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Popkultur

Genie mit Schattenseiten: Zum zehnten Todestag von Michael Jackson

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Michael Jackson
Bild: Carlo Allegri/Getty Images

Michael Jackson ist der größte Popstar aller Zeiten. Da gibt es keine zwei Meinungen – zumindest dann nicht, wenn man sich an den Zahlen orientiert. Doch mit seinem musikalischen und choreografischen Genie gehen immer wieder auch Schattenseiten einher. Am 25. Juni 2009 erlag der „King Of Pop“ einem Kreislaufstillstand.

von Timon Menge

Er hat das meistverkaufte Album aller Zeiten veröffentlicht, Afroamerikaner in der gesellschaftlichen Mitte der Popkultur etabliert, die Welt der Choreografie revolutioniert, einen Rekord nach dem anderen gebrochen und sich als „King Of Pop“ einen Namen gemacht — weltweit.

Hier könnt ihr euch die Jackson-Compilation Number Ones anhören:

Aber: Wenn man an Michael Jackson denkt, schießen einem nicht nur seine zahlreichen musikalischen Errungenschaften durch den Kopf, sondern immer auch seine schreckliche Kindheit, spätere Missbrauchsvorwürfe, Drogenprobleme, finanzielle Schwierigkeiten und eine brodelnde Gerüchteküche. Werfen wir einen Blick auf die Biografie des Ausnahmekünstlers, der die Schattenseiten des Showgeschäfts kannte wie kein zweiter.

Der größte Popmusiker aller Zeiten kommt am 29. August 1958 unter seinem bürgerlichen Namen Michael Joseph Jackson in Gary bei Chicago zur Welt. Er wächst in einer afroamerikanischen Arbeiterfamilie auf, gemeinsam mit neun Geschwistern. Schon früh leidet er unter dem physischen und psychischen Missbrauch seines Vaters Joseph Walter „Joe“ Jackson, der ihn regelmäßig verprügelt und dem kleinen Michael erzählt, er habe eine „fette Nase“. Unter schlimmsten Bedingungen müssen er und seine Brüder für ihre Auftritte üben, Fehler werden mit Gürtelhieben bestraft. Zu jener Zeit bestehen die Jackson Brothers aus Jackie, Tito und Jermaine Jackson.

1964 steigen auch Michael und Marlon in die von Vater Joe gegründete Familienband ein. Zunächst spielen die beiden Conga und Tamburin, 1965 nimmt Michael gemeinsam mit Jermaine die Rolle als Sänger ein. Der Name der Gruppe ändert sich in Jackson 5, von da an beginnt eine steile Karriere. Vom Gewinn einer Talent-Show über die Schließung eines Plattenvertrags mit dem legendären Label Motown bis hin zu einer eigenen TV-Show nehmen die Jackson-Brüder alle möglichen Erfolge mit. Michael entwickelt sich zum Liebling der Konstellation und schafft den Sprung vom Kinder- zum Popstar. Bereits ab 1972 veröffentlicht er die Soloalben Got To Be There (1972), Ben (1972), Music & Me (1973) und Forever, Michael (1975). Als begnadeter Songwriter soll er erst später in Erscheinung treten.

Michael Jackson Off The Wall

Mit seinem fünften Solowerk Off The Wall (1979) gelingt Jackson die musikalische Abnabelung von seiner Familie. Mit Eigenkompositionen wie Don’t Stop ’Til You Get Enough, Working Day And Night und Get On The Floor zeigt der junge Künstler erstmals, dass er nicht nur performen, sondern auch Songs schreiben kann. Die Platte erreicht Platz drei der Billboard-Charts, weltweit gehen über 20 Millionen Exemplare über die Ladentheke. Jackson wird mit Preisen überhäuft, vier Singles steigen in die Top Ten ein. Don’t Stop ’Til You Get Enough und Rock With You schaffen es sogar auf die Pole Position. Jedoch: Jackson ist Perfektionist. Er glaubt, dass er noch deutlich mehr erreichen kann. Und er soll Recht behalten.

1982 veröffentlicht Jackson sein sechstes Werk Thriller, bis heute das kommerziell erfolgreichste Album der Welt. (Dies wird oft der Greatest Hits 1971-1975 von den Eagles nachgesagt, doch das gilt nur für die USA.) Wahnsinnige 66 Millionen Mal verkauft sich die Scheibe, kaum ein Rekord bleibt ungebrochen. Ganze acht Grammys kassiert Jackson für seinen Geniestreich, Hits wie Beat It oder Billie Jean komponiert er im Alleingang. Für den Titeltrack produziert Jackson auf eigenes Risiko einen Videoclip, der bis heute Maßstäbe setzt und maßgeblich zum Erfolg des Albums beiträgt.

Darüber hinaus gelingt ihm ein wichtiger kultureller Beitrag: Jackson etabliert afroamerikanische Musiker in der Mitte der Gesellschaft. Sein Erfolg soll auch in den Jahrzehnten danach nicht abreißen. Mit Bad (1987) und Dangerous (1991) veröffentlicht er abermals Meilensteine der Popmusik; mit HIStory — Past, Present And Future, Book I (1995) und Invincible (2001) legt er zwei weitere Werke nach.

Michael Jackson Bad

So unumstritten, wie Michael Jackson weltweit als größter Popstar aller Zeiten bezeichnet wird, so umstritten gilt er als Person. Schönheitsoperationen, das Erblassen seiner Haut, Drogenprobleme und nicht zuletzt zahlreiche Missbrauchsvorwürfe kratzen am Thron des „King Of Pop“. Immer wieder gerät er in die Fänge der Gerüchteküche, aber auch ins öffentliche Kreuzfeuer. Die ersten Missbrauchsvorwürfe werden im August 1993 publik, als der 13-jährige Jordan Chandler und sein Vater Evan Chandler den Musiker beschuldigen, dass es sexuelle Handlungen zwischen ihm und Jordan gegeben habe.

Um dem Stress der Öffentlichkeit zu entfliehen, greift Jackson zu Schmerz- und Beruhigungsmitteln sowie zu Medikamenten gegen Angststörungen. Zu jener Zeit tauscht er sich intensiv mit seiner zukünftigen Ehefrau Lisa Marie Presley aus, die sich um den Musiker sorgt. Die beiden kennen sich bereits seit Presleys siebtem Lebensjahr, sie steht mit Rat und Tat zur Seite — und glaubt an Jacksons Unschuld. Dennoch rät sie ihm dazu, den Fall abseits des Rampenlichts zu klären und sich in einen Entzug zu begeben. Im Januar 1994 einigen sich Chandler und Jackson außergerichtlich, 25 Millionen US-Dollar wechseln den Besitzer. Im September 1994 wird das Missbrauchsverfahren aufgrund mangelnder Beweise eingestellt.

Zu weiteren Vorwürfen kommt es im März 2003 nach der Veröffentlichung der Dokumentation Living With Michael Jackson. Der Film zeigt den Künstler, wie er die Hand eines Jungen hält und eine anstehende Übernachtung mit ihm bespricht. Kurz nach der Ausstrahlung beginnen erneut Ermittlungen gegen Jackson, im November 2003 wird er verhaftet. Der Vorwurf: sieben Fälle von Kindesmissbrauch und das Verabreichen alkoholischer Getränke an Minderjährige.

Jackson streitet alles ab und gibt zu Protokoll, dass die Übernachtungen nicht sexueller Natur gewesen seien. Der Prozess dauert vom 31. Januar 2005 bis zum 13. Juni desselben Jahres. Der Musiker wird in allen Punkten freigesprochen und zieht sich danach abermals aus der Öffentlichkeit zurück. Ab März 2006 gerät Jackson in finanzielle Schwierigkeiten, ganze 270 Millionen US-Dollar schuldet er der Bank Of America. Noch im selben Jahr erklärt er, dass er an einem neuen Album arbeitet, das von will.i.am produziert werden soll. Er wird es nie abschließen.

Michael Jackson This Is It

Im März 2009 verkündet Jackson bei einer Pressekonferenz, dass er unter dem Namen This Is It eine Reihe von Abschiedskonzerten geben möchte. Unter anderem will er den Spekulationen um seine Gesundheit und seine finanzielle Situation etwas entgegensetzen. Es wäre seine erste Tour seit mehr als 20 Jahren gewesen. Zunächst geht es um zehn Shows in London, gefolgt von Konzerten in Paris, New York City und Mumbai. Als sich mehr als eine Million Tickets in gerade einmal zwei Stunden verkaufen, wird aufgestockt. 50 Termine sollen nun stattfinden, und zwar vom 13. Juli 2009 bis zum 6. März 2010. Doch dazu kommt es nicht.

Am 25. Juni 2009 erliegt Michael Jackson einem Kreislaufstillstand. Während der anschließenden Autopsie werden in seinem Körper das Narkotikum Propofol sowie die Beruhigungsmittel Lorazepam und Midozolam gefunden. Als Todesursache wird eine Propofol-Überdosis festgestellt. 2011 wird Jacksons Leibarzt Conrad Murray wegen fahrlässiger Tötung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Darüber hinaus sorgt ein weiterer Befund für Aufsehen. Wusste man zeitlebens nicht so genau, warum Jacksons Haut immer heller und heller wird, sorgt die Autopsie für Gewissheit: Er litt an Vitiligo, einer Pigmentstörung — genau, wie er es immer behauptet hatte.

Michael Jackson

Litt unter der Hautkrankheit Vitiligo: „King Of Pop“ Michael Jackson. Bild: Keir Whitaker/Wiki Commons

In den Tagen nach Jacksons Tod ist die Welt nicht mehr dieselbe: Websites brechen zusammen, der gesamte Internet-Traffic steigt um mehr als 11% an. MTV sendet stundenlang Musikvideos des Ausnahmekünstlers, weitere Sender zeigen eine Dokumentation nach der anderen. Eine regelrechte Jackson-Manie bricht aus, die ganze Welt nimmt Anteil am plötzlichen Tod des „King Of Pop“. Die Andacht findet am 7. Juli 2009 in Los Angeles statt. Aus stolzen 1,6 Millionen Bewerbern werden 8.750 Fans ausgesucht, die daran teilnehmen dürfen. Stars wie Mariah Carey, Stevie Wonder, Lionel Richie oder Jennifer Hudson treten auf, Smokey Robinson und Queen Latifah halten Trauerreden. Im Internet wird die Veranstaltung live übertragen, allein in den USA schauen mehr als 30 Millionen Menschen zu.

In den Monaten danach bricht Jackson sogar posthum noch Rekorde. Mehr als 35 Millionen seiner Alben verkaufen sich 2009 weltweit, mehr als von jedem anderen Künstler. Innerhalb einer Woche werden seine Songs über zwei Millionen Mal heruntergeladen. Gleich vier seiner Alben landen in der Top 20 der US-Jahrescharts.

Doch genau wie sein Erfolg bleiben auch die Vorwürfe gegen ihn bestehen. 2013 erhebt Choreograf Wade Robson Anklage. Jackson habe ihn sieben Jahre lang sexuell belästigt, schon im Alter von sieben Jahren sei er missbraucht worden. 2014 reicht auch James Safechuck Klage ein und sagt aus, der Musiker habe ihn im Alter von zehn bis 14 missbraucht. Beide hatten 1993 noch zu Jacksons Gunsten ausgesagt, Robson 2005 sogar noch einmal. Beide Fälle werden nicht weiter verfolgt, da die Ereignisse zu lange her seien.

Im Jahr 2019 erreichen die Vorwürfe im Zuge der Dokumentation Leaving Neverland noch einmal eine neue Dimension. Erneut sind es Safechuck und Robson, die vor einer Kamera erklären, der Popstar habe sie über Jahre hinweg missbraucht. „Er war einer der gütigsten, sanftesten, liebevollsten Menschen, die ich kannte“, berichtet Robson. „Und er hat mich über sieben Jahre sexuell missbraucht.“ In aller Deutlichkeit schildern die beiden die Praktiken, die Jackson mit ihnen durchgeführt haben soll, weit über die Schmerzgrenze der Zuschauerschaft hinaus.

Bis heute spalten die Vorwürfe die Anhänger von Jackson in zwei Lager: Die Fans, die sich nicht vorstellen können, dass ihr Liebling diese Taten begangen haben soll und diejenigen, die die Aussagen der mutmaßlichen Opfer mindestens bemerkenswert finden, wenn nicht gar glauben. Eine juristische Auflösung wird es nach Jacksons Tod nicht mehr geben.

Wie auch immer man zu den Missbrauchsvorwürfen steht – ob man sie glaubt oder nicht, ob man sie von der Kunst trennen mag oder nicht, oder ob man schlicht schmerzlich hinnimmt, dass Jacksons Privatleben immer wieder kleinere oder größere Schatten auf seine Musik geworfen hat: Was er für die Popkultur getan hat, lässt sich kaum in Worte fassen.

Popkultur

Interview mit In Flames: „Sobald man ein paar Alben veröffentlicht hat, ist plötzlich alles voller Regeln“

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In Flames

Mit Foregone liefern In Flames das Album, auf das alle seit Reroute To Remain gewartet haben: Ein großes Melodic-Death-Metal-Album, das mehr als nur ein bisschen auf die legendären Neunziger schielt. Warum das nichts mit Nostalgie zu tun hat, wie die Schweden Fortschritt dosieren und was er gern an seinem 50. Geburtstag machen würde, verrät uns Sänger und Kappenträger Anders Fridén im Interview.

von Björn Springorum

Ihr habt schon vor Veröffentlichung des neuen Albums eine lange Europatournee gespielt. Was man so gehört hat, kam die ja wahnsinnig gut an. Wie war es, wieder unterwegs zu sein?

Ich weiß nicht, was, aber wir scheinen gerade irgendwas richtig zu machen. (lacht) Der Band geht es sehr gut und wir alle haben es genossen, endlich mal wieder eine richtige Tour zu spielen. Es war viel zu lang her.

Die Stimmung in In Flames ist derzeit also bestens?

Unsere Band verteilt sich ja mittlerweile auf Schweden und die USA, also waren wir wegen der Pandemie ewig nicht zusammen im selben Raum. Das war nicht einfach, hat unserer Beziehung aber gut getan. Wir konnten alle mal einen Schritt zurücktreten und in aller Ruhe betrachten, was wir uns da eigentlich aufgebaut haben. Als Band machst du ja nie Pause, du machst einfach immer so weiter, bis du ein wenig aus den Augen verlierst, was für ein gewaltiges Privileg das alles ist. Alle sind jetzt wieder so dermaßen hungrig auf die Band, alle ziehen an einem Strang. Außerdem sind alle in absoluter Topform. So eine hohe Qualität hatten wir bei In Flames noch nie.

Wie hast du die Pandemie überstanden?

Habe ich das? (lacht) Ja, wahrscheinlich schon. Es ging. Ich fühlte mich merkwürdig ruhig, als alles losging. Erstmals in meinem Leben gab es da ein Ereignis, das alle auf der Welt im gleichen Maße betraf. Ich fühlte mich allen anderen Menschen verbunden, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Das änderte sich dann auch bei mir irgendwann in Richtung Frustration, aber zumindest die erste Phase war durchaus inspirierend.

„Ich weiß, dass wir die Hoffnung nie verlieren sollten“

Deine Texte waren ja immer sehr introspektiv und persönlich. Hat die Pandemie sie universaler gemacht?

Die Texte sind persönlich wie immer, richtig. Aber wenn ich so darüber nachdenke, dann sind sie tatsächlich mehr nach außen gerichtet. Ich beobachte mein Umfeld mehr.

Foregone sprüht nicht gerade vor Optimismus und Zuversicht. Wo findest du noch Hoffnung?

In meinem ersten Kaffee am Morgen? (grinst) Ansonsten ist es schwierig, das gebe ich zu. Ich sollte wahrscheinlich einfach aufhören, die Nachrichten zu lesen. Sicher, Hoffnung gibt es irgendwie immer, aber manchmal scheint es alles immer nur noch schlimmer zu werden. Es ist nicht einfach und sagt sich so leicht, aber ich weiß, dass wir die Hoffnung nie verlieren sollten. Für unser eigenes Seelenheil.

Foregone wurde aus Frustration und Angst geboren“

Auf der letzten Tour habt ihr die Songs der neuen Platte direkt mit sehr alten Songs gepaart. Zufall?

Ich finde, dass die neuen Songs sehr gut zu den eher älteren Sachen aus unserem Kanon passen. Irgendwas an ihnen transportiert diese Stimmung der Neunziger.

Hat das mit Nostalgie zu tun?

Ich weiß schon, dass einige der neuen Songs nach unseren ganz frühen Alben klingen, aber wir sehen das anders. Ich bin kein nostalgischer Mensch, ich schaue eigentlich nie zurück. Diese Elemente waren immer da und kommen jetzt einfach wieder ein wenig mehr zum Vorschein, denke ich. Foregone wurde aus Frustration und Angst geboren, diese beiden abgefuckten letzten Jahre sind in dieses Album geflossen.

„Man hört einem Song an, dass es ein In-Flames-Song ist“

Dann war es also keine bewusste Wurzelkunde?

Nein. Mit In Flames haben wir im Grunde nur ein Ziel: Wir wollen besser werden. Bessere Songwriter, bessere Musiker, bessere Menschen. Es ist ja nun mal so: Wir schreiben Songs, mit denen wir für immer leben müssen. Also haben wir keine andere Wahl als alles zu geben. Wer uns nicht mehr mag, kann einfach aufhören, uns zu hören, aber ich muss hinter diesen Songs stehen und sie Nacht für Nacht spielen.

Es kommt also nicht vor, dass ihr im Proberaum mal sagt: „Cooles Riff, klingt aber zu sehr nach Cloud Connected“?

Wir haben unseren Sound, von dem können und wollen wir uns auch gar nicht lösen. Manchmal klingt ein Riff also nach The Jester Race, manchmal nach Reroute To Remain. Man könnte natürlich auch sagen: Manchmal klingen In Flames nach In Flames (lacht). Wir versuchen, uns nicht zu wiederholen, aber auch unsere Gitarren haben nur diese Anzahl an Noten…

Und wie dosiert ihr dann Fortschritt?

Gute Frage. Es ist uns wichtig, uns immer weiterzuentwickeln. Aber wir wollen nie so weit gehen, dass man uns nicht mehr erkennt. Ich denke, das haben wir geschafft. Sicher gab es Änderungen und eine Menge Evolution, aber man darf nicht vergessen, dass wir mittlerweile sehr viele Jahre, sehr viele Tourneen und sehr viele Biere hinter uns haben. Doch unser Sound ist sofort erkennbar. Man hört einem Song an, dass es ein In-Flames-Song ist. Das liegt sicherlich an meiner Stimme, aber auch an der Art und Weise, wie wir Songs schreiben. Das können nur wir so.

„Jede neue Band ist voller Naivität und Aufbruchstimmung“

Wie ist Foregone entstanden?

Wir schreiben weder, wenn wir auf Tour sind, noch alleine für uns. Björn [Gelotte] und ich müssen im selben Raum sein, sonst gibt es keine Magie. Wir zehren voneinander, beflügeln uns gegenseitig. Was sich nie ändern wird: Wir schreiben Alben, keine Singles. Da werden wir für immer alte Schule bleiben.

Du wirst im März 50. Was macht das Älterwerden mit dir?

Es bringt mehr Ruhe. Privat wie musikalisch. Jede neue Band ist voller Naivität und Aufbruchstimmung. Und das ist ja auch das Schöne daran. Deswegen fand ich mein Zuhause in der Heavy-Metal-Szene: Es gab keine Regeln. Doch sobald man dann ein paar Alben veröffentlicht hat, ist plötzlich alles voller Regeln. Fremde sagen dir, was du tun darfst und was nicht und du wirst plötzlich unsicher und weißt nicht mehr, wo du stehst. Das ändert sich mit dem Älterwerden zum Glück wieder. Du wirst dein eigener Kompass und hörst auf deine innere Stimme. Ich mache das seit 1989, da bleibt schon bisschen was hängen.

Was darf man als Band nie verlieren?

Die Leidenschaft. Ich will auf die Bühne geben und das Gefühl haben, dass es auf der ganzen Welt nichts Besseres gibt. Wenn das mal nicht mehr da ist, höre ich auf. Warum sollte ich das sonst auf mich nehmen? Ich war 2022 fast pausenlos auf der ganzen Welt unterwegs…

Was wünschst du dir zum 50. Geburtstag?

Ein Urlaub auf einer einsamen Insel mit meiner Familie, weit weg von euch allen. (lacht)

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Zeitsprung: Am 3.9.2002 wagen In Flames etwas mit „Reroute To Remain“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.2.2013 verliert Axl Rose den Prozess gegen „Guitar Hero III“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.2.2013.

von Christof Leim

2010 verklagte W. Axl Rose die Firma Activision, die das Computerspiel Guitar Hero III auf den Markt gebracht hatte, in dem auch Guns N’ Roses vorkommen. Der Sänger störte sich vor allem daran, dass beim Song Welcome To The Jungle Gitarrist Slash als spielbare Figur auftaucht. Nicht nur das: Sein alter Kollege ziert sogar die Verpackung. Mit seiner Beschwerde kommt Axl allerdings nicht durch…

Hört euch hier die Klassiker von Guns N’ Roses an und lest weiter:

Den Deal damals hatte Axl als Herrscher über das Guns-N’-Roses-Imperium abgesegnet. Dabei vereinbarte er mit der Firma, dass auf keinen Fall sein (damals) ungeliebter Ex-Kollege Slash zu sehen sein darf. Dass zudem einige Songs von dessen neuer Combo Velvet Revolver in der Bonussektion gespielt werden können, störte den Rotschopf ebenso. Nach Meinung von Axl habe die Firma ihn trotz entsprechender Versprechen damit schlicht hintergangen und sei vertragsbrüchig. Als Schadenersatzsumme warf seine anwaltliche Vertretung eine praktische runde Summe in den Ring: 20 Millionen Dollar.

Tauchen beide in Guitar Hero III auf: W. Axl Rose und Slash. Das geht gegen die Abmachung, fand Axl. Credit Foto rechts: Stefan Brending / via Wikimedia Commons.

Die Klage wird abgewiesen

Doch daraus wird nichts: Am 8. Februar 2013, wird die Klage mit Schwung abgewiesen. Hauptgrund: Das Spiel war schon 2007 erschienen, aber Team Axl hat sich drei Jahre Zeit mit der Klageerhebung gelassen – zu lange. Und das, obwohl der Agent des Künstlers schon viel früher eine Beschwerdemail an Activision geschrieben hatte. Rose hatte aber einen guten Grund zu warten, denn die Firma hatte ihm ein eigenes Spiel angeboten. Da wartet man doch gerne. Über die juristischen Details streiten sich in der Folge diverse Anwaltskanzleien.

Ganz schön viel Theater um Daddelei und Rockbands, könnte man meinen. Allerdings geht es um viel Geld und, vielleicht wichtiger, Außenwirkung. Immerhin ist Axl Rose damals mit einer ganz neuen Gunners-Besetzung unterwegs. Glücklicherweise hat sich das aber erledigt: Heute sind er und Slash wieder Freunde und touren höchst erfolgreich um die Welt. Ist auch besser so.

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Zeitsprung: Am 21.7.1985 spielen Guns N’ Roses auf einer Universitätsparty.

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Popkultur

Prince, Madonna und die Rolling Stones: Die besten Super-Bowl-Halbzeitshows aller Zeiten

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Prince
Foto: Jonathan Daniel/Getty Images

Ein Auftritt im Rahmen der Super-Bowl-Halbzeitshow gleicht einem popkulturellen Ritterschlag, nirgendwo ist das TV-Publikum größer. Vielen Sternchen wurde diese Ehre in den vergangenen Jahrzehnten bereits zuteil. Von U2 bis hin zu den Rolling Stones: Diese zehn Halbzeitshows finden wir besonders gelungen.

von Timon Menge

10. The Blues Brothers, ZZ Top, James Brown (1997)

Wenn der Super Bowl in einer Blues-Metropole wie New Orleans stattfindet, muss natürlich auch eine Blues-orientierte Halbzeitshow her. Mit Everybody Needs Somebody To Love und Soul Man gaben die Blues Brothers am 26. Januar 1997 zwar vor allem Soul-Klassiker zum Besten, genau wie James Brown im Anschluss; doch spätestens ZZ Top versorgten das Publikum mit reichlich Bluesrock. Eine coole Sonnenbrillen-Party zwischen zwei Halbzeiten!

9. U2 (2002)

Den Iren U2 wurde am 3. Februar 2002 eine ganz besondere Verantwortung zuteil. Die Terroranschläge von 11. September 2001 lagen noch kein halbes Jahr zurück, da sollten Bono und Co. bei der größten Unterhaltungsveranstaltung der Welt auftreten – übrigens erneut in New Orleans. Doch U2 wurden ihrem Auftrag gerecht, lieferten ein hervorragendes Set ab und gedachten auf einer riesigen Leinwand all jenen, die am 11. September ums Leben gekommen waren.

8. The Rolling Stones (2006)

Auf eine große Bombast-Show verzichteten die Rolling Stones bei ihrem Auftritt am 5. Februar 2006 in Detroit. Doch ganz ehrlich: Wenn Mick Jagger und seine jahrzehntelangen Weggefährten eine Bühne betreten, braucht es keine Schnörkel und kein Chichi. In wenigen Minuten rockten sich die Stones durch große Hits wie Start Me Up und (I Cant Get No) Satisfaction. Einen Luxus gönnten sich die Briten dann allerdings doch: eine Bühne in Form einer riesigen roten Zunge.

7. Katy Perry (2015)

Zugegeben, für hartgesottene Rocker*innen klingt der Sound von Katy Perry etwas ungewohnt. Doch mindestens zwei Dinge kann ihr keiner nehmen: hervorragende Popsongs und einen mehr als nur gelungenen Auftritt am 1. Februar 2015. In Sachen Show macht den größten Pop-Sternchen einfach niemand etwas vor, wie wir auch im weiteren Verlauf unserer Liste feststellen werden. Als Gäste durfte Perry Hip-Hop-Legende Missy Elliott und Gitarrengott Lenny Kravitz begrüßen.

6. Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar & 50 Cent (2022)

Diese Halbzeitshow ist noch nicht lange her, setzte am 13. Februar 2022 aber völlig neue Standards. Zum ersten Mal in der Geschichte des Super Bowl durfte sich die Hip-Hop-Welt nach Herzenslust präsentieren. Das Line-up des Abends liest sich wie ein Who‘s who: Dr. Dre, Snoop Dogg, Eminem, Mary J. Blige, Kendrick Lamar … Sie alle waren dabei und setzten dem Sprechgesang ein etwa 15-minütiges Popkultur-Denkmal. Als Gaststars tauchten 50 Cent und Anderson .Paak auf.

5. Madonna (2012)

Wenn die „Queen Of Pop“ eine Halbzeitshow gestaltet, darf man einiges erwarten. Und wie so oft wurde Madonna den Erwartungen am 5. Februar 2012 vollständig gerecht. Als griechische Göttin verkleidet, ließ sie sich von ihren Spartaner-Tänzern über die Bühne tragen und manifestierte ihren Status als größte Popkünstlerin aller Zeiten. Unterstützung erhielt sie unter anderem von Cee Lo Green, Nicki Minaj, M.I.A. und LMFAO. Den Abschluss der Show markierte ein Gospelchor, mit dem Madonna Like A Prayer zum Beten … äh … zum Besten gab.

4. Lady Gaga (2017)

Als die Verantwortlichen der NFL den Vertrag mit Lady Gaga unterzeichneten, dürften ihnen durchaus ein paar Schweißperlen auf der Stirn gestanden haben. Schließlich kann man bei der exzentrischen Künstlerin nie so genau wissen, mit welchen Show-Einlagen sie ihr Publikum überrascht. (Wir erinnern uns an das Rindfleischkleid von 2010.) Bei der Super-Bowl-Halbzeitshow am 5. Februar 2017 ging die Musikerin allerdings auf Nummer sicher und legte einen unfassbaren Auftritt hin. Die Performance ihrer LGBTQ-Hymne Born This Way ließ sich Gaga trotzdem nicht nehmen.

3. Michael Jackson (1993)

Zu den Eigenheiten der Super-Bowl-Halbzeitshow zählt unter anderem der enge Zeitplan. Selten stehen für die Performance mehr als 15 Minuten zur Verfügung; meist wird jede Sekunde davon genutzt. Michael Jackson ging das Ganze im Januar 1993 ein wenig anders an. Länger als eine Minute blieb er vor seiner fulminanten Show still auf der Bühne stehen, als sei er eine Statue – und wurde dafür auch noch bejubelt. Das sagt einiges über seinen damaligen Stand des „King Of Pop“ aus.

2. Beyoncé & Destiny’s Child (2013)

Die Super-Bowl-Halbzeitshow 2013 war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, dass mit Beyoncé eine der hochkarätigsten Künstlerinnen des 21. Jahrhunderts das Programm gestaltete. Nein, es kam auch zur lange erwarteten Reunion von Destiny’s Child, denn Kelly Rowland und Michelle Williams waren ebenfalls mit von der Partie. An jenem Abend dürften Beyoncé und ihre Kolleginnen viele Frauen und Mädchen sehr glücklich gemacht haben. Im Anschluss an ihren Auftritt fiel allerdings für mehr als eine halbe Stunde der Strom aus.

1. Prince (2007)

Der Auftritt von Prince im Rahmen der 41. Super-Bowl-Halbzeitshow ist nichts anderes als eine Lehrstunde in Sachen Rockstar-Perfektion. Scheinbar mühelos fegte der gerade einmal 1,57 Meter große Musiker am 4. Februar 2007 über die Bühne in Form seines Logos. Keine Sekunde verging, ohne dass er das Publikum fest im Griff hatte. Prince und eine Blaskapelle? Oh ja. Prince spielt Purple Rain im Regen? Absolut. Ein Abend für die Geschichtsbücher!

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„California Love“: Die musikalischen Höhepunkte der Super-Bowl-Halbzeitshow

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