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Popkultur

Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

1964 wurden Pink Floyd gegründet, 2014 gab die Gruppe bekannt: „This is the end.“ 15 Studioalben haben die Briten in 50 Jahren Bandgeschichte veröffentlicht. In diesem Artikel erfahrt ihr, welche davon besonders gut gelungen sind. Wie immer: Ihr seid der gleichen Meinung? Super! Euer Ranking wäre anders ausgefallen? Lasst uns wissen, wie!

von Timon Menge

15. The Final Cut (1983)

Vier Jahre nach The Wall veröffentlichen Pink Floyd das letzte Album in ihrer klassischen Besetzung. Inhaltlich ist The Final Cut kaum erwähnenswert. Der Alleingang von Roger Waters gerät unspektakulär bis anstrengend. Keyboarder Richard Wright hat die Band zu jener Zeit bereits verlassen. Für Waters selbst ist der Titel der Platte Programm: Es handelt sich zum seine letzte Veröffentlichung mit Pink Floyd. Wenn man The Final Cut so hört, muss man vielleicht sagen: zum Glück.

14. More (1969)

Mit ihrem ersten Soundtrack More für den gleichnamigen Film landen Pink Floyd (vorsichtig ausgedrückt) nicht den größten Hit. Innerhalb der Gruppe markiert die Veröffentlichung allerdings einen wichtigen Wendepunkt, denn es handelt sich um die erste Platte ohne den direkten Einfluss von Gründungsmitglied Syd Barrett. Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright und Nick Mason entdecken ihre avantgardistische Ader, scheinen dabei aber hin und wieder die Hörbarkeit aus den Augen zu verlieren.

13. Ummagumma (1969)

Was sich Pink Floyd bei ihrem zweiteiligen Ausrutscher Ummagumma gedacht haben, wissen wohl nur die Musiker selbst. Bei den Live-Aufnahmen auf der ersten LP konnte nicht allzu viel schiefgehen, denn wir alle wissen, dass die Briten auf der Bühne in der Regel eine gute Figur gemacht haben. LP Nummer zwei entführt uns allerdings in die traurige Welt der Einzelkompositionen, von denen eine fragwürdiger ist als die andere. Auch diese Floyd-Veröffentlichung kann man guten Gewissens überspringen.

12. A Momentary Lapse Of Reason (1987)

The Final Cut liegt vier Jahre zurück; Keyboarder Wright ist wieder da, wenn auch nur als Angestellter, nicht als festes Bandmitglied. Mit allen Mitteln versucht Roger Waters die Veröffentlichung von A Momentary Lapse Of Reason unter dem Namen Pink Floyd zu verhindern, scheitert allerdings. Genauso wie das Trio Gilmour, Wright und Mason, dem es nicht gelingt, den Geist vergangener Pink-Floyd-Veröffentlichungen einzufangen. Als Soloalbum hätte A Momentary Lapse Of Reason vielleicht weniger enttäuscht.

11. Obscured By Clouds (1972)

Ihr siebtes Album Obscured By Clouds spielen Pink Floyd im Eilverfahren als Soundtrack für den französischen Film La Vallée ein. Gerade einmal zwei Tage dauert die Produktion der Platte. So schnell muss es auch gehen, denn eigentlich sind Gilmour, Waters, Mason und Wright zu jener Zeit auf Tour. Dafür, dass Obscured By Clouds quasi zwischen Tür und Angel eingespielt wird, klingt das Album gar nicht mal schlecht. Insgeheim dürften sich Pink Floyd aber bereits mit ihrem nächsten größeren Projekt beschäftigen: The Dark Side Of The Moon.

10. The Endless River (2014)

Stolze 20 Jahre später verwursten David Gilmour und Nick Mason das Material, das während der Sessions zu The Division Bell liegengeblieben ist und formen daraus The Endless River, das allerletzte Pink-Floyd-Album. Roger Waters hat die Band vor etwa 30 Jahren verlassen; Keyboarder Richard Wright ist 2008 gestorben, erscheint allerdings posthum auf der Platte. Das klingt alles nach Kompromiss und das ist es auch. The Endless River lässt sich nett durchhören, mehr aber auch nicht.

9. A Saucerful Of Secrets (1968)

Während der Aufnahmen zu A Saucerful Of Secrets betritt David Gilmour zum ersten Mal die Bildfläche, denn Gründungsmitglied Syd Barrett leidet zunehmend unter mentalen Problemen. Gilmour übernimmt auch sofort den Löwenanteil der Arbeit und spielt fünf der insgesamt sieben Songs ein, während Barrett nur noch zwei der Stücke aufnimmt. Die Zeichen bei Pink Floyd stehen auf Umbruch. Doch A Saucerful Of Secrets ist erst der Anfang.

8. Atom Heart Mother (1970)

Was Pink Floyd auf More und Ummagumma noch nicht so gut gelang, nimmt auf Atom Heart Mother langsam Formen an. So verlieren sich die Musiker nicht mehr allzu sehr in ihren Jams und Experimenten, sondern stellen den Song in den Mittelpunkt. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Aber wir sind ja auch noch lange nicht am Ende unserer Auflistung angelangt.

7. The Division Bell (1994)

Was auf A Momentary Lapse Of Reason schiefgelaufen ist, haben David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright auf The Division Bell korrigiert: Sieben Jahre später scheinen die drei Musiker ihre Motivation wiedergefunden zu haben, denn auf dem 14. Pink-Floyd-Album funktionieren sie auch ohne Roger Waters. Klar, ihren Biss und ihre Dringlichkeit haben die Briten weitestgehend verloren, aber The Division Bell lässt Fans weltweit noch ein (vor)letztes Mal den guten alten Pink-Floyd-Vibe spüren. Anschließend erscheint 20 Jahre lang kein neues Studioalbum.

6. The Piper At The Gates Of Dawn (1967)

Das Debüt von Pink Floyd markiert in jeder Hinsicht einen besonderen Zeitpunkt in der Geschichte der Briten. Nicht nur, dass es sich um das erste Album von Roger Waters, Richard Wright und Nick Mason handelt. Nein, The Piper At The Gates Of Dawn ist auch das einzige Floyd-Album, das unter der Federführung des früh verstorbenen Gründungsmitglieds Syd Barrett entsteht. Wenn es eine Veröffentlichung gibt, die den Geist der frühen, psychedelischen Pink Floyd einfängt, dann diese.

5. Meddle (1971)

Auf Meddle führen Pink Floyd fort, was sie mit Atom Heart Mother angefangen haben und transformieren die Band in der Post-Syd-Barrett-Ära weiter zu den Prog-Legenden, die kurz danach die Meisterwerke The Dark Side Of The Moon und Wish You Were Here veröffentlichen. Der Start fällt den Briten zwar schwer und sie hantieren zunächst mit allerhand experimentellen Songwriting-Methoden herum, bevor sie in die Produktion einsteigen. Doch am Ende des Prozesses steht das sechste Pink-Floyd-Album, das Großes erahnen lässt.

4. Animals (1977)

Dass Pink Floyd mal ein Schwein weggeflogen ist, haben wir euch bereits erzählt. Das dazugehörige Album: Animals. Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright und Nick Mason können sich inzwischen kaum noch riechen; der Bruch steht kurz bevor. Waters schreibt die Platte beinahe im Alleingang und setzt sich inhaltlich mit den sozialen und politischen Entwicklungen im England der Siebziger auseinander. Auf der dazugehörigen Tour In The Flesh merkt Waters, dass er sich von seinem eigenen Publikum entfremdet hat, was uns direkt zu Platz drei führt.

3. The Wall (1979)

Auf dem Konzeptalbum The Wall erzählen Pink Floyd die Geschichte von Pink, einem erfolgreichen jungen Musiker, der sich abschottet, weil er unter seiner überfürsorglichen Mutter, dem Tod seines Vaters, schwierigen Liebesbeziehungen und Problemen in der Schule leidet. Auch diese Veröffentlichung stammt größtenteils aus der Feder von Roger Waters, inhaltliche Parallelen zu seiner eigenen Biografie liegen auf der Hand. Nach der dazugehörigen Tour endet eine Ära, denn Keyboarder Richard Wright verlässt die Band.

2. Wish You Were Here (1975)

Allein das neunteilige Meisterwerk Shine On You Crazy Diamond und der Titeltrack katapultieren Wish You Were Here auf Platz zwei unserer Liste. Ein Teil des Albums entsteht, während Pink Floyd 1974 durch Europa touren; die Stimmung innerhalb der Band wird zu jener Zeit bereits schlechter. Für die meisten Bands wäre diese Platte ein solider erster Platz, doch bei Pink Floyd kommt da noch was …

1. The Dark Side Of The Moon (1973)

Jedes Pink-Floyd-Ranking kann nur von The Dark Side Of The Moon angeführt werden. Auf ihrem achten Album gelingt den Briten die vollkommene Verschmelzung von erdigem Rock, Prog-Handwerk und experimentellen Ausflügen, was von Musikfans weltweit mit astronomischen Verkaufszahlen gewürdigt wird. Ganze 14 Jahre(!!) hält sich die Platte in den US-Charts. Wahnsinn!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.1.1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer besten Freundin.

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Foto: Ebet Roberts/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1982.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Trauer lässt Menschen merkwürdige Dinge tun. Da bilden auch Rockstars keine Ausnahme: Am 29. Januar 1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer kürzlich verschiedenen besten Freundin und sorgt für enorm hoch gezogene Augenbrauen. Als Teil der für Drogeneskapaden bekannten Band Fleetwood Mac gar nicht so einfach… 

Hört euch hier Bella Donna an, Stevies erstes Soloalbum von 1981: 

Nun ist es nicht gerade so, dass Stevie Nicks in ihrer Karriere keine Skandale vorweisen kann. Als Mitglied von Fleetwood Mac gibt sie laut eigenen Angaben zwischen 1977 und 1986 mehrere Millionen für Kokain aus, begibt sich in einen Beziehungsreigen mit Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood und einem nicht geringen Anteil der Eagles und wechselt schließlich auf das Beruhigungsmittel Clonazepam.

Kosmisches Gleichgewicht

Währenddessen zeigt sich die ätherische Meisterin des Rock mitverantwortlich für Werke wie das Album Rumours von Fleetwood Mac, das das genannte Liebeswirrwarr schmerzhaft aufarbeitet, oder das zeitlose Landslide. Der Entzug gelingt ihr beide Male, viele Musikerinnen nennen sie heute als wichtigen Einfluss, und nebenher engagiert sich Nicks ehrenamtlich. Eigentlich hält sich in ihrem Kosmos also alles die Waage.

Doch 1982 gerät das Gleichgewicht ins Schwanken. Kurz nach der Veröffentlichung ihres Solodebüts Bella Donna erhält die Musikerin die traurige Nachricht, dass ihre beste Freundin Robin Anderson an Leukämie erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Ein heftiger Schicksalsschlag für alle Beteiligten, der durch Andersons Schwangerschaft noch mehr Schwere erhält. Nicks, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch benebelt durchs Leben schwebt, kann die Situation kaum ertragen: „Ich war so auf Koks. Ich trank auf dem Weg (ins Krankenhaus) eine halbe Flasche Brandy, weil ich es nicht aushalten konnte.“

Kurzschlussreaktion Ehe

Anderson bringt mit letzter Kraft ihren Sohn Matthew zur Welt, verstirbt jedoch nur drei Tage später. „Ich hatte diese verrückte, wahnsinnige Vorstellung, Robin würde wollen, dass ich mich um Matthew kümmere“, erinnert sich Nicks. Weit hergeholt erscheint das nicht, immerhin ernennt man sie zur Patentante. Ihre Interpretation der Aufgabe fällt jedoch etwas besorgniserregend aus: In ihrer Trauer überzeugt sie Andersons Witwer Kim, dass eine Hochzeit die beste Option darstelle. Drei Monate später findet die Eheschließung statt.

„Komplett irre“, weiß die Sängerin heute. „Wir steckten alle knietief in der Trauer, standen völlig neben uns. Die Familien waren außer sich, als sie davon erfuhren; für viele war das Blasphemie. Aber das war mir egal. Mir war nur Matthew wichtig.“ Nicks merkt jedoch recht schnell, dass ihr Urteilsvermögen gerade nicht den besten Job macht. Die seit jeher spirituelle Künstlerin betritt eines Tages das Zimmer des Jungen und spürt die Gegenwart der Verstorbenen: „Es war dunkel, und das Baby war sehr still. Robin wollte, dass das sofort endet. Das habe ich so deutlich gespürt wie eine Hand auf der Schulter.“

„Go your own way“

Keine drei Monate später beendet die „Reigning Queen of Rock and Roll“ die Ehe. Es bleibt ihre einzige: „Die zählt nicht.“ Um den kleinen Matthew aber kümmert sich Nicks wie versprochen. Zwar bleibt der Kontakt zunächst aus, später finanziert sie dem Jungen jedoch das College. Kosmisches Gleichgewicht, eben.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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Popkultur

Liebesbrief an London: Adeles Debüt „19“ wird 15 Jahre alt

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Adele
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Vor 15 Jahren veröffentlicht eine sehr junge Sängerin namens Adele ihr erstes Album 19. Eine der größten Popkarrieren aller Zeiten beginnt in einem Londoner Kinderzimmer – und wird fast vom Alkohol im Keim erstickt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr 19 hören:

Adele Laurie Blue Adkins und London, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sie wird 1988 in Tottenham geboren, wächst einige Jahre in Brighton auf und kehrt mit zehn nach London zurück. Erst wohnt sie mit ihrer Mutter in Brixton, später in West Nordwood südlich der Themse. Hier verbringt sie ihre Teenagerzeit, ein musikbegeistertes Mädchen mitten in der riesigen Metropole, die perfekte Kombi. Sie und London, das soll sich nie ändern, wenn es nach Adele geht.

Geschrieben in zehn Minuten

Als ihre Mutter ihr nahelegt, die Stadt für ein Studium zu verlassen, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie setzt sich hin – und schreibt binnen zehn Minuten Hometown Glory, ihren allerersten Song. Sie lässt alles raus, ihre Liebe zu dieser Stadt, ihre Angst, sie zu verlassen, die Diskussionen mit ihrer Mutter. „Meine Mom und ich konnten uns nicht einigen, wo ich studieren sollte“, erzählte Adele 2008 in einem Interview. „Sie wollte, dass ich nach Liverpool gehe, ich wollte aber in London bleiben. In gewisser Weise ist Hometown Glory eine Art Protestsong über die Erinnerungen – gute wie schlechte – an seine Heimat. Eine Ode an den Ort, an dem ich mein Leben verbracht habe.“

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ist ein Glücksfall. Es ist 2007, und der Name Adele spricht sich langsam in Londons Musikwelt herum. Erste Fernsehauftritte steigern den Hype, Singer/Songwriter Jamie T wird auf die junge Dame mit der großen Stimme aufmerksam, bringt ebenjene Ode Hometown Glory im Oktober 2007 in einer limitierten Vinyl-Fassung heraus. Dann geht alles ganz schnell: Aus ihrem Kinderzimmer im Haus der Mutter heraus bekommt Adele den ersten Brit Awards Critics’ Choice-Preis verliehen und wird zur größten Newcomerhoffnung 2008 deklariert.

Da sollte mal jemand so was von Recht behalten: Zwei Wochen vor ihrem Debüt erscheint die Single Chasing Pavements. Die klettert bis auf Platz zwei der Charts und leitet eine neue Ära in der britischen Popmusik ein: Mit 19 erscheint am 28. Januar 2008 eines der wichtigsten und besten Debüts in der Musikgeschichte Großbritanniens. Der Hype ist mittlerweile im ganzen Land greifbar, die Hauptstadt verkündet die Ankunft eines neuen Megastars mit eigenem Kopf und starker Meinung.

„Ich wurde in dieser Zeit zur Frau“

19, benannt nach dem Alter, in dem sie die meisten Songs schrieb, wird zum Instant-Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Soul und Pop ist feinfühlig und warm, ihre volle, durchdringende Stimme thront über allem, singt die Konkurrenz mühelos an die Wand und erzählt in melancholietrunkener Zerbrechlichkeit von gebrochenen Herzen, Heimweh und großen Träumen.

Zum Titel sagt sie: „Mir ist nichts Besseres eingefallen! Ich finde die Titel von Debütalben extrem wichtig, die besten sind für mich Debut von Björn und Miseducation von Lauryn Hill. Dieses Album repräsentiert mein Alter, mein Leben zu dieser Zeit. Ich war erst 19, als ich es schrieb, und wurde in dieser Zeit zur Frau. Das findet sich in den Songs wieder.“ Mehr noch: Die Art und Weise, wie sie die Vokale in die Länge zieht, markiert einen neuen Stil in der britischen Popmusik. „Adele hat das Potential, zu einer der angesehensten und inspirierendsten Künstler*innen ihrer Generation zu werden“, urteilt Billboard und reiht Adele aus dem Stand zwischen Amy Winehouse und Duffy ein.

Toxische Beziehung und zu viel Alkohol

Mit Amy Winehouse teilt sie anfangs nicht nur die starke Stimme und den Erfolg: Adele trinkt. Viel. Im Mai 2008 soll sie auf ihre erste große Tournee gehen, der Fokus liegt klar auf der Eroberung des US-Marktes. Das passt ihr nicht: Sie hat starkes Heimweh und steigt nicht gern in Flugzeuge. Wegen ihres damaligen Freundes sagt sie sogar einige US-Termine ab, nach Ansicht vieler der Todesstoß für jede Form von Karriere in den geheiligten Poplanden USA. Trifft auf sie natürlich nicht zu, gut steht es damals dennoch nicht um sie. „Ich nenne diese Zeit meine E.L.C., meine Early Life Crisis“, sagte sie dem Nylon Magazine mal. „Ich trank viel zu viel, was gleichzeitig das Fundament meiner Beziehung zu diesem Jungen war. Ich konnte nicht ohne ihn sein, also sagte ich diese Konzerte einfach ab. Kaum zu glauben, dass ich das wirklich getan habe. Es ist so undankbar.“

Im November 2008 trennt sie sich von ihm und zieht aus ihrem Kinderzimmer aus. Sie lässt sich in Notting Hill nieder, wo sie sich gleich wieder an die Musik macht, und gibt den Alkohol auf. „Diese Beziehung hat mein zweites Album praktisch von selbst geschrieben, also war es das am Ende alles wert“, meinte sie mal trocken. Zunächst segelt sie aber noch mit 19 auf den Wellen des Erfolgs: Anfang 2009 gibt es Gold dafür, bis zum Sommer 2009 hat sich das Album weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft, auch den Grammy für den Best New Artist gibt es für sie.

Sogar das Dylan-Cover gelingt ihr

Nicht übel für eine Sängerin, die, wie sie selbst sagt, „keinerlei Pläne“ für dieses Album hat. „Ich weiß ja nicht mal, welche Art von Künstlerin ich sein will“, sagte sie 2009. „Ich schrieb das Album ja nur, um eine Trennung zu verarbeiten und all die Musik zu spielen, die ich selbst gern höre: Pop, etwas Elektro, Jazz, Folk und natürlich Soul. Ich wollte aber nie ein White Soul Girl sein. Das Album kam ganz natürlich und organisch zusammen.“ Stimmt: Sogar mit ihrem Cover von Bob Dylans Make You Feel My Love kommt sie durch und liefert ein Debüt, auf dem jeder Song sitzt.

Das wirklich Erstaunliche ist ja aber: Bei allem Hype und Erfolg ist 19 doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Adele zwei Jahre später mit 21 lostreten wird.

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Adeles „30“: Von Trennungsschmerz, Selbsterkenntnis und Neuanfängen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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