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Popkultur

B.B. King – Ein Nachruf auf den King of Blues

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Der Mann, den Millionen von Bluesfans auf der ganzen Welt nur als B.B. kannten, ist im Alter von 89 Jahren verstorben, wie sein Anwalt bekannt gab. In der jüngeren Vergangenheit hörte man immer wieder von Gesundheitsproblemen des Künstlers; u. a. war er wegen einer durch seine Diabetes bedingten Erkrankung in medizinischer Obhut gewesen. Noch bis 2014 hatte er 100 Konzerte pro Jahr absolviert. Er liebte es, mit seiner berühmten Gitarre Lucille aufzutreten und zeigte den Menschen mit seinen Konzerten und seinen Alben, dass der Blues einen nicht nur traurig, sondern auch glücklich machen konnte.

B.B. King wurde 1925 als Riley B. King in Indianola, tief im Herzen des Mississippi-Deltas, geboren. Seine Eltern Alfred und Nora Ella King benannten ihn nach dem Besitzer der Plantage, auf der sie lebten und arbeiteten. „Er war Ire und hieß Jim O’Riley. Mein Dad und Mr. O’Riley waren so dick miteinander befreundet, dass er mich nach ihm benannte. Das O hat er allerdings weggelassen. Irgendwann war ich alt genug, um die Geschichte zu erfahren, und ich fragte meinen Dad: ‘Warum hast Du mich nach Mr. O’Riley benannt? Und warum hast Du das O weggelassen?‘ Er sagte, ich sah nicht irisch genug aus!“

B.B. King erzählte oft, dass wenn man auf einer Plantage geboren wurde, die Plantage immer und unweigerlich an erster Stelle stand. Man hatte einfach keine Wahl. Aber Riley B. King, bzw. The Beale Street Blues Boy, wie er sich nannte, wollte das ändern. 1946 ging der Sohn des Farmpächters nach Memphis, wo er bei seinem Cousin Bukka White unterkam. Allerdings kehrte er schon bald darauf als Traktorfahrer nach Indianola zurück.

„Ich bekam 22,5 Dollar pro Woche. Das war der gängige Lohn für Traktorfahrer und im Vergleich zu anderen Leuten, die dort arbeiteten, eine Menge Geld” – B.B. King

1948 ging der junge Riley zurück nach Memphis. Grund dafür war die Radiosendung von Sonny Boy Williams: „Ich hatte die Möglichkeit dort vorzuspielen. Der Song, den ich spielte, war Blues of Sunrise von Ivory Joe Hunter. Sonny Boy arbeitete in einer kleinen Bar in West Memphis, dem 16th Street Grill. Er sagte zu der Chefin – ihr Name war Miss Annie –, dass er mich an seiner Stelle schicken würde. Der 16th Street Grill hatte hinten eine Art Casino und mein Job war es, für die Leute zu spielen, die nicht in den Casinobereich gingen. Wenn also ein Typ mit seiner Freundin kam und sie damit nichts am Hut hatte, war es meine Aufgabe, Musik zu machen, damit sie tanzen konnte. Den Leuten schien meine Musik zu gefallen und darum sagte Miss Annie, dass wenn ich einen Job beim Radio kriegen könnte, so wie Sonny Boy, sie mich regelmäßig engagieren und 12,5 Dollar pro Abend zahlen würde. Sechs Tage die Woche sollte ich auftreten; dazu noch Unterkunft und Verpflegung. Mann, ich konnte es kaum fassen!“

b-b-king1949

King bekam einen Job beim Radiosender WDIA. „Ich war Discjockey und wurde als ‘Blues Boy, the boy from Beale Street‘ angekündigt. Und wenn ich Post bekam, dann war sie nicht an Blues Boy, sondern einfach abgekürzt B.B. adressiert.“ Dank seiner Popularität in Memphis erhielt er 1949 die Chance für Bullet aufzunehmen. Die ersten paar Scheiben waren nicht sehr erfolgreich, aber dann holte Sam Phillips ihn im September 1950 in sein Recording Services Studio. Die Bihari-Brüder waren auf Talentsuche in Memphis und nahmen B.B. auf ihrem Label RPM unter Vertrag. Sie veröffentlichten die Stücke, die er mit Phillips aufgenommen hatte, aber da der Erfolg ausblieb, reiste der jüngste Bruder, Joe Bihari, nach Memphis und machte am 8. Januar 1951 ein paar Aufnahmen mit B.B. King in einer Jugendherberge. Bei einem späteren Besuch in Memphis nahmen sie eine Version des Lowell Fulson Songs Three o’clock Blues auf. Am 29. Dezember 1951 stieg sie in die Charts ein und hielt sich Anfang 1952 fünf Wochen auf Platz 1. Der Durchbruch kam zwar nicht über Nacht, öffnete aber die Tür für eine der erfolgreichsten und langanhaltendsten Karrieren der heutigen Bluesgeschichte.

