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Zeitsprung: Am 12.7.1950 kommt Kiss-Drummer Eric Carr zur Welt.

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Eric Carr
Eric Carr live mit Kiss. Erst 1983 ließ der Fuchs die Maske fallen. (Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images)

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.7.1950.

von Matthias Breusch und Christof Leim

Bis zu seinem frühen Krebstod steht Eric Carr elf Jahre lang mit Kiss im Rampenlicht. Sein Aufstieg ist eine typisch amerikanische Geschichte: vom Installateur zum Millionär. Am 12. Juli hätte er Geburtstag gefeiert.

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Hört hier Creatures Of The Night, mit Eric Carr an den Drums:

Eric kommt am 12. Juli 1950 unter seinem Geburtsnamen Paul Caravello in Brooklyn, New York zur Welt. Er gehört zu der Generation, die in den Sechzigern und Siebzigern Jahren die farbenprächtige Explosion der modernen Musik miterlebt. 1964 ist er Beatles-Fan und verehrt deren Drummer Ringo Starr. „Ein Onkel hat mir ein Schlagzeug geschenkt, als ich sieben oder acht war. Ich hab einfach drauf rumgehauen und es kaputtgemacht“, erzählt er 1989 im Interview eines Kiss-Fanclubs. „Ich konnte nichts damit anfangen. Erst als die Beatles groß rausgekommen sind, hat es mich so richtig gepackt.“

Ein Mann mit Werkzeug

Dank seiner künstlerischen Talente besucht Paul Caravello die Highschool of Art and Design. Zunächst will er Comiczeichner werden, später legt er seinen Schwerpunkt auf Fotografie. Aber ein weitergehendes Studium ist nicht drin. Wie vielen anderen Musikern seiner Generation wird ihm wenig geschenkt. Nach dem Abschluss verdient er sich den Lebensunterhalt jahrelang bei seinem Vater, einem gelernten Ofensetzer und Installateur, der alle möglichen handwerklichen Arbeiten anbietet. Paul entpuppt sich nebenbei als begabter Estrichleger.

Zur Gattung des neureichen Emporkömmlings gehört er nie. Selbst als sich auf seinem Kiss-Konto dicke Guthaben stapeln, hat er stets seine Werkzeugkiste parat und lässt es sich nicht nehmen, defekte Gasheizungen eigenhändig zu reparieren. Bis er 30 ist und über Nacht zum Rockstar avanciert, muss er sich nicht nur beim Trommeln jederzeit auf sein Handwerk verlassen können, um überleben zu können. Auch sein Verhältnis zu den Anhängern ist ein völlig anderes als das der Kollegen: Unter anderem beantwortet er regelmäßig persönlich Berge von Fanpost.

Flucht aus der Todesfalle

Dass er überhaupt noch eine Chance bekommt, gleicht einem kleinen Wunder. Ende Juni 1974 hat er einen Auftritt mit seiner Band The Creation, ehemals Salt & Pepper, einem stilistisch vielfältigen Projekt aus schwarzen und weißen Musikern. Während eines Gigs in Port Chester, nördlich von New York City, legt ein Brandstifter im Nebengebäude Feuer.

Das Souterrain des Clubs, wo die Band vor rund 200 Leuten spielt, wird zur Todesfalle. Zusammen mit einer Sängerin gelingt Paul in letzter Sekunde die Flucht. Unter den 24 bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Opfern sind auch zwei seiner Freunde. Das Trauma dieses Unglücks beschäftigt ihn noch lange. Finanziell geht es ihm schlecht, viele Gagen sind Hungerlöhne. Er hält sich als Lieferwagenfahrer und Möbelpacker über Wasser.

Träumen in Neon-Orange

Dass aus Paul Caravello Eric Carr wird, kommt eher zufällig zustande, denn Kiss-Fan ist er keineswegs. Er liebt Soul und Funk und bewundert John Bonham, den Drummer von Led Zeppelin. Als Kiss 1980 per Zeitungsannonce nach einem Nachfolger für Peter Criss suchen, verschafft er sich mit einem simplen Trick Aufmerksamkeit im Büro von Kiss-Manager Bill Aucoin: Er steckt seine Bewerbung in einen grell orange leuchtenden Umschlag – und wird tatsächlich zum Vorspielen eingeladen. Eine Mitarbeiterin aus Aucoins Büro erzählt später, dass sie tatsächlich wegen der auffälligen Farbe zugegriffen habe.

Beim Test fällt allerdings eher die Band durch: Die Herren Helden haben ihre eigenen Songs nach jahrelanger Livedarbietung ein bisschen anders in den Fingern oder nicht mehr richtig drauf, müssen also von ihrem Bewerber mehrfach daran erinnert werden, wie die Parts im Original auf den Platten laufen. „Wir haben praktisch gleich zu arbeiten begonnen. Das hat sie offenbar beeindruckt.“

Die Frisur stimmt

Abgesehen von seinem modernen, kraftvollen Schlagzeugspiel und seinem positiven, lebensfrohen Auftreten spielt allerdings auch seine prächtige Mähne den Ausschlag dafür, dass der Außenseiter den Job bei der selbsternannten „größten Band der Welt“ bekommt. Ein Statement von Paul Stanley spricht für sich: „Nun, der Typ kann spielen. Aber vor allem die Frisur stimmt. Alles, was er braucht, ist ein anderer Name.“ Denn einen Paul hat die Band ja bereits.

Kiss

Das Haar muss sitzen, möglichst raumgreifend: Eric Carr (r.) und Kiss zu Zeiten von „Animalize“ 1984 (Foto: Casablanca/Promo)

Außerdem stellt das Management dem Neuen einen Porsche als Dienstwagen vor die Tür. Es sei auf keinen Fall akzeptabel, dass Eric einen uralten Gebrauchtwagen vor dem Proberaum von Kiss parkt. Doch der hat allerdings nix als Ärger mit der noblen Kiste.

Das Monster erwacht

Zu diesem Zeitpunkt ihrer Geschichte gelten Kiss längst nicht mehr als cool. Ihre großen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Aber als Eric seine Doppel-Bassdrum-Burg am 25. Juli 1980 auf der Bühne des New Yorker Palladiums aufbaut, wo die Livepremiere der neuen Besetzung stattfindet, weht ein neuer Wind. Sein ausgefeilter Kraftfutterstil, der auch optisch einiges hermacht, lässt Vorgänger Peter Criss geradezu altbacken wirken und beschert den Kiss-Klassikern eine spürbare Belebung. Erics Biograf Greg Prato zitiert einen Konzertbesucher: „Peter Criss hatte seine Momente. Aber Eric war ein Monster. Er trieb die Band an. Er war eine Maschine, ergänzte die Songs aber auch mit allerlei kleinen Extras. Wo er hinlangte, entstand etwas Besonderes.“

Wie die anderen Bandmitglieder auch, geht Eric anfangs nur markiert auf die Bühne. Sein Charakter: Der Fuchs. Glücklicherweise wird die erste Idee abgelehnt: Was ein Falke sein soll, erinnert eher an ein langhaariges Huhn. Zur Veröffentlichung von Lick It Up (1983) legen Kiss dann öffentlichkeitswirksam die Schminke ab.

Ein Talent, vier Instrumente

Erics Händchen für rhythmische und musikalische Elemente kommt nicht von ungefähr. Noch vor den Drums hat er Gitarre gelernt; er spielt passabel Klavier und besitzt eine volle Singstimme, ähnlich wie Roger Taylor, der Schlagzeuger von Queen.

In den Jahren nach seinem Einstieg beim Kiss erlebt er die reinste Achterbahnfahrt. Auf der allerersten Kiss-Australien-Tour 1980 werden die Bandmitglieder wie Götter gefeiert – für Eric ein optimaler Start, denn die dortigen Fans haben Peter Criss nie live erlebt. Gleich danach geht es in den Keller: Mit dem überambitionierten Konzeptalbum (Music From) The Elder von 1981 wird niemand glücklich, ab 1982 und Creatures Of The Night arbeiten Kiss sich wieder nach vorne. Auch die besagte Demaskierung findet nicht überall Freunde. Für Abwechslung ist dennoch immer gesorgt: Auf dem modischen Zenith der Achtziger ersaufen Videoclips wie Who Wants To Be Lonely in Neonfarben.

Der eigene Song

Auch als Songwriter hinterlässt er Spuren, wenngleich natürlich die beiden Chefs Gene Simmons und Paul Stanley die Zügel fest in der Hand halten. Im Laufe der Jahre kommen einige Kiss-Nummern zusammen, die Eric als Verfasser aufführen. Sein ganzer Stolz ist Little Caesar auf Hot In The Shade (1989), das er praktisch im Alleingang einspielt: als Leadsänger, Bassist, Drummer und Rhythmusgitarrist. Live kommt die Nummer allerdings nur ein einziges Mal zum Einsatz. 1982 komponiert er außerdem zusammen mit Bryan Adams den Song Don’t Leave Me Lonely für dessen Hitalbum Cuts Like A Knife.

Erics letzter Einsatz in voller Albumlänge bleibt Hot In The Shade (1989), an den Aufnahmen von Revenge (1991) kann er schon nicht mehr teilnehmen und lediglich beim Videoclip zu God Gave Rock’n’Roll To You II mitspielen. Da muss er bereits eine Perücke tragen, denn Eric Carr leidet an Krebs.

Im Schatten von Freddie Mercury

Trotz seiner Fähigkeiten und Erfolge stempelt ihn die Ironie der Geschichte am Ende zumindest in der medialen Aufmerksamkeit am Ende leider zum Nebendarsteller: Paul Caravello alias Eric Carr stirbt am 24. November 1991 mit nur 41 Jahren – am selben Tag wie Queen-Legende Freddie Mercury.

Damit liegt die Hauptaufmerksamkeit der musikaffinen Menschen und Medien natürlich nicht beim Kiss-Drummer. Dass die US-Ausgabe des Rolling Stone allerdings den Tod von Eric Carr komplett ignoriert, geht Paul Stanley so gegen den Strich, dass er einen ebenso spitzzüngigen wie wütenden Brief schreibt. Seinem Schlusswort möchten wir uns an Erics Geburtstag anschließen: „We loved him, the fans loved him, and he will never be forgotten.“ Rest in peace, Eric Carr.

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

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„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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