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Popkultur

What’s New In Nashville #4

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+++ 88.000 Besucher beim CMA Music Fest +++

Zac Brown Band

Zac Brown Band

Das CMA Music Fest fand in diesem Jahr vom 11. Juni bis 14. Juni statt. Im 43. Jahr ist das Festival: ein echtes Spektakel! Die Veranstalter zählten rund 88.000 Besucher aus allen 50 amerikanischen Bundesstaaten sowie aus 20 weiteren Nationen. Für die Countrygemeinde ist das CMA Music Fest ohnehin längst eine Pilgerstätte – für die Nashville-Szene ist es dagegen eine echte Leistungsschau. Und so schickte die Music Row auch in diesem Jahr wieder ihre besten Pferdchen ins Publikumsrennen, auf vielen verschiedenen Bühnen und Clubs. Als Abräumer machten von sich reden: die Zac Brown Band, The Band Perry, Thomas Rhett, Eric Church, die legendären Oak Ridge Boys und Luke Bryan, den eine durchgeknallte Nebelmaschine zu keinem Ton aus dem Konzept bringen konnte. Neben den Etablierten Stars begeisterten auch zwei Nachwuchs-Acts: The Cadillac Three waren für den Rolling Stone die beste Country-Rock-Band und die Neuentdeckung A Thousand Horses überzeugte mit kraftvollem Honky-Tonk.

 

+++ Kacey Musgraves begeistert – und polarisiert +++

Kacey Musgraves - Pegeant Material

Kacey Musgraves – Pegeant Material

Kacey Musgraves konnte die hohen Erwartungen, die an ihr zweites Album „Pageant Material“ gestellt wurden, erfüllen. Mehr als das. Die Schönheit aus Texas eroberte nicht nur die Country-Charts (bis sie Easton Corbin von der Spitze ablöste), sie eroberte auch Platz 3 in der Billboard 200-Liste. Dennoch bleibt Musgraves umstritten. Beim Bonnaroo-Festival verkündete sie gut gelaunt den 85.000 Besuchern, dass ihre Single „Biscuits“ im Country-Radio nicht mehr gespielt werde. Grund sei die vielsagende Textzeile „smoke your own smoke“. „Weiß auch nicht was das soll“, rief sie den Zuschauern zu, „mögen die vom Radio keine Biscuits?“

 

+++ „Kick The Dust Up“ – auch in Deutschland +++

Nochmal Luke Bryan: Seine neue Single „Kick The Dust Up“ ist auch in Deutschland erhältlich. Die Mischung aus lässigen HipHop-Grooves und traditionellen Klängen dürfte auch hierzulande viele Fans finden.

 

+++ Neues vom Superstar +++

jackson

Am 24. Juli veröffentlicht Alan Jackson sein neues Album „Angels And Alcohol“, sein erstes Studioalbum seit drei Jahren. Insgesamt ist das erneut vom treuen Wegbegleiter Keith Stegall produzierte, zehn Titel starke Album sein 15. Studiowerk. Die Erwartungen sind hoch. Schließlich gehört der 1,93 Meter große Schlaks aus Georgia mit über 60 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Interpreten der Countrygeschichte.

 

+++ Youngster mit Roots +++

Easton Corbin

Easton Corbin

Easton Corbin hat seine Hausaufgaben gemacht. Das belegt sein neues, am 30. Juni erschienenes Album „About To Get Real“. Der Titel ist eine Ansage: „Du musst in deiner Musik zeigen, wer du bist“, sagt der 33-Jährige mit der warmen Stimme – um in dem neuen Song-Dutzend seinen Heroes wie Merle Haggard, George Jones und Keith Whitley nachzueifern. Natürlich bleibt es nicht beim bloßen Kopieren. „Wir wollten die Kombination aus modernen und traditionellen Country-Sounds, und das ist uns auch gelungen.“ Spätestens mit diesem Album löst der aus Florida stammende Künstler das Versprechen ein, das er schon 2010 als Billboard’s „Top New Country Artist“.

 

+++ Countryacts ziehen Hut vor Lynyrd Skynyrd +++

Im letzten November würdigte die Country-Gemeinde die Verdienste der Southern-Rock-Pioniere Lynyrd Skynyrd mit einer Show im Fox Theatre in Atlanta. Das denkwürdige Konzert, bei dem Acts wie Jamey Johnson, Jason Isbell, Alabama und Trace Adkins Klassiker von Lynyrd Skynyrd interpretierten, kommt jetzt auf CD und DVD: „One More For The Fans“ heißt das 19 Songs starke, von Don Was produzierte Werk.

 

+++ 15 Jahre Parlor-Studio +++

Das Parlor-Studio (1317 / 16th Ave. S. Nashville) feiert am 23. Juli das 15. Studio-Jubiläum. Robin Ruddy und ihr Mann Larry Sheridan haben das Anwesen 1997 von Randy Travis gekauft – und dann zu einem Studio um- und ausgebaut. Seit 2000 gehört das Parlor Studio zu den Top-Tonschmieden Nashvilles, wie Referenzen wie Kenny Chesney, Vince Gill und Ikone George Jones belegen.

 

+++ 49. CMA Awards am 4. November +++

Bis zum großen runden Jubiläum der CMA Awards müssen sich die Fans noch ein Jahr gedulden. Doch auch die 49. Ausgabe der, wie es so schön heißt, „Country Music’s Biggest Night“ dürfte es am 4. November 2015 in sich haben. Im September verraten die Veranstalter die offiziell Nominierten in zwölf verschiedenen Kategorien. Die preisverdächtigen Acts verkündet – prächtig öffentlichkeitswirksam – der kürzlich zum Country-Sänger konvertierte Aerosmith-Frontman Steven Tyler im amerikanischen Fernsehen.

 

+++ Session-Ass Jack Eubanks gestorben +++

Am 1. Juli verstarb die Session-Legende Jack Eubanks im Alter von 78 Jahren. Eubanks arbeitete u.a. für Kenny Rogers und Charley Pride, bei sechs Alabama-Alben war er Session-Leiter. Darüber hinaus nahm Eubanks mehrere Solo-Alben auf und er war Mitglied der Formation The Nashville Guitars.

 

+++ Streaming und Vinyl legen zu +++

Das Marktforschungsinstitut hat ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht. Demnach schreiben Video- und Audio-On-Demand Streaming markante Zuwächse, die physischen CDs verlieren zehn Prozent. Die gute, alte Vinyl-LP schreibt dagegen Zuwächse von satten 38 Prozent. Nicht zuletzt durch das Taylor Swift-Album „1989“ mit 33.500 verkaufter Einheiten.

 

+++ Viva Las Vegas – mit Brooks & Dunn + Reba +++

Am 17. Juni haben Brooks & Dunn ihr lange erwartetes Live-Comeback im Caesar’s Palace von Las Vegas gefeiert. Mit dabei: Reba McEntire. Die Show, bei der beide Acts solo und gemeinsam auftreten, war seit langem ausverkauft. Nach weiteren Shows Anfang Juli stehen noch fünf gemeinsame Konzerte im Dezember auf der Agenda. Die zum Caesar’s Palace gehörende 4.300 Zuschauern Platz bietende Konzerthalle „Colosseum“ hat sich als Legenden-Bühne etabliert. Gäste waren u.a. bereits Elton John, Rod Stewart, Cher und Shania Twain.

 

+++ Nationaler Feier- und Konzerttag +++

Martina McBride

Martina McBride

Der 4. Juli ist in Amerika nicht nur Nationalfeiertag – er ist auch ein Tag der Musik. So traten in Washington u.a. Hunter Hayes, Alabama und Barry Manilow auf. In Nashville gab Martina McBride eine umjubelte Show.

 

+++ Lecker: The Southern und Puckett’s +++

Nashville ist nicht nur die Music City USA – die Stadt entwickelt sich auch zusehends zum kulinarischen Hot-Spot der Südstaaten. Bester Beleg: The Southern – Steak & Oyster. Das in der 3rd Avenue angesiedelte Restaurant ist für seine Omelettes, Hamburger, Steaks und Seafood längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nicht ganz billig – aber jeden Cent wert. Das gilt natürlich auch für das vielleicht beste Frühstücks-Lokal von Nashville: Puckett’s Grocery and Restaurant. Das an der Kreuzung der 5th und Church Street gelegene Restaurant hat alles, was die Südstaaten-Küche auszeichnet: plus top Service, Musik und hochgradig zivile Preise. Ein Konzept, das nach den Puckett’s in Leiper’s Fork und Franklin auch in Downtown Nashville bei den Gästen zündet.

Ist eine Reise nach Nashville wert: The Southern Burger mit Jalapeño Bacon.

Ist eine Reise nach Nashville wert: The Southern Burger mit Jalapeño bacon.

 

+++ Time Jumpers – Stars für Low-Budget +++

Das nennt man wohl hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis: Schließlich kostet der Eintritt für die all-montägliche Show der Time Jumpers im 3rd and Lindsley lediglich 20 Dollar. Geschenkt, für eine Supergroup dieses Kalibers. Zum wechselnden Line-Up der 1998 ursprünglich als Spaß-Band gegründeten Formation gehören immerhin die besten Session-Musiker der Stadt (darunter Bassist Dennis Crouch und Steel-König Paul Franklin) sowie Sänger, Gitarrist und Superstar Vince Gill. Wer Glück hat, kann auch noch eine spontane Session mit einer weiteren Nashville-Größe erleben.

Text: Gunther Matejka
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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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