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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.7.1950 kommt Kiss-Drummer Eric Carr zur Welt.

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Eric Carr
Eric Carr live mit Kiss. Erst 1983 ließ der Fuchs die Maske fallen. (Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images)

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.7.1950.

von Matthias Breusch und Christof Leim

Bis zu seinem frühen Krebstod steht Eric Carr elf Jahre lang mit Kiss im Rampenlicht. Sein Aufstieg ist eine typisch amerikanische Geschichte: vom Installateur zum Millionär. Am 12. Juli hätte er Geburtstag gefeiert.

Hört hier Creatures Of The Night, mit Eric Carr an den Drums:

Eric kommt am 12. Juli 1950 unter seinem Geburtsnamen Paul Caravello in Brooklyn, New York zur Welt. Er gehört zu der Generation, die in den Sechzigern und Siebzigern Jahren die farbenprächtige Explosion der modernen Musik miterlebt. 1964 ist er Beatles-Fan und verehrt deren Drummer Ringo Starr. „Ein Onkel hat mir ein Schlagzeug geschenkt, als ich sieben oder acht war. Ich hab einfach drauf rumgehauen und es kaputtgemacht“, erzählt er 1989 im Interview eines Kiss-Fanclubs. „Ich konnte nichts damit anfangen. Erst als die Beatles groß rausgekommen sind, hat es mich so richtig gepackt.“

Ein Mann mit Werkzeug

Dank seiner künstlerischen Talente besucht Paul Caravello die Highschool of Art and Design. Zunächst will er Comiczeichner werden, später legt er seinen Schwerpunkt auf Fotografie. Aber ein weitergehendes Studium ist nicht drin. Wie vielen anderen Musikern seiner Generation wird ihm wenig geschenkt. Nach dem Abschluss verdient er sich den Lebensunterhalt jahrelang bei seinem Vater, einem gelernten Ofensetzer und Installateur, der alle möglichen handwerklichen Arbeiten anbietet. Paul entpuppt sich nebenbei als begabter Estrichleger.

Zur Gattung des neureichen Emporkömmlings gehört er nie. Selbst als sich auf seinem Kiss-Konto dicke Guthaben stapeln, hat er stets seine Werkzeugkiste parat und lässt es sich nicht nehmen, defekte Gasheizungen eigenhändig zu reparieren. Bis er 30 ist und über Nacht zum Rockstar avanciert, muss er sich nicht nur beim Trommeln jederzeit auf sein Handwerk verlassen können, um überleben zu können. Auch sein Verhältnis zu den Anhängern ist ein völlig anderes als das der Kollegen: Unter anderem beantwortet er regelmäßig persönlich Berge von Fanpost.

Flucht aus der Todesfalle

Dass er überhaupt noch eine Chance bekommt, gleicht einem kleinen Wunder. Ende Juni 1974 hat er einen Auftritt mit seiner Band The Creation, ehemals Salt & Pepper, einem stilistisch vielfältigen Projekt aus schwarzen und weißen Musikern. Während eines Gigs in Port Chester, nördlich von New York City, legt ein Brandstifter im Nebengebäude Feuer.

Das Souterrain des Clubs, wo die Band vor rund 200 Leuten spielt, wird zur Todesfalle. Zusammen mit einer Sängerin gelingt Paul in letzter Sekunde die Flucht. Unter den 24 bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Opfern sind auch zwei seiner Freunde. Das Trauma dieses Unglücks beschäftigt ihn noch lange. Finanziell geht es ihm schlecht, viele Gagen sind Hungerlöhne. Er hält sich als Lieferwagenfahrer und Möbelpacker über Wasser.

Träumen in Neon-Orange

Dass aus Paul Caravello Eric Carr wird, kommt eher zufällig zustande, denn Kiss-Fan ist er keineswegs. Er liebt Soul und Funk und bewundert John Bonham, den Drummer von Led Zeppelin. Als Kiss 1980 per Zeitungsannonce nach einem Nachfolger für Peter Criss suchen, verschafft er sich mit einem simplen Trick Aufmerksamkeit im Büro von Kiss-Manager Bill Aucoin: Er steckt seine Bewerbung in einen grell orange leuchtenden Umschlag – und wird tatsächlich zum Vorspielen eingeladen. Eine Mitarbeiterin aus Aucoins Büro erzählt später, dass sie tatsächlich wegen der auffälligen Farbe zugegriffen habe.

Beim Test fällt allerdings eher die Band durch: Die Herren Helden haben ihre eigenen Songs nach jahrelanger Livedarbietung ein bisschen anders in den Fingern oder nicht mehr richtig drauf, müssen also von ihrem Bewerber mehrfach daran erinnert werden, wie die Parts im Original auf den Platten laufen. „Wir haben praktisch gleich zu arbeiten begonnen. Das hat sie offenbar beeindruckt.“

Die Frisur stimmt

Abgesehen von seinem modernen, kraftvollen Schlagzeugspiel und seinem positiven, lebensfrohen Auftreten spielt allerdings auch seine prächtige Mähne den Ausschlag dafür, dass der Außenseiter den Job bei der selbsternannten „größten Band der Welt“ bekommt. Ein Statement von Paul Stanley spricht für sich: „Nun, der Typ kann spielen. Aber vor allem die Frisur stimmt. Alles, was er braucht, ist ein anderer Name.“ Denn einen Paul hat die Band ja bereits.

Kiss

Das Haar muss sitzen, möglichst raumgreifend: Eric Carr (r.) und Kiss zu Zeiten von „Animalize“ 1984 (Foto: Casablanca/Promo)

Außerdem stellt das Management dem Neuen einen Porsche als Dienstwagen vor die Tür. Es sei auf keinen Fall akzeptabel, dass Eric einen uralten Gebrauchtwagen vor dem Proberaum von Kiss parkt. Doch der hat allerdings nix als Ärger mit der noblen Kiste.

Das Monster erwacht

Zu diesem Zeitpunkt ihrer Geschichte gelten Kiss längst nicht mehr als cool. Ihre großen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Aber als Eric seine Doppel-Bassdrum-Burg am 25. Juli 1980 auf der Bühne des New Yorker Palladiums aufbaut, wo die Livepremiere der neuen Besetzung stattfindet, weht ein neuer Wind. Sein ausgefeilter Kraftfutterstil, der auch optisch einiges hermacht, lässt Vorgänger Peter Criss geradezu altbacken wirken und beschert den Kiss-Klassikern eine spürbare Belebung. Erics Biograf Greg Prato zitiert einen Konzertbesucher: „Peter Criss hatte seine Momente. Aber Eric war ein Monster. Er trieb die Band an. Er war eine Maschine, ergänzte die Songs aber auch mit allerlei kleinen Extras. Wo er hinlangte, entstand etwas Besonderes.“

Wie die anderen Bandmitglieder auch, geht Eric anfangs nur markiert auf die Bühne. Sein Charakter: Der Fuchs. Glücklicherweise wird die erste Idee abgelehnt: Was ein Falke sein soll, erinnert eher an ein langhaariges Huhn. Zur Veröffentlichung von Lick It Up (1983) legen Kiss dann öffentlichkeitswirksam die Schminke ab.

Ein Talent, vier Instrumente

Erics Händchen für rhythmische und musikalische Elemente kommt nicht von ungefähr. Noch vor den Drums hat er Gitarre gelernt; er spielt passabel Klavier und besitzt eine volle Singstimme, ähnlich wie Roger Taylor, der Schlagzeuger von Queen.

In den Jahren nach seinem Einstieg beim Kiss erlebt er die reinste Achterbahnfahrt. Auf der allerersten Kiss-Australien-Tour 1980 werden die Bandmitglieder wie Götter gefeiert – für Eric ein optimaler Start, denn die dortigen Fans haben Peter Criss nie live erlebt. Gleich danach geht es in den Keller: Mit dem überambitionierten Konzeptalbum (Music From) The Elder von 1981 wird niemand glücklich, ab 1982 und Creatures Of The Night arbeiten Kiss sich wieder nach vorne. Auch die besagte Demaskierung findet nicht überall Freunde. Für Abwechslung ist dennoch immer gesorgt: Auf dem modischen Zenith der Achtziger ersaufen Videoclips wie Who Wants To Be Lonely in Neonfarben.

Der eigene Song

Auch als Songwriter hinterlässt er Spuren, wenngleich natürlich die beiden Chefs Gene Simmons und Paul Stanley die Zügel fest in der Hand halten. Im Laufe der Jahre kommen einige Kiss-Nummern zusammen, die Eric als Verfasser aufführen. Sein ganzer Stolz ist Little Caesar auf Hot In The Shade (1989), das er praktisch im Alleingang einspielt: als Leadsänger, Bassist, Drummer und Rhythmusgitarrist. Live kommt die Nummer allerdings nur ein einziges Mal zum Einsatz. 1982 komponiert er außerdem zusammen mit Bryan Adams den Song Don’t Leave Me Lonely für dessen Hitalbum Cuts Like A Knife.

Erics letzter Einsatz in voller Albumlänge bleibt Hot In The Shade (1989), an den Aufnahmen von Revenge (1991) kann er schon nicht mehr teilnehmen und lediglich beim Videoclip zu God Gave Rock’n’Roll To You II mitspielen. Da muss er bereits eine Perücke tragen, denn Eric Carr leidet an Krebs.

Im Schatten von Freddie Mercury

Trotz seiner Fähigkeiten und Erfolge stempelt ihn die Ironie der Geschichte am Ende zumindest in der medialen Aufmerksamkeit am Ende leider zum Nebendarsteller: Paul Caravello alias Eric Carr stirbt am 24. November 1991 mit nur 41 Jahren – am selben Tag wie Queen-Legende Freddie Mercury.

Damit liegt die Hauptaufmerksamkeit der musikaffinen Menschen und Medien natürlich nicht beim Kiss-Drummer. Dass die US-Ausgabe des Rolling Stone allerdings den Tod von Eric Carr komplett ignoriert, geht Paul Stanley so gegen den Strich, dass er einen ebenso spitzzüngigen wie wütenden Brief schreibt. Seinem Schlusswort möchten wir uns an Erics Geburtstag anschließen: „We loved him, the fans loved him, and he will never be forgotten.“ Rest in peace, Eric Carr.

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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