„Wir spielen nicht für Weiße. Ich sage nicht, dass wir nie für Weiße spielen werden. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Schallplatten sind schon komisch: Man macht sie für den farbigen Markt und plötzlich fahren die Weißen drauf ab und ehe Du weißt, wie Dir geschieht, tanzen Weiße auf Deinen Veranstaltungen” – B.B. King in den 1950ern

Am Anfang seines Erfolgs lebte B.B. King noch in Memphis, wo er ein großer Star war. Allerdings nicht so groß, wie er dachte: „Wir waren im Auditorium in Memphis. Elvis war im Publikum und es spielten Bobby Bland, Little Milton, Little Junior Parker, Howlin’ Wolf und meine Wenigkeit. Jeder war schon auf der Bühne gewesen. Bobby Bland – eine echte Rampensau, der konnte die Leute mitreißen; Little Milton und ich – wir machten unser Ding, aber wir konnten die Leute nicht so schnell packen wie Bobby Bland. Wir waren alle durch und jetzt war Howlin’ Wolf dran und die Leute drehten durch. Milton sagte, ‘da draußen passiert irgendwas‘. Und Junior Parker, ‘los, wir gehen mal nachsehen‘. Als Wolf gerade Spoonful spielte, gingen wir raus und er krabbelte auf allen Vieren auf dem Fußboden herum. Die Leute flippten völlig aus und dann sahen wir warum: Seine Hose war gerissen! Und alles hing raus!”

Eines Abends, während eine Auftritts in einem Club in Twist, Arkansas, wurde während einer Auseinandersetzung ein Ofen umgeworfen und das hauptsächlich aus Holz bestehende Gebäude geriet in Brand. Band und Publikum hatten sich bereits ins Freie gerettet, als King merkte, dass er seine geliebte 30 Dollar-Gitarre zurückgelassen hatte. Er rannte zurück in das brennende Gebäude und rettete sie unter Einsatz seines Lebens. Später stellte sich heraus, dass es bei dem Streit um eine Frau namens Lucille ging. So kam B.B. Kings Gitarre zu ihrem Namen, den seitdem alle seiner circa 20 maßangefertigten Gibson-Gitarren trugen.

Während seiner Zeit bei dem Label RPM veröffentlichte King einen Hit nach dem anderen und schaffte es drei weitere Male an die Spitze der R&B-Charts. Ende 1958 trennte er sich von RPM und ging zu Kent. Diese Partnerschaft dauerte bis Ende der 60er Jahre. Er hatte zwar keine weitere No. 1 in den R&B-Charts, veröffentlichte aber weiterhin zahlreiche Hits. Seine markante, Gospel-angehauchte Stimme und sein großartiges Staccato-Picking begeisterten das Publikum immer wieder. So wurde King einer der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten in den R&B-Charts.

„Ich versuche, den Leuten zu zeigen, dass wir alle Brüder sind; rot, weiß, schwarz, braun oder gelb, arm oder reich – wir haben all den Blues” – B.B. Kingbbking

Ende der 1960er wurde B.B. genau wie viele andere Bluesgitarristen von einen weißen Rockpublikum entdeckt, was seiner Karriere noch einmal enormen Auftrieb gab. 1970 erreichte er mit The Thrill is Gone Platz 3 der R&B-Charts und schaffte es auch in die Hot 100. Als der Song auf Platz 15 stand, war es definitiv sein bis dahin größter Hit. 1969 reiste B.B. nach Europa. Es war der erste von vielen Besuchen und das Publikum empfing ihn mit offenen Armen, da sie sich sehr bewusst waren, dass er Künstler wie Eric Clapton und Peter Greene maßgeblich beeinflusst hatte. Sein Album Live At The Regal (1964) wurde nicht nur von diesen beiden Musikern, sondern auch von Fans auf beiden Seiten des Atlantiks sehr geschätzt.

„B.B. war ein Held. Und die Band? Hören Sie nur mal, wie sie auf Live At The Regal swingen – wie eine Dampfwalze” – Mick Fleetwood

B.B. Kings Erfolg lässt sich nicht zuletzt durch seine Liveshows erklären. Er hat schon immer härter gearbeitet als die meisten anderen Livemusiker. Er spielte 250-300 Konzerte pro Jahr, auch in mageren Zeiten. Außerdem war er sehr gut darin, seine Bands zusammenzuhalten. Das hatte sicherlich mit seinen Fähigkeiten als Bandleader zu tun, aber auch mit seiner großherzigen Art als Chef.

„Die Jungs sind nicht nur fantastische Musiker. Sie sind mir gegenüber loyal und das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir haben einfach Spaß zusammen. Sie sind alle ziemlich lange bei mir geblieben. Sonny Freeman, mein Drummer, der leider mittlerweile verstorben ist, blieb ungefähr 18 Jahre. Mein Trompeter ist jetzt seit 21 Jahren dabei. Momentan gibt es nur einen einzigen, der weniger als 10 Jahre in der Band ist” – B.B. King, 2000

1969 tourte B.B. mit den Rolling Stones durch Amerika. Für viele war es das erste Mal, dass sie diese großartigen Musiker live und in Farbe erlebten. Bill Wyman erinnert sich: „Wir standen immer an der Seite der Bühne und sahen B.B. zu. Er hatte eine 12-köpfige Band und das waren allesamt Virtuosen. Was mich immer am meisten beeindruckte, war, wie er sich von einem Moment auf den anderen von einem wuchtigen Sound zu einem leisen Raunen dämpfte. Der ganze Raum war still – man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Und dann schraubte er sich wieder ganz nach oben. Das faszinierte mich – die vielen Dimensionen seiner Musik”.

B.B. KingPhoto © Andy Freeberg

Während der 1970er erlebten viele Musiker eine Durststrecke, aber selbst da tauchte King immer irgendwo auf. Sogar im Fernsehen trat er auf und das zu einer Zeit, wo sich alle anderen Blueskünstler nur die Nase an der Scheibe plattdrücken konnten. Bei anderen Gitarristen hatte er den Status eines Stammesältesten des Blues erreicht. Darüber hinaus hörte er nie auf, über die Bedeutung des Blues zu sprechen und so half er, das Feuer am Lodern zu halten, als es fast schon erloschen war. Gelegentlich wird Kings Stil als etwas zu glatt kritisiert, aber das kommt wohl von Leuten, die alles getan hätten, um nur ansatzweise so viel Erfolg zu haben wie er.

1987 wurde King in die Rock and Roll Hall of Fame eingeführt und im Jahr darauf arbeitete er mit U2 an ihrem Album Rattle & Hum. Seine Performance auf When Love Comes to Town ließ keinen Zweifel daran, dass er auch im Alter von 63 Jahren nichts von seiner Kraft eingebüßt hatte. Es war nicht seine erste Kollaboration. Neben der Jazzgruppe The Crusaders in den 1970ern hat King u.a. mit der blinden Sängerin Diane Schuur, Alexis Korner, Stevie Winwood und Bobby Bland gearbeitet. 2001 gewannen er einen Grammy zusammen mit seinem langjährigen Freund Eric Clapton für ihr gemeinsames Album Riding With The King. Auf der Tracklist sind Coverversionen von Worried Life Blues und Key To The Highway, sowie eine neue Version von Three O’Clock Blues.

Wie viele seiner Kollegen steht auch B.B. King in der Schuld von Louis Jordan, durch den er zu der Überzeugung kam, dass schwarze Musiker viel erreichen konnten. Über viele Jahre sprach King davon, ein Album mit Songs dieses legendären Künstlers aufnehmen zu wollen. 1999 wurde dieses Album schließlich Realität. Es ist eine Verneigung vor Louis und feiert gleichzeitig die zahlreichen fantastischen Songs, die der „King of the Jukeboxes” geschaffen hat. Das Album trägt den angemessenen Titel Let the Good Times Roll. Mit diesem Song hat B.B. King jahrzehntelang seine Konzerte eröffnet.

Kings größtes Talent war es, die Stimmungsschwankungen der Musikwelt zu überstehen und immer wieder interessante Alben aufzunehmen. Er holte den Blues aus seiner Nische heraus und verhalf ihm zu einem Platz im amerikanischen Mainstream. Er nahm die Musik, die er als Kind gehört hatte, vermischte sie mit verschiedenen anderen Stilen und spielte sie mit einer Vielzahl anderer Musiker. So holte er den Blues ins digitale Zeitalter.

B. B. King war der unangefochtene King of the Blues, doch nun ist der König von uns gegangen und ob es einen vergleichbaren Künstler geben wird, bleibt abzuwarten. B.B. King eröffnete jede Show mit dem Song Let the Good Times Roll und so wollen wir ihn gerne in Erinnerung behalten.

B.B. King – Sein Lebenswerk in 35 Songs! Jetzt Playlist anhören!

Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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