------------

Popkultur

OUTLAWS | RELOADED

Published on

Outlaws – Reloaded

Ende der 60er-Jahre hübschten pfiffige Produzenten den Country-Sound für die breite Masse auf – sehr zum Missfallen einiger Stars. Johnny Cash, Willie Nelson, Kris Kristofferson & Co. initiierten die Outlaw Country-Bewegung. Jetzt treten ambitionierte Künstler wie Chris Stapleton und Jamey Johnson in die Fußstapfen der legendären Rebellen.

Johnny Cash

Johnny Cash

Chet Atkins war als Gitarrist nahezu unschlagbar. Kein Lick, kein Akkordwechsel, den der 1924 in Luttrell, Tennessee geborene und 77-jährig im Jahr 2001 in Nashville verstorbene Musiker nicht mühelos aus dem Westernhemd-Ärmel geschüttelt hätte. Sein Status als Virtuose ist und bleibt: makellos. Für seine langjährige Produzententätigkeit gilt das allerdings weniger. Nicht, weil Chet Atkins zu wenig erfolgreich gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Der smarte Lockenkopf mit den flinken Fingern hatte auch für massenkompatible Hits ein glückliches Händchen. Als Produzent für Floyd Cramer, Eddy Arnold, Jimmy Dean, Charley Pride, Bobby Bare, Perry Como und die Everly Brothers sammelte er Goldene Schallplatten wie andere Leute Briefmarken. Seine Hitformel war indes umstritten. Der Vorwurf: zu seicht, zu soft, zu glatt. Und vor allem: zu wenig Country.

Es waren nicht die ohnehin an der Music Row Gescheiterten, die übersehenen Talente, die in diesen Mecker-Kanon einstimmten, sondern etablierte Nashville-Größen. Stars wie Willie Nelson, Johnny Cash, Waylon Jennings, Merle Haggard, David Allan Coe, Kris Kristofferson. Und natürlich die ohnehin einer alternativen Gesinnung nachhängenden Musik-Rebellen wie Townes Van Zandt, Steve Earle und Billy Joe Shaver. Sie alle verweigerten sich zunehmend dem Nashville-Establishment. Der eine oder andere – wie zum Beispiel Willie Nelson und Waylon Jennings – kehrten Nashville sogar den Rücken, um in der vitalen Live-Szene von Austin, Texas, einzutauchen und kurzfristig ein neues musikalisches Glück zu finden. Für die Gegenbewegung des zu brav gewordenen Country-Sounds war schnell ein passendes Label gefunden: Outlaw Country, oder Outlaw Movement. Wenn damit schon nicht gleich ein neues Genre geboren wurde, so zumindest eine neuer Trend, eine neue Mode. Es dauerte nicht lange, da wurde aus dem neuen Trend, aus der neuen Mode auch ein neuer Marktplatz. So fuhr nicht nur Waylon Jennings mit dem verwegenen Gauner-Image – und dazu passenden Alben wie „Ladies Love Outlaws“ – Bestseller ein.

Waylon_Ladies

Auch wenn dieses Kapitel Country-Geschichte schon vor rund 40 Jahren geschrieben wurde, steht es dennoch beispielhaft für das Musikbusiness: Eine Bewegung bewirkt eine Gegenbewegung. Das ist heute nicht anders. Ein Trend – beispielsweise in Richtung glattem Pop – folgt geradezu reflexartig eine Strömung in die entgegengesetzte Richtung, also hin zu rustikalem, bodenständigen, roots-verankerten Country. Aktueller Beleg: das Album „Traveller“ von Chris Stapleton. Sein Anfang Mai in den USA veröffentlichtes Debüt präsentiert Country, das der Genre-Bezeichnung mit jeder Note gerecht wird: erdig, naturbelassen, klischeefrei, ehrlich, gehaltvoll. In den 14 – größtenteils selbstgeschriebenen – Titeln erzählt er vom wirklichen Leben: von Frust und Suff, von Herz und Schmerz, von der Einsamkeit einer suchenden Seele oder davon, wie sein Vater vom Glauben abkam. Zum Teil harter Tobak. Seine in rustikale Country-, Folk- und Americana-Klänge gekleidete Poesie trägt der rübezalbärtige Sänger mit rauer Wind- und Wetter-Stimme vor. Keine Frage, Mainstream-Country klingt anders. Ganz anders! Dennoch marschierte das gemeinsam mit Dave Cobb produzierte Album auf Platz zwei er US-Country-Charts, und – umso bemerkenswerter! – auf Platz 14 der Pop-Charts.

Schon das Cover macht übrigens klar, dass hier einer Country nicht als schickes Vehikel für belanglose Musik verwendet: Düstere Schwarz-Weiß-Fotos und eine glamourfreie Großaufnahme mit Pick-Up, Highway und staubiger Prärie bringen das bestimmte Gefühl von Freiheit und Verlorenheit sofort in Wallung. Damit scheint Stapleton den Menschen aus der Seele zu sprechen. Eine Fähigkeit, die er als Mann hinter den Kulissen ohnehin seit Jahren unter Beweis stellt. So schrieb der 1978 in Lexington, Kentucky, geborene Musiker seit der Jahrtausendwende rund 150 Songs für viele Nashville-Größen. Darunter für Stars wie Vince Gill, Sheryl Crow, Luke Bryan, Tim McGraw und Peter Frampton. Seine bislang größten Songwriter-Erfolge feierte er mit „Never Wanted Nothing More“, mit dem Kenny Chesney fünf Wochen lang die Charts anführte; George Strait landete mit „Love’s Gonna Make It Alright“ und Darius Rucker mit „Come Back Song“ einen soliden Chartserfolg. Kurz: Stapleton weiß wie Hit geht. Für sein Album verlässt er sich dennoch nicht auf die bewährte Hitformel. Im Gegenteil: Der bärtige Nonkonformist erinnert nicht selten an seine geistigen Rebellen-Vorfahren – eine Seelenverwandtschaft, die er in dem grandios staubigen Country-Rocker „Outlaw State Of Mind“ musikalisch voll auf den Punkt bringt.

Aus ähnlichem Holz ist der gleichaltrige, ebenfalls aus Kentucky stammende Sturgill Simpson geschnitzt. 2013 debütierte er mit dem Independent-Album „High Top Mountain“, mit dem er auf Platz 31 der Country-Charts landete; der 2014 erschienene Nachfolger „Metamodern Sounds In Country Music“ verkaufte sich schon rund 120.000 Mal und erreichte Platz acht der Charts. Ähnlich wie Stapleton setzt auch Simpson auf ungeschminkte Country- und Alternative-Country-Sounds – und auch auf Produzent Dave Cobb. Um seiner Musik einen möglichst authentischen (Outlaw)-Anstrich zu verpassen, vertraut Simpson bei den Sessions auf legendäre Musiker – wie Hargus „Pig“ Robbins und dem früheren Waylon Jennings-Gitarristen Robby Turner. „Ich habe meinem Produzenten gesagt, dass ich das Feeling dieser alten Country-Alben haben möchte.“ Ist ihm gelungen. Dass er damit auf das richtige Pferd setzte, belegen Auftritte in der Grand Ole Opry, bei David Letterman und Conan O’ Brien sowie bei gemeinsamen Tourneen mit Dwight Yoakam, der Zac Brown Band und mit Ober-Outlaw Willie Nelson.

Wegbereiter und Pionier der neuen Outlaw-Bewegung ist natürlich der von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeierte Jamey Johnson. Der düstere Bär mit Zottelbart erschien 2006 mit dem Top-20-Album „The Dollar“ auf der Country-Bildfläche – und machte sofort von sich Reden. Schon das 2008 erschienene Album „That Lonesome Song“ kletterte auf Platz sechs und mit dem 2010 veröffentlichten Album „The Guitar Song“ krönte Nashville einen neuen Star: Platz eins der Country-, Platz vier der Pop-Charts. Doch der 1975 in Enterprise, Alabama, geborene Künstler ließ sich – trotz Arbeiten für George Strait, James Otto und Joe Nichols – nicht vom Establishment vereinnahmen. Warum auch? Wie bei Willie, Johnny, Waylon, Chris & Co. ist seine Gesinnung schließlich konsequent auf Rebell und Outlaw gebürstet. Mehr noch als seine etwa gleichaltrigen Weggefährten umweht den finsteren Gesellen eine unberechenbare, fast schon gefährliche Aura.

„Man weiß nie, woran man bei Jamey Johnson ist. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er mit den Aufnahmen überhaupt nicht zufrieden ist und mir gleich eine scheuert – dabei war er offenbar total begeistert“, berichtet sein Produzent Dave Cobb über die sehr speziellen Sessions. Aber auch davon, dass Jamey Johnson wie kaum ein anderer in der Lage ist, Songs mit einer geradezu magischen Interpretation aufzuladen. Eine Fähigkeit, die über jede Kritik erhaben ist – und die ihm in seiner relativ kurzen Karriere eine ganze Reihe von Hits und Awards einbrachte. Darunter mehrere CMA-Awards und sechs Grammy-Nominierungen. Künstlerisches Verbiegen scheint bei diesem Künstler aber genauso wenig vorstellbar, wie bei Chris Stapleton und Sturgill Simpson. Klarer Fall: Chet Atkins wäre an ihnen grandios gescheitert.

Text: Gunther Matejka
matejka_banner

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.1.1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer besten Freundin.

Published on

Foto: Ebet Roberts/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1982.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Trauer lässt Menschen merkwürdige Dinge tun. Da bilden auch Rockstars keine Ausnahme: Am 29. Januar 1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer kürzlich verschiedenen besten Freundin und sorgt für enorm hoch gezogene Augenbrauen. Als Teil der für Drogeneskapaden bekannten Band Fleetwood Mac gar nicht so einfach… 

Hört euch hier Bella Donna an, Stevies erstes Soloalbum von 1981: 

Nun ist es nicht gerade so, dass Stevie Nicks in ihrer Karriere keine Skandale vorweisen kann. Als Mitglied von Fleetwood Mac gibt sie laut eigenen Angaben zwischen 1977 und 1986 mehrere Millionen für Kokain aus, begibt sich in einen Beziehungsreigen mit Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood und einem nicht geringen Anteil der Eagles und wechselt schließlich auf das Beruhigungsmittel Clonazepam.

Kosmisches Gleichgewicht

Währenddessen zeigt sich die ätherische Meisterin des Rock mitverantwortlich für Werke wie das Album Rumours von Fleetwood Mac, das das genannte Liebeswirrwarr schmerzhaft aufarbeitet, oder das zeitlose Landslide. Der Entzug gelingt ihr beide Male, viele Musikerinnen nennen sie heute als wichtigen Einfluss, und nebenher engagiert sich Nicks ehrenamtlich. Eigentlich hält sich in ihrem Kosmos also alles die Waage.

Doch 1982 gerät das Gleichgewicht ins Schwanken. Kurz nach der Veröffentlichung ihres Solodebüts Bella Donna erhält die Musikerin die traurige Nachricht, dass ihre beste Freundin Robin Anderson an Leukämie erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Ein heftiger Schicksalsschlag für alle Beteiligten, der durch Andersons Schwangerschaft noch mehr Schwere erhält. Nicks, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch benebelt durchs Leben schwebt, kann die Situation kaum ertragen: „Ich war so auf Koks. Ich trank auf dem Weg (ins Krankenhaus) eine halbe Flasche Brandy, weil ich es nicht aushalten konnte.“

Kurzschlussreaktion Ehe

Anderson bringt mit letzter Kraft ihren Sohn Matthew zur Welt, verstirbt jedoch nur drei Tage später. „Ich hatte diese verrückte, wahnsinnige Vorstellung, Robin würde wollen, dass ich mich um Matthew kümmere“, erinnert sich Nicks. Weit hergeholt erscheint das nicht, immerhin ernennt man sie zur Patentante. Ihre Interpretation der Aufgabe fällt jedoch etwas besorgniserregend aus: In ihrer Trauer überzeugt sie Andersons Witwer Kim, dass eine Hochzeit die beste Option darstelle. Drei Monate später findet die Eheschließung statt.

„Komplett irre“, weiß die Sängerin heute. „Wir steckten alle knietief in der Trauer, standen völlig neben uns. Die Familien waren außer sich, als sie davon erfuhren; für viele war das Blasphemie. Aber das war mir egal. Mir war nur Matthew wichtig.“ Nicks merkt jedoch recht schnell, dass ihr Urteilsvermögen gerade nicht den besten Job macht. Die seit jeher spirituelle Künstlerin betritt eines Tages das Zimmer des Jungen und spürt die Gegenwart der Verstorbenen: „Es war dunkel, und das Baby war sehr still. Robin wollte, dass das sofort endet. Das habe ich so deutlich gespürt wie eine Hand auf der Schulter.“

„Go your own way“

Keine drei Monate später beendet die „Reigning Queen of Rock and Roll“ die Ehe. Es bleibt ihre einzige: „Die zählt nicht.“ Um den kleinen Matthew aber kümmert sich Nicks wie versprochen. Zwar bleibt der Kontakt zunächst aus, später finanziert sie dem Jungen jedoch das College. Kosmisches Gleichgewicht, eben.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

Continue Reading

Popkultur

Liebesbrief an London: Adeles Debüt „19“ wird 15 Jahre alt

Published on

Adele
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Vor 15 Jahren veröffentlicht eine sehr junge Sängerin namens Adele ihr erstes Album 19. Eine der größten Popkarrieren aller Zeiten beginnt in einem Londoner Kinderzimmer – und wird fast vom Alkohol im Keim erstickt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr 19 hören:

Adele Laurie Blue Adkins und London, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sie wird 1988 in Tottenham geboren, wächst einige Jahre in Brighton auf und kehrt mit zehn nach London zurück. Erst wohnt sie mit ihrer Mutter in Brixton, später in West Nordwood südlich der Themse. Hier verbringt sie ihre Teenagerzeit, ein musikbegeistertes Mädchen mitten in der riesigen Metropole, die perfekte Kombi. Sie und London, das soll sich nie ändern, wenn es nach Adele geht.

Geschrieben in zehn Minuten

Als ihre Mutter ihr nahelegt, die Stadt für ein Studium zu verlassen, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie setzt sich hin – und schreibt binnen zehn Minuten Hometown Glory, ihren allerersten Song. Sie lässt alles raus, ihre Liebe zu dieser Stadt, ihre Angst, sie zu verlassen, die Diskussionen mit ihrer Mutter. „Meine Mom und ich konnten uns nicht einigen, wo ich studieren sollte“, erzählte Adele 2008 in einem Interview. „Sie wollte, dass ich nach Liverpool gehe, ich wollte aber in London bleiben. In gewisser Weise ist Hometown Glory eine Art Protestsong über die Erinnerungen – gute wie schlechte – an seine Heimat. Eine Ode an den Ort, an dem ich mein Leben verbracht habe.“

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ist ein Glücksfall. Es ist 2007, und der Name Adele spricht sich langsam in Londons Musikwelt herum. Erste Fernsehauftritte steigern den Hype, Singer/Songwriter Jamie T wird auf die junge Dame mit der großen Stimme aufmerksam, bringt ebenjene Ode Hometown Glory im Oktober 2007 in einer limitierten Vinyl-Fassung heraus. Dann geht alles ganz schnell: Aus ihrem Kinderzimmer im Haus der Mutter heraus bekommt Adele den ersten Brit Awards Critics’ Choice-Preis verliehen und wird zur größten Newcomerhoffnung 2008 deklariert.

Da sollte mal jemand so was von Recht behalten: Zwei Wochen vor ihrem Debüt erscheint die Single Chasing Pavements. Die klettert bis auf Platz zwei der Charts und leitet eine neue Ära in der britischen Popmusik ein: Mit 19 erscheint am 28. Januar 2008 eines der wichtigsten und besten Debüts in der Musikgeschichte Großbritanniens. Der Hype ist mittlerweile im ganzen Land greifbar, die Hauptstadt verkündet die Ankunft eines neuen Megastars mit eigenem Kopf und starker Meinung.

„Ich wurde in dieser Zeit zur Frau“

19, benannt nach dem Alter, in dem sie die meisten Songs schrieb, wird zum Instant-Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Soul und Pop ist feinfühlig und warm, ihre volle, durchdringende Stimme thront über allem, singt die Konkurrenz mühelos an die Wand und erzählt in melancholietrunkener Zerbrechlichkeit von gebrochenen Herzen, Heimweh und großen Träumen.

Zum Titel sagt sie: „Mir ist nichts Besseres eingefallen! Ich finde die Titel von Debütalben extrem wichtig, die besten sind für mich Debut von Björn und Miseducation von Lauryn Hill. Dieses Album repräsentiert mein Alter, mein Leben zu dieser Zeit. Ich war erst 19, als ich es schrieb, und wurde in dieser Zeit zur Frau. Das findet sich in den Songs wieder.“ Mehr noch: Die Art und Weise, wie sie die Vokale in die Länge zieht, markiert einen neuen Stil in der britischen Popmusik. „Adele hat das Potential, zu einer der angesehensten und inspirierendsten Künstler*innen ihrer Generation zu werden“, urteilt Billboard und reiht Adele aus dem Stand zwischen Amy Winehouse und Duffy ein.

Toxische Beziehung und zu viel Alkohol

Mit Amy Winehouse teilt sie anfangs nicht nur die starke Stimme und den Erfolg: Adele trinkt. Viel. Im Mai 2008 soll sie auf ihre erste große Tournee gehen, der Fokus liegt klar auf der Eroberung des US-Marktes. Das passt ihr nicht: Sie hat starkes Heimweh und steigt nicht gern in Flugzeuge. Wegen ihres damaligen Freundes sagt sie sogar einige US-Termine ab, nach Ansicht vieler der Todesstoß für jede Form von Karriere in den geheiligten Poplanden USA. Trifft auf sie natürlich nicht zu, gut steht es damals dennoch nicht um sie. „Ich nenne diese Zeit meine E.L.C., meine Early Life Crisis“, sagte sie dem Nylon Magazine mal. „Ich trank viel zu viel, was gleichzeitig das Fundament meiner Beziehung zu diesem Jungen war. Ich konnte nicht ohne ihn sein, also sagte ich diese Konzerte einfach ab. Kaum zu glauben, dass ich das wirklich getan habe. Es ist so undankbar.“

Im November 2008 trennt sie sich von ihm und zieht aus ihrem Kinderzimmer aus. Sie lässt sich in Notting Hill nieder, wo sie sich gleich wieder an die Musik macht, und gibt den Alkohol auf. „Diese Beziehung hat mein zweites Album praktisch von selbst geschrieben, also war es das am Ende alles wert“, meinte sie mal trocken. Zunächst segelt sie aber noch mit 19 auf den Wellen des Erfolgs: Anfang 2009 gibt es Gold dafür, bis zum Sommer 2009 hat sich das Album weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft, auch den Grammy für den Best New Artist gibt es für sie.

Sogar das Dylan-Cover gelingt ihr

Nicht übel für eine Sängerin, die, wie sie selbst sagt, „keinerlei Pläne“ für dieses Album hat. „Ich weiß ja nicht mal, welche Art von Künstlerin ich sein will“, sagte sie 2009. „Ich schrieb das Album ja nur, um eine Trennung zu verarbeiten und all die Musik zu spielen, die ich selbst gern höre: Pop, etwas Elektro, Jazz, Folk und natürlich Soul. Ich wollte aber nie ein White Soul Girl sein. Das Album kam ganz natürlich und organisch zusammen.“ Stimmt: Sogar mit ihrem Cover von Bob Dylans Make You Feel My Love kommt sie durch und liefert ein Debüt, auf dem jeder Song sitzt.

Das wirklich Erstaunliche ist ja aber: Bei allem Hype und Erfolg ist 19 doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Adele zwei Jahre später mit 21 lostreten wird.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Adeles „30“: Von Trennungsschmerz, Selbsterkenntnis und Neuanfängen

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

Published on

Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss