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Popkultur

Die musikalische DNA von Blink-182

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»Nobody likes you when you’re 23!«, hieß es im Refrain des Songs, der Blink-182 endgültig weltberühmt machte. Wie sieht’s eigentlich mit 24 aus? Vor so vielen Jahren hat sich das Trio nämlich gegründet – und dabei einige Veränderungen durchgemacht. Von den Originalmitgliedern ist nur noch der charismatische Sänger Mark Hoppus dabei, zwischenzeitlich sah es sogar richtig übel aus: Die Band löste sich 2005 auf. Vielleicht lässt sich all das als Wachstumsschwierigkeiten entschuldigen. Denn die »wichtigste Band der Neunziger«, wie sie Kritikerin Maria Sherman einmal nannte, wandte sich immer wieder anderen Stilen und – nebenbei gesagt – auch ernsthafteren Themen zu. Nichtsdestotrotz bleibt ihre musikalische DNA vornehmlich von Punk, Punk und ein bisschen Pop eingefärbt. Wen Hoppus aber als seinen »musikalischen Seelenverwandten« bezeichnet hat, dürfte dann doch überraschen…


Hört euch hier die musikalische DNA in einer Playlist an und lest weiter:

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1. Descendents – I’m Not A Punk

Skaten, Bier trinken, Penis-Witze: Teenager-Vergnügen, die 1982 endlich ihr eigenes Genre bekamen. Milo Goes To College war gleichzeitig Ansage und Abschied. Abschied, weil Milo Aukerman, der Sänger der Descendents, diese tatsächlich für ein Studium und ein verantwortliches Leben als Erwachsener eintauschte. Ansage, weil er sich auch zugleich vom Punk-Leben verabschiedete: »I’m not punk; how can I be? / Show me the way to conformity!«. Mit dem, was später als Pop-Punk bekannt werden sollte, positionierten sich die Descendents eindeutig gegen den (malz-)bierernsten Hardcore-Sound der Reagan-Ära – und machten den Weg für Bands wie Green Day sowie Blink-182 frei. Milo übrigens kam zurück: Die Descendents veröffentlichten ungefähr zeitgleich mit Blink-182 in diesem Jahr ein Comeback-Album.


 2. Dinosaur Jr – Freak Scene

In den frühen Neunzigern fand sich inmitten der blühenden Punk-Szene Südkaliforniens eine Band zusammen, die ein paar Namenswechsel vollzog, bevor sie sich (vorerst) auf Blink einigte. Tom DeLonge und Scott Raynor kannten sich aus der Szene, zu welcher im August 1992 auch Mark Hoppus stieß. Der knackste sich erstmal den Knöchel an, als er DeLonge im Skatepark seine Tricks zeigen wollte. Es blieb nicht das einzige Opfer, welches er brachte: Vor der Aufnahme des Demo-Tapes Flyswatter trennte er sich von seiner Freundin, die ihn vor die Entscheidung gestellt hatte: sie oder die Band. Er traf die vielleicht richtige Entscheidung, das Flyswatter-Tape machte die Band in der Szene Kaliforniens bekannt. Wie holprig sie damals allerdings noch klangen, das lässt sich im Vergleich zum Dinosaur Jr.-Song »Freak Scene« abgleichen, den Blink darauf neben dem NOFX-Stück »The Longest Line« coverten. Andererseits, wer kann schon den wilden Gitarren-Soli eines J. Mascis das Wasser reichen?


3. Green Day – Welcome To Paradise

Als die jungen Blink sich einen Namen in der lokalen Szene machten, war das Trio Green Day darin bereits fest etabliert. Soll heißen: Während Green Day im legendären Venue Soma in San Diego die großen Bühnen bespielten, mussten sich Blink mit dem Kellerraum darunter zufrieden geben. Abgesehen von ihrem Hang zum Fäkalhumor einte beide Bands das enge Miteinander zwischen ihren Mitgliedern. Als die Familie von Blink-Drummer Scott Raynor nach Nevada zog und es auf Dauer zu teuer wurde, ihn für Shows einzufliegen, zog er – nachdem er kurzzeitig durch einen anderen Drummer ersetzt wurde – bei Mark Hoppus’ Familie ein. So wie auch Billie Joe Armstrong kurzzeitig bei seinem Bandkollegen Mike Dirnt einzog. Das prekäre Leben in besetzten Häusern besang Armstrong auf »Welcome To Paradise«, einem Song des Albums Dookie. Dieses erschien 1994 ungefähr zeitgleich mit Blinks Buddha, stellte dessen Erfolg aber bei weitem in den Schatten. Nicht für lange allerdings, schon bald sollten sich beide Bands dieselben Bühnen teilen.


4. The Aquabats! – Fight Song!

Auch wenn Blink-182 sich nicht immer an das ungeschriebene Gesetz vom dreieinhalbminütigen Pop-Song gehalten haben und meistens schneller fertig wurden: 20 Songs in 45 Minuten, das ist rekordverdächtig. Aber der Reihe nach: Nachdem Blink mit Cheshire Cat ihren Ruf als neue Pop-Punk-Hoffnung zementiert hatten und mit dem Nachfolger Dude Ranch glatt einen Gold-Hit landeten, wurde es Zeit, sich von Drummer Raynor zu trennen. Denn so spaßig die Dinge nach außen wirkten, so sehr brodelte es unter der Kulisse: 1998 trennten sich Hoppus und DeLonge von Raynor, weil dessen Alkoholsucht die Band gefährdete. Ersatz fanden die beiden schnell in Travis Barker, der die Band als Drummer von The Aquabats auf Tour begleitete. Noch schneller musste der die Setlist von Blink-182 auswendig lernen: Eine Dreiviertelstunde blieb ihm dazu, bevor er seine erste Show als Blink-182-Drummer antrat. Wer aber Stücke wie den »Fight Song« aus dem Ärmel schüttelte, für den ist das wohl das geringste Problem.


5. Wu-Tang Clan – C.R.E.A.M.

Barker brachte auch andere musikalische Einflüsse in die Band mit ein, sein Faible für Hip Hop färbte sich jedoch kaum auf Enema Of The State und Take Off Your Pants And Jacket ab, die beiden ersten Alben Blinks mit ihm hinter dem Kit. Mit Tim Armstrong von der befreundeten Punk-Band ging er dem stattdessen im Jahr 1999 unter dem Namen Transplants nach. Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum brachte die mittlerweile wieder aktive Supergroup eine gehörige Portion Punk-Wut mit tiefenentspannten Beats zusammen. Klar, dass dafür vor allem eine Crew Pate stand. Mit »D.R.E.A.M.« zollten die Transplants dem Wu-Tang Clan Tribut, deren Album 36 Chambers kurz vor dem Durchbruch von Blink-182 den Rap neu revolutionierte. Bei Blink-182 schlich sich das nicht ganz so geheime Faible Barkers allerdings erst 2011 auf Neighborhoods ein.


 6. Refused – New Noise

Travis Barker ist keinesfalls das einzige Mitglied aus der bis 2015 bestehenden Bandbesetzung, das sich Nebenprojekten widmete. Tom DeLonge lud den Drummer für die Aufnahmen des ersten und einzigen Albums seiner Band Box Car Racer ein, welches im Jahr 2002 erschien. Mark Hoppus freute das keinesfalls: Er fühlte sich von den beiden ausgeschlossen. Vielleicht wäre das aber gerade die ideale Ausgangslage zum Hören der 13 Tracks gewesen. Auf dem Album nämlich verarbeitete DeLonge ziemlich viel Frust und Wut, für die bei Blink-182 einfach kein Platz war. Der Sound wurde ebenfalls härter, als Inspiration für das DIY-Projekt nannte DeLonge Post-Hardcore-Bands wie Fugazi oder die schwedischen Refused. Die hatten 1998 mit The Shape Of Punk To Come ein revolutionäres Album aufgenommen, dessen Eklektizismus noch auf Box Car Racer nachhallte. DeLonge wollte sich schließlich endlich mal zu einem neuen Beat und mächtig viel »New Noise« bewegen. Und schreien konnte er sowieso!


7. John Mayer – Your Body Is A Wonderland

Im Gegensatz zu seinen Bandkollegen DeLonge und dem hyperaktiven Barker hielt sich Mark Hoppus eher bedeckt, wenn es um Nebenprojekte ging. Die Band +44 mit Shane Gallagher von The Nervous Return, Craigh Fairbaugh von den Mercy Killers, Carol Heller von Get The Girl und – natürlich – Travis Barker wurde nach einem Album für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Dann aber wagte sich Hoppus von 2010 bis 2012 ins Fernsehen vor: Auf Fuse moderierte er gemeinsam mit der Comedian Amy Schumer die Show Hoppus On Music. Die geladenen Gäste überraschten: Snoop Dogg schaute ebenso im Studio vorbei wie etwa in der letzten Folge Santigold. Schon die erste Folge der damals noch A Different Spin With Mark Hoppus betitelten Show setzte einen ungewöhnlichen Akzent: John Mayer saß neben Hoppus auf der Couch. Seinen »musikalischen Seelenverwandten« nannte Hoppus den Kuschelrocker. Amerikanische Wissenschaftler sind sicherlich seitdem dabei, die lyrischen Qualitäten von »Fuck A Dog« und »Your Body Is A Wonderland« zu vergleichen.


8. The Cure – Push

»I can’t sleep ‘cause what if I dream / of going back to San Diego / We bought a one-way ticket / So we could go see The Cure«, heißt es auf dem Track »San Diego« von Blink-182s Comeback-Album California. Eine melancholische Liebeserklärung an die Heimat, in der alles begann. Womöglich ist in den Zeilen »And listen to our favourite song in the parking lot / And think of every person I ever lost in San Diego« sogar eine kleine Abschiedsnotiz an Tom DeLonge enthalten. Der nämlich verließ die Band im Jahr 2015 zehn Jahre, nachdem sich Blink-182 das erste Mal auflösten und er sein Wave-lastiges Projekt Angels & Airwaves startete, welches sich deutlich an der Klangsprache früher The Cure-Releases bediente. Mit dessen Frontmann hatte die Band 2003 auf ihrem selbstbetitelten Album für den Song »All of This« kollaboriert. 2012 sprach DeLonge in einer Radiosendung von The Cure als der Band, die sein Leben am meisten beeinflusst hätte und spielte daraufhin den Song Push vom Album The Head On The Door. Ob er sich beim Hören etwa auch nach den alten Zeiten in San Diego zurücksehnt?


9. Alkaline Trio – Mercy Me

Gesungen wurden die sehnsüchtigen Zeilen von »San Diego« dementsprechend nicht von Tom DeLonge, sondern vom neuen Blink-182-Mitglied Matt Skiba. Lange bewerben brauchte der sich vermutlich nicht. Mit seiner Band Alkaline Trio hatte der Gitarrist, der auch als Frontmann von The Sekrets aktiv ist, einen düsteren Pop-Punk-Sound perfektioniert, der zu Zeiten des selbstbetitelten Blink-182-Albums um dasselbe Publikum warb. Als Blink-182 sich im Jahr 2005 auflösten, war die Stunde des Alkaline Trios gekommen und sie wussten die Gelegenheit zu nutzen: Mit dem Album Crimson feierte die Band ihren endgültigen Durchbruch. Die Hit-Single »Mercy Me« trug einiges dazu bei.


10. Blink 182 – Bored To Death (Steve Aoki Remix)

Das Comeback von Blink war schon Überraschung genug, ein Steve Aoki-Remix toppte aber alles. Der EDM-Typ mit den Kuchenkanonen auf der Bühne versucht sich an Pop Punk? Seine Interpretation von Bored To Death vom Comeback-Album California ist dann aber doch recht zaghaft ausgefallen. Also, relativ zaghaft – für Aokis Verhältnisse. Warum ausgerechnet er? Der Zusammenhang lässt sich wieder über Rap-Musik und also Travis Barker herstellen: Der arbeitete 2011 an Kid Cudis Hit-Single Cudi The Kid mit – genau! – Steve Aoki zusammen. Und wenn diese Verbindung schon länger besteht, wird sie vielleicht auch in der Zukunft gepflegt – wer weiß? Obwohl wir uns die Pop-Punker von damals nun wirklich nicht auf der Bühne vom Tomorrowland vorstellen könnten.


Am 7. Oktober erscheint die Blink-182 Vinylbox und kann als Teil eines exklusiven Bundles mit Slipmat und Stickern jetzt vorbestellt werden:

Amazon: www.umgt.de/azjnoD

Saturn: www.umgt.de/zMZKMe


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