Join us

Popkultur

5 Wahrheiten über Produzenten-Legende Conny Plank

Published on

Foto: David Corio/Redferns/Getty Images

In den 1970er-Jahren hatten Produzenten noch nicht den Superstar-Rang, den viele heute einnehmen. Doch Conny Plank erarbeitete sich in kürzester Zeit einen Ruf, der Rockstars aus der ganzen Welt in sein Bauernhof-Studio am Rande von Köln lockte.

von Michael Döringer

Ein faszinierendes Lebenswerk

Kraftwerk und DAF, Ultravox und Gianni Nannini: Der Krautrock-Pionier nahm mit einer Vielzahl großer Namen auf, produzierte oder mischte zahlreiche Klassiker. Sein Sound und sein Arbeitsethos machten ihn legendär. 1987 verstarb Conny Plank mit nur 47 Jahren an Krebs, doch sein Werk bleibt faszinierend. 2017 erschien mit „The Potential Of Noise“ eine eindrückliche Doku über Plank, entwickelt von seinem Sohn Stephan.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Conny Plank in jungen Jahren. Foto: groenland.com

Auch alte Weggefährten wie Michael Rother werden nicht müde, immer wieder seinen Einfluss zu betonen: „Wir müssen an Conny Plank denken, uns und die Fans unserer Musik an seine entscheidenden kreativen Beiträge erinnern, uns dafür bedanken. Wenn immer nur die Band oder die Musiker genannt werden, greift das zu kurz. Wir hätten in den 70ern (nicht nur) die Neu!-Alben nicht hinbekommen ohne Conny.“ Hier sind fünf Geschichten aus dem Leben und Schaffen des Ausnahmeproduzenten, die das deutlich machen.

Film-Trailer:

1. Conny Plank war der Ideengeber von Krautrock

Alleine die Liste der Alben und Musiker*innen, mit denen Plank arbeitete, macht das klar: Da sind die ersten vier Alben von Kraftwerk inklusive Autobahn; das erste Album von Ash Ra Tempel (mit Klaus Schulze und Manuel Göttsching); die stilprägenden Werke von Neu!, Cluster oder La Düsseldorf; Gruppen wie Guru Guru, Hoelderlin, Kraan und auch die erste Platte der Scorpions, die 1972 auf Lonesome Crow noch viel progressiver klingen, als man sie kennt. Abgesehen von klanglichen Aspekten und Fragen des Arrangements war Plank auch konzeptueller Ideengeber: Ihm ist der Einfall zu verdanken, dass die Kraftwerk-Cover mit einem Verkehrsleitkegel illustriert wurden. So erhielt die Band nicht nur ihr ikonisches Pylon-Logo, sondern die ganze Krautrock-Bewegung ein bis heute wiedererkennbares Symbol.

Kurz: Plank zeichnete für die spannendste Musik verantwortlich, die in den 1970ern in Deutschland gemacht wurde und kam damit im Ausland ins Bewusstsein experimentierfreudiger Musiker*innen. Auch in den 80ern drückte er der heimischen Musikwelt noch seinen Stempel auf, indem er mit NDW-Acts wie Ideal, Joachim Witt oder Rheingold arbeitete.

2. Alle Welt kam nach Wolperath, um mit Conny in einem ehemaligen Schweinestall aufzunehmen

Wer etwas besonderes wollte, der kam zu Conny Plank. Der Erfindungsreichtum seiner Krautrock-Aufnahmen wurde in aller Welt geschätzt. Ein anderer Studiomagier war einer seiner ersten großen Fans: Brian Eno nahm sein großartiges Before And After Science mit und bei Conny Plank auf. Viel wichtiger war, das Eno Musiker*innen aus der ganzen Welt an Conny weitervermittelte und so seinen Ruf noch weiter verbreitete. 1978 brachte er Devo aus Cleveland nach Wolperath bei Köln, um in Connys umgebautem Bauernhof mit ihnen den New-Wave-Klassiker Are We Not Men? (1978) aufzunehmen.

„Conny’s Studio“, das auf so vielen berühmten Album-Sleeves genannt wird, befand sich übrigens im ehemaligen Schweinestall des Gebäudes. Saustarke Akustik. Bands wie Ultravox, DAF oder die Eurythmics kamen zu Conny Plank, weil sie etwas Ungewöhnliches wollten. Robert Görl von DAF erinnert sich daran, wie dort seine Romanze mit Annie Lennox begann:

„Die Eurythmics waren ja vorher The Tourists und auch schon kommerziell erfolgreich. Aber von dieser Radio-Mucke wollten sie weg und cooler werden. Also sind sie zum Plank und wollten ein neues Konzept. Conny holte sich dann von Gabi und mir das Einverständnis, dass die Ex-Tourists, also Dave Stewart und Annie, uns zwei Tage im Studio zuschauen dürfen. Da fing es gleich an zu knistern zwischen uns.“

Conny Plank in seinem Studio. Foto: groenland.com

Auch Gabi Delgado war voll des Lobes für Conny Planks Studio-Tricks, etwa wie er den typischen DAF-Synthesizer-Sound schuf: „Wir haben unsere Korgs über Gitarren-Amps in den Raum geschickt. Wir hatten richtige Marshall-Türme. Das war Conny Planks Idee, denn er fand die Synthesizer so dünn. Er war ein Meister der Mikrofonie und hat diese Mischung aus Direktsignal und Verstärkersignal ganz toll aufgenommen.“

3. Bowie und Bono blitzten bei ihm ab

Die Rockstars gingen ein und aus, aber zwei der größten schafften es gar nicht erst über die Schwelle. Während eines Köln-Besuchs machte sich David Bowie im Jahr 1976 auf den Weg in das 35 Kilometer entfernte Wolperath. Es war die Zeit, als er mit Eno an Low arbeitete, kam also wohl auch auf dessen Anraten und erhoffte sich von Plank neue kreative Impulse. Der ließ ihn jedoch wissen, dass er leider keine Zeit für ihn habe. Fassungslos fuhr Bowie zurück nach Berlin. Immerhin gelangen ihm und Eno mit Heroes auch ohne Plank ein anständiges Album.

David Bowie, Bono und Brian Eno – ohne Conny Plank. Foto: Kevin Mazur Archive 1/WireImage/Getty Images

U2-Fans werden das wohl über The Joshua Tree sagen, das die Iren mit Brian Eno produzierten, nachdem Conny Plank dankend abgelehnt hatte. Er richtete Bono aus, dass U2 zwar „recht gute Musik“ machen würden, er für eine Zusammenarbeit aber nicht zur Verfügung stehe. Eno gab er im Vertrauen eine konkretere Begründung: „Ich kann mit diesem Sänger nicht arbeiten.“ Der Mann hatte eben seine Prinzipien. In einem Pressetext zu einer Tribute-Compilation heißt es : „Der von Zeitzeugen als äußerst liebenswürdig beschriebene Produzent konnte seine Liebenswürdigkeit ganz schnell vergessen, wenn es um den Arbeitsethos ging und die Ignoranz der Medien und der Musikindustrie.“

4. Mainstream oder Underground war kein Kriterium  – er wollte radikal und experimentell arbeiten

Warum schickte Plank Bowie und Bono weg, nahm aber mit der Kölner Mundart-Band Bläck Fööss, der italienischen Rockerin Gianna Nannini oder Heinz-Rudolf Kunze auf? Ganz nebenbei entstanden dabei deren größte Hits, Bello e impossibile und Dein ist mein ganzes Herz. Schlager und experimenteller Rock, wie geht das zusammen?

Plank suchte die Herausforderung und Künstler*innen, die Entwicklungspotenzial besaßen und ihm Raum für neue Klangideen gaben. Dieser Raum sollte eben nicht schon mit Künstler-Egos besetzt sein oder die Künstler*innen bereits komplett abgeschlossene Vorstellungen davon hatten, wie ihre Musik zu sein klingen habe. Plank machte Pop, aber das hielt ihn nicht von radikalen Arbeitsprozessen ab.

Midge Ure, Sänger und Gitarrist von Ultravox macht diese Arbeitsweise mit einer Anekdote greifbar: Für den Song All In One Day ihres Albums U-Vox (1986) ließen sich die Synth-Popper ein Orchesterarrangement von George Martin schreiben – dem Beatles-Produzenten George Martin! Und was machte Conny Plank damit? Er schickte dieses „sehr teure Arrangement“ durch den Verzerrer, weil es so seiner Meinung nach besser klingen würde. Wahnsinn.

5. Auch nach seinem Tod wollten alle weiter in Conny’s Studio aufnehmen

Sein gemütliches Heimstudio im ehemaligen Schweinestall in Wolperath verbreitete natürlich eine mystische Aura, nachdem so viel legendäre Musik hier entstanden war. Doch auch das Set-Up und die klanglichen Eigenschaften des Raums dürften dazu geführt haben, dass Conny’s Studio noch lange über Conny Planks Tod im Jahr 1987 hinaus eine gefragte Adresse blieb. Seine Lebensgefährtin Christa Fast und ihr gemeinsamer Sohn Stephan führten das Studio bis 2006 weiter.

Die Ärzte nahmen dort ihre Platte Die Bestie in Menschengestalt (1993) auf, die Fantastischen Vier ihr Erfolgsalbum 4:99 (1999), und auch die Einstürzenden Neubauten versuchten auf Silence Is Sexy (2000) wohl, den Spirit von Conny Plank ein bisschen einzufangen. Manchmal reichte vielleicht auch eine spirituelle Ahnung, um am Mischpult die richtigen Entscheidungen zu treffen. Oder man hoffte einfach darauf, dass Connys Geist im richtigen Moment den  Fader in Position bringt.

