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Popkultur

The Cure live in Berlin: Die schönste Routine der Welt

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The Cure – eine dieser großen Bands, die man unbedingt einmal in seinem Leben gesehen haben sollte? Auf jeden Fall. Wir waren in der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena in Berlin auf einem eigentlich perfekten Konzert.


Wir haben die Setlist des The Cure Konzerts Song für Song als Playlist nachgebaut – jetzt hier anhören, während du den Artikel liest:


 Fast nur Songs von früher, fast alle Hits, keine wirklichen Schwächen in der Performance. Es war ein absolutes Fest für die vielen Fans, die wahrscheinlich schon seit vielen Jahrzehnten an dieser Band hängen, aber auch für die jüngeren Gäste im insgesamt recht betagten Publikum. Gemessen daran, wer hier auf der Bühne steht, war es auch ein ausuferndes (gut zweieinhalb Stunden und über 30 Songs) und beeindruckendes Konzert. Fast 40 Jahre ist es schließlich her, dass die erste Platte von The Cure erschien. Zusammen mit Bands wie Depeche Mode, Joy Division oder New Order haben sie den düsteren Sound der 80er definiert, bis heute ist die Band um Frontmann Robert Smith der absolute Maßstab, wenn es um Post-Punk, Goth-Rock und alles andere geht, was so ähnlich klingen möchte.


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Dass die Songs und Alben von The Cure, sogar die späteren wie Bloodflowers (2000) oder 4:13 Dream (2008) über jeden Zweifel erhaben sind, daran gibt es nichts zu rütteln. Und wie sie all das, diese Musik, die so viele Generationen geprägt hat, an diesem Abend in Berlin auf die Bühne brachten, ließ eigentlich keine Wünsche offen. Robert Smith wirkte gut gelaunt und moderierte mit ein paar Witzchen von Song zu Song, seine Kollegen schienen recht konzentriert in ihr Spiel vertieft zu sein und haben wohl generell keine Lust auf große Gesten, bis auf den Bassisten Simon Gallup: Der ließ es sich nicht nehmen, die Bühne von links nach rechts immer wieder abzuschreiten, ein paar Rock-Posen auf den Monitorboxen zu geben und ein bisschen expressiver auf seinem Instrument zu spielen als die anderen. Auch weil er trotz Jahrgang 1960 deutlich jünger wirkt als der Rest, fiel er ein wenig aus der Reihe. The Cure sind zwar längst zu einer Stadionrock-Band geworden, aber eigentlich will man diese Band genau so introvertiert-verhuscht haben, wie Robert Smith da vor dem Mikrofon wippte: Kein Gehabe, sondern ganz ehrlich und tief in der Musik, auch nach so langer Zeit.


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 Beglückt, berauscht, abgehakt

Die einzige Überraschung an diesem Abend war also wahrscheinlich, wie makellos The Cure ihren langen Katalog live umsetzen können – mit der ganzen Erfahrung aus jahrelangem Touren (ein neues Album gab es seit 2008 nicht und zeichnet sich auch nicht ab) und einer schönen Routine im positiven Sinn: Sie geben den Fans die alten Lieblingssongs von Lullaby bis A Night Like This, liefern selbst die totgespielten Nummern Friday I’m In Love und Boys Don’t Cry mit frischer Energie ab und würfeln ihre Setlist auch von Show zu Show immer wieder neu zusammen: The Perfect Girl und Hot Hot Hot!!! vom Kiss Me-Album haben es in Berlin zur Abwechslung ins Programm geschafft, als Zugabe gab es den neuen Song It Can Never Be The Same – unspektakulär, aber gewohnte Cure-Qualität.

Wenn die Begeisterung ein wenig verflogen ist, kann man auch zu einem ein wenig kritischeren Fazit kommen: sauber abgeliefert. Bei einer Band von diesem Kaliber ist es eigentlich schon Spektakel genug, all diese Songs einfach mal laut und gut gespielt live zu hören. Ob diese Songs, die man schon seit Jahren ins Herz geschlossen hat und vielleicht auch mit ganz bestimmten Lebensphasen verbindet, einen live auch noch mal so sehr überwältigen können, wie sie das schon im stillen Kämmerlein gemacht haben, ist eine andere Frage. Ich persönlich kann eigentlich nicht klagen – bis auf ein paar alte Lieblingslieder (Charlotte Sometimes oder Play For Today) fand ich die Setlist sehr gelungen. Auch die Show: Ein Konzert ist ein Konzert, für alle, nicht für einen ganz alleine. Die meisten Leute verlassen die Arena beglückt und berauscht, das Gemeinschaftsgefühl scheint ziemlich stark zu sein. Ich überlege, ob ich nicht schon schönere Momente mit The Cure hatte, und zwar alleine. Ja, wahrscheinlich. Aber es war schön, diese Band nochmal live in concert gesehen zu haben. Auf der To-Do-Liste sind sie jetzt abgehakt. Das war wichtig und hätte doch kaum besser laufen können.

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