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Popkultur

Von Doug Irwin bis Gibson: Das sind die 11 wertvollsten Gitarren der Welt

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John Lennon
Foto: Max Scheler/K & K/Redferns/Getty Images
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1964er Stratocasters, 1959 Les Paul Standards und einzigartige Custom-Modelle: Die folgenden Gitarren wären auch ohne ihre prominenten Vorbesitzer*innen nahezu unbezahlbar. Dadurch, dass die Instrumente aber von prägenden Protagonist*innen der Rockgeschichte gespielt wurden, steigerte sich ihr Wert nochmal um das Vielfache. Wir werfen einen Blick auf die teuersten Gitarren der Welt — und ihre Geschichte.

Platz 11: Jerry Garcias Custom Doug Irwin „Tiger“

1973 gab Jerry Garcia beim Gitarrenmacher Doug Irwin eine Custom-Gitarre in Auftrag. Der Musiker hatte zuvor bereits ein weiteres Instrument bei Irwin fertigen lassen, „The Wolf“. Garcia und Irwin arbeiteten gemeinsam an der perfekten Gitarre für den Grateful-Dead-Frontmann. Mit Erfolg: Die „Tiger“ war zehn Jahre lang – von 1979 bis 1989 – das Hauptinstrument des Musikers. Nach Garcias Tod entfachte ein Streit zwischen der Band und dem Gitarrenmacher um den Besitz der Gitarren. Garcia hatte sie in seinem Testament Irwin hinterlassen, die Grateful Dead waren jedoch der Meinung, dass die Instrumente prinzipiell Bandbesitz seien. Beide Parteien einigten sich schließlich darauf, dass Irwin einige legendäre Modelle (wie eben die Custom-Modelle „Tiger“ und „Wolf“) erhielt, der Großteil der Instrumente aber an die Band ging. Die „Tiger“ wurde 2002 für 957.000 Dollar (heute etwa umgerechnet 889.000 Euro) versteigert.

Platz 10: Eric Claptons Stratocaster „Blackie“

Eric Claptons schwarze Stratocaster „Blackie“ zählt zu den legendärsten Instrumenten des Blues- und Rock-Veteranen. Die Geschichte der Hybrid-Gitarre: 1970 kaufte Clapton in einem Laden in Nashville sechs Stratocasters – für den Preis von 100 Dollar pro Stück. Drei davon verschenkte er an Freunde. Eine bekam George Harrison, eine Steve Winwood, eine Pete Townshend. Aus den restlichen Gitarren nahm sich Clapton das Beste raus und baute daraus „Blackie“. Die Gitarre wechselte 2004 für einen guten Zweck ihren Besitzer: Sie wurde für 959.000 Dollar (etwa 874.500 Euro) versteigert – eine Summe, die Claptons Suchttherapiezentrum Crossroads zugute kam.

Platz 9: Bob Dylans 1964 Stratocaster

Eines kann man wohl sagen: Folk-Purist*innen hassten im Jahr 1965 diese Gitarre wie keine andere. Das Instrument, das erst ein Jahr zuvor gebaut worden war, wurde von Bob Dylan bei dessen denkwürdigen Auftritt auf dem Newport Folk Festival 1965 gespielt. Dylan, zu dieser Zeit gegen seinen Willen zur Stimme einer Generation erklärt, hatte keine Lust mehr auf Protestsongs und wandte sich dem Rock’n’Roll zu. Das sorgte bei vielen Fans und Mitstreiter*innen für blankes Entsetzen – und brachte dem Singer/Songwriter so einiges an Buhrufen und Widerstand ein. Apropos einbringen: Die Gitarre wurde für 950.000 Dollar (umgerechnet etwa 866.200 Euro) verkauft.

Platz 8: Keith Richards 1959 Les Paul Standard

Zu sagen, 1959 wäre bei Les Paul ein guter Jahrgang gewesen, wäre eine schiere Untertreibung. Paulas aus dieser Ära sind auch ohne prominente*n Vorbesitzer*in höchst gefragt und nicht gerade kostengünstig. Wenn das Instrument allerdings Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards gehörte, steigert das den Wert dann doch nochmal deutlich. Die Gitarre (die ein markantes Bigsby-Tremolo besitzt) ist noch dazu historisch: Richards spielte sie beim ersten Stones-Auftritt in der Ed Sullivan Show im Jahr 1964. 2003 wurde sie versteigert – für eine Million Dollar (heute umgerechnet rund 911.800 Euro).

Platz 7: Gibson 1958 Korina Explorer

Die Explorer aus dem Hause Gibson, Baujahr 1958,  ist nicht nur ein zeitloser Klassiker, sondern hatte auch prominente Vorbesitzer. So wurde sie von Rick Nielsen von Cheap Trick, Kirk Hammett von Metallica und Slash von Guns N’Roses gespielt. Die Gitarre wurde für 1,1 Millionen Dollar (umgerechnet etwas über eine Million Euro) versteigert.

Übrigens scheint auch James Hetfield eine Korina Explorer aus demselben Jahr zu besitzen:

Platz 6: Jerry Garcias Doug Irwin „Wolf“-Gitarre

Als Jerry Garcias Custom-Gitarre 2002 versteigert wurde, brachte sie noch deutlich weniger ein als eine andere Gitarre aus dem Arsenal des Grateful-Dead-Masterminds, nämlich 789.500 Dollar (rund 719.800 Euro). 2017 wurde sie erneut versteigert – diesmal für sage und schreibe 1,9 Millionen Dollar (etwa 1,7 Millionen Euro).

Platz 5: Bob Marleys Washburn 22-Series Hawk

Eigentlich hat man ja eher eine rote Gibson Les Paul im Kopf, wenn man an Bob Marley denkt. Es ist allerdings eine Washburn 22-Series Hawk aus dem Besitz des Reggae-Musikers, die den vierten Platz der teuersten Gitarren aller Zeiten belegt. Die Gitarre soll von der jamaikanischen Regierung für einen geschätzten Preis von 1,2 bis zwei Millionen Dollar gekauft worden sein. Sie wurde außerdem zum jamaikanischen nationalen Kulturgut erklärt.

Platz 4 (2): Greeny1959 Les Paul

Metallica-Fans kennen Greeny nur zu gut: Denn die legendäre Les Paul wurde 2014 von Metallica-Leadgitarrist Kirk Hammett erworben – für zwei Millionen Dollar (etwa 1,8 Millionen Euro). Ursprünglich hatte die Gitarre Fleetwood-Mac-Gründer Peter Green gehört, ehe sie in die Hände des 2011 verstorbenen Bluesgitarristen Gary Moore wechselte und von ihm ausgiebig gespielt wurde.

Platz 4: Jimi Hendrix’ 1968er Stratocaster

Gleichauf mit „Greeny“ liegt eine Strat von Gitarrenlegende Jimi Hendrix aus dem Jahr 1968. Beim Modell im Farbton Olympic White handelt es sich nicht um irgendeine Strat aus dem Besitz von Hendrix: Es war jene Gitarre, die Hendrix in Woodstock spielte. 1998 wurde sie für zwei Millionen Dollar versteigert.

Platz 3: John Lennons Gibson J-160-E

Platz drei der teuersten Gitarren geht an eine Akustikgitarre – allerdings nicht an irgendeine: John Lennon hatte im September 1962 im Liverpooler Rushworth’s Music House eine Gibson J-160-E-Akustikgitarre gekauft – für damals 162 Pfund. 53 Jahre später war sie dann schon etwas mehr wert: Die Gitarre, die Lennon unter anderem bei den Aufnahmen zu Please Please Me und With The Beatles spielte, wurde für 2,41 Millionen Dollar versteigert.

 Platz 2: „Reach Out To Asia-Stratocaster

Bis 2019 war die „Reach Out To Asia“-Stratocaster viele Jahre die teuerste Gitarre aller Zeiten. Gebaut wurde die Gitarre von Fender für Bryan Adams’ „Reach Out To Asia”-Charityprojekt, das Geld für die Opfer des Tsunamis im Indischen Ozean 2004 sammeln sollte. Dafür ließ Adams prominente Kolleg*innen auf die Gitarre ihre Signatur setzen: Jimmy Page, Eric Clapton, David Gilmour, Tony Iommi und andere unterschrieben das Instrument. Schließlich wurde die Gitarre bei einer Auktion versteigert – und brachte stolze 2,7 Millionen Dollar (etwa 2,4 Millionen Euro) ein.

Platz 1: David Gilmours schwarze 1969 Stratocaster

2019 versteigerte Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour im New Yorker Auktionshaus Christie’s rund 120 Gitarren. Mit dabei: Gilmours ikonische 1969er-Stratocaster. Dass diese Gitarre nicht unbedingt für einen Pappenstiel den Besitzer wechseln würde, war abzusehen – schließlich war die Strat lange Zeit eine von Gilmours Hauptgitarren und ist auf etlichen Pink-Floyd-Alben der 1970er-Jahre zu hören. Schlussendlich ging sie für einen Rekordpreis von 3.975.000 Dollar über die Ladentheke – umgerechnet rund 3,6 Millionen Euro. Es war an diesem Tag nicht die einzige von Gilmours Gitarren, die einen Millionenbetrag erzielte: Seine Stratocaster aus dem Jahr 1954 brachte über 1 Million Dollar, seine Martin D-35 Nazareth Akustikgitarre über 1.095.000 Dollar (rund 998.400 Euro).

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit I’M SOUND. Die Musik-Equipment-Versicherung sorgt dafür, dass Berufs- und Hobbymusiker*innen sowie Sammler*innen bei Beschädigung, Zerstörung oder Verlust ihrer Schätze durch nahezu alle Gefahren abgesichert sind – egal, ob teure Vintage-Gitarre oder frisch gekaufte Einsteiger-Klampfe. Erfahre hier mehr zum Angebot.

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Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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