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Popkultur

The Cadillac Three – Black Sabbath auf Maisbrot

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„Letztens kam ein Fan nach der Show zu uns und meinte ‘Ihr seid wie Black Sabbath auf Maisbrot!‘“ Das erzählte uns Jaren Johnston, Sänger und Gitarrist der Band Cadillac Three, am Dienstag vor dem letzten Konzert ihrer UK Tour im legendären Dingwalls in Nord London.

uDiscover nahm die Gelegenheit wahr ein kurzes Interview mit der Band vor der Show zu machen, um zu erfahren was dieses grandiose Dreiergespann antreibt und motiviert. „Im Alter von etwa 13 Jahren festigt sich der Musikgeschmack für’s ganze Leben“, sagt Jaren, „Ich hab viel Nirvana, Metallica, Rage Against the Machine, Dinosaur Jr, Lynyrd Skynyrd, The Allman Brothers und Muddy Waters gehört; Ich hab alles wie ein Schwamm absorbiert. Eine der prägendsten Momente für mich war allerdings, als ich Tom Petty & The Heartbreakers zum ersten Mal hörte – auch was das Songwriting anbelangt. Seine Art Songs zu schreiben war einfach toll.“

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„Mit 13 Jahren bekam ich außerdem auch meine erste Gitarre, und da ich aus Nashville komme habe ich natürlich viel Country Musik im Radio gehört. Kurz danach habe ich mir Metallica’s …And Justice For All und Lynyrd Skynyrd’s Greatest Hits gekauft – selbstverständlich auf Kassette. Wenn Garth Brooks oder Waylon Jennings eine Metalband gehabt hätten, wäre ich um ehrlich zu sein der absolute größte und obsessivste Fan gewesen. Tatsächlich war alles was heavy aber trotzdem southern klang einfach perfekt für mich.“

The Cadillac Three sind Jaren Johnston, Bassist Kelby Ray und Drummer Neil Mason, die schon seit ihrer High School Zeit befreundet sind. Das Trio nannte sich zuerst Cadillac Black bevor sie zu The Cadillac Three wurden – der Südstaaten Stimmung schwingt hier schon im Namen mit. Obwohl ihre musikalische Herkunft eine wichtige Rolle spielt, spricht ihre Musik von eigenen Erfahrungen, ohne von modernen Trends abgelenkt zu werden.

Ihr von Big Machine Records veröffentlichtes Debut Album ist voll von dieser großartigen Südstaaten Atmosphäre, in der das Lebensgefühl der Region musikalisch gefeiert wird. Es ist ein Album die eine Welt voller Pick-Up Trucks und sonnengefluteten Verandas zeigt, mit staubigen Landstraßen und doppelten Schnäpsen, und Nächten in denen bis zum Morgengrauen getrunken und gelacht wird. In einer fairen und gerechten Welt, würde das Album mit eine Badewanne voll eisgekühltem Bier und Tequila geliefert werden.

Aber nun zu ihrem Gig im Dingwalls. Jede Show die mit kaltem Champagner im Backstage Bereich endet (einer Aufmerksamkeit des Promoters) sowie einen Überraschungsbesuch von Chrissie Hynde beinhält, ist schon etwas Besonderes. Ein Abend zum Erinnern. Und für die Cadillac Three war der letzte, und nebenbei ausverkaufte, Gig ihrer UK Tour genau das.

Seit der Veröffentlichung ihres Debut Albums Tennessee Mojo Ende 2013, war das Nashville Trio bereits fünf Mal in UK zu Gast, ob als Headliner, co-Headliner oder auf Festivals – all die harte Arbeit macht sich nun ganz offensichtlich bezahlt.

THE CADILLAC THREE AT DINGWALLS

Es schadet natürlich nicht, dass Tennessee Mojo voll grandioser Tracks ist – wie der Titel Track selbst und Back It Up, Get Your Buzz On und The South … und, und, und. Die letzte Single Auskopplung Party Like You ist momentan sogar die meistgespielte Single auf Planet Rock Radio. Das Trio schafft es den Südstaaten Stolz und Charme mit einer coolen Rock-Attitüde zu vermischen, und lässt dies einfach aussehen. Dabei sind die Aufnahmen ihrer Songs nur der Anfang, denn ihre Live Versionen wie die von Down To The River – der letzte Track auf der exklusiv in UK erhältlichen Peace Love & Dixie EP – zeigt was alles passieren kann, wenn der Jack Daniel erst mal fließt und die Amps am glühen sind.

In der Studio Version kommt Down To The River nicht ganz auf die viereinhalb Minuten, während es die Live Version auf übermäßige sieben Minuten schafft – in die Länge gezogen um eine neue und tief-rockige Auflösung und ein geschicktes Augenzwinkern an Metallica einzubauen. Nicht jedes Lied der Band wird derartig für die Bühne überarbeitet, aber was sie alle gemeinsam haben, ist dieser extra Schuss voll wilder Hingabe – die Art die dann aufkommt, wenn Set-Lists verworfen und von guter alter Chemie zwischen Künstler und Publikum ersetzt werden. Dieser Wunsch ging für die drei ganz klar in Erfüllung, so war das lautstarke Publikum nur allzu hilfsbereit beim Singen auszuhelfen.

In dieser Hinsicht hat sich White Lightning zu einem absoluten Favoriten unter Fans entwickelt; eine Komposition voller Herz von Jaren Johnston, der, als die Crowd den Gesang übernahm, sichtlich überwältigt war und mit Tränen zu kämpfen hatte. Es wäre einfach und einleuchtend gewesen diesen Song bis zum Ende aufzusparen, aber die Band ist mittlerweile selbstbewusst genug um ihn in der ersten Hälfte ihres 90-minütigen Sets zu spielen, das untere anderem zwei Tracks der zuvor genannten EP (Peace Love & Dixie & Hot Damn) sowie fast alle Songs von Tennessee Mojo beinhaltet.

Während der Show zieht Johnston das Publikum mit seinem Südstaaten Charme und gekonntem Gitarrenspiel in seinen Bann. Für diese Tour brachte er seine Gibson SG mit die, in seinen eigenen Worten, wie ein Machete klingt. Von Anfang an rockt er die Bühne, spielt mit dem Feedback, sinkt auf die Knie und haut rockige Riffe von einem Kaliber raus, die ihm die Baseball Cap vom Kopf fegen. Hinter ihm drummt Neil Mason mit viel Kraft und Energie, sowie einem gelegentlichen Schluck Jack – seine Sticks können das nicht immer aushalten. Unterstützt wird er von Kelby Ray, dessen einzigartiges ‘Lap-Steel‘ Instrument (von Johnston als wissenschaftliches Projekt bezeichnet) ihm ermöglicht, eine Kombination aus zupfen und gleiten zu spielen, mit wuchtigem, tiefen Sound. Das Instrument wird mit Pedalen und über Split-Signals gespielt, aber vor allen Dingen klingt es fantastisch und bringt den Boden zum Beben.

Johnston – selbst ein gelernter Drummer – legt zu einem Zeitpunkt seine Gitarre beiseite, nimmt sich ein paar Sticks und duelliert sich mit Mason am Drumkit; ein weiteres Zeugnis dafür, dass die langbefreundeten Cadillac Three immer eine Überraschung auf Lager haben.

Cadillac Three_3
Laut des Trios werden sie Ende des Jahres in die UK zurückkommen – wo die drei herkommen ist das schon fast so gut wie ein Versprechen. Allerdings wird es niemanden überraschen, wenn sie beim nächsten Mal in keiner mittelgroßen Location wie Dingwalls spielen werden – Was diesen Abend vielleicht sogar noch besonderer macht.

Es gab mal eine Zeit, in der man auf einem Roadtrip durch die US Südstaaten Auto-Aufkleber sah, auf denen der stolze Spruch ‘The South Will Rise Again‘ verkündet wurde. Und wir glauben, dass dieser Moment jetzt hier ist!

Geschrieben: Dante Bonutto & Übersetzt von uDiscover Deutschland
Fotos: Zoran Veselinovic/RETNA

Hört die Cadillac Three auf Spotify, oder kauft bei iTunes

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Popkultur

Zum 79. Geburtstag von Jimi Hendrix: Erneuerer, Mythos, unerreichtes Genie

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Jimi Hendrix
Foto: Svenska Dagbladet/AFP via Getty Images

Er prägte das E-Gitarrenspiel wie wenige andere, revolutionierte in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, die Rockmusik und ist noch immer die Messlatte für alles. Heute wäre James Marshall „Jimi“ Hendrix 79 Jahre alt geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor allgegenwärtig.

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von Markus Brandstetter

Jimi Hendrix schaffte in der Gitarrenwelt das, was nach ihm wohl nur Eddie Van Halen gelang: diesen alles erschütternden Moment, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Bei beiden gibt es hunderte, tausende ähnliche Geschichten prominenter Musiker und Musikerinnen, die von regelrechten Erweckungserlebnissen erzählen. Geschichten von dem Moment, in dem sie Hendrix im Fernsehen gesehen haben, gleichermaßen begeistert und fassungslos darüber, wie er spielte, wie ungewöhnlich, radikal und — je nach Song – auch wunderschön das klang. Es gab vor Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen und es gab nach Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen. Aber es gibt eben auch eine Zeitrechnung: die der Gitarre VOR Hendrix und Gitarre NACH Hendrix. Es ist das, was viele unserer Gitarrenheld*innen auch über den Moment berichten, an dem sie zum ersten Mal Eddie Van Halen gesehen oder gehört haben: Es war danach einfach alles anders und kein Stein blieb auf dem anderen.

Ynwgie Malmsteen über Hendrix: „Er hat alles auf den Kopf gestellt”

Aber was machte diese unglaubliche Anziehungskraft aus? Yngwie Malmsteen erzählte 2019 gegenüber dem deutschen Magazin Gitarre und Bass, es sei zunächst Hendrix’ Image gewesen, das ihn fasziniert habe, mit der Musik habe er sich erst später beschäftigt. „Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt“, erzählte Malmsteen dem Magazin, und fuhr fort: „Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.“

Steve Vai: Hendrix war „elektrischer Zucker“

Eine weitere Gitarrenlegende, die von Hendrix maßgeblich geprägt wurde, ist Steve Vai. Der erklärte 2010 gegenüber Music Radar: „Es war wie elektrischer Zucker, um einen Ausdruck von Tom Waits zu gebrauchen. Ich war etwa 12 Jahre alt und lag mit Kopfhörern da und hörte mir Jimi an, wie er The Star Spangled Banner und Purple Haze spielte, wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht, wie er aussah, ich wusste gar nichts über ihn. Ich wusste nur, was auch immer er tat, wie auch immer er diese Klänge erzeugte, es war unglaublich. Ich war so aufgeregt und dachte: Wann immer dieser Typ in die Stadt kommt, um zu spielen, muss ich ihn sehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er gestorben war.“

„Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute“

Auch für Vai bestand die Magie von Hendrix gleichermaßen in Hendrix’ Musik als auch seiner Person: „Irgendwann bekam ich ein Exemplar von Are You Experienced, und das war eine Offenbarung für mich. Die Songs waren zugänglich, sie waren schön, und Jimi hatte etwas, das extrem cool war. Coolness ist etwas, das aus deinem Inneren kommen muss. Es ist ein Selbstvertrauen, das man hat. Jimi hatte genug Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute.“

