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Popkultur

John Lee Hooker – Sein Leben in 10 Songs

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Wer in seinem Leben augenscheinlich mehr gesungen hat, als irgendetwas anderes zu machen, der sollte auch genau so beschrieben werden. Nein, nicht mit Gesang – aber durch seinen Gesang. Mit seiner Musik. John Lee Hooker ist mit über 200 Songs in einer gut 50 Jahre langen Karriere ein astreiner Kandidat dafür. Der gute Mann hat wahrscheinlich selbst seinem Friseur in Blues-Rhythmik erklärt, wie er denn sein Haar geschnitten haben möchte. Grund genug, sich in einer der einflussreichsten Blues-Karrieren mal das anzusehen, was wirklich zählt: Songs!


Hier sind die Songs von John Lee Hooker in einer Playlist zusammengefasst:


1. Boogie Chillen, 1948

 

Manchmal wird Spontanität doch belohnt, obwohl Spontanität bei unserem ersten John Lee Hooker Song wohl eher eine gezwungene Maßnahme war. Wir schreiben das Jahr 1948, es ist September und John Lee Hooker verbringt bereits einige Tage im United Sound Studio in Detroit. Das letzte Jahrzehnt war gespickt von kommerziell eher mäßig erfolgreichen Aufnahmen und die Arbeit im Studio sollte endlich den Durchbruch bringen. Die Aufnahmezeit war für drei Stunden angesetzt – wohl gemerkt für vier Songs! Eine Zeit, in der Musiker es heute nicht einmal schaffen, ihr Equipment vom Van in den Aufnahmeraum zu räumen. Aber wenn man nur mit einer Gitarre unterwegs ist, hat man etwas leichteres Spiel. Jedenfalls ließ sich Produzent Bernhard Besman bei den ersten drei Titeln nicht hetzen, sodass bei Song Nummer vier – Boogie Chillen – das Studienarbeits-Prinzip griff: Ich habe ein Motivationsproblem bis ich ein Zeitproblem bekomme. Aber gut, dem Erfolg des Songs konnte das jedoch nichts anhaben. Er verkaufte sich rund eine Millionen mal.


Schaut euch hier eine Live-Version von Boogie Chillen an:


2. I’m In The Mood, 1951

Oh ja, wer in den richtigen Blues Mood kommen möchte, ist bei diesem Song an der richtigen Adresse. Aber dieser Song lässt nicht nur jeden einsamen Whisky in einer verrauchten Kellerbar besser schmecken, er spiegelt auch wunderbar John Lee Hookers Stilmittel wieder, die sich durch seine ganze musikalische Karriere ziehen. Stampfender Beat und abgebrochene Reime. Hier mal ein kleines Songtext Beispiel:

Every time I see you, baby, walking down the street

Know I get a thrill now, baby, from my head down to my toes

Verfechter wohlklingender Endreime sind an dieser Stelle wahrscheinlich nicht die größten Fans, aber hier geht es schließlich auch nicht um klassische Lyrik. I’m In The Mood ist ein Blues Klassiker und zählt bis heute zu den meist verkauften Blues Aufnahmen aller Zeiten.


 Schaut euch hier eine Live-Version des Songs gemeinsam mit Bonnie Raitt an:


3. Nothin’ But Trouble, 1954

Da der gemeine Blues-Musiker Mitte der 50er für eine Platte noch in ein richtiges Aufnahme-Studio gehen musste, anstatt seine Gitarre einfach nur in den Laptop zu stöpseln, waren es auch immer diese Studios, diese heiligen Hallen, die den Songs Atmosphäre gegeben haben. Dieser Vibe kam im Falle von John Lee Hooker vor allem aus dem United Sound Studio. Der Ort, der die musikhistorisch wichtigsten Stücke des Künstlers auf Vinyl bannte. Bis 1954, im Oktober.

In diesem Monat spielte er die letzte Session in dem Detroiter Studio und nahm die Stücke Nothing’ But Trouble, Odds Against Me, I Need Love So Bad und Don’t Trust Me auf. Und warum ihr jetzt ausgerechnet Nothin’ But Trouble hören sollt? Gute Frage, wir finden den Song einfach ziemlich gut!


Hört euch hier den Song an:


4. Dimples, 1956

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Neues Label, neues Glück! Vee-Jay Records, Hookers neues Plattenlabel, sah in ihm den neuen Jimmy Reed und statteten ihn auch sogleich mit Reeds eigener Backing Band aus. Merkmal eines einzigartigen Künstlers ist aber – nun ja – die Tatsache, dass er eben einzigartig ist. Das mussten auch die Musiker feststellen, die sich glücklicher Weise bald Hookers Stil anpassten. Eine weise Entscheidung, denn mit der Aufnahme von Dimples landete unsere Blues Ikone seinen ersten Chart-Erfolg auf der Britischen Insel. Und einen der bis heute beliebtesten und am meisten gecoverten John Lee Hooker Titel!


Schaut euch hier einen kurzen Ausschnitt samt Tanzeinlagen an:


5. Boom Boom, 1962

Der Song mit diesem komplexen Titel sollte zwar – vom Songwriting ausgehend – im Blues-Regal stehen, ist aber aus unserer Popmusik Geschichte nicht mehr wegzudenken. Anfang der 60er Jahre veröffentlicht, taucht er dreißig Jahre später wieder in den UK Charts auf, wird von der Rock and Roll Hall of Fame auf der Liste „Songs That Shaped Rock and Roll“ geführt und schließlich 2009 in die Hall of Fame der Blues Foundation aufgenommen.

Absolutes Pflichtprogramm für jede auch nur ansatzweise ambitionierte Blues-Coverband und aus unserer kleinen Chronologie hier natürlich ebenfalls nicht wegzudenken!


Schaut euch hier einen TV-Auftritt von 1960 mit dem Song an:


6. One Bourbon, One Scotch, One Beer, 1966

John Lee Hookers Interpretation dieses Blues-Klassikers lässt Grund zur Annahme, dass während der Aufnahme wahrscheinlich mehr als nur ein Glas der im Songtitel angeführten Seelentröster im Spiel waren. Hookers singt sein eigenes Ding, bleibt im Refrain rhythmisch bei der Band und entgleitet in den Strophen immer wieder dem altbekannten Blues Pattern. Eine wirklich interessante Spannung, aber ob das so gewollt war oder ob Hooker sich etwas zu sehr vom Songtitel hat inspirieren lassen, werden wir wohl nie erfahren…


Schaut euch hier One Bourbon, One Scotch, One Beer Live in Montreal:


7. The Motor City Is Burning, 1967

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An dieser Stelle müssen wir uns gleich mit zwei Versionen dieses Songs auseinandersetzen. Klar, das Original wurde von John Lee Hooker geschrieben, eine Cover-Version hat den Titel an dieser Stelle aber erst erwähnenswert gemacht. Mehr als erwähnenswert, denn die Band, die The Motor City Is Burning gecovert hat, war MC 5. Gemanagt von John Sinclair, eine Band, die immer wieder mit der umstrittenen linksradikalen White Panther Party in Verbindung kam.

Richtig interessant wird dabei – abseits der politischen Ebene – dass die Cover-Version im Rockgewandt ein echter Erfolg war! Und zwar so sehr, dass John Lee Hooker als Reaktion selbst mal etwas härter in die Saiten schlug.


Hört euch hier den Song an und lest weiter:


8. The Healer, 1989

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Höhen und Tiefen – in den 50ern und 60ern strahlte mit John Lee Hooker ein neuer Stern am melancholischen Blues-Himmel. Aber die Zeit schritt voran und Hooker blieb etwas zurück. Und obwohl er auch in dieser Zeit fleißig Songs schrieb, war er nur noch selten in der ersten Reihe zu sehen. Soweit wäre das bekannt. Aber war das alles? Ein langsames, leises Verschwinden von der Bildfläche?

Da es sich hier eindeutig um eine Suggestivfrage handelt, lassen wir die Katze gleich mal aus dem Sack: Natürlich nicht! Ende der 90er holte sich Hooker prominente Verstärkung, unter anderem von Carlos Santana und Bonnie Raitt, und veröffentlichte das Album The Healer, das sich bescheidene 40 Wochen lang in den US Charts hielt. Der gleichnamige erste Titel des Albums sei an dieser Stelle mal zum Reinhören empfohlen.


Schaut euch hier Hooker und Santana beim Performen des Songs an::


9 Mr Lucky, 1991

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Ohne jetzt Verwirrung stiften zu wollen, aber wir haben hier wieder Song und Album mit gleichem Titel. Und das ist nicht die einzige Parallele. Nach dem Erfolgsrezept des Vorgänger-Albums trommelte Hooker wieder eine ganze Reihe namhafter Musiker zusammen, die mit der Blues-Legende nicht nur hervorragend harmonierten, sondern auch ein Album schafften, das den Blues-Standrad wieder mal nach oben korrigierte.

Das Songwriting war anscheinend so einflussreich, dass sich selbst die Kollegen von Depeche Mode inspirieren ließen. Und die würde man ja nun wirklich nicht in die Blues-Ecke stellen. Da passt Dave Gahans Tanzstil beim besten Willen nicht.


Scheut euch hier einen Live-Mitschnitt des Songs gemeinsam mit Robert Cray an:


10 I’m Bad Like Jesse James, 1992

Ein Song, der zusammen mit dem dazugehörigen Album einen bemerkenswerten Eintrag in John Lee Hookers Post-Comeback Discographie darstellt. Seine Vorgänger Alben waren allesamt für Blues-Verhältnisse dick und aufwändig produziert. Nach modernen Standards eben. I’m Bad Like Jesse James ist viel dünner, puristischer und klingt wieder nach Hookers Wurzeln. Am Ende kommt eben jeder irgendwie wieder nach Hause. Und sei es in der Musik.

Übrigens: Der belesene Blues-Liebhaber sollte grade ein Déjà-vu haben – denn besagtes, puristischer produziertes Album heißt Boom Boom. Richtig, genau wie der Song aus den 60ern. Und genau dieser Song eröffnet auch das Album. Warum? Ein nicht ganz unbekannter Jeans Hersteller hatte in Großbritannien die Idee, einen Werbespot genau mit diesem Song zu hinterlegen. Und als darauf Boom Boom die UK Charts stürmte, wurde der Titel neu aufgelegt und wieder veröffentlicht.


Hier könnt ihr euch ein Video des Songs anschauen:


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Bowie, Banken und Urin: 5 Dinge, die ihr über Placebo-Dandy Brian Molko noch nicht wusstet

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Brian Molko
Foto: Ricardo Rubio/Europa Press via Getty Images

Die Geschichte der Rockmusik wäre ohne Placebo und vor allem ihren androgynen Frontmann Brian Molko anders verlaufen. Zum 50. Geburtstag des ewig jungen Peter Pan des Rock’n’Roll haben wir mal ein paar Dinge zusammengetragen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet. Aber Achtung: Eins ist ziemlich eklig.

von Björn Springorum

Ach, Brian Molko. Was war da los, als er in den Neunzigern mit Placebo die Alternative-Rock-Welt im Sturm erobert und mit Eyeliner, aufwühlenden Texten über Mental Health, Obsession, Sucht und Femininität einen dringend benötigten Gegenpol zum ewigen Schwanzvergleich der Alphamännchen liefert. Brian Molko, dieser zierliche, verletzlich wirkende Künstler mit den traurigen Augen, wird zur Ikone, zur Galionsfigur einer ganzen Generation. Zu seinem 50. Geburtstag blicken wir auf die unbekannte Seite des Sängers und seine teilweise gewöhnungsbedürftigen Marotten.

1. Brian, der Banker

Wenn es nach Brian Molkos Vater gegangen wäre, einem jüdischen Amerikaner mit französischen und italienischen Wurzeln, wäre der junge Brian ein Banker geworden. Molkos Reaktion ist Rebellion und Aufbegehren, er legt sich sein androgynes Image zu, trägt Nagellack und Lippenstift. Seine Schule verlässt er bald darauf, weil er gemobbt wird, und findet erst in seinem Schauspielstudium in London Erfüllung. Indirekt ist es also Molkos Vater zu verdanken, dass es Placebo überhaupt gibt. Thanks, Dad!

2. Mittelfinger für Homophobie

Brian Molko ist bisexuell. Zu Beginn seines meteoritenhaften Aufstiegs zum Idol und Sexsymbol spielt er gern mit Geschlechterklischees, um gegen Homophobie in der Musik vorzugehen. „Ich wollte, dass homophobe Typen zu unseren Konzerten kommen und denken: ‚Wow, mir gefällt die Sängerin. Ist die heiß!‘ Später würden sie dann herausfinden, dass der Sänger Brian heißt, was dann vielleicht dazu führt, dass man sich ein paar Fragen stellt.“

3. Dreckige Stiefel

Der Song, der Brian Molkos Leben ganz offiziell ändert, ist Dirty Boots vom wegweisenden Sonic-Youth-Album Goo. „Mein Kumpel Nick und ich waren 16, er kam zu mir, wir rauchten einen Joint, löschten das Licht und legten Goo auf“, erinnert sich Molko mal. „Damals spielte ich seit drei Jahren Gitarre, aber alles, was ich glaubte, mit einer elektrischen Gitarre tun zu können, löste sich an diesem Tag in Luft auf. Ein ganzes Universum neuer Möglichkeiten lag vor mir. Bis heute sind Sonic Youth wahrscheinlich mein größter Einfluss. Sie sind die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten.“

4. Rat vom Starman

Die Freundschaft zwischen Brian Molko und David Bowie gehörte zu den besonders heilsamen Momenten in diesem ganzen irrsinnigen Rock’n’Roll-Karneval. Erst gehen Placebo auf Einladung von Bowie mit ihm auf Tour, später nehmen sie gemeinsam Without You I’m Nothing auf. Das wichtigste Detail dieser Beziehung liegt jedoch im Einfluss, den Bowie auf den damals sehr unsicheren, eskalativen, berauschten Molko hat: „David machte mich zu einem besseren Menschen. Mir wurde das aber erst nach seinem Tod klar. Damals war ich bei Weitem zu

5. Angepisst

Vor vielen Jahren gaben Placebo regelmäßig Meet And Greets für Wettbewerbsgewinner*innen. Bei einem kommt es zu einer unschönen Szene, Molko wird sehr unangenehm belästigt. Seither pinkelte er vor einem dieser Treffen stets auf seinen Zeigefinger. „Sie liefen alle mit ein klein wenig Molko-DNA davon“, sagte er mal. Ist aber lange her, wie er versichert.

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10 Songs, die jeder Placebo-Fan kennen muss

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Popkultur

Tarja im Interview über 15 Jahre „My Winter Storm“: „Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann“

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Tarja
Foto: Frank Hoensch /Getty Images

15 Jahre ist es her, dass Tarja Soile Susanna Turunen Cabuli — besser bekannt nur unter ihrem Vornamen Tarja — ihr Soloalbum My Winter Storm veröffentlichte. Der Longplayer war zwar genaugenommen nicht ihr Solo-Debüt (das war nämlich das finnischsprachige Weihnachtsalbum Henkäys ikuisuudesta, das noch während ihrer Zeit bei Nightwish erschien) – aber ohne Zweifel ein riesengroßer Befreiungsschlag und Meilenstein in ihrem Leben. Zwei Jahre trennten sich Nightwish von Tarja — jene Band, die sie mitgegründet und mit ihrer Stimme so maßgeblich geprägt hatte. Ein schwerer Schlag und ein großer Wendepunkt für die finnische Musikerin.. Umso erfreulicher war es natürlich, dass My Winter Storm bei Fans voll ins Schwarze traf. Das Album wurde zum Riesenerfolg — und zum Fundament für eine immer noch erfolgreiche Solokarriere. Im uDiscover-Interview spricht Tarja darüber, wie alles begann — und wie es sich anfühlt, in Buchform auf ihre Karriere zurückzublicken.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch My Winter Storm anhören:

Dein Soloalbum My Winter Storm wird dieses Jahr 15 Jahre alt. Kannst du ein wenig über deine Einstellung zu dieser Zeit erzählen – und woran du dich am meisten an diese Zeit erinnerst?

Der Beginn meiner Solokarriere war für mich persönlich eine super spannende Zeit. Ich wollte schon an meiner eigenen Musik arbeiten, als ich noch in der Band war, aber als es dann wirklich losging, fühlte sich alles wie ein Traum an. Jede Person, die mit mir arbeitete, war neu für mich, und ich musste erst einmal Vertrauen zu ihr fassen. Das war schwer, zumal ich nach dem, was mit mir und der Band passiert war, leider jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren hatte. Ich war nicht stark genug, um einigen Leuten gegenüberzutreten und ihnen zu sagen, dass mir die Dinge nicht gefielen, wie sie liefen, aber ich habe es irgendwie geschafft, meine Stimme zu finden. Auch das Songschreiben war neu für mich, und ich war mir nicht sicher, ob ich es in mir hatte oder nicht. Erst nach einigen Jahren und mehr Erfahrung begann ich mich beim Songschreiben wohl zu fühlen und hatte keine Angst mehr davor. Für mich klingt mein Debüt-Rockalbum ziemlich unschuldig und erinnert mich daran, wie nervös ich damals war, aber es hat mich beflügelt, meine Karriere zu starten und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Hattest du von Anfang an eine feste Vorstellung, wohin du mit deiner Solokarriere gehen wolltest?

Auf jeden Fall. Ich hatte ein kristallklares Bild davon, was ich erreichen wollte, aber ich war mir nicht so sicher, wie ich es erreichen sollte. Um meine Ziele zu erreichen, brauchte ich Menschen, die mir helfen, und ich musste mein Selbstvertrauen finden, um sie zu führen. Das war nicht leicht, aber ich bin immer meinem Herzen gefolgt, und nie hat mir jemand gesagt, was ich mit meiner Kunst tun sollte.

My Winter Storm war ein riesiger Erfolg. Es wurde in verschiedenen Ländern mit Gold oder Platin ausgezeichnet — auch in Deutschland. Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher kommerzieller Erfolg eine große Erleichterung nach der ganzen Band-Situation gewesen sein muss?

Natürlich war es das, aber was mich noch glücklicher machte, war die Tatsache, dass ich endlich frei war, mich selbst auszudrücken. Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann, und ich war froh, diese Seite aufzuschlagen und weiterzumachen. Es war die Zeit, in der ich produktiv, kreativ und frei sein konnte.

In Deutschland bist du vor allem in der Metal- und Rockszene bekannt, in Finnland reicht deine Popularität weit darüber hinaus. Ist das für dich ein spürbarer Unterschied, was den Kontakt zu den Fans in beiden Ländern angeht und wie du wahrgenommen wirst?

Ja, das ist ein großer Unterschied. In Finnland bin ich eine Berühmtheit, eine öffentliche Person, wenn man so will. Mein Privatleben ist Gegenstand des Medieninteresses, und manchmal war es für mich ziemlich schwierig, damit umzugehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr in meinem Heimatland lebe. Als Künstlerin stehe ich gerne im Mittelpunkt, aber als Einzelperson bin ich nicht bereit, diese Last zu tragen. Seit Beginn meiner Karriere war mir klar, dass ich diese beiden Dinge in meinem Leben getrennt halten möchte. Mein Privatleben gehört mir. Das brauche ich, um mit einem gesunden Herzen Musik machen zu können.

Finnland scheint ein sehr gutes Umfeld für Musiker zu sein, da viele großartige Bands und Künstler von dort kommen, nicht nur im Rock und Metal, sondern auch im Jazz – in gewisser Weise vergleichbar mit Island. Siehst du das auch so – und wenn ja: warum denkst du, dass das so ist?

Du hast die Landschaft erwähnt. Sie ist ein inspirierender und wichtiger Einfluss für die Künstler in meinem Land, und das war schon immer so. Finnland ist ein ziemlich großes Land mit viel Natur und natürlichen Ressourcen, aber nicht zu vielen Menschen und überfüllten Orten. Unsere Natur ist sehr wichtig für uns. Wir wissen sie zu schätzen und sind stolz auf das, was wir haben. Es ist ziemlich schwierig, die dunklen und kalten Winter zu überstehen, und wenn im Frühling die Sonne am Himmel erscheint, ist jeder ein bisschen überwältigt von der Energie, die von ihr ausgeht. Jede Jahreszeit ist sehr unterschiedlich und dennoch inspirierend.

Letztes Jahr hast du dein Buch Singing In My Blood veröffentlicht, das du im ersten Jahr des Lockdowns geschrieben und zusammengestellt hast. Wie hat sich dieser Rückblick auf deine bisherige Karriere angefühlt, vor allem in einer sehr seltsamen Zeit wie dieser, in der alles still stand?

Die Arbeit an dem Buchprojekt war für mich teilweise wie eine Therapie. Es hat mir bewusst gemacht, wie reich mein Leben war und wie viel ich als Mensch schon erlebt habe. Es hat mich Dankbarkeit spüren lassen. Gerade wenn die Welt stillzustehen schien, musste ich mich auf das Buch konzentrieren, um das Gefühl zu haben, dass ich noch lebe. Es war wundervoll, Hunderte von Fotos durchzugehen, Menschen zu interviewen, die im Laufe der Jahre mit mir gearbeitet haben, und die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, die ich vergessen hatte. Ich habe die Arbeit an dem Buch wirklich genossen.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere gerne gewusst, was du heute weißt?

Ich hätte einige Änderungen an meinen Lebensumständen auf Tournee vorgenommen, um Stresssituationen zu vermeiden und mich zu schonen.

Du veröffentlichst gerade deine erste Best-of-Platte veröffentlicht. Im Grunde habe ich dazu die gleiche Frage wie bei dem Buch: Was war das für ein Gefühl, an einem solchen Rückblick zu arbeiten?

Der emotionalste Teil war für mich die Erkenntnis, dass es mir gelungen ist, eine lange Karriere aufzubauen, in der ich mich frei fühle, meine Kunst zu schaffen, ohne dass jemand die Fäden zieht und mir sagt, was ich tun soll. Die Jahre sind ziemlich schnell vergangen und ich habe es geschafft, an mehreren erfüllenden Veröffentlichungen und Projekten zu arbeiten. Es hat lange gedauert, an dieser Veröffentlichung zu arbeiten. Es ist ein Album, das mir genauso wichtig ist wie jedes andere von mir und ich war froh, es zusammenzustellen; ein Paket aus drei Alben und einer Live-Show. Ich bin meinen Fans einfach super dankbar für ihre Unterstützung und Liebe. Ohne sie würde ich meinen Traum nicht leben.

Es gibt einen neuen Song auf dem Album namens Eye Of The Storm. Kannst du ein wenig über diesen Song erzählen?

Der Song ist schon vor langer Zeit entstanden. Ich erinnere mich, dass ich damals auf der Suche nach meinem Platz in der Welt war. Ich hatte sowohl in Finnland als auch in Argentinien ein Haus und sogar ein Sommerhaus in Antigua in der Karibik, wohin ich zwischen meinen Tourneen fuhr, um mich zu erholen. Wir waren damals als Familie ständig auf Reisen. Ich war gerade erst Mutter geworden und war mir nicht sicher, wo ich hingehöre und was mein Herz will, also schrieb ich ein Lied darüber. Künstlerisch war ich zu der Zeit bereit, die Welt zu erobern und wollte alle neuen Informationen aufsaugen und alles über Musik lernen, aber persönlich fühlte ich einen Aufruhr in mir. Der Song ist von zwei sehr wichtigen Ländern in meinem Leben inspiriert, Argentinien und Finnland. Man kann auch einen Einfluss von Astor Piazzola und Jean Sibelius darin hören.   Nach vielen Jahren und vielen Entscheidungen hatte ich das Gefühl, dass ich bereit war, diesen Song zu veröffentlichen, weil ich endlich Frieden in mir selbst gefunden habe und mich großartig fühle. Diese Best-Of-Veröffentlichung fühlte sich wie der perfekte Ort dafür an.

Du hast kürzlich in einem Interview erwähnt, dass du während der Pandemie sehr produktiv warst. Auf welche neuen Projekte können wir uns freuen – und wird es ein neues Album geben?

Ich arbeite derzeit an drei Albumveröffentlichungen gleichzeitig! Ihr könnt in den nächsten Monaten Single- und Albumveröffentlichungen von meinem elektronischen Projekt Outlanders erwarten. Außerdem schreibe ich Songs für die kommende Rock-Veröffentlichung, die ihr 2024 erwarten könnt. Was das dritte Album angeht… das ist noch ein Geheimnis. Im nächsten Jahr gibt es eine Menge Tourneen: die letzten In the Raw-Touren im Februar und März in Europa und Best of-Konzerte im Rest des Jahres. Am Ende des Jahres gibt es natürlich noch eine Weihnachtskonzerttournee …und vieles mehr. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo unterwegs!

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Popkultur

10 Songs, die jeder Fan von Otis Redding kennen sollte

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Foto: Sulfiati Magnuson/Michael Ochs Archives/Getty Images

Man nennt ihn den „King Of Soul“. Obwohl Otis Redding nur 26 Jahre alt wurde, hat der Sänger und Songschreiber aus Georgia der Welt zahlreiche Hits hinterlassen. Wir haben die zehn besten ausgesucht. Manche davon hat er selbst geschrieben, andere nicht — und ein Song wurde vor allem durch Aretha Franklin weltberühmt.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch unsere Empfehlungen von Otis Redding anhören:

Zur Welt kommt Otis Redding am 9. September 1941 in Macon, Georgia. Den Ort kennt ihr bereits? Klar, denn auch Little Richard und die Allman Brothers Band kommen aus dem „Herzen Georgias“, wie die Stadt aufgrund ihrer zentralen Lage genannt wird. Mit 15 bricht Redding die Schule ab und arbeitet mit Little Richards Band The Upsetters. Seine erste Single als Profi veröffentlicht er 1962, danach nimmt seine Karriere mächtig Fahrt auf. Fünf Jahre später endet sie auf tragische Weise schon wieder, denn am 10. Dezember 1967 kommt Redding im Alter von nur 26 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Schauen wir uns mal an, was er zu Lebzeiten für Hits aufgenommen hat und welche Songs uns posthum noch begeistert haben.

1. Stand By Me (1964)

Diese legendäre Nummer stammt aus dem Jahr 1961 und wurde von Ben E. King und einem Herrn namens Elmo Glick komponiert. Was nicht alle wissen: Hinter dem Pseudonym Elmo Glick verbirgt sich das Songschreiberduo Jerry Leiber und Mike Stoller, das Stücke wie Houng Dog, Jailhouse Rock und King Creole für niemand geringeren als Elvis Presley geschrieben hat. Redding verleiht dem jazzigen Stand By Me in seiner Interpretation etwas mehr Funk, was nicht zwingend besser klingt, aber auf jeden Fall nach seiner Handschrift.

2. Respect (1965)

Bei Respect verhält es sich ein wenig anders: Diesen Song hat Redding zwar selbst geschrieben, doch zum Hit wurde das Stück erst durch Aretha Franklin. R-E-S-P-E-C-T: Selten wurde eine Aneinanderreihung von Buchstaben so eindrucksvoll vorgetragen. Das sieht Komponist Redding genauso, denn gleich nachdem er Franklins Version zum ersten Mal gehört hat, soll er gesagt haben: „Nun, ich glaube, der Song gehört jetzt ihr.“ Damit sollte er Recht behalten, doch die Grundlage für den Mega-Erfolg der „First Lady Of Soul“ liefert sein Song.

3. I Can’t Turn You Loose (1965)

Bei I Can’t Turn You Loose handelt es sich um einen klassischen Fall einer B-Seite, die erfolgreicher ist als ihre A-Seite, denn eigentlich erscheint die Nummer 1965 als Rückseite der Single Just One More Day. Einen zweiten Frühling beschert dem Song der Filmklassiker Blues Brothers mit Dan Aykroyd und John Belushi, die ihre Shows standesgemäß mit I Can’t Turn You Loose eröffnen. Besonders empfehlenswert: die Version von der Live-Platte Otis Redding In Person At The Whiskey A Go Go.

4. My Girl (1965)

Diesen Song verbinden Soul-Fans vor allem The Temptations, denn 1964 landet die Motown-Band mit My Girl ihren ersten Nummer-eins-Hit in den USA. Geschrieben haben das Stück Smokey Robinson und Ronald White; als Inspiration nennt Robinson seine Frau Claudette Rogers Robinson von der Band The Miracles. Als Otis Redding das Stück 1965 in seiner Version veröffentlicht, stürmt er damit zwar nur in Großbritannien die Charts, bereichert die Welt des Soul aber um eine starke Interpretation des Temptations-Klassikers.

5. Cigarettes And Coffee (1966)

Cigarettes And Coffee, der unter anderem aus der Feder von Impressions-Sänger Jerry Butler stammt, veröffentlicht Redding 1966 auf seinem vierten Album The Soul Album. In dem Stück geht es um eine ganz einfache, aber deshalb nicht weniger schöne Sache: mit der Freundin lange aufzubleiben. Bei diesem Song handelt es sich ohne Zweifel um eine der schönsten Soul-Balladen aller Zeiten.

6. Fa-Fa-Fa-Fa-Fa (Sad Song) (1966)

Zugegeben, beim Aussprechen dieses Songtitels mag man sich ein wenig dumm vorkommen, doch für Otis Redding markiert die Nummer einen seiner größten Hits. Besonders großen Spaß macht das Frage-Antwort-Spiel, das sich Redding mit den Bläser*innen liefert.

7. Try A Little Tenderness (1967)

Try A Little Tenderness taucht gleich auf mehreren „Die besten Songs aller Zeiten“-Listen auf und zwar aus gutem Grund: Von der Bläsersektion am Anfang über Reddings bärenstarke Stimme bis hin zur einfühlsamen Produktion von Jim Stewart, Isaac Hayes und Booker T. & The M.G.’s: In dieser Nummer bringt Redding viele seiner Stärken unter einen Hut und zaubert eine Soul-Ballade der Extraklasse.

8. (Sittin’ On) The Dock Of The Bay (1968)

Bei (Sittin’ On) The Dock Of The Bay handelt es sich um die erste posthume Single, die je die Spitze der US-Charts erreicht hat. Der Song erscheint am 8. Januar 1968, also knapp einen Monat nach Reddings Tod durch einen Flugzeugabsturz, und trifft aufgrund seiner emotionalen Aufladung direkt ins Herz Amerikas. Den Text zum Lied beginnt Redding, als er Zeit auf seinem Hausboot in Kalifornien verbringt. Den Mix übernimmt Co-Autor, Produzent und Stax-Legende Steve Cropper, der den Song um das charakteristische Möwengeschrei und die Meeresgeräusche erweitert, wie Redding es sich vor seinem Tod noch gewünscht hatte.

9. Hard To Handle (1968)

Hard To Handle zählt, genau wie Respect, zu den Songs, die Redding an jemand anderen verloren hat. Zwar gelingen mit dem Song auch kleine Erfolge als er 1968 nach Reddings Tod erscheint, doch zum Mega-Hit wird das Stück erst 1990 durch die Black Crowes, denen mit Hard To Handle der Durchbruch gelingt.

10. Love Man (1969)

Auch Love Man erscheint posthum und dient als Titeltrack für das gleichnamige Album von 1969. Dieser tanzbare Soul-Klassiker markiert das Ende unserer Auflistung, aber nicht das Ende des Vermächtnisses von Otis Redding. Seine Songs haben bereits 50 Jahre überdauert und werden uns sicher auch weitere 50 Jahre erhalten bleiben. Gut so, denn man nennt Redding nicht umsonst „King Of Soul“. Rest in peace, King!

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