------------

Popkultur

B.B. King – Ein Nachruf auf den King of Blues

Published on

Der Mann, den Millionen von Bluesfans auf der ganzen Welt nur als B.B. kannten, ist im Alter von 89 Jahren verstorben, wie sein Anwalt bekannt gab. In der jüngeren Vergangenheit hörte man immer wieder von Gesundheitsproblemen des Künstlers; u. a. war er wegen einer durch seine Diabetes bedingten Erkrankung in medizinischer Obhut gewesen. Noch bis 2014 hatte er 100 Konzerte pro Jahr absolviert. Er liebte es, mit seiner berühmten Gitarre Lucille aufzutreten und zeigte den Menschen mit seinen Konzerten und seinen Alben, dass der Blues einen nicht nur traurig, sondern auch glücklich machen konnte.

B.B. King wurde 1925 als Riley B. King in Indianola, tief im Herzen des Mississippi-Deltas, geboren. Seine Eltern Alfred und Nora Ella King benannten ihn nach dem Besitzer der Plantage, auf der sie lebten und arbeiteten. „Er war Ire und hieß Jim O’Riley. Mein Dad und Mr. O’Riley waren so dick miteinander befreundet, dass er mich nach ihm benannte. Das O hat er allerdings weggelassen. Irgendwann war ich alt genug, um die Geschichte zu erfahren, und ich fragte meinen Dad: ‘Warum hast Du mich nach Mr. O’Riley benannt? Und warum hast Du das O weggelassen?‘ Er sagte, ich sah nicht irisch genug aus!“

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

B.B. King erzählte oft, dass wenn man auf einer Plantage geboren wurde, die Plantage immer und unweigerlich an erster Stelle stand. Man hatte einfach keine Wahl. Aber Riley B. King, bzw. The Beale Street Blues Boy, wie er sich nannte, wollte das ändern. 1946 ging der Sohn des Farmpächters nach Memphis, wo er bei seinem Cousin Bukka White unterkam. Allerdings kehrte er schon bald darauf als Traktorfahrer nach Indianola zurück.

„Ich bekam 22,5 Dollar pro Woche. Das war der gängige Lohn für Traktorfahrer und im Vergleich zu anderen Leuten, die dort arbeiteten, eine Menge Geld” – B.B. King

1948 ging der junge Riley zurück nach Memphis. Grund dafür war die Radiosendung von Sonny Boy Williams: „Ich hatte die Möglichkeit dort vorzuspielen. Der Song, den ich spielte, war Blues of Sunrise von Ivory Joe Hunter. Sonny Boy arbeitete in einer kleinen Bar in West Memphis, dem 16th Street Grill. Er sagte zu der Chefin – ihr Name war Miss Annie –, dass er mich an seiner Stelle schicken würde. Der 16th Street Grill hatte hinten eine Art Casino und mein Job war es, für die Leute zu spielen, die nicht in den Casinobereich gingen. Wenn also ein Typ mit seiner Freundin kam und sie damit nichts am Hut hatte, war es meine Aufgabe, Musik zu machen, damit sie tanzen konnte. Den Leuten schien meine Musik zu gefallen und darum sagte Miss Annie, dass wenn ich einen Job beim Radio kriegen könnte, so wie Sonny Boy, sie mich regelmäßig engagieren und 12,5 Dollar pro Abend zahlen würde. Sechs Tage die Woche sollte ich auftreten; dazu noch Unterkunft und Verpflegung. Mann, ich konnte es kaum fassen!“

b-b-king1949

King bekam einen Job beim Radiosender WDIA. „Ich war Discjockey und wurde als ‘Blues Boy, the boy from Beale Street‘ angekündigt. Und wenn ich Post bekam, dann war sie nicht an Blues Boy, sondern einfach abgekürzt B.B. adressiert.“ Dank seiner Popularität in Memphis erhielt er 1949 die Chance für Bullet aufzunehmen. Die ersten paar Scheiben waren nicht sehr erfolgreich, aber dann holte Sam Phillips ihn im September 1950 in sein Recording Services Studio. Die Bihari-Brüder waren auf Talentsuche in Memphis und nahmen B.B. auf ihrem Label RPM unter Vertrag. Sie veröffentlichten die Stücke, die er mit Phillips aufgenommen hatte, aber da der Erfolg ausblieb, reiste der jüngste Bruder, Joe Bihari, nach Memphis und machte am 8. Januar 1951 ein paar Aufnahmen mit B.B. King in einer Jugendherberge. Bei einem späteren Besuch in Memphis nahmen sie eine Version des Lowell Fulson Songs Three o’clock Blues auf. Am 29. Dezember 1951 stieg sie in die Charts ein und hielt sich Anfang 1952 fünf Wochen auf Platz 1. Der Durchbruch kam zwar nicht über Nacht, öffnete aber die Tür für eine der erfolgreichsten und langanhaltendsten Karrieren der heutigen Bluesgeschichte.