Hendrix’ Spiel

Es gibt unzählige Faktoren und Elemente, die Hendrix’ Spiel und Stil so einzigartig machten. Ein Teil der Magie bestand schon allein darin, wie Hendrix seine Gitarre zähmte. Das Set-up: ein Marshall-Stack, jede Menge Verzerrung und Rückkopplung, die alles andere als geräuscharmen Single-Coil-Tonabnehmer seiner Stratocaster — auch körperlich machte Hendrix beim Spielen den Eindruck, als würde er gerade einen wilden Mustang zureiten. Den er aber stets vollständig unter Kontrolle hatte.

Und dann war da Hendrix’ unvergleiche Fähigkeit, Rhythmus und Melodie miteinander verbinden, Akkordfolgen zu zerlegen, kleine Verzierungen und Licks einzubauen, seinen Gesang damit zu akzentuieren. Man hört das bei Stücken wie Little Wing, Bold As Love, Castles Made Of Sand oder The Wind Cries Mary — immer dann, wenn Hendrix runter vom Verzerrer ging. Er verschmolz in seinem Spiel mühelos verschiedene Stile, und ganz wichtig: Er schrieb auch phänomenale Stücke. Alles was er brauchte, war ein Trio und trotzdem klang seine Musik so voll wie ein Orchester.

Hendrix steht auch wie kein anderer für eine historische Phase der Gegenkultur, für den Bruch mit Erwartungen. Er war gleichermaßen Aushängeschild wie auch Erneuerer. Er schuf nicht nur ikonische Sounds, sondern auch ikonische Bilder — Woodstock, brennende Gitarre in Monterey. Hendrix war nicht nur Genie, sondern auch Projektionsfläche und Mythos. Eines steht wohl außer Frage: Ohne ihn wäre die Gitarre nicht da, wo sie heute ist.

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Der Tod des Hippie-Traums: Die letzten Tage von Jimi Hendrix

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Popkultur

Synths, Pathos & SM: „Non-Stop Erotic Cabaret“ von Soft Cell wird 40

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Soft Cell
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Happy Birthday, Non-Stop Erotic Cabaret: Das wegweisende Album des englischen Synth-Pop-Duos Soft Cell wird 40 Jahre alt.

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von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Non-Stop Erotic Cabaret hören:

Manchmal passieren die besten Dinge mit limitierten Mitteln — anders gesagt: Meniger Möglichkeiten fördern in so mancher Situation die Kreativität. Als Soft Cell 1980 ins Studio gingen, hatten sie weder ein Riesenbudget noch die Mittel für eigenes State-of-the-Art-Equipment.

Wobei: Ein Instrument, das Sänger Marc Almond und Instrumentalist Dave Ball nutzten, war durchaus sündteuer: Dabei handelte es sich um ein NED Synclavier, eine Art früher digitaler Synthesizer, der von der New England Digital Corporation of Norwich produziert wurde. Der Synth, der in den 1980er- und 1990er-Jahren auf etlichen Produktionen zu hören war, kostete damals 120.000 Pfund — gehörte allerdings nicht der Band, sondern dem Produzenten Mike Thorne. Ansonsten war das technische Set-up eher überschaubar, als Herzstück fungierte eine ReVox Bandmaschine, dazu nutze die Band einen Drumcomputer von Roland und einen Synth-Bass von Korg. Damit schufen Soft Cell einen wegweisenden Sound.

Was vor Non-Stop Erotic Cabaret passierte

Monate bevor Non-Stop Erotic Cabaret erschien, veröffentlichte die Band ihre erste Single des kommenden Albums – den Song Tainted Love, ein 1965 erschienener, im Original von Gloria Jones gesungen und von Ed Cobb geschriebener und produzierter Song.

Zuvor hatte die Band bereits eine EP namens Mutant Moments veröffentlicht, für deren Aufnahme sie sich 2.000 Pfund von Dave Balls Mutter geliehen hatten. Dadurch waren Labels auf die Band aufmerksam geworden — unter anderem Some Bizarre Records, wo das Debütalbum erschien. Soft Cell hatten mit Memorabilia einen kleineren Hit in den Clubs landen können, der Ruhm ließ aber noch auf sich warten. Bis die Coverversion von Tainted Love erschien und zu einem großen Erfolg wurde, mit dem so keiner gerechnet hatte. Die Nummer ging in etlichen Ländern auf Platz eins der Charts, zwei weitere Top-5-Singles folgten mit den Stücken Bedsitter und Say Hello, Wave Goodbye.

Skandal mit SM-Video

Auch wenn Tainted Love vom Popularitätsfaktor musikalisch alles andere in den Schatten stellte — ein weiterer Song sorgte auch für jede Menge Gesprächsstoff: Das Video von Sex Dwarf wurde in Großbritannien aufgrund seiner expliziten SM-Szenen zum regelrechten Skandal. Das Video wurde zurückgezogen, Almond erklärte später sogar, es zu bereuen.

Es waren die Gegensätze zwischen den beiden Bandmitgliedern — Almonds Liebe zu Pathos und Dramatik, die Reibefläche zwischen den beiden Charakteren, die Soft Cell damals so gut funktionieren ließen. Sex, Club, Dekadenz, Rausch: Das waren die Eckpfeiler, die die Band auch wenige Jahre später implodieren ließen (1984 war Schluss — die erste Reunion folgte 2001).

Was Soft Cell heute über Non-Stop Erotic Cabaret sagen

40 Jahre ist Non-Stop Erotic Cabaret also alt — Dave Ball selbst zeigt sich positiv angetan davon, wie gut die Platte gealtert ist. „Was mich überrascht, ist, wie frisch Non-Stop Erotic Cabaret heute noch klingt. Ich nehme an, das liegt daran,dass wir beide 40 Jahre jünger waren, daher klingt Marcs Stimme jugendlicher und nicht so poliert wie heute. Mein Synthesizer-Spiel und meine Arrangements waren einfacher, obwohl ich immer versucht habe, bei meinem minimalistischen Stil zu bleiben“, zitiert ihn das Magazin Northern Life.

Almond ist ganz der Meinung seines Kollegen: „Wenn ich mich zurücklehne und darüber nachdenke, ist es schwer zu glauben, dass eine kleine Sammlung von Songs ein so langes Leben hatte, dass die Leute sie immer noch hören und genießen. Ich bin erstaunt, wie aktuell es immer noch klingt. Und textlich ist es immer noch relevant. Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre es 40 Jahre alt, aber der Gedanke, dass es so ist, macht mir ein bisschen Angst!“

Mit Non-Stop Erotic Cabaret leisteten Soft Cell jedenfalls Pionierarbeit — die sie heute selbst ordentlich feiern: Vor kurzem stand die wieder formierte Band in Glasgow und Manchester auf der Bühne — 2022 soll mit Happiness Not Included ein neues Album erscheinen.

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10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.11.1987 erscheint „Live…In The Raw“ von W.A.S.P.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1987.

von Christof Leim

Ja, in den Achtzigern konnte man noch schocken: Damals sind W.A.S.P. die bösen Buben, weil sie „Blut“ aus Schädeln trinken und rohes Fleisch in die Menge werfen. Das ist für junge Metalheads natürlich cool, also verkaufen sich die ersten drei Alben ganz gut. Am 27. November 1987 erscheint das erste Livealbum der Truppe.

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Hört hier in Live…In The Raw rein:


Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.


1987 touren W.A.S.P. zu ihrer dritten Platte Inside The Electric Circus. Zwar haben sie ihre aufsehenerregende Bühnenshow da schon reduziert und machen kurz gesagt nicht mehr so viel Sauerei, aber bei den Konzerten gibt es weiter genug zu gucken. Die Bühne sieht wie ein Zirkuszelt aus, und die Pyrotechnik darf ordentlich rumballern. Frontmann Blackie Lawless trägt sogar eine Funkenkanone im Schritt. Die geht bei einer Show in Dublin auch mal nach hinten los, und zwar im Wortsinn, aber das ist eine andere – und für Blackie sehr schmerzhafte – Geschichte, wie er in diesem amüsanten Interview mit der Washington Post berichtet. Alles in allem bieten W.A.S.P. also herrlichen, nicht immer ganz ernst zu nehmenden Heavy Metal-Spaß, über den sich Eltern aufregen. Bestens.

Die bösen Männer im Metal der Achtziger: Blackie Lawless von W.A.S.P. Credit: Erin Combs/Getty Images

Um das für die Nachwelt festzuhalten, lässt die Band die letzten Konzerte ihrer US-Headliner-Tour aufzeichnen, insbesondere die Show am 10. März 1987 in der Long Beach Arena in Kalifornien. Das Ergebnis heißt Live…In The Raw und erscheint am 27. November 1987. Darauf hauen Blackie Lawless und seine Mannen ihre frühen Hits in ziemlich flotten Versionen raus. Von Wild Child über L.O.V.E. Machine bis zu I Wanna Be Somebody ist hier alles dabei.



Die Aufnahmen klingen etwas künstlich, was die Vermutung nahe legt, dass an diesem Livealbum nicht alles live ist. Insbesondere Passagen, in denen Blackie zu sich selbst Backing-Vocals zu singen scheint, machen doch stutzig. Vielleicht hat aber auch einer der anderen Kollegen eine ähnliche Stimme und trifft jeden Ton, man weiß es nicht. Letztendlich kann das der geneigten Fanschar notfalls auch egal sein, denn das Album macht Spaß.



Außerdem gibt es drei neue Songs, zwei davon in Liveversionen: Einer davon heißt The Manimal (sic!) und thematisiert die philosophischen Implikationen der hormonell bedingten zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Oder kurz: Es geht ums Poppen. Insbesondere im Hard Rock der Achtziger stellt das nun gar keine Besonderheit dar, aber den Titel finden wir doch besonders, nun ja, hübsch.

Damals hat die Band Streit mit einer Organisation namens P.M.R.C., die böse Inhalte in der Musik verbieten will und davon ausgeht, dass der Bandname W.A.S.P. für „We Are Sexual Perverts“ steht. Diesem Verein verdankt die Welt zum Beispiel die berüchtigten „Parental Advisory“-Aufkleber. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier nachlesen.) Für jene Leute hat „Schwarzie Gesetzlos“ extra ein weiteres neues Lied mit dem Titel Harder Faster geschrieben, über das sie sich ordentlich aufregen können. Ganz am Ende der Platte findet sich schließlich noch ein Studiotrack: Scream Until You Like It (noch ein geiler Titel!), der in der Horrorkomödie Ghoulies II Verwendung findet.



Mit Live…In The Raw halten W.A.S.P. den überdrehten, aber nicht allzu ernst zu nehmenden Wahnsinn ihrer Shows stilecht fest und fangen den Geist der Ära auf unterhaltsame Weise ein. Das reicht für Platz 77 in den US-Charts. Nach der Veröffentlichung verabschiedet sich allerdings Drummer Steve Riley in Richtung L.A. Guns.

Im Rückblick stellt die Scheibe eine Zäsur zwischen den alten, krassen W.A.S.P. und den reiferen, ambitionierteren Tönen der nächsten Jahre dar. Dass Blackie mal intelligente sozialkritische Kommentare ablassen und gefeierte Konzeptalben wie The Crimson Idol (1992) veröffentlichen würde, lag 1987 nicht gerade auf der Hand.


Zeitsprung: Ab 13.5.1985 will das PMRC vor schlimmen Songtexten warnen.

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