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Popkultur

„The Marshall Mathers LP“ von Eminem: Wie ein weißer Junge aus Detroit Hip-Hop zur wichtigsten Musik der Welt machte

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Eminem

Ein weißer Junge aus den Suburbs von Detroit wird im Jahr 2000 der erfolgreichste Rapper aller Zeiten. Eminem, diese ewig polarisierende Figur der Popwelt, sicherte sich mit seinem zweiten ordentlichen Album die Gunst eines Massenpublikums und den Respekt der Rap-Szene. Es muss eine überwältigende Zahl von Kids geben, die genau deswegen mit dem Rappen angefangen haben. Wie war das eigentlich möglich?

von Michael Döringer

Ein Rapper im Pop-Olymp

The Marshall Mathers LP ist gar nicht so einfach zu fassen. Gesellschaftssatire und pubertäre Blödeleien, Hardcore-Rap mit Horrorcore-Einschlag, dazwischen die engelsgleiche Stimme von Dido im Superhit Stan, die den manisch wütenden Marshall Mathers mal ein bisschen über den Kopf streichelt. Dass dieser fast wirre Mix stimmig zusammengehen konnte, ist eine der großen künstlerischen Leistungen von Eminem. Sein markanter Stil fand großen Anklang: Als The Marshall Mathers LP im Mai 2000 erschien, wurde es in den USA zum sich am schnellsten verkaufenden Album aller Zeiten: 1,78 Millionen Tonträger in der ersten Woche. Nur *NSYNC und Adele konnten das seither überbieten. Eminem ist der einzige Hip-Hop-Act, der mit seinen Alben in Sachen Verkaufszahlen ganz oben in den ewigen Bestenlisten mitmischt.

Skills und Respekt

Ein offensichtlicher Grund für dieses Wunder: Eminem ist tatsächlich auch einer der besten Rapper ever, mindestens was das technische Können betrifft. Das behaupteten nicht etwa nur 13-jährige Mittelstandskids, die durch MTV und Eminem Hip-Hop entdeckt hatten. Es ist schlicht Konsens in der Rap-Szene, damals wie heute. Kaum ein Rapstar, der nicht von Eminems Skills schwärmt: „Eminem ist einer der Größten überhaupt“, sagte Kendrick Lamar. „Niemand kann ihm diese Position streitig machen.“ Auch MC-Legende Rakim respektiert Ems Genie und spricht eine wichtige Erkenntnis aus: „Hautfarbe spielt keine Rolle. Wahre Künstler*innen respektieren andere wahre Künstler*innen.“

Hip-Hop für alle

Der Gegensatz des erfolgreichen weißen Künstlers in einer ursprünglich schwarzen Musikszene wird nichtsdestotrotz immer wieder diskutiert. Kulturelle Aneignung ist kein Thema von heute, sondern in der Black Music ein alter Hut. Doch Eminems Kunst wird schließlich von allen Seiten respektiert. Und gerade er hat entscheidend dazu beigetragen, dass Hip-Hop heute die weltweit vorherrschende Musikkultur ist. Wiz Khalifa bringt es in einem Interview auf den Punkt: „Dank Eminem können heute alle an Hip-Hop teilhaben.“ Er habe diese Sphäre für die ganze Welt geöffnet. Früher war dieser Lifestyle voraussetzungsreich, man musste ein bestimmtes Leben führen, bestimmte Dinge tun und wissen, wollte man dazugehören. Jetzt war Hip-Hop für alle da.

10 Songs, die jeder Eminem-Fan kennen muss

Die Evolution des Slim Shady

Doch technisch versierte Rapper gibt es viele, und Eminems Rap-Skills waren nicht der entscheidende Grund, wieso gerade er so erfolgreich wurde, auch wenn sie die Basis dafür bilden. Hätte er es in dieser Hinsicht nicht draufgehabt, wäre er wohl kaum über seine lokale Szene hinausgekommen. Der Unterschied ist: Eminem entfaltete ein völlig eigenes, im Hip-Hop nie dagewesenes künstlerisches Universum. Er profitierte natürlich auch enorm von Dr. Dre, der Produzentenlegende und Schlüsselfigur im Rap-Business, die den jungen Eminem unter ihre Fittiche nahm und schon sein Major-Debüt The Slim Shady LP (1999) produzierte.

Witz und Wahrheit

Was Eminem auf diesem bereits sehr erfolgreichen Album zeigte, konnte er auf dem Nachfolger noch ausführlicher, noch pointierter, noch besser wiederholen: The Marshall Mathers LP ist zugleich witziger und düsterer, Eminem spitzt seine Songwriting-Kunst dermaßen zu, dass man endgültig die Orientierung verliert: Wo hören die Jokes auf, wo fangen die Wahrheiten an? Könnten seine satirischen Tiraden gegen alles und jeden beides zugleich sein? Wie soll man umgehen mit den vulgären Scherzen, den Beleidigungen unter der Gürtellinie, den Gewaltfantasien und verbalen Angriffen auf Frauen und Homosexuelle? Die Antworten kann jeder selbst in der Musik suchen. Eminem muss sich dieser Kritik natürlich stellen. Gleichzeitig kann man die ausgeprägte Welt bewundern, die er für seine Kunstfigur erschuf. The Marshall Mathers LP war ein Rap-Blockbuster, der auch die nüchternsten Betrachter*innen überwältigen konnte.

Fette Beats für Popfans

Zwischen der balladesken Einfühlsamkeit von Stan und der Aggression von The Way I Am schöpft er auf dieser Platte das größtmögliche Crossover-Potenzial von Hip-Hop aus, ohne sich bei einem anderen Genre anzubiedern oder grobe Kompromisse einzugehen. Und diese Tatsache wertschätzen alle möglichen Hörer*innen: Rockfans, Pophörer*innen, Hip-Hop-Heads. Eminem sprach sie alle an, begeisterte selbst ein Hip-Hop-fernes Publikum für einen fetten Beat und klassischen Westcoast-Sound wie in Bitch Please 2. Neben Executive Producer Dr. Dre ist Eminem selbst für die musikalische Regie und viele Instrumentals verantwortlich, auch die zweite Single The Way I Am gehört dazu. Diesen und einen weiteren Track hätte es fast nicht gegeben, sie verdanken sich letztendlich dem unerbittlichen Druck seiner Plattenfirma.

I’m not Mr. *NSYNC

Große Erfolgserwartungen lasteten nach seinem Hit-Debüt auf Eminem, das auf Platz zwei der Billboard-Charts stieg. Innerhalb von zwei Monaten wurde das nächste Projekt in schlaflosen Studiosessions durchgepeitscht. Bei Interscope Records nahm man die erste Fassung des neuen Albums allerdings eher unzufrieden auf: Keine eindeutige Leadsingle war für die Musikmanager darauf auszumachen. Angepisst und angespornt zog sich Em zurück und schrieb die trotzige Reaktion The Way I Am, das textlich mit Kritiker*innen, Fans und Label abrechnet: „And no, I don’t owe you a motherfuckin’ thing / I’m not Mr. N’Sync / I’m not what your friends think / I’m not Mr. Friendly, I can be a prick if you tempt me“. Mit diesem Track schrieb er sich derart Frust von der Seele, dass da wohl ein Knoten platzte. Er arbeitete die Hookline für einen weiteren Track aus und schickte sie an Dre, der einen Beat dazu bauen sollte. Daraus entstand die erste Single der LP namens The Real Slim Shady. Em schaffte so doch noch, was viele von ihm wollten: einen Song, der sogar seinen ersten Hit My Name Is in jeder Hinsicht übertraf.

Ist das noch Rap?

The Real Slim Shady und sein grotesk-komödiantisches Musikvideo legten den Grundstein dafür, dass The Marshall Mathers LP auf der ganzen Welt durch die Decke ging und in vielen Ländern zu einem Nummer-eins-Album wurde: Australien, Österreich, Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Südafrika, oder natürlich in den Staaten selbst: Diese allumfassende Präsenz machte nicht nur Eminem zum Superstar, sondern leistete auch der Verbreitung von Hip-Hop einen Bärendienst. Dieser Hip-Hop war nun zwar nicht mehr dezidiert schwarz, aber trotz vieler Pop-Flirts noch weitgehend authentisch. Man kann prächtig darüber streiten, ob der Großteil des heutigen Rap-Mainstreams qualitativ an die goldene Ära um das Jahr 2000 herankommt. „Ist das überhaupt noch Rap?“, fragen sich viele Hip-Hop-Fans im Jahr 2020. Falls irgendjemand ein Referenzwerk braucht: Einfach The Marshall Mathers LP auflegen.

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Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

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