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Popkultur

Der Mann mit dem Besenstiel: Zum 105. Geburtstag von Les Paul

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Les Paul
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Am 9. Juni 2020 hätte Lester William Polsfuss, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Les Paul, seinen 105. Geburtstag gefeiert. Er veränderte die Gitarrenwelt für immer.

von Markus Brandstetter

Der Mann mit dem Besenstiel: So bezeichnete die Firma Gibson Les Paul, als der Musiker und Erfinder Mitte der 1940er-Jahre mit seinem Prototypen einer elektrischen Gitarre bei der Firma anklopfte. Die Idee war, wie im noch relativ jungen Bereich der E-Gitarre wie so oft, aus einer Not heraus entstanden: Les Paul, selbst Jazzmusiker, war mit den zu jener Zeit gängigen elektrischen Gitarren nicht zufrieden. Zu groß, zu klobig waren seiner Meinung nach die Modelle, F-Löcher wollte er keine. Die Gitarre sollte einen Massivkorpus haben und nicht rückkoppeln, dafür aber ordentlich Sustain bieten. Eine Schönheit war der Prototyp vor allem ganz zu Beginn mit Sicherheit keine – viel mehr ein Holzklotz mit Tonabnehmern. Paul selbst nannte die Gitarre „The Log“ – auf Deutsch: der Holzklotz. Gibson lehnte zunächst ab.

…und dann lenkte Gibson doch ein

 Als Leo Fender aber mit seiner Broadcaster – aus der später die Telecaster wurde – eine Solidbody-Gitarre veröffentlichte, sah sich Gibson unter Zugzwang. Also holte man den Mann mit dem Besenstiel doch noch einmal zu sich. Wie es dann genau weiter ging, ist Ansichtssache. Der damalige Gibson-Chef Ted McCarty behauptete, man habe Les Paul bereits vor dem Treffen einige genaue Pläne von Prototypen zukommen lassen. Les Paul selbst sah das etwas anders und erklärte, dass die meisten Details aus seiner Feder stammen würden, Gibson jedoch einige Fehler gemacht habe.

Wessen Version auch immer mehr der Wahrheit entspricht: Fakt ist, die Gibson Les Paul kam auf den Markt – und war zunächst ein Misserfolg. Sogar ein so großer, dass Gibson die SG (zunächst Les Paul SG), kurz für Solid Guitar, als Nachfolgemodell der Les Paul entwarf. Les Paul selbst war unglücklich mit der SG und verlängerte seinen Vertrag mit Gibson nicht. Allerdings nicht nur wegen Diskrepanzen mit Gibson selbst, sondern auch wegen einer Scheidung, die eine Beteiligung in nächster Zeit für ihn wenig lukrativ gemacht hätte.

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Vom Misserfolg zur ikonischen Gitarre des Rock

Damit war die Geschichte aber nicht zu Ende, denn eine ganze Generation an Bluesrock-Gitarristen hatte Anfang der 1960er-Jahre die Les Paul für sich entdeckt. Das trug dazu bei, dass Gibson das Modell wieder herstellte – und auch der Schöpfer selbst wieder mit an Bord war.

Wie die Geschichte dann weiterging, sieht man, wenn man sich die Bilder der Rock- und Bluesgeschichte anschaut. Von Jimmy Page über Slash, von Peter Greene über Billy Gibbons, von Joe Perry über Joe Bonamassa (der in den letzten Jahren gefühlt den gesamten Bestand aller Vintage-Les-Pauls bis 1960 aufgekauft hat): Die Les Paul wurde zur ikonischen Gitarre des Rock’n’Roll – und ist, neben der Fender Stratocaster und der Fender Telecaster, der Inbegriff der E-Gitarre.

Vorreiter auch in anderen Dingen

Les Paul war aber nicht nur der Schöpfer der Les Paul (die es in verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel Studio, Custom oder Classic, gibt), sondern leistete auch in Sachen Studioeffekte Pionierarbeit. Auf der Single How High The Moon mit Mary Ford hört man zum ersten Mal in der Musikgeschichte Tape Delay – das von Paul kreiert wurde. Auch bei Multitrack-Recording war er einer der Ersten. Nachzuhören ist dies auf Lover (When You’re Near Me) aus dem Jahr 1947, auf dem er sieben verschiedene Gitarrenparts spielt. Les Paul war aber auch erfolgreicher Musiker. Gemeinsam mit Mary Ford hatte er in den 1950er-Jahren eine Reihe von Hits.

Dass Les Paul zu dieser Zeit überhaupt noch Gitarre spielen konnte, war nur seinem Willen und seiner Sturheit zu verdanken: 1948 erlitt er bei einem Autounfall schwere Verletzungen. Dass er jemals wieder  spielen können würde, erschien zunächst unrealistisch. Die Ärzte erklärten ihm, dass sie seinen rechten Ellenbogen wohl nicht wiederherstellen könnten. Pauls Reaktion: Er bat darum, seinen rechten Arm in einem solchen Winkel zu fixieren, dass er ein Plektrum halten und spielen konnte.

Bis zum Schluss musikalisch aktiv

Les Paul war bis ins hohe Alter musikalisch aktiv. Ab 1995 spielte er wöchentlich im Iridium Jazz Club in New York. Die Creme de la Creme hofierte ihn als Legende, immer wieder begrüßte er prominente Stars bei sich auf der Bühne. Er nahm im Alter von 91 Jahren ein Duett-Album mit Musikern wie Eric Clapton, Jeff Beck und Peter Frampton auf – und wurde damit mit zwei Grammy Awards ausgezeichnet.

Les Paul starb am 12. August 2009 im Alter von 94 Jahren. Sein Name wird für immer mit der elektrischen Gitarre gleichzusetzen sein. So sehr, dass er einmal sagte: „Wenn ich mich den Leuten vorstelle, sind sie stets überrascht festzustellen, dass ich keine Gitarre bin und auch nicht tot!“.

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