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Popkultur

Zeitsprung: Am 24.11.1972 erscheint „Doremi Fasol Latido“ von Hawkwind.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.11.1972.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 24. November 1972 erscheint das dritte Hawkwind-Album Doremi Fasol Latido. Zum ersten Mal als Bassist an Bord: Ian „Lemmy“ Kilmister. Mit The Watcher steuert er sogar einen Song zur Platte bei – und recycelt ihn später für Motörhead.

Hier könnt ihr euch Doremi Fasol Latido anhören:

Nachdem Hawkwind sich mit ihrem Stil-definierenden zweiten Album In Search Of Space 1971 als trippige Sci-Fi-Rocker etabliert haben, soll kurz darauf eine runderneuerte Rhythmussektion für den nächsten qualitativen Hyperraumsprung sorgen. Dass Ian „Lemmy“ Kilmister dadurch zu seiner ikonischen Rolle als Rickenbacker-malträtierender Bassist kommt, könnte auch in die Kategorie „kosmische Scherze“ fallen. Zum genaueren Pointen-Verständnis bedarf es diesmal ein bisschen mehr Vorgeschichte.

„Ich spiele einfach nicht wie ein Bassist.“

Los geht alles mit dem unvermittelten, LSD-bedingten Verschwinden von Hawkwind-Leadgitarrist Huw Lloyd-Langton. Dessen plötzliche Abwesenheit lässt Lemmy hoffen, seine Position übernehmen zu können. Hawkwind-Oberhaupt und Gitarrist Dave Brock hat sich allerdings schon dafür entschieden, selber das Lead-Spiel zu übernehmen und auf einen zweiten Gitarristen zu verzichten. Lemmys Tag kommt trotzdem. 

Als kurz vor einem Hawkwind-Gig im August 1971 auch noch deren damaliger Bassist Dave Anderson nicht auftaucht, springt Kilmister in die Bresche und bleibt fortan der neue Mann am Viersaiter. „Ich spiele einfach nicht wie ein Bassist“, bringt Lemmy seinen durchaus unorthodoxen Stil später auf den Punkt. „Deshalb gibt es ab und an Beschwerden über mich. Es ist so, als hätte man keinen Bassisten, sondern einen Gitarristen, der sehr tief spielt.“ Im unkonventionellen Klangkosmos von Hawkwind stellt dies allerdings kein großes Problem dar.

Haben gut lachen: Hawkwind im April 1972. Wer findet Lemmy? – Pic: Jorgen Angel/Redferns/Getty Images

Später führen Schwierigkeiten mit Schlagzeuger Terry Ollis dazu, dass Lemmy seinen Kumpel Simon King empfiehlt. Nach einer kurzen Testphase im Doppel-Drummer-Modus wird King zum neuen Hawkwind-Taktgeber. Beim ersten gemeinsamen Gig am 13. Februar 1972 schreibt die frischgebackene Rhythmussektion dann auch gleich Bandgeschichte: Die dort mitgeschnittene Aufnahme von Silver Machine, welche Kilmister nachträglich im Studio mit seinem Leadgesang veredelt, beschert Hawkwind ihren größten Single-Hit (Platz Nummer 3 in England) und einen Auftritt in der renommierten TV-Show Top Of The Pops.

Auf zu neuen Galaxien

Hätte man heutzutage wohl ein ganzes Album um jenen Single-Erfolg herumgestrickt, gelten in den idealistischen Siebzigern scheinbar noch andere Gesetze. So gehen die alten Hippie-Querköpfe und Freigeister von Hawkwind komplett anders an das Thema Folgeplatte heran: Auf dem nächsten Album Doremi Fasol Latido fehlt von Silver Machine jegliche Spur.

Stattdessen setzen Hawkwind lieber auf herrlich flirrende, wirre Weltraum-Soundlandschaften und sphärische Konzepte. Bereits der Titel des über elfminütigen Openers Brainstorm ist wörtlich zu nehmen, entfacht der pluckernde Track doch einen Sog wie ein Schwarzes Loch. Woanders hallt wie in Space Is Deep noch der folkloristische Sternenstaub des Sommers der Liebe nach, während Flöte und Saxofon mit Dik Miks Synthesizern um die Wette tönen. Kilmister und King sorgen im Hintergrund für den nötigen Druck. Mit der ungewohnt ruhigen Lemmy-Komposition The Watcher findet sich zum Abschluss gar ein Song auf Doremi Fasol Latido, den Lemmy später in einer deutlich rockigeren Version für das Motörhead-Debüt (1977) recyceln soll.

Die Früchte des Chart- und anschließenden Tour-Erfolges von Doremi Fasol Latido kosten Hawkwind mit ihrem essentiellen Live-Doppelalbum Space Ritual: Alive In Liverpool And London (1973) voll aus. Selbst in seiner Konzert-Konservenform stellt jenes Album ein psychedelisches Space-Rock-Manifest erster Güte dar. Aber auch das ist wieder mal eine ganz andere Geschichte.

Zeitsprung: Ab 29.10.1992 kämpft Lemmy als Computer-Spielfigur.

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