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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.3.1985 inspiriert ein Rollstuhlathlet den Hit „St. Elmo’s Fire“.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.3.1985.

von Christof Leim

Ein Athlet im Rollstuhl will 1985 die Welt umrunden, ein britischer Sänger soll ein Lied zu einem Film schreiben: Dies ist die Geschichte von St. Elmo’s Fire (Man In Motion) von John Parr.

Hier könnt ihr euch den ganzen Soundtrack zum Film anhören:

Rick Hansen sitzt im Rollstuhl, seit er nach einem Autounfall 1972 querschnittsgelähmt ist. Vorher hat der damals 15-jährige Kanadier viel Sport getrieben und sogar Preise gewonnen. Und er bleibt dran: Hansen macht einen Universitätsabschluss als Sportlehrer und betätigt sich fortan als Volleyballer und Basketballer in Rollstuhlmannschaften. Vor allem nimmt er an Marathonwettkämpfen teil und gewinnt internationale Turniere, darunter drei Weltmeisterschaften. Zweimal gehört er zum Aufgebot für die paralympischen Spiele (1980 und 1984) und gewinnt drei Gold, zwei Silber- und eine Bronzemedaille. Um zu beweisen, dass Menschen mit Behinderung großes Potenzial besitzen, und um für eine barrierefreie Welt zu werben, plant er Großes: Er möchte die Welt in seinem Rollstuhl umrunden. Am 21. März 1985 fällt in Vancouver der Startschuss zur „Man In Motion World Tour“.

Schreibblockade und Inspiration

Der britische Sänger John Parr zerbricht sich derweil den Kopf über ein Lied, das er für den Film St. Elmo’s Fire schreiben soll, ein Coming-Of-Age-Streifen von Joel Schumacher. Vor allem mit dem Text kommt Parr kein Stück weiter.  Sein Songwriting-Partner David Foster, Musiker und Produzent aus Kanada, zeigt ihm Nachrichtenmeldungen über Rick Hansens Weltumrundung. Damit fällt bei Parr der Groschen. Beide schreiben, direkt inspiriert von der sportlichen Mammutaufgabe und zur Unterstützung der Kampagne, das Stück St. Elmo’s Fire (Man In Motion).

John Parr 1985 – Foto: Chris Walter/WireImage

Die Zeilen fallen recht allgemein aus (hier nachzulesen), so dass man sie sowohl auf den Film als auch auf die Fahrt beziehen kann. Macht aber nichts, denn sie transportieren deutlich eine Stimmung von Aufbruch, Ambition und Hoffnung. Der Sage nach sollen Parr und Foster dem Filmstudio versichert haben, der Streifen habe sie inspiriert, doch der Sänger beichtet später, das Werk anfangs gar nicht gesehen zu haben.

Sportlicher und musikalischer Erfolg

St. Elmo’s Fire (Man In Motion) erscheint im Sommer 1985 als Eröffnungsnummer des Soundtracks und wird als Single ausgekoppelt. Auf der Aufnahme hören wir die Creme der damaligen Studiomusiker, darunter Steve Porcaro, Steve Lukather und David Paich von Toto. Die Single schafft es in Parrs Heimatland Großbritannien und in Deutschland auf Rang sechs, in den USA und Kanada sogar an die Spitze mit jeder Menge Top-Ten-Platzierungen weltweit. Oder kurz gesagt: Das Ding wird ein dicker Hit und verschafft dem Duo sogar eine Grammy-Nominierung.

Rick Hansen legt derweil in 26 Monaten sage und schreibe 40.000 Kilometer durch 34 Länder auf vier Kontinenten zurück. Das Medieninteresse international steigt und steigt, so dass er bis zu seiner Rückkehr nach Vancouver am 22. Mai 1987 großartige 26 Millionen Dollar sammeln kann, die für Forschung zu Rückenmarksverletzungen und Initiativen zur Lebensverbesserung für Leute mit Behinderung eingesetzt werden. Hansen wird als Held gefeiert und führt seine Arbeit mit der Rick Hansen Foundation mit großem Erfolg fort. 

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