Die musikalische DNA von Kraftwerk

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

Published on

Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Rock Me: 10 Schwarze Künstler*innen, die die Rockmusik für immer verändert haben

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

The Ronettes: 6 wegweisende Songs der legendären Girlgroup

Published on

The Ronettes
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 12. Januar 2022 starb Ronnie Spector, die Leadsängerin der geschichtsträchtigen The Ronettes. Die Girlgroup aus New York war in den 1960er-Jahren eine wegweisende Popgruppe, die sich in Sachen Sound und Image deutlich vom Durchschnitt abhob.

von Markus Brandstetter

Ab 1963 arbeitete die Gruppe mit der Produzentenlegende (und dem späteren verurteilten Mörder) Phil Spector zusammen, den die Sängerin auch heiratete. Unseren Nachruf auf Ronnie Spector findet ihr hier. Zu Ehren der Sängerin wollen wir uns heute durch die größten Hits und wichtigsten und wegweisenden Songs von The Ronettes hören und ein wenig ihre Historie und den Hintergrund der Stücke beleuchten.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

1. Good Girls

Good Girls war die letzte Single von The Ronettes, die die Band über ihr altes Label Colpix Records veröffentlichte. Die Single schaffte keinen Platz in den Charts, die Band  war deswegen schwer enttäuscht und trennte sich von ihrem alten Label. Neue Geschäftsmöglichkeiten taten sich auf, die Gruppe unterschrieb bei Phil Spectors Label Philles Records. Der kommerzielle Erfolg konnte damit beginnen. Good Girls, die Single vor dem Erfolg, war vielleicht nicht so wegweisend, wie das, was unter Spectors Produktion folgen sollte — ist aber dennoch ein eingängiger, erinnerungswürdiger  Song.

2. Be My Baby

Be My Baby stammt aus der Feder von Phil Spector, Jeff Barry und Ellie Greenwich und ist der größte Hit der Band. Wobei: Spector hat im Grunde nur deswegen einen Songwriting-Credit, weil seine Produktion eben Kernstück des Songs ist. Be My Baby wurde am 15. August 1963 als Single veröffentlicht und schaffte es auf Platz zwei der US-Popcharts. Darauf zu hören ist die Creme de la Creme der damaligen Studiomusiker*innen-Szene — unter anderem spielt die großartige Carol Kaye (gemeinsam mit Ray Pohlmann) Bass, dazu sind mit Tommy Tedesco, Billy Strange, Barney Kessel und Bill Pitman gleich vier Gitarristen zu hören. Und weil ein Keyboard für eine Wall of Sound nicht reicht, sind auch vier Keyboarder mit dabei.

 3. Baby I Love You

Nachdem Be My Baby ein Erfolg wurde, war in Phil Spector der Ehrgeiz geweckt, nachzulegen. Allerdings gab es da ein Problem: The Ronettes sollten eigentlich touren. Ronnie blieb bei Phil im Studio, Estelle und Nedra gingen auf Tour, mit Verstärkung der Cousine Elaine. Weil man aber weitere Stimmen beim Aufnehmen brauchte, halfen Bekannte aus: So übernahmen Cher, Sonny Bono und Darlene Love die Backing Vocals auf dem Stück. Am Piano: der große Leon Russell.

 4. (The Best Part Of) Breakin’ Up

„Wenn Phil einen Song so sehr liebte wie (The Best Part of) Breakin’ Up, konnte er tagelang daran arbeiten, ohne jemals müde zu werden. Er verbrachte Stunden damit, die Harmonien mit Nedra und Estelle auszuarbeiten, und sprang jedes Mal auf und ab, wenn er etwas hörte, das ihm gefiel“, erinnerte sich Ronnie Spector in ihrer Autobiografie an die Aufnahmen zu  (The Best Part Of) Breakin’ Up.

 5. Do I Love You?

Junge Liebe – davon handelt Do I Love You?, das die Ronettes 1964 mit dem Song Bebe And Susu als B-Seite veröffentlichten. Geschrieben wurde der Song von Phil Spector, Pete Andreoli and Vini Poncia.

6. Walkin’ In The Rain (1964)

Walkin’ In The Rain — geschrieben von Barry Mann, Phil Spector und Cynthia Weil, wurde im Laufe der Jahre oft gecovert — unter anderem von The Walker Brothers und Jay & The Americans. The Ronettes, für die der Song geschrieben wurde, landeten 1964 damit auf Platz 23 der Billboard Top 100 Song, in den Billboard R&B Charts war sogar Platz 8 drin.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Riot Girls: Die Musikerinnen, die die Welt veränderten

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss