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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.7.1989 rebelliert eine Kleinstadt gegen die Rolling Stones.

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Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.7.1989.

von Andrea Hömke und Christof Leim

Selbst die großen Rolling Stones sind nicht immer und überall gern gesehene Gäste. Als sie im Juli 1989 in einem US-Kleinstädtchen für eine Welttour proben wollen, formiert sich eine Bürgerbewegung und fordert „Rollt die Stones aus dem Dorf!“ Und das kommt so…

Hier könnt ihr euch Steel Wheels anhören:

Wykeham Rise: In diesem ehemaligen Mädcheninternat wollen die Stones proben.

Im Juli 1989 machen die Rolling Stones Station in Washington, Connecticut, einen Örtchen 100 Meilen nördlich von New York City mit nicht mal 4000 Einwohnern. Dort wollen Mick Jagger und seine Gang für ihre bevorstehende Mega-Musikreise proben: Die Steel Wheels Tour soll ein ganzes Jahr dauern und 115 Shows umfassen. Es werden die letzten Liveauftritte mit Bassist Bill Wyman werden. Zur Vorbereitung dieses großen Vorhabens mieten sich die Stones ein ins ehemalige Mädcheninternat der Stadt namens Wykeham Rise, um mehrere Woche an der Produktion und den Songs zu feilen. So weit, so gut.

Doch was dann folgt, stößt den bodenständigen Bewohnern des Ortes ordentlich auf: Die Bad Boys des Rock’n’Roll rücken nämlich mit einer Armee von Gefolgsleuten an. Ein New York Times-Artikel berichtet am 19. Juli 1989 von 25 Mitarbeitern und zweimal so vielen Sicherheitsleuten wie der gesamte Ort an eigenen Polizisten vorzuweisen hat. Lkw-Ladungen voll schalldämpfenden Fiberglases und schwarzer Vorhänge schirmen das Tanzstudio der Schule derart von der Bevölkerung ab, dass niemand weiß, was genau dort passiert. Im Gegenzug, so erzählen die Anwohner, würde Sicherheitspersonal der Band sogar Autos anhalten und die Insassen befragen, wohin sie denn fahren.

Damit ist es mit der Ruhe der aufgebrachten Nachbarschaft natürlich vorbei. „No Satisfaction“ in Washington, Connecticut, könnte man sagen. Es kommt also, wie es kommen muss: Die Verärgerten formieren sich und gründen eine Aktionsgruppe mit dem cleveren Namen „Roll the Stones out of town!“, auf Deutsch: „Rollt die Steine aus der Stadt!“ 

Sogar diejenigen, die bei der Initiative nicht mitmachen, zeigen sich von den Rockstars wenig beeindruckt. Michelle Price etwa arbeitet als Kellnerin in einer Pizzeria. Ein Bandmitglied, wie er heißt, weiß sie nicht mehr, habe bei ihr gegessen. „Er wollte unbedingt erkannt werden“, sagt Price. „Aber die Genugtuung habe ich ihm nicht gegeben.“

Ein Dorfbewohner namens Jim Acton erzählt der New York Times beim Mittagessen im lokalen Restaurant Parks Drug: „Sie könnten jetzt hier rein kommen, und ich würde sie nicht erkennen. Ich will sie auch gar nicht kennen. Lasst denen ruhig ihre Privatsphäre.“ Tatsächlich einen Grund zur Klage hat Robert Faust, Direktor örtlichen Maskentheaters namens Faustwork. Normalerweise übt sein kleines Ensemble nämlich in den Räumen des Wykeham Rise-Internats, muss den Stones aber nun für einige Wochen Platz machen.

Allerdings, und das ist auch den Ortsvorstehern klar, bringen die Rolling Stones nicht nur Ärger mit. Sie mieteten zusätzlich zur Schule unter anderem das gesamte Hotel Washington Inn und bringen der lokalen Wirtschaft letztlich geschätzte 300.000 bis 500.000 Dollar ein – eine stolze Summe für die kurze Zeit. Schon am 12. August ist der Spuk wieder vorbei: Im nur wenige Meilen entfernten New Haven rocken die Stones mit ihrer Steel Wheels Tour los. Ob Bewohner aus Washington im Publikum stehen, ist nicht bekannt.

Übrigens: Ab 2021 kann man sich in den Proberäumen der legendären Rocker sogar einmieten. Denn Wykeham Rise wird aktuell zu einem luxuriösen Boutique-Hotel umgebaut. Hoffen wir mal, dass die Anwohner nichts gegen Touristen haben…

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