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Popkultur

Ein Mann, eine Band – Die Eagles-Legende Glenn Frey

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Koteletten, so breit wie zwei Landebahnen, schulterlange Haare, lässig die Sonnenbrille hineingeschoben und dann dieser Rocker-Schnurrbart, der sich halbmondförmig um den Mund zieht und bei jedem Lachen auseinander driftet: Kaum einem standen die 70er besser als Glenn Frey, Leadsänger und Gitarrist der Eagles. Auf einer Aufnahme von 1977 sieht man Frey den selbstgeschriebenen Eagles-Hit Take it Easy performen. Die Les Paul in angenehmer Höhe umgelegt, im University of Colorado Shirt und mit Schweißbändern an den Armen singt sich Frey die Seele aus dem Leib. Immer wieder grinst er breit und schaut fast ein wenig ungläubig auf die wogende Masse aus Fans. Die sind allesamt ebenfalls langhaarig und singen und feiern, viele sitzen auf den Schultern ihrer Freunde, einige ziehen am Kräuterpfeifchen. Peace, Love und Take it Easy.

Take it easy, take it easy

Don’t let the sound of your own wheels drive you crazy

Lighten up while you still can

Don’t even try to understand

Just find a place to make your stand, and take it easy

Kaum einer weiß, wie viel Arbeit hinter diesen lässigen Auftritten steckte.

Ein Energiebündel, die treibende Kraft hinter den Eagles, ambitioniert und höllisch talentiert: So erinnern sich Freunde und Kollegen an den Eagles-Frontmann Glenn Frey, der mit 67 Jahren im Januar 2016 viel zu früh verstorben ist.



California Sunny Boy aus Detroit, Michigan

Die Geschichte dieses Mannes ist aufs Engste mit jener der Eagles verknüpft, die Band ist gewissermaßen sein Lebenswerk. Längst überfällig sind darum die beiden am 11. Mai erscheinenden Best-Of-Formate, das Frey nun die verdiente Würdigung verschaffen. Above The Clouds: The Collection und Above The Clouds: The Very Best of Glenn Frey vereinen alles, was Fans von Eagles und Freys weniger bekannten Solowerken sich wünschen.

Mochte Frey noch so hervorragend den California Sound und Style verkörpern: Geprägt hat ihn ebenso sehr seine Heimatstadt Detroit. In der Autostadt im Norden tummelt er sich schon als Teenager in der Musikszene, hörte Motown und versuchte sich in seinen ersten Bands. Früh wechselte er von Piano zur Gitarre, seine Leidenschaft galt von da an stets der Akustikvariante.

Die Anfänge der Eagles

Frey ist kein Musterschüler aber er geht aufs Community College und lernt dort zu singen. Ende der 60er Jahre trifft er den Musiker Bob Seger, der einige Jahre älter ist und zu einer Art Mentor für Frey wird. Die beiden schreiben Songs zusammen und Seger lässt den jungen, überaus talentierten Frey auf Aufnahmen mitspielen. Die Beiden verbindet bis zum Tod Freys eine tiefe Freundschaft.

Nach Los Angeles verschlägt es Frey schließlich eher der Liebe wegen, er reist seiner Freundin hinterher, der Sängerin Joan Sliwin. Mit J.D. Souther, den Frey über seine Partnerin kennenlernt, gründet er eine Folkrock-Band namens Longbranch Pennywhistle. Mag das einzige Album der Band aus dem Jahr 1969 auch vergleichsweise wenige Hörer gefunden haben: Die Anfänge des unverschämt eingängigen Country Rock der Eagles kann man auch hier schon bestaunen (Das Album ist übrigens Teil des Above The Clouds Packets).

1970 schließlich lernt Frey den Drummer Don Henley kennen, beide kommen beim selben Label unter und hängen oft im legendären Troubadour-Club in West Hollywood herum. Kaum verschiedener könnten die neuen Bandkollegen sein: Frey, das sorglose Arbeiterkind aus Michigan, trotz Ehrgeiz stets entspannt, und Henley, ein verkopfter Literaturstudent aus Texas, schüchtern und verträumt.

Randy Meisner und Bernie Leadon komplimentieren die Gruppe, letzterer wurde 1975 durch Joey Walsh ersetzt: Die Eagles waren geboren. Angeblich folgte der Name einer Tequila-durchtränkten Nacht in der Mojave Wüste, wo die Musiker echte Adler beobachtet hatten.



Sechs Alben, Touren, Backstage-Gelage

Es folgten zehn Jahre Thrillride: Sechs Alben, musikalische Megaerfolge, Tour über Tour, rauschende Parties im Backstagebereich, gefolgt von intensiven Arbeitsperioden in großer Abgeschiedenheit. Frey konnte wunderbar Songs mit Henley schreiben, und auch wenn es immer wieder Spannungen zwischen den Beiden gegeben hat, harmonierten sie perfekt als künstlerisches Team.

Nach der Trennung der Eagles 1980 gingen die Vier augenscheinlich verschiedener Wege, doch sie blieben freundschaftlich eng verbunden und unterhielten regen Kontakt zueinander.

Um Frey wurde es etwas ruhiger, er heiratete Mal (1983 und 1990), mit seiner zweiten Frau Cindy Milican bekam er drei Kinder. Außerdem versuchte sich Frey als Schauspieler in Serien und Filmen und schrieb darüber hinaus erfolgreiche Songs für Filme, zum Beispiel für den Blockbuster Beverly Hills Cop mit Eddie Murphy (The Heat is On). Zwei Songs aus seiner Solozeit wurden Nr. 2 Hits, seine fünf Soloalben wurden wohlwollend aufgenommen.



Eagles: Glenn Freys Band

Auch nach der Eagles-Reunion machte Frey als Solokünstler weiter, zudem gründete er eine Plattenfirma und wurde 2012 Ehrendozent am Berklee College of Music in Boston.

Das Herzstück ist und bleibt seine Arbeit mit den Eagles. Sein Tod im Januar 2016 durch Komplikationen während einer Operation war für Fans und Bandkollegen ein Schock. Zwar hatte Frey seit Jahren mit Arthritis und einer chronischen Darmerkrankung zu kämpfen, doch die Operation schien verhältnismäßig harmlos.

Freys Freund und Eagles-Kollege Don Henley sagte nach dessen Tod gegenüber der „Washington Post“: „Ich kann mir nicht vorstellen, ohne den Mann aufzutreten, der die Band gegründet hat“. Die Eagles, das sei doch immer Glenn Freys Band gewesen.



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