„Wir spielen nicht für Weiße. Ich sage nicht, dass wir nie für Weiße spielen werden. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Schallplatten sind schon komisch: Man macht sie für den farbigen Markt und plötzlich fahren die Weißen drauf ab und ehe Du weißt, wie Dir geschieht, tanzen Weiße auf Deinen Veranstaltungen” – B.B. King in den 1950ern

Am Anfang seines Erfolgs lebte B.B. King noch in Memphis, wo er ein großer Star war. Allerdings nicht so groß, wie er dachte: „Wir waren im Auditorium in Memphis. Elvis war im Publikum und es spielten Bobby Bland, Little Milton, Little Junior Parker, Howlin’ Wolf und meine Wenigkeit. Jeder war schon auf der Bühne gewesen. Bobby Bland – eine echte Rampensau, der konnte die Leute mitreißen; Little Milton und ich – wir machten unser Ding, aber wir konnten die Leute nicht so schnell packen wie Bobby Bland. Wir waren alle durch und jetzt war Howlin’ Wolf dran und die Leute drehten durch. Milton sagte, ‘da draußen passiert irgendwas‘. Und Junior Parker, ‘los, wir gehen mal nachsehen‘. Als Wolf gerade Spoonful spielte, gingen wir raus und er krabbelte auf allen Vieren auf dem Fußboden herum. Die Leute flippten völlig aus und dann sahen wir warum: Seine Hose war gerissen! Und alles hing raus!”

Eines Abends, während eine Auftritts in einem Club in Twist, Arkansas, wurde während einer Auseinandersetzung ein Ofen umgeworfen und das hauptsächlich aus Holz bestehende Gebäude geriet in Brand. Band und Publikum hatten sich bereits ins Freie gerettet, als King merkte, dass er seine geliebte 30 Dollar-Gitarre zurückgelassen hatte. Er rannte zurück in das brennende Gebäude und rettete sie unter Einsatz seines Lebens. Später stellte sich heraus, dass es bei dem Streit um eine Frau namens Lucille ging. So kam B.B. Kings Gitarre zu ihrem Namen, den seitdem alle seiner circa 20 maßangefertigten Gibson-Gitarren trugen.

Während seiner Zeit bei dem Label RPM veröffentlichte King einen Hit nach dem anderen und schaffte es drei weitere Male an die Spitze der R&B-Charts. Ende 1958 trennte er sich von RPM und ging zu Kent. Diese Partnerschaft dauerte bis Ende der 60er Jahre. Er hatte zwar keine weitere No. 1 in den R&B-Charts, veröffentlichte aber weiterhin zahlreiche Hits. Seine markante, Gospel-angehauchte Stimme und sein großartiges Staccato-Picking begeisterten das Publikum immer wieder. So wurde King einer der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten in den R&B-Charts.

„Ich versuche, den Leuten zu zeigen, dass wir alle Brüder sind; rot, weiß, schwarz, braun oder gelb, arm oder reich – wir haben all den Blues” – B.B. Kingbbking

Ende der 1960er wurde B.B. genau wie viele andere Bluesgitarristen von einen weißen Rockpublikum entdeckt, was seiner Karriere noch einmal enormen Auftrieb gab. 1970 erreichte er mit The Thrill is Gone Platz 3 der R&B-Charts und schaffte es auch in die Hot 100. Als der Song auf Platz 15 stand, war es definitiv sein bis dahin größter Hit. 1969 reiste B.B. nach Europa. Es war der erste von vielen Besuchen und das Publikum empfing ihn mit offenen Armen, da sie sich sehr bewusst waren, dass er Künstler wie Eric Clapton und Peter Greene maßgeblich beeinflusst hatte. Sein Album Live At The Regal (1964) wurde nicht nur von diesen beiden Musikern, sondern auch von Fans auf beiden Seiten des Atlantiks sehr geschätzt.

„B.B. war ein Held. Und die Band? Hören Sie nur mal, wie sie auf Live At The Regal swingen – wie eine Dampfwalze” – Mick Fleetwood

B.B. Kings Erfolg lässt sich nicht zuletzt durch seine Liveshows erklären. Er hat schon immer härter gearbeitet als die meisten anderen Livemusiker. Er spielte 250-300 Konzerte pro Jahr, auch in mageren Zeiten. Außerdem war er sehr gut darin, seine Bands zusammenzuhalten. Das hatte sicherlich mit seinen Fähigkeiten als Bandleader zu tun, aber auch mit seiner großherzigen Art als Chef.

„Die Jungs sind nicht nur fantastische Musiker. Sie sind mir gegenüber loyal und das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir haben einfach Spaß zusammen. Sie sind alle ziemlich lange bei mir geblieben. Sonny Freeman, mein Drummer, der leider mittlerweile verstorben ist, blieb ungefähr 18 Jahre. Mein Trompeter ist jetzt seit 21 Jahren dabei. Momentan gibt es nur einen einzigen, der weniger als 10 Jahre in der Band ist” – B.B. King, 2000

1969 tourte B.B. mit den Rolling Stones durch Amerika. Für viele war es das erste Mal, dass sie diese großartigen Musiker live und in Farbe erlebten. Bill Wyman erinnert sich: „Wir standen immer an der Seite der Bühne und sahen B.B. zu. Er hatte eine 12-köpfige Band und das waren allesamt Virtuosen. Was mich immer am meisten beeindruckte, war, wie er sich von einem Moment auf den anderen von einem wuchtigen Sound zu einem leisen Raunen dämpfte. Der ganze Raum war still – man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Und dann schraubte er sich wieder ganz nach oben. Das faszinierte mich – die vielen Dimensionen seiner Musik”.

B.B. KingPhoto © Andy Freeberg

Während der 1970er erlebten viele Musiker eine Durststrecke, aber selbst da tauchte King immer irgendwo auf. Sogar im Fernsehen trat er auf und das zu einer Zeit, wo sich alle anderen Blueskünstler nur die Nase an der Scheibe plattdrücken konnten. Bei anderen Gitarristen hatte er den Status eines Stammesältesten des Blues erreicht. Darüber hinaus hörte er nie auf, über die Bedeutung des Blues zu sprechen und so half er, das Feuer am Lodern zu halten, als es fast schon erloschen war. Gelegentlich wird Kings Stil als etwas zu glatt kritisiert, aber das kommt wohl von Leuten, die alles getan hätten, um nur ansatzweise so viel Erfolg zu haben wie er.

1987 wurde King in die Rock and Roll Hall of Fame eingeführt und im Jahr darauf arbeitete er mit U2 an ihrem Album Rattle & Hum. Seine Performance auf When Love Comes to Town ließ keinen Zweifel daran, dass er auch im Alter von 63 Jahren nichts von seiner Kraft eingebüßt hatte. Es war nicht seine erste Kollaboration. Neben der Jazzgruppe The Crusaders in den 1970ern hat King u.a. mit der blinden Sängerin Diane Schuur, Alexis Korner, Stevie Winwood und Bobby Bland gearbeitet. 2001 gewannen er einen Grammy zusammen mit seinem langjährigen Freund Eric Clapton für ihr gemeinsames Album Riding With The King. Auf der Tracklist sind Coverversionen von Worried Life Blues und Key To The Highway, sowie eine neue Version von Three O’Clock Blues.

Wie viele seiner Kollegen steht auch B.B. King in der Schuld von Louis Jordan, durch den er zu der Überzeugung kam, dass schwarze Musiker viel erreichen konnten. Über viele Jahre sprach King davon, ein Album mit Songs dieses legendären Künstlers aufnehmen zu wollen. 1999 wurde dieses Album schließlich Realität. Es ist eine Verneigung vor Louis und feiert gleichzeitig die zahlreichen fantastischen Songs, die der „King of the Jukeboxes” geschaffen hat. Das Album trägt den angemessenen Titel Let the Good Times Roll. Mit diesem Song hat B.B. King jahrzehntelang seine Konzerte eröffnet.

Kings größtes Talent war es, die Stimmungsschwankungen der Musikwelt zu überstehen und immer wieder interessante Alben aufzunehmen. Er holte den Blues aus seiner Nische heraus und verhalf ihm zu einem Platz im amerikanischen Mainstream. Er nahm die Musik, die er als Kind gehört hatte, vermischte sie mit verschiedenen anderen Stilen und spielte sie mit einer Vielzahl anderer Musiker. So holte er den Blues ins digitale Zeitalter.

B. B. King war der unangefochtene King of the Blues, doch nun ist der König von uns gegangen und ob es einen vergleichbaren Künstler geben wird, bleibt abzuwarten. B.B. King eröffnete jede Show mit dem Song Let the Good Times Roll und so wollen wir ihn gerne in Erinnerung behalten.

B.B. King – Sein Lebenswerk in 35 Songs! Jetzt Playlist anhören!

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

Published on

John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Rockin’ Movies: Die 15 besten Filmsoundtracks

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

Published on

Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

Published on

Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss