er mochte. Eine große Ehre — und ein erster Platz in den US-Charts.

5. A Little More Love (1978)

A Little More Love war die erste Single, die Newton-John nach ihrem Mega-Erfolg mit Grease veröffentlichte. Sie erschien auf ihrem 10. Album Totally Hot.

6. I Honestly Love You (1984)

Mit I Honestly Love You landete Olivia Newton-John 1974 einen weltweiten Pop-Hit. Bis sie 1981 Physical veröffentlichte, war I Honestly Love You jenes Stück, mit dem sie meist in Verbindung gebracht wurde, wenn man ihren Namen nannte.

7. You’re The One That I Want (1978)

Natürlich darf auch ein bestimmter Song aus Grease nicht fehlen. Das Duett mit John Travolta  You’re The One That I Want ist eines der bekanntesten Duette der Popgeschichte — und zählt zu Newton-Johns besten Stücken.

8. Hopelessly Devoted To You (1978)

Wer  You’re The One That I Want sagt, muss aber auch Hopelessly Devoted To You sagen — denn der Song aus Grease ist ebenfalls unvergesslich. Die Country-Ballade war für Songschreiber John Ferrer eine große Herausforderung: „Ich habe die längste Zeit damit verbracht, den Text eines Songs zu schreiben, den ich je geschrieben habe. Ich habe jeden Thesaurus und jedes Reimwörterbuch, das ich hatte, benutzt, um ihn richtig zum Laufen zu bringen“, erklärte er  einmal. Die Arbeit zahlte sich aus: Das Stück wurde für einen Oscar als Beste Filmmusik nominiert, verlor aber leider gegen den Beitrag Last Dance aus Thank God It’s Friday.

9. Have You Never Been Mellow (1975)

Auf der Country-Pop-Ballade Have You Never Been Mellow, drei Jahre vor ihrem Mega-Erfolg mit Grease erschienen, klingt Newton-Johns Stimme beinahe schon sirenenhaft. Der Song erschien als Single des gleichnamigen Albums und schaffte es in den USA auf die Spitze der Billboard Charts — völlig zurecht, Have You Never Been Mellow ist ein absolutes Highlight im Backkatalog der Sängerin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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