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Popkultur

Die musikalische DNA von 2Pac

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Einer sich hartnäckig haltenden Theorie nach ist 2Pac, der am 13. September 1996 nach einem Drive-By-Shooting seinen Verletzungen erlag, am siebten Tage wieder auferstanden. Andere, sich ebenso hartnäckig haltende Theorien besagen allerdings auch, dass die Erde innen hohl ist und die Regierung mit Chemtrails unsere Gedanken manipuliert. Alles ist relativ und manches eben relativ bescheuert. Bleiben wir also bei den Fakten: Das Erbe von Tupac Shakur lebt auch zwanzig Jahre nach seinem Tod weiter. Warum das so ist, erklärt ein Blick auf seine eigene musikalische DNA, denn der vermeintlich unsterbliche 2Pac hat viel zeitlose Musik in sich aufgesogen. Deswegen: All eyez on him! Es gibt mehr als eine Überraschung zu erleben.


Zieht euch die Playlist in euren Player und lest weiter:


1. Honey Cone – Want Ads

Juni 1971: Der beseelte Funk des Trios Honey Cone hat gerade die Spitze der US-Charts erobert, als Lesane Parish Crooks im New Yorker Stadtviertel East Harlem das Licht erblickt. Als die Band im Folgejahr ihr letztes Album Love, Peace & Soul veröffentlicht, wird der Kleine ein zweites Mal geboren: Seine Eltern taufen den Zögling in Tupac Amaru Shakur um, eine Anspielung auf Túpac Amaru II aus Peru, welcher im Jahr 1780 dem Aufstand gegen die spanischen Kolonialkräfte vorstand. 2Pac wird beides mitbringen: den Soul der Honey Cones und die Wut der Unterdrückten, welche seinen Namensgeber antrieb.


2. Pyotr Ilyich Tchaikovsky – The Nutcracker; Act I, Scene I; No. 7, Battle Between Nutcracker And Mouse King

Bevor sich Tupac aber erneut umbenennt und als 2Pac Musikgeschichte schreibt, geht es für die Familie im Jahr 1986 nach Baltimore. Dort schreibt sich der Teenager an der Baltimore School for the Arts ein und studiert Schauspiel, Lyrik, Jazz und… Ballett? Richtig, der erfolgreichste Rapper seiner Zeit mimte auch mal den Mäusekönig in Tchaikovskys Der Nussknacker. Kann sich niemand ausdenken, ist zum Glück aber die Wahrheit. Und passt im Übrigen wieder sehr gut zu 2Pacs erklärtem Lieblingsmusikstück: dem Thema des Musicals Les Misérables.


3. Aerosmith – Walk This Way

Sein Debüt als Rapper gibt 2Pac im Jahr 1991 auf der Same Song (This Is An E.P. Release Part 1)-Single der Crew Digital Underground, die er auch als Roadie und Backup-Tänzer auf Tour begleitete. Über einem ebenso an George Clinton wie an Bootsy Collins geschulten Groove, der neben Parliament sogar „Walk This Way“ von Aerosmith und Run DMC sampelt, stellt Digital Underground-Mastermind Shock G der Welt das neue Talent vor: „2Pac, go ahead and rock this!“ Das macht der dann prompt und hört bis zu seinem frühzeitigen Tod nicht auf. Sein Ruhm sollte den von Digital Underground bei weitem überflügeln. He walked that way indeed!


4. James Brown – The Spank

„There’s no reason for a record like this to be released. It has no place in our society”, schäumte der Vize-Präsident der Vereinigten Staaten, Dan Quayle, über 2Pacalypse Now. Mit dem Album macht sich der „Young Black Male“ Ende 1991 endgültig einen Namen. Über 13 Tracks zeigt sich der junge MC als ebenso wortgewandt wie sozialkritisch, prangert eloquent und mit unvergleichlichem Flow ebenso rassistisch motivierte Polizeigewalt an wie er die Missstände im Ghetto aufdeckt. Kein Wunder, dass 2Pac in der Vorab-Single Trapped bereits den Godfather of Funk, James „Say It Loud, I’m Black And Proud“ Brown herbei sampelte: 2Pacalypse war wie der anzügliche Funk von Browns The Spank mehr als nur frivole Unterhaltungsmusik – sondern eine klare Ansage: „They can’t keep the Black man down!“ Zu der Kritik Quayles lieferte 2Pac übrigens schon vorab das passende Comeback: I Don’t Give A Fuck heißt der vierte Song von 2Pacalypse Now.


5. Nas – One Love

2Pacs Berühmtheit hat 1994 noch lange nicht ihren Zenit erreicht, da erobert ein anderer Rapper aus New York in kaum mehr als 30 Minuten die Welt. Nas‘ Illmatic definiert über die zum Großteil von DJ Premiere produzierten Beats nicht nur den Boom-Bap-Sound der East Coast, sondern überschattet auch alle vorigen Rap-Alben Selbst das Musikmagazin The Source kann nicht anders und verleiht dem Album die Höchstwertung in Form von fünf Mics. „When those funky/eerie/powerful xylophone notes from ‘One Love’ come on, I remember @FrozenFiles (der damalige The Source-Redakteur Schott ‘Free’ Jacobs, Anm. d. Autors) is literally lying on the floor…”, erinnert sich The Source-Mitbegründer Jonathan Shecter spatter auf Twitter. Zwei 2Pac-Alben erhalten ebenfalls fünf Mics, beide aber erst im Nachhinein: All Eyez On Me (1996) wird erst 2002 bewertet und Me Against The World (1995) im Nachhinein von vier auf fünf Mics hochgestuft. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Der musikalischen und lyrischen Dichte der Illmatic konnte 2Pac auf Albumlänge nie das Wasser reichen. Er verteilte sein poetisches Genie stattdessen auf einzelne Songs.


6. Edgar Winter – Dying To Live

Manchmal reichten ihm lediglich ein paar Bars, um Geschichte zu schreiben: 1994 nahmen 2Pac und The Notorious B.I.G. den gemeinsamen Track Runnin‘ (Dying To Live) auf. Als 2Pac zwei Jahre später angeschossen wird und wenige Tage später seinen Verletzungen erliegt, vermuten nicht wenige den mittlerweile zum Konkurrenten avancierten The Notorious B.I.G. hinter der Tat. Bevor der Konflikt zwischen East Coast und West Coast die beiden Rapper jedoch entzweite, gaben sie auf diesem Song noch mal alles. Das den Song prägende Sample basiert auf Edgar Winters Dying To Live vom Album White Trash. Die Lyrics lesen sich im Nachhinein nahezu prophetisch: „Why am I dying to live if I’m just living to die?“ Als der Track 2003 veröffentlicht wird, sind beide Rapper nicht mehr am Leben.


7. Marvin Gaye – What’s Happening Brother

„Ayo, I remember Marvin Gaye used to sing to me / He had me feeling like Black was the thing to be / And suddenly the ghetto didn’t seem so tough“, rappt 2Pac auf dem Song Keep Ya Head Up. Er ist nicht der einzige, der angesichts Gayes Musik in Schwelgereien verfiel: Auch Eric Burdon von der Band The Animals widmete dem 1984 verstorbenen Motown-Sänger einen verschwitzten Jazz-Song. Der Unterschied allerdings: Während sich Burdon in Once Upon A Time an das sexuell mehr als explizite Let’s Get It On erinnert, fragt 2Pac mit dem Titel eines Gaye-Albums gesprochen: What’s Going On? Obwohl 2Pac nämlich in Liebesangelegenheiten alles andere als ein Schwerenöter war: Seine Wut auf die Verhältnisse legte sich darüber nie. „War is hell, when will it end, / When will people start gettin’ together again”, singt Gaye aus der Perspektive eines Vietnam-Heimkehrers – 2Pac übertrug dieselbe Frage aufs Ghetto.


8. U2 – No Line On The Horizon

Laut einer 2Pac-Biografie von Carrie Golus hatte 2Pac ein überraschendes Faible für britischen und insbesondere irischen Pop von etwa Kate Bush, Sinéad O’Connor und sogar die Stadionrocker U2. Querverweise zu Hip Hop gibt es in deren Diskografie allerdings ebenso zu finden, auch wenn das nicht unbedingt gut ging: 2006 fand sich die Band mit Rick Rubin, dem Mitbegründer von Def Jam, im Studio zusammen. Das Album landete aber in der Schublade und wurde 2007 gemeinsam mit unter anderem Brian Eno unter dem Titel No Line On The Horizon neu aufgenommen. Welche Version 2Pac wohl bevorzugt hätte? Über die im Netz kursierenden „U2Pac“-Mash-Ups möchten wir an dieser Stelle auf jeden Fall schweigen…


9. Blackstreet – No Diggity

Mit seinem letzten, ebenfalls posthum veröffentlichten Studioalbum setzt 2Pac selbst die Legende seiner Auferstehung in die Welt: The Don Killuminati: The 7 Day Theory legte die thematische Grundlage für den Messias-Kult um seine Person. Keine leichte Geburt: Nur Quincy Jones‘ Sohn QD3 war von 2Pacs – der selbst an drei Tracks mitwerkelte – alter Produzentengarde noch dabei. Und da ist noch dieser eine Beat, den Dr. Dre für den Song Toss It Up geschrieben, dann aber an die Crew Blackstreet weitergereicht hat, als er das Label Death Row verließ. 2Pac revanchierte sich mit einem Dr. Dre-Diss: „No longer Dr. Dre: arrividerci / Blown and forgotten, rotten for plotting Child’s Play“. Allein, es half nichts: No Diggity von Blackstreet löste selbst den Macarena an der Chartspitze ab, der in den letzten Tagen 2Pacs aus jedem Radio der Welt plärrte. Immerhin blieb ihm die Demütigung erspart, den Erfolg von No Diggity mitzuerleben. Der Song verkaufte sich allein im Jahr 1996 1,6 Millionen Mal. Eine Zeile wie „Cross Death Row, now who you gonna run to?“ wird Dre da wenig gekratzt haben.


10. Kendrick Lamar – The Blacker The Berry

To Pimp A Butterfly, Kendrick Lamars frenetisch gefeiertes Meisterwerk aus dem Jahre 2015, endet mit einer unheimlichen Szene: Lamar tritt in ein gespenstisches Zwiegespräch mit 2Pac, stellt Fragen an das Idol, dessen Antworten aus einem Interview herbeigesamplet werden. Nur die letzte bleibt unbeantwortet. Zurück bleibt ein Fan, der das Erbe 2Pacs alleine weiterführen muss. „The Blacker The Berry“ hebt den von 2Pac massiv mitgeprägten Conscious Rap auf ein neues Level: Lamar reflektiert kritisch seine eigene Tatenlosigkeit angesichts der rassistischen Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den USA. „Some say the blacker the berry, the sweeter the juice / I say the darker the flesh the deeper the roots“, rappte 2Pac 1993 auf seinem zweiten Album Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z. Worte, die von Lamar für die angespannte Situation des Jahres 2015 aktualisiert wurden. Ein würdiger Erbe eines überwältigenden Vermächtnisses.


Popkultur

Zeitsprung: Am 27.11.1969 wird Myles Kennedy geboren.

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Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1969.

von Thorsten Seiffert und Christof Leim

Irgendwas muss dran sein an dieser Stimme. Myles Kennedy singt bei gleich mehreren großen Rockbands, und sogar die Gruppen, bei denen er fast gelandet wäre, erweisen sich im Nachhinein als äußerst spannend. Am 27. November hat der Mann Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Myles Kennedys Soloalbum Year Of The Tiger anhören:

Geboren wird der Sänger und Gitarrist am 27. November 1969 als Myles Richard Bass in Boston, Massachusetts. Den Nachnamen Kennedy erhält er, als die Mutter nach dem Tod des Vaters erneut heiratet. Schon früh in seiner Kindheit beginnt Myles, die Trompete zu malträtieren, und hat gar eine Luftgitarrenband mit seinen besten Freunden. Als es dann Instrumente aus Holz gibt und er richtig in die Saiten dreschen kann, geht es Schlag auf Schlag: Animiert von einem Jazz-Kurs, den der junge Mann an der Highschool belegt, steigt er 1990 in eine Jazzformation mit dem Namen Cosmic Dust Fusion Band oder kurz Cosmic Dust ein. Sein Talent zeichnet sich schon damals deutlich ab, schnell macht er sich durch die Kombination seines musikalischen Wissens mit einer rockigen Spieltechnik einen Namen in der lokalen Szene. Dass Myles Kennedy auch als Fusion-Jazzer eine mehr als respektable Figur abgibt, beweist das erste Album von Cosmic Dust namens Journey  von 1991. Für den Song Spiritus gewinnt die Band 1993 sogar einem mit 5000 Dollar dotierten Preis

Aus Jazz wird Grooverock

Beim Jazz wird es nicht bleiben, doch der Weg zum Rockstar hält noch einige Abzweigungen bereit. Myles verlässt den kosmischen Staub und wird singender Gitarrist bei Citizen Swing, einer soulig und bluesig klingenden Truppe mit Alternative-Einschlag. Auch hier gibt es Hörbares: 1993 haut die Band das Album Cure Me With The Groove raus. 1995 folgt noch Deep Down, dann zieht die Kombo einen Schlussstrich. Kennedy, der inzwischen als Gitarrenlehrer arbeitet, will härter rocken und gründet mit einigen Kindheitsfreunden und einem Citizen-Swing-Kollegen eine neue Gruppe: The Mayfield Four. 

Ein erstes Demo (Thirty Two Point Five Hours) kommt so gut an, dass Epic Records einen Vertrag rausrücken. So langsam kommt Myles’ Karriere also in Fahrt. Das Debüt Fallout von 1998 wird intensiv live präsentiert, im Rahmen der mehr als ein Jahr dauernden Tour spielen The Mayfield Four mit Bands wie Stabbing Westward, Big Wreck und Creed zusammen. Obwohl die Kritiken gut ausfallen, findet Fallout nicht den Weg in die Charts. 

Hier könnt ihr euch The Mayfield Four anhören:

Jetzt ruft Hollywood

Während sich die Band abstrampelt, den Durchbruch zu schaffen, erhält Myles Kennedy das Angebot, in dem Hollywood-Streifen Rock Star mit Mark Wahlberg und Jennifer Aniston mitzuspielen. Der Film lehnt sich vage an die Story von Tim „Ripper“ Owens Einstieg bei Judas Priest an und erzählt von einer fiktiven Band namens Steel Dragon. Kennedy spielt dabei einen Fan, der zum Ende auf die Bühne gezerrt wird, um das Konzert als Sänger zu beenden, während der Frontmann und Protagonist (Wahlberg) sich absetzt. Kennedy ist der einzige Darsteller in Rock Star, dessen echte Gesangsstimme wir zu hören bekommen. Als Schauspieler will sich Myles nach dieser Erfahrung nicht sehen: „Das war schon witzig, und ich habe nichts nachgestellt. Ich war einfach ein Typ aus der Provinz, der mit den Schwergewichten in Hollywood einen Film dreht“, sagt er später. „Es fiel mir leicht, diesen dämlichen Typen abzugeben, dazu gehörte kein bisschen Schauspielerei.“

Seiner Band The Mayfield Four hilft der Auftritt indes nicht. 2001 wird das zweite Album Second Skin veröffentlicht: wieder mit guten Reaktionen, wieder kein Erfolg. Das nagt an Kennedy, und die Gruppe bricht auseinander. In einem Interview mit Pulse Weekly erklärt er später, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, also 2002, ausgebrannt von der der Musikindustrie fühlte und zudem nach Jahren der hohen Lautstärken einen Tinnitus entwickelt hat. „Ich kann das nicht mehr machen, meine Ohren lassen das nicht zu“, sagt er damals und fällt in eine Depression. Mit Bands beschäftigt sich Kennedy in dieser Phase nicht und gibt stattdessen Gitarrenunterricht.

Myles will nicht mit Slash spielen

Doch es geht auch wieder aufwärts: Wie gesagt muss etwas dran sein an dieser Stimme, denn 2002 meldet sich Gitarrengott Slash, der einen Sänger für seine neue Band Velvet Revolver sucht und Kennedys Demo gehört hat. Doch unser Mann entscheidet sich dagegen, ergreift ein Jahr später aber eine andere Chance: Creed-Gitarrist Mark Tremonti möchte, dass Myles einige Songs für ihn einsingt. 

Creed-Gitarrist Mark Tremonti gewinnt Myles Kennedy 2003 für seine Band Alter Bridge – Pic: Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

So entstehen Alter Bridge, die neue Band der Creed-Musiker Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall. Die Chemie stimmt, und nun wendet sich das Blatt: Während das Debüt One Day Remains (2004) gemischte Reaktionen bei den Kritikern hervorruft, stehen die Fans auf den Sound, was letztlich in einer goldenen Schallplatte gipfelt. Mit Alter Bridge geht es hervorragend weiter, und Kennedy wird immer bekannter. Blackbird erscheint 2007, spätestens mit AB III (2010) gehört die Band zu den großen Namen im internationalen Rockzirkus.

Wenn Rockgötter anrufen…

2008 schließlich macht ein gewichtiges Gerücht die Runde: Myles Kennedy soll Robert Plant bei Led Zeppelin ersetzen, als dieser nach der einmaligen Live-Reunion der Band 2007 lieber wieder sein eigenes Süppchen kochen will. Wow! Kennedy schweigt zu alledem, bis er 2009 dann doch ausplaudert, dass er tatsächlich mit Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham geprobt und gejammt habe. Jason, Sohn des legendären Originalschlagzeugers John Bonham, hatte ebenfalls in Rock Star mitgespielt, sich an den begnadeten Sänger erinnert und diesen Jimmy Page vorgeschlagen. Ob es Songs aus dieser kurzen Zusammenkunft gibt, bleibt jedoch bis heute schleierhaft. „Ich fühlte mich einfach unglaublich geschmeichelt, mit diesen Jungs im selben Raum zu stehen“, kommentiert Kennedy 2010 gegenüber Music Radar. „Alles, was ich über Rock gelernt habe, habe ich von Led Zeppelin. Nur in Jimmy Pages Nähe zu sein, war unglaublich.“

Myles Kennedy und Slash live 2015 – Pic: Harmony Gerber/WireImage/Getty/Images

Neuer Versuch mit Slash

Obwohl Myles der Guns N’ Roses-Legende Slash damals abgesagt hat, lässt dieser nicht locker – und „füttert“ den Alter-Bridge-Sänger mit einem einzigen Song langsam an. Auf dem einfach Slash betitelten Solodebüt des passionierten Zylinderträgers soll Myles einen einzigen Track singen, nämlich Starlight. Kurz vor Schluss der Aufnahmen rückt der Gitarrenheld aber mit einem weiteren Lied heraus, und auch auf dem in letzter Minute eingespielten Back From Cali beeindruckt Kennedy am Mikro. Die Zusammenarbeit läuft so gut, dass Slash ihn als Frontmann mit auf Tour nimmt und anschließend auch als Hauptsänger für seine nächsten Alben engagiert. So hören wir Myles auf Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018). Slashs Liveband trägt sogar den Namen Myles Kennedy & The Conspirators.

Gleichzeitig läuft die Karriere von Alter Bridge ganz vorzüglich mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Touren, so dass unser Mann quasi ständig unterwegs ist. Doch das scheint nicht zu reichen, denn 2018 erscheint noch sein erstes Soloalbum Year Of The Tiger, für das er auch Konzerte spielt

Hier hat also jemand all seine Rock’n’Roll-Träume erfüllen können. Wir schicken Myles Kennedy, der mit seiner Frau Selena in Spokane im Bundesstaat Washington lebt, laute Grüße zum Geburtstag!

Zeitsprung: Am 18.4.1974 rockt Mark Tremonti von Alter Bridge und Creed los.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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Zeitsprung: Am 26.11.2016 droht die kanadische Polizei mit Nickelback.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.11.2016.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 26. November 2016 rät die Polizeiwache im kanadischen Kensington ihrer Facebook-Gefolgschaft von Alkohol am Steuer ab. Lobenswert, immerhin stehen Weihnachtsmärkte und -feiern vor der Tür. Das eher ungewöhnliche Druckmittel Nickelback sorgt dabei allerdings für Lacher und Kritik.

Hört euch hier die besten Nickelback-Songs an: 

„Fröhliche Weihnacht“, denkt sich 2016 das Polizeipräsidium in Kensington auf Prince Edward Island und leistet sich dann einen ziemlichen Klops. Die für ihre Nettigkeit bekannten Kanadier bieten auf Facebook am 26. November einen besonders festlichen Service: In einem Post zeigen sie Möglichkeiten auf, Alkohol am Steuer zu vermeiden. Scheinbar keine einfache Aufgabe, locken doch Glühwein und andere edle Tropfen gerade vor Weihnachten mit ihrer wärmenden Wirkung. Einen kleinen Scherz kann sich der oder die Social-Media-Verantwortliche dabei nicht verkneifen.

Staatsdienst mit Augenzwinkern

Die Erinnerung an die Pflichten im Straßenverkehr beginnt noch harmlos. Mit Empfehlungen, im Vorfeld eine nüchterne Person für die Heimfahrt zu bestimmen oder doch schon vor Beginn der Veranstaltung Taxiunternehmen oder Übernachtungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen, leistet die Polizei ihren Beitrag zur winterlichen Verkehrssicherheit.  

Aber das reicht womöglich nicht. Doch auch die Behörde scheint jedoch vernommen zu haben, dass eine gewisse landeseigene Band nicht überall den besten Ruf genießt. Die Nachricht, die sie als „Christmas Bonus Edition“ betiteln, geht also mit einer Drohung der besonderen Art einher: „Die Polizei von Kensington wird den Rest des Jahres nach denjenigen suchen, die dumm genug sind, zu trinken und danach zu fahren. Und wenn wir euch kriegen – und das werden wir – gibt es zuzüglich zu einem deftigen Bußgeld, einer Strafanzeige und einem einjährigen Führerscheinentzug noch ein zusätzliches Geschenk: Auf dem Weg ins Gefängnis beschallen wir euch mit Nickelback.“

Die meinen das ernst. Oder?

Wer jetzt noch daran zweifelt, ob da wirklich eine gesamte Polizeiwache Nickelback aufs Korn nimmt, sollte unbedingt den Rest des Posts lesen: „Wir finden: Wer töricht genug ist, nach einem Drink noch hinters Steuer zu steigen, für den sind Chad Kroeger und seine Jungs das passende Geschenk.“ Das dazugehörige Bild zeigt eine bisher ungeöffnete 

Ausgabe des Albums Silver Side Up aus dem Jahr 2001, die die Mannschaft großzügig für etwaige „Gäste“ öffnen möchte.

Lang gelöscht: Ein Screenshot des Originaltexts vom 26. November 2016.

Das locker formulierte Posting trifft online einen Nerv und erscheint als Meldung in weltweiten Medienformaten. Die eigentliche Nachricht, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehenzulassen, mutiert dabei in eine Debatte über Nickelback, die man auch in den Kommentaren fortführt. Die 1995 gegründete Band gehört zu denjenigen Gruppen, die die Öffentlichkeit heiß diskutiert, und nicht immer geht es um Musik.

Wasser auf die Internetmühlen

Auch die Kommentare zum polizeilichen Facebook-Post zeigen keine Einigung. „Schimpft doch nicht auf Nickelback! Nehmt lieber jemanden wie Justin Bieber“, schlägt jemand vor. (Bieber ist ebenfalls Kanadier.) Andere wiederum fragen sich, ob eine solche Bestrafung nicht gegen die Genfer Konvention für Menschenrechte verstoße. Die Meldung zieht so kontroverse Kreise, dass die Wache den Post schließlich löscht und eine öffentliche Entschuldigung einstellt.

Nickelback selbst dürfte der Zwischenfall nur am Rande interessieren: „Ich glaube, diese ganzen Meckerer und Kritiker wissen gar nicht, was sie uns für einen Gefallen tun. Ohne sie wären wir nur eine Allerweltsband“, teilt Kroeger schon 2014 lässig der Presse mit. Die Kanadier belegen laut Digital Music News Platz elf der meistverkauften Bands der Geschichte

 

Zeitsprung: Am 21.8.2015 „rickrollen“ die Foo Fighters gegen Homophobie.

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