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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.7.2015 steht Glenn Frey zum letzten Mal mit den Eagles auf der Bühne.

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Glenn Frey und Don Henley im März 2015 in Australien - Foto: Don Arnold/WireImage/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.7.2015.

von Christian Böhm und Christof Leim

Die Hölle musste zufrieren und auftauen, um diese Konzerte zu ermöglichen. Nach 14 Jahren „Urlaub“ waren die Eagles 1994 auf die Bühne zurückgekehrt und hatten damit ihre zweite Bandphase eingeleitet. Am 29. Juli 2015 spielen sie allerdings die letzte Show mit Glenn Frey, der nur sechs Monate später verstirbt. Doch obwohl der Tod ihres Frontmannes die anderen Mitglieder schockiert zurück- und zunächst das Ende verkünden lässt, setzt die erfolgreiche Band ihren Weg fort – mit Freys Sohn Deacon an Gitarre und Gesang.

Hört hier das legendäre Album Hotel California von den Eagles:

Bossier City, Louisiana: Don Henley und Glenn Frey betreten die Bühne des CenturyLink Center. Das Stadion ist voll, die Show ausverkauft. Den Song Saturday Night intonieren die beiden Hauptakteure der Eagles zu zweit und rein akustisch. Wir schreiben das Jahr 2015 und befinden uns auf dem letzten Konzert der History Of The Eagles-Tour.

Das Konzert

Nach dem Duoeinstand folgt mit Train Leaves Here This Morning ein Coversong von Dillard & Clark, mit Peaceful Easy Feeling einer der eigenen Hits. Dazu kommen Bassist Timothy B. Schmit und der ehemalige Mitmusiker Bernie Leadon auf die Bühne, das Ganze passiert noch immer unplugged. Dann wird es lauter: In kompletter Besetzung spielt die Band unter anderen die Klassiker Witchy Woman, Tequila Sunrise, Already Gone und One Of These Nights.

Bei Take It To The Limit, Love Will Keep Us Alive sowie Life In The Fast Lane trommelt Scott Crago, der seit 1994 bisweilen am Schlagzeug sitzt, wenn der angestammte Drummer (und Sänger) Don Henley vorne am Bühnenrand steht. Auch die Songs von Gitarrist Joe Walsh In The City und Rocky Mountain Way erhalten das rhythmische Fundament an diesem Abend von Crago.

27 Songs und viele Klassiker

Mit Funk #49 folgt ein Lied von Walshs alter Band James Gang, das die Eagles schon länger in ihrem Kanon haben, und natürlich fehlen weder Hotel California noch Take It Easy auf der satte 27 Songs zählenden Setlist. Bei den Fans dürften da wenige Wünsche offen bleiben. Mit Desperado endent schließlich dieser Abend und die Tour. Keiner ahnt, dass es das letzte Mal sein wird, dass die Eagles in dieser Besetzung aufgetreten sind. Und schon gar nicht, dass dies beinahe die allerletzte Show der Eagles ist. 

Das Poster zur Tour: History Of The Eagles

Die History Of The EaglesTour, die in Louisiana zu Ende geht, lässt sich als Erfolg verbuchen, und das gilt auch für die vorherigen 21 Jahre, die den besagten zweiten Teil der Bandgeschichte darstellen. 1980 hatten sich die Eagles getrennt, 1994 fanden sie wieder zusammen. Nach der Auflösung, die nicht für alle versöhnlich verläuft, reden einige Bandmitglieder jahrelang kaum oder gar nicht miteinander. Nachfragen nach einer Reunion gibt es viele, aber manche der Musiker sind so zerstritten, dass die geflügelten Worte aufkommen, die Hölle müsse es erst gefrieren, bevor man sich wieder gemeinsam auf die Bühne stelle. So entsteht der Name der schlussendlich doch stattfindenden Reuniontour: Hell Freezes Over. 

Der lange Weg zurück

Vor allem bei Gründungsmitglied Frey müssen Manager Irving Azoff und die anderen Bandmitglieder ihre Überredungskünste schulen, hatte er doch eine eigene Karriere eingeschlagen mit erfolgreichen Soloalben und als Schauspieler (in diesem Metier erfolgreich etwa seine Gastrolle in Miami Vice, ein totaler Flop hingegen die Serie South Of Sunset). 1990 hatten sie ihn fast soweit: Eine Studiosession war gebucht, um neue Songs aufzunehmen. Alle warteten auf den Gitarristen, doch der erscheint nicht, sondern schickt sein Management vor, um telefonisch abzusagen. Glenn war noch nicht bereit für die Eagles.

Das Tribute-Album Common Thread: The Songs Of The Eagles erweist sich dann als überzeugend genug: Der Country-Musiker Travis Tritt interpretiert Take It Easy und will dazu ein Video drehen. Darin will auch Frey neben seinen alten Freunden mitwirken. Es läuft so gut, dass die ehemaligen Eagles danach bereit sind, das Angebot einer MTV-Unplugged-Show anzunehmen. Als Don Henley dort eine ganze Strophe des neuen Songs Learn To Be Still vergisst und alle in Gelächter ausbrechen, wird allen klar, dass es an der Zeit ist weiterzumachen. Die Hölle ist überfroren, das Eis gebrochen.

Der Film

Die erste Show der Konzertreise 1994 eröffnet Frey mit seinem typischen Humor: „Wir haben uns nicht aufgelöst, wir waren nur 14 Jahre im Urlaub.“ Die Tour läuft hervorragend und wird verlängert, doch es gibt es eine Schattenseite: Wegen einer Dickdarmerkrankung Freys muss sie unterbrochen werden. Vieles von alledem ist zu sehen in dem Dokumentarfilm, der zu der von 2013 bis 2015 andauernden Tour erscheint und den gleichen Titel trägt: History Of The Eagles – The Story Of An American Band. Gleich in der ersten Szene stellt Henley klar, dass man den Job des Rockmusikers nicht ewig machen kann. Ihr Manager erklärt, ein Teil seines Jobs bestand darin, die Band nicht auseinanderfallen zu lassen. 

Eigentlich wollen die Eagles nach der dieser ersten Reunionrutsche schon Schluss machen, aber dann funktioniert es gut und die Ideen sprudeln aus den inzwischen nüchternen Köpfen (denn mittlerweile gibt es im Gegensatz zu früher weder Alkohol noch Drogen bei Konzerten, Proben oder sonstigen Band-Gelegenheiten). Also entsteht ein weiteres Album: 2007 erscheint Long Road Out Of Eden, die erste Studioplatte nach 28 Jahren.

Der Vater und der Sohn

Doch dann der Schock: Am 18. Januar 2016 stirbt Glenn Frey an den Komplikationen einer Operation. Seine Gesundheit leidet schon seit längerem, die Dickdarmentzündung ist inzwischen chronisch, dazu kommt eine Arthritis. Bei den im Februar folgenden Grammy-Festivitäten verkündet Don Henley dann , dass die Band ohne Glenn Frey nicht möglich sei – nachdem er mit Walsh und dem alten Freund der Band Jackson Browne Take It Easy als Tribut für den Verstorbenen gespielt hatte. In weiteren Interviews bekräftigt er dies. Bis er es sich anders überlegt…

2017 bestätigt die Band, dass es weitergeht. An Glenn Freys Stelle steigen gleich zwei Künstler ein: zum einen der bekannte Countrysänger Vince Gill, zum anderen Deacon Frey, Glenns Sohn. Als letzterer Peaceful Easy Feeling auf der Beerdigung seines Vaters spielte, zeigten sich die verbleibenden Musiker so gerührt, dass sie ihm den Einstieg anboten. Im Interview sagt Don Henley: „Die einzige Art und Weise, wie sich das gerechtfertigt für mich anfühlte, war die Blutlinie in der Band zu haben“. Und so tritt der junge Deacon in die großen Fußstapfen seines Dads.

Deacon Fry und Joe Walsh im Sommer 2019 in London – Foto: Harry Herd/Redferns/Getty Images

Und so spielen die Eagles weiter. Eine Tour 2019 soll angeblich nochmals ihre letzte sein – und wieder stimmt das nicht. 2020 veröffentlichen sie mit Live From The Forum MMXVIII einen Konzertmitschnitt (den ersten, auf dem Deacon und Vince zu sehen sind)  und kündigen weitere Konzerte an, aber die Corona-Pandemie zerschießt diese Pläne. Die Geschichte dieser großen amerikanischen Band ist womöglich noch nicht vorbei…

Zeitsprung: Am 27.10.1993 will Glenn Frey (Eagles) mit „South Of Sunset“ TV-Star werden.

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