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Popkultur

Die musikalische DNA von R.E.M.

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1987 kürte das Magazin Rolling Stone R.E.M. als »Amerikas beste Rock’n’Roll-Band«. Dabei stimmt das doch eigentlich nicht: Mit muckerhaftem Rock’n’Roll hatte die 1980 gegründete Band aus Athens, Georgia doch wenig zu tun. Punk und Pop waren die Hauptkoordinaten der Gruppe, die damit den Grundstein für das legen sollten, was wir heute als Indie kennen. R.E.M. waren nie besonders laut, sie wurden aber gehört. Nicht nur intellektuelle Slacker wie Pavement, sondern auch junge Rebellen wie Nirvana nannten sie als Einfluss, mit Alben wie Automatic For The People feierten sie Welterfolge. Die 2011 aufgelösten R.E.M. waren also alles andere als eine typische Rock’n’Roll-Band. »Die sture Unorthodoxie der Gruppe sprach Kids an, die nicht dazu gehörten – die zu smart, zu unkonventionell, zu geeky, zu philosophisch, zu artsy waren«, schrieb Annie Zaleksi im Magazin Salon. Was den Sound dieser besonderen Band so besonders machte, erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


Höre dir hier unsere kuratierte Playlist an und lies weiter:


1. Patti Smith – So You Want To Be (A Rock’n’Roll Star)

Der Januar 1980 war nicht nur der erste Monat eines neuen Jahrzehnts, fast schien damit eine neue Zeitrechnung angebrochen zu sein. Der breitbeinige Sound der siebziger Jahre wurde schon vorher von Punk unterlaufen, kurz darauf wandten sich frische junge Bands den Synthesizern zu. An der Schwelle zum neuen Zeitalter trafen sich Michael Stipe und Peter Buck zwischen den Crates des Plattenladens Wuxtry Records in Athens, Georgia auf verschiedenen Seiten der Ladentheke. Buck verstand sich schnell bestens mit dem jungen Kunststudenten, der alle Platten aufkaufte, die der damalige Verkäufer für sich selbst reserviert hatte. Die waren von Television, The Velvet Underground und Patti Smith, der »Godmother of Punk«. 26 Jahre danach sollte Smith auf dem R.E.M.-Song E-Bow To The Letter zu hören sein und später ihren Gesang zum letzten Album der Band beisteuern. Im Januar 1980 aber wird vor allem der Song So You Want To Be (A Rock’n’Roll Star) von ihrem vierten Album Wave in der Luft gehangen haben. Stars wurden Stipe und Buck schon – Rock’n’Roll aber wurde dank ihnen erneuert.


2. The B52s – 52 Girls

Zuerst mussten die beiden sowieso Mitstreiter finden, was dem frischgebackenen Sänger Stipe am örtlichen College nicht schwer fiel: Mike Mills (Bass) und Bill Berry (Drums) komplettierten R.E.M. bald. Das Quartett musste sich nun nur noch auf die Suche nach einem eigenen Sound machen. Gar nicht so leicht, denn ihre Heimatstadt Athens konnte mit einer virilen Musikszene aufwarten, die etwa vier Jahre zuvor The B52s hervorgebracht hatte. Auch wenn sich deren Sound noch am ehesten aus dem klassischen Rock’n’Roll bezog und sich die vier Mitglieder der Band durch eine Exaltiertheit auszeichnete, gegen welche die frühen R.E.M. fast verschüchtert wirkten: Beide Bands teilten nicht nur die Herkunft, sondern scherten sich ähnlich wenig um das Männlichkeitsbild der vorangegangenen Generation. Die B52s ließen schon auf ihrem ersten Release einen Lobgesang auf die »girls of the USA« erklingen. Katie Pierson von den B52s übrigens war auf dem Mega-Hit Shiny Happy People vom Album Out Of Time zu hören. Ihre Wurzeln vergaßen R.E.M. selbst dann nicht, als sie schon internationale Stars waren.


3. The Rolling Stones – Under My Thumb

Bevor sie allerdings zu solchen wurden, veröffentlichten R.E.M. erst die Single Free Radio Europe, die zu ihrer Überraschung ein voller Erfolg wurde. Ganz klar: Dem musste ein Album folgen! Die erste LP erschien 1983 in Form von Murmur, benannt nach einem der sechs Worte in der englischen Sprache, welches am einfachsten auszusprechen ist – sagte damals zumindest Michael Stipe, der allerdings hin und wieder in Sachen Lyrics Widersprüchliches von sich gab. Ergaben seine Texte nun Sinn – oder reihte der charismatische Sänger schlicht Worte aneinander, wie er selbst oft in Interviews behauptete? Wir haben da eine Vermutung, sicher aber sind wir uns zumindest darüber, dass Murmur sich die Rolling Stones zum Vorbild nahm. »Der Gedanke war, eine Platte ohne Platzhalter zu machen«, sagte Peter Buck damals gegenüber dem Guardian. »So wie Aftermath von den Stones, wo jeder Song anders ist und trotzdem alles nach einer Teamleistung klingt.« Mission erfüllt, oder? R.E.M. legten schließlich auch eine ähnliche Experimentierfreude an den Tag wie die Stones, die etwa auf Under My Thumb eine Marimba einsetzten. Ein ähnlich ungewöhnliches Instrument im Rock-Universum spielte auch auf einem von R.E.M.s größten Hits die Hauptrolle: die Mandoline in Losing My Religion.


4. Wire – Strange

Die Stones waren nicht die einzige britische Band, welche R.E.M. in ihren Anfangstagen beeinflussten. Tatsächlich war es für die Band sogar leichter, in Großbritannien Fuß zu fassen: Nach Ende der neunziger Jahre zeigten die USA kaum noch Interesse an R.E.M., während die Verkäufe im UK stabil blieben. Dort war das Publikum ja aber auch an ebenso knackigen wie melodiösen Post-Punk von etwa Wire gewöhnt, die kurz nach dem Punk-Jahr 1977 dem Erbe der Sex Pistols ein bisschen mehr technisches Können und mitsingbare Refrains schenkten. Wire werden gemeinhin als einer der Haupteinflüsse von R.E.M. gezählt. Den Song »Strange« von Wires Durchbruchsalbum Pink Flag coverten R.E.M. auf Document. Zwischen all den Originalen – unter anderem dem Hit It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine) – fügte sich das Stück aber bestens ein.


5. Nick Drake – Northern Sky

Nicht, dass es R.E.M. in England immer besonders gut gegangen wäre. Als sie dort im Jahr 1985 ihr drittes Album Fables Of Reconstruction aufnahmen, hatten sie mit einigen Problemen zu kämpfen – allem voran natürlich mit dem britischen Essen und dem grausigen Klima. Ein Konzeptalbum über den US-amerikanischen Süden, das im Londoner Winter aufgenommen wurde? Kein Wunder, dass es nicht so richtig laufen wollte. Selbst schuld, denn die Band wollte unbedingt ihren Sound verändern und holte sich dafür auch den Produzenten Joe Boyd ins Boot. Der wiederum hatte zuvor überwiegend mit britischen Folk-Acts zusammengearbeitet, unter anderem Fairport Convention und niemand Geringerem als Nick Drake. Boyd hatte dessen legendäres Album Bryter Layter produziert, welches viel zu spät von der Weltöffentlichkeit bemerkt wurde. Obwohl R.E.M. ihre ganz eigenen Problemchen unter dem Northern Sky hatten, ihr musikalisches Feingefühl hatte sie nicht verlassen. Fables Of Reconstruction markierte einen Kurswechsel im Sound der Band, die von nun an mit mehr Instrumenten und reichhaltigen Arrangements experimente. Mehr Erfolg als Drake konnten sie übrigens ebenso verzeichnen: In den heimischen USA erreichte die Platte Gold-Status.


6. Big Star – Thirteen

À propos: Das einfühlsame und doch energische Gitarrenspiel von Peter Buck lässt sich auf viele Einflüsse zurückführen. Chuck Berry oder Country- und Folk-Artists nannte der Musiker selbst; oft wurde ihm auch attestiert, sich an den Byrds zu orientieren. Das allerdings stimmt nicht so ganz, wie er schon am Anfang seiner Karriere betonte. »Ich höre mir wohl häufiger die Musik von Leuten an, die von den Byrds gestohlen haben, als ich die Byrds höre«, hieß es trocken. Eine der Bands, die sich deutlich am melodischen Sound von Roger McGuinns zwölfsaitiger Gitarre orientierten, waren Big Star aus Memphis, Tennessee. »Rock’n’Roll is here to stay«, heißt es im Song Thirteen von ihrem Debütalbum #1 Record – dabei klangen sie doch viel sanfter als die Rock-Bands ihrer Tage. Die getragene Melancholie von Big Star hallt in R.E.M.-Songs wie »Everybody Hurts« oder »Nightswimming« wider, aber auch in den gitarrenlastigen Stücken ist der Einfluss von Big Star merklich.


7. New York Dolls – Personality Crisis

Was R.E.M. zu ihrer noch mehr von den vorangegangenen Rock-Bands unterschied als ihr Sound allein war die Tatsache, dass diese Band in 31 Jahren ohne Skandale auskam. Keine zerstörten Hotelzimmer, keine Groupies, keine öffentlichen Zankereien. Selbst als Drummer Bill Berry nach 17 Jahren die Band verließ, geschah dies in aller Freundschaft. Er musste die verbliebenen drei Mitglieder geradezu dazu zwingen, als R.E.M. weiterzumachen! Hin und wieder setzte sich Berry, der seine Entscheidung zwei Jahre nach einem Zusammenbruch auf der Bühne in Folge eines Hirnaneurysmas traf, doch wieder hinter das Drumkit seiner alten Band. So auch, als sie 2007 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurden. Sie wollten bei Gründung von R.E.M. immer schon mal in New York spielen, erinnerte sich Michael Stipe in seiner Dankesrede. »Ich denke, heute Abend haben wir das geschafft!«. Eine Band, die der Stadt mit ihrem Namen Tribut zollte, war ein maßgeblicher Einfluss für R.E.M.: Mit ihrem Song Crush With Eyeliner zollten sie den New York Dolls Tribut, welche mit ihrer Mischung aus Glam Rock-Attitüde und (Proto-)Punk-Energie insbesondere für die Rhythmussektion – bestehend aus Mike Mills am Bass und Drummer Berry – den Takt vorgab.


8. The Velvet Underground – Pale Blue Eyes

Auf eine andere New Yorker Legende konnten sich bei R.E.M. alle einigen: The Velvet Underground waren ein musikalischer Eckpfeiler in der Bandsozialisierung. Die Mischung aus dröhnender Repetition, Pop-affinem Songwriting und den Lyrics von Lou Reed (und Nico!) war schließlich nicht nur Ende der sechziger Jahre bahnbrechend, sondern wirkte noch lange nach. R.E.M. coverten das Stück Pale Blue Eyes von The Velvet Undergrounds selbstbetiteltem Album. Derweil die Verbindung zwischen beiden Bands recht eindeutig scheint, beklagte sich R.E.M. während seiner Karriere darüber, dass sie nie auf die musikalische Geistesverwandtschaft angesprochen worden sein. »Niemand vergleicht uns mit Velvet Underground«, sagte er in einem Interview. »Ich denke aber, dass wir ziemlich nach den Velvets klingen – nicht wie etwa Dream Syndicate [ein frühes experimentelles Projekt von John Cale, Anm. d. Red.], aber meine Gitarrenparts sind sehr velvetig – droneig und doch melodisch.« Der Song blieb übrigens nicht der einzige, den R.E.M. von The Velvet Underground coverten. Was übrigens Lou Reed so sehr freute, dass er Michael Stipe regelmäßig dafür dankte. Dabei hat der doch gerade als Texter viel von Reed und seiner Band gelernt!


9. Wanda Jackson – Funnel Of Love

Wo wir schon bei Traditionslinien sind, die im Klang von R.E.M. ständig übersehen wurden: Michael Stipe zeigte sich pikiert, dass ein anderer Einfluss völlig unterschätzt wurde. »Niemand ist je auf unser Country-Ding eingegangen«, sagte er in einem Interview. »Dabei ist mein Gesang von Country-Sängern, vor allem aber Frauen beeinflusst: Patsy Cline, Skeeter Davis, Kitty Wells, Wanda Jackson.« Dabei überrascht vor allem die Nennung von Wanda Jackson, deren berühmtester Song neben Let’s Have A Party wohl Funnel Of Love ist, ein treibender und fast psychedelischer Song mit viel Blues im Blut. Was aber Jacksons durchdringende Stimme mit dem fragilen Gesang Stipes zu tun hat? Vielleicht hat er bei der – mittlerweile wieder hyperaktiven – Jackson gelernt, dass Charakter vor Schönheit geht. Stipes markantes Zittern, sein fast kieksender Ton – wie viel ärmer würden R.E.M. doch ohne diese Besonderheiten klingen! Mit Stipes Stimme hielt eine Verletzlichkeit in die Rock-Musik Einzug, die dort dringend vonnöten war. Dank dafür gilt der Queen of Rockabilly Wanda Jackson!


10. Radiohead – No Surprises

Diese Verletzlichkeit war es auch, die vielen nachfolgenden Bands den Mut gab, sich ähnlich offen auf der Bühne zu präsentieren. In den USA waren das etwa Nirvana – vor seinem Suizid plante Kurt Cobain eine Kollaboration mit Michael Stipe! – und im UK Radiohead, die 1996 von der Band als Support für die Tour zum Album Monster ausgewählt wurden. Eine große Ehre für Radiohead, aber auch ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere – und eine maßgebliche Inspiration für Sänger Thom Yorke. »Wenn ich ‘Finest Worksong’ höre, fühle ich mich, als wäre ich drei Meter groß und könnte alles plattwalzen, was mir in den Weg kommt«, notierte er während der Tour in seinem Tagebuch. »Im Umkleideraum (eigentlich eine Toilette) spiele ich allen einen neuen Song vor. Er heißt No Surprises Please.« Der Song war eines der Herzstücke auf Radioheads unsterblichem Album OK Computer, mit dem die Band für den von R.E.M. geprägten Indie-Rock das tat, was diese zuvor für den Rock bedeuteten: Sie warfen alle Konventionen über den Haufen. Nicht nur der Wille zur musikalischen Grenzüberschreitung jedoch, sondern auch das politische Engagement R.E.M.s lebt in der britischen Band weiter.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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