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Popkultur

Steve Vai wird 60: Spiel’s nochmal, Steve!

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Steve Vai
Foto: Raphael Dias/Getty Images

Virtuose, Zappa-Schüler, Innovator, Musikphilosoph und Entertainer: Am 6. Juni 2020 feiert Steve Vai seinen 60. Geburtstag. Ohne ihn wäre die Gitarrenwelt nicht dieselbe.

von Markus Brandstetter

Es gibt diese legendäre, aber völlig unrealistische Szene im 1986 erschienenen Film Crossroads – Pakt mit dem Teufel, in der es zum Gitarrenduell zwischen Ralph Macchio und Steve Vai kommt. Macchio spielt Eugene Martone, der eine Seele vor dem Teufel retten muss. Der wiederum hat Vai – oder besser gesagt Jack Butler, so heißt Vais Charakter – ins Rennen geschickt. Wie sich das gehört, ist die Waffe des Duells nicht das Florett, die Schrotflinte oder das Messer, sondern das gepflegte Gitarrensolo. Zunächst scheint es nicht klar, ob Gut oder Böse das Duell gewinnt, beide haben offensichtlich ihre Skalen geübt. Schlussendlich scheitert das Böse – Vai – an einem Stück von Niccoló Paganini. Immer verspielt er sich an diesem verdammten Ende. Unrealistisch ist diese Szene aber nicht wegen dem alten, metaphysischen Crossroad-Mythos oder der Seelenrettung … sondern weil Steve Vai ein Gitarrenduell in Wirklichkeit nie verlieren würde. Und außerdem definitiv einer von den Guten ist.

„Little Italian virtuoso“

Genau wie Joe Satriani, bei dem Vai als Teenager Stunden genommen hatte, kam Vai Mitte in den 1980er-Jahren zu Ruhm – und veränderte die Gitarrenwelt nachhaltig. Als er Anfang der 1990er-Jahre mit Passion And Warfare, seinem zweiten Solo-Album (nach Flexable aus dem Jahr 1984) als Solokünstler durchstartete, hatte er bereits jede Menge Erfahrung und Tourbus-Meilen auf dem Buckel – unter anderem als Musiker in Frank Zappas Band.

Vai war in jungen Jahren zu Zappa gestoßen. Zunächst transkribierte er für ihn, anschließend wurde er – nach einer höllischen Audition, wie sich Vai gerne erinnert – in die Band aufgenommen. Zappa bezeichnete ihn anerkennend als seinen „little Italian virtuoso“ oder als Stunt-Gitarristen. Sogar einen Titel widmete er Vai: Stevie’s Spanking ist aber natürlich kein Lobgesang auf Vai, sondern bissiger Zappa-Humor. Die Zappa-Schule hat Vai zweifellos nachhaltig geprägt – sowohl musikalisch als auch in Sachen Arbeitsethos. Mit einigen Zappa-Mitstreitern arbeitete Vai später auch für seine Solokarriere zusammen: Mike Keneally spielte lange in Vais Live-Band, mit Terry Bozzio nahm er das Album Sex & Religion auf.

Virtuosentum und Übungsroutine

Steven Siro Vai, geboren in Long Beach, New York, holte in den 1980er-Jahren außerdem alles aus dem Rockstar-Ding raus, was ging. Er spielte bei Whitesnake, ersetzte Yngwie Malmsteen bei Alcatraz und tourte nicht nur mit David Lee Roth, sondern spielte auch auf dessen erstem Album nach dessen Trennung von Van Halen, Eat ’Em And Smile.

Da war Vai längst der Hotshot der Gitarrenszene. Allerdings gibt es kein Virtuosentum ohne Üben – das hatte er schon als Teenager schon sehr ernst genommen. Er erstellte sich detaillierte Übungspläne, teilte die Zeit genau auf spezifische Felder auf – und übte den ganzen Tag. Das ging soweit, dass er sogar beim Essen mit einer Hand weiterübte. Nur keine Zeit verlieren! Sein um knapp vier Jahre älterer Lehrer Joe Satriani merkte schnell, dass sein Schüler mit ihm auf Augenhöhe war. Später besuchte Vai das Berklee College Of Music, wo er unter anderem mit der Transkription von Zappa-Stücken begann. Die vielleicht schwierigste Aufgabe: Die Transkription von The Black Page, das – salopp formuliert – so heißt, weil tonal soviel passiert, dass das Blatt vor lauter Noten nahezu schwarz erscheint. Vai schickte Zappa seine Transkription – und sogar der Maestro war beeindruckt.

Einer der einflussreichsten Gitarristen überhaupt

Wenn Steve Vai spielt, klingt das unverkennbar nach Steve Vai. Er besitzt nicht nur eine herausragende Technik, ein großes theoretisches Wissen sowie vielleicht einen offensichtlichen physischen Vorteil (die langen, dünnen Finger scheinen wie gemacht für schnelle Sololäufe und größere Sprünge) – sondern auch jede Menge kreative Neugierde, Lust auf Erkundung und Experiment und viel Humor. Vai kommt eben aus der Zappa-Schule, das merkt man ihm und seiner Musik auch an.

Joe Satriani & Steve Vai

Joe Satriani & Steve Vai. Foto: Kevin Winter/Getty Images

Steve Vai verbindet Virtuosentum mit viel Spiritualität (eines seiner Lieblingsthemen), ohne dabei allzu esoterisch zu werden. Er ist irgendwie alles zugleich: Gitarrengott und Trickster, Musikphilosoph und Showman, Rockstar und Erzieher. Vai ist akrobatisch und kreativ, wagemutig, virtuos und albern. Vais Spiel besteht nie aus reinen Turnübungen oder verbissenen Technik-Demonstrationen. Vor allem live ist da viel Überzeichnung und jede Menge Augenzwinkern dabei – da wäre Vai viel zu sehr Showman, um darauf verzichten. Siehe: Windmaschine, futuristische Uniformen und Laseraugen.

Erfolg mit Signature-Gitarre

Vai hat aber nicht nur seinen Fans, sondern auch der Gitarrenindustrie viel Freude gemacht. Nachdem er seine Anfänge auf Strats oder modifizierten Superstrats machte, begann er, mit der japanischen Gitarrenfirma Ibanez zusammenzuarbeiten. Die Ibanez JEM, Vais Signature-Modell, wurde ins Leben gerufen. Bis heute ist sie eines der bekanntesten und beliebtesten regulären Signature-Gitarrenmodelle.

Die Optik ist unverkennbar: Der Monkey-Grip auf dem Korpus, die spitze Form, die vielen Verzierungen und Inlays – und gerne knallige Farben (rosa, knallgelb), Blumenmuster. Oder ganz in weiß, wie Vais langjährige Hauptgitarre „EVO“. Die JEM setzte in der Gitarrenwelt Maßstäbe. Vor kurzem veröffentlichten Vai und Ibanez die neue Signature-Linie: Aus JEM wurde PIA, nach Vais Ehefrau benannt. Die Optik ist relativ ähnlich, die Details sind etwas anders, der Preis etwas höher. Neben Ibanez arbeitet Vai auch seit Jahren mit dem Tonabnehmer-Hersteller DiMarzio zusammen – und veröffentlichte auch andere Signature-Teile (Bad-Horsie-Wah, Carvin-Amps et cetera). Und auch die siebensaitige Gitarre hat Vai im Rock populär gemacht – und die Ibanez Universe veröffentlicht. Bands wie Korn, die die siebensaitige Gitarre im Metal etablierten, nannten ihn als großen Einfluss.

Einfluss für neue Generationen

Eine neue Generation an Gitarrenvirtuos*innen, die derzeit immer mehr an Fahrt und Popularität gewinnt, beruft sich immer wieder auf Vai als wichtigen Einfluss, darunter der australische Prog-Gitarrist Plini, Gitarrenwunder Tosin Abasi oder Alice-Cooper-Gitarristin und Solokünstlerin Nita Strauss. Mit vielen davon konnte man Vai gemeinsam auf der Bühne sehen, sei es bei seinem Gitarren-Happening „Generation Axe“ oder erweiterten G3-Gipfeltreffen (bei denen er immer wieder mit seinem alten Freund Joe Satriani zusammen trifft).

Vai selbst macht auch mit 60 weiterhin das, was er immer gemacht hat: Er versucht, neue Territorien auf seinem Instrument für sich – und andere – zu erschließen. Während des Corona-Lockdowns hat er es außerdem etabliert, zweimal pro Woche mit seinen Fans per Videostream über seine Philosophie, Routine, Technik und vieles mehr zu sprechen. Was Vai stets betont: Es geht nie um Virtuosität als Selbstzweck. Vielmehr ist es wesentlich, seine eigene Stimme zu finden und seine Technik so weit zu entwickeln, dass man eben das sagen kann, was man sagen möchte. Wie weit man technisch dafür gehen muss, hängt von der musikalischen Vision ab, ist im im Grunde aber zweitrangig. Eines steht fest: Vai ging für seine Vision sehr weit.

Zur Feier des Tages hier ein paar der wichtigsten Vai-Stücke:

Joe Satriani im Interview: „Veränderung ist unumgänglich“

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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