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Popkultur

John Lee Hooker – Sein Leben in 10 Songs

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Wer in seinem Leben augenscheinlich mehr gesungen hat, als irgendetwas anderes zu machen, der sollte auch genau so beschrieben werden. Nein, nicht mit Gesang – aber durch seinen Gesang. Mit seiner Musik. John Lee Hooker ist mit über 200 Songs in einer gut 50 Jahre langen Karriere ein astreiner Kandidat dafür. Der gute Mann hat wahrscheinlich selbst seinem Friseur in Blues-Rhythmik erklärt, wie er denn sein Haar geschnitten haben möchte. Grund genug, sich in einer der einflussreichsten Blues-Karrieren mal das anzusehen, was wirklich zählt: Songs!


Hier sind die Songs von John Lee Hooker in einer Playlist zusammengefasst:


1. Boogie Chillen, 1948

 

Manchmal wird Spontanität doch belohnt, obwohl Spontanität bei unserem ersten John Lee Hooker Song wohl eher eine gezwungene Maßnahme war. Wir schreiben das Jahr 1948, es ist September und John Lee Hooker verbringt bereits einige Tage im United Sound Studio in Detroit. Das letzte Jahrzehnt war gespickt von kommerziell eher mäßig erfolgreichen Aufnahmen und die Arbeit im Studio sollte endlich den Durchbruch bringen. Die Aufnahmezeit war für drei Stunden angesetzt – wohl gemerkt für vier Songs! Eine Zeit, in der Musiker es heute nicht einmal schaffen, ihr Equipment vom Van in den Aufnahmeraum zu räumen. Aber wenn man nur mit einer Gitarre unterwegs ist, hat man etwas leichteres Spiel. Jedenfalls ließ sich Produzent Bernhard Besman bei den ersten drei Titeln nicht hetzen, sodass bei Song Nummer vier – Boogie Chillen – das Studienarbeits-Prinzip griff: Ich habe ein Motivationsproblem bis ich ein Zeitproblem bekomme. Aber gut, dem Erfolg des Songs konnte das jedoch nichts anhaben. Er verkaufte sich rund eine Millionen mal.


Schaut euch hier eine Live-Version von Boogie Chillen an:


2. I’m In The Mood, 1951

Oh ja, wer in den richtigen Blues Mood kommen möchte, ist bei diesem Song an der richtigen Adresse. Aber dieser Song lässt nicht nur jeden einsamen Whisky in einer verrauchten Kellerbar besser schmecken, er spiegelt auch wunderbar John Lee Hookers Stilmittel wieder, die sich durch seine ganze musikalische Karriere ziehen. Stampfender Beat und abgebrochene Reime. Hier mal ein kleines Songtext Beispiel:

Every time I see you, baby, walking down the street

Know I get a thrill now, baby, from my head down to my toes

Verfechter wohlklingender Endreime sind an dieser Stelle wahrscheinlich nicht die größten Fans, aber hier geht es schließlich auch nicht um klassische Lyrik. I’m In The Mood ist ein Blues Klassiker und zählt bis heute zu den meist verkauften Blues Aufnahmen aller Zeiten.


 Schaut euch hier eine Live-Version des Songs gemeinsam mit Bonnie Raitt an:


3. Nothin’ But Trouble, 1954

Da der gemeine Blues-Musiker Mitte der 50er für eine Platte noch in ein richtiges Aufnahme-Studio gehen musste, anstatt seine Gitarre einfach nur in den Laptop zu stöpseln, waren es auch immer diese Studios, diese heiligen Hallen, die den Songs Atmosphäre gegeben haben. Dieser Vibe kam im Falle von John Lee Hooker vor allem aus dem United Sound Studio. Der Ort, der die musikhistorisch wichtigsten Stücke des Künstlers auf Vinyl bannte. Bis 1954, im Oktober.

In diesem Monat spielte er die letzte Session in dem Detroiter Studio und nahm die Stücke Nothing’ But Trouble, Odds Against Me, I Need Love So Bad und Don’t Trust Me auf. Und warum ihr jetzt ausgerechnet Nothin’ But Trouble hören sollt? Gute Frage, wir finden den Song einfach ziemlich gut!


Hört euch hier den Song an:


4. Dimples, 1956

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Neues Label, neues Glück! Vee-Jay Records, Hookers neues Plattenlabel, sah in ihm den neuen Jimmy Reed und statteten ihn auch sogleich mit Reeds eigener Backing Band aus. Merkmal eines einzigartigen Künstlers ist aber – nun ja – die Tatsache, dass er eben einzigartig ist. Das mussten auch die Musiker feststellen, die sich glücklicher Weise bald Hookers Stil anpassten. Eine weise Entscheidung, denn mit der Aufnahme von Dimples landete unsere Blues Ikone seinen ersten Chart-Erfolg auf der Britischen Insel. Und einen der bis heute beliebtesten und am meisten gecoverten John Lee Hooker Titel!


Schaut euch hier einen kurzen Ausschnitt samt Tanzeinlagen an:


5. Boom Boom, 1962

Der Song mit diesem komplexen Titel sollte zwar – vom Songwriting ausgehend – im Blues-Regal stehen, ist aber aus unserer Popmusik Geschichte nicht mehr wegzudenken. Anfang der 60er Jahre veröffentlicht, taucht er dreißig Jahre später wieder in den UK Charts auf, wird von der Rock and Roll Hall of Fame auf der Liste „Songs That Shaped Rock and Roll“ geführt und schließlich 2009 in die Hall of Fame der Blues Foundation aufgenommen.

Absolutes Pflichtprogramm für jede auch nur ansatzweise ambitionierte Blues-Coverband und aus unserer kleinen Chronologie hier natürlich ebenfalls nicht wegzudenken!


Schaut euch hier einen TV-Auftritt von 1960 mit dem Song an:


6. One Bourbon, One Scotch, One Beer, 1966

John Lee Hookers Interpretation dieses Blues-Klassikers lässt Grund zur Annahme, dass während der Aufnahme wahrscheinlich mehr als nur ein Glas der im Songtitel angeführten Seelentröster im Spiel waren. Hookers singt sein eigenes Ding, bleibt im Refrain rhythmisch bei der Band und entgleitet in den Strophen immer wieder dem altbekannten Blues Pattern. Eine wirklich interessante Spannung, aber ob das so gewollt war oder ob Hooker sich etwas zu sehr vom Songtitel hat inspirieren lassen, werden wir wohl nie erfahren…


Schaut euch hier One Bourbon, One Scotch, One Beer Live in Montreal:


7. The Motor City Is Burning, 1967

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An dieser Stelle müssen wir uns gleich mit zwei Versionen dieses Songs auseinandersetzen. Klar, das Original wurde von John Lee Hooker geschrieben, eine Cover-Version hat den Titel an dieser Stelle aber erst erwähnenswert gemacht. Mehr als erwähnenswert, denn die Band, die The Motor City Is Burning gecovert hat, war MC 5. Gemanagt von John Sinclair, eine Band, die immer wieder mit der umstrittenen linksradikalen White Panther Party in Verbindung kam.

Richtig interessant wird dabei – abseits der politischen Ebene – dass die Cover-Version im Rockgewandt ein echter Erfolg war! Und zwar so sehr, dass John Lee Hooker als Reaktion selbst mal etwas härter in die Saiten schlug.


Hört euch hier den Song an und lest weiter:


8. The Healer, 1989

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Höhen und Tiefen – in den 50ern und 60ern strahlte mit John Lee Hooker ein neuer Stern am melancholischen Blues-Himmel. Aber die Zeit schritt voran und Hooker blieb etwas zurück. Und obwohl er auch in dieser Zeit fleißig Songs schrieb, war er nur noch selten in der ersten Reihe zu sehen. Soweit wäre das bekannt. Aber war das alles? Ein langsames, leises Verschwinden von der Bildfläche?

Da es sich hier eindeutig um eine Suggestivfrage handelt, lassen wir die Katze gleich mal aus dem Sack: Natürlich nicht! Ende der 90er holte sich Hooker prominente Verstärkung, unter anderem von Carlos Santana und Bonnie Raitt, und veröffentlichte das Album The Healer, das sich bescheidene 40 Wochen lang in den US Charts hielt. Der gleichnamige erste Titel des Albums sei an dieser Stelle mal zum Reinhören empfohlen.


Schaut euch hier Hooker und Santana beim Performen des Songs an::


9 Mr Lucky, 1991

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Ohne jetzt Verwirrung stiften zu wollen, aber wir haben hier wieder Song und Album mit gleichem Titel. Und das ist nicht die einzige Parallele. Nach dem Erfolgsrezept des Vorgänger-Albums trommelte Hooker wieder eine ganze Reihe namhafter Musiker zusammen, die mit der Blues-Legende nicht nur hervorragend harmonierten, sondern auch ein Album schafften, das den Blues-Standrad wieder mal nach oben korrigierte.

Das Songwriting war anscheinend so einflussreich, dass sich selbst die Kollegen von Depeche Mode inspirieren ließen. Und die würde man ja nun wirklich nicht in die Blues-Ecke stellen. Da passt Dave Gahans Tanzstil beim besten Willen nicht.


Scheut euch hier einen Live-Mitschnitt des Songs gemeinsam mit Robert Cray an:


10 I’m Bad Like Jesse James, 1992

Ein Song, der zusammen mit dem dazugehörigen Album einen bemerkenswerten Eintrag in John Lee Hookers Post-Comeback Discographie darstellt. Seine Vorgänger Alben waren allesamt für Blues-Verhältnisse dick und aufwändig produziert. Nach modernen Standards eben. I’m Bad Like Jesse James ist viel dünner, puristischer und klingt wieder nach Hookers Wurzeln. Am Ende kommt eben jeder irgendwie wieder nach Hause. Und sei es in der Musik.

Übrigens: Der belesene Blues-Liebhaber sollte grade ein Déjà-vu haben – denn besagtes, puristischer produziertes Album heißt Boom Boom. Richtig, genau wie der Song aus den 60ern. Und genau dieser Song eröffnet auch das Album. Warum? Ein nicht ganz unbekannter Jeans Hersteller hatte in Großbritannien die Idee, einen Werbespot genau mit diesem Song zu hinterlegen. Und als darauf Boom Boom die UK Charts stürmte, wurde der Titel neu aufgelegt und wieder veröffentlicht.


Hier könnt ihr euch ein Video des Songs anschauen:


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